KOLOSSALE JUGEND - Heile Heile Boches

Wiederveröffentlichung: CD 2004 / L´Age D´Or / Rough Trade / Lado 17147-2
Erstveröffentlichung: LP 1989 / L´Age D´Or

Es wurde wirklich Zeit, dass das L´age D´or Label endlich der KOLOSSALEn JUGEND aus Hamburg Tribut zollt und ihre beiden LPs auf CD wieder veröffentlicht, und zwar im remasterten Sound und mit Bonustracks. KOLOSSALE JUGEND war zusammen mit Cpt. Kirk & und Die Erde wohl die Band, die die spätere „Hamburger Schule“ überhaupt in Schwung gebracht und Bands wie Blumfeld, Die Sterne oder Tocotronic den Weg zum Erfolg geebnet hat. Nachdem Deutschland seit dem Kollaps der Neuen Deutschen Welle im eigensprachlichen bereich außer banalem Schlager-Pop und dauerbetroffenden Deutschrock-Poeten nichts mehr hervor gebracht hat, was irgendwie von Belang war, haben unter anderem diese Bands die deutsche Sprache wieder gesellschaftsfähig gemacht. KOLOSSALE JUGEND war dabei wohl eine der ganz wenigen Bands, die überzeugend das fortgeführt haben, was die Fehlfarben 1980 mit ihrem ersten Album „Monarchie Und Alltag“ vorgeführt haben. Eigenständige deutschsprachige Rockmusik mit Texten, die man zwar nicht immer sofort begreift, die aber doch immer einen Sinn zu haben scheinen und sich vom Schlagereinerlei wohltuend abheben. Eingängig war die KOLOSSALE JUGEND, dabei aber immer auch kantig und unangepasst. Die schneidenden Gitarren, das trockene Schlagzeug, der wummernde Bass und der eigenwillige Sprechgesang haben sich zu etwas ganz eigenem zusammen gefügt, was man aber gerne als Indie-Rock bezeichnen kann. Das erste Album „Heile Heile Boches“ beginnt mit „Gehe, Zähle“ gleich mit einem enrgiereichen Schlag in die Magengrube, aber eigentlich darf man keinen Song besonders hervorheben, denn das Album ist durchgehend ein Genuss und dürfte in der deutschen Rockmusik der 80er recht konkurrenzlos dastehen, abgesehen eben von „Monarchie Und Alltag“, Cpt. Kirk &.´s „Stand Rotes Madrid“ und „Kch Kch Kch“ von Die Erde und einigen wenigen anderen Scheiben. „Party“, „Wohnung“, „Dünne Finger“ und „Jahahihi“ sind echte Hits und „Louie Louie“ ist eine gelungene eingedeutschte Version des Rockklassikers, den schon so viele Bands viel schlechter nachgespielt haben. Die Textzeile „Bessere Zeiten Klingt Gut“ aus „Bessere Zeiten“ wurde dann sogar eine Art geflügeltes Wort und Titel einer L´age D´or Compilation, sowie (in eingeenglischter Form) Titel eines Albums der Band Stella. Kann man als Band mehr Einfluss erreichen, als das Songtitel in den Sprachgebrauch übergehen? Vielleicht nur, wenn sich Bands nach Songtiteln benennen. „Heile Heile Boches“ bietet als CD-Wiederveröffentlichung natürlich das komplette Album in remasterter Form, wobei den Songs aber der raue Sound gelassen wurde. Dazu gibt es als Bonus die Stücke „Kein Schulterklopfen“ und „Zurück In Den USA“ der ersten Single (der dritte Track hat es leider nicht auf die CD geschafft). Außerdem den Titel „Klump“, der damals auf einer 7“-Beilage zum Pop Noise-Fanzine erschien und einer der besten Songs der KOLOSSALEn JUGEND ist und die Tracks „Bang Bang“ und „Grüsse Und Lügen“. Abgerundet wird das Ganze durch das Booklet mit allen Songtexten und Anmerkungen zur Bandgeschichte von allen vier Bandmitgliedern, was sich sehr interessant und unterhaltsam liest. Damit wird „Heile Heile Boches“ zusammen mit der gleichzeitig erschienenen Wiederveröffentlichung des zweiten Albums „Leopard II“ zu einer WICHTIGEN Veröffentlichung und über wie viele CDs kann man das heutzutage schon sagen??? Unvergesslich bleibt wohl auch das beste Band-T-Shirt aller Zeiten mit dem großartigen Kommentar zur damals bevorstehenden Annexion der DDR durch Westdeutschland: „Halt´s Maul, Deutschland!“ Ich werde dieses T-Shirt, obwohl es nicht mehr schön aussieht und mir schon lange nicht mehr passt, niemals weggeben! (A.P.)

