ELTON JOHN - The Captain and the Kid


Erstveröffentlichung: CD 2006 / Universal

Es dürfte sich ja doch herumgesprochen haben unter den Fans des englischen Songwriters Elton John, dass Elton Johns brandneues Album „The Captain and the Kid“ eine Art Fortsetzung darstellt von „Captain Fantastic and the Dirt Brown Cowboy“ aus dem Jahre 1975. Das neue Album thematisiert, mal mehr mal weniger deutlich, die Geschichte der Zusammenarbeit zwischen dem Londoner Elton und dem US – Kalifornier Bernie Taupin.
Der eine, der früher mit jedem noch so exzentrischen Kostüm die Bühne eroberte, lebt heute mit seinem Lebensgefährten in der Nähe von London und hat seinen Kleidungsstil doch zu etwas seriöser gewechselt, der andere lebt auf einer Farm in Kalifornien. Zwei Welten und Geschichten, die wohl unterschiedlicher nicht sein könnten, deren Protagonisten sich aber nun über so viele Jahre kennen und kreativ bereichert haben, was man auch dem neuen Album musikalisch anhört. Die Lyrics des Albums bringen den Hörer einmal in die Staaten um mit dem nächsten Song doch wieder in England zu sein. „Wouldn’t have it any other Way (NYC.)“ etwa beschreibt die Magie und Faszination New Yorks, die Elton ja über viele Jahre hinweg musikalisch zu beschreiben versucht hat, ich erinnere hier nur an „You’re so static“ vom Album „Caribou“, oder die Live CD „One Night Only“ aus dem Madison Square Garden. „Across the River Thames“ aber thematisiert dann wieder ganz klar London, wobei dieser Song leider gar nicht zu hören ist auf der CD, sondern lediglich im Booklet abgedruckt ist.

Musikalisch knüpft Elton mit reichlich Pianoeinsätzen und einfachen Songstrukturen ganz klar an die alten Zeiten an, andererseits aber auch an „Songs from the West Coast“ aus dem Jahre 2001. Dort hatte der Brite bereits seinen Sound deutlich abgespeckt, hatte die bis dahin reichlich verwendeten Streicher durch Bläser ersetzt, und den Synthie komplett weg gelassen.
Elton nimmt wiederum auch einige urtypische amerikanische Elemente in seinen Sound mit auf, besonders die flotteren Songs – wie etwa „I must have lost it on the Wind“ – wird sogar von einer Mundharmonika eröffnet. Aus diesen verschiedenen Stilmitteln ergibt sich ein Abwechslungsreichtum, der bei Eltons Alben nicht immer selbstverständlich ist.

Die meisten Titel dieses wirklich gelungenen Albums für mich, sind Balladen. Diese mögen nicht jedermanns Sache sein, keine Frage, aber eines muss man Elton hier immer zu Gute halten: er weiß genau auf dem schmalen Grat zu balancieren zwischen Kitsch und süßlicher Melancholie auf der einen und verträumter Romantik andererseits.
Beispielhaft hier sei die Ballade „The Bridge“ genannt, die der Sänger als Sinnbild eines Lebens beschreibt, das manchem zu lang und zu beschwerlich erscheint. Zu viele habe er springen sehen, von denen keiner mehr gerettet wurde. Nur der typische Elton Dreiklang ist hinter diese einfachen poetischen Bilder gesetzt, und ich sage, dass selten ein solch großer Effekt mit so einfachen Mitteln erreicht wurde. Insgesamt ein Album das verspricht zu einem Klassiker zu werden für mich! (Maximilian Nitzschke)



[ ZURUECK ]