NAEVUS / KNIFELADDER - Split


Erstveröffentlichung: CD 2004 / Terra Fria / Resurrection Records / tf002

And finally here is another fine release of England´s NAEVUS, this time a Split-CD with the project KNIFELADDER. Each band has three tracks on the CD and it comes in a really nice black PVC-CD-Box, limited to only 500 copies. NAEVUS´ opener „Less Than Queer“ is a typical Neofolk-track with acoustic guitar and a nice melody. It is a cover of a David E. Williams track, by the way. „The Devil“ has a certain feeling between oriental music and a waltz and sounds a bit darker, in my opinion, one of the best songs of the band yet! Third piece is „Don´t Boil (Version One)“, much more minimalistic and possibly the right song for a campfire late in the night. KNIFELADDER offers „Retina (Last Gasp Edit)“, a remix of an older track, which comes over more experimental and dark an can make your bowels churn, really thrilling music with a Soundtrack-feeling (for films like „The Crow“). A fantastic musical piece which surely will be loved by fans of early Six(th) Comm. „Oblivion (Anti Valium Remix) has more Industrial influences, somewhere between Einstürzende Neubauten, early Skinny Puppy and Nurse With Wound combined with many samples. Very dark and, as said in the info-sheet, nihilistic. The last KNIFELADDER track „Faultline (Anti Valium Remix)“ is the most straight song, what does not mean, that it has anything to do with Pop-music. On this Split-CD it seems, that KNIFELADDER are the „winners“, but NAEVUS present their many-sided work very good, too. A fine release to discover two great bands. (A.P.)

E-Mail-Adresse der Band: Lloyd.James@Edexcel.org.uk
Webadresse der Band: www.naevus.co.uk

ENVARLA - Live 2001 mit Libitina & New Days Delay


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2001

Live 12.10.2001 – Hamburg, Headbanger´s Ballroom

Im Rahmen der “Sacrament-Party” (www.sacrament.de ), die sich zur Aufgabe gemacht hat, den guten alten Gitarren-Gothic-Rock und Death-Rock am Leben zu erhalten, traten drei Bands dieser Richtung in Hamburg auf. Als ich um 21.45 Uhr am Ort des Geschehens eintraf, spielten ENVARLA (www.envarla.de ) bereits, da die Livebands bis 0.00 Uhr durch sein mussten und bei 3 Gruppen der Zeitplan natürlich eng gesteckt war. Die Gruppe spielt ziemlich typischen, oft gehörten Gothic-Rock im Stile von Gruppen wie Suspiria oder The House Of Usher, sicherlich nicht schlecht, aber auch nicht wirklich mitreissend. Nach einer kurzen Umbaupause betraten NEW DAYS DELAY (www.newdaysdelay.de )aus Bremen die Bühne, die seit einiger von allen Zeitschriften abgefeiert werden als Retter des guten alten Batcave-Sounds. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die erste CD auf einem Label erscheint, mal sehen, welche Plattenfirma das Rennen macht. Die Sängerin sieht wirklich ausgesprochen gut aus und kann auch noch ordentlich singen (nur die hohen Töne passten nicht immer zum Sound). Klingt ziemlich nach Skeletal Family und ist wirklich überzeugend. Bald danach fingen die Engländer LIBITINA (www.libitina.demon.co.uk ) an. Die Gruppe hat bereits mit zwei guten Alben überzeugt, ist live aber noch viel besser, kraftvoller und rockiger. Zudem hatte die Band offensichtlich viel Spaß auf der Bühne, vor allem, wenn der Sänger immer mal wieder Ansagen auf Deutsch machte. Das Publikum fand´s auch gut und die Stimmung war bemerkenswert im gutgefüllten Headbanger´s Ballroom. Vielleicht sollte man zukünftig nur noch zwei Bands auftreten lassen, diese dafür aber länger. Trotzdem ist es schön, mal wieder einen richtigen Gothic-Rock Abend mit gleich drei Bands im klassischen Stil zu erleben. Seltsam nur, dass Gothic-Rock Bands heutzutage offensichtlich keine Schlagzeuger mehr haben, alle drei Bands sind zu dritt (Gitarrist, Sänger, Bassist, Keyboards/Drums vom Band) aufgetreten. (A.P.)

LIBITINA - Weltanschauung


Erstveröffentlichung: CD 2001 / Eigenproduktion

Well, if anyone is still interested in classic Gothic-Rock from England, he must have heard about LIBITINA, a Sheffield-based band, which actually released their second album „Weltanschauung“ independently. The band is wellknown in England, played a lot of Gigs through the last years and now starts to tour Germany, from October on. I don´t know the first album „A Closer Communion“, released back in 1997, but I really like „Weltanschauung“ and I am curious about seeing them play live here in Hamburg. I guess, they will be a bit more powerful on stage.

The band plays typical Brit-Gothic-Rock, really straight, guitar-based and sometimes dancable. Well, in some moments they are more Rock than Gothic, but on the other hand it reminds me a bit on good old Sex Gang Children sound, a fine mixture, I think...There are some great songs featured like „Betrayal“ and most of all „Pariah“. If you like all the great 90s Gothic-Rock bands from England like Vendemmian, Rosetta Stone, Children On Stun, Restoration II, Return To Khaf´ji and so on, you soon will be a fan of LIBITINA, too...if you are not by now... Don´t forget to visit the really informative Website! (A.P.)

Webadresse der Band: www.libitina.demon.co.uk

LIBITINA - A Closer Communion


Erstveröffentlichung: CD 1997 / Eigenproduktion

„A Closer Communion“ was the first album of Brit-Goth-Rockers LIBITINA back in 1997. I actually like their second one „Weltanschauung“, and so I like this debut CD. LIBITINA play pure Gothic-Rock without any boring Gothic-Metal moments. Instead they use a lot of Keyboards, which gives the sound sometimes more of a Darkwave feeling, than real Gothic-ROCK. Sometimes there are classic New Wave influences, but also „Batcave“-moments. Track 4 „The Ephemeral Bed Of Fire“ reminds me a bit of Rozz Williams´ solo works, other tracks are a bit in the same vein as England´s The Horatii and so on. Many tracks are really dancable, but never commercial. Even, if I prefer the „Weltanschuung“ album, wich is better produced and more powerful, „A Closer Communion“ is much better than the average Gothic-Rock sound these days. Check out the track „Painted Whiter Than White“ and don´t miss them playing live this autumn. An interview will follow soon. (A.P.)