Webadresse der Band: www.kolossalejugend.com

MALCOLM LOWRY - Same


Erstveröffentlichung: CD 1999 / Eigenproduktion

Eine ganz phantastische Scheibe ist die CD von MALCOLM LOWRY! Einem Bekannten von mir wurde einst zu früher Morgenstunde in einer zwielichtigen Kneipe auf der Reeperbahn von einem mysteriösen Fremden ein Demo-Tape von MALCOLM LOWRY zugesteckt. So, oder so ähnlich muss es sich zugetragen haben. Sonst wäre ich nicht auf diese Band gestoßen. Bleiben wir in einer nächtlichen Großstadtbar. Vielleicht nicht gerade auf der Reeperbahn. Auf jeden Fall scheint mir die Musik von MALCOLM LOWRY für solch ein Etablissement geschaffen zu sein. Dezentes Schlagzeug, ebenso Gitarre und Baß. Zudem ertönt noch gelegentlich ein Vibraphon und wenn ich das Booklet richtig entziffert habe, ein Cembalo (oder was ist „cimbalom“ auf deutsch?). Der Gesang ist schließlich wirklich genial. Eine tiefe, äußerst angenehme Stimme hat der Herr Fülster. Titel wie „After wild Nights“, „When the Night begins“ oder „Eleven p.m.“ sprechen für sich... Beschreiben kann ich das ganze nur schwer. Das erste Konzert hat die Band im Vorprogramm von AND ALSO THE TREES (für die ich mich allerdings nicht so richtig begeistern kann) bestritten und Trip-Hop ist für die vier Herren sicher auch kein Fremdwort. So viel zur groben Einordnung. Diese Scheibe ist absolut genial und einzigartig!!!

Hört Euch die mp3´s an und bestellt Euch die CD. Das Album ist den relativ hohen Preis (15,50 EUR + Porto) für eine Eigenproduktion wert! (Franz Vojtech)

E-Mail-Adresse der Band: malcolmlowry@gmx.de
Webadresse der Band: www.malcolmlowry.de

MANDYLION - Interview 2002




JEDER HAT DAS RECHT AUCH EINMAL UNPARTEIISCH ZU SEIN

Interview mit MANDYLION 24.02.2002

Vor einigen Wochen bekam ich ein Promoexemplar der ersten CD der Band MANDYLION in die Finger. Ich muß zugeben, dass sie nicht wirklich mein Fall war, was aus meiner Kritik auch hervorgegangen ist. Ich hätte aber nicht gedacht, dass meine Kritik in irgendeiner Form Wirbel verursachen würde. Die Band fühlte sich durch einen, aus meiner Sicht nur beiläufigen, textlichen vergleich zu den Böhsen Onkelz angegriffen und bat darum, diese Passage doch aus der Besprechung zu entfernen. Da ich aber nicht bereit war, meine CD-Besprechung „zensieren“ zu lassen, einigten wir uns schnell darauf, dass ich ein Interview mit MANDYLION machen könnte, in dem die Musiker zu den kritisierten Punkten Stellung nehmen können. Dieses folgt nun ... (BA=Back Again, ML=Mandylion)

BA: Ihr habt ja gewisse Probleme mit meiner Plattenkritik zu Eurem Album „Die erste Zeit“, erzählt doch mal, was Euch daran stört...

ML: Du bringst uns mit den Onkelz in Verbindung obwohl wir mit denen überhaupt nichts gemeinsam haben. Du hast ja selbst erkannt wovon unsere Texte handeln. Mittelalter, Ägypten und Esoterik sind soweit wir wissen keine Markenzeichen der Onkelz. Der Song Windhauch den du herangezogen hast, um diesen Vergleich aufzustellen, ist ein Protestsong zu der Berichterstattung der Medien über den Ritualmord in Witten. Unter www.wavedancers.de kannst du dich informieren. Die schwarze Szene wurde speziell in einem Bericht von Spiegel-TV als potentiell satanistisch dargestellt. Der Song hat einen protesthaften Charakter, das haben einige Onkelz Songs auch, aber das rechtfertigt noch lange keinen Vergleich. Wenn wir ein Liebeslied mit passendem Text hätten würdest du uns doch auch nicht gleich mit Roy Black vergleichen, oder? Die politische Assoziation in Verbindung mit den Onkelz ist aber nicht der eigentliche Kritikpunkt. Wichtig ist die Verbindung mit deiner Aussage über Peter Steele (Altrassist). Das rückt die ganze Sache für den Leser in eine Richtung mit der wir überhaupt nichts zu tun haben. Musikalisch wie auch Ideologisch!

BA: Nun, ich habe die Band definitiv nicht mit den Böhsen Onkelz verglichen, sondern lediglich geschrieben, dass der Text von „Windhauch“ auch von den Onkelz sein könnte und dazu stehe ich. Natürlich glaube ich nicht, dass MANDYLION den Text geschrieben haben, um nach den Onkelz zu klingen. Und sicher, wenn ich bei einem Liebeslied das Gefühl hätte, dass das auch von Roy Black stammen könnte, würde ich das genauso schreiben. Ich wollte die Band keinesfalls als Onkelz-Klon oder was ähnliches darstellen, wenn das so rübergekommen ist, tut mir das leid. Zu Peter Steele bleibt nur zu sagen, dass er sich auf mehrfache Nachfrage immer wieder geweigert hat, Fragen zu diesem Thema zu beantworten. Unbestreitbar ist, dass er in früheren Zeiten rassistische und antisemitische Äusserungen auf der Bühne gemacht hat. Wenn er heute anders denkt, warum nutzt er dann nicht die Chance, dazu Stellung zu nehmen? Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen, aber nicht überreden. Die Tatsache, dass er mit jüdischen Musikern zusammen arbeitet reicht meiner Meinung nach nicht als Distanzierung aus, denn auch der kleine Naziskin von nebenan isst gerne mal einen Döner beim Türken, wie ich selber erleben durfte (siehe dazu auch weiter unten).

Seht Ihr Euch selber als „unpolitische“ Band und was macht eine „unpolitische“ Band überhaupt aus?

