CHARLY KENT - Mein Zeichen


Erstveröffentlichung: LP 2003 / Kommando 6 / Kommando 6

Kommando 6 ist ein Electrolabel, das weitgehend aus dem Untergrund heraus operiert und sich mit allen möglichen Arten elektronischer Musik auf Vinyl beschäftigt. Da findet man Detroit-Techno genauso, wie minimal-elektronische Produktionen und im besten Falle sogar eine Kombination aus beidem. Da die schmucklos verpackten Platten in verhältnismäßig kleinen Auflagen erscheinen, sind die bisherigen Produktionen nur noch schwer zu bekommen.
Kein Grund, nicht noch einmal die LP von CHARLY KENT, ansonsten mit dem Projekt Der Unsichtbare ebenfalls auf Kommando 6 zu Vinylehren gekommen, zu erwähnen, denn die ist ein Beispiel für eine sehr eigene Mischung aus (Analog-)Techno und Minimal-Electro mit Punk-Attitüde. Schon der Opener „Dunkle Nacht“ ist ein echter Knaller und Energie pur. Dieser Track dürfte auf Minimal-Electro-80er-Partys die Tanzflächen zum kochen bringen. Monoton, stampfend, treibend, dunkel und was weiß ich noch alles...dieser Song ist ein kommender Klassiker! Die anderen sechs Titel stehend dem kaum nach, reichen aber nicht ganz an „Dunkle Nacht“ heran. Das macht aber gar nichts, denn sie sind trotzdem durchgehend kraftvoll und gut. Ich glaube, CHARLY KENT kann mit seinem Stil Fans verschiedener Electro-Stile vereinen und auch so manchen linken Szeneaktivisten (hoffentlich schreibe ich jetzt nichts völlig falsches!) begeistern, der sonst den Sound von Atari Teenage Riot für den Klassenkampf hört (nur ohne die Rock-Sounds). Irgendwie hat die, meist instrumentale Musik etwas subversives, anarchistisches, und da kriegt man schon fast wieder den Bogen zu einer anderen Band...ich würde die Klänge auf dieser Platte als Mischung aus Warren Suicide und Up/Rotor bezeichnen, und das ist ja nun wirklich nicht übel. „Mein Zeichen“, den Plattentitel, darf man wörtlich nehmen, denn CHARLY KENT setzt hier wirklich ein Zeichen und legt eine großartige Minimal-Techno(-Punk-)Platte vor. Zugreifen, wenn man sie irgendwo bekommen kann! (A.P.)

Webadresse der Band: www.kommando6.de

LADA - Invitation


Erstveröffentlichung: CD 2005 / Waggle-Daggle Records / Broken Silence

LADA, das ist nicht nur eine Automarke, das sind auch ein paar Herren, dreie an der Zahl, die aus Frankfurt kommen (also Main) und miteinander musizieren. Wie ist die Musik zu bezeichnen? Es ist Rockmusik, gottseidank kein peinlicher Kneipenrock oder gar Schweinerock, es ist schon ein bisschen feinsinniger, aber auch nicht Art, es ist netter Rock, der sehr britisch klingt und manchmal auch herrlich geschrammelt ist, was ich persönlich sehr gerne mag. Es ist alles wirklich ganz nett, aber nicht außergewöhnlich und auch nicht besonders eigen. Mir fehlt ein wenig die persönliche Note. Aber als Debut ist das schon mal sehr inspirierend und kreativ, die Sache funktioniert und live kommt das garantiert gut rüber. (H.H.)

