CLOSEDUNRUH - Treffer


Erstveröffentlichung: 10 Inch 2005 / Hertz-Schrittmacher / Institut Zur Freundlichen Nutzung Von Kernkrach / Hertz009

Unsere verehrten Kernkrachler sind im Laufe der Zeit immer mutiger geworden, was die Auswahl ihrer Veröffentlichungen angeht. Angefangen bei puren Früh-80er Minimal-Electro-Sounds auf 7“ über die ersten neueren Bands im gleichen Stil , sowie 12“- und LP-Veröffentlichungen bis hin zu ganz unbekannten neueren Projekten, denen man erstmals die Möglichkeit für eine Veröffentlichung gab. Mit CLOSEDUNRUH geht man nun auch stilistisch einen Schritt weiter weg vom puren NDW-/Minimal-Sound zu eher düsteren Electroklängen. CLOSEDUNRUH ist ein Projekt von Thomas „Tier“ Wolff, der mit der Deutsch-Punk-Band Blut Und Eisen Geschichte geschrieben hat. Dieses Nebenprojekt existiert schon seit Anfang der 80er Jahre und hat unzählige Cassetten veröffentlicht. Für die Mini-LP „Treffer“, erstmals bei Kernkrach im liebenswerten 10“-Format, wurden fünf Stücke aus den 90er Jahren (+ eins von 2005) zusammengestellt, die so manchem Minimal-Electro-Stammkäufer von Kernkrach-Veröffentlichungen zunächst etwas verwirrt haben dürften. Die Stücke sind eher dunkel und wavig, aber nicht eingängig-minimal. Man sollte die Platte unbedingt mehrmals anhören, bevor man sie verdammt, denn sonst bekommt man vielleicht gar nicht mit, wie atmosphärisch dicht und spannend die Songs sind.
Nach dem als Intro funktionierenden Stück „Polytour“ kommt „20 Städte 2005“ ziemlich düster-wavig-soundtrackartig aus den Boxen. Am Anfang erinnert die Stimmung ein wenig an das „Drawings Of O.T.“-Album der Einstürzenden Neubauten, bevor es schließlich zu einem sehr kraftvollen Ende kommt. Eher finsteren Electro-Punk, der ein bisschen an die frühen Solosachen von Tommi Stumpff erinnert, gibt es bei „Mehr Blut“ zu hören, sehr gutes Stück.
Stilistisch ähnlich geht es bei „Tödliche Strahlen“ weiter, hier kommen aber auch ein paar Minimal-Einflüsse dazu, bevor bei „Kriminelle Energie“ der Stil zwar nicht grundlegend geändert wird, die Düsternis aber ein bisschen der Tanzbarkeit weicht, was die Platte dann für die „normalen“ Kernkrach-Kunden doch interessant macht. Zum Ausklan gibt es noch eine sechs-sekündige „Information“.
Mir gefällt die Platte nach mehrmaligem Hören sehr gut und ich freue mich, dass auf dem Label auch mal solche Klänge eine Chance bekommen.
Die auf 300 Exemplare limitierte 10“ kommt im normalen Cover, das allerdings passend zum Titel „Treffer“ von Sportschützen „bearbeitet“ wurde, wobei man gleich noch erfährt, wer dafür zuständig war. Ein informatives Beiblatt liegt dann auch noch bei.
(A.P.)

Webadresse der Band: www.kernkrach.de


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