ML: Primär sehen wir uns nicht als Band die politische Themen behandelt. Wir plädieren aber durch unsere Musik für einen toleranten Umgang mit den Kulturen dieser Erde und ihrem geistigen Erbe. Das lässt sich natürlich auch auf politischer Ebene einsortieren. Hier verhält es sich wie mit den Leuten die sagen, dass sie keinen Glauben haben bzw. an keinen Gott glauben. Sie sind sich nicht bewusst das sie damit auch schon einen Glauben und eine Orientierung haben. Wer sich also als unpolitischer Mensch bezeichnet, hat damit eigentlich eine politische Aussage gemacht. Er hat sich einem Block angeschlossen, der sich dem direkten politischen Einfluss entziehen möchte. Jeder hat das Recht auch einmal unparteiisch zu sein!

BA: Ist es nicht schon eine „politische“ Äußerung, wenn man sagt, man will mit den Böhsen Onkelz nicht in einen Topf geworfen werden?

ML: Wichtig ist der Zusammenhang mit Deinen anderen Aussagen und den Vergleichen die du anstellst. Du scheinst sehr großen Wert darauf zu legen, dass sich jeder politisch äußert. Deshalb hast du aber noch lange nicht das Recht, Bands abzustempeln die dies nicht tun! Doch wir sehen noch ein ganz anderes Problem bei eurem Magazin. Ihr greift den gesamten Independentbereich mit zwei Personen ab. Du selbst kommst aus dem Punkbereich. Wieso schreibst du dann Kritiken zu Themen aus dem Metal–Gothic–Bereich? Wir haben uns diese Kritiken genauer angeschaut und sie als ziemlich inhaltslos empfunden. Da sieht es im Bereich „Punk“ schon anders aus, dort kannst du mit deinem Wissen auftrumpfen und die Kritiken haben dadurch einen sehr hohen Standard. Wir maßen es uns auch nicht an ein Techno Album zu bewerten, weil wir uns in dieser Musikrichtung kaum auskennen. Gefragt ist doch nicht ausschließlich der persönliche Geschmack des Kritikers, sondern der Stellenwert des Albums in einem Szenebedingten Zusammenhang. Diesen Anforderungen wirst du, wenn du ehrlich bist halt eben im Metal-Gothic-Bereich nicht gerecht.

BA: Stimmt, ich mag Gothic-Metal nicht, aber warum soll ich mir deswegen keine Meinung darüber erlauben dürfen und diese auch veröffentlichen? Dieses Online-Zine hat definitiv nicht den Anspruch, nur objektive Plattenkritiken zu veröffentlichen, sondern spiegelt ausschließlich die völlig subjektive Meinung der Schreiberlinge wieder. Wenn ich eine Gothic-Metal CD bekomme, schreibe ich auch was darüber. In den allseits bekannten Musikmagazinen gibt es fast nur positive Kritiken, weil Platten nur von Leuten besprochen werden, die sich mit dem jeweiligen Stil anfreunden können, ich finde das langweilig. Zudem stammen im BACK AGAIN kaum irgendwelche Metal-Kritiken von mir und nur wenige Punk-Kritiken, dafür aber ein Großteil der Gothic/DarkWave Kritiken, denn das ist die Musik, die ich mag. Wenn ich gesagt habe, dass ich aus dem Punkbereich komme, war das weniger vom musikalischen Standpunkt her gemeint, als vom idealistischen. Da wir völlig unabhängig und unkommerziell arbeiten, haben wir es auch nicht nötig, den Plattenfirmen zuliebe was Gutes zu schreiben.

Ich bin zudem natürlich nicht der Meinung, dass sich jede Band politisch äußern muss. Ich habe selber kein Problem damit, gelegentlich völlig „dünnsinnige“ Musik wie Knorkator o.ä. zu hören und liebe auch viele andere Bands, die in ihren Texten Politik nicht thematisieren, ich mag nur keine Musiker, die von sich behaupten, „unpolitisch“ zu sein, denn das geht meiner Meinung nach gar nicht und bedeutet nur, „wir wollen uns alle Optionen offen halten und es uns mit niemandem verscherzen, uns ist es egal, wer unsere Fans sind“.

Wie würdet Ihr reagieren, wenn Ihr zu einem großen Sommerfestival eingeladen werdet, bei dem auch die Onkelz spielen? Würdet Ihr so einen Auftritt ablehnen oder würdet Ihr aus „kommerziellen“ Gründen auftreten?

ML: Mit den Onkelz hätten wir überhaupt kein Problem aufzutreten. Und das bestimmt nicht aus „kommerziellen“ Gründen. Es würde uns einfach nicht stören mit dieser Band live zu spielen. Sollten wir mit Kahlkopf oder irgend einer anderen „Extrem-Fascho-Band“ auf einer Bühne stehen, würden wir nein sagen. Das Thema mit den Onkelz ist für uns völlig überbewertet. Die haben Jugendsünden begangen und über die Jahre viel dazu gelernt. Du hast uns geschrieben das Peter Steele durch antisemitische Parolen live aufgefallen ist. Josh Silver der Keyboarder ist aber Jude und die Type O Negative Alben werden in einem Studio aufgenommen, das hauptsächlich von jüdischen Musikern aufgesucht wird. Es liegt auch in einem jüdischen Stadtteil von New York. Das spricht doch eher dafür, dass Peter Steele keine Probleme mit jüdischen Menschen hat, oder? Aber eigentlich sollte man sich doch fragen, wann hat Peter denn so gesprochen? Wo ist er aufgewachsen? Was ist in der Zwischenzeit passiert? Peter hat in seinen ersten Interviews zu „Carnivore“ Zeiten, noch so gesprochen wie ihm die Schnauze gewachsen war. Er hat es halt nicht anders gelernt. Dieser Sprachstil war deftig und für einen Europäer ziemlich dumm, weil man sich der sozialen Hintergründe nicht bewusst war und viele Bergriffe bei uns einen anderen Stellenwert haben. Ehrlich gesagt hat er auch viel Scheiße erzählt! Peter hat eine Menge Lehrgeld bezahlt und über die Jahre verstanden, wieso er oft angeeckt ist. Wenn du jemanden so verurteilst, wie du es getan hast, solltest du dir im Klaren sein was du da erzählst und was du damit anrichten kannst. Du solltest Fakten sprechen lassen und keine Vorurteile! Diese „Extem-Fascho-Bands“ müssten natürlich eine Menge mehr tun, um uns davon zu überzeugen, dass sie aus den Fehlern ihrer Vergangenheit gelernt haben! Wir geben jedem die Chance dazu zu lernen.

