MANDYLION - Interview 2002




JEDER HAT DAS RECHT AUCH EINMAL UNPARTEIISCH ZU SEIN

Interview mit MANDYLION 24.02.2002

Vor einigen Wochen bekam ich ein Promoexemplar der ersten CD der Band MANDYLION in die Finger. Ich muß zugeben, dass sie nicht wirklich mein Fall war, was aus meiner Kritik auch hervorgegangen ist. Ich hätte aber nicht gedacht, dass meine Kritik in irgendeiner Form Wirbel verursachen würde. Die Band fühlte sich durch einen, aus meiner Sicht nur beiläufigen, textlichen vergleich zu den Böhsen Onkelz angegriffen und bat darum, diese Passage doch aus der Besprechung zu entfernen. Da ich aber nicht bereit war, meine CD-Besprechung „zensieren“ zu lassen, einigten wir uns schnell darauf, dass ich ein Interview mit MANDYLION machen könnte, in dem die Musiker zu den kritisierten Punkten Stellung nehmen können. Dieses folgt nun ... (BA=Back Again, ML=Mandylion)

BA: Ihr habt ja gewisse Probleme mit meiner Plattenkritik zu Eurem Album „Die erste Zeit“, erzählt doch mal, was Euch daran stört...

ML: Du bringst uns mit den Onkelz in Verbindung obwohl wir mit denen überhaupt nichts gemeinsam haben. Du hast ja selbst erkannt wovon unsere Texte handeln. Mittelalter, Ägypten und Esoterik sind soweit wir wissen keine Markenzeichen der Onkelz. Der Song Windhauch den du herangezogen hast, um diesen Vergleich aufzustellen, ist ein Protestsong zu der Berichterstattung der Medien über den Ritualmord in Witten. Unter www.wavedancers.de kannst du dich informieren. Die schwarze Szene wurde speziell in einem Bericht von Spiegel-TV als potentiell satanistisch dargestellt. Der Song hat einen protesthaften Charakter, das haben einige Onkelz Songs auch, aber das rechtfertigt noch lange keinen Vergleich. Wenn wir ein Liebeslied mit passendem Text hätten würdest du uns doch auch nicht gleich mit Roy Black vergleichen, oder? Die politische Assoziation in Verbindung mit den Onkelz ist aber nicht der eigentliche Kritikpunkt. Wichtig ist die Verbindung mit deiner Aussage über Peter Steele (Altrassist). Das rückt die ganze Sache für den Leser in eine Richtung mit der wir überhaupt nichts zu tun haben. Musikalisch wie auch Ideologisch!

BA: Nun, ich habe die Band definitiv nicht mit den Böhsen Onkelz verglichen, sondern lediglich geschrieben, dass der Text von „Windhauch“ auch von den Onkelz sein könnte und dazu stehe ich. Natürlich glaube ich nicht, dass MANDYLION den Text geschrieben haben, um nach den Onkelz zu klingen. Und sicher, wenn ich bei einem Liebeslied das Gefühl hätte, dass das auch von Roy Black stammen könnte, würde ich das genauso schreiben. Ich wollte die Band keinesfalls als Onkelz-Klon oder was ähnliches darstellen, wenn das so rübergekommen ist, tut mir das leid. Zu Peter Steele bleibt nur zu sagen, dass er sich auf mehrfache Nachfrage immer wieder geweigert hat, Fragen zu diesem Thema zu beantworten. Unbestreitbar ist, dass er in früheren Zeiten rassistische und antisemitische Äusserungen auf der Bühne gemacht hat. Wenn er heute anders denkt, warum nutzt er dann nicht die Chance, dazu Stellung zu nehmen? Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen, aber nicht überreden. Die Tatsache, dass er mit jüdischen Musikern zusammen arbeitet reicht meiner Meinung nach nicht als Distanzierung aus, denn auch der kleine Naziskin von nebenan isst gerne mal einen Döner beim Türken, wie ich selber erleben durfte (siehe dazu auch weiter unten).

Seht Ihr Euch selber als „unpolitische“ Band und was macht eine „unpolitische“ Band überhaupt aus?

