CHIRLEISON - A Whisper


Erstveröffentlichung: CD 2004 / The Fossil Dungeon / Dark Vinyl

CHIRLEISON are an „emotional Neo Folk band“ (as the info-sheet says) from the Island of Sardinia/Italy. They found their musical home for the first CD-release on The Fossil Dungeon-label in the US of A and, believe me, this was the right decision. Again our friends in America prove their feeling for great, touching music.

CHIRLEISON play some kind of acoustic Neo Folk-music with a lot of medieval influences and even some East European moments, like in the titel track „A Whisper“. One of my favourite tracks on this album is „Rosary“, a very melancholic song, that reminds me on some 4 AD-releases from the mid 80s. I am sure,this track (and some others, too) will touch many open-minded fans of Dead Can Dance. On the other side, CHIRLEISON have also very ambient tracks like „Strings“ with a lot of natural sounds and (surpise surprise!) string arrangements. A great mixture with wonderful female vocals and, as always on The Fossil Dungeon, great cover artwork.

If you are into a combination of 80s-4AD-sound, Ataraxia, Heavenly Voices and medieval Neo Folk-music, CHRILEISON will satisfy you for sure. Simply beautiful. (A.P.)

THE SELDON PLAN - Making Circles


Erstveröffentlichung: CD 2006 / OTPRecords / OTP3610

THE SELDON PLAN aus der Nähe von Baltimore/USA sind noch ziemlich unbekannt, obwohl sie schon seit 2002 existieren und mit „Making Circles“ bereits ihre dritte Veröffentlichung vorlegen. Nun, in unserer Zeit wollen die meisten Leute wahrscheinlich immer mehr spektakuläre Bands und Musik und das bieten THE SELDON PLAN nun wirklich nicht. Stattdessen gibt es richtig gute, meist entspannte und sehr melodiöse Gitarrenmusik zu hören, die im Info wenig aussagekräftig als Post-Rock-Pop bezeichnet wird. Ums mal genauer auf den Punkt zu bringen: THE SELDON PLAN haben aus allen möglichen Stilen der vergangenen 25 Jahre Elemente herausgezogen und damit ihren eigenen Stil gefunden. Gitarren-Pop, Brit-Pop, Shoegaze-Pop, Gitarren Wave und und und. Man könnte es Alternative-Pop nennen. Das ist nicht neu und eigentlich wenig aufregend, doch mir gefällt es sehr gut, weil die Gitarren immer wieder an alte Helden erinnern und die Grundstimmung leicht melancholisch, aber nie negativ ist. Hätte Ende der 80er/Anfang der 90er gut auf die „Rough Trade – Music For The 90s“-Sampler gepasst.
Musik zum immer hören, ohne einzelne Hits, die hervorstechen würden, aber auch ohne Ausfälle. Schöne CD, wirklich! (A.P.)

Webadresse der Band: www.theseldonplan.com

DISRUPTIVE MINDS - Whatever


Erstveröffentlichung: CD-EP 2006 / Eigenveröffentlichung / DM001666

5 junge, sympathisch aussehende Herren aus Hamm/Deutschland machen Musik und nennen ihre Musik selbst „Punge-Rock“, was unschwer als Kombination aus Punk-Rock und Grunge zu erkennen ist. Ihre erste CD-EP hat die Band hauptsächlich zu Promozwecken veröffentlicht und enthält sechs kraftvolle Songs. Die Eckpunkte Punk und Grunge halten sich in etwa die Waage, wobei mir die punkigen Stücke besser gefallen. Einige normale Rock-Gitarrensoli, beispielsweise in „The Same“, hätten aber nicht unbedingt sein müssen, doch vielleicht wollte man einfach nur beweisen, dass man die Instrumente beherrscht. Zumindest zeigt ein Song wie „Seperation“, dass die DISRUPTIVE MINDS auch die ruhigeren, balladesken Töne beherrschen. Die Abmischung ist zum Glück nicht zu glatt geworden, sondern lässt den Songs einige Ecken und Kanten. Gleich der Opener „Spare Parts Storage“ dürfte vor allem auf den Konzerten ein Abräumer sein, wobei diese Musik natürlich sowieso in erster Linie in kleine, verqualmte Clubs gehört. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass die Band da so gut ist, dass sich die CD anschließend immer gut verkauft. Eine ziemlich sympathische Veröffentlichung und vielleicht wird „Punge-Rock“ ja mal ein großes Ding. Mit ziemlich gut anhörbarem Punk-ROCK haben es ja auch Green Day wieder zu höchsten Chartsehren gebracht. (A.P.)