BA: Naja, ich soll nicht schreiben, dass ein Text von MANDYLION auch von den Onkelz stammen könnte, aber ein Auftritt mit ihnen gemeinsam wäre kein Problem...ja was denn nun? Entweder man will mit der Band nicht in einem Atemzug genannt werden, oder aber man akzeptiert es (wenn man z.B. mit ihnen auf einen Plakat gemeinsam auftaucht). Es stört MANDYLION, wenn in einem kleinen Online-Magazin der Name der Onkelz in ihrer Kritik auftaucht, aber vor Tausenden Zuschauern auf der gleichen Bühne zu stehen ist kein Problem? „Jugendsünden“, tolle Ausrede, die Band versucht immer noch, ihr Debutalbum „Der Nette Mann“ vom Index zu bekommen und wieder zu veröffentlichen. Ein Großteil der heutigen Fans ist mehr als interessiert an den frühen Demos und das ist „überbewertet“? Sorry MANDYLION, aber entweder man distanziert sich komplett von irgendwas oder gar nicht, aber halb/halb finde ich nicht so doll.

Zu Peter Steele: ich spreche auch, wie mir „die Schnauze gewachsen“ ist, aber das rechtfertigt niemals, NIEMALS!, irgendwelche rassistischen, antisemitischen oder sonstige menschenverachtende Äusserungen! Wenn eine schlimme Jugend dazu berechtigen würde, warum habe ich dann nie so einen Scheiß erzählt? Nein, mit einer „schlimmen Jugend“ und „sozialem Umfeld“ lassen sich solche Schwachsinnigkeiten nicht erklären!

Gabriel, Du hattest mir geschrieben, dass sowohl Type O´Negative, als auch die Onkelz „Kinder ihrer primären Sozialisation“ sind, beide Bands sind sehr umstritten...warum habt Ihr kein Problem damit, mit Type´O Negative verglichen zu werden, mit den Onkelz aber schon?

ML: Wie gesagt, wichtig ist der Zusammenhang in deiner Review und was davon hängen bleibt. Du bringst uns mit „Rassismus“ und einer Band mit „rechter Vergangenheit“ in Verbindung mit der wir musikalisch nichts am Hut haben. Das lenkt den Leser in die völlig falsche Richtung und das hat uns gestört.

BA: Wie bereits gesagt, ich wollte auf keinen Fall sagen, dass MANDYLION eine rassistische Band sind! In Verbindung mit einem ehemals rassistischen, antisemitischen Musiker (Peter Steele) bringt Euch das Infos zur CD. Ich trenne Böhse Onkelz und Peter Steele nicht, beide haben „eine Vergangenheit“ und beide stellen sich heute als geläutert dar. Hmmmm, leider habt Ihr meine Frage nicht beantwortet.

Kommen wir mal zum wichtigsten Thema, Eurer Musik...Ihr kommt ursprünglich aus der Metal-Szene und wart dort auch schon musikalisch aktiv...wie kam die Hinwendung zur Gothic-Szene zustande?

ML: Unsere musikalische Entwicklung hat uns einfach dorthin geführt. Wenn du willst kann ich dir ja unsere alten Sachen mal zukommen lassen. Du wirst Keyboards quer durch die Bank entdecken. Mystik und Mysterium haben schon immer eine Rolle gespielt. Du siehst, dass wir nie in reinen Metal-Bands aktiv waren. Wir hatten schon immer eine Mischung aus vielen musikalischen Welten. Sehr gerne würde ich mal frühere musikalische Ergüsse von den MANDYLION Musikern hören, also immer her damit. Allerdings suggerierte das Infos zur CD schon, dass die Musiker vorher in „reinen“ Metal Bands gespielt haben. Der Unterschied zwischen Metal und Gothic-Rock liegt sicherlich nicht nur in der Verwendung von Keyboards.

BA: Wie kann man den Unterschied zwischen diesen Szenen beschreiben (abgesehen von musikalischen Aspekten) ?

ML: Die Unterschiede gestalten sich recht fliessend. Wichtigster Unterschied sind die Werte und Normen in den Szenen. Man kann aber sagen, dass die Gothic-Leute toleranter mit der Metal-Szene umgehen als die Metaller mit der Gothic-Szene. Der Metaller legt Wert auf die Gitarren und eine analoge Umsetzung der Musik. Die Gitarren sollten im Vordergrund sein. Der Gothic ist da flexibler. Er toleriert auch synthetische Elemente und maßt diesen einen hohen Wert zu.

BA: Es wird immer wieder berichtet, dass es vor allem in der Death- und Black-Metal Szene durchaus rechte Tendenzen bei Musikern und Fans gibt...wie habt Ihr selber das erlebt?

