SAND - Winterlieder


Erstveröffentlichung: CD 2005 / Broken Silence

In einer Welt, wo das eigene Glück auf Kosten anderer geht, unglaubliches Elend, Ausweglosigkeit herrscht, entsteht menschliche Kälte. Eine Winterlandschaft tut sich auf, in der alles auf einer dünnen Eisschicht steht. Keiner hat dem anderen mehr etwas warmes zu sagen. Oft sind genau diese Eindrücke der Anlass für die Musik und Texte von Sand.
Der Ausgangspunkt ist immer die irdische Welt, an der man nicht verzweifeln will.

Sebastian Lohse kennen die meisten sicherlich bloß als Robin Sohn. Unter diesem Namen war er als Sänger der Letzten Instanz fast 6 Jahre für Texte und Gesang zuständig. Im Dezember 2003 trennte er sich von der Band. Ein schwerer Schritt. Es waren bandinterne Unstimmigkeiten, künstlerische Konsequenzen und sein eigener Anspruch an einen verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Identität, dem Zuhörer und der persönlichen politischen Auseinandersetzung, die ihn dazu brachten. Er beharrt immer noch darauf, mit Kunst bei den Menschen nicht nur den Geldbeutel erreichen zu wollen, sondern vor allem das Gehirn, so schwer das auch ist.
Robin Sohn heißt nun wieder Sebastian Lohse und singt bei „Sand“ gelassen, gereift aber immer noch mit scharfer Zunge und wortgewandt wie eh und je. Komponiert hat die Lieder der Filmkomponist Frieder Zimmermann, der auch schon in diversen bekannteren Formationen, wie Forkefeld, Need A New Drug und dem Stahlquartett, Erfahrungen auf diesem Gebiet vorzuweisen hat.

Ihre nun erscheinende CD „Winterlieder“ besticht durch die Synthese aus ungewöhnlichen, sich vervielfältigenden Melodien und schwebenden Rhytmen und den stets fordernden, entschiedenen Texten , die zusammen ganz einfache Lieder im herkömmlichen Sinne bilden.
So entstehen diese „Neuen Deutschen Chansons“, ohne Pathos, Trend-Kalkül oder sonstige Schubladen.

Der Hörer merkt, hier geht es eindeutig um den Inhalt, und weniger um die Verpackung.
So kommt eine Balance aus den verschiedenen Musikstilen zusammen. Sand legt sich nicht fest, sondern versucht die eigene musikalische Sprache zu sprechen. Die Texte hinterfragen unsere abgestimmten Muster, die Gültigkeiten unserer sprachlich abgestumpften Konsumwelt und lassen den Hörer in seine eigenen Gedanken eintauchen. Diese Chansons sind keine Manifestationen eines rauschhaften Gemeinschaftsgefühls, der Kapitulation vor dem Konsum, sondern Anrede an den Einzelnen, sie brauchen den Hörer und lassen ihn gelten.

Endlich einmal ein deutsches Album, dass nicht hohl und leer ist, oder nach Konformität schreit! (Maximilian Nitschke)



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