Webadresse der Band: www.libitina.demon.co.uk

COMPILATION - Die Neue Tanzmusik Ist...Da Da Da


Erstveröffentlichung: LP 1982 / Fontana / 6435 164 7853

Wieder so ein typischer NDW-Sampler, wie sie 1982 beinahe wöchentlich veröffentlicht wurden. Buntes Cover, „Neu“ im Titel und eine Anspielung auf TRIOs größten Hit, der wohl exemplarisch für die Neue Deutsche Welle steht. Mit „Da Da Da Ich Lieb Dich Nicht Du Liebst Mich Nicht Aha Aha Aha“ von TRIO beginnt die LP dann auch gleich, gefolgt von IDEALs „Roter Rolls Royce“ und SPLIFFs „Heut´ Nacht“. Schön dass hier zwar bekannte Bands ausgesucht wurden, von diesen aber nicht die ganz bekannten Lieder, die man ja schon in- und auswendig kannte. INA DETER mit „Ich Habe Mir Sooft Gewünscht“ ist auch eine gute Wahl, handelt es sich doch um einen der besten Songs der Dame. Dann geht es mit kommerziell weniger erfolgreichen Bands weiter, die aber natürlich viel interessanter sind. Da wäre zunächst DER KFC mit ihrem noch deutlich vom Punk beeinflussten „Stille Tage In Ostberlin“, womit man spätestens jetzt weiß, woher die Toten Hosen anfangs ihre Einflüsse bezogen haben. Die Querverbindung zwischen beiden Bands besteht ja auch tatsächlich. DEO liefern mit „Exakt Neutral“ einen kleinen Meilenstein des deutschen New Wave ab, der Jahrzehnte später von Stereo Total kongenial gecovert wurde. Alleine für diesen seltenen Hit lohnt es sich schon, diesen Sampler ins Regal zu stellen. PALAIS SCHAUMBURGs „Wir Bauen Eine Neue Stadt“ ist dann schon wieder Standardware, die auf vielen Samplern verbraten wurde, aber nicht zu den besten Stücken dieser mit einflussreichsten NDW-Bands gehört. „Lokomotivführer“ von DIE DORAUS UND DIE MARINAS ist eine sehr schöne Alternative zum todgedudelten „Fred Vom Jupiter“. „Polizisten“ von EXTRABREIT gehört zu den großen Hits der damaligen Zeit und auch „Radio“ von NICHTS hört man immer wieder gerne. Die Band hat sowieso große, zeitlose Musik gemacht, zumindest zwei LPs lang. ABWÄRTS haben wie kaum andere Bands sowohl Punks als auch New Waver als Fans vereinigen können. Ihr „Beim Ersten Mal Tut´s Immer Weh“ ist ein unterschätzter kleiner Hit. Zu JAWOLLs „Taxi“ muss wohl auch nicht mehr viel gesagt werden. Sie hatten auf dem Höhepunkt der Welle ihren unvergessenen Hit. Die unsäglichen STRAßENJUNGS dürfen auch mal wieder mit „Los!“ einen Titel zu einem NDW-Sampler beisteuern, obwohl die Band eigentlich mit diesem Musikstil wenig zu tun hat. Prädikat „kleiner liebenswerter Hit“ verdient auch „Messertraum“ von KATIA. Der älteste Song dieser Platte, nämlich bereits 1980 bei Zick Zack erschienen, ist „Der Kommissar“ von THE WIRTSCHAFTSWUNDER, eine damals sicher ganz wichtige Band, die mich aber nie so richtig überzeugen konnte. Zu Ende geht es dann noch einmal mit TRIO und ihrem unvergesslichen „Sabine Sabine Sabine“.
Ein netter, gut durchhörbarer Sampler, der schön Stars der Welle und unbekanntere Acts vereint. (A.P.)

SOFT CELL - The Bedsit Tapes


Erstveröffentlichung: CD 2005 / Some Bizzare / Plastic Head / SBZ046

Nachdem es seit einiger Zeit wieder ziemlich ruhig um SOFT CELL geworden war und Marc Almond seinen schweren Unfall auskurieren musste, erscheint ziemlich überraschend, zumindest für Leute, die nicht täglich die News auf der offiziellen Website lesen, eine neue CD von einer der prägendsten Electro-Pop-Bands der 80er Jahre. Neu ist dabei allerdings nur die CD, nicht das Songmaterial. Im Gegenteil, es handelt sich um die wohl frühesten SOFT CELL-Aufnahmen aus den Jahren 1978-1980, Studiodemos, die bisher noch nicht veröffentlicht waren. Weitgehend bekannt sind nur die Stücke, die später auf der „Mutant Moments“-EP erschienen sind, nämlich „Potential“, „L.O.V.E. Feeling“ und das auch unter Minimal-Fans beliebte „Metro Mr.X“. Hier dürfte es sich um die gleichen Versionen der Stücke handeln, nehme ich mal an. 13 weitere Lieder machen diese CD für SOFT CELL-Fans jedoch unverzichtbar. Keine Ahnung, ob in Fankreisen nicht schon seit Jahren Bootlegs dieser frühen Aufnahmen kursierten, aber in jedem Falle ist es schön, die Songs nun auch ganz offiziell in guter Qualität in die Sammlung einreihen zu dürfen, denn das Material ist großartig und zeigt deutlich, wie gut Marc Almond und Dave Ball schon damals waren, bevor sie mit „Tainted Love“ und „Say Hello Wave Goodbye“ die internationalen Charts aufrollten. Ohne die Produktion professioneller Studios und dem dafür notwendigen Geld im Hintergrund klingen die frühen Tracks noch sehr roh und eher minimal-elektronisch und wavig, als die späteren Hits. Das macht wirklich Spaß und bei einigen Songs fragt man sich wirklich, warum sie nicht auf den späteren Veröffentlichungen verwendet wurden. Häufig klingt es ähnlich wie die frühen Human League, zum Beispiel bei „Factory Fun“, wobei aber natürlich Marc Almonds Stimme absolut unverwechselbar ist. Woher Darrin Huss mit Psyche seine Einflüsse hat, scheint auch etwas klarer zu werden, als es sowieso schon war. Einige Songs sind ziemlich schräg, was einmal mehr zeigt, dass SOFT CELL ohne den experimentierfreudigen Dave Ball mit seinem hier noch wirklich minimalen Equipment überhaupt nicht möglich gewesen wäre, genau, wie es SOFT CELL mit einem weniger charsmatischen Sänger als Marc Almond auch nie gegeben hätte.
„The Bedsit Tapes“ ist ein Pflichtkauf für jeden SOFT CELL/Marc Almond-Fan und für jeden, der sich für die Entwicklung des Electro-Pop interessiert. Schönes DigiPak mit einigen kurzen Anmerkungen von Dave Ball gibt es dazu. (A.P.)

