THE EVIL SPEAKS - Interview 2002




EIN TRAUM, DER IRGENDWANN EINFACH AUFHÖRTE... Ein Interview mit THE EVIL SPEAKS im Jahre 2002 Erstmals gehört habe ich von THE EVIL SPEAKS Anfang der 90er Jahre, als ich eine soundtechnisch ausgesprochen miese Kopie eines ihrer frühen Tapes von einer Freundin erhielt. Etwa zur gleichen Zeit hörte ich das Stück “Slaughterday” auf dem “Death By Dawn” 7”-Sampler von Dawn-Entertainment (heute Apollyon) und den Titel “Dead Embryos” auf dem Tape-Sampler des französischen “Gloria Victis”-Fanzines. Da ich zur damaligen Zeit auf die frühen Christian Death-Sachen mehr stand, als auf jede andere Musik, war ich sofor fasziniert, auch wenn es mir so erschien, dass THE EVIL SPAEKS eine sehr offene Kopie der frühen Sachen von Rozz Williams boten. Nun, das war sicher nicht ungewollt von der Band, die damals in Darmstadt lebte, eine Stadt, in die es mich Jahre später zufälligerweise auch eine zeitlang verschlug. Seltsamerweise hat diese sonst eher provinzielle Stadt in Südhessen eine recht lebendige “schwarze Szene”, aus der viele interessante Bands und sonstige Aktivitäten hervorgegangen sind. Der Club “Goldene krone” ist auch überregional bekannt, ebenso der “Biergarten” im nahegelegenen Dieburg. Das “Black”-Magazin hat sich ebenfalls seit vielen Jahren einen guten Namen gemacht und das label Trisol (und diverse Sublabels) haben uns nicht nur CDs von Sopor Aeternus And The Ensemble Of Shadows geschenkt, sondern auch bands wie London After Midnight oder Cinema Starnge in Deutschland bekannt gemacht. Musikalisch kennt der Gothic-Rock-Fan natürlich Into The Abyss (die es inzwischen nach Griechenland verschlagen hat) und Deutschlands vielleicht unterschätzteste Dark-Wave-Band Lore Of Asmoday (nebst unzähligen Side-Projekten). Mit Dass gab es Anfang der 90er auch eine weitere solide Kultband, die sich der extremen Düsternis verschrieben hatte. Und mittendrin gab es eben THE EVIL SPEAKS, die sich dem klassischen Death-Rock verschrieben hatten. Jahre später, bei diversen Internet-Recherchen stieß ich auf Frank Berg, den früheren Sänger der Band, den es zwischenzeitlich nach Berlin verschlagen hatte und er war so freundlich, mir ein paar Fragen über eine der wenigen deutschen Death-Rock-Bands der 90er zu beantworten. In dieser Richtung gab und gibt es in Deutschland nur wenige Bands (Madre Del Vizio, Endless (erste CD), Bloody Dead And Sexy, Murder At The Registry, Awake At The Wall und ganz wenige andere) und somit ist es durchaus gerechtfertigt, auch rückblickend auf THE EVIL SPEAKS zurückzublicken... BACK AGAIN (BA): Wann wurde THE EVIL SPEAKS gegründet und wie hat alles angefangen? Erzähl´mal ein bisschen über die Bandgeschichte, die Bandmitglieder und was sonst so interessant ist... FRANK BERG (FB): THE EVIL SPEAKS wurde 1990 von mir (Texte und Gesang), Oliver Rühl (Gitarre), Daniel D. (Bass) und Martin Volk (Drums) in Darmstadt gegründet. Drei Jahre lang haben wir dann eine neue und raue Art von Death-Rock gespielt, stark beeinflusst von Bands wie Christian Death oder Screams For Tina. In den folgenden Jahren etablierten THE EVIL SPEAKS ihren Namen in der Gothic- und Dark-Rock-Szene durch diverse Liveauftritte und einige Tape-Veröffentlichungen, und außerdem der Teilnahme am “Death By Dawn”-7”-Sampler von Dawn Entertainment/Apollyon im Jahre 1991. In der erfolgreichsten Zeit 1992 haben THE EVIL SPEAKS ihr erstes Album aufgenommen, aber wegen verschiedener Probleme wurde das bis heute nicht veröffentlicht

BA: Warum habt Ihr in Deutschland eine Death-Rock-Band gegründet, wo dieser Stil doch eigentlich nicht besonders vebreitet war? FB: Wir haben uns damals keine Gedanken darum gemacht ob die Musik in Deutschland weit verbreitet ist oder nicht. Es war uns auch egal ob die Leute die Musik akzeptieren oder nicht - Wir wollten einfach nur Musik machen. BA: Und um was ging es damals in Euren Texten? FB: Die Texte haben im Prinzip keinerlei philosophische Hintergründe. Es war mir auch nicht wichtig Inhalte oder Botschaften in meinen Texten zu vermitteln. Die Band hat gespielt – ich habe getextet und dazu gesungen. Heute, 10 Jahre später, ist es für mich eine Aneinanderreihung von Okkulten Wortspielen aus der Christlichen Religion. BA: Wurdet Ihr von bestimmten Bands oder Künstlern beeinflusst? Wovon wurdet Ihr, abgesehen von anderer Musik, inspiriert? FB: Wir waren zu Anfang so ziemlich von allem beeinflusst was es damals in diesem Genre so gab und uns bekannt war. Wir hatten arge Probleme unseren eigenen Stil zu finden, da jedes Bandmitglied seine eigenen Einflüsse integrieren wollte. Zu dem war keiner von uns ein richtiger Musiker der Noten lesen konnte oder zuvor schon in Bands dieser Art gespielt hatte. Die Bands die uns damals wohl am meisten beeinflusst haben waren Christian Death (Rozz Williams), Alien Sex Fiend und Screams for Tina. BA: Hattet Ihr professionelle Ambitionen oder war Musik für Euch “nur” ein Hobby? FB: Es war ein Traum der irgendwann einfach aufhörte … BA: Welche Veröffentlichungen gibt es von Euch und welche sind noch erhältlich? FB: 1990 – 7 Track Demo Tape. 1991 – Slaugtherday auf der “Death by Dawn EP” 7’inch (Dawn Records). 1991 – Dead Embryos auf “In Voluptate Mors” Tape Sampler. 1992 – Live & Demos (Proberaummitschnitte) Tape. 1992 – “Deny the Cross” Tape mit Studioaufnahmen (TKM Stdios). 2002 – Ressounding 2002 CD-R. Nur die „Ressounding 2002 CD-R“ ist zurzeit erhältlich über die Evil Speaks Webseite.