Webadresse der Band: www.disruptiveminds.com

JANKA - In Die Arme Von


Erstveröffentlichung: CD 2006 / Decoderrecords / Al!ve / DR 600275

Eine zunächst einmal unscheinbare CD, sowohl, was die Optik (die mich vielleicht auch einfach nicht anspricht, aber das ist reine Geschmackssache), als auch den Bandnamen angeht, deshalb ist sie erstmal eine ganze Weile ungehört bei mir liegen geblieben. Ein Fehler, wie sich herausgestellt hat. Janka sind aus Hamburg und haben bereits 2004 eine EP veröffentlicht, aber erst jetzt ihr erstes Album. Musikalische Erfahrung konnten die Bandmitglieder aber schon vorher sammeln. Berührungspunkte zu Kettcar und Tomte, sicher zwei der wirklich wichtigen neueren deutschen Bands, gab es auch schon und damit habe ich genug aus dem Waschzettel abgeschrieben.
Ich will hier nicht einen Pseudomusikstil, der nach den Lehreinrichtungen einer norddeutschen Großstadt benannt ist, anbringen, stattdessen nenne ich es einfach mal deutschsprachigen Gitarrenpop, sehr eingängig, aber nicht an den Massengeschmack angebiedert. Musikalische Verwandtschaft zu den bereits genannten Hamburger Größen gibt es durchaus, wobei JANKA aber nicht deren geniale Tiefe erreichen und insgesamt leichter konsumierbar sind. Das bedeutet aber nicht, dass die Texte von JANKA nicht gut wären, im Gegenteil, sie sind absolut hörenswert, treffen bei mir aber eben nicht so ins Schwarze, wie bei den anderen Gruppen. Die Melodien sind einerseits absolut eingängig, andererseits aber auch immer ein bisschen melancholisch, ohne negativ zu sein. Lediglich die Stimme des Sängers ist nicht immer mein Fall, sollte man aber auf jeden Fall öfter hören.
Einzelne Songs mag ich gar nicht hervorheben, „In Die Arme Von“ lässt sich einfach gut am Stück durchhören, Musik zum Immerhören, auch noch in ein paar Jahren, wenn alle heutigen Eintagsfliegen längst vergessen sind. Das einzige, was vielleicht für den größeren Durchbruch fehlt, ist ein Hit, der auch im Tagesprogramm der Radiosender läuft, aber wer weiß, der kommt vielleicht noch, würde mich nicht wundern. (A.P.)

Webadresse der Band: www.janka-music.de

KERNKRACH FESTIVAL 2006 - Bielefeld, Falkendom 28.10.2006


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2006

3. KERNKRACH FESTIVAL – 28.10.2006 – Bielefeld, Falkendom
RASPUTEEN - ROD DROID – CHARLES LINDBERG n.e.V. – HUMAN PUPPETS