ML: Direkt ist noch keiner von uns mit solchen Idioten szenebedingt in direkten Kontakt gekommen. Klar bekommt man schon mit, das ein „extremer“ Black-Metaller ziemlich intolerant mit anderen Musikstilen umgeht, oder über eine Band herzieht die den „wahren Blackmetal“ angeblich verraten hat. Mag sein, dass diese Intoleranz ein Indiz für eine rechte Tendenz ist. Aber diese Tendenzen ziehen sich durch alle Schichten und Gruppierungen. Auch linksextreme Tendenzen findet man überall, wenn man genau hinschaut. Es gibt halt eben nicht DEN RECHTSEXTREMEN oder DEN LINKSEXTREMEN den man sofort erkennt und einordnen kann. Berichtet wird sowieso viel zu viel. Du kennst ja diese Tageszeitung die gleich alles übertreibt. Deshalb ist es für uns müßig, der Frage nachzugehen, wo man Rechte am häufigsten trifft bzw. wo sie am meisten auftreten. Für uns zählt nur eins, wenn jemals jemand auftauchen sollte, der uns seine Meinung mit allen Mitteln aufzwingen will, der dafür Menschenrechte beugt oder bricht, gehen wir mit allen Mitteln dagegen vor! Egal aus welcher Richtung er politisch kommt. Denn Scheiße kommt in allen Farben! Das schwierige an Extremisten ist, das diese Leute nur ganz selten in der Öffentlichkeit ihr wahres Gesicht zeigen. Erst in einer Gruppe von Gleichgesinnten outen sie sich.

BA: Okay, aber rote Scheiße ist mir noch nicht zu Gesicht gekommen. Zugegeben, ich vertrete schon einige ziemlich linksradikale Meinungen, aber ich versuche nicht, andere gewaltsam davon zu überreden, sondern durch Argumente zu überzeugen. Aber es stimmt schon, es gibt auch unter den „Linken“ eine Menge Idioten. Allerdings sind mir in der Metal Szene konkret noch keine „Linksradikalen“ aufgefallen. Das Info zu Eurer CD beschreibt Eure Musik als „Gothic-Rock“...wie sieht Eure persönliche Beziehung zu diesem Stil aus, welche Bands waren früher prägend und welche sind es heute?

ML: Wir mögen diese Musikrichtung sind aber bestimmt nicht die absoluten Kenner. Die Geschmäcker in unserer Band und die Wurzeln der Bandmitglieder sind sehr breit gefächert. Diese lassen wir alle immer wieder mit in unsere Musik einfließen. Der Gothic-Rock ist also nur ein Teil des ganzen aber sehr prägend. Sicherlich sind Bands wie Sisters of Mercy, Fields of the Nephilim oder The Mission zu nennen, wenn man nach prägenden Einflüssen sucht. Bei „neueren Bands“ fallen uns natürlich die Dreadful Shadows (sind leider schon Geschichte) ein. Vieles spielt sich in der Szene im Underground ab. Und das mögen wir auch an ihr. Man kann sich immer wieder überraschen lassen was hier und da aus dem Hut gezaubert wird.

BA: Wie sehen Eure Live-Auftritte aus, bietet Ihr „pure“ Musik oder eine ausgefeilte Show? Wie setzt sich das Publikum zusammen, kommen noch viele „alte“ Fans aus Metal-Zeiten oder hat sich Euer Publikum im Gegensatz zu früher total geändert?

ML: Unsere Musik wird quer durch die Bank konsumiert. Die Hauptausrichtung ist jedoch die „Schwarze Szene“. Live werden wir vorerst mit drei Sängern zwei Gitarristen und einem Keyboard auftreten. Der Rest kommt von DAT bzw. Drumcomputer. Mal sehen wie die Sache beim Publikum ankommt. Der ein oder andere Metaller wird bestimmt erst mal seine Probleme haben, wenn er kein Schlagzeug auf der Bühne sieht. Für uns ist diese Art der Unsetzung legitim, da wir unsere gesamte Musik selbst umsetzen. Das Schlagzeug ist komplett von Hand programmiert, dieses ist eine Kunst für sich und deshalb auch live präsentierbar! Wir präsentieren unsere Musik halt auf die Weise, wie wir sie geschaffen haben.

BA: Ich hoffe sehr für MANDYLION, dass das Publikum die Musik nicht nur „konsumiert“, sondern sich damit wirklich beschäftigt. Textlich geht es auf Eurem Album sehr stark um altägyptische Mythologie, während Cover-Artwork, Eure Künstlernamen und der Bandname starke christliche Symbole vereinen...wie kam es zu solch einer Verbindung völlig unterschiedlicher Kulturkreise, die auch historisch miteinander eigentlich nichts zu tun haben?

ML: Diese Herangehensweise, viele Kulturen in Wort, Bild und Ton zu verarbeiten ist eines unserer Ziele. Denn wenn wir eins begriffen haben, dann ist es die enge Verbindung zwischen Kulturen und Religionen über alle Zeiten und Kontinente hinweg. Wenn die Menschen verstehen und begreifen würden, wie eng verbunden z.B. die Religionen untereinander sind, wären viele Probleme mit einem Schlag gelöst. Die Verbindungen wurden und werden wissentlich außer acht gelassen, um den jeweiligen Glauben als den einzig wahren darzustellen. Aber wie so oft im Leben, gibt es viele Wahrheiten. Das muss jeder begreifen.

