ELEKTROTUBBIES - Wer Wird Müllionär


Erstveröffentlichung: CD 2004 / Private Release / Private

Wenn man ein wenig nach dem Namen ELEKTROTUBBIES googelt findet man...wenig bis nichts. Ungewöhnlich für eine Band, die angeblich bereits seit 2000 besteht und ebenso angeblich bereits eine 5-Track CD veröffentlicht und am angeblichsten die Welt nachhaltig verändert hat. Auch bei dieser CD-R gibt es keinerlei Hinweis darauf, wer sich hinter diesem Electro-Projekt versteckt, lediglich die genannte Emailadresse ist angegeben, aber kein (echter) Name, kein Internet-Link, keine Adresse, nichts... Was hat es also mit den ELEKTROTUBBIES auf sich? Ziemlich wahrscheinlich ist, dass dahinter Leute stecken, die in der Szene nicht ganz unbekannt sind und die einfach mal wieder Lust hatten, guten alten Electro-EBM-Sound zu machen, wie er heute nur noch selten zu hören ist. Das Projekt wurde auf die lustig-ironische Art angegangen, wie man unschwer am CD-Titel erkennen kann, was sich über das Cover, den Waschzettel und die Songtitel/Remix-Namen fortsetzt. Gesang gibt es keinen, stattdessen ausschließlich Stimmsamples, die passend in den ordentlich produzierten und durchgehend tanzbaren Electrosound eingebaut wurden. Das ganze erinnert dann schon ein wenig an so manche Produktion des in den frühen 90ern aktiven Tapelabels Senseless Gebollah aus dem Ruhrgebiet, mir kommt viel eher aber eine Band in den Sinn, die uns durch die 90er Jahre mit vielen Tapes und einigen CDs, sowie unzähligen Samplerbeiträgen begleitet hat und deren Sänger die „Rosa Seiten“ im Zillo immer wieder mit seinen Beiträgen aufgelockert hat. Zumindest würde der Humor, mit dem die ELEKTROTUBBIES ans Werk gehen, zu dieser, auch hier nicht genannten Band passen. Ob´ s stimmt – wer weiß es schon. Nett sind Seitenhiebe und Anspielungen auf so manche Szeneband der alten Tage, sei es im Waschzettel oder in den Songtiteln, das zeugt auf jeden Fall von großem Wissen über die „schwarze Szene“. Zumindest ist „Wer Wird Müllionär“ ein recht unterhaltsames Album, das allerdings etwas zu lang erscheint, weil die Stücke nicht wirklich abwechslungsreich sind, aber man kann das ja zur Not auch in zwei Etappen hören. Auf jeden Fall gibt´s hier mal wieder den heute selten gewordenen 90er-Jahre Electrosound zu hören, der einen „damals“ jahrelang durch die Clubs begleitet hat. Auch so eine Art Retro-Sound, obwohl man den Begriff ja sonst für Veröffentlichungen benutzt, die sich an die glorreichen 80er-Jahre anlehnen. (A.P.)

E-Mail-Adresse der Band: eltubbie@hotmail.com

MAX GOLDT - Restaurants Restaurants Restaurants - 22 Hysterische Miniaturen


Erstveröffentlichung: LP / Team Records / Efa

Wieder einmal eine schöne Platte von Matthias Ernst alias MAX GOLDT, die er für uns wahrheitsliebende mit reinem Gewissen produziert hat. Die erste Seite ist allerdings wohl eher für doofe Leute produziert, aber die zweite Seite ist dann ganz toll, da ist z.B. das Stück ""Ein Arzt wie er nicht sein soll"", wo der Arzt den Leuten im Wartezimmer den verpickelten Rücken seines Patienten zeigt und ihn als eklig scheltet, oder auch ""Wenn ich König wär"", das handelt über ein besoffenes zehnjähriges Kind, das philosophiert, was passieren würde, wäre es ebengenannter Herrscher. Auch sehr schön ist die Story über den Spanner, der sich moralisch angegriffen fühlt, als er entdeckt, das sein Spannerobjekt keinen Slip unter dem Rock trägt. Schon ein ganz primagutes Stück Vynil, unbedingt hörenswert, ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, obwohl ich persönlich die LP ""Die majestätische Ruhe des Anorganischen"" schöner finde, aber das ist jetzt subjektiv irgendwie. Also, für den, der schon alle Platten von Max Goldt hat, ist diese Platte nicht zu empfehlen, für alle, die sie aber noch nicht in ihrem Plattenbesitz wähnen können und nicht unbedingt auf gruftierende Texte stehen, dem ist dieses Vynil-Erzeugniss glatt zu kaufen nicht zu umgehen. Versuchen die Texte intellektuell zu wirken? Ach quatsch, auch wenn es so wirkt. Nur weil ein paar Windmühlen zusammenstürzen, ergibt das doch nicht gleich ´ne Marslandschaft, oder? (H.H.)

