DAVE THOMPSON - Schattenwelt


Erstveröffentlichung: CD 2004 / Verlagsgruppe Koch/Hannibal / ISBN 3-85445-236-5

Im Laufe der Jahre sind einige Bücher über die seit Beginn der 80er Jahre existierende Gothic-Szene und die dazugehörige Musik geschrieben wurden. Am bekanntesten sind sicher die Werke von Mick Mercer, die neben fundierten Infos auch jede Menge schönes Bildmaterial boten. 2002 nun hat der englische Autor Dave Thompson ein weiteres verfasst, das den Anspruch erhebt, die Geschichte der dunklen Rockmusik erstmals umfassend abzuhandeln. 2004 ist nun endlich eine deutsche Übersetzung erschienen. Mit über 420 Seiten Umfang gibt es viel Lesestoff. Ordentlich, aber nicht immer perfekt, übersetzt von Kirsten Borchardt, lässt sich auch die deutsche Ausgabe leicht und unterhaltsam lesen. Ziemlich schnell muss man die Hoffnung auf einen umfassenden Überblick über die Musik begraben, denn Thompson konzentriert sich fast ausschließlich auf die englische Szene, was aber nicht so sehr stört. Anhand bestimmter Musiker und Bands verfolgt er die Entwicklung des Gothic-Rock von der Mitt-70er Punkexplosion bis in unsere Tage.

Die „Vorfahren“ der Musikrichtung werden beleuchtet, auch, wenn Bands wie Doctors Of Madness oder Rikki And The Last Days Of Earth heute kaum noch jemandem ein Begriff sein dürften. Als Ausgangspunkt der Entwicklung von Punk zu Gothic-Rock nennt Thompson Iggy Pop´s Album „The Idiot“, das wahrscheinlich bei Erscheinen wirklich ein Bahn brechendes Werk war. David Bowie mit seinen Alben „Low“ und „Heroes“ misst der Autor offenbar weniger Bedeutung bei. Weiter geht es mit Siouxsie And The Banshees, Warsaw/Joy Division und Bauhaus, sowie The Cure, aber auch UK Decay, The Damned, Ultravox, Birthday Party und andere Bands finden Erwähnung. Anfang der 80er Jahre begann die Szene in einer zweiten Welle zu explodieren. Mit Bands wie Theatre Of Hate, Southern Death Cult, Sex Gang Children, Sisters Of Mercy, Virgin Prunes, Alien Sex Fiend, Danse Society, Specimen und unzähligen anderen begann der kurze kommerzielle Hype im Schatten des Batcave Clubs in London. Plötzlich fanden sich alle möglichen Paradiesvögel in den Charts wieder. Diese Welle ebbte aber genauso schnell wieder ab, wie sie angerollt war. Viele Bands lösten sich Mitte der 80er Jahre wieder auf, unter anderem die Sisters Of Mercy nach dem Debutalbum. Mit The Mission, Fields Of The Nephilim, Gene Loves Jezebel, The Cult, All About Eve und diversen Bauhaus Nachfolgeprojekten bleib die dunkel Musik aber auch in der zweiten Hälfte der 80er präsent, allerdings hatten sich viele Bands vom Gothic-Rock fortentwickelt, um in Amerika Erfolg zu haben. Insofern gehören The Cult spätestens ab dem „Love“ Album eigentlich nicht mehr in dieses Buch, da sie puren Hard-Rock spielten und in Amiland die Stadien füllten. Auch Peter Murphy und Love And Rockets hatten mit Gothic-Rock kaum noch irgendwas zu tun und wollten das auch gar nicht. Hier wird einigen Musikern definitiv zu viel Platz gewidmet, während den richtigen Genre-Bands kaum mehr als eine Erwähnung in Nebensätzen bleibt. Gerade die 90er Jahre beschränken sich auf uninteressante Rockstar-Geschichten von The Cult und Gene Loves Jezebel in Amerika, während die recht erfolgreichen (englischen) Bands wie Nösferatu und Children On Stun ausgespart werden. Während also die erste Hälfte des Buches richtig spannend ist und tatsächlich einige weniger bekannte Informationen birgt, wird es danach teilweise langweilig.