SAND - Winterlieder


Erstveröffentlichung: CD 2005 / Broken Silence

In einer Welt, wo das eigene Glück auf Kosten anderer geht, unglaubliches Elend, Ausweglosigkeit herrscht, entsteht menschliche Kälte. Eine Winterlandschaft tut sich auf, in der alles auf einer dünnen Eisschicht steht. Keiner hat dem anderen mehr etwas warmes zu sagen. Oft sind genau diese Eindrücke der Anlass für die Musik und Texte von Sand.
Der Ausgangspunkt ist immer die irdische Welt, an der man nicht verzweifeln will.

Sebastian Lohse kennen die meisten sicherlich bloß als Robin Sohn. Unter diesem Namen war er als Sänger der Letzten Instanz fast 6 Jahre für Texte und Gesang zuständig. Im Dezember 2003 trennte er sich von der Band. Ein schwerer Schritt. Es waren bandinterne Unstimmigkeiten, künstlerische Konsequenzen und sein eigener Anspruch an einen verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Identität, dem Zuhörer und der persönlichen politischen Auseinandersetzung, die ihn dazu brachten. Er beharrt immer noch darauf, mit Kunst bei den Menschen nicht nur den Geldbeutel erreichen zu wollen, sondern vor allem das Gehirn, so schwer das auch ist.
Robin Sohn heißt nun wieder Sebastian Lohse und singt bei „Sand“ gelassen, gereift aber immer noch mit scharfer Zunge und wortgewandt wie eh und je. Komponiert hat die Lieder der Filmkomponist Frieder Zimmermann, der auch schon in diversen bekannteren Formationen, wie Forkefeld, Need A New Drug und dem Stahlquartett, Erfahrungen auf diesem Gebiet vorzuweisen hat.

Ihre nun erscheinende CD „Winterlieder“ besticht durch die Synthese aus ungewöhnlichen, sich vervielfältigenden Melodien und schwebenden Rhytmen und den stets fordernden, entschiedenen Texten , die zusammen ganz einfache Lieder im herkömmlichen Sinne bilden.
So entstehen diese „Neuen Deutschen Chansons“, ohne Pathos, Trend-Kalkül oder sonstige Schubladen.

Der Hörer merkt, hier geht es eindeutig um den Inhalt, und weniger um die Verpackung.
So kommt eine Balance aus den verschiedenen Musikstilen zusammen. Sand legt sich nicht fest, sondern versucht die eigene musikalische Sprache zu sprechen. Die Texte hinterfragen unsere abgestimmten Muster, die Gültigkeiten unserer sprachlich abgestumpften Konsumwelt und lassen den Hörer in seine eigenen Gedanken eintauchen. Diese Chansons sind keine Manifestationen eines rauschhaften Gemeinschaftsgefühls, der Kapitulation vor dem Konsum, sondern Anrede an den Einzelnen, sie brauchen den Hörer und lassen ihn gelten.

Endlich einmal ein deutsches Album, dass nicht hohl und leer ist, oder nach Konformität schreit! (Maximilian Nitschke)

SAND - Interview 2005




Interview mit Sebastian Lohse (Ex Letzte Instanz) von „Sand“ zu „Winterlieder“

MN: Hallo Robin, bzw. eigentlich ja Sebastian Lohse. Man kannte dich bisher ja doch eher unter dem Namen Robin und als Kopf der Letzten Instanz. Im Jahr 2003 dann plötzlich hieß es, nachdem kurz vorher noch ein Live Album und eine DVD erschienen war, du würdest die Band verlassen. Was hat dich zu diesem Schritt bewogen?

Seb: Oh je, da ist sehr viel zusammen gekommen! Zusammenfassend könnte man sagen, es waren persönliche, musikalische und schließlich auch moralische Gründe die mich zu diesem Schritt bewegt haben. Innerhalb der Band ist schon mit der Richtung die Götter auf Abruf eingeschlagen hat, vieles zwischen Ihnen und mir auseinander gegangen. Wir sind etwas vom eigentlichen Weg den wir anfangs gehen wollten, weg gekommen. Meine persönliche Sichtweise vertrug sich nicht mehr, mit der der restlichen Band und so zog ich schließlich die harte Entscheidung aus dieser Entwicklung. es war ja unser Anliegen immer ehrlich mit den Fans umzugehen, und teilweise musste ich diese Haltung aber erkämpfen. Als Musiker und Mensch musste ich immer wieder für meine Ideale mir vieles erkämpfen. Ich verändere mich sicherlich innerhalb dieser Welt und sie verändert sich mit, wenn diese Veränderung aber nicht mehr zu den anderen passt, dann bedarf es einer Lösung und die war schmerzlicherweise in diesem Fall mich zu trennen. Ich möchte dabei auch überhaupt keine Schuldzuweisung machen. Ich wollte halt etwas anderes als der Rest der Band und als dann im Studio mal der Satz vom Produzenten fiehl ‚7 Musiker und ein Sänger der nicht passt’ in Bezug auf die Instanz war die Entscheidung zwar schwerer aber konsequent!

MN: Ist Sand dann ein völlig neues Projekt, oder gab es hier vorher schon Arbeit daran, von denen man nur durch die Instanz nichts mitbekam?

