DAS ICH - Relikt


Erstveröffentlichung: CD 2003 / Danse Macabre / Efa

Wohl kaum einer ist auf den diesjährigen Herbstnächten auf Burg Rabenstein mehr aufgefallen als die bunten Paradiesvögel Bruno Kramm und Stefan Ackermann, die bei unser einem gemeinhin als „Das Ich“ bekannt sind.

Er – Bruno Kramm– der Pierrot, da gestylt wie ein tragischer Clown, der jedoch ein wenig mehr noch an Stephen Kings Fantasiegestalt „Es“ erinnernd. Rote Bockhörnchen und ein auf androgyn geschminktes Gesicht verleihen den sonst weichen Gesichtszügen etwas geisterhaftes fast schon groteskes.

Und daneben Stefan Ackermann, der dürre Dämon aus der Unterwelt, der düstere Prophezeiungen aus dem innersten seiner Seele hervorzuzaubern vermag und all die Botschaften mit verschmitzten und überzogenen Mimiken und Gestiken kommentiert. Mit dreigeteiltem Irokesenhaarschnitt, einer spärlichen Fellweste, seinem Körper – der mit 666 bemalt ist - und seinem charismatischen Gesang geben „Das Ich“ alles, und beweisen, dass sie wahre „Antichrist“-en und ihre Musik „Relikt“e aus den Glanztagen der Gothicszene sind.

Locker und lässig treffe ich Stefan und Bruno nach ihrem Konzert um mit ihnen über ihr aktuelles Album „Relikt“ zu sprechen:

Der Albumtitel „Relikt“ ist mit einem Augenzwinkern zu betrachten klärt mich Bruno auf, und meint weiter „Es ist einfach so, dass wir nach unserer 14 jährigen Laufbahn in dieser inzwischen durch modernen Pop verwöhnte schwarze Szene manchmal auch wie ein Relikt aus alten, besseren Zeiten wirken. Das ist so ein bisschen der augenzwinkernde Anteil an diesem Album.“

Der Bandname „Das Ich“, entstand wiederum vor vielen Jahren, als man einen deutschen Namen für eine deutsche Band mit deutschen Texten brauchte, und der die psychoanalytische Seite, die den Texten von Das Ich anlastet beinhaltet gerecht wird.

„Bei Das Ich ist es ja so, das sowohl inhaltlich, textlich und musikalisch eine einzige Person dargestellt wird, ein Ich bzw. ein Individuum in seinem Kampf um einen Platz in der Gesellschaft in unterschiedlichsten Facetten. Wir beschäftigen uns viel mit der Existenz, insofern ist unsere Musik inhaltlich existenzialistisch. Sieht man es musikalisch von der Form her, dann verbinden wir glaube ich elektronische und klassische Elemente in sehr experimenteller Weise und bekommen somit eine Umschreibung die uns nicht ganz ungerecht wird,“ meint Bruno.

So finden wir auf „Relikt“ die Klassiker aus über 10 Jahren Bandgeschichte, die

1989 in der Wagnerstadt Bayreuth beginnt. In der Anfangszeit arbeiteten Bruno Kramm und Stefan Ackermann noch viel mit Oswald Henke – heutiger Kopf von „Goethes Erben“ - zusammen, und gründeten gemeinsam mit ihm das Label „danse macabre“. Schon Ende 1990 trennen sich jedoch Oswald Henkes und ihre musikalischen Wege und bereits das erste Album „Die Propheten“, veröffentlicht 1990, wurde in der Szene ein wahrer Überraschungshit. Besonders erfolgreich waren dabei die Titel „Gottes Tod“ und „Kain und Abel“, die auch beide auf „Relikt“ zu finden sind. Es fällt unschwer auf, daß die Musik vom Arrangment fast klassisch ist. „Ich gebe gerne zu, dass mich Igor Strawinskys Kompositionen durchaus zu einigen klassischen Passagen in unserer Musik angeregt haben, „ meint Bruno. Dazu kommen dann noch die durchaus krassen Songtexte Stefan Ackermanns mit ihren oftmals recht brachialen Metaphern. „Was Religion angeht, die wir ja doch hin und wieder ansprechen, etwa in ‚Kain und Abel’ oder ‚Gott ist tot’, Religion ist ne wunderbare Sache für Menschen, die daran glauben können. Ich persönlich hab jedoch früh gemerkt, dass ich nicht dran glauben kann und hab auch gerade in Bayern schon sehr früh drunter gelitten, wie extrem dort Religion ausgelebt wird. Aber letztlich ist Religion nicht unser Hauptthema. Es hat uns zugegeben mal eine Weile beschäftigt,“ meint Bruno erklärend und wird von Stefan nur bekräftigt, der ergänzt: „Das ist wirklich nicht unser Hauptthema, denn wie ich das immer so höre und mitmache, sind große Metapher in unseren Texten drin. Aber sie haben nie wirklich was mit Kirche oder Religion im klassischen Sinn zu tun, sondern sind eher Metapher für das Selbst. Sie dienen um sich selbst zu beschreiben und das tun die Leute mit diesen ganzen Metaphern, die auch kirchlicher Art sind. Das ist der Grund, weshalb wir sie auch benutzen!“

Auf dem zweiten Album „Staub“, erschienen 1994, gestaltete das Duo seine Musik und seine Texte komplexer und abwechslungsreicher. Die herausragenden Titel waren „Von der Armut“ und „Unschuld Erde“, die auch beide auf „Relikt“ zu finden sind. 1998 folgte ein wiederum sehr komplexes Werk „egodram“ mit den Titeln „Kindgott“, „Schwanenschrei“ und dem Das Ich Klassiker: „Destillat“ – auch alle drei auf „Relikt“. „Ich denke über den Tod und damit über den Song Destillat folgendes: Was uns als Option dannach erwartet, weiß keiner wirklich genau. Ich sehe das einfach so, dass es noch eine ganz spannende Reise werden kann. Entweder ins Nichts, oder ins Nirwana aber darüber sollten wir uns jetzt keine Gedanken machen, denn es gilt hier und jetzt dieses Leben zu einem Fest zu machen, zu dem was es für dich persönlich am Größten sein könnte und deswegen spielt das was dannach kommt jetzt keine Rolle. Es wird kommen und du wirst dich auf die ein oder andere Weise damit beschäftigen in dem Moment wo du stirbst, aber ich glaube das ist wirklich kein zentrales Thema für uns, denn dazu ist das Leben viel zu interessant und viel zu wertvoll,“ meint Stefan.

Das Best – of Album „Relikt“ hat zweifelsfrei Suchtfaktor und wahre „Das Ich“ Fans müssen diese CD geradezu im Schrank haben, für die aber, die die Musik von „Das Ich“ jetzt endlich einmal näher kennenlernen wollen, sich nur noch nicht zum Albumkauf entschlossen haben, ist „Relikt“ das ideale Einsteigeralbum! (Maximilian Nitschke)

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