CELL DIVISION - Tsunami/Hypnotized


Erstveröffentlichung: CD 2004 / Thunderdome / Arachnophobia

Endlich ist das zweite Album der schweizer Gothic-Waver CELL DIVISION erhältlich. Das erste Album „Dissolve“ und diverse Vorabdemos haben mich schon mehr als neugierig gemacht und, um es vorweg zu nehmen, ich wurde nicht enttäuscht! Mit „Tsunami“ werden sich CELL DIVISION garantiert einen soliden Status in der Szene erspielen und hoffentlich so erfolgreich sein, dass sie endlich mal eine richtige Deutschland-Tour machen können.

Die mir vorliegende Promo-CD enthält das Album „Tsunami“ und die Tracks der Maxi-CD „Hypnotized“, sowie den dazugehörigen Videoclip.

Das Album wird mit „The Limetrip“ eröffnet, einem echten Hit, gothicrockiger als zuvor, fast schon Death-Rock und irgendwie erinnert das an Gitane Demone. Es folgt „Anodyne“, ein sehr eigenwilliger Wave-Song, der ein wenig an die „Tinderbox“-Phase von Siouxise And The Banshees erinnnert. „Hypnotized“, die Single-Auskopplung, ist definitiv ein Ohrwurm und aus kommerziellen Gründen garantiert die richtige Wahl für die Maxi. Wer Diva Destruction mag, sollte auch hier mal ein Ohr riskieren. Etwas unauffälliger, aber immer noch solide erscheint „Alien Fantasy“, bevor mit „Râ“ wieder ein echter Knaller kommt, der sich in der Szene sicher durchsetzen wird. Auch hier kommen Gedanken an Diva Destruction hoch, wobei dieser Titel aber schon existierte, bevor die Amerikaner sich in Europa durchsetzen konnten. Prägnanter Bass, gute Gitarren und eine Melodie, die im Ohr bleibt, so gut kann Gothic-Rock heute klingen! Druckvoll und clubtauglich ist auch „Emperor“, das mir wie eine Fortführung des 90er-Brit-Goth vorkommt. Dann gibt es den absoluten Hit von CELL DIVISION um die Ohren gehauen, nämlich „Fingerprints“, ein eher schleppender New Wave-Track, der an beste Siouxsie-Zeiten Mitte der 80er erinnert und für mich schon heute ein zukünftiger Klassiker ist! Dagegen erscheint „Peculiar“ eher schlicht im Gewand von 90er Gothic-Rock. „Peculiar“ wiederum ist ungewöhnlich, weil hier Frau- und Mann-Wechselgesang zu finden ist, erscheint ein bisschen wie Pink Turns Blue zur „Meta“-Phase, sehr schön. Das Album schließt dann mit „Backstage“ ab, dem vielleicht unauffälligsten Titel der CD, der weniger wavig, dafür aber irgendwie soundtrackartig rüberkommt.

Auf der Maxi-CD finden sich dann zunächst drei Versionen von „Hypnotized“, zum einen der sehr glatte, radiokompatible „Radio Edit“ und dann der „Zeraphine Remix“, der ruhiger und etwas elektronischer erscheint. Außerdem der „Kartagon Remix“, der definitiv für die Tanzflächen produziert wurde und mir so gar nicht gefällt. Mit Gothic (-Rock) hat das nichts mehr zu tun. Dazu gibt es noch den „Covah Remix“ von „Fingerprints“, der dunkler und minimalistischer ist, als die Album-Version des Songs.

Den Videoclip zu „Hypnotized“ habe ich noch nicht zum laufen bekommen, was aber wohl an meinem PC liegt.

Keine Frage, das Album „Tsunami“ ist ein echter Hit und wird CELL DIVISION garantiert ein gutes Stück voran bringen. Songs wie „The Limetrip“, „Râ“ und „Fingerprints“ dürften sich bald großer Beliebtheit unter Gothic-Rock-Fans erfreuen und in den Clubs wird „Hypnotized“ sicher für volle Tanzflächen sorgen, insofern ist das bestimmt die richtige Auskopplung. Unter künstlerischen Gesichtspunkten hätten sich sicher einige andere Songs als Single geeignet. (A.P.)