MAX GOLDT - Die majestätische Ruhe des Anorganischen


Erstveröffentlichung: LP 1984

Wow, ein Meisterwerk erster Güteklasse! Der FOYER DES ARTS-Frontmann Max Goldt legt auf dieser 1984 erschienenen LP fast nur gesprochene Beiträge mit Hintergrundsmusik vor. Wer auf seltsame, nicht unbedingt nachvollziehbare Texte steht, dem ist diese Platte unbedingt auf den Plattenteller zu legen. Produziert ist dieses Stück Vinyl übrigens für Stereoanlagen der mittleren Preisklasse und sollte möglichst alleine und nachmittags angehört werden. Für den Rundfunkeinsatz wohl aber eher nicht geeignet. Am besten sind die Stücke ""Eine Schangse für die Welt von morgen"" (Zitat: ""Was ist das für eine Welt, experimentelle Döner-Buden und U-Bahn-Kontrolleure in tiefgefrorenen Frauenkleidern! Und Raucher! Und wisse: Wer raucht, stiehlt auch!""), ""Familie und Gesundheitswesen"" (Zitat: ""Nun komm Opa, und jetzt kratz mir den Schorf von der Blinddarmnarbe, die juckt so!"") und ""Die symbolische Nachbarin"" (Zitat: ""Die Handtasche ist nur ein Symbol für die Misere in der Schulmedizin""). Sicherlich Geschmackssache, aber ich finde auch die Geschichte von Katinka, die zur Frau wird und ihren Vater versehentlich umbringt, einfach gut. Muß man einfach haben, denn an sich sind wir doch alle bisexuell! (H.H.)

GOOGOOMOPS - Googoomops


Erstveröffentlichung: Maxi-CD 1984 / Eigenproduktion

Die GOOGOOMOPS (was für ein Name!) aus Australien bieten konventionel­lere Klänge, aber keinesfalls schlechte. Das Ganze hat so ein bißchen was von The Jesus And Mary Chain zu Zeiten ihrer ersten beiden LPs, also sehr gute Melodien, die von recht rockigen Gitarren begleitet werden. Die GOOGOOMOPS klingen nach den guten alten 80em, aber doch jung, frisch und unverbraucht. Interessant ist vor allem die Coverversion von Bauhaus' „Crowds“. Man erkennt das Ori­ginal noch wieder und trotzdem schafft die Band es, den Song auf ihre eigene Art zu interpretieren. So soll eine Coverversion sein. Die GOOGOOMOPS sollte man in jedem Fall im Auge behalten. (A.P.)

GORILLA AKTIV - Nur Für Erwachsene


Erstveröffentlichung: 7 Inch EP 2003 / Was Soll Das? Schallplatten

Der gute Franck Punk entwickelt ungeahnte Aktivitäten. Innerhalb weniger Monate hat er auf seinem feinen „Was Soll Das?“-Label schon sieben Schallplatten mit verschollen geglaubter Musik aus den frühen 80ern heraus gebracht. Und dazu sind alle diese Platten auch noch ausnehmend gut und beweisen, wie viel tolle Musik im Underground entstanden ist und niemals den Weg aus der innovativen Cassetten-Szene heraus an eine breitere Öffentlichkeit gefunden hat.

Eins dieser obskuren Projekte ist GORILLA AKTIV und auf der vorliegenden (und wahrscheinlich wieder längst ausverkauften) Single wird ein komplettes C-10 Tape von 1982 zuzüglich eines Bonustracks in Vinyl gepresst. Vom Sound darf man nicht allzu viel erwarten, er ist halt „authentisch“, was aber einen echten Musikliebhaber nicht stören sollte.