Seb: Nein Nein, Sand ist bereits 2001 gegründet worden. Das lief so vollkommen nebenbei als ein Projekt von mir. Nun hatte ich halt ein neues Zeitpensum seit 2003 und hab diese freie Zeit zusammen mit einem Freund von mir genutzt um an Sand zu arbeiten. Er schaffte es sehr schnell mich für seine Art der Musik zu begeistern und ich bekam immer mehr Freude an dieser Sache. Das letzte halbe Jahr war dann richtig intensiv in der Arbeit daran! Wer mich nur als Texter der Instanzler noch sieht, für den ist das hier etwas sehr anderes. Die Musik von Sand reizte mich einfach zu einer völlig anderen Textart. Bei der Instanz rockte es mehr, dass ist hier nun nicht der Fall. Der Text gleicht sich der Musik viel mehr an und so entstehen auch ganz andere Textzusammenhänge. Die Aussagen der Texte allerdings haben sich nicht so sehr geändert, nur die Art ist viel theatraler insgesamt. Live soll das ganze auch eine Art ‚Liederkino’ ergeben, eine Geschichte, die mit der Musik und den Texten erzählt wird.

MN: Gibt es den Texte die dich beim jetzt hören oder den Hörer zum ersten Mal hören besonders ansprechen?

Seb: Nun das ist schwierig. Wir haben die CD natürlich im Sommer aufgenommen und noch ist ja Sommer, dennoch ist der Titel ‚Winterlieder’. Im Winter denk ich haben Songs eine neue Bedeutung und der Hörer wird diesen Unterschied heraushören. Mich selbst haben jetzt einige Songs wieder anders angesprochen als beim ersten einsingen, der Eindruck verändert sich. Oftmals stellt der Hörer zum Song nur eine andere Verbindung her. Der Song ‚Küss mich’ ist in einer Art Dialog geschrieben. Es ist eine verklemte Situation zwischen beiden und das Eigentliche wird nicht gesagt. Sie können zu einander nicht ganz ehrlich sein, dabei könnte eine einfache vernünftige Tat eine große Aussage sein. Insofern kann man den Titel des Albums natürlich auch als Metapher für die Kälte zwischen Menschen verstehen. Ich stelle eh fest, dass sich bei vielen Menschen zwar zuerst das Karibikflair mit falschem Grinsen einsetzt, aber keine Tiefe in ihren Gefühlen. Es wird kälter unter den Menschen und so müssen sie, für mich persönlich, auch nicht von Sommer reden. ‚Sand’ selbst hat ja auch mehrere Bedeutungen, von ‚Sand im Getriebe’ zu ‚Sand in den Augen’ ist da viel drin.

MN: Wie soll den dieses Album nun live präsentiert werden?

Seb: Als ein Musiktheater mit Geschichte. Das Bühnenbild ist soweit schn fertig gestellt. Wir werden ein ‚Liederkino’ aufblättern mit Film und Band, wobei uns ein Bassist und ein Schlagzeuger begleiten. Der Zuschauer und Hörer soll sehen und hören gleichzeitig können.
In erster Linie aber soll es Unterhaltung sein! Es wird live dann auch mehr Lieder als die auf der Platte geben, denn es stellte sich raus, dass wir mehr brauchen werden innerhalb des Stücks. Ich denke mit ‚Sand’ wird man sich schwer tun, es einzuordnen, denn es ist etwas sehr eigenes und unbeirrtes. Hier ging es darum, sich in seinem Weg nicht beirren zu lassen als Musiker und etwas Eigenes dabei reifen zu lassen! (Maximilian Nitschke)

TANZWUT - Interview 2005




Interview zur Tanzwut DVD sowie zur „Cantus Buranus“ mit Corvus Corax/Tanzwut
anläßlich des 14. WGT 2005 in Leipzig

BA: Die DVD von Tanzwut ist ja nun seit einiger Zeit schon draussen, sie ist sehr persönlich geworden wie ich festgestellt habe, wie tief musstet ihr denn graben, um diese ganzen persönlichen Dinge auszubuddeln?

Koll. A.: Die Aufnahmen aus der Muffathalle in München und in Aschaffenburg, haben wir im Mai letzten Jahres gemacht. Das Bonusmaterial ist zum Teil aus den Anfängen von Tanzwut. Die hatten wir im Archiv gelagert, da mussten wir nicht sehr lange buddeln.
Die anderen Sachen entstanden so im Brainstorming darüber, was wir auf die DVD drauftun wollten. Da kommen einem dann Ideen im Tourbus oder zwischendurch, und dann macht man die einfach. Das war dann einfach ein großes Sammeln, bevor die Sache fertig definiert sein musste.

Patrick: Da enstanden dann auch Fragen, wie etwa die Menueführung. Wie gestaltet man denn jetzt so etwas? Da kamen wir eben auf die Idee, dass jeder einzelne von uns Musikern in den Go Karts losfährt. Wir sind einen Tag auf die Go Kart Bahn gefahren, was total lustig war

Koll A.: Jo das war total witzig, ein richtiger Bandausflug mal!

Patrick: Damit hatten wir dann auch schon nen Gimick im Kasten und so entstand das immer mehr mit der Zeit.

Koll A.: Oder auch die Geschichte mit den Berliner Sehenswürdigkeiten. Das war auch sehr lustig, denn wir hatten uns an diesem Tag vorgenommen und die Kameraleute für diesen Tag bestellt. Es sollte ja am Abend in der Dämmerung stattfinden und dann war an diesem Tag grade so ein richtiges Sauwetter mit Sturm und Gewitter. Wir sind dann trotzdem losgefahren. Zu Beginn war noch die Windschutzscheibe dicht, man konnte fast nur Schritt fahren, so sehr hat es gepladdert. Als wir dann an den ersten Sehenswürdigkeiten waren, löste sich der Regen so langsam, aber die Blitze waren noch da. Das sieht man ja dann auch auf der DVD bei den einzelnen Einstellungen. Das war genial, denn das passte dann absolut hervorragend. Aber auch das war insgesamt eine Idee, die eines Tages im Tourbus entstanden ist im Gespräch mit den Leuten ,die diese DVD gemacht haben. ‚Mensch ihr seid doch ne Berliner Band habt ihr nich ne Idee um den Bezug zu Berlin herzustellen?’ Wir wollten halt einfach keine Homestory machen, denn dass fanden wir irgendwie abgedroschen. Es war schon ein sehr stranger Anblick, als wir bei dem Wetter mit unseren Trumscheiten durch Berlin stapfen. Die Leute die uns da gesehen haben, haben sich an den Kopp gefasst.