Die eingestreuten schwarz-weiß Fotos beschränken sich hauptsächlich auf allseits bekannte Promo-Fotos, dazu gibt es einige interessantere Livebilder. Vielleicht hätte man sich bei gleichem Umfang auf die Zeit bis 1989 beschränken, dafür aber eben auch die internationalen Entwicklungen, beispielsweise in Deutschland, Frankreich und natürlich den USA, streifen sollen. So wäre manche Länge weggefallen und viele themenunrelevante Abschnitte ausgespart worden.
Am Ende gibt es noch ein sehr ausführliches Kalendarium, das allerdings fast ausschließlich Konzertdaten, Chartsplatzierungen und Daten von John Peel Sessions etcetera enthält. Abgesehen davon, dass man hier viele Fehler findet, ist die Auswahl extrem subjektiv und somit zumindest mit Skepsis zu lesen. Nun, die Besprechung klingt sicherlich weitaus negativer, als das Buch letztlich ist. Vor allem die erste Hälfte dürfte jedem Fan der Szene und der Musik gefallen und unterhaltsam zu lesen ist das Buch allemal. Ein Standardwerk ist es jedoch sicher nicht, vielmehr ein Puzzleteil unter vielen, die sich mit der Gothic-Szene beschäftigen. (A.P.)

DIE CONDITORS - Die Conditors


Erstveröffentlichung: LP 1982 / Wunschklang Musik / Telefunken

1982...alles, was deutsch gesungen wird, kommt bei den Medien und den Plattenfirmen in die NDW-Schublade, abgesehen vielleicht vom klassischen Schlager. Auch die 1980 gegründeten CONDITORS, eigentlich eine reine Rockband, ja genau genommen: klassischer Rock´n´Roll, landen dort, da ihre Texte teilweise ganz schön „frech“ sind und sie live ziemlich abräumen. Richtig „Neue“ Deutsche Welle ist das aber nicht, höchstens dann ein bisschen, wenn Keyboards benutzt werden, wie zum Beispiel im guten „Gewühl Bei Hertie“, dem eigentlichen Hit auf der LP. Ansonsten irgendwo zwischen Spider Murphy Gang (aber mit hochdeutschen Texten) und vielleicht den Crackers oder Geier Sturzflug. Nicht, dass das falsch verstanden wird: die LP ist gut, aber eben nicht so richtig NDW. Deutschsprachige Rockmusik halt, ohne aber „Deutsch-Rock“ zu sein. Ein Knaller, zwei, drei gute Songs und der Rest Mittelmäßigkeit. Kann man sich in die Sammlung stellen, muss man aber nicht. (A.P.)

PRIMA KLIMA - Prima Klima


Erstveröffentlichung: LP 1981 / CBS

PRIMA KLIMA kamen aus Berlin und wurden von Jim Rakete gemanagt, eigentlich klare Argumente für den großen Durchbruch, ebenso die deutschen Texte und das Erscheinungsjahr 1981. Mit der einwandfreien Produktion von Spliffer Bernhard Potschka hätte eigentlich nicht viel schief gehen sollen. Trotzdem sind PRIMA KLIMA nie kommerziell durchgestartet. Woran das lag wird beim Anhören der Debut-LP schnell klar: zu glatt und zu wenig eigenständig ist die Musik der Band, die eher Deutsch-Rock als NDW bietet. Solche Klänge gab es damals an jeder Straßenecke, so dass sich die Band trotz eigentlich guter Songs und guter Produktion nie aus der Masse herauswinden konnte. Dazu kommt, dass die Texte irgendwie bemüht wirken und die Musik manchmal zu sehr in banalen Rock bis hin zum Blues-Rock abgleitet. Definitiv kein Meisterwerk der Neuen Deutschen Welle, das man sich wohl nur als Sammler dieser Musik in die Sammlung stellt. (A.P.)

HOOTIE & THE BLOWFISH - Summer Camp With Trucks


Erstveröffentlichung: DVD 2005 / Warner Music Vision

HOOTIE & THE BLOWFISH (der Name rührt von den Spitznamen zweier Gründungsmitglieder her) hat sich 1989 in der University Of South Carolina gegründet, existierte 10 Jahre und hat dann für 3 Jahre Pause gemacht. Seit 2002 nun musizieren sie wieder. Ihre Musik ist eine Art Alternative-Rockpop mit deutlichen US-College-Eindrücken und steht deutlich unter dem Einfluss von Sänger Darius Rucker, der mit seiner Stimme der Band eine gute Portion Eigenständigkeit gibt. Ihren größten Hit „Only Wanna Be With You“ kennt wahrscheinlich jedes Kind.