Webadresse der Band: www.waggle-daggle.com

- Neue Deutsche Welle - Kunst oder Mode


Erstveröffentlichung: Buch 1984 / Ullstein / ISBN 3 548 36505 1

Kaum war die Neue Deutsche Welle verebbt, wurde schon darüber spekuliert, wofür sie gut war. Döpfner und Garms, beide heute sehr hohe Tiere in der Medienbranche, haben versucht, das Ganze von der wissenschaftlichen Seite anzugehen. Es beginnt mit einem kleinen Exkurs von der Punkzeit bis zum Hass, der ab 1983 der neuen Welle entgegenschlug. Die Texte sind anfangs recht theoretisch und kompliziert gehalten, oftmals ein wenig zu bemüht klug klingend. Dann werden die Stilmerkmale der Neuen Deutschen Welle offengetan und fünf bekannte Songs Takt für Takt auseinander genommen, mit dem Fazit, das DAF totale Stümper sind, die ihre Fans verarschen und Nena die Creme de la Creme. Es folgt ein Interview mit Markus-Produzenten Axel Klopprogge, das entlarvend scheinen soll, die politischen Ambitionen der Musiker und der damaligen Jugend, weiter geht es mit Spliff und Konsorten und eine Nachbetrachtung. Sicherlich, man kann sehr wohl sagen, dass es viele Infos gibt zu der damaligen Zeit und dass das Buch interessant ist zu lesen, aber man muss zwei Sachen eindeutig sagen: Eine Nachbetrachtung der NDW ist aus dem Jahre 1984 einfach viel zu früh, die Autoren konnten noch gar nicht absehen, inwieweit die NDW die Musik wirklich beeinflusst hat, insofern ist aus heutiger Sicht das Niedermachen von DAF erst recht peinlich. Ihr Einfluss auf die Electro-Szene – und zwar weitweit – ist unbestreitbar. Selbst die Einstürzenden Neubauten werden mit nur zwei oder drei Sätzen bewusst nicht weiter beachtet. Und NDW-Fans wie mir stößt es noch viel bitterer auf, dass hier Bands wie Nena, Geier Sturzflug, Spliff und Konsorten als die großen Helden gefeiert werden, während die Innovationen wirklich aus dem Untergrund kamen. Aber, wie gesagt, davon abgesehen kann man sich schon herrlich amüsieren, insbesondere beim Interview mit Herrn Klopprogge oder bei den lächerlichen und akribisch-sinnfreien Songanaylsen (Eiszeit, Der Mussolini, 99 Luftballons, Da Da Da und Ich will Spass). Da kommt einen doch immer wieder der Satz „Über Musik zu schreiben ist wie zu Architektur zu tanzen“ in den Sinn. (H.H.)

FUGO - Aie


Erstveröffentlichung: CD 2005 / Engineer Records

FUGO ist ein Trio aus der Schweiz, musikalisches Hinterland also, wenn man das mal so arrogant sagen darf. Doch dieser eigentliche Nachteil ist offenbar ein Vorteil, denn FUGO klingen anders als die anderen und haben mir sehr gut gefallen. Ihre Musik ist schwer zu beschreiben, Indie-Rock wird der Sache nicht gerecht, Punkrock höchstens von der Attitüde her, ein bisschen Core vielleicht, aber alles so wundervoll emoartig geschrammelt. Dazu ein Sänger, der alles andere als perfekt ist und mit einer leicht näselnden Gesangsart echte Akzente setzen kann, übrigens offenbar mehrsprachig, wenn man das so vernehmen kann. Irgendwie ist da Englisch zu hören, Französisch, vielleicht Deutsch, ich weiß es nicht. Die Songtitel helfen da auch nicht weiter, denn die bestehen jeweils nur aus einem Buchstaben. Im Booklet gibt es aber ein paar kurze, englischsprachige Infos zu den einzelnen Liedern. Was bleibt also zu sagen? „Aie“ ist ein höchst interessantes Debutalbum, roh und ungeschliffen mit abwechslungsreichen Kompositionen – ich gehe davon aus, dass niemals ein Stück davon bei „Pop Of The Tops“ zu hören sein dürfte. (H.H.)

LIPSERVICE - Cardboard Robots


Erstveröffentlichung: CD 2005 / Eigenproduktion / One Take

LIPSERVICE sind vier aus Trier und hier, um Musik zu machen. „Cardboard Robots“ ist das Debut der 2002 gegründeten Band und das Album ist, wohl in Ermangelung eines Labels, selbst produziert worden, was man leider auch etwas am Sound hört, denn es fehlt ein wenig der Druck. Die Musik würde ich zuerst einmal als Rock bezeichnen, präziser gesagt Alternative Rock und dazu kommt noch ein wenig Punk, ganz leichter Grunge und dann auch noch irgendwo manchmal Rock´n Roll. Oft wird das Album vor allem durch den Sänger getragen, der eine interessante Stimme sein eigen nennen kann. Ansonsten kann man der Band auf jeden Fall a) gute Ansätze und b) eine gute Portion Originalität zusprechen, so dass man größeres erwarten kann. Ich denke, „Carcboard Robots“ ist nicht schlecht, bietet aber etwas zu wenig Abwechslung, um durchgängig unterhalten zu können. Als Anspieltipps würde ich „Joe DiMaggio“ anprangern, ebenso „Room 19“ und „Lt. Dan“, aber besonders das etwas langsamer gehaltene „Uma“. (H.H.)