2004 war großartig, 2005 musste ich aus familiären Gründen ausfallen lassen, aber 2006 wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Diesmal zog die Kernkrach Crew für ihr drittes Festival von Warendorf nach Bielefeld in den Falkendom, der sich als ziemlich passende Location herausgestellt hat. Angenehme Größe, gute Räumlichkeiten, nettes Team, es passte alles.
Und da Kernkrach die Band CHARLES LINDBERGH n.e.V. überzeugen konnte, nach weit über 20 Jahren erstmals wieder gemeinsam eine Bühne zu betreten, fingen die Planungen bei uns frühzeitig mit Proben der Musik und der Showelemente an. Weiterhin auftreten sollten der sympathische Franzose ROD DROID, die griechischen Electro-Waver HUMAN PUPPETS und ein mysteriöses Projekt namens RASPUTEEN aus Bielefeld, von denen man bisher nur einen Samplerbeitrag und einige wenige Auftritte verzeichnen konnte.
Da die beiden Enddreißiger-Herren Carol und Haiko von CHARLES LINDBERGH n.e.V. nach so langer Zeit zu schüchtern und nervös waren, um alleine auf der Bühne zu stehen, fragte man gleich noch bei der befreundeten Suntje an, ob sie nicht auch singen könnte und mitmachen wolle. Sie wollte. Und da die Dame auch praktischerweise professionelle Schauspielerin ist, wurde gleich noch der ebenfalls befreundete Filmemacher Daniel dazu geholt, um den ganzen Tag optisch festzuhalten. So machte sich unsere fünfköpfige Schar am Samstagmorgen gutgelaunt auf den Weg nach Bielefeld, wo wir pünktlich um 14.37 Uhr eintrafen. Die Kernkrachler, Minimal-Elektronik-Martin und die Musiker von HUMAN PUPPETS und ROD DROID waren bereits da. Man machte sich bekannt, besichtigte die Räumlichkeiten und begann...zu warten. Wie es bei solchen Gelegenheiten üblich ist, verzögerte sich der Soundcheck aufgrund technischer Schwierigkeiten erheblich und manche Leute wurden bereits am späten Nachmittag sehr nervös.

Letztlich hat aber doch alles irgendwie geklappt und fast pünktlich um 19.45 Uhr betrat Kernkrach-Heinz mit einer Mini-Performance die Bühne, um das Publikum, das immer noch eintrudelte, auf einen unterhaltsamen Abend einzustimmen. Kernkrach-Jörg hielt dann in stilechtem Abendoutfit mit Zylinder die Eröffnungsrede und es ging los mit RASPUTEEN. Sieben bunt verkleidete Damen und Herren zelebrierten eine Show, die erinnerungswürdig bleiben wird. Von Liedern über Leberwurstbrote bis hin zu martialischen halbnackten Trommlern wurde so einiges geboten, man stelle sich vor, Der Plan, Nitzer Ebb und Laibach würden eine gemeinsame Platte machen. Das war zwar alles eher brachial als minimal-elektronisch, aber kam beim Publikum gut an. Im inzwischen gut gefüllten Laden herrschte von Beginn an gute Stimmung und man traf viele alte und neue Freunde und lernte neue Leute kennen.
Nach diesem guten Start gab in der Umbaupause der freundliche Punk ALDI eine kurze Performance zum Besten, bei der er unbekleidet mit großem Gemächt hinter einem Duschvorhang und mit Wasserrauschen zwei Lieder sang, was für gute Stimmung sorgte, die sich gleich auf den folgenden Auftritt von ROD DROID übertrug. Der zuvor noch ruhig erscheinende junge Franzose verwandelte sich auf der Bühne in eine echte One-Man-Show-Maschine, die er mit einer gewaltigen Mischung aus Minimal-Electro, Industrial und Techno untermalte, die beinahe die geschlossenen Türen aus den Rahmen gehauen hätte.
Überraschenderweise war die Veranstaltung immer noch recht gut im Zeitplan und so blieb in der folgenden Umbaupause genug Zeit für eine weitere Performance der Kernkrach-Aerobic-AG, die gemeinsam mit dem Publikum, natürlich im passenden Outfit, einige Lockerungsübungen durchführte.