ML: Primär sehen wir uns nicht als Band die politische Themen behandelt. Wir plädieren aber durch unsere Musik für einen toleranten Umgang mit den Kulturen dieser Erde und ihrem geistigen Erbe. Das lässt sich natürlich auch auf politischer Ebene einsortieren. Hier verhält es sich wie mit den Leuten die sagen, dass sie keinen Glauben haben bzw. an keinen Gott glauben. Sie sind sich nicht bewusst das sie damit auch schon einen Glauben und eine Orientierung haben. Wer sich also als unpolitischer Mensch bezeichnet, hat damit eigentlich eine politische Aussage gemacht. Er hat sich einem Block angeschlossen, der sich dem direkten politischen Einfluss entziehen möchte. Jeder hat das Recht auch einmal unparteiisch zu sein!

BA: Ist es nicht schon eine „politische“ Äußerung, wenn man sagt, man will mit den Böhsen Onkelz nicht in einen Topf geworfen werden?

ML: Wichtig ist der Zusammenhang mit Deinen anderen Aussagen und den Vergleichen die du anstellst. Du scheinst sehr großen Wert darauf zu legen, dass sich jeder politisch äußert. Deshalb hast du aber noch lange nicht das Recht, Bands abzustempeln die dies nicht tun! Doch wir sehen noch ein ganz anderes Problem bei eurem Magazin. Ihr greift den gesamten Independentbereich mit zwei Personen ab. Du selbst kommst aus dem Punkbereich. Wieso schreibst du dann Kritiken zu Themen aus dem Metal–Gothic–Bereich? Wir haben uns diese Kritiken genauer angeschaut und sie als ziemlich inhaltslos empfunden. Da sieht es im Bereich „Punk“ schon anders aus, dort kannst du mit deinem Wissen auftrumpfen und die Kritiken haben dadurch einen sehr hohen Standard. Wir maßen es uns auch nicht an ein Techno Album zu bewerten, weil wir uns in dieser Musikrichtung kaum auskennen. Gefragt ist doch nicht ausschließlich der persönliche Geschmack des Kritikers, sondern der Stellenwert des Albums in einem Szenebedingten Zusammenhang. Diesen Anforderungen wirst du, wenn du ehrlich bist halt eben im Metal-Gothic-Bereich nicht gerecht.

BA: Stimmt, ich mag Gothic-Metal nicht, aber warum soll ich mir deswegen keine Meinung darüber erlauben dürfen und diese auch veröffentlichen? Dieses Online-Zine hat definitiv nicht den Anspruch, nur objektive Plattenkritiken zu veröffentlichen, sondern spiegelt ausschließlich die völlig subjektive Meinung der Schreiberlinge wieder. Wenn ich eine Gothic-Metal CD bekomme, schreibe ich auch was darüber. In den allseits bekannten Musikmagazinen gibt es fast nur positive Kritiken, weil Platten nur von Leuten besprochen werden, die sich mit dem jeweiligen Stil anfreunden können, ich finde das langweilig. Zudem stammen im BACK AGAIN kaum irgendwelche Metal-Kritiken von mir und nur wenige Punk-Kritiken, dafür aber ein Großteil der Gothic/DarkWave Kritiken, denn das ist die Musik, die ich mag. Wenn ich gesagt habe, dass ich aus dem Punkbereich komme, war das weniger vom musikalischen Standpunkt her gemeint, als vom idealistischen. Da wir völlig unabhängig und unkommerziell arbeiten, haben wir es auch nicht nötig, den Plattenfirmen zuliebe was Gutes zu schreiben.

Ich bin zudem natürlich nicht der Meinung, dass sich jede Band politisch äußern muss. Ich habe selber kein Problem damit, gelegentlich völlig „dünnsinnige“ Musik wie Knorkator o.ä. zu hören und liebe auch viele andere Bands, die in ihren Texten Politik nicht thematisieren, ich mag nur keine Musiker, die von sich behaupten, „unpolitisch“ zu sein, denn das geht meiner Meinung nach gar nicht und bedeutet nur, „wir wollen uns alle Optionen offen halten und es uns mit niemandem verscherzen, uns ist es egal, wer unsere Fans sind“.