ARCTIC MONKEYS - Whatever People Say I Am, That´s What I´m Not


Erstveröffentlichung: CD 2006 / Domino Recording Co. / WIGCD162

Was für ein Hype! Wohl lange wurde kein Debutalbum so gespannt erwartet, wie das der englischen ARCTIC MONKEY, die mit ihrer ersten Single „I Bet You Look Good On The Dancefloor“ (auch hier auf den Back Again-Seiten gebührend abgefeiert) sofort auf Platz 1 der britischen Charts schossen und eine gewaltige Hysterie auslösten. Ich gebe zu, ich war auf kein anderes Album in letzter Zeit so gespannt, wie auf dieses, vielleicht mal abgesehen vom Zweitling der Labelkollegen Franz Ferdinand.
Und? „Whatever People Say I Am, That´s What I´m Not“ ist ganz großartig und zumindest in England eingeschlagen, wie eine Bombe. Am Erscheinungstag wurden mehr Kopien verkauft, als von allen anderen Top 10-Alben zusammen. Die Erstauflage von 300.000 Exemplaren war nach einer Woche ausverkauft und immer noch rollt die Band gewaltig die Charts auf.
Was ist aber dran an dieser Gruppe junger Männer, die wie aus dem Nichts aufgetaucht sind und die einmal mehr beweisen, dass das Internet im Bezug auf Musik nicht nur böse ist, denn die ARCTIC MONKEYS haben einen guten Teil ihrer Popularität über Webpropaganda und Downloads gewonnen? Nun, die Band rockt einfach wie Sau, ist roh, frisch und ungestüm und offenbar mit einer „Scheißegal“-Attitüde ausgestattet, was der rotzige Albumtitel ja auch schon verspricht. Leider ist die Band schon jetzt viel zu groß, um noch in siffigen kleinen Clubs wie dem Hamburger Hafenklang oder im Molotow auf der Reeperbahn aufzutreten. Dort kämen sie aber garantiert am besten, wenn die Hitze im überfüllten Club so heftig wird, dass Wasser von der Decke tropft. Das wird man wohl nie mehr erleben dürfen.
Wer die Labelkollegen Franz Ferdinand mag, es aber auch eine Spur dreckiger abkann, wird die ARCTIC MONKEYS lieben. Ein ganzer Haufen 2-3 Minuten Songs mit coolen Melodien, die voller Energie und Spielfreude stecken, dazu ein chices DigiPak und ein gutes Booklet und natürlich gibt es das Ganze auch auf Vinyl.
So muss Rock´n´Roll heute klingen und ja, ich gebe es zu, ich halte den Hype für gerechtfertigt! In Deutschland kann man ja sowieso sicher sein, dass solche Musik in den Charts kaum in den Top 5 landen wird, vielleicht noch das Album für kurze Zeit, aber sicher keine Single. Eignet sich nämlich gar nicht als Klingelton! Handgemachte Musik von einer richtigen Band statt hochglanzpolierter Produzentenpop aus dem Edelstudio...England hat es schon begriffen, während in Deutschland mal wieder ein „Superstar“ gesucht wird...Kandidat dabei ist unter anderem Didi Knoblauch, ein transsexueller Fahrlehrer aus Ulm, der nun wirklich nicht singen kann...aber mit moderner Studiotechnik wird man auch da noch was Gefälliges rausholen.
Vielleicht nur einen kurzen Hype und ein Album lang, aber egal: Die ARCTIC MONKEYS sind GROSS! (A.P.)

