KRYPTERIA - Evolution Principle


Erstveröffentlichung: CD 2006 / Emi

Krypteria können bereits auf zwei Alben in ihrer Discographie verweisen, haben sogar eine Gold Single an der Wand hängen und komponierten jüngst die offizielle Fan Hymne für die südkoreanische Fußball Nationalmannschaft. Dennoch beginnt die Geschichte der Band eigentlich erst jetzt, mitten im Jahr 2006. Wie bitte? - werdet ihr euch fragen, dennoch ist es die volle Wahrheit!

Ich gebe zu, dass klingt alles so kryptisch wie der Bandname, macht bei genauerer Betrachtung aber dennoch Sinn. Beim Debüt handelte es sich nämlich noch um ein Studioprojekt mit Musical - Charakter und vielen verschiedenen Gast - Sängern, aus dem erst kurz vor den Aufnahmen zum Zweitwerk die Band in ihrer heutigen Besetzung gewachsen ist. Zu diesem Zeitpunkt war die Metamorphose aber bei weitem noch nicht abgeschlossen. Da die Band für ""In Media Res"" ins Studio ging, noch bevor sie ihr erstes Konzert gab, geriet die Produktion übermäßig glatt und zu poppig. Erst später auf der Bühne wurde den Musikern so richtig klar, wie hart Krypteria eigentlich rocken. Mit diesem Bewusstsein zogen sie einen Schlussstrich unter die bisherige Discographie, die sie rückblickend eher als Fingerübung bewerten.

Hinter Krypteria verbergen sich die drei langjährigen Weggefährten Chris Siemons (Gitarre), Frank Sturmvoll (Bass) und S.C.Kuschnerus (Schlagzeug). Sie sind tief im Rock und Metal verwurzelt, stehen selber auf Bands wie KISS, Judas Priest oder Queensryche und hatten bereits in den späten Achtzigern eine gemeinsame Rock - Gruppe. Chris spielte außerdem mit dem späteren Masterplan Drummer Uli Kusch in dessen erster Band Violent Kiss und komponierte die Titelmusik zur Hard 'n' Heavy TV Sendung ""Mosh"", die von Sabina Classen und Götz Kühnemund moderiert wurde. In den Neunzigern schlug Kuschi eine Karriere als Studio Sänger und Musical Bösewicht ein, wogegen Chris und Frank jeweils ein eigenes Studio und eine höchst erfolgreiche Produzenten Karriere aufgebaut haben. Über die Jahre hinweg hielten sie stets Kontakt und arbeiteten bei verschiedenen Produktionen immer wieder miteinander - so auch bei dem ursprünglichen Projekt Krypteria. Das wurde erst zu einer richtigen Band, als die Drei die bezaubernde Sängerin Ji-In (sprich Dschien) kennen lernten, die nicht nur hinreißend aussieht, sondern auch unglaublich talentiert ist. Die zierliche Frontfrau koreanischer Abstammung studierte in Köln Klavier sowie Gesang und ist in beidem eine Klasse für sich. Neben ihren musikalischen Qualitäten sorgt sie auch durch ihre Herkunft für viel Aufmerksamkeit im asiatischen Raum. So verkauft die Band in Vietnam mittlerweile 7.000er Hallen aus und stürmte diesen Februar in Südkorea an die Spitze der internationalen Rockcharts. Die TV und Radio-Showcases von Krypteria erreichten dort rund 50.000.000 (!!!) Menschen. Zudem wurde auch die Fanorganisation der Fußball Nationalmannschaft, die ""Red Devils"", auf die Band aufmerksam und beauftragte sie, die offizielle Fan - Hymne für ihre Elf zu schreiben, die während der WM von allen Südkoreanern leidenschaftlich mitgesungen wurde.

Der Sound von Krypteria ist nicht nur ausgesprochen athmosphärisch, sondern auch ungemein vielseitig. Auf kraftvoll rockender und metallisch riffender Basis zelebriert der Ausnahme Act eine stilistische Gratwanderung, die Elemente aus Musical und Klassik genauso selbstverständlich mit einschließt wie gregorianische Gesänge und gotisches Flair. ""Wir können genau so gut auf dem Wave Gotik Treffen wie in Wacken spielen,"" konstatiert Chris, und ich würde nichts gegenteiliges behaupten wollen. ""Ich kann mich bei Krypteria optimal verwirklichen, denn einerseits bietet die Musik durchaus klassischen Anspruch, andererseits kann ich mein Temperament in vollen Zügen ausleben"", freut sich die Frontsängerin Ji-In. Der Bombast der Band verkommt nicht zum Selbstzweck und das Pathos nicht zum Kitsch - vielmehr verstärken sie noch die Durchschlagskraft der hymnischen Kompositionen. Die große Detailverliebtheit mit raffinierten Keyboardakzenten und künstlerisch ausgearbeiteten Arrangments verdanken die Songs einem Satz von Chris Musikdirektor, der ihn während seines Gitarren - Studiums lehrte: ""Man muss jeden einzelnen Ton ernst nehmen"". Genau das macht das Quartett!! (Maximilian Nitzschke)



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