Wie würdet Ihr reagieren, wenn Ihr zu einem großen Sommerfestival eingeladen werdet, bei dem auch die Onkelz spielen? Würdet Ihr so einen Auftritt ablehnen oder würdet Ihr aus „kommerziellen“ Gründen auftreten?

ML: Mit den Onkelz hätten wir überhaupt kein Problem aufzutreten. Und das bestimmt nicht aus „kommerziellen“ Gründen. Es würde uns einfach nicht stören mit dieser Band live zu spielen. Sollten wir mit Kahlkopf oder irgend einer anderen „Extrem-Fascho-Band“ auf einer Bühne stehen, würden wir nein sagen. Das Thema mit den Onkelz ist für uns völlig überbewertet. Die haben Jugendsünden begangen und über die Jahre viel dazu gelernt. Du hast uns geschrieben das Peter Steele durch antisemitische Parolen live aufgefallen ist. Josh Silver der Keyboarder ist aber Jude und die Type O Negative Alben werden in einem Studio aufgenommen, das hauptsächlich von jüdischen Musikern aufgesucht wird. Es liegt auch in einem jüdischen Stadtteil von New York. Das spricht doch eher dafür, dass Peter Steele keine Probleme mit jüdischen Menschen hat, oder? Aber eigentlich sollte man sich doch fragen, wann hat Peter denn so gesprochen? Wo ist er aufgewachsen? Was ist in der Zwischenzeit passiert? Peter hat in seinen ersten Interviews zu „Carnivore“ Zeiten, noch so gesprochen wie ihm die Schnauze gewachsen war. Er hat es halt nicht anders gelernt. Dieser Sprachstil war deftig und für einen Europäer ziemlich dumm, weil man sich der sozialen Hintergründe nicht bewusst war und viele Bergriffe bei uns einen anderen Stellenwert haben. Ehrlich gesagt hat er auch viel Scheiße erzählt! Peter hat eine Menge Lehrgeld bezahlt und über die Jahre verstanden, wieso er oft angeeckt ist. Wenn du jemanden so verurteilst, wie du es getan hast, solltest du dir im Klaren sein was du da erzählst und was du damit anrichten kannst. Du solltest Fakten sprechen lassen und keine Vorurteile! Diese „Extem-Fascho-Bands“ müssten natürlich eine Menge mehr tun, um uns davon zu überzeugen, dass sie aus den Fehlern ihrer Vergangenheit gelernt haben! Wir geben jedem die Chance dazu zu lernen.

BA: Naja, ich soll nicht schreiben, dass ein Text von MANDYLION auch von den Onkelz stammen könnte, aber ein Auftritt mit ihnen gemeinsam wäre kein Problem...ja was denn nun? Entweder man will mit der Band nicht in einem Atemzug genannt werden, oder aber man akzeptiert es (wenn man z.B. mit ihnen auf einen Plakat gemeinsam auftaucht). Es stört MANDYLION, wenn in einem kleinen Online-Magazin der Name der Onkelz in ihrer Kritik auftaucht, aber vor Tausenden Zuschauern auf der gleichen Bühne zu stehen ist kein Problem? „Jugendsünden“, tolle Ausrede, die Band versucht immer noch, ihr Debutalbum „Der Nette Mann“ vom Index zu bekommen und wieder zu veröffentlichen. Ein Großteil der heutigen Fans ist mehr als interessiert an den frühen Demos und das ist „überbewertet“? Sorry MANDYLION, aber entweder man distanziert sich komplett von irgendwas oder gar nicht, aber halb/halb finde ich nicht so doll.

Zu Peter Steele: ich spreche auch, wie mir „die Schnauze gewachsen“ ist, aber das rechtfertigt niemals, NIEMALS!, irgendwelche rassistischen, antisemitischen oder sonstige menschenverachtende Äusserungen! Wenn eine schlimme Jugend dazu berechtigen würde, warum habe ich dann nie so einen Scheiß erzählt? Nein, mit einer „schlimmen Jugend“ und „sozialem Umfeld“ lassen sich solche Schwachsinnigkeiten nicht erklären!