ROBERT NEITELER - Ihbaiklhikö


Erstveröffentlichung: CD 2006 / Einzeleinheit / 006

Oha, ganz unkonventioneller Stoff ohne jede Info, da muss ich mir ja glatt eine eigene Meinung bilden... Das Cover dieser CD-R gibt schon mal gar nichts her, nicht mal die Titel der 6 Tracks mit einer Laufzeit zwischen gut 5 und knapp 10 Minuten. Der Name der CD ist, wenn man nicht weiß, wofür das Wort steht auch ziemlich blöd, aber gut, er lässt zumindest auch noch nicht auf die Musik schließen.
Die ist rein elektronisch und wird im Info als „Aphex Twin in kindergarten or Autechre with a smile“ bezeichnet. Nun bin ich kein Fachmann, was Projekte wie Aphex Twin oder Autechre angeht, aber ich weiß zumindest, dass die recht innovative Electrosounds abliefern und in diese Richtung geht es auch bei ROBERT NEITELER. Mir kommen dazu noch so einige japanische Industrialmusiker in den Sinn, wenn diese mal den Staubsauger ausschalten oder aber unser Hamburger Freund Malte Steiner mit seinen Projekten Notstandskomitee und Elektronengehirn. Sehr experimentell, sehr rhythmisch und durchgehend instrumental. Viele interessante Sounds, hier und da fast tanzbar, meist minimalistisch und niemals poppig-eingängig. Sehr ursprüngliche Electro-Klänge. Die CD ist voller Momente, spannende, interessante, aber auch hier und da langweilige. Wer sich selbst gerne mal eine Woche in sein Musikzimmer einschließt und austestet, welche Sounds man so aus seinen Synthies und PCs holen kann, dürfte hier auch genussvoll zuhören. Mich reißt es ehrlich gesagt nicht so vom Hocker, mir erscheint es irgendwie ein bisschen ziellos. (A.P.)

Webadresse der Band: www.einzeleinheit.com

WARUM - Bilingual


Erstveröffentlichung: CD 2005 / Tron records-Tonesetters-Finest Noise / Hoanzl-Radar-MotionFXTron02 / Tron02

Mal ganz abgesehen davon, dass der Bandname WARUM (gerne auch [wa:rum] geschrieben, weshalb auch immer) nicht gerade Aufmerksamkeit erzeugt, liegt hier eine recht gefällige CD der Gruppe vor, die sich bereits 1995 gegründet hat. Los geht´s dann auch gleich mit eingängigem Gitarren-Pop, bis dann der Gesang einsetzt. Die Stimme des Sängers ist Geschmackssache, aber irgendwie wirkt sie im Verhältnis zu den Songs fremd, als wenn sie unabhängig von der Musik in einem anderen Studio aufgenommen und hinterher damit zusammengemischt wurde. Zudem erscheint der Gesang irgendwie „gedrückt“, als wenn man bei den Aufnahmen nicht zu laut werden durfte. Nichtsdestotrotz wirkt der Akzent des Sängers bei den deutschsprachigen Liedern nach und gibt ihnen etwas Besonderes. Etwas mehr Druck hätte der Produktion sicher gut getan. Dabei sind die Songs ziemlich gut, melodiös und eingängig, erinnert mich ein bisschen an Wheatus, die leider auch wieder völlig von der Bildfläche verschwunden sind. Mit „Sonntaeglich“ ist sogar ein Lied dabei, das echten Hitcharakter hat. Die wechselweise deutschen und englischen Texte geben mir persönlich nicht viel und ab und zu wird es auch musikalisch arg seicht. Netter Indiepop mit einigen richtig guten Songs, aber irgendwie insgesamt doch eher belanglose Musik für die örtliche Teestube, was jetzt nicht böse gemeint ist, aber so richtig springt der Funke eben auch nicht über. Für die Liga von Kettcar, Tocotronic oder Tomte fehlt die Schärfe, für den Pop von Juli oder Sportfreunde Stiller fehlt die Kommerzialität, WARUM befinden sich irgendwo im Nebel dazwischen, ohne richtig greifbar zu werden. Hübsches Booklet aber. Und außerdem gibt es als Bonus noch einen ganz gelungenen Videoclip zu „Sonntaeglich“. (A.P.)