HOSSYL - Holy Homy Hole


Erstveröffentlichung: CD 2005 / Eigenproduktion

HOSSYL, das ist eine dreiköpfige Band aus Wien, die sich 1994 gegründet hat. Ihr Metier ist die Rockmusik, die man am pragmatischsten als Indie-Rock bezeichnet. Diese CD ist selbstproduziert, man will sich nach so langer Zeit dann mal der breiten Öffentlichkeit präsentieren und ich muss sagen, die Musik gefällt mir außerordentlich gut. Wie gesagt, ein wenig Rock mit manch schrammeligen Gitarrenwänden, ein wenig Punkattitüden dabei, Funkeinflüsse und eine gehörige Portion 70er-Jahre-Rock. Das 70er-Jahre-Feeling wird oftmals durch ein wenig Orgeldedudel hervorgerufen, dann gibt es dazu noch manche Wah Wah-Gitarre zu hören, doch am eindruckvollsten ist der Gesang, der mehr als einmal an The Fall erinnert. Alles in allem eine feine Sache und der Band wünscht man mal eine fette Produktion und natürlich ein Label, dass sie mal ein wenig pusht, denn verdient hätten sie es. (H.H.)

KRAFTWERK - Minimum-Maximum


Erstveröffentlichung: Doppel-CD 2005 / Emi

So viel auf einmal hat man ja selten von Kraftwerk zu hören bekommen. Nur wenige Jahre her, dass das letzte Album erschienen ist und dann, wie aus heiterem Himmel eine Tour und nun auch noch eine Live-Doppel-CD, die im übrigen als deutsche und englische Version auf den Markt gekommen ist. Ikonen sind sie, gar keine Frage und dieses Album ist fast eine Best Of-Platte, die mehr als genial ist, das darf man schon mal vorweg sagen. Alle wichtigen Songs sind enthalten, von „Autobahn“ über „Das Model“ über jede Menge Songs der „Computerwelt“-LP bis hin zur aktuellen LP „Tour de France – Soundtracks“. Diese Live-Platte klingt eigentlich fast wie ein Studioalbum, was sicherlich natürlich ist, wenn man nur mit elektronischen Instrumenten arbeitet, doch man hat es geschafft, die Atmosphäre im Publikum mit einzufangen und zu integrieren, so dass vieles gar nicht so synthetisch klingt, wie es in Wirklichkeit ist. Da ich auch in der glücklichen Lage war, eines der Konzerte zu besuchen, muss ich sagen, dass man das Flair extrem gut eingefangen hat und das mit einem kristallklaren Sound, der süchtig macht. Was soll man sonst noch sagen? Ich persönlich finde zwar immer noch die alten Stücke, die vor der „Musique Nonstop“-LP erschienen sind, weitaus besser als die neueren Sachen, aber „Minimum-Maximum“ kann trotzdem von vorne bis hinten begleiten. Das ist ein Muß für jede Musiksammlung. Das ist sicherlich eine öde Floskel, aber manchmal ist sie nicht nur so dahergesagt, sondern stimmt ganz einfach. (H.H.)

WERMUT - Hoffnung


Erstveröffentlichung: 10 Inch 2005 / Treue Um Treue / T.u.T.001

Praktisch aus dem Nichts erschien das Projekt WERMUT 2004 auf der Bildfläche der Minimal-Electro-Szene. Auf Hertz-Schrittmacher erschien eine Splitsingle mit dem französischen Projekt Rod Droid, nachdem die erste 10“ bei einem italienischen Label noch klar dem Neo-Folk-Genre zugeordnet werden konnte. Alleine der Auftritt beim ersten Kernkrach-Festival dürfte einige Leute aufmerksam gemacht haben. Auf dem Label Treue Um Treue erschien dann in 2005 „Hoffnung“, wiederum im liebenswerten 10“-Format. Der minimal-elektronische Weg wurde konsequent weiter gegangen und so dürfte die Platte, limitiert auf knapp 300 Exemplare, den Weg in so manchen Plattenschrank von Minimal-Electro-Freaks schaffen. Interessant ist, dass Sofia E.R. und Laszlo P.S. es sehr gut geschafft haben, die Einflüsse ihrer beiden bisherigen Veröffentlichungen unter einen Hut zu bringen. So gibt es Stücke, die ganz klar irgendwo zwischen Dark Wave und Neo-Folk eingeordnet werden können, während andere die Tanzflächen der Minimal-Electro-Partys füllen werden, wie „Mag Unser Sein“. Der Titeltrack „Hoffnung“ hat zudem ein absolut geniales NDW-Feeling und dürfte sich längst großer Beliebtheit erfreuen. Hier und da wird es sogar richtig wavig, wie zum Beispiel im großartigen „Lucia´s Song“ und bei „Es Kommt Ein Tag“ kommen auch Industrial-Hintergründe der Musiker zu Tage. Genauso vielseitig wie die Musik sind die Texte auf Deutsch, Französisch und Englisch, die sich von allen Peinlichkeiten fern halten. So könnte sich „The Wild Hunt“ möglicherweise auf den keltischen Mythos der „Wilden Jagd“ beziehen, was irgendwie schon wieder Erinnerungen an Test Dept.´s „Gododdin“ aufkommen lässt, obwohl die Musik hier natürlich in eine ganz andere Richtung geht.
Man sollte sich die Platte also nicht nur als Sammler wegen der geringen Auflage besorgen, sondern auch dann, wenn man auf klischeelose Musik der genannten Stile steht.
Mit Sicherheit ist „Hoffnung“ schon bald eine gesuchte Platte, also: nicht stehen lassen, wenn man sie irgendwo sieht, man könnte sich hinterher ärgern. (A.P.)