Nach 5 Studioalben, einer Liveplatte und einer Best Of-CD gibt es nun gleich zwei (einzeln erhältliche) DVDs zu kaufen. Die erste heißt „Summer Camp With Trucks“ und ist ein Livekonzert, allerdings geht man hier ein wenig andere Wege, denn es beginnt nicht damit, wie die Band die Bühne betritt, sondern die Stadt. Der Aufbau, der Soundcheck, Backstage, im Hotel, Interviews bei Radiosendern, das ist alles Bestandteil dieses Konzertfilmes, was bei anderen DVDs meist nur als Bonusmaterial zu finden ist und hier ist Bonusmaterial sogar noch obendrauf zu finden. Das Konzert selbst ist kraftvoll abgemischt, hat einen guten und druckvollen Sound (in Dolby Digital 5.1 oder L-PCM Stereo) und spiegelt die Band als zeitlose Musikperle hervorragend wieder.

Auf der zweiten DVD, die „A Series Of Short Trips“ genannt wurde, gibt es dann unter anderem alle Videos zu sehen, wobei die Band sich sehr familiär gibt und diese meist in Wohnungen aufnimmt. Auch dabei kommt rüber, dass die Musiker sehr sympathisch zu sein scheinen. Dazu gibt es kurze Filmchen von den Dreharbeiten, Mini-Interviews, Behind The Scenes, B-Rolls, Szenen aus dem Studio, Konzertaufnahmen und einiges mehr. Insgesamt ist diese DVD auch nett anzuschauen und auch hier kann man unter Dolby Digital 5.1 oder L-PCM Stereo wählen. Wer also „Only Wanna Be With You“ mochte, wird auch garantiert mit dem Rest der Band zufrieden sein und ein Blick in diese DVDs sollte dann garantiert lohnen. (H.H.)

Webadresse der Band: www.hootie.com

HOOTIE & THE BLOWFISH - A Series Of Short Trips


Erstveröffentlichung: DVD 2005 / Warner Music Vision

HOOTIE & THE BLOWFISH (der Name rührt von den Spitznamen zweier Gründungsmitglieder her) hat sich 1989 in der University Of South Carolina gegründet, existierte 10 Jahre und hat dann für 3 Jahre Pause gemacht. Seit 2002 nun musizieren sie wieder. Ihre Musik ist eine Art Alternative-Rockpop mit deutlichen US-College-Eindrücken und steht deutlich unter dem Einfluss von Sänger Darius Rucker, der mit seiner Stimme der Band eine gute Portion Eigenständigkeit gibt. Ihren größten Hit „Only Wanna Be With You“ kennt wahrscheinlich jedes Kind.

Nach 5 Studioalben, einer Liveplatte und einer Best Of-CD gibt es nun gleich zwei (einzeln erhältliche) DVDs zu kaufen. Die erste heißt „Summer Camp With Trucks“ und ist ein Livekonzert, allerdings geht man hier ein wenig andere Wege, denn es beginnt nicht damit, wie die Band die Bühne betritt, sondern die Stadt. Der Aufbau, der Soundcheck, Backstage, im Hotel, Interviews bei Radiosendern, das ist alles Bestandteil dieses Konzertfilmes, was bei anderen DVDs meist nur als Bonusmaterial zu finden ist und hier ist Bonusmaterial sogar noch obendrauf zu finden. Das Konzert selbst ist kraftvoll abgemischt, hat einen guten und druckvollen Sound (in Dolby Digital 5.1 oder L-PCM Stereo) und spiegelt die Band als zeitlose Musikperle hervorragend wieder.

Auf der zweiten DVD, die „A Series Of Short Trips“ genannt wurde, gibt es dann unter anderem alle Videos zu sehen, wobei die Band sich sehr familiär gibt und diese meist in Wohnungen aufnimmt. Auch dabei kommt rüber, dass die Musiker sehr sympathisch zu sein scheinen. Dazu gibt es kurze Filmchen von den Dreharbeiten, Mini-Interviews, Behind The Scenes, B-Rolls, Szenen aus dem Studio, Konzertaufnahmen und einiges mehr. Insgesamt ist diese DVD auch nett anzuschauen und auch hier kann man unter Dolby Digital 5.1 oder L-PCM Stereo wählen. Wer also „Only Wanna Be With You“ mochte, wird auch garantiert mit dem Rest der Band zufrieden sein und ein Blick in diese DVDs sollte dann garantiert lohnen. (H.H.)