COMPILATION - Deutschpunk Gewitter


Erstveröffentlichung: CD 2005 / Nix Gut Records / NG93

Was darf man bei einer Compilation mit diesem Titel wohl erwarten? Wenn auch noch die Covergestaltung wie hier an Reihen wie „Die Deutsche Punkinvasion“ oder „Schlachtrufe BRD“ erinnert ist spätestens alles klar: hier gibt es Voll-auf-die Glocke-Deutschpunk, ohne dass es auch nur eine einzige der Bands interessieren würde, dass immer wieder behauptet wird, dass Deutschpunk seit den 80er Jahren eigentlich nicht mehr zeitgemäß sein soll. Wenn das so wäre, wieso tauchen immer wieder neue Bands auf? Jeder, der irgendwann als Teenager anfängt, Punk zu hören, macht eine Deutschpunk-Phase durch und wenn man älter wird, legt man vielleicht mehr wert auf tiefer gehende Texte, aber schlechter macht es den straighten Punkrock mit Mitgröhl-Parolen-Refrains nicht. Ich habe immer gerne Deutschpunk gehört, generationsbedingt halt eher die Bands aus den 80ern wie Normahl, Slime, Daily Terror, Boskops, OHL und wie sie alle hießen. Die heutigen jungen Punx hören halt die hier vertretenen Gruppen und ein paar richtig gute sind dabei. Mit ATEMNOT, MÜLLSTATION, AUFBRUCH und KÜCHENSPIONE (sind das die, die mal eine coole Split-EP mit Korrupt gemacht haben?) sind sogar ein paar Bands dabei, die man schon als „alte Helden“ bezeichnen kann. Dazu jede Menge mir zumindest unbekannte Bands, die aber durchweg gut hörbar sind. Viele Bands haben gute Melodien und live dürfte bei den meisten in den Jugendzentren ordentlich der Pogo abgehen. Ich nehme mal an, dass viele der Gruppen ihre Songs selbst mit dem gängigen Computer-Equipment aufgenommen haben, was zwar preiswert ist und soundmäßig auch in Ordnung geht, aber den Druck und die Ecken und Kanten, die man in einem richtigen Studio oder über Mischpult und Vierspurtape im Proberaum fabriziert, kriegt man digital einfach nicht hin, das klingt dann oft irgendwie steril. Auch hier gilt: live angucken, da fetzen die meisten Bands sicher mehr. Zwei Dinge stören mich am heutigen Deutschpunk aber dann doch: zum einen sehen die meisten Bands heute einfach nicht mehr punkig aus, was bis hin zu Ziegenbärten und Hippiematten geht. Wo sind die Nieten- und Button-besetzten Lederjacken? Außerdem finde ich die meisten Bandnamen einfach nur langweilig. Ich will hier jetzt keine Gruppen negativ hervorheben, aber einige sollten wirklich mal über eine Umbenennung nachdenken. Gut, man mag mir vorwerfen, dass ich ein alter Sack bin, der zu sehr in seiner verklärten Vergangenheit lebt, aber nach fast 25 Jahren Punkrock erlaube ich mir einfach, ein bisschen mitzureden. Und wie gesagt, die Musik auf „Deutschpunk Gewitter“ gefällt mir ja. Etwas wütender dürften manche Bands zwar sein, aber das mag daran liegen, dass man heute nicht mehr so ganz als „Außerirdischer“ abgestempelt wird, wenn man als Punk durch die Innenstädte läuft und die Anfeindungen nicht mehr so heftig sind, wie „damals“. Hach, ist das herrlich, in so einer CD-Besprechung über längst vergangene Zeiten zu schwadronieren und zu behaupten, dass früher alles besser war, ohne, dass die meisten Hörer dieser CD das irgendwie nachprüfen könnten. Ist nicht böse gemeint.
Zusammenstellt wurde die CD vom guten alten Einhorn, seines Zeichens Mitmacher bei ATEMNOT und KALTE KRIEGER und Deutschpunk-Urgestein der 90er Jahre. Die beiden Bands gehören dann auch zu den Hitlieferanten der CD, die sind rau und ungestüm. Ansonsten natürlich MÜLLSTATION und KÜCHENSPIONE und von den neueren Bands KLABUSTERBÄREN (so ein schöner Name, vor allem da ich seit kurzem weiß, was er bedeutet). Fast durchweg gut hörbar sind auch ANSICHTX, AUFBRUCH, MOFAGANG, SPEICHELBROISS, KOLLEKTIVER BRECHREIZ, ABSTURTZ, STAATSPUNKROTT, ANALOHG, ÜBERDOSISNICHTS, HEITER INS VERDERBEN und POLICE SHIT, die jeweils mit ein bis zwei Songs dabei sind.
Der Soundtrack für warme Frühlingsabende in der örtlichen Fußgängerzone, auch, wenn man die Bürger damit wohl kaum noch schocken kann. Macht aber trotzdem Spaß. Da die CD für wenig Geld erhältlich ist, sollte einen eigentlich nichts vom Kauf abhalten. 21 Songs in knapp 63 Minuten, das ist ein guter Schnitt. (A.P.)

