MANDYLION - Die Erste Zeit


Erstveröffentlichung: CD 2002 / Himmelpforten / Warner Chappell

Ich muß zugeben, dass ich , nachdem ich das Info gelesen habe, ohne die CD erst zu hören, ziemlich vorurteilsbeladen an dieses Album von MANDYLION herangegangen bin.

Da steht was von Typo-O-Negative , der Metal-Band von Alt-Rassist Peter Steele, dann noch was von Death-Metal, dessen Entwicklung zu seichteren Tönen Mandylion sehr stark beeinflusst. Ausserdem haben ein paar Bandmitglieder vorher schon in so „typischen Gothic-Bands“ wie Dr. Death, Hate Tank und Answered Prayers gespielt. Naja, wenn sich die Musiker dann als Pseudonyme die Namen von diversen Engeln geben und die Musik hier mit deutlichem Bezug zu mittelalterlichen Themen und ägyptischer Mythologie präsentiert wird, dann mag es sein, dass MANDYLION sicher keine schlechte Gothic-Metal Band unter Millionen von anderen sind, aber bestimmt nicht Retter des Gothic-Rock oder so. Ich habe immer das Gefühl, dass zu viele junge Leute heute Gothic-Metal mit Gothic-Rock gleichsetzen, vielleicht, weil sie es einfach nicht anders kennen.

MANDYLION bringen alle Klischees rüber, die so in der Szene angesagt sind, Frakturschrift im Booklet, deutsche Texte, zweimal sogar lateinische Texte, die üblichen Themen, christliche Symbolik und so weiter. Textlich geht es oft haarscharf an der Peinlichkeit vorbei, so könnte „Windhauch“ durchaus auch ein Text von den Böhsen Onkelz sein (womit ich MANDYLION natürlich nicht in irgendeine politische Ecke stellen will, sicher sind sie voll „unpolitisch“). Ansonsten konzentriert man sich eher auf altägyptische Mythologie, was das christliche Ikonenmalerei-Layout des Booklets etwas unpassend erscheinen lässt. Vielleicht hätte man das ganze konzeptionell etwas konsequenter durchziehen sollen. Beim Song „Auf großer Fahrt“ klaut man schamlos bei Klaus Doldinger´s Soundtrack zu „Das Boot“, gibt das aber als eigene Komposition aus.
Rein technisch gesehen finde ich es schade, dass der Sound etwas dünn und ziemlich aalglatt geworden ist, ein bisschen mehr Power und ein paar Ecken und Kanten hätten das ganze schon aufgewertet, aber so sehe ich das Album nur als eines unter vielen, das aber sicher seine Freunde finden wird. Vielleicht können MANDYLION ja auf der Bühne mehr überzeugen, ich fürchte aber, da geht es dann noch viel mehr in die Metal-Richtung, damit die langhaarigen Mosher in den ersten Reihen auch befriedigt werden, denn das die Band ursprünglich aus dem Metal-Lager stammt, kann sie in keinem Moment verhehlen. Im Info fragt der Promoter noch „Ich bin MANDYLION verfallen, wie geht´s Dir???“ Kurze Antwort: ich nicht. (A.P.)



[ ZURUECK ]