Webadresse der Band: www.hootie.com

EUROCHEQUE - Die Runde Sache


Erstveröffentlichung: LP 2005 / Institut Zur Freundlichen Nutzung Von Kernkrach / Krach 014

EUROCHEQUE, eine Band aus den frühen 80er Jahren, die damals eine Single beim Major Teldec veröffentlicht hat, dann aber irgendwie doch wieder in der Versenkung verschwand, bevor ein Album veröffentlicht werden konnte. Der Name klingt entweder nach purem Kommerz oder ganz ironisch nach dem Gegenteil. Da die LP mit Aufnahmen aus der damaligen Zeit bei Kernkrach erscheint, dürfte klar sein, dass es sich natürlich nicht um banalen Charts-Pop oder ähnlichen Unsinn handelt. Heinz und Jörg haben da mal wieder eine echte Perle aus der Zeit der Neuen Deutschen Welle ausgegraben und , verpackt in ein schweres Schleifpapier-Cover, auf die Menschheit losgelassen. Natürlich wieder streng limitiert und mit einem 8seitigen, informativen Booklet versehen, so dass das schnell ein Sammlerstück werden dürfte. Interessanterweise hat die Band in wechselnder Besetzung seit 1980 durchgehend bestanden, jedenfalls wurde sie nie offiziell aufgelöst und man traf sich immer wieder zu Aufnahmen, ohne jedoch, dass der Durchbruch je geschafft wurde.
Die Musik auf der vorliegenden LP lässt sich leicht zwischen NDW, Minimal-Electro und Synthie-Pop einsortieren, wobei den Stücken eine gewisse Einfachheit zugute kommt, die hier und da ein paar Ohrwurmmelodien hervorbringt. Das ganze ist so sympathisch, dass man die Platte gerne auch ein paar Mal hintereinander durchhört, auch, wenn das natürlich nichts ist, was nicht unzählige andere damalige Musikanten, vor allem im Tape-Untergrund, auch gemacht hätten. So macht das Spaß, so liebt man Kernkrach, wenn Heinz und Jörg in ihrem Forscherdrang immer neue unbekannte Highlights der frühen 80er Jahre ausbuddeln. Wer hätte das gedacht, als vor weniger als drei Jahren die erste Sütterlin-Single im Tapetencover und 100er Auflage unters Volk gebracht wurde? Und EUROCHEQUE hat für die Zukunft schon nagelneue Aufnahmen angekündigt. Wie der LP-Titel schon richtig verheißt: eine runde Sache! Mal sehen, in welche Richtung sich das Duo entwickelt hat... (A.P.)

Webadresse der Band: www.kernkrach.de

2VM - Placita/Daybreak


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2005 / Genetic Music / GEN 024

Schön, dass Genetic Music immer mal wieder Perlen des alten Minimal-Electro-Wave-Sounds der 80er Jahre ausgräbt und in verschiedenen Tonträgerformaten einer nach Nachschub gierenden Hörerschaft zugänglich macht. Noch schöner, dass dabei immer richtig gute Veröffentlichungen rauskommen und am besten ist es, dass auch immer wieder neue Bands und Projekte entdeckt und veröffentlicht werden, die schon bald einen guten Stand in der kleinen Szene haben werden. 2VM ist so ein Projekt, diesmal aus den USA, das ganz klassisch eine schwarze Vinyl-Single mit je einem Stück auf der A- und der B-Seite bietet.
„Placita“ ist ein wunderbarer 2-Minuten Wave-Song, der Ohrwurmcharakter hat und an die besten Zeiten von Anne Clark erinnert...schade, dass mein Plattenspieler keine „Repeat“-Funktion hat, denn der Song ist auch nach dem zehnten Durchlauf nahezu genial. Der zweite Track „Daybreak“ geht grob in die gleiche Richtung, kommt aber etwas minimal-elektronischer und angenehm monotoner rüber.
Muss man dazu noch mehr sagen? Keine Frage, dass dieses Kleinod in jede Sammlung gehört, die irgendwas mit New Wave, 80s oder Minimal-Electro zu tun hat. Wunderbar! (A.P.)