BA: Wie ist das überhaupt, wenn ihr in Berlin unterwegs seit. Wie sehr werdet ihr erkannt?

Patrick: Na ja in Berlin ist das natürlich nicht wirklich etwas außergewöhnliches, dass jemand Musik macht und damit auch erfolgreich ist. Da gehen die Berliner ziemlich gelassen mit um.
Es ist nicht so, dass man permanent angesprochen wird. Man merkt schon, dass sich hin und wieder die Leute umdrehen.

Koll A.: Ja klar, man bekommt schon mit, wenn hinter einem getuschelt wird: ‚Ohr der ist doch von Corvus Corax’ oder so etwas. Man wird aber ganz selten wirklich angesprochen. Wenn ich hingegen in München durch die Strassen laufe, werd ich viel häufiger angesprochen. Das hat natürlich auch sehr viel mit Kaltenberg zu tun. Aber in Berlin selbst, sind wir jetzt schon auch bekannt, wir spielen ja regelmäßig und veröffentlichen. Man spricht schon auch über Corvus oder über Tanzwut.

BA: Es ist ja nun auch schon eine ganze Weile, dass Tanzwut sich so hält, hättet ihr den tatsächlich damit gerechnet, dass diese Art der Musik so gut ankommt und gibt es in den Köpfen der Hörer manchmal Trennungsprobleme von beiden Musikrichtungen?

Koll A.: Es war natürlich ein Wagnis zu Beginn der Tanzwut – Bandgeschichte. Aber wir haben ja absichtlich einen anderen Namen gewählt, um diese Trennung auch zu vollziehen.
Es hat sich dann auch sehr schnell herausgestellt, dass die Fans von Corvus Corax auch Tanzwut gut finden. Einige natürlich auch Tanzwut besser finden und wieder andere, die Tanzwut zuerst kennen gelernt haben, dann irgendwann auf Corvus stoßen. Damit ist das Corvus Publikum auch viel breiter gefächert. Da sind eben dann auch viele dabei, die gerade auf Corvus stehen, weil es akustisch ist. Die haben wir natürlich mit Tanzwut nicht mitziehen können, aber das war uns auch im Vorfeld klar. Für uns im Kopf ist es schon schwierig. Wir versuchen es zu vermeiden, dass wir an einem Wochenende mit beiden Bands unterwegs sind. Es gibt mal Ausnahmen, aber in der Regel ist das ganz gut möglich. Das spontane Umschalten ist schon immer komisch. Man hat dann plöztlich noch ein paar Bewegungen oder Attitüden drin von Corvus Corax und merkt dann im Tanzwut – Kostüm, dass man etwas umdenken muss.

Patrick: Für dich ist das natürlich doppelt schwer, denn du spielst in beiden Bands ja das selbe Instrument. Ich wechsle ja dann von der Trommel zur Gitarre und da öffnet sich für mich bei Tanzwut natürlich eine ganz andere Welt.

Koll A.: Eigentlich fängt das an mit dem Kostüm anziehen, da beginnt das Umschalten im Kopf.

Patrick: Bei Tanzwut war es ja anfangs so, dass es erstmal wie ein Projekt gesehen wurde. Zuerst war Corvus Corax bekannt und nun gibt es da halt noch eine zweite Band. Mittlerweile ist es aber eben schon so, dass viele zuerst Tanzwut kennengelernt haben und dann darüber erfahren haben, da gibt es ja noch eine andere Band und so sind es auch zwei völlig verschiedene Bands.

BA: Das wär auch eine Frage an dich Patrick, der doch recht spontan zu Tanzwut gestoßen bist, kanntest du die Jungs denn schon vorher irgendwie, wußtest du worauf du dich einläßt, oder war es der Sprung ins kalte Wasser?

Patrick: Na ja ich kannte die Leute dann auch schon eine ganze Weile als ich dazu gekommen bin. Wir hatten vorher im Studio schon irgendwelche Sachen gemacht, oder ich war mal Merchandiser in Kaltenberg. Wir hatten schon 1 einhalb Jahre Zeit miteinander verbracht. Ich wußte also worauf ich mich einlassen werde. Ich wollte die Sache ja auch machen!

BA: Machen wir nun den gedanklichen Sprung zu Corvus Corax, ihr habt sehr lange Zeit gebraucht, um die Carmina Burana zu vertonen, wie weit ist es denn momentan mit diesem Projekt (es war Pfingsten)? Wie groß ist den die Aufregung vor der Veröffentlichung?

Koll A.: Das Veröffentlichungsdatum ist nun fest, dass ist der 08.08.. Die CD ist schon fertig produziert und liegt schon seit nen dreiviertel Jahr fertig da. Wir haben uns allerdings die Zeit genommen mit der Veröffentlichung, zum einen weil wir ein großes Promopaket schnürren wollten, zum anderen weil wir noch immer nach Partnern gesucht haben. Im Januar ergab sich ja erst der Vertrag mit Roadrunner. Dann wollten wir auch etwa zeitnah mit der ersten Veröffentlichung das Werk herausbringen. Die Aufführung war im Grunde der Hauptgrund, weshalb es so lange gedauert hat, denn das vorzubereiten dauert einfach richtig lange. Das sind ja ‚nur’ 175 Leute auf der Bühne, zum einen Gastmusiker, die Chöre das Orchester und Wir. Das ist ein organisatorischer Kraftakt, der seine Zeit verlangt hat. Da sind wir nun auch sehr froh, dass wir die 3 Konzerte jetzt im Sommer dann machen. Am 05.08. in Wacken wird die Welturaufführung stattfinden und dann am 19. und 20.08. in Berlin vor der schönen Kulisse der Museumsinsel. Da soll einfach alles perfekt funktionieren und alle Fäden zusammen laufen. Das machen wir ja eben auch selber, also der Veranstalter sind letztlich wir selbst, was im Moment auch die Hauptarbeit ist zusätzlich zur Promotion die gerade anläuft.

BA: War es schwer für das Orchester sich auf euch und eure anderen Rhytmen und Tonlagen einzustellen?

