GEISTERFAHRER / ANDY GIORBINO / DAS INSTITUT - Live in Hamburg - Hafenklang - 29. September 2005


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2005

Das waren doch mal überraschende Neuigkeiten, als vor einigen Wochen bekannt wurde, dass die Hamburger NDW-/Alternative-Rock-Formation zu ihrem 25jährigen Bestehen einen Auftritt ankündigte. Obwohl...auf den Labels NLW und Onomato Pop erschien kurz vorher neues („3. Jahrtausend“ 7“) und altes („Best of“ CD) Material der Band, die eine der ersten deutschen New Wave-Singles auf dem damaligen Zick Zack-Label veröffentlichte. Da war es doch ein schöner Anlass, mal wieder einige der ehemaligen Bandmitglieder zusammen zu trommeln und mit ANDY GIORBINO, der auch gerade bei Onomato Pop ein neues Album veröffentlicht hatte, und Matthias Schusters aktueller Band DAS INSTITUT (auch zwei aktuelle CDs auf NLW) live aufzuspielen. Es wurde also an diesem trüben Herbstabend an den Hafenrand geladen und im sympathischen Club Hafenklang aufgespielt. Der Laden füllte sich ordentlich und gegen 22.30 Uhr betraten Schuster und seine Partnerin Traude Capra die Bühne um 40 Minuten ihre eher poppige Seite vorzustellen. Es wurden einige Stücke der aktuellen „Zukunftsmusik“-MCD gespielt, sowie weitere Songs aus dem großen Repertoire der Band. Ohne oberflächlich zu wirken, waren die meisten Songs eingängig, enthielten aber auch jede Mange elektronische Spielereien, die DAS INSTITUT von anderen Electro-Bands abheben. Zu hören gab es auch die wohl schrillsten Schreie, die man seit langem in Hamburg vernehmen durfte...Ohren betäubend und doch zum Song passend. Das Publikum war ziemlich begeistert und ohne Zugabe konnte DAS INSTITUT nicht von der Bühne.

Nach einer relativ kurzen Umbaupause betrat dann ANDY GIRBINO mit seiner Band die Bühne. GIORBINO ist nun auch seit den frühesten 80er Jahren musikalisch aktiv und hat nach einer Pause vor kurzem seine neue CD „Schön“ vorgelegt, die eine gute Mischung aus Gitarren-Rock, poppigen Melodien und Elektronik enthält und in einer besseren Welt ziemlich erfolgreich werden würde. Im Gegensatz zur Eingängigkeit des Albums wurde auf der Bühne aber ordentlich losgerockt und es fiel unter den Zuschauern mehrfach der Begriff „brachial“, der auch später am Abend wieder auftauchen sollte. Vor allem der Bass-Sound brachte so manchen Magen zum vibrieren. Mit der Singleauskopplung „Ich Sag Hallo“ war dann auch ein richtiger Hit dabei.

Nach dem Auftritt warteten nun alle gespannt auf die GEISTERFAHRER, von denen man im Grunde seit 15 Jahren nichts mehr vernommen hatte. Matthias Schuster konnte sogar Sänger Michael Ruff dazu bewegen, den Auftritt zu machen, dazu Schlagzeuger Peter Bellendier (Ex-X Mal Deutschland), Andy Giorbino an der Gitarre und Marco van Basten am Bass. Leider war der Original-Schlagzeuger Jürgen Weiß nicht dabei, da er inzwischen in Italien lebt. Bei den ersten Songs schien Ruff noch nicht viel Lust zu haben und so mancher im Publikum fragte sich, ob er einfach nur betrunken war oder andere Mittelchen geschluckt hatte. So ab dem dritten Stück war aber deutlich zu sehen, dass er immer mehr Spaß an der Sache hatte und so gab es einige Sprüche und viel Gegrinse, an dem sich auch Giorbino fröhlich beteiligte. Die Zuschauer honorierten das mit viel Applaus und ließen sich von dem mehr als brachialen Sound die Ohren und Mägen durchpusten. Faszinierend, wie locker Drummer Bellendier wirkte und dabei einen Druck erzeugte, der seinesgleichen sucht! Dieser Mann ist ein absoluter Meister seines Fachs und alleine deswegen wünscht man sich, dass die GEISTERFAHRER weiter machen.
Die Band spielte einen Querschnitt aus den meisten Veröffentlichungen der 80er Jahre, wobei die frühen Stücke naturgemäß am besten ankamen, vor allem das bekannte „Himmel Auf Erden“ ist immer noch mehr als genial, auch wenn es, wie alle anderen Stücke auch, heute eher alternativ-rockig als wavig klingt. Natürlich wurde die Band vom ziemlich begeisterten Publikum auch nicht ohne Zugaben entlassen. Gegen 1.15 Uhr war es dann vorbei und alle schienen mehr als zufrieden zu sein. Wer weiß, vielleicht sogar so sehr, dass dieser eigentlich als einmalig geplante Auftritt nun doch mehr nach sich zieht? Viele Leute würden sich freuen.
Alles in allem also ein mehr als guter Abend mit drei guten Bands, vielen netten Leuten in einem guten Club für gerade mal 7,00 € Eintritt bei zivilen Getränkepreisen. Da fühlt man sich glatt an Zeiten erinnert, als man noch zu mindestens zwei Konzerten in der Woche ging und ständig feierte. (A.P.)



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