BA: Erzähl´ mal was über Eure Live-Shows, hattet Ihr eine spezielle Performance oder war es eher „Musik pur“? FB: Unsere Live-Shows bestanden größten teils nur aus übermäßig viel Nebel und etwas Beleuchtung. Wir versuchten bei unserem letzten Konzert 1993 etwas Show zu machen, jedenfalls was den Start und das Ende des Konzerts betraf. Wie in einem Puppentheater warteten wir hinter einem knallroten Vorhang bis das Intro zu Ende war und wir in den eigentlichen Gig übergingen. Der Rote Vorhang wurde dann ganz langsam aufgezogen und die Puppen fingen an, ein letztes Mal Theater zu spielen … BA: Hattet Ihr Kontakt zu anderen Bands oder gab es sogar Kollaborationen? Gab es nach THE EVIL SPEAKS andere musikalische Projekte? FB: Nach THE EVIL SPEAKS machten nur noch Martin, der Schlagzeuger und Oliver der Gitarrist in eigenen Projekten und Bands weiter. Martin spielte Schlagzeug in einigen Bands aus Darmstadt und Oliver arbeitete eine weile mit Death in June-Leuten zusammen. Daniel und ich machten nie wieder irgendeine Art von Musik … BA: Wie ist es dann schließlich zum Ende der Band gekommen? FB: Das Ende kam 1993 als wir unseren Proberaum verloren hatten. Wir konnten die letzten Jahre immer in Daniels Haus in einem sehr geilen alten Kellergewölbe spielen bis eines Tages seine Mutter in den Keller kam um uns mitzuteilen das sie nicht mehr will das wir in ihrem Hause proben. Es war irgendwie lustig weil Daniels Mutter in den oberen Stockwerken Spirituelle Weisheiten an den Mann und die Frau brachte (Weisse Magie) und wir unten den Teufel beschworen. Irgendwann wurde es der guten Frau dann doch zuviel so dass sie uns gnadenlos vor die Tür setzte. Da Proberäume in Darmstadt nicht weit gestreut oder einfach zu teuer waren haben wir eine weile lang nicht mehr Proben können, ich glaube es waren so 2-3 Monate. Dann fanden wir einen Proberaum außerhalb von Darmstadt wo wir allerdings nur 3x probten und feststellten, dass wir alle nicht mehr den gemeinsamen Weg gehen. Die Musikalischen Interessen waren zu unterschiedlich, so dass es irgendwann keinen Sinn mehr machte zusammen ins Studio oder den Proberaum zu gehen…

BA: Gibt es die Chance auf eine Reunion der Band in der Zukunft, und wenn ja, was glaubst Du, wird sich im Bezug auf die „alten Zeiten“ verändern? FB: Es wird sehr schwer, in Zukunft wieder was zu machen, aber der Wille für ein paar Gigs ist da. Das größte Problem ist die Distanz von mir zum Rest der Band. Ich bin in Berlin, Oliver und Martin in Darmstadt und Daniel ist in Spanien am Studieren und wird wohl nicht mehr an Konzerten teilnehmen. Wir werden sehen was passiert… BA: Was gibt es sonst noch zu sagen? FB: Danke für das Interview Ich habe zu danken und mich zu entschuldigen, dass die Veröffentlichung des Interviews, dass bereits im Jahre 2002 geführt wurde, so lange auf sich warten ließ. Manchmal kommt im Leben etwas daziwschen, was aber bei einer Band, die es schon seit zehn Jahren nicht mehr gibt, nicht wirklich schlimm ist. Wie nur wenige andere Bands, haben THE EVIL SPEAKS es geschafft, den Death-Rock-Geist der frühen 80er Jahre in die 90er hinüber zu retten und dabei einige kleine Klassiker zu schaffen. Ein wirklich unterschätzter, großer Klassiker ist der Song “Dead Embryos”, der es locker mit den Frühwerken von Christian Death aufnehmen kann und eigentlich heute auf jeder Death-Rock-Party ein Standard sein sollte. Auch, wenn es die Band im ursprünglichen Sinne nicht mehr gibt, so lohnt doch allemal ein Besuch auf der offiziellen Website der Band ( ), auf der es auch die CD-R “Resounding 2002” zum supergünstigen Selbstkostenpreis zu bestellen gibt. Und eine kleine Auferstehung für wenige Auftritte ist ja auch noch nicht ad acta gelegt... (A.P.)



[ ZURUECK ]