Webadresse der Band: www.geneticmusic.de

ITCHY POOPZKID - Heart To Believe


Erstveröffentlichung: CD 2005 / Where Are My Records / BMG, Sony

Wie heißt es so schön im Info: 3 Mann, 3 Instrumenten, 3 Akkorde, ein beschissener Bandname und kein Talent. Den Punkrock haben sie nicht erfunden, auch nicht neu definiert, aber aus dem Punkt „kein Talent“ haben sie sich immerhin zu einer deutlich soliden Punkrockband entwickelt. Jedenfalls ist das hier nun das erste richtige Studioalbum der drei jungen Herren, die gerade die Schule erledigt haben, aber mit einer Lehre oder einem Studium noch warten wollen, um zu prüfen, ob nicht eine große Rockkarriere vor der Tür steht. Ein großer Vertrieb ist jedenfalls schon mal da. Ein echtes Studio jedenfalls hat gut getan, der Sound kommt fett aus den Lautsprechern, alles ist klar und deutlich und druckvoll. Nette und gewitzte Texte gibt es zu hören und manchmal sogar Bläser (ich denke da an „Lyrically Happy“, ein echtes Knallerstück, wenn ich das mal so sagen darf). Gute Songs gibt es zu Hauf, deswegen ist es echt schwierig, hier welche rauszunehmen. Ich erwähne deshalb einfach mal insbesonderes „Say No“ und „Through The Window“ als Anspieltipps, doch besonders gut, wenn auch nicht repräsentativ ist das Abschlusslied „21 Years“, das mit seinem Akustikende auch besonders gut ans Ende Ende der CD passt. Live dürfte die Band ein echter Leckerbissen sein, das ist Musik, die man auch einfach mal live hören muss und da die Band bereits jetzt schon ungefähr 200 Konzerte hinter sich hat und, wenn man Kritiken so liest, diese offenbar ebenfalls ein Erlebnis für die Zuhörer waren, kann man da sicherlich auch mal bedenkenlos empfehlen. Ein schmuckes Digipack mit einem sehr schönen Frontfoto (allerdings ohne Booklet) rundet die Produktion ab. (H.H.)

HIER IM SHOP ERHAELTLICH

Webadresse der Band: www.scheisscombo.de

QNTAL - Qntal IV – Ozymandias


Erstveröffentlichung: CD 2005 / e-Wave / Drakkar

Qntal, der Name der Band, ist ein Fantasiewort, dass Sängerin Syrah in einem Traum erschienen ist. Doch auch die Musik selbst könnte einem Traum entsprungen sein. Leicht und schwebend, durchdacht und doch frei in ihrer Interpretation. Es sind durchweg kraftvolle Kompositionen, die mit ihrer mitreißenden Dramatik eine überwältigende Ausstrahlung besitzen. Eine faszinierende Atmosphäre, die den Hörer zum Träumen einlädt und ihn so in die Welt von Qntal mit einbezieht.

Bei Qntal bilden Musik und Gesang eine harmonische, in sich geschlossene Einheit. Hymnische, fast mystische Klänge fesseln den Hörer, der sich gerne den lebendigen Rhytmen hingibt. Qntal erzeugen eine völlig eigene Klangwelt, die trotz aller Harmonie und Leichtigkeit doch voller Gegensätze ist. Es scheint manchmal wie ein großes Puzzle, dessen Teile zunächst in Form und Farbe verwirrend vor einem liegen und sich nach und nach zusammenfügen, um ein stimmiges Bild zu ergeben – doch macht man sich die Mühe ein weiteres mal, erscheint stets ein neues Bild in ungeahnter Farbe und Schönheit.

Die einzelnen Puzzleteile bestehen aus klassischer Musik oder auch sphärischen Computerklängen, elektronischen Beats, historischen Texten, klassischem Gesang oder mittelalterlichen Instrumenten. Bausteine aus verschiedenen Epochen, Gegenden und Musikstilen, die hier zu etwas Neuem und völlig Eigenem verschmelzen. Teile, die unterschiedlicher in Form und Farbe kaum sein können, aber zusammengesetzt eine Einheit aus Schönheit, Klarheit und wildromantischer Kraft ergeben.
Das fantastische Element in der Musik von Qntal scheint, trotz aller Klarheit und Komposition bzw. der professionellen Herangehensweise der Musiker, stets präsent zu sein, doch sind es keine unvereinbaren Widersprüche. Qntal sind keine entrückten Spinner, sondern souveräne und rationale Charaktere, erfahrene und kompetente Musiker, die durchaus überlegt und handwerklich perfekt musizieren, ohne aber jemals ihre Passion zu verlieren.
Michael Popp und Gründungsmitglied Ernst Horn fühlten sich in der klassischen Musik zu Hause, arbeiteten an Theater und waren gleichzeitig mit „Deine Lakaien“ aus der „schwarzen Szene“ über Jahre hinweg zu einem Pop – Phänomen geworden, das über festgefahrene Szene- und Genregrenzen hinweg begeistern konnte. Ihre perfekte Ergänzung fanden die beiden Soundtüftler in Syrah, alias Sigrid Hausen, die als eine der führenden Interpretinnen mittelalterlicher Musik gilt.

