KRAFTWERK - Tour De France Soundtracks


Erstveröffentlichung: CD 2003 / Emi

Nach 20 Jahren endlich ein neues Album von KRAFTWERK? Mit richtig neuen Stücken? Das Unglaubliche ist wahr geworden, mit „Tour De France Soundtracks“ erscheint das erste Album seit „Electric Cafe“ (mal abgesehen vom Remix Album „The Mix“ Anfang der 90er). Millionen von Fans haben mit feuchten Fingern (resp. Ohren) darauf gewartet. Würden KRAFTWERK im alten Stil weiter machen? Würden sie die modernen Einflüsse verarbeiten? Würden sie gar wie früher etwas Zukunftsweisendes präsentieren?

Im Prinzip will man als Fan aber natürlich das bekommen, was man an der Band immer liebte und da werden die Massen mehr als gut bedient. Natürlich klingt KRAFTWERK 2003 nicht mehr wie zu Zeiten der großen Klassiker „Radioaktivität“, „Trans Europa Express“, „Die Mensch-Maschine“ oder „Electric Cafe“, aber Elemente all dieser Meisterwerken sind immer noch vorhanden und werden ausgebaut. Trance und Techno haben ihre Spuren im Sound hinterlassen, ohne aber zu sehr in den Vordergrund zu kommen. Geblieben ist die elektronisch verfremdete Stimme und die perfekte Produktion, ein Singlehit im Stile von „Das Model“, „Die Roboter“ oder „Musique Non Stop“ ist nicht dabei, wenn man mal von der Neuaufnahme des alten Hits „Tour De France“ absieht, aber das ist auch gar nicht nötig. Stattdessen werden die Hörer mit verspielten und ausgeklügelten elektronischen Kompositionen verwöhnt, bei denen manche, wie zum Beispiel “Vitamin“ durchaus auch Ohrwurm-Qualitäten haben.

Der Anfang der CD mit den Stücken „Tour De France Etape 1-3“ ist noch sehr komplex und experimentell. Danach folgen jedoch einzelne Stücke, die mehr Songcharakter haben, was mir persönlich bei KRAFTWERK immer besser gefallen hat. Insofern birgt die CD kaum Überraschungen, die ich mir aber auch gar nicht wirklich gewünscht habe. Die Frage ist doch eigentlich, ob KRAFTWERK heute altmodisch und „retro“ klingen, oder ob sie Ende der 70er/Anfang der 80er musikalisch schon so weit voraus waren, dass sie heute immer noch innovativ und modern klingen. Ihr Einfluss auf die Musikwelt bleibt jedenfalls unbestritten. Wer jahrelang gierig auf neues Material gewartet hat und jetzt rum meckert, dass das Album enttäuschend sein soll, der sollte sich mal überlegen, wofür er KRAFTWERK früher geliebt hat, denn genau das wird hier geboten. Wenn die Düsseldorfer etwas völlig anderes gemacht hätten, wäre das Geschrei auch groß gewesen.

Für mich reiht sich „Tour De France Soundtracks“ problemlos in die Reihe der Vorgängeralben ein, allerdings eher im Mittelfeld und nicht an der Spitze. Ich jedenfalls bleibe KRAFTWERK-Fan. Wahrscheinlich wird wieder einmal zuerst im Ausland erkannt, dass KRAFTWERK auch heute noch wichtig sind. Die Deutschen meckern erstmal rum und erkennen das dann Jahre später. Selbst schuld. (A.P.)



[ ZURUECK ]