So war das Publikum gut vorbereitet für die Aufführung von CHARLES LINDBERGH n.e.V., die mit einem spacigen Beginn die Spannung steigerte. Mit minimaler Beleuchtung, zwei schwarz gekleideten Herren und Suntje als bezaubernde Ansagerin (und später auch Mitsängerin) wurde schon ab dem zweiten Stück „Jetzt...“ ordentlich Stimmung gemacht und die Menge, wohl inzwischen knapp 200 Leute, begann sofort zu tanzen, nicht nur einige wenige direkt vor der Bühne, sondern bis in die hintersten Reihen war Bewegung auszumachen. Hits wie „Body Building“, „Nix Los“, „Plastic Punx“ und „Synthie Duett“ kamen natürlich gut an, wobei eher unbekannte Stücke wie „Close Brain“ und „Zuviel Blut“ ebenfalls gute Stimmung erzeugten.
Bei den letzten vier Stücken gesellte sich dann Suntje als Sängerin in die Bühnenmitte. Mit „Auf In Den Kampf“ steigerte sich die Stimmung noch mehr und auch „Titania“ kam mehr als gut an. Zum Schluss, als Quasi-Zugaben, kamen dann noch zwei Coverversionen, zum einen, extra für das Festival einstudiert, „In Die Falsche Welt Geboren“ von Joachim Witt, das überraschenderweise viele Leute kannten und mitsangen, und natürlich das unvermeidliche Blümchen Blau-Cover „Weihnachtsmann“. Die Stimmung kochte und weil man ja aufhören soll, wenn es am schönsten ist, verließen CHARLES LINDBERGH n.e.V. nach gut 45 Minuten die Bühne. Erschöpft und euphorisch über den technisch praktisch problemlosen Auftritt fiel man sich backstage in die Arme.

Derweil wurden von der Bühne aus von einem „Fußballteam“ Bälle ins Publikum geschossen, die von allen beteiligten Musikern unterschrieben waren.
Als mit Spannung erwarteter Hauptact durften dann mit inzwischen doch etwas Verspätung, die griechischen HUMAN PUPPETS auf die Bühne, deren Auftritt beim Kernkrach-Festival 2005 unter einigen technischen Problemen litt. Nun überzeugten sie aber mit sehr gutem Electro-Wave und brachten das Publikum noch einmal auf Touren.
Gegen 2.00 Uhr in der Nacht, als auf der After-Show-Party noch heftig getanzt wurde, packten wir das Equipment in den Wagen, machten eine Verabschiedungsrunde und starteten zur nächtlichen, zweieinhalbstündigen Fahrt im Dauerregen und Nebel nach Hamburg. Langsam wich die Euphorie der Müdigkeit, aber alle waren sich einig, dass man gerade einen großartigen Tag hinter sich gebracht hatte, an dem einfach alles stimmte. Soweit wir es mitbekommen haben, war bei Festival niemand enttäuscht, nicht die Bands, nicht das Publikum und auch nicht die Veranstalter, was gute Chancen auf ein viertes Festival im Herbst 2007 eröffnet. Wir sind mit Sicherheit wieder dabei! (A.P.)