Zusammen mit Michael Popp betreibt sie auch die Mittelalterformation „Estampie“, die seit fast 20 Jahren überaus erfolgreich auf internationalen Festivals spielt, Theatermusik komponiert und zahlreiche CD’s unter diesem Namen veröffentlicht hat. Syrah verleiht mit ihrer klassisch ausgebildeten Stimme voller Sinnlichkeit den musikalischen Ideen ihrer Mitmusiker die unverwechselbare Seele und Faszination, die Qntal auszeichnet.
Die Mischung aus musikalischem Können und Handwerk, Fantasie und Ratio, lässt etwas Neues entstehen. So abseitig die Idee anfangs auch sein mag, die der Gründung von Qntal zu Grunde liegt, mittelalterliche Texte, historische Instrumente mit Computerbeats und einer klassischen Stimme zu mischen- so überzeugend war von Beginn an die positive Resonanz.
Nachdem man sich von dem ursprünglichen Gedanken, ausschließlich als Studioprojekt zu arbeiten, gelöst hatte, wurden die ersten Konzerte im Doppelpack mit „Deine Lakaien“ gespielt. Diese Shows wurden begeistert aufgenommen, ließen die Fangemeinde anwachsen und sind heute nicht mehr wegzudenkender Bestandteil der Band.

Seit über einem Jahrzehnt gewinnt nun diese Idee immer weiter an Qualität und Charakter´. Aus einem Seitenprojekt, wurde eine mehr als zeitgemäße Band, die nicht zuletzt durch den Einstieg des Berliner Keyboarders, Komponisten und Produzenten Phillip Groth unüberhörbare frische Impulse bringt. Belohnt wurde dieser Mut mit einer Platzierung des Albums „Qntal III“ auf Rang 2 der Deutschen Alternative Jahrescharts 2003.

Noch zeitgemäßer, noch extremer die Mischung, noch umfassender scheint die Vision, die mit dem neuen Album IV vorliegt. Hier handelt es sich um Musiker, die ihre Grenzen nicht akzeptieren wollen und ihren eigenen Weg zunächst einmal selbst pflastern müssen, um zu den gesetzten Zielen zu gelangen.

Qntal IV widmet sich der Vergänglichkeit der menschlichen Werke, nimmt das romantische Gedicht „Ozymandias“, dass die drei Vollblutmusiker in zwei sehr experimentellen, atmosphäischen Songs vertont haben, als Titel, als Leitgedanke auch der eigenen Arbeit.
Wie in dem berühmten Gedicht von P.B.shelley sehen auch sie die Werke der Menschen in einem ständigen Fluß, einem Kommen und Gehen unterworfen; auf Liebe folgt Leid, von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt reicht die Spannbreite menschlichen Erlebens und immer wieder aufs Neue bleibt von vielem, was wir erdenken und erschaffen nicht mehr übrig, als „Sand in endloser Weite“. Nur wenn wir uns diesem ständigen Werden und Vergehen anheim stellen, erleben wir eine eigene Endlosigkeit, erfahren wir eine Kraft, die alles überdauert. Als Symbole für die vierte CD stehen für Qntal neben der Kraft des Sandes auch das Feuer, die Flammen. Die Glut der Leidenschaft und verzehrende Kräfte spiegeln sich in diesem Element.

Zu diesem Aspekt zählt der mitreißende, percussionslastige Song aus der Carmina Burana „Flamma“, der die lodernden Flammen der Liebe besingt. Der Gesang der Urgewalt der Elemente läßt sich fortsetzen; mit dem völlig entrückten „vogelfluc“ des Herrn Bernger von Horheim bewegt sich Qntal in den luftigen Bereichen des Fliegens, der Welt der Träume. Das Wasser, der Fluß des Lebens, aber leider auch der Zerstörung, wird in der ergreifenden Arie „Flow“ besungen, in der Syrah zum ersten Mal bei Qntal auch in klassische Gefilde des Gesangsrepertoires eintaucht.

Die neue CD verwendet schon wie ihre Vorgänger gekonnt verschiedene Sprachen des mittelalterlichen Europas wie Altspanisch und spricht auch dadurch eine große internationale Fangemeinde an. Diesmal sind mehrere altenglische Gedichte vertont worden, wie etwa „Blac“, indem es heißt: „Schwarz ist alles, wonach ich mich sehne“, na wenn das nicht die schönste LIebeserklärung an die Szene ist!? (Maximilian Nitschke)

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MILú - Interview 2005




Interview mit Anke Hachfeld zu „Milú“, der Auflösung von „Mila Mar“ und dem Album „No Future in Gold“ zum WGT 2005


BA: War es als Sängerin von Mila Mar sehr schwer, mit der Idee eines Soloprojektes, sich davon erst einmal freizustrampeln?