BA: Keine Frage, dass sich verschiedene Kulturen mehr oder weniger bedingen, aber zwischen dem altägyptischen und dem christlichen Kulturkreis sehe ich persönlich eher wenige Zusammenhänge. Im Song „Auf großer Fahrt“ verwendet Ihr zu einem anscheinend wiederum ans Altägyptische angelehnten Text das Hauptthema aus dem Soundtrack zum Film „Das Boot“ von Klaus Doldinger. Wie ist dieser Song entstanden und wie soll man die Verbindung aus vorzeitlicher Mythologie und dem zweiten Weltkrieg, den jeder Hörer mit der Melodie verbindet?

ML: Der Text schildert die Situation eines U-Boot Soldaten im zweiten Weltkrieg. Er scheint am Ziel seiner Träume zu sein. Heldenhafte Abenteuer bestehen und glorreich zurückkehren. Er träumt sich „von der Dunkelheit ans Licht“. Doch er muss begreifen, dass es nicht der richtige Weg war. Er „blickt zurück zum Anfang“ seines Lebens. Er will den Weg noch einmal anders gehen. Doch er findet „seinen Frieden auf dem Grund des Ozeans“. Wir wollen mit diesem Lied einfach zeigen wohin falsches Heldentum führt. Aus einer von Machthabern geschürten Euphorie heraus, ist unser Protagonist trunken vor Glück. Er fühlt sich am Ziel seiner Träume. Er kommt „von der Dunkelheit ans Licht“ und erlebt „seinen ERSTEN wahren Tag“. Doch er begreift recht schnell, dass es sein LETZTER sein wird! Sein Weg bringt ihn „in die Dämmerung, ans Ende seines Lebens“. Diese Geschichte lässt sich durch ihre Bildhafte Darstellung auf viele Situationen anwenden.

BA: Hier muß ich zugeben, dass ich den Text wohl nicht verstanden hatte, denn die beschriebenen Bilder habe ich nicht vor mir gesehen beim Hören des Liedes. Wie geht es mit MANDYLION weiter, was darf man in Zukunft von Euch erwarten?

ML: Wir möchten in der Zukunft so oft wie möglich Live in Erscheinung treten und noch eine Menge Songs schreiben.

BA: Habe ich vergessen, etwas wichtiges zu fragen oder wollt Ihr unseren Lesern noch etwas mitteilen?

Der Tod ist das erste Mysterium! „Vielleicht hat die Erfahrung des Todes den Menschen veranlasst, zum ersten mal den Gedanken des Übernatürlichen zu fassen und eine Hoffnung über das Sichtbare hinaus zu heben. Der Tod war das erste Mysterium. Er hat den Menschen auf die Spur weiterer Mysterien gebracht. Er hat sein Denken vom Sichtbaren zum Unsichtbaren erhoben, vom Vergänglichen zum Ewigen, vom Menschlichen zum Göttlichen.“ Fustel de Coulanges : La Cite Antique.

Danke für das Interview!

Info: www.mandylion-produktion.de

Ich danke auch für das Interview und ich denke, die Band konnte ihre Position gut darstellen.

Um es nochmals deutlich zu machen: Ich halte MANDYLION nicht für eine rassistische o.ä. Band und bin nicht mal auf die Idee gekommen, dass man meine CD-Kritik derartig mißdeuten könnte. Wer auf Gothic-Metal und verwandte musikalische Stile steht, sollte MANDYLION sicher mal austesten. Dass ich selber die Musik nicht so besonders mag, ist bei dieser Band eigentlich schon zweitrangig, denn es ist immer gut, wenn die Musik einer Gruppe zu Diskussionen anregt. Zumindest konnte Mandylion Mitglied Gabriel das eine oder andere Vorurteil von mir (denn auch ich bin natürlich nicht perfekt) ausräumen. (A.P.)

MANDYLION - Die Erste Zeit


Erstveröffentlichung: CD 2002 / Himmelpforten / Warner Chappell

Ich muß zugeben, dass ich , nachdem ich das Info gelesen habe, ohne die CD erst zu hören, ziemlich vorurteilsbeladen an dieses Album von MANDYLION herangegangen bin.

Da steht was von Typo-O-Negative , der Metal-Band von Alt-Rassist Peter Steele, dann noch was von Death-Metal, dessen Entwicklung zu seichteren Tönen Mandylion sehr stark beeinflusst. Ausserdem haben ein paar Bandmitglieder vorher schon in so „typischen Gothic-Bands“ wie Dr. Death, Hate Tank und Answered Prayers gespielt. Naja, wenn sich die Musiker dann als Pseudonyme die Namen von diversen Engeln geben und die Musik hier mit deutlichem Bezug zu mittelalterlichen Themen und ägyptischer Mythologie präsentiert wird, dann mag es sein, dass MANDYLION sicher keine schlechte Gothic-Metal Band unter Millionen von anderen sind, aber bestimmt nicht Retter des Gothic-Rock oder so. Ich habe immer das Gefühl, dass zu viele junge Leute heute Gothic-Metal mit Gothic-Rock gleichsetzen, vielleicht, weil sie es einfach nicht anders kennen.