5 mal feinster Minimal-NDW-Sound, der so auch locker 1980/81 bei Zick Zack hätte erscheinen können. Einen eindeutigen Vergleich findet man nicht, aber hier eine Spur Der Plan, da etwas Saal 2, ein bisschen Radierer und jede Menge Inzucht & Ordnung und Thorax Wach. Das sind abgesehen von Der Plan alles selbst keine berühmten Namen, aber wer diese Gruppen kennt, weiß, was ihn erwartet, wer noch nie von ihnen gehört hat, wird wahrscheinlich auch mit GORILLA AKTIV nichts anfangen können. Auf dem Cover steht übrigens noch ein sechster Song mit dem Titel „Suono Seguito“, der aber anscheinend nicht auf der platte ist. Seltsam, oder habe ich da was falsch verstanden. Ansonsten aber wieder mal eine rundherum gelungene Veröffentlich aus dem Saarland. (A.P.)

Webadresse der Band: www.punk-disco.com

GOTHIC - Grim



GOTHIC is an Italian band project, which was founded back in the late 80s and released a lot of tapes through the 90s and now a second CD-(Double)Album in the third millennium.

The project is musically very open minded and works in all the fine arts like music, poetry, painting and video, what comes together to a very own GOTHIC-style.

Well, the main focus of the music is, as one can imagine by the band´s name GOTHIC, the Gothic/Dark Wave genre, but with a lot of influences from Dark Ambient soundscapes and Industrial, from Rock to pure Avantgarde sound.

The atmosphere is mostly very dark and doomy and the complete album seems very conceptual. The first CD contains the more straight sounding tracks, sometimes also dancable. Think of a combination of Virgin Prunes, Sopor Aeternus and Skinny Puppy. CD2 (or „Act II“ as it is named on this release) has more the dark, ambient and avantgardistic pieces. Some of the tracks could become smaller Club Hits, but they would need a better production.

Really, not an easy album, just to consume. It needs some time and concentration to realize the full aspects of this album, but everyone, who gives GOTHIC a chance, will get a great Dark Wave-experience for sure! (A.P.)

E-Mail-Adresse der Band: info@gothicdimension.com
Webadresse der Band: www.gothicdimension.com

PC-GAME - Gothic


Erstveröffentlichung: Sonstiges 2001 / Shoebox

Da das BACK AGAIN ja auch über den Tellerrand schaut, wollen wir Euch heute auch einmal ein Spiel für den PC vorstellen. In gewisser Weise hat es natürlich trotzdem etwas mit Musik zu tun, denn die Mittelalter-Rocker von IN EXTREMO zeichnen sich hierbei für Teile des Soundtracks verantwortlich und haben im Spiel sogar ihren eigenen Auftritt. In GOTHIC geht es um ein Königreich auf der Erde. Da Krieg herrscht, müssen Strafgefangene in unterirdischen Mienen Erz fördern, damit daraus Waffen geschmiedet werden können. Das Gefangenenlager ist von einer magischen Barriere umgeben, so daß niemand entkommen kann. Innerhalb der Gefangenen gibt es, da es keine Wachen gibt, eine strenge Rangordnung und so gibt es hier reiche und arme, starke und schwache Häftlinge. Als Spieler mußt Du nun dieser Strafkolonie entkommen...

GOTHIC ist ein Rollenspiel, welches jeden Fan dieser Art von Spielen gefallen dürfte. Zum einen haben wir eine tolle und sehr atmosphärische Fantasywelt, die hier dargeboten wird, jede Menge Monster, verschiedene Personen und vielfältige Aufgaben, die es zu lösen gilt und sehr viele Dinge, die man lernen kann (z.B. Bogenschiessen, Türschlösser knacken und einiges mehr). Apropos Monster, diese sind für ein Spiel dieser Sorte übrigens recht intelligent geraten und nicht so tumb und doof wie in anderen Spielen solcher Genres. So werden die Kämpfe auch noch richtig interessant. Positiv anzumerken sind auch noch die wirklich riesigen Level, die man durcharbeiten muß. Es gibt allerdings zu bedenken, daß man das Spiel ausschliesslich mit der Tastatur spielen kann und das die Anforderungen an den PC (mindestens 450 Mhz) recht hoch sind und das es keine Möglichkeit gibt, dieses Spiel mit mehreren Leuten (z.B. via Internet) zu spielen. Macht ja nichts, denn GOTHIC bietet Vielfalt und Spannung pur, sogar ein bißchen Erotik. Im September übrigens ist für das Spiel sogar eine Audio-CD-Veröffentlichung geplant mit exklusiven Songs einiger bekannter Bands. Für Rollenspielfans ein absolutes Muß! (H.H.)