Webadresse der Band: www.kernkrach.de

GRAFZAHL - Kolepke zahlt


Erstveröffentlichung: CD 2006 / Tumbleweed / Broken Silence

Beim ersten Hören fand ich die CD ganz nett. Beim zweiten Hören habe ich Alexander geschrieben, dass er was verpasst hat, dass er die CD nicht besprechen wollte. Beim dritten Mal hören fand ich das Ganze richtig gut, inzwischen habe ich die CD in „heavy rotation“ laufen. Doch von vorne: GRAFZAHL kommt aus Siegen und ist seit 1993 musikalisch aktiv. Man tingelt durch die Gegend, hat jede Menge 7“-Vinyl-Platten (und auch andere Vinyl-Formate) unters Volk gebracht und 2004 eine CD. Nun ist es offenbar schon Zeit für eine Compilation, denn das 13-jährige Bestehen der Band ist es wert, ein Fazit zu ziehen. So gibt es auf dieser CD jede Menge Beiträge von den Vinylplatten, einige Samplerbeiträge und vieles mehr. Dazu gibt es noch drei brandneue Songs, die im übrigen zusammen mit der Single „Einkaufen mit Getränken“ zu den überragendsten Songs des ganzen Tonträgers zählen. Gerade letztgenanntes Stück ist bei mir zurzeit das absolute Lieblingslied. Gestern kam ich 45 Minuten zu spät ins Bett, da ich das Lied immer in Wiederholung laufen ließ und nicht abschalten konnte. Musikalisch kann man die Band als Mischung aus Hamburger Schule, Tomte, Kettcar, Boxhamsters und EA80 bezeichnen, die älteren Sachen sind punkiger, die neueren mehr Indierock/-pop. Alexander jedenfalls, der inzwischen auch ein paar Songs gehört hat, ärgert sich jedenfalls, dass er nicht zugegriffen hat, um die CD zu besprechen. Nun denn, das ist halt Schicksal. Ich habe jetzt allerdings keine Zeit mehr weiter zu schreiben, ich muss jetzt wieder „Einkaufen mit Getränken“ hören. (H.H.)

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JESSE LARNER - Die Akte Michael Moore - Eine politische Biographie


Erstveröffentlichung: Buch 2006 / Schwarzkopf & Schwarzkopf / ISBN 3896026879

Michael Moore ist besonders in Deutschland recht beliebt und seine Bücher waren allesamt Bestseller, die in den Top 10 waren. Auch seine Filme sind recht beliebt. Er hat aber auch jede Menge Kritiker und einer von ihnen ist JESSER LARNER. In seiner „politischen Biographie“ erzählt er uns von dem jungen Michael Moore, seinen verschiedenen Zeitschriften, die er herausgebracht hat, wie er am laufenden Band durch seine Art überall aneckt und auch einen Job als Redaktionsleiter vermasselt. Mit der Abfindung produzierte er dann „ROGER & ME“ und begann damit seine Karriere als Dokumentarfilmer. Danach entfernt sich LARNER ein wenig von Moore und erzählt ein wenig von den US-Medien, die rechtslastig sind, weil sie von Rechts unter Druck gesetzt werden. Am Ende geht es dann noch einmal ausführlich um den titelgebenden Herren.

JESSE LARNER hat natürlich in vielen Dingen recht. Sein größter Vorwurf ist, dass Michael Moore schlampig arbeitet und sein Publikum mit seinen Filmen manipuliert und den Leuten seine Meinung aufzwingen will. Dabei ist LARNER kein Republikaner, man liest aus vielen Sätzen heraus, dass er ihr Handeln absolut nicht akzeptiert. Auf der anderen Seiten ist er aber auch der Meinung, dass Moore kein Sprachrohr der Demokraten ist, im Gegenteil, ihnen sogar schadet. Damit liegt er sicherlich richtig. Ein wenig US-amerikanisch-arrogant ist allerdings seine Meinung über Europäer. Er glaubt, dass insbesondere die Deutschen Moore deshalb lieben, weil er gegen Bush ist und die Filme ohne zu hinterfragen für bare Münze nehmen. Was LARNER immer wieder etwas vergisst, ist die Tatsache, dass Moores Filme auch Unterhaltung sind. Und dass sie gnadenlos subjetiv sind, scheinen schlichte US-Gemüter vielleicht nicht zu bemerken, in Europa, aus sicherer Entfernung, dürfte es aber sicherlich allen klar sein, dass Moore sich die Sachen so zurechtschneidet, dass es passt. Was ja auch Gang und Gäbe ihm Filmgeschäft ist. LARNER meint, dann dürfe man so etwas nicht Dokumentarfilm nennen, aber jede politische Dokumentation hat eine subjektive Tendenz. Man kann gar keine politischen Dokus drehen und dabei objektiv bleiben. Neu an der ganzen Sache ist allerdings, wie schlampig und dreist sich Moore die Tatsachen zurechtbiegt und Bilder und Aussagen zu seinen Zwecken einsetzt. Und vor allem wie er seine eigenen Aussagen so variiert, um den jeweiligen Gegebenheiten anpasst. LARNER jedenfalls lässt Moore zwar als Mann mit Weitblick und guten Absichten dastehen, aber im Endeffekt als zu arrogant und manipulativ, um ihn ernst zu nehmen.