MANDYLION bringen alle Klischees rüber, die so in der Szene angesagt sind, Frakturschrift im Booklet, deutsche Texte, zweimal sogar lateinische Texte, die üblichen Themen, christliche Symbolik und so weiter. Textlich geht es oft haarscharf an der Peinlichkeit vorbei, so könnte „Windhauch“ durchaus auch ein Text von den Böhsen Onkelz sein (womit ich MANDYLION natürlich nicht in irgendeine politische Ecke stellen will, sicher sind sie voll „unpolitisch“). Ansonsten konzentriert man sich eher auf altägyptische Mythologie, was das christliche Ikonenmalerei-Layout des Booklets etwas unpassend erscheinen lässt. Vielleicht hätte man das ganze konzeptionell etwas konsequenter durchziehen sollen. Beim Song „Auf großer Fahrt“ klaut man schamlos bei Klaus Doldinger´s Soundtrack zu „Das Boot“, gibt das aber als eigene Komposition aus.
Rein technisch gesehen finde ich es schade, dass der Sound etwas dünn und ziemlich aalglatt geworden ist, ein bisschen mehr Power und ein paar Ecken und Kanten hätten das ganze schon aufgewertet, aber so sehe ich das Album nur als eines unter vielen, das aber sicher seine Freunde finden wird. Vielleicht können MANDYLION ja auf der Bühne mehr überzeugen, ich fürchte aber, da geht es dann noch viel mehr in die Metal-Richtung, damit die langhaarigen Mosher in den ersten Reihen auch befriedigt werden, denn das die Band ursprünglich aus dem Metal-Lager stammt, kann sie in keinem Moment verhehlen. Im Info fragt der Promoter noch „Ich bin MANDYLION verfallen, wie geht´s Dir???“ Kurze Antwort: ich nicht. (A.P.)

MANHOLE - Victim


Erstveröffentlichung: Maxi-CD / Noise Records / Modern Music Records

Die Sängerin der Band mit Namen TAIRRIE B. ist kein unbeschriebenes Blatt in der Musikszene, denn so eine Art Crossover mit weiblichem Gerappe. Heute macht sie zusammen mit vier anderen Leuten die Band MANHOLE und bringt uns powermäßigen Hardcorerap der weiblich-harten Sorte. Textlich kann ich leider gar nicht so viel sagen, weil ich die Lyrics schlecht verstehe, deshalb die Infos aus dem Info, daß die Songs von Sexismus, Rassismus, Vergewaltigung und Gewalt gegen Frauen handeln. Produzent der CD ist übrigens Ross Robinson, der auch schon Sepultura produziert hat. Wer also auf Gangsta-Rap der harten, aggressiven und brutalen Art gepaart mit Hardcoregitarren und brutalen Riffs, die aber trotz alledem nicht dröhnig klingen, dem sei diese Scheibe in der Farbe Silber nahe ans Herz gelegt! (H.H.)

MANIPULATION - Tumor


Erstveröffentlichung: CD / Divension Christine / Efa

Dies ist die zweite CD von MANIPULATION, die erste ist vor langer Zeit bei Synthetic Symphony erschinen und ehrlich gesagt, kann ich mich nicht mehr so richtig an sie erinnern und habe auch gerade keine Lust, die rauszukramen. Da sie wohl seit damals nicht mehr in meinem CD-Player rotierte, habe ich sie wohl nicht so toll gefunden. Dafür gefällt mir diese neue CD aber zum größten Teil ganz gut, auch, wenn MANIPULATION nun nicht gerade die Electro-Mucke neu erfinden. Die Ursprünge liegen wohl klar im EBM der späten 80er, daß man X Marks The Pedwalk und And One supportet hat, kommt wohl nicht von ganz ungefähr. Zum EBM, der manchmal auch kanadische Dimensionen annimmt, ansonsten aber doch eher belgisch geprägt ist, kommt in einigen Songs auch eine gehörige Portion Wave-Feeling, manchmal muß ich auch an Dance Or Die denken, auch wenn MANIPULATION deren Klasse natürlich nicht erreichen. Für die Tanzflächen sind aber auf jeden Fall einige Titel dabei, so daß man die Gruppe in nächster Zeit bestimmt noch häufiger zu hören bekommt. Fazit: Tanzbarer und vor allem sehr energetischer Dark-EBM-Wave, der manchmal sogar Ohrwurm-Charakter hat. Erfreuliches Werk. (A.P.)

BABYSHAMBLES - Down In Albion


Erstveröffentlichung: CD 2005 / Rouh Trade / RTRADCD240

Die Libertines waren sicher eine sehr gute Band, aber ob sie ohne ihren Sänger Peter Doherty, der fraglos ein großes Gesangstalent ist, ihren heutigen Status hätten, ist fraglich. Durch Dohertys exzessiven Drogenkonsum und seine Chaosbeziehung mit dem Super-Model Kate Moss war er ständig in den Medien. Nun ist das erste Album seiner neuen Band BABYSHAMBLES erschienen und mit „Down In Albion“ passend betitelt, wenn man es sinngemäß mit „In England am Boden“ übersetzt, denn dort hat sich Doherty sicher mehr als einmal befunden. Genug Klischees bemüht, immerhin ist auf diesem Album auch Musik und die ist wirklich gut. Die 16 Tracks klingen extrem frisch und leben vor allem von schneidenden Gitarren und Dohertys Gesang, wobei sich die Musik irgendwo zwischen etwas schrägerem Brit-Pop und Alternative-Rock mit ein paar Beatles- und Punk-Einflüssen bewegt und häufig wie „in der guten alten Zeit“ klingt, ohne aber auch nur ansatzweise altmodisch zu wirken. Aber auch ein paar Dub-Reggae-Anklänge und Erinnerungen an Nick Cave (in „Albion“) findet man wieder.I n England wird das mit Sicherheit ein richtiger Erfolg, den Deutschen wird es bestimmt wieder zu wenig eingängig sein, obwohl es an den Melodien absolut nichts zu meckern gibt. So ist die Platte in England sofort in die Top 10 eingestiegen und auch die ersten beiden Singles „Fuck Forever“ (Definitiv auch der Anspieltipp des Albums) und „Killamangiro“ waren vor einiger Zeit richtige Hits. Die kommende Auskopplung „Albion“ dürfte ebenso erfolgreich werden.
Sicher hat die Skandalpresse um Peter Doherty der Band einiges an Aufmerksamkeit verschafft, aber darüber sollte man nicht übersehen und überhören, dass „Down In Albion“ ein richtig gutes Album ist. (A.P.)