Gabriel, Du hattest mir geschrieben, dass sowohl Type O´Negative, als auch die Onkelz „Kinder ihrer primären Sozialisation“ sind, beide Bands sind sehr umstritten...warum habt Ihr kein Problem damit, mit Type´O Negative verglichen zu werden, mit den Onkelz aber schon?

ML: Wie gesagt, wichtig ist der Zusammenhang in deiner Review und was davon hängen bleibt. Du bringst uns mit „Rassismus“ und einer Band mit „rechter Vergangenheit“ in Verbindung mit der wir musikalisch nichts am Hut haben. Das lenkt den Leser in die völlig falsche Richtung und das hat uns gestört.

BA: Wie bereits gesagt, ich wollte auf keinen Fall sagen, dass MANDYLION eine rassistische Band sind! In Verbindung mit einem ehemals rassistischen, antisemitischen Musiker (Peter Steele) bringt Euch das Infos zur CD. Ich trenne Böhse Onkelz und Peter Steele nicht, beide haben „eine Vergangenheit“ und beide stellen sich heute als geläutert dar. Hmmmm, leider habt Ihr meine Frage nicht beantwortet.

Kommen wir mal zum wichtigsten Thema, Eurer Musik...Ihr kommt ursprünglich aus der Metal-Szene und wart dort auch schon musikalisch aktiv...wie kam die Hinwendung zur Gothic-Szene zustande?

ML: Unsere musikalische Entwicklung hat uns einfach dorthin geführt. Wenn du willst kann ich dir ja unsere alten Sachen mal zukommen lassen. Du wirst Keyboards quer durch die Bank entdecken. Mystik und Mysterium haben schon immer eine Rolle gespielt. Du siehst, dass wir nie in reinen Metal-Bands aktiv waren. Wir hatten schon immer eine Mischung aus vielen musikalischen Welten. Sehr gerne würde ich mal frühere musikalische Ergüsse von den MANDYLION Musikern hören, also immer her damit. Allerdings suggerierte das Infos zur CD schon, dass die Musiker vorher in „reinen“ Metal Bands gespielt haben. Der Unterschied zwischen Metal und Gothic-Rock liegt sicherlich nicht nur in der Verwendung von Keyboards.

BA: Wie kann man den Unterschied zwischen diesen Szenen beschreiben (abgesehen von musikalischen Aspekten) ?

ML: Die Unterschiede gestalten sich recht fliessend. Wichtigster Unterschied sind die Werte und Normen in den Szenen. Man kann aber sagen, dass die Gothic-Leute toleranter mit der Metal-Szene umgehen als die Metaller mit der Gothic-Szene. Der Metaller legt Wert auf die Gitarren und eine analoge Umsetzung der Musik. Die Gitarren sollten im Vordergrund sein. Der Gothic ist da flexibler. Er toleriert auch synthetische Elemente und maßt diesen einen hohen Wert zu.

BA: Es wird immer wieder berichtet, dass es vor allem in der Death- und Black-Metal Szene durchaus rechte Tendenzen bei Musikern und Fans gibt...wie habt Ihr selber das erlebt?

ML: Direkt ist noch keiner von uns mit solchen Idioten szenebedingt in direkten Kontakt gekommen. Klar bekommt man schon mit, das ein „extremer“ Black-Metaller ziemlich intolerant mit anderen Musikstilen umgeht, oder über eine Band herzieht die den „wahren Blackmetal“ angeblich verraten hat. Mag sein, dass diese Intoleranz ein Indiz für eine rechte Tendenz ist. Aber diese Tendenzen ziehen sich durch alle Schichten und Gruppierungen. Auch linksextreme Tendenzen findet man überall, wenn man genau hinschaut. Es gibt halt eben nicht DEN RECHTSEXTREMEN oder DEN LINKSEXTREMEN den man sofort erkennt und einordnen kann. Berichtet wird sowieso viel zu viel. Du kennst ja diese Tageszeitung die gleich alles übertreibt. Deshalb ist es für uns müßig, der Frage nachzugehen, wo man Rechte am häufigsten trifft bzw. wo sie am meisten auftreten. Für uns zählt nur eins, wenn jemals jemand auftauchen sollte, der uns seine Meinung mit allen Mitteln aufzwingen will, der dafür Menschenrechte beugt oder bricht, gehen wir mit allen Mitteln dagegen vor! Egal aus welcher Richtung er politisch kommt. Denn Scheiße kommt in allen Farben! Das schwierige an Extremisten ist, das diese Leute nur ganz selten in der Öffentlichkeit ihr wahres Gesicht zeigen. Erst in einer Gruppe von Gleichgesinnten outen sie sich.