Webadresse der Band: www.nix-gut.de

GROSSSTADTGEFLüSTER - Liebe Schmeckt Gut


Erstveröffentlichung: Maxi-CD 2006 / X-Cell / Sony-BMG / 82876 78343 2

Nach Wir Sind Helden, Silbermond, Spillsbury, Sonnenbrandt, 2Raumwohnung, Annett Louisan und wie sie alle heißen, nun endlich die Debut-Single von GROSSSTADTGEFLÜSTER, die schon mit einer Promo-CD vor einem Jahr auf sich aufmerksam machen konnten. Keine Frage, deutschsprachige Popmusik mit Sängerin ist in, und so sind GROSSSTADTGEFLÜSTER bei Sony-BMG gelandet. Na, hoffentlich lässt man sie da nicht schnell wieder fallen, wenn sie nicht sofort voll einschlagen (dann dürfte die Gruppe aber sofort zu unserem kleinen Label NLW kommen). Allerdings dürfte das mit dieser Single „Liebe Schmeckt Gut“ und dem kommenden Album gelingen, wenn nichts dazwischen kommt, denn GROSSSTADTGEFLÜSTER sind sympathisch, eingängig, poppig und einfach gut. Von den oben genannten Bands hat die Gruppe dabei nicht viel, außer, das Gespür für gute Melodien. Die Musik von GROSSSTADTGEFLÜSTER ist vollelektronisch, teilweise minimalistisch und extrem tanzbar. Für die einschlägigen TV-Musiksender lässt sich das problemlos im Tagesprogramm unterbringen, zumal es ein sehr gelungenes Video dazu gibt (gibt es hier zum runtersaugen: http://www.kuenstler-videos.de/downloads/gsgf/video/liebeschmecktgut.mov und ist auch auf der MCD drauf), das gute Laune verbreitet, witzig und sexy ist (mal abgesehen von dem selbstverstümelnden Nasenring) ist.

Musikalische Vergleiche würde ich vor allem zu Bands wie Die Türen oder Mediengruppe Telekommander ziehen, obwohl die natürlich Sänger haben. Oder Klee ohne Gitarren? Vor allem würde ich GROSSSTADTGEFLÜSTER aber mit den großartigen Paula in eine Schublade stecken, die neben Rosenstolz bereits Ende der 90er Jahre mit ihren Alben den Deutschpop-Boom vorweg genommen haben, der übrigens so gar nichts mit Neo-NDW zu tun hat, wie man immer mal wieder gesagt bekommt. Die NDW ist Ende der 70er Jahre aus ganz anderen Zusammenhängen entstanden.
GROSSSTADTGEFLÜSTER schaffen es tatsächlich, sowohl für das auf Oberflächliches Gedudel trainierte Gehör der Format-Radio-Teenies angenehm zu klingen, als auch alte Säcke wie mir, die einfach auf gute, melodiöse Songs stehen zufrieden zu stellen. Ich bin jeden Fall extrem auf das Debutalbum gespannt. Durch Akkordeoneinsatz entsteht ein leicht französisches Flair, kombiniert mit einem modernen Dancebeat.
Die MCD enthält 4 Mixe von „Liebe Schmeckt Gut“, wobei sich jeder seine Lieblingsversion raussuchen kann, mal glatt und fürs Radio geeignet, mal tanzbarer. Ob wirklich vier Mixe notwendig sind, ist fraglich, heute aber wohl Standard. Dass der fünfte Track „Für Dich“ dann als „Extra-Song“ beworben wird, geht mir nicht in den Kopf. Ist es heute wirklich so ungewöhnlich, dass zwei (nur zwei!) unterschiedliche Songs auf einer (Maxi-)Single sind? Kennt noch jemand die Housemartins aus den 80er Jahren? Die haben bei jeder Albumauskoppluung auf die 12“s (Vinyl!) 4 Non-Album-Tracks gepackt, um den Fans was zu bieten. Und das war kein Füllmaterial. Naja, man muss wohl einfach akzeptieren, wie es heute gehandhabt wird und wenn der Song so gut ist, wie „Liebe Schmeckt Gut“, ist das ja auch nicht schlimm. Bei mir laufen allerdings fast nur die normale Version und der „Extra Song“ „Für Dich“. Ach ja, ist das Gitarrensample im „Club Radio Remix Edit“ etwa aus Klee´s „Gold“ geklaut?
Schöner Appetizer auf das Album „Muss Laut Sein“. Der Titel verspricht ja schon mal ein paar mehr Ecken und Kanten, denn die fehlen der Maxi ein bisschen. Bis dahin MCD besorgen, Video gucken und gute Laune haben. (A.P.)

