METALLICA - S & M


Erstveröffentlichung: Doppel-CD 1999 / Mercury / Universal

Es gibt ja nicht wenige Leute, die behaupten, dass Metallica ihre letzten Alben ausschließlich im Zeichen des Ausverkaufs zugänglicher gestalteten. Da sich die Scheiben jedoch auf gewohnt hohem Niveau befanden und zudem in keinster Weise den ureigenen Stil der Band einbüssten, sondern diesen lediglich erweiterten, findet meiner Meinung nach der Vorwurf des Kunstverrats keine Berechtigung.

Hierbei handelt es sich lediglich um den verletzten Stolz einiger Individualisten, welche sich durch die gewachsene Zugänglichkeit ihres exklusiven Kreises in eben ihrer Individualität bedroht fühlen. Dabei merken sie offensichtlich gar nicht, dass sie als Metaller gegen ihre heiligste Prämisse, nämlich Toleranz, selbst verstossen. Denn wie kann ich tolerant sein, wenn ich zwar andere Menschen mit anderen Werten akzeptiere, nicht aber andere Menschen mit meinen eigenen Werten?

Tatsache ist jedoch, dass all diese Leute, zumindest was das neue Werk der BayArea Rocker angeht, Recht bekommen. Mit Spannung wurde sie erwartet, die Live-Inszenierung echter Metallica-Kracher als Bombast-Epos. Besonders Rage-Fans werden mit feuchten Augen auf den Silberling gewartet haben, waren sie sich doch seit ""Lingua Mortis"" bewusst, wie gelungen ein solches Konzept funktionieren kann. Und das mit einer Weltklasse-Formation wie Metallica.....

Denkste! Die Kombination Metal/Klassik ist mittlerweile kind of trendy geworden, nicht zuletzt durch Institutionen wie Rage oder Therion. Und was trendy ist, bringt ja bekanntlich Geld. Zudem braucht Trend auch nur Trend, keine Qualität.

Anstatt sich also auf den kreativen Hosenboden zu setzen und die alten Hits mit aufwendigen symphonischen Arrangements zu kombinieren, wie es die Vorbilder taten, entschlossen sich Hetfield und co. lieber dazu, rein gar nichts zu tun, sondern den alten Kram einfach noch mal live runterzuspielen, ne Orchesteruntermalung bzw. –übermalung draufzuklatschen und sich auf das Markenwarenprinzip zu verlassen.

Auch wenn man dafür grosse Namen wie Michael Kamen und das Los Angeles Symphonie-Orchester anheuerte, hört sich das Ergebnis einfach lieblos an.

Und zwar deswegen, weil unsere Herren Metal-Millionäre schlicht zu faul waren, zugunsten des Orchesters ihre Stücke umzuschreiben. Im Ergebnis klingt die Klassikstimme dann auch nicht wie das sechste Instrument, sondern eher wie das fünfte Rad: mal nur Untermalung, im nächsten Takt plötzlich alles-übertönend, dann wieder gar nicht, oftmals unpassend und überkomponiert stolpern die Songs nicht gerade selten über ihre eigene Komposition. Man vermerkt zwar durchaus den ein oder anderen Lichblick wie zum Beispiel den Instrumental-Klassiker ""The Call Of Ktulu"", der ja für eine klassische Ausrichtung geradezu prädistiniert ist. Die Produktion kann über weite Strecken bis auf das für meine Begriffe etwas störende Zuschauergeklatsche ebenfalls überzeugen.

Die eigentliche Mission, nämlich eine funktionierende Mischung von zwei Stilen zu erzeugen, ist jedoch gründlich in die Hose gegangen. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, wir hätten es hier mit dem mit Abstand schlechtesten Output der Bandgeschichte überhaupt zu tun, Bootlegs eingeschlossen!

Meine Empfehlung an alle Metallica-Fans also: lasst ""S&M"" im Laden versauern. Die Songs kennt ihr nämlich schon in besserer Ausführung. Das gesparte Geld investiert ihr garantiert risikofrei in Rage's ""Lingua Mortis"".... ( (Bört)



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