Koll A.: Na ja diese Idee ist ja langsam gewachsen, auch wenn sie fast schon 5 Jahre alt ist. Vor vier Jahren dann die ersten Versuche mit der Hymnus Cantica. Das ist ja, wenn man so will, eine Vorabsingle für das Kaltenberger Ritterturnier und insofern sind wir da reingewachsen. Es war kein so großes Umdenken, sondern eher ein weiter entwickeln. Spannend war dann die erste Probe mit einem Orchester im Januar. Wir hatten ja die erste Aufführung öffentlich und das war wirklich spannend in der Probenzeit vorher. Davor spielte sich alles im Studio ab, da kann man ja dann viel ausprobieren und noch mal anders machen, aber dann diese live Geschichte. Ein Orchester arbeitet ja ganz anders, als ne Band wie wir. Ein Dirigent dirigiert immer etwas vorraus, weil ein Orchester als klangkörper schwerer ist, das ist generell so. Daran mussten wir uns gewöhnen, bzw. umgedreht musste sich das Orchester daran gewöhnen, dass wir etwas anders funktionieren als ein geschlossener Klangkörper. Vor allem waren die schockiert, wie laut Dudelsäcke sein können. Bei den ersten Proben, als wir erstmals die Dudelsäcke ausgepackt haben, haben sie vorher noch gewitzelt: ‚dann müssen wir uns ja ordentlich zurück nehmen, damit man euch hört’, die dachten ein Orchester sei laut. Aber dann kam der erste Takt wo wir einsetzen mussten und dann drehten sich alle um zu uns, weil sie richtig nen Schreck bekommen haben, wie laut wir waren. Wir haben dann das Stück nochmal angefangen, weil sie völlig aus dem Konzept gekommen waren. Aber das entwickelte sich dann innerhalb von den paar Proben in den 4 Tagen vor der Generalprobe. Sie fanden das ganze aber auch geil und interessant und dadurch wurde es auch sehr schön und zu einem richtigen Guss. Die Orchestermusiker waren auch sehr offen und so war das einfach geil mit ihnen zu arbeiten!

Patrick: Vom musikalischen her sind das schon Corvus Corax Stücke. Von der Rhytmik ist es, wie wir es vorher auch schon gemacht haben. Auf das Zusammenspiel von drei Trommlern kommen jetzt natürlich noch Orchestertrommler und Kesselpauken dazu. Es ist eher so, dass wir die Klassik zu Corvus Corax geschreben haben. Wir haben uns jetzt nicht mit den Dudelsäcken an klassische Musik herangesetzt, sondern eher umgekehrt. Wir mussten uns jetzt nicht nach einem Orchester richten, sondern das Orchester musste sich harmonisch nach uns richten. Es gibt ganz bestimmte Gesetzmäßigkeiten mit dem Dudelsack und wenn er a-harmonisch gespielt wird, muss es das Orchester auch so spielen.


BA: Gibt es am 08.08. dann eine große Veröffentlichungsfeier?

Koll A.: Naja ich glaube eher, wir werden die beiden Aufführungen in Berlin eher als Releaseparty emfinden. Das wir am 08. jetzt ne Party machen glaub ich nicht. Wir werden es sicherlich beobachten, vielleicht mit den ein oder anderen treffen, wenn man sieht, wie viele wirklich in der ersten Woche verkauft werden. Da freut man sich dann auch, wenn man diese Ergebnisse vor der Nase hat. (Maximilian Nitschke)

CORVUS CORAX - Interview 2005




Interview zur Tanzwut DVD sowie zur „Cantus Buranus“ mit Corvus Corax/Tanzwut
anläßlich des 14. WGT 2005 in Leipzig

BA: Die DVD von Tanzwut ist ja nun seit einiger Zeit schon draussen, sie ist sehr persönlich geworden wie ich festgestellt habe, wie tief musstet ihr denn graben, um diese ganzen persönlichen Dinge auszubuddeln?

Koll. A.: Die Aufnahmen aus der Muffathalle in München und in Aschaffenburg, haben wir im Mai letzten Jahres gemacht. Das Bonusmaterial ist zum Teil aus den Anfängen von Tanzwut. Die hatten wir im Archiv gelagert, da mussten wir nicht sehr lange buddeln.
Die anderen Sachen entstanden so im Brainstorming darüber, was wir auf die DVD drauftun wollten. Da kommen einem dann Ideen im Tourbus oder zwischendurch, und dann macht man die einfach. Das war dann einfach ein großes Sammeln, bevor die Sache fertig definiert sein musste.

Patrick: Da enstanden dann auch Fragen, wie etwa die Menueführung. Wie gestaltet man denn jetzt so etwas? Da kamen wir eben auf die Idee, dass jeder einzelne von uns Musikern in den Go Karts losfährt. Wir sind einen Tag auf die Go Kart Bahn gefahren, was total lustig war

Koll A.: Jo das war total witzig, ein richtiger Bandausflug mal!

Patrick: Damit hatten wir dann auch schon nen Gimick im Kasten und so entstand das immer mehr mit der Zeit.

Koll A.: Oder auch die Geschichte mit den Berliner Sehenswürdigkeiten. Das war auch sehr lustig, denn wir hatten uns an diesem Tag vorgenommen und die Kameraleute für diesen Tag bestellt. Es sollte ja am Abend in der Dämmerung stattfinden und dann war an diesem Tag grade so ein richtiges Sauwetter mit Sturm und Gewitter. Wir sind dann trotzdem losgefahren. Zu Beginn war noch die Windschutzscheibe dicht, man konnte fast nur Schritt fahren, so sehr hat es gepladdert. Als wir dann an den ersten Sehenswürdigkeiten waren, löste sich der Regen so langsam, aber die Blitze waren noch da. Das sieht man ja dann auch auf der DVD bei den einzelnen Einstellungen. Das war genial, denn das passte dann absolut hervorragend. Aber auch das war insgesamt eine Idee, die eines Tages im Tourbus entstanden ist im Gespräch mit den Leuten ,die diese DVD gemacht haben. ‚Mensch ihr seid doch ne Berliner Band habt ihr nich ne Idee um den Bezug zu Berlin herzustellen?’ Wir wollten halt einfach keine Homestory machen, denn dass fanden wir irgendwie abgedroschen. Es war schon ein sehr stranger Anblick, als wir bei dem Wetter mit unseren Trumscheiten durch Berlin stapfen. Die Leute die uns da gesehen haben, haben sich an den Kopp gefasst.