Webadresse der Band: www.grossstadtgeflüster.de

COMPILATION - Exil System Remixed


Erstveröffentlichung: 12 Inch EP 2005 / Pripuzzi / Vinyl-on-Demand / Prip 001

Was VINYL-On-Demand für die (Wieder-)veröffentlichung von ungewöhnlichen Klängen aus den Bereichen NDW, Minimal-Electro und Industrial ist, würde das Sublabel Pripuzzi bestimmt gerne für neuere Klänge werden. Einen ersten Schritt macht man mit der Remix Ep „Exil-System Remixed“, wobei schlauerweise mit Thomas Voburka zusammen gearbeitet wurde, der ja mit P1/e und der Exil-System-LP auf Vinyl-On-Demand schon großartig vertreten war. Hier hat er einige andere Leute seine Hits „Heimat“ und „Romance Adieu“ remixen lassen und natürlich auch noch mal selbst die Regler des Mischpults in die hand genommen. Altes in neuen Tüchern sozusagen, aber im Großen und Ganzen recht gut gelungen. DR. WALKER & WULFMANSON nehmen sich „Romance Adieu“ an und machen daraus einen soliden, tanzbaren Track, der minimalistisch und wummernd daherkommt und mit Roboter-/Kraftwerk-Stimme ergänzt wurde. JUSSI PEKKA/MONODER liefert „Heimat (Monoder Dub)“ ab, monoton, kraftvoll, modern und irgendwie wie eine Mischung aus The Klinik oder Das Kombinat und Chill-Our-Ambient-Sounds. Vielleicht etwas langatmig. Danach KOTAI mit „Heimat Adieu“, weit weg von den Originalen, aber ein potentieller Clubhit, tanzbar und eingängig, gefällt mir sehr gut.
Etwas Schwächer dann ELECTRIC INDIGO mit „Die Söhne Und Das Biest“, ebenfalls eine Bearbeitung von „Heimat“, insgesamt am nächsten am Original mit einigen zusätzlichen Elementen und nicht mehr so richtig minimalistisch. Kann man auch gut hören. Zum Schluss noch WELTKLANG selber mit „Auferstanden Aus Ruinen“. Kommt ziemlich spacig-experimentell daher, aber gleichzeitig druckvoll und eingängig. Für die Clubs der Republik ist das auf jeden Fall geeignet.
Zwei richtig gute Remixe, zwei ebenfalls gelungene und nur ein etwas schwächerer (aber nicht schlechter), das ist doch eine ordentliche Bilanz auf dieser Platte. Bin mal gespannt, was unter dem Label Pripuzzi als nächstes erscheinen wird.
(A.P.)

Webadresse der Band: www.vinyl-on-demand.com

PERSPECTIVES - Perspectives


Erstveröffentlichung: CD-EP 2005 / Al Dente Recordz

Schon wieder was richtig Gutes von Al Dente Recordz, dem etwas glaubwürdigeren Hip Hop- (und Artverwandtes)-Label aus Köln. Bisher haben mir alle Veröffentlichungen von da, die ich gehört habe ziemlich gut gefallen, wobei ich wohlgemerkt kein Hip Hop-etc-Fan bin. Aber die Acts, die von dem Label veröffentlicht werden heben sich vor allem inhaltlich positiv von der Masse der in Deutschland angesagten Gruppen und Rappern ab. Auch musikalisch wird Offenheit und Vielseitigkeit groß geschrieben, gut so.
Nicht, dass ich meine, jeder Musiker müsste nun ständig und grundsätzlich politisches Verbreiten, aber ich mag es, wenn es da zumindest Standpunkte gibt und nicht schwammig was von „unpolitisch“ geschwafelt wird, nur, um nicht anzuecken. Hip Hop MUSS sogar anecken und braucht dabei nicht hohl und dumm sein.
PERSPECTIVES ist nun ein gemeinsames Projekt des deutschen Rappers CHAOZE ONE und der Franzosen IRIE RÉVOLTÉ. Die Franzosen kenne ich nicht, aber über CHAOZE ONE habe ich, wenn ich mich nicht völlig falsch erinnere, mal einen Artikel auf dem Indymedia-Webportal gelesen. Er ist als sehr (sozial-)kritischer Rapper bekannt und IRIE RÉVOLTÉ nehmen wohl auch kein Blatt vor den Mund, allerdings verstehe ich ihre Texte nicht.
Die fünf Tracks auf dieser EP sind durchweg spannend, eingängig, aber doch nachdenklich und niemals so plump, einfach nur zu erzählen, aus was für einem prolligen Wohnblock-Ghetto man stammt. Stattdessen wird über desaströse Entwicklungshilfe für Afrika berichtet und klar Stellung gegen einen gewissen amerikanischen Präsidenten bezogen.
Die Musik ist klar auf den abgehackten Rhythmen aufgebaut, hat aber in fast jeden Track noch etwas Besonderes dabei. Mir gefallen bei den Raps besonders die fransösischsprachigen Parts, wohl, weil Französisch einfach die melodiösere, rundere Sprache ist, im Gegensatz zum eckigen, harten Deutsch.
Bin gespannt auf eine Fortsetzung des Projektes und vielleicht irgendwann mal ein Album. (A.P.)