Webadresse der Band: www.babyshambles.com

MINDJUICE - Catharsis Theory


Erstveröffentlichung: CD 2005 / Finest Noise Records / Radar-MotionFX

Mann mann mann...was hatte der Typ, der im ersten Song (und in ein paar anderen Liedern) auf dieser CD rumschreit bloß für Schmerzen??? Man sollte ihn zum Arzt bringen, damit der ihm was dagegen gibt.
MINDJUICE stammen aus Bayern und sehen sich selbst musikalisch zwischen Nu Metal und Emocore und wer wäre ich, dass ich widersprechen würde? Mir persönlich ist es häufig zu metallig, was die Gitarren angeht, aber laut Waschzettel kann die Band es auch ruhiger und akustisch.
Das schöne Coverartwork wird leider durch die schwer lesbaren Texte im Booklet gestört. Ich gebe zu, das zu lesen ist mir einfach zu anstrengend.
Irgendwie kann ich mit diesem Album einfach nichts anfangen, tut mir leid. Fans der oben genannten Musikrichtungen können ja mal reinhören. Vielleicht sollte sich die Band mal überlegen, dem Schreihals die Stimmbänder zu straffen, damit er nicht solche Qualen erleiden muss. (A.P.)

Webadresse der Band: www.finestnoise.de

MAN OR ASTRO-MAN? - Eeviac: Operational Index And Reference Guide, Including Other Modern Com-putational Devices


Erstveröffentlichung: CD / Epitaph

So, zuallererst einmal haben sich MAN OR ASTRO-MAN? für den längsten CD-Titel nominiert. Als zweites läßt sich sagen, daß MAN OR ASTRO-MAN? sich den Gitarren verschrieben haben, und das in der vielseitigsten Weise. Es ist irgendwie Rock, es ist Eperimentelles, es ist Gitarrenpop, es ist Jazz, es ist laut, es ist leise, es ist Lo-Fi-Punk, es ist Rock´n Roll und Musik aus einer anderen Welt. Das alles, und noch viel mehr sind MAN OR ASTRO-MAN?. Das Leben außerhalb der Erde reizt die Alabama-Band sowieso, anscheinend versucht man extra-terristisches Leben mittels dieser Musik hierher-zulocken. (H.H.)

MARYLIN MANSON - Holywood


Erstveröffentlichung: CD / Interscope / Universal

Der seltsam anmutende Marilyn Manson bietet auf seinem neuen Album wieder einmal Schockrock vom Feinsten, der irgendwie düster und aggressiv, gar apocalyptisch wirkt., an das Gute im Menschen jedenfalls glaubt nach dem Hören dieses Albums keiner mehr. Dafür aber an das Gute in der Musik. Einige wirkliche Knaller sind enthalten, man denke nur an das punk-wavige ""Fight Song"", das wunderbare ""Disposable Teens"" oder den fiesen ""Death Song"". Wie immer ist die Musik sehr vielseitig und schillert vor lauter musikalischer Einflüsse und textlicher Perlen, die meist böse und zynisch sind. Die CD unterscheidet sich stilistisch aber schon von seinen Vorgängern, wobei Manson sich trotzdem treu bleibt und der Sound auch unverkennbar ist. Eine stete Weiterentwicklung kann man dem Alice Cooper der Neuzeit in jedem Falle bescheinigen. Ein kleines Meisterwerk. (H.H.)

THE MARCH VIIOLETS - The Botanic Verses


Erstveröffentlichung: CD / Jungle Records / Efa

THE MARCH VIOLETS waren Anfang bis Mitte der 80er Jahre in England einer der bekanntesten Gothicrock Bands, die aber, wie so viele ande­re, in Deutschland nie sehr bekannt wurden, abgesehen von dem Discothekenhit „Snake Dance“. Die alten Maxis der Band sind inzwi­schen nur noch zu völlig überteuerten Preisen auf Börsen zu bekommen und so ist es eine gute Idee von Jungle Records, diese alten Platten als CD wiederzuveröffentlichen. Die CD enthält neben dem Hit „Snake Dance,“ der locker in einer Reihe mit „Alice“ (Sisters Of Mercy) oder „Promised Land“ (Skeletal Family) steht, auch den zweiten bekannten Song „Walk Into The Sun“. Alle anderen Titel dürften ebenso jeden Freund des Frühachtziger New Wave erfreuen, vor allem Fans der alten Sisters Maxis werden gut bedient. So ist es denn auch nicht verwunderlich, daß die frühen Maxis von THE MARCH VIOLETS auf dem Sisterseigenen Label Mercimi Release erschienen. Vielleicht können die MARCH VIOLETS mit dieser CD posthum den ver­dienten Erfolg in Deutschland erlangen, zumindest die Musik dieser Band sollten auch die Szenengänger kennen, die damals einfach zu jung waren, um die Bands mitzuerleben. (A.P.)



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