FACELIFT - Impossible Somethings


Erstveröffentlichung: CD 2006 / Spectre Records / Universal / 1075177

Mit rauem, schrägem Sound geht es bei „For The Homeless“ los, entwickelt sich dann aber zu Ami-Alternative-Rock der dunkleren Art, allerdings mit eingängigem Refrain. Entfernt kommt einem da der Name Sonic Youth in den Sinn. Nicht gerade der typischste Song dieses zweiten Albums von FACELIFT. Schon ab Track 2 geht es mit der im Info erwähnten Mischung aus „Punk und Pop mit New Wave Feeling und 70s Inspiration“ weiter. Nun ja, etwas mehr New Wave hätte mir persönlich gut gefallen, doch der 70s-Anteil bleibt zum Glück gering. Nichtsdestotrotz hat das Album eine Menge Power und schöne Melodien, vorgetragen von einer guten Sängerin. Schon Alternative-Rock, aber doch ein recht eigener Stil und nicht so, wie tausend andere Bands, die alle gleich klingen. Eine Prise Shoegaze-Pop und Indie-Pop im Stil der „Rough Trade Music For The 90s“-Sampler gibt es auch noch, zum Beispiel bei „In My Dreams“ und „Sometimes I Wish Impossible Somethings“, oder man höre sich einfach nur das wunderschöne „It´s A New Life, A New Beginning“ an. Macht sicher auch live viel Spaß, vor allem bei treibenden Hits wie „Stay Tuned For A Reason“.
Ist vielleicht nicht ganz fair, aber ich muss mal einen kleinen Exkurs unternehmen...
Voller Überraschung entdecke ich, dass es Spectre Records noch gibt. Die haben mal Anfang der 90er als Label mit Gothic- und Dark Wave-Veröffentlichungen angefangen, als Back Again noch ein kleines, fotokopiertes Heft war. Heute gibt es da neben guten Sachen wie eben FACELIFT auch Sampler wie „Ballermann Charts“ oder „Fußballfete 2006“ und Bands wie Opus, Mungo Jerry, viel Schlager und ein obskures Produkt wie „Mexico 2006“ von Die Wilden Buben (die namentliche Ähnlichkeit zu einer „berüchtigten rechtsradikalen Band“ – darf nach einem Gerichtsurteil über die B.O. gesagt werden - und der entsprechende Titel der Scheibe sind aber nur Zufall). Auch den damaligen Gothic Musikverlag gibt es noch, der publiziert heute aber eher Schlagersänger wie Thomas Anders und Wolfgang Petry. Sehr witzig, wenn einem solche alten Bekannten nach über einem Jahrzehnt wieder über den Weg laufen und nun was ganz anderes machen...
Nun ja, FACELIFT können ja nichts dafür, aber es ist schon mysteriös, wie eine doch eher alternative Band auf diesem Label landen konnte.
Ändern tut das nichts daran, dass „Impossible Somethings“ ein gutes Album ist, das aus verschiedenen Musikstilen etwas Eigenes erschafft. Ruhig mal reinhören, und nicht durch die Anmerkungen zum Label verunsichern lassen. (A.P.)



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