BA: Wie ist das überhaupt, wenn ihr in Berlin unterwegs seit. Wie sehr werdet ihr erkannt?

Patrick: Na ja in Berlin ist das natürlich nicht wirklich etwas außergewöhnliches, dass jemand Musik macht und damit auch erfolgreich ist. Da gehen die Berliner ziemlich gelassen mit um.
Es ist nicht so, dass man permanent angesprochen wird. Man merkt schon, dass sich hin und wieder die Leute umdrehen.

Koll A.: Ja klar, man bekommt schon mit, wenn hinter einem getuschelt wird: ‚Ohr der ist doch von Corvus Corax’ oder so etwas. Man wird aber ganz selten wirklich angesprochen. Wenn ich hingegen in München durch die Strassen laufe, werd ich viel häufiger angesprochen. Das hat natürlich auch sehr viel mit Kaltenberg zu tun. Aber in Berlin selbst, sind wir jetzt schon auch bekannt, wir spielen ja regelmäßig und veröffentlichen. Man spricht schon auch über Corvus oder über Tanzwut.

BA: Es ist ja nun auch schon eine ganze Weile, dass Tanzwut sich so hält, hättet ihr den tatsächlich damit gerechnet, dass diese Art der Musik so gut ankommt und gibt es in den Köpfen der Hörer manchmal Trennungsprobleme von beiden Musikrichtungen?

Koll A.: Es war natürlich ein Wagnis zu Beginn der Tanzwut – Bandgeschichte. Aber wir haben ja absichtlich einen anderen Namen gewählt, um diese Trennung auch zu vollziehen.
Es hat sich dann auch sehr schnell herausgestellt, dass die Fans von Corvus Corax auch Tanzwut gut finden. Einige natürlich auch Tanzwut besser finden und wieder andere, die Tanzwut zuerst kennen gelernt haben, dann irgendwann auf Corvus stoßen. Damit ist das Corvus Publikum auch viel breiter gefächert. Da sind eben dann auch viele dabei, die gerade auf Corvus stehen, weil es akustisch ist. Die haben wir natürlich mit Tanzwut nicht mitziehen können, aber das war uns auch im Vorfeld klar. Für uns im Kopf ist es schon schwierig. Wir versuchen es zu vermeiden, dass wir an einem Wochenende mit beiden Bands unterwegs sind. Es gibt mal Ausnahmen, aber in der Regel ist das ganz gut möglich. Das spontane Umschalten ist schon immer komisch. Man hat dann plöztlich noch ein paar Bewegungen oder Attitüden drin von Corvus Corax und merkt dann im Tanzwut – Kostüm, dass man etwas umdenken muss.

Patrick: Für dich ist das natürlich doppelt schwer, denn du spielst in beiden Bands ja das selbe Instrument. Ich wechsle ja dann von der Trommel zur Gitarre und da öffnet sich für mich bei Tanzwut natürlich eine ganz andere Welt.

Koll A.: Eigentlich fängt das an mit dem Kostüm anziehen, da beginnt das Umschalten im Kopf.

Patrick: Bei Tanzwut war es ja anfangs so, dass es erstmal wie ein Projekt gesehen wurde. Zuerst war Corvus Corax bekannt und nun gibt es da halt noch eine zweite Band. Mittlerweile ist es aber eben schon so, dass viele zuerst Tanzwut kennengelernt haben und dann darüber erfahren haben, da gibt es ja noch eine andere Band und so sind es auch zwei völlig verschiedene Bands.

BA: Das wär auch eine Frage an dich Patrick, der doch recht spontan zu Tanzwut gestoßen bist, kanntest du die Jungs denn schon vorher irgendwie, wußtest du worauf du dich einläßt, oder war es der Sprung ins kalte Wasser?

Patrick: Na ja ich kannte die Leute dann auch schon eine ganze Weile als ich dazu gekommen bin. Wir hatten vorher im Studio schon irgendwelche Sachen gemacht, oder ich war mal Merchandiser in Kaltenberg. Wir hatten schon 1 einhalb Jahre Zeit miteinander verbracht. Ich wußte also worauf ich mich einlassen werde. Ich wollte die Sache ja auch machen!

BA: Machen wir nun den gedanklichen Sprung zu Corvus Corax, ihr habt sehr lange Zeit gebraucht, um die Carmina Burana zu vertonen, wie weit ist es denn momentan mit diesem Projekt (es war Pfingsten)? Wie groß ist den die Aufregung vor der Veröffentlichung?

Koll A.: Das Veröffentlichungsdatum ist nun fest, dass ist der 08.08.. Die CD ist schon fertig produziert und liegt schon seit nen dreiviertel Jahr fertig da. Wir haben uns allerdings die Zeit genommen mit der Veröffentlichung, zum einen weil wir ein großes Promopaket schnürren wollten, zum anderen weil wir noch immer nach Partnern gesucht haben. Im Januar ergab sich ja erst der Vertrag mit Roadrunner. Dann wollten wir auch etwa zeitnah mit der ersten Veröffentlichung das Werk herausbringen. Die Aufführung war im Grunde der Hauptgrund, weshalb es so lange gedauert hat, denn das vorzubereiten dauert einfach richtig lange. Das sind ja ‚nur’ 175 Leute auf der Bühne, zum einen Gastmusiker, die Chöre das Orchester und Wir. Das ist ein organisatorischer Kraftakt, der seine Zeit verlangt hat. Da sind wir nun auch sehr froh, dass wir die 3 Konzerte jetzt im Sommer dann machen. Am 05.08. in Wacken wird die Welturaufführung stattfinden und dann am 19. und 20.08. in Berlin vor der schönen Kulisse der Museumsinsel. Da soll einfach alles perfekt funktionieren und alle Fäden zusammen laufen. Das machen wir ja eben auch selber, also der Veranstalter sind letztlich wir selbst, was im Moment auch die Hauptarbeit ist zusätzlich zur Promotion die gerade anläuft.