GöTTERDäMMERUNG - Götterdämmerung


Erstveröffentlichung: Mini-CD 2003

I know GÖTTERDÄMMERUNG from the Netherlands since their first release „Rearm“ and their debut album „A Body And A Birthmark“, both originally released on the legendary German Dion Fortune Records in the mid 90s. These CDs have been really good, classical Gothic-Rock pieces. After their third release „Purge“ I lost a bit of interest, ´cos the EP wasn´t too good. So I didn´t realize, that they released their second fulltime album „Morphia“ in 2001 on The Nature Of Gothic in the UK. By chance, the band now contacted me and asked, if I would be interested in listening to their newest release a Picture-MiniLP. Well, what a question…some days later I found the package at my door and listened to it at once and what else should I say than: brilliant! This is pure, original Gothic-Rock with shrieking guitars, hammering bass, driving drumcomputer sounds and powerful vocals with a loveable 80s feeling. Somewhere between early Christian Death, Red Lorry Yellow Lorry, Screams For Tina, Virgin Prunes, Sisters Of Mercy and all the other heroes from these legendary times.

„The MiniLP“ open with the Gothic-anthem „Lesser Diety“, followed by a great cover of the Sisters Of Mercy´s „Good Things“, one of the less known songs by this most influential band from Leeds. „Film Noir“ and „At Status“ are further solid Gothic-Rock-tracks and „Left-Hand Rapture“ reminds me a bit on Kiss The Blade, one of the very few real Gothic-Rock bands today. Wonderful guitars!

The album closes with the more than 14 minutes running monster track „Vision Of Wane“, a forthcoming classic, which blows your brain out. I am curious, if the DJs in the clubs will play this masterpiece in its full length. Very dark, very intense and a bit like the legendary track „Werewolf“ by UK Decay.

This MiniLP of GÖTTERDÄMMERUNG is simply a must for every Death-Rock and Gothic-Rock fan and it will become a modern classic of this style soon! (A.P.)

Webadresse der Band: www.listen.to/gotterdammerung

GöTTERDäMMERUNG - Rearm E.P.


Erstveröffentlichung: Maxi-CD 1992 / Dion Fortune / Semaphore

GÖTTERDÄMMERUNG kommen aus Holland und waren mir bisher eigentlich kein Begriff. Mit ""Rearm"" legen sie nun ihre Debut-Maxi vor und überraschen sehr. Befürchtet hatte ich irgendeinen Klischee-Grufti-Abklatsch von irgendwelchen Bands. Erwartet habe ich aber bestimmt keinen powervollen Gothicrock mit starken Anleihen an die Szene in Los Angeles der 80er Jahre. Die im Info erwähnten experimentelleren Momente sind wirklich nur am Rande zu bemerken, zum Glück, wie ich meine, denn was gibt es schöneres, als harten, nach vorne gehenden Gothicrock? Nein nein, macht man weiter, was ihr hier auf dieser Maxi-CD bietet, dann wird sich der Erfolg ganz von alleine einstellen. 1990, als das Gothic Revival begann, wäre diese Band sofort an die Spitze gestürmt, hoffen wir, daß sie das mit dieser CD in einer langsam zerfallenden Szene mit 100000... schlechten Bands auch schaffen und nicht in der Masse untergehen. (A.P.)

G´RACE - Manhattan


Erstveröffentlichung: 7 Inch 1983 / Wea

Was gibt es zu G´RACE zu sagen? Ich muss gestehen, viel konnte ich zu dieser Band wirklich nicht finden. Eine der fundiertesten Infos, die es gibt, ist, dass sie am 10. Januar 1984 in der Musiksendung „FORMEL EINS“ auftraten und da „FORMEL EINS“ ja immer eine chartbildenede Institution war, ist der Song am 19.01.1984 auch direkt auf Platz 18 eingestiegen und in den Januar-Monatsscharts auf Platz 20 gewesen. Höchste Platzierung war Platz 14 und „Manhattan“ blieb insgesamt 4 Wochen in den Top 20. Tja, das sind die Daten und das ist alles, was mir zu dieser Formation bekannt ist. Offenbar hatten die tatsächlich nur diese eine Single gemacht und dann nie wieder in irgendeiner Weise Erfolg gehabt. Die Band, vier Herren, eine Gesangsdame, sehen auf dem Cover sehr Eighties-artig aus, mit Duran Duran-Frisuren, Nena-Frisuren, kleingelockte Zuhälterfrisuren und grauenvollen Klamotten. „Manhattan“ selbst ist ein echtes Partylied und könnte perfekt im Zoo bei der Delphinshow gespielt werden. Die B-Seite der Single präsentiert dann „Manhattan Part II“, was aber nur eine sehr kurze und schlagzeugbetone Instrumentalfassung ist. Auch wenn G´RACE ein One-Hit-Wonder ist und die Plattenfirma Wea sie noch nicht einmal mehr im Archiv hat, ist „Manhattan“ ein kleiner Hit der 80´s und es verwundert, dass man ihn noch nirgendwo auf einer Compilation finden konnte. Und ich wette, wenn Ihr das Lied hört, werdet Ihr auch sagen, dass Ihr das schon mal gehört habt. (H.H.)