Das Fazit zu diesem Buch ist, dass man zum einen viel lernt über die Medien in den USA, auch viel wissenswertes über Moore, die Republikaner und Demokraten, über gleich gesinnte Polemiker und solche, die es für die rechte Seite tun. Auf der anderen Seite aber muss man dieses Buch genauso kritisch und hinterfragend durchlesen, wie man Moores Filme anschauen sollte. Aber ich denke, dass machen Europäer viel eher als US-Amerikaner. Und in dieser Hinsicht bin ich herzlich arrogant. (H.H.)

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LEANN RIMES - The Complete DVD Collection


Erstveröffentlichung: DVD 2006 / Warner Vision

LEANN RIMES ist eine US-Sängerin, die zwar Popmusik macht, aber immer eine große Portion Countryfeeling mit hinein bringt. In den US dürfte die Dame weitaus bekannter sein, als hier in Deutschland, obwohl sie auch hier einige Hits hatte, wie zum Beispiel ""How Do I Live"", ""You Light Up My Light"", ""Life Goes on"" oder auch ""Can´t Fight The Moonlight"". Letzterer hat ja den Tanzfilm ""COYOTE UGLY"" ordentlich nach vorn gebracht. Das war denn auch gleichzeitig ihr größter Hit - in 11. Ländern auf Nummer 1. Mit ""The Complete DVD Collection"" kommen die gesammelten Videos auf den Markt, was, wenn man Pedant ist, ja nicht ganz stimmt, denn ausgerechnet ""Can´t Find The Moonlight"" ist ""nur"" in einer Neuversion zu finden, in der alles aus dem Film herausgeschnitten wurde. Das hat wahrscheinlich irgendwelche rechtlichen Gründe. Darüber hinaus aber gibt es 19 Videos zwischen Minigeschichte oder einfach nur Musikdarbietungsfilmchen zu sehen. Dabei kann man sehen, wie die Dame im Laufe der Jahren musikalisch gereift ist, wobei die Countryeinflüsse im Laufe der Zeit immer mehr werden.
Die deutsche DVD von Warner Music Vision präsentiert die Videos n L-PCM Stereo sowie im Bildformat 4:3. Als Extras gibt es eine Bildergalerie, ein Making Of (3:57 Min.) sowie ein Interview mit Infos zu ausgewählten Songs (7:35 Min.). Die Extras kann man mit deutschen, englischen, französischen, italienischen, spanischen oder portugiesischen Untertiteln anschauen. (H.H.)

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BARBRA STREISAND - One Voice