BA: War es schwer für das Orchester sich auf euch und eure anderen Rhytmen und Tonlagen einzustellen?

Koll A.: Na ja diese Idee ist ja langsam gewachsen, auch wenn sie fast schon 5 Jahre alt ist. Vor vier Jahren dann die ersten Versuche mit der Hymnus Cantica. Das ist ja, wenn man so will, eine Vorabsingle für das Kaltenberger Ritterturnier und insofern sind wir da reingewachsen. Es war kein so großes Umdenken, sondern eher ein weiter entwickeln. Spannend war dann die erste Probe mit einem Orchester im Januar. Wir hatten ja die erste Aufführung öffentlich und das war wirklich spannend in der Probenzeit vorher. Davor spielte sich alles im Studio ab, da kann man ja dann viel ausprobieren und noch mal anders machen, aber dann diese live Geschichte. Ein Orchester arbeitet ja ganz anders, als ne Band wie wir. Ein Dirigent dirigiert immer etwas vorraus, weil ein Orchester als klangkörper schwerer ist, das ist generell so. Daran mussten wir uns gewöhnen, bzw. umgedreht musste sich das Orchester daran gewöhnen, dass wir etwas anders funktionieren als ein geschlossener Klangkörper. Vor allem waren die schockiert, wie laut Dudelsäcke sein können. Bei den ersten Proben, als wir erstmals die Dudelsäcke ausgepackt haben, haben sie vorher noch gewitzelt: ‚dann müssen wir uns ja ordentlich zurück nehmen, damit man euch hört’, die dachten ein Orchester sei laut. Aber dann kam der erste Takt wo wir einsetzen mussten und dann drehten sich alle um zu uns, weil sie richtig nen Schreck bekommen haben, wie laut wir waren. Wir haben dann das Stück nochmal angefangen, weil sie völlig aus dem Konzept gekommen waren. Aber das entwickelte sich dann innerhalb von den paar Proben in den 4 Tagen vor der Generalprobe. Sie fanden das ganze aber auch geil und interessant und dadurch wurde es auch sehr schön und zu einem richtigen Guss. Die Orchestermusiker waren auch sehr offen und so war das einfach geil mit ihnen zu arbeiten!

Patrick: Vom musikalischen her sind das schon Corvus Corax Stücke. Von der Rhytmik ist es, wie wir es vorher auch schon gemacht haben. Auf das Zusammenspiel von drei Trommlern kommen jetzt natürlich noch Orchestertrommler und Kesselpauken dazu. Es ist eher so, dass wir die Klassik zu Corvus Corax geschreben haben. Wir haben uns jetzt nicht mit den Dudelsäcken an klassische Musik herangesetzt, sondern eher umgekehrt. Wir mussten uns jetzt nicht nach einem Orchester richten, sondern das Orchester musste sich harmonisch nach uns richten. Es gibt ganz bestimmte Gesetzmäßigkeiten mit dem Dudelsack und wenn er a-harmonisch gespielt wird, muss es das Orchester auch so spielen.


BA: Gibt es am 08.08. dann eine große Veröffentlichungsfeier?

Koll A.: Naja ich glaube eher, wir werden die beiden Aufführungen in Berlin eher als Releaseparty emfinden. Das wir am 08. jetzt ne Party machen glaub ich nicht. Wir werden es sicherlich beobachten, vielleicht mit den ein oder anderen treffen, wenn man sieht, wie viele wirklich in der ersten Woche verkauft werden. Da freut man sich dann auch, wenn man diese Ergebnisse vor der Nase hat. (Maximilian Nitschke)

HUBERT KAH - Seelentaucher


Erstveröffentlichung: CD 2005 / DA-Music

Viele kennen HUBERT KAH natürlich nur aus der Zeit der Neuen Deutschen Welle und die Songs, die einem bei dem Namen ins Hirn kommen, heißen natürlich „Sternenhimmel“, „Rosemarie“ und „Einmal nur mit Erika“. Nach der NDW hat HUBERT KAH aber noch lange Zeit weiter Musik gemacht und gute Songs produziert, die schon eine Nummer tiefgängiger daherkommen. Auch für andere hat er viele Songs komponiert, so zum Beispiel „Maria Magdalena“ für Sandra, aber auch Maggie Reilly, Sally Oldfield, Juliane Werding und einige mehr gehörten zu seinen Kunden. Doch viele Jahre hat man nichts mehr gehört, bis heute. Mit „Seelentaucher“ ist ein neues Album auf den Markt gekommen. Es beginnt mir „No Rain“, ein leicht tranciges, hypnotisches Popstück, das als ""Radio Hit"" deklariert wurde. Ist zwar sehr schön, aber als radiokompatibel würde ich es nicht unbedingt bezeichnen (im positiven Sinne). „No Rain“ hat einen romantischen Touch, der sich auch durch die ganzen Lieder der CD zieht, extrem romantisch, fast schon kitschig (aber auch hier wieder im positiven Sinn), sind Songs wie „Yolanda“ oder das, an Depeche Modes „Somebody“ erinnernde „Ich bleib bei dir“. Rockiger wird es bei „Raketen“, das mir aber am wenigsten von allen Songs gefällt, dafür ist das Stück „Alles klingt“ extrem klasse, vor allem wegen des textlichen Stilbruches. Ansonsten gibt es viele gute bis sehr gute Popsongs wie „Lifeline“, „Sekunden“, „Willkommen im Leben“ (Ex-""C`est la vie""), das sehr gute und als Single-Auskopplung gedachte „Psycho Radio“ sowie ein paar mehr. Es gibt auch ein paar Neuaufnahmen alter Stücke, wie zum Beispiel „Military Drums“ und einer sehr gelungenen „Lass mich träumen“-Version (mit einen ganz kleinen „Sternenhimmel“-Tribut dabei) und „Wenn der Mond die Sonne beührt“ war auch immer schon ein exzellentes Lied, das auch heute nicht seine Wirkung verloren hat. Nachdem ich das Album dreimal gehört habe, sind einem die Lieder so vertraut, man ist in der Lage, alle Texte mitzusingen oder mitzusummen und das Ganze wird zu einer extrem runden Sache, die mich ehrlich begeistert. (H.H.)

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Webadresse der Band: www.hubert-kah.com


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