AH: Ja auf jeden Fall, denn es war ein großer Schritt sich zu emanzipieren aus dem Ganzen. Es wird auch noch weiter gehen, denn ich merke, was auf der Strecke geblieben ist auf dem bisherigen Weg von mir. Ich möcht es jetzt einfach hin bekommen, mich da komplett heraus zu drehen. Es war aber auf jeden Fall ein ganz eigener und schwieriger Weg zu Milú.

BA: Wenn du jetzt zurückblickt auf die Zeit, die du mit Mila Mar verbracht hast, es gab ja teilweise schmerzliche Momente in Form einer neuen Besetzung, wie bewertest du sie selbst auch im Hinblick auf dein eigenes Album nun? Gab es Einflüsse, die sich nun auf deinem Album wiederfinden lassen?

AH: Klar wollte ich etwas eigenes machen, denn Mila Mar ist Mila Mar. Ich wollte da nichts reproduzieren in meinem Soloprojekt, nichts destro trotz ist es meine Stimme. Das, was ich mit meiner Stimme mache, oder eben mit meiner Person, äußert sich halt in einer anderen musikalischen Form. Mir selber ist das aber auch gar nicht so bewußt gewesen, ob hier Einflüsse vorhanden sind. Für mich ist dieses Album schon komplett anders geworden, zum einen durch die Sprache, da ich alles diesmal auf deutsch produziert habe. Für mich ist dieses Album wie eine Art Tagebuch, eine persönliche Aufarbeitung von vielen Dingen, wo es mir wichtig war, diese in meiner Muttersprache auszudrücken.

BA: Da liegt für mich auch der Reiz des Albums, dass du plötzlich komplett deutsch singst. Die Texte stammen komplett von dir, über welchen Zeitraum aber hast du sie geschrieben?
Hast du nach dem letzten Mila Mar Album geistig nen Break gemacht und dann angefangen dich Eigenem zu widmen?

AH: Ich hab schon immer viele Texte geschrieben, auch in deutsch, was aber in der bisherigen Musik nicht die Bedeutung hatte. Von daher liegt schon ein roter Faden im Schreiben. Es war aber schon relativ nahtlos stell ich fest.

BA: Wann bist du den ins Studio gegangen dafür?

AH: Die ersten Aufnahmen waren Ende 2003. Wir haben aber nicht in einem Schlag durchproduziert, sondern immer so in Abschnitten für mal fünf Tage. Im Studio selber haben wir die Songs dann auch erst geschrieben. Das war ein sehr starkes ineinander arbeiten, was ich so selten erlebt habe.

BA: Es wäre schön, wenn du für unsere Leser ein paar Songs erklären könntest, wo ist ein roter Faden zu erkennen, oder ob es eher eine lose Aneinanderreihung von Erlebnissen war?

AH: Ein Konzeptalbum ist es schon mal nicht, es sind Erlebnisse und Dinge aus meinem Leben, die ich darauf ausdrücke. Das einzige Konzept darauf, ist wohl mein eigenes Lebenskonzept, wenn man so will, was dem zugrunde liegt. Nicht der Fall aber ist, dass dem Album ein bestimmtes Thema zugrunde liegt, unter dem ich geschrieben habe. Es ist einfach sehr nah an meinem Leben, was aber schon immer so war. Ich drücke persönlich das aus, was mich selbst beschäftigt. Ich könnte mich nie in die Lage anderer Menschen versetzen, und aus ihrer Sicht einen Text schreiben. Das wäre einfach nicht meines! Klar ich hab mich halt in den letzen Jahren viel mit grundsätzlichen Dingen im Leben auseinander setzen müssen, auch mit dem Faktor der Zeit, die wir Menschen nicht unbegrenzt haben. Unser Leben ist nun mal endlich. Es geht um Abschiede, wo ich mich in den letzten Jahren auch immer sehr schwer getan habe. Ich zeichne also insgesamt eher ein Bild, der etwas schwierigeren Seite des Lebens.

BA: Kann man sagen, dass jetzt vielleicht der Zeitpunkt da ist, über diese Dinge zu singen mit Hilfe von greifbaren Texten? Am Anfang von Mila Mar warst du dazu noch nicht bereit, ist dieser Zeitpunkt nun vielleicht erreicht?

AH: Ja das denk ich trifft es sehr genau. Wobei ich jetzt mit Abschluss dieses Albums wieder einen neuen Schritt gehen möchte, da ich merke, dass beide Methoden zusammen zu bringen, sehr interessant wäre. Ich bin immoment sehr am Überlegen. Ich bin mir nicht mehr sicher, was ich machen möchte immoment und da muss ich erstmal umsehen. Was genau ist die Musik, in der ich mich wirklich zu Hause fühle. Dieses Album ist sicherlich auch ein Zeichen dieser Suche, die noch nicht abgeschlossen ist.