Webadresse der Band: eys.online.fr/tutrur

CHRISTIAN DEATH - Atrocities

Wiederveröffentlichung: CD / Normal Records / Indigo / Normal18CD
Erstveröffentlichung: LP 1986 / Normal Records / Efa / Normal 18

Nachdem Rozz Williams 1985 nach dem „Ashes“-Album CHRISTIAN DEATH verlassen hatte und gerüchteweise entweder tot, drogenabhängig oder wahlweise dem Alkohol verfallen war, führten Valor, Gitane DeMone und David Glass entgegen der ursprünglichen Planungen die Band nicht unter dem Namen Sin & Sacrifice weiter, sondern als CHRISTIAN DEATH, was bis in die 90er Jahre hinein für einige Verwirrung und Rechtsstreitigkeiten sorgen sollte.
Zunächst widmete Valor die erste Post-Rozz-Veröffentlichung „The Wind Kissed Pictures“ dem ehemaligen Sänger der Band, wohl auch, um die treuen Rozz-Fans ruhig zu stellen. Schließlich erschien das erste Album ohne ihn, das vierte unter dem Namen CHRISTIAN DEATH insgesamt: „Atrocities“. Hiermit dürfte Valor noch kaum die alten Fans der Band verschreckt haben, denn, und das sollte jeder unvoreingenommen eingestehen, „Atrocities“ ist ein großartiges Album, meiner Meinung nach sogar das beste, das je unter dem Namen veröffentlicht wurde, und das schließt „Only Theatre Of Pain“, „Catastrophe Ballet“ und „Ashes“ mit ein!
Bis heute sind viele Leute verwirrt, da auf der Rückseite des Covers ein kurzer, zehnzeiliger Text steht, was viele für die Songtitel halten. Die tatsächlichen Songtitel findet man jedoch bei der LP nur auf dem, der Erstauflage beiliegenden Poster und der Platte selbst und bei den CD-Auflagen im Booklet und auf der CD. Nette Idee. Das schlichte Cover mit der abgebildeten Operationsszene überzeugt, auch, wenn es natürlich nicht unbedingt typisch für ein Death-Rock-Album ist. Edel wirkt hier vor allem das LP-Cover mit seinem silbernen Prägedruck.
Musikalisch zeigt sich, dass Valor seit „Catastrophe Ballet“ die Fäden in der Hand hatte, denn alle Songs hätten so auch mit Rozz-Gesang Sinn ergeben, große Veränderungen gibt es gegenüber den beiden Vorgängern nicht zu vermelden. Vielleicht ist es wieder etwas rockiger geworden mit Stücken wie „Will-o´-the-Wisp“, „Strapping Me Down“ und „Ventriloquist“, aber das ist eher eine Rückbesinnung auf die Ursprünge der Gruppe, als Valor, Gitane und David noch gar nicht dabei waren. Diese Songs wurden zu kleinen Live-Klassikern und wer die Band 1987 auf ihrer Deutschland-Tour erleben konnte, wird das wohl nie vergessen. Viel wichtiger waren aber Stücke wie „Chimere De-Si De-La“, „Strange Fortune“ und „Silent Thunder“, die durch den Gastgitarristen und Mit-Komponisten Barry Galvin geprägt wurden, der bis heute mit seiner eigenen Band Mephisto Walz bekannt ist. Für mich war das damals der eigentlich echte CHRISTIAN DEATH-Sound, allerdings kannte ich „Atrocities“ auch vor „Only Theatre Of Pain“, was wohl haften geblieben ist. Keins der frühen Alben kam jedoch ohne düster-experimentelle Stücke aus, die hier durch „The Danzing Waltz“ und „The Death Of Josef“ repräsentiert werden. Und dann sind da ja auch noch die Songs, bei denen Gitane DeMone singt! „Tales Of Innocence“ und der 40er Jahre-Schlager „Gloomy Sunday“ sind wohl mit die wundervollsten Lieder, die je erschienen sind und auch in den 90er Jahren hat die Sängerin diese Stücke bei ihren Solo-Auftritten immer noch gesungen. Vor allem „Tales Of Innocence“ reißt mich bis heute bei jedem Anhören in einen emotionalen Strudel hinab!
Zehn Songs, zehn absolute Gothic-/Death-Rock-Hits mit den vielleicht besten Gitarren-Parts überhaupt (wenn man vielleicht von BFG und The House Of Love absieht)...natürlich eine absolut subjektive Meinung von mir, aber was soll ich machen...dieses Album bewegt mich seit fast 20 Jahren und hat bis heute nichts von seiner Faszination verloren. Zu dieser Zeit konnte man Valor noch nicht übel nehmen, dass er nach Rozz Williams´ Ausstieg die Band weiter geführt hat, erst später, ab circa 1990 wurde das alles zu Leichenfledderei. Mit etwas Abstand sollte man „Atrocities“ aber als das nehmen, was das Album tatsächlich ist: ein echter Klassiker des Gothic-/Death-Rock! Oh mein Gott...diese Gitarren... (A.P.)