Erstveröffentlichung: DVD 2006 / Warner Music

Barbra Streisand, eine US-amerikanische Diva, die unzählige Male mit Preisen überschüttet wurde und auch als Schauspielerin zu Berühmtheit gelangte. 14 Jahre stand sie nicht auf der Bühne, als sie 1986 ein exklusives Publikum zu sich in ihren Garten in Malibu lud und hier ihre eigenen Lieblingslieder zum Besten bot. Eine Karte kostete 5.000 Dollar und das Geld ging an verschiedene gemeinnützige Vereine sowie der demokratischen Partei. HBO zeichnete das Konzert auf und übertrug es dann im Fernsehen, womit noch einmal 7 Millionen Dollar gesammelt werden konnten. Die Streisand sang Songs wie „Over The Rainbow“, „Somewhere“ sowie „Guilty“. Letzteren Song zusammen mit Barry Gibb, der den Song für sie im Jahre 1980 schrieb. Im Angesicht von nur 500 Gästen, die einem zum Teil sogar bekannt sind (z.B. Jack Nicholson, Bette Midler, Whitney Houson und viele mehr) und in Anbetracht dessen, dass sie in ihrem eigenen Garten singt sowie ihrer lauschigen Ansagen, kommt eine heimelige Atmosphäre auf, tatsächlich so, als würde die Streisand im eigenen Garten spielen.

Die deutsche DVD von Warner Music Vision präsentiert das Konzert in Dolby Digital 5.1 und L-PCM Stereo sowie im Bildformat 4:3. Untertitel sind in Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch und Portugiesisch verfügbar. Als Exras gibt es ein paar Einführungsworte von Frau Streisand persönlich. (H.H.)

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EISHERZ - Kalte Zeiten


Erstveröffentlichung: CD 2006 / Eigenveröffentlichung

Von EISHERZ habe ich noch nie gehört. Klingt vom Namen her erstmal nach einem Rammstein-Verschnitt, doch das täuscht.
Mein Forscherdrang erwachte aufgrund des gesamten Artworks und wie es der Zufall so wollte, entdeckte ich eine Kontaktadresse aus Mönchengladbach, dazu der Vorname eines der Musiker und die Optik des Covers...ich nehme mal stark an, dass hier zumindest ein Herr einer nicht ganz unbekannten Band aus der Stadt am Werke ist. Nein, ich meine nicht EA80. Bin ich der erste, der diese Verbindung zieht?
Zu hören gibt es aber keinesfalls düster-punkige Klänge, sondern düster-elektronische Musik, die sich aber ziemlich positiv von den sonst in der Gruftieszene angesagten Sounds abhebt. Zwischen Dark-EBM, Industrial, Electro-/Dark-Wave und durchaus auch tanzbaren Klängen wird eine ziemliche Spannung aufgebaut, die sich aber den üblichen Klischees entzieht. Hätten The Eternal Afflict konsequent den Weg ihres ersten Albums weiter beschritten, könnten sie heute in etwa so klingen wie EISHERZ. Ich kann mir vorstellen, dass „Kalte Zeiten“ in der schwarzen Szene gut einschlagen könnte. Wäre das Album Anfang der 90er erschienen, wäre es heute mit Sicherheit ein absoluter Klassiker.
Klingt auch ziemlich ernsthaft, und wenn da wirklich der dahinter steckt, den ich annehme, scheint es sich jedenfalls nicht um einen der typischen Scherze zu handeln. Wer auf düster-kalten Electrosound steht, sollte hier unbedingt mal reinhören, denn besser als das meiste an aktueller Musik aus den schwarzen Clubs ist dies hier bei weitem! Songs wie „Der Weg Zurück“ dürften auf den einschlägigen Partys mit Sicherheit für volle Tanzflächen sorgen. Dazu trägt auch die einwandfreie, kraftvolle Produktion bei, ebenso der Verzicht auf allzu verzerrten/verfremdeten Gesang und schließlich auch das wirklich tolle Artwork, das so manche „professionelle“ Veröffentlichung locker in den Schatten stellt. Ich jedenfalls habe ziemlich lange kein so gutes Album dieses Stils gehört, im Gegenteil bei mir fliegt derzeit einiges aus der CD-Sammlung raus. EISHERZ bleibt aber garantiert drin. (A.P.)

Webadresse der Band: www.eisherz.de

APRON - The Broken Child EP


Erstveröffentlichung: CD-EP 2006 / Fragmento / Radar

Eine Band aus Deutschland, besser gesagt aus Bayern, deren