SAND - Interview 2005




Interview mit Sebastian Lohse (Ex Letzte Instanz) von „Sand“ zu „Winterlieder“

MN: Hallo Robin, bzw. eigentlich ja Sebastian Lohse. Man kannte dich bisher ja doch eher unter dem Namen Robin und als Kopf der Letzten Instanz. Im Jahr 2003 dann plötzlich hieß es, nachdem kurz vorher noch ein Live Album und eine DVD erschienen war, du würdest die Band verlassen. Was hat dich zu diesem Schritt bewogen?

Seb: Oh je, da ist sehr viel zusammen gekommen! Zusammenfassend könnte man sagen, es waren persönliche, musikalische und schließlich auch moralische Gründe die mich zu diesem Schritt bewegt haben. Innerhalb der Band ist schon mit der Richtung die Götter auf Abruf eingeschlagen hat, vieles zwischen Ihnen und mir auseinander gegangen. Wir sind etwas vom eigentlichen Weg den wir anfangs gehen wollten, weg gekommen. Meine persönliche Sichtweise vertrug sich nicht mehr, mit der der restlichen Band und so zog ich schließlich die harte Entscheidung aus dieser Entwicklung. es war ja unser Anliegen immer ehrlich mit den Fans umzugehen, und teilweise musste ich diese Haltung aber erkämpfen. Als Musiker und Mensch musste ich immer wieder für meine Ideale mir vieles erkämpfen. Ich verändere mich sicherlich innerhalb dieser Welt und sie verändert sich mit, wenn diese Veränderung aber nicht mehr zu den anderen passt, dann bedarf es einer Lösung und die war schmerzlicherweise in diesem Fall mich zu trennen. Ich möchte dabei auch überhaupt keine Schuldzuweisung machen. Ich wollte halt etwas anderes als der Rest der Band und als dann im Studio mal der Satz vom Produzenten fiehl ‚7 Musiker und ein Sänger der nicht passt’ in Bezug auf die Instanz war die Entscheidung zwar schwerer aber konsequent!

MN: Ist Sand dann ein völlig neues Projekt, oder gab es hier vorher schon Arbeit daran, von denen man nur durch die Instanz nichts mitbekam?

Seb: Nein Nein, Sand ist bereits 2001 gegründet worden. Das lief so vollkommen nebenbei als ein Projekt von mir. Nun hatte ich halt ein neues Zeitpensum seit 2003 und hab diese freie Zeit zusammen mit einem Freund von mir genutzt um an Sand zu arbeiten. Er schaffte es sehr schnell mich für seine Art der Musik zu begeistern und ich bekam immer mehr Freude an dieser Sache. Das letzte halbe Jahr war dann richtig intensiv in der Arbeit daran! Wer mich nur als Texter der Instanzler noch sieht, für den ist das hier etwas sehr anderes. Die Musik von Sand reizte mich einfach zu einer völlig anderen Textart. Bei der Instanz rockte es mehr, dass ist hier nun nicht der Fall. Der Text gleicht sich der Musik viel mehr an und so entstehen auch ganz andere Textzusammenhänge. Die Aussagen der Texte allerdings haben sich nicht so sehr geändert, nur die Art ist viel theatraler insgesamt. Live soll das ganze auch eine Art ‚Liederkino’ ergeben, eine Geschichte, die mit der Musik und den Texten erzählt wird.

MN: Gibt es den Texte die dich beim jetzt hören oder den Hörer zum ersten Mal hören besonders ansprechen?

Seb: Nun das ist schwierig. Wir haben die CD natürlich im Sommer aufgenommen und noch ist ja Sommer, dennoch ist der Titel ‚Winterlieder’. Im Winter denk ich haben Songs eine neue Bedeutung und der Hörer wird diesen Unterschied heraushören. Mich selbst haben jetzt einige Songs wieder anders angesprochen als beim ersten einsingen, der Eindruck verändert sich. Oftmals stellt der Hörer zum Song nur eine andere Verbindung her. Der Song ‚Küss mich’ ist in einer Art Dialog geschrieben. Es ist eine verklemte Situation zwischen beiden und das Eigentliche wird nicht gesagt. Sie können zu einander nicht ganz ehrlich sein, dabei könnte eine einfache vernünftige Tat eine große Aussage sein. Insofern kann man den Titel des Albums natürlich auch als Metapher für die Kälte zwischen Menschen verstehen. Ich stelle eh fest, dass sich bei vielen Menschen zwar zuerst das Karibikflair mit falschem Grinsen einsetzt, aber keine Tiefe in ihren Gefühlen. Es wird kälter unter den Menschen und so müssen sie, für mich persönlich, auch nicht von Sommer reden. ‚Sand’ selbst hat ja auch mehrere Bedeutungen, von ‚Sand im Getriebe’ zu ‚Sand in den Augen’ ist da viel drin.

MN: Wie soll den dieses Album nun live präsentiert werden?

Seb: Als ein Musiktheater mit Geschichte. Das Bühnenbild ist soweit schn fertig gestellt. Wir werden ein ‚Liederkino’ aufblättern mit Film und Band, wobei uns ein Bassist und ein Schlagzeuger begleiten. Der Zuschauer und Hörer soll sehen und hören gleichzeitig können.
In erster Linie aber soll es Unterhaltung sein! Es wird live dann auch mehr Lieder als die auf der Platte geben, denn es stellte sich raus, dass wir mehr brauchen werden innerhalb des Stücks. Ich denke mit ‚Sand’ wird man sich schwer tun, es einzuordnen, denn es ist etwas sehr eigenes und unbeirrtes. Hier ging es darum, sich in seinem Weg nicht beirren zu lassen als Musiker und etwas Eigenes dabei reifen zu lassen! (Maximilian Nitschke)



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