BA: Seid ihr bei Mila Mar eigentlich zu einer festen Einheit mit den neuen Musikern geworden?

AH: (erstaunt) Bei Mila Mar? Wir spielen ja nicht mehr live! Wir werden nicht mehr spielen, zumindest sieht nichts mehr danach aus. (Anmerkung d. Verf.: dies war mir nicht bewußt bis dato). Mit Milú werden wir mit Dirk und Lars, der auch bei Mila Mar gespielt hat. Die nächsten live Sachen spielen wir alle unter Milú, Mila Mar wird es nicht mehr geben.

BA: (bestürzt): Dann komplett kein neues Album mehr?

AH: Da ist nicht von auszugehen, nee.

BA: Lag der Grund Mila Mar nicht mehr weiter zu machen, auf deiner Seite, oder war das eine gemeinsame Entscheidung?

AH: Das war schon eine gemeinschaftliche Entscheidung zwischen Maaf und mir. In den letzten 2 jahren war einfach alles so schwierig, auch persönlich, dass es keinen Sinn mehr machte. Es gab einfach Beziehungen, die ich mit Maaf hatte, die eine ungute Dynamik gebracht haben, die wir dann erstmal auseinander gefädelt haben, was mehr Nerven gekostet hat als nötig. Es gestaltete sich einfach zu schwierig!

BA: Dann kann deine Phantasiesprache also nur noch in Milú existieren?

AH: Ja, dass ist ja was ich vorhin sagte. Diese Phantasiesprache und meine bisherigen Texte zusammen zu bringen denk ich würde ich spannend finden. Verzichten werd ich jedenfalls nicht darauf! Die Form allerdings in der ich es präsentieren werde ist noch nicht komplett gefunden, wie gesagt, noch suche ich.

BA: Zwar musst du dich weiterentwickeln dürfen, aber bleiben dabei nicht Fans massiv auf der Strecke?

AH: Für Mila Mar Fans wird dieses Album ein radikaler Bruch sein ‚Huch was ist das denn jetzt?’. Innerhalb dieser Szene wird es sicher sehr schwer fallen, erst einmal zu erschließen, was ich da überhaupt getan habe. Das wird sicherlich schwer im vermitteln sein.

BA: Nun bei deiner Suche bekommt der Albumtitel natürlich noch eine ganz andere Bedeutung...

AH: Ja stimmt, die Ungewissheit natürlich, was da liegt. Es war ein sehr großer Kraftakt einfach aus allem heraus zu kommen. Wir hatten Picnic on the moon gerade produziert, nebenbei mein Studium abgeschlossen, ich habe mit Schiller Songs produziert, war auf Tour- was mit Schiller insgesamt ja auch sehr erfolgreich war – und dann das Soloalbum. Ich denk jetzt ist so ein Zeitpunkt gekommen, inne zu halten, und zu schauen welchen Weg ich jetzt gehen möchte.

BA: Hälst du den den Kontakt zu den alten Musikern von Mila Mar noch?

AH: Ja schon, halt zu den neuen alten, wie zu b.deutung. Der Rest wohnt mehr oder minder in Berlin, so dass das kein Problem darstellt. Lars ist ja hier wieder mit dabei und haben in der letzten Zeit geprobt. Ich bin sehr zufrieden, die Proben klangen toll.

ENDE (Maximilian Nitschke)

WERLE & STANKOWSKI - The Sound Of My Guitar EP

/ Haute Areal
Erstveröffentlichung: LP 2005

Da denkt man erst, den Akustikgitarrenklängen eines kleinen Liedermachers zu lauschen und dann plötzlich wird das Ganze durchbrochen von irren Drum´n Bass- und Computerspielklängen, die alles komplett ad absurdum führen, nur um kurz darauf wieder zum Liedermacherlied zurückzukehren. Das passt nicht zusammen, aber das passt zusammen. Der Satz ist falsch? Höchstens grammatikalisch, wenn überhaupt. Es ist erstaunlich, wie die Sachen eine gute Symbiose eingehen und wie aus Beidem plötzlich ganz tolle, kleine Popsongs entstehen. Auf dieser Vinyl-Schallplatte gibt es Remixe zu hören von Songs vom ersten Tonträger sowie ein paar unveröffentlichte Sachen. Ist eine nette Sache, wobei ich mich aber frage, welche Zielgruppe eigentlich angedacht ist, wobei ich auf der anderen Seite aber auch zugeben muss, dass mir das recht gut gefällt. Schon wieder alles so widersprüchlich. (H.H.)



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