DE/VISION - Subkutan


Erstveröffentlichung: CD 2006

Subkutan, lateinisch für unter der Haut liegend, heißt es kurz im Lezikon der „Zeit“ und bringt damit auf den Punkt, wie sich die Musik von De/Vision auf einen Begriff bringen lässt. Die Reduzierung auf ein Schlagwort ar stets ein Markenzeichen der Band, die nun bereits seit 17 Jahren schon erfolgreich alle Facetten des synthetischen Pop aufgegriffen und weiterentwickelt haben. Stets auf eine sehr organische, immer gefühlsbetonte Weise entsteht somit ein ureigener Stil, nämlich Elektro – Pop der unter die Haut geht. „Subkutan“ ist nun auch der Titel der neuen Scheibe von Steffen Keth und Thomas Adam. Nachdem De/Vision jahrelang – noch als Trio – erst alle konventionellen Spielarten des elektronischen Pop durchexerziert haben, sollte 1999 das Album „Void“ die Band an die Grenzen des Machbaren und Möglichen führen, experimentierte dabei großzügig mit rockigen Gitarren Arrangements und vertrackt – noisigen Electronics, doch verließ Gründungsmitglied Markus das bis dahin so harmonische Bandgefüge.
Für die beiden übrig Gebliebenen folgte nun die schwierige Phase einer umfassenden Neuorientierung. Mit dem Labelwechsel von WEA zu Drakkar und dem 2001 erschienen Album „Two“, dass sich mit der gewöhnungsbedürftigen Neukonstellation als Duo befasste, versuchten De/Vision sich nicht nur wieder auf ihre Tugenden zu besinnen, sondern auch aus der Erfahrung der gewagten „Void“ Produktion zu lernen.
Aber erst mit den beiden folgenden Alben „Devolution“ 2003 (backagain berichtete) und „6 feet Underground“ (backagain berichtete) stellte sich die offensichtlich nötige Konstanz ein, die De/Vision zu großen Pop Hymnen befähigt. Hier hatten sie mit Arne Schuhman und Joseph Bach auch zwei Produzenten gefunden, die genau die Fähigkeiten der Band herauszukristallisieren verstand.
So sind De/Vision mit „subkutan“ endlich wieder da angekommen, wo sie sich in der postmodernen Ausdrucksvielfalt hinbewegt haben, nämlich immer tiefer hinein in die Gefilde moderner elektronischer Musik, die durchaus offen ist für stilistische Veränderung. In erster Linie entstand dabei emotional tanzbarer Electro Pop.
Schon der Oppener „Subtronic“ macht dabei deutlich, dass sich Thomas und Steffen für das Erreichen ihrer Ziele nicht zwingend konventioneller Kompositionsmethoden bedienen, sondern sehr wohl auch zeitgemäße Einflüße aus dem Dance – Bereich aufgreifen. Der Electro – Clash ist eben auch bei De/Vision angekommen, wird hierbei aber nicht bis zum Exzess durchstilisiert, sondern von dem vorgegebenen Ziel, Ohrwürmer für den gereiften Pop Konsumenten zu produzieren, deutlich untergeordnet. So lebt dieser erste Song vor allem von den zwingenden Beats, die in sphärischen Electro Sequenzen fast instrumental eingespielt erscheinen, als vom Synthesizer hergestellt, bis Steffen mit verzehrter Stimme einsetzt. „The End“ hingegen ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie De/Vision inzwischen mit noisigen, rockig angehauchten Elementen arbeiten.
Wie sehr De/Vision auch als Songwriter gereift sind, demonstriert vor allem „Star crossed lovers“ sehr schön, wo ein balladesk anmutender Anfang erst in einen spannend aufgebauten, dreckig eingehauchten Beat übergeht und dann überhaupt sehr alternativ – rockige Züge annimmt. Auch ""Addict"" merkt man deutlich an, dass die Band das Komponieren zeitloser Pop Hymnen an sich relativ mühelos zu gelingen scheint und sie sich nur noch auf das möglichst interessante Ausstaffieren der Songs in elektronische Gewänder konzentrieren muss. Aber wir wollen auch die Balladen auf diesem Album nicht vergessen, die schon immer zu den markanten Wegpunkten in der Geschichte von De/Vision gezählt haben. So schleicht sich ""No Tomorrow"" mit spacigen Soundscapes und bedacht vorgetragenen Lyrics sehr behutsam in den Gehörgang, während ""In Dir"" zwar leicht grooviger daherkommt, aber mit dem einfühlsam interpretierten deutschen Text - der erst nach gut zehn Jahren an Intensität gewinnt.
So bewegen sich De/Vision auf ""subkutan"" wieder auf breit angelegten musikalischen Pfaden und in vielschichtigen Stimmungen, präsentieren dabei aber immer großartigen Pop fern von Genregrenzen um dabei immer unter die Haut zu gehen.
(Maximilian Nitzschke)



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