Webadresse der Band: www.aldenterecordz.de

CHRISTIAN C. WALTHER - 119 Fragen zum 11.9.


Erstveröffentlichung: Buch / Heyne / ISBN 3453878353

Der 11. September 2001 ist ein Datum, dass wohl unauslöschlich in unserer aller Gehirne eingebrannt ist. Doch welche Gedanken damit verbunden sind, ist natürlich bei vielen Menschen unterschiedlich. Die einen glauben die Dinge, die die US-Regierung zum Besten gibt, die anderen haben berechtigte Zweifel und dann gibt es noch eine Gruppe, die hinter allem Verschwörungen sieht. Meine persönliche Meinung zum Thema ist eine Mischung aus allem. Dieses Buch hier jedenfalls bietet auch allen Anhängern etwas, auch wenn es deutlich in Richtung Verschwörungstheorie neigt. Der Autor stellt 119 Fragen, zu denen er jeweils 4 Antworten anbietet. Die Fragen sind zum größten Teil so gestellt, dass man sich auch ohne vorheriges Fachwissen eine Antwort geben kann (wobei die Fragen natürlich oftmals schon in eine Richtung laufen, die dann nur noch die Verschwörungstheorie zulassen). Die vier Antworten sind dann auch jeweils einer Theorie zugehörig. Zum einen ist es eine Antwort, die die US-Regierung gegeben hat, zum zweiten ist es eine Antwort, die der gesunde Menschenverstand geben würde und Antwort 3 und 4 stehen dann jeweils für eine Verschwörungstheorie, nämlich einmal diese, dass die US-Regierung hinter der ganzen Sache steckt, bzw. mit den Terroristen Hand in Hand arbeitete und die vierte ist, dass die Terroristen tatsächlich existierten und diese seit dem 11.09.01 die US-Regierung erpressen und in der Hand haben und die fernlenken. Das Interessante ist, dass meist alle vier Theorien (bzw. Antworten) richtig erscheinen, was die Qualität des Buches ausmacht. Das Ganze ist als eine Art Test aufgebaut, einer Art Psychothest, bei dem man anhand der angekreuzten Fragen, die einem am plausibelsten erscheinen, am Ende ablesen kann, welcher Theorie man angehört. Das ist auch der absolute Schwachteil am Buch, nämlich die „Auflösung“, welcher Typ man ist. Das wird absolut oberflächlich abgehandelt und es scheint so, als ob das noch schnell runtergetippt wurde, um dem Buch irgendeinen Abschluss zu geben. Das ist mir etwas zu trivial und nichtssagend. Hier hätte der Autor ruhig etwas mehr Energie reinstecken sollen. Ansonsten ist das Ganze aber sehr schön zu lesen und man erfährt Dinge, die man noch nicht wusste. Insofern nicht nur für Verschwörungstheorien-Fanatiker geeignet. (H.H.)

CHRISTIAN C. WALTHER - 119 Fragen zum 11.9.