CHRISTIAN GRAF - Das NDW-Lexikon


Erstveröffentlichung: Buch 2003 / Schwarzkopf & Schwarzkopf / ISBN 3-89602-529-5

In Zeiten wie diesen, wo die Neue Deutsche Welle mal wieder so richtig angesagt ist, sei es im kommerziellen Bereich, in dem Nena ihre alten Hits verwurstet, weil niemand ihre neuen Lieder hören will, oder im Underground, wo kleine Labels wie Kernkrach oder Was Soll Das? uralte Cassettenaufnahmen ausgraben und in Kleinstauflagen für Liebhaber in Vinyl pressen, wollen viele Leute mehr Infos über ihre alten Helden haben. Nicht nur deshalb wurde es Zeit für ein grundlegendes NDW-Lexikon, das nun der durch andere Buchveröffentlichungen bekannte Christian Graf verfasst hat. Im handlichen Taschenbuchformat werden auf fast 300 Seiten alle bekannten und sehr viele unbekannte Bands und Musiker der damaligen Zeit mehr oder weniger ausführlich vorgestellt. Dabei ist es lobenswert, dass auch kleinste und wirklich obskure Bands zumindest genannt werden, häufig aber auch länger vorgestellt werden. Ich denke, bei manchem Musiker dürfte es schwer gewesen sein, solide Infos zu finden und natürlich hat sich auch der eine oder andere Fehler eingeschlichen, was sich aber im vertretbaren Rahmen hält. Jeder, der sich über die ganz großen Namen hinaus für die Neue Deutsche Welle interessiert, wird einige Bandnamen vermissen, so haben zum Beispiel die nicht ganz unwichtigen Geisterfahrer für den Autoren offenbar nicht existiert und auch Andy Giorbino taucht nicht auf, aber ein wirklich vollständiges Lexikon ist wohl auch kaum möglich. Die Discographien enthalten fast ausschließlich die LPs der Gruppen, was Sinn macht, denn sonst wäre alles wohl ziemlich ausgeufert. Wichtige Singles werden allerdings auch erwähnt. Fraglich ist, ob Nebenerscheinungen wie Udo Lindenberg, Nina Hagen oder Drahdiwaberl derart ausführliche Artikel erhalten mussten. Keine Frage, sie waren Wegbereiter für deutschsprachige Musik, hatten aber alle mit NDW musikalisch wenig zu tun. Aber das kann man von Gruppen wie Spider Murphy Gang, BAP oder Relax letztlich auch nicht wirklich sagen. Nett ist, dass einige interessante Internetseiten erwähnt werden (unsere dankenswerterweise übrigens auch), noch netter wäre es jedoch gewesen, wenn es einige Labelportraits geben würde. Atatak ist da leider die Ausnahme, zumindest Zick Zack, Schallmauer und No Fun hätte ich schon noch erwartet.

Übrigens sollte man sich nicht vom Cover abschrecken lassen, das Bilder von Frl. Menke, Trio und Falco zeigt, was mich zunächst befürchten ließ, dass hier nur der Schlager-NDW-Teil abgehandelt wird. Wie gesagt, Christian Graf hat bis in den tiefsten Underground gegraben und auch Bands wie Die Gesunden, Die Heteros und Egal 88 gewürdigt (deren heute berüchtigte Zahlenkombination im Namen sicher nichts mit der heutigen Bedeutung zu tun hatte...hoffe ich wenigstens, denn ich kenne die Gruppe nicht).

Insgesamt ist „Das NDW-Lexikon“ ein solides Nachschlagewerk, das als Grundlage für weitere Recherchen und die eine oder andere Entdeckung absolut geeignet ist. Prädikat: empfehlenswert. (A.P.)



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