ZENTRIERT INS ANTLITZ - Mutilate


Erstveröffentlichung: CD 2005 / Cop International / Al!ve / CopCD088

Bei einem Namen wie ZENTRIERT INS ANTLITZ erwartet man, wenn man die Band bisher noch nicht gehört hatte, wohl am ehesten was derbes, dreckiges, hartes. Wenn im Waschzettel dann noch was von „hardcore Industrial, modernster Elektronik und düsteren Ambient Collagen – Endzeit Stimmung Pur!“ steht, ist die Vorfreude groß. Leider kann „Freddy Kruegers Lieblingsband“ (ebenfalls aus dem Releaseinfo) die Erwartungen nicht ganz erfüllen. Keine Frage, die Produktion ist sehr gut geworden, aber dabei leider auch zu glatt, es fehlen einfach Ecken und Kanten. Das stilistisch ähnlich angelegte Projekt Kiew erscheint da deutlich härter und düsterer.
Das bedeutet nun aber nicht, dass diese CD schlecht wäre, nur werden zu hohe Erwartungen geweckt. Die Musik ist tatsächlich eine Mischung aus relativ harten Electro und Ambient, durchsetzt mit vielen Stimmsamples und meist tanzbar. Eines der Vorbilder der Gruppe dürfte sicher Skinny Puppy gewesen sein, wobei aber deren Genialität nie erreicht wird. Insgesamt wirkt das Ganze etwas uninspiriert. Samples aus Porno- und Horrorfilmen sind nun wirklich nicht mehr ganz zeitgemäß, so was hat man dann doch schon unzählige Male gehört.
Für die Tanzflächen sind sicher ein paar geeignete Stücke dabei, mir gefallen aber die atmosphärischen Tracks besser, da es dort einige schöne Sounds zu hören gibt.
Leider muss ich sagen, dass ich deutlich mehr erwartet habe. Das Info und das schöne Artwork hatten mich wirklich neugierig gemacht, doch es fehlt dem Ganzen an Härte, Düsternis und vor allem Druck. Electro-Freaks sollten aber trotzdem mal ein Ohr riskieren. (A.P.)

Webadresse der Band: www.zentriertinsantlitz.de

ONE WAY DOWN - Scheisse


Erstveröffentlichung: CD 2005 / Wanker Records / Broken Silence

Wenn eine Band aus Orange County/California kommt, wie ONE WAY DOWN, erwartet man meist eigentlich eher melodiösen Punk Rock...böse Vorurteile, man sollte sich nicht auf sie verlassen. ONE WAY DOWN legen ihr erstes Album mit dem schönen deutschen Titel „Scheisse“ vor und machen zwar Punk verwandte Musik, aber eben keinen Punk Rock.
Viel mehr ist es Alternative Rock mit Punk-Einflüssen, aber auch einigen Anklängen an Velvet Underground und die 70er Jahre. Die meisten Songs sind sehr rockig und wenig im Ohr bleibend. Vergleiche mit anderen Bands fallen mir jetzt nicht so richtig ein, was natürlich gut ist, denn das bescheinigt der Band eine ordentliche Eigenständigkeit. Dabei muss ich aber anmerken, dass ich mich in dieser Musikrichtung auch nicht so gut auskenne.
Für mich ein eher uninteressantes Album, Alternative Rock-Freaks sollten mal reinhören. (A.P.)



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