Erstveröffentlichung: Buch / Heyne / ISBN 3453878353

Der 11. September 2001 ist ein Datum, dass wohl unauslöschlich in unserer aller Gehirne eingebrannt ist. Doch welche Gedanken damit verbunden sind, ist natürlich bei vielen Menschen unterschiedlich. Die einen glauben die Dinge, die die US-Regierung zum Besten gibt, die anderen haben berechtigte Zweifel und dann gibt es noch eine Gruppe, die hinter allem Verschwörungen sieht. Meine persönliche Meinung zum Thema ist eine Mischung aus allem. Dieses Buch hier jedenfalls bietet auch allen Anhängern etwas, auch wenn es deutlich in Richtung Verschwörungstheorie neigt. Der Autor stellt 119 Fragen, zu denen er jeweils 4 Antworten anbietet. Die Fragen sind zum größten Teil so gestellt, dass man sich auch ohne vorheriges Fachwissen eine Antwort geben kann (wobei die Fragen natürlich oftmals schon in eine Richtung laufen, die dann nur noch die Verschwörungstheorie zulassen). Die vier Antworten sind dann auch jeweils einer Theorie zugehörig. Zum einen ist es eine Antwort, die die US-Regierung gegeben hat, zum zweiten ist es eine Antwort, die der gesunde Menschenverstand geben würde und Antwort 3 und 4 stehen dann jeweils für eine Verschwörungstheorie, nämlich einmal diese, dass die US-Regierung hinter der ganzen Sache steckt, bzw. mit den Terroristen Hand in Hand arbeitete und die vierte ist, dass die Terroristen tatsächlich existierten und diese seit dem 11.09.01 die US-Regierung erpressen und in der Hand haben und die fernlenken. Das Interessante ist, dass meist alle vier Theorien (bzw. Antworten) richtig erscheinen, was die Qualität des Buches ausmacht. Das Ganze ist als eine Art Test aufgebaut, einer Art Psychothest, bei dem man anhand der angekreuzten Fragen, die einem am plausibelsten erscheinen, am Ende ablesen kann, welcher Theorie man angehört. Das ist auch der absolute Schwachteil am Buch, nämlich die „Auflösung“, welcher Typ man ist. Das wird absolut oberflächlich abgehandelt und es scheint so, als ob das noch schnell runtergetippt wurde, um dem Buch irgendeinen Abschluss zu geben. Das ist mir etwas zu trivial und nichtssagend. Hier hätte der Autor ruhig etwas mehr Energie reinstecken sollen. Ansonsten ist das Ganze aber sehr schön zu lesen und man erfährt Dinge, die man noch nicht wusste. Insofern nicht nur für Verschwörungstheorien-Fanatiker geeignet. (H.H.)

JEAN MICHEL JARRE - Solidarność Live


Erstveröffentlichung: DVD + Audio-CD 2006 / Warner Vision

Wenn JEAN MICHEL JARRE auftritt, dann meist an exklusiven Orten, wie zum Beispiel auf dem Roten Platz, in der Verbotenen Stadt in China oder vor dem Taj Mahal. Dieses Mal „nur“ in Polen und zwar auf einer Werft, die einst Geburtsstätte von Solidarność war, der polnischen Arbeitergewerkschaftsbewegung. Diese Werft bildete die Kulisse für ein Konzert des Urvaters der Synthesizer-Popmusik, was äußerst passend ist. Verrostete Kräne und Schiffe, zerfallene Lagerhallen und mittendrin die Bühne umgeben von drei riesigen Leinwänden. Auf der Bühne der Franzose mit seiner Band und dahinter noch ein ganzes Orchester, das Baltic Philharmonic In Gdansk-Orchester und zwischendurch kommt dann auch noch einmal Lech Walesa und winkt mit dem Künstler den 170.000 Leuten vor der Bühne zu. Das Programm, das durch jede Menge Feuerwerk begleitet wird, bietet hauptsächlich neuere Stücke, die alten Klassiker sind kaum vorhanden, tauchen nur hin und wieder mal auf. Alles in allem ein Augenschmaus, genau wie ein Labsal für die Ohren, denn die Musik hat auch heute nichts von ihrer Faszination verloren, auch (oder gerade weil) eine gehörige Portion Retro dabei mitschwingt. Das Konzert wurde mit 20 Kameras in High Definition aufgenommen und der Sound ist natürlich ebenfalls von allererster Güteklasse.

Die deutsche DVD von Warner Music Vision präsentiert das Konzert in der Collector Edition in L-PCM-Stereo und Dolby Digital 5.1 sowie im Bildformat 16:9. Als Extras gibt es noch eine 49-minütige Audio-CD mit einigen Stücken aus dem Konzert sowie auf der DVD ein 13-minütiges Behind The Scenes sowie einen Trailer (0:55 Min.). (H.H.)

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