BA: Okay, aber rote Scheiße ist mir noch nicht zu Gesicht gekommen. Zugegeben, ich vertrete schon einige ziemlich linksradikale Meinungen, aber ich versuche nicht, andere gewaltsam davon zu überreden, sondern durch Argumente zu überzeugen. Aber es stimmt schon, es gibt auch unter den „Linken“ eine Menge Idioten. Allerdings sind mir in der Metal Szene konkret noch keine „Linksradikalen“ aufgefallen. Das Info zu Eurer CD beschreibt Eure Musik als „Gothic-Rock“...wie sieht Eure persönliche Beziehung zu diesem Stil aus, welche Bands waren früher prägend und welche sind es heute?

ML: Wir mögen diese Musikrichtung sind aber bestimmt nicht die absoluten Kenner. Die Geschmäcker in unserer Band und die Wurzeln der Bandmitglieder sind sehr breit gefächert. Diese lassen wir alle immer wieder mit in unsere Musik einfließen. Der Gothic-Rock ist also nur ein Teil des ganzen aber sehr prägend. Sicherlich sind Bands wie Sisters of Mercy, Fields of the Nephilim oder The Mission zu nennen, wenn man nach prägenden Einflüssen sucht. Bei „neueren Bands“ fallen uns natürlich die Dreadful Shadows (sind leider schon Geschichte) ein. Vieles spielt sich in der Szene im Underground ab. Und das mögen wir auch an ihr. Man kann sich immer wieder überraschen lassen was hier und da aus dem Hut gezaubert wird.

BA: Wie sehen Eure Live-Auftritte aus, bietet Ihr „pure“ Musik oder eine ausgefeilte Show? Wie setzt sich das Publikum zusammen, kommen noch viele „alte“ Fans aus Metal-Zeiten oder hat sich Euer Publikum im Gegensatz zu früher total geändert?

ML: Unsere Musik wird quer durch die Bank konsumiert. Die Hauptausrichtung ist jedoch die „Schwarze Szene“. Live werden wir vorerst mit drei Sängern zwei Gitarristen und einem Keyboard auftreten. Der Rest kommt von DAT bzw. Drumcomputer. Mal sehen wie die Sache beim Publikum ankommt. Der ein oder andere Metaller wird bestimmt erst mal seine Probleme haben, wenn er kein Schlagzeug auf der Bühne sieht. Für uns ist diese Art der Unsetzung legitim, da wir unsere gesamte Musik selbst umsetzen. Das Schlagzeug ist komplett von Hand programmiert, dieses ist eine Kunst für sich und deshalb auch live präsentierbar! Wir präsentieren unsere Musik halt auf die Weise, wie wir sie geschaffen haben.

BA: Ich hoffe sehr für MANDYLION, dass das Publikum die Musik nicht nur „konsumiert“, sondern sich damit wirklich beschäftigt. Textlich geht es auf Eurem Album sehr stark um altägyptische Mythologie, während Cover-Artwork, Eure Künstlernamen und der Bandname starke christliche Symbole vereinen...wie kam es zu solch einer Verbindung völlig unterschiedlicher Kulturkreise, die auch historisch miteinander eigentlich nichts zu tun haben?

ML: Diese Herangehensweise, viele Kulturen in Wort, Bild und Ton zu verarbeiten ist eines unserer Ziele. Denn wenn wir eins begriffen haben, dann ist es die enge Verbindung zwischen Kulturen und Religionen über alle Zeiten und Kontinente hinweg. Wenn die Menschen verstehen und begreifen würden, wie eng verbunden z.B. die Religionen untereinander sind, wären viele Probleme mit einem Schlag gelöst. Die Verbindungen wurden und werden wissentlich außer acht gelassen, um den jeweiligen Glauben als den einzig wahren darzustellen. Aber wie so oft im Leben, gibt es viele Wahrheiten. Das muss jeder begreifen.

BA: Keine Frage, dass sich verschiedene Kulturen mehr oder weniger bedingen, aber zwischen dem altägyptischen und dem christlichen Kulturkreis sehe ich persönlich eher wenige Zusammenhänge. Im Song „Auf großer Fahrt“ verwendet Ihr zu einem anscheinend wiederum ans Altägyptische angelehnten Text das Hauptthema aus dem Soundtrack zum Film „Das Boot“ von Klaus Doldinger. Wie ist dieser Song entstanden und wie soll man die Verbindung aus vorzeitlicher Mythologie und dem zweiten Weltkrieg, den jeder Hörer mit der Melodie verbindet?

ML: Der Text schildert die Situation eines U-Boot Soldaten im zweiten Weltkrieg. Er scheint am Ziel seiner Träume zu sein. Heldenhafte Abenteuer bestehen und glorreich zurückkehren. Er träumt sich „von der Dunkelheit ans Licht“. Doch er muss begreifen, dass es nicht der richtige Weg war. Er „blickt zurück zum Anfang“ seines Lebens. Er will den Weg noch einmal anders gehen. Doch er findet „seinen Frieden auf dem Grund des Ozeans“. Wir wollen mit diesem Lied einfach zeigen wohin falsches Heldentum führt. Aus einer von Machthabern geschürten Euphorie heraus, ist unser Protagonist trunken vor Glück. Er fühlt sich am Ziel seiner Träume. Er kommt „von der Dunkelheit ans Licht“ und erlebt „seinen ERSTEN wahren Tag“. Doch er begreift recht schnell, dass es sein LETZTER sein wird! Sein Weg bringt ihn „in die Dämmerung, ans Ende seines Lebens“. Diese Geschichte lässt sich durch ihre Bildhafte Darstellung auf viele Situationen anwenden.

BA: Hier muß ich zugeben, dass ich den Text wohl nicht verstanden hatte, denn die beschriebenen Bilder habe ich nicht vor mir gesehen beim Hören des Liedes. Wie geht es mit MANDYLION weiter, was darf man in Zukunft von Euch erwarten?

ML: Wir möchten in der Zukunft so oft wie möglich Live in Erscheinung treten und noch eine Menge Songs schreiben.

BA: Habe ich vergessen, etwas wichtiges zu fragen oder wollt Ihr unseren Lesern noch etwas mitteilen?

Der Tod ist das erste Mysterium! „Vielleicht hat die Erfahrung des Todes den Menschen veranlasst, zum ersten mal den Gedanken des Übernatürlichen zu fassen und eine Hoffnung über das Sichtbare hinaus zu heben. Der Tod war das erste Mysterium. Er hat den Menschen auf die Spur weiterer Mysterien gebracht. Er hat sein Denken vom Sichtbaren zum Unsichtbaren erhoben, vom Vergänglichen zum Ewigen, vom Menschlichen zum Göttlichen.“ Fustel de Coulanges : La Cite Antique.

Danke für das Interview!

Info: www.mandylion-produktion.de

Ich danke auch für das Interview und ich denke, die Band konnte ihre Position gut darstellen.

Um es nochmals deutlich zu machen: Ich halte MANDYLION nicht für eine rassistische o.ä. Band und bin nicht mal auf die Idee gekommen, dass man meine CD-Kritik derartig mißdeuten könnte. Wer auf Gothic-Metal und verwandte musikalische Stile steht, sollte MANDYLION sicher mal austesten. Dass ich selber die Musik nicht so besonders mag, ist bei dieser Band eigentlich schon zweitrangig, denn es ist immer gut, wenn die Musik einer Gruppe zu Diskussionen anregt. Zumindest konnte Mandylion Mitglied Gabriel das eine oder andere Vorurteil von mir (denn auch ich bin natürlich nicht perfekt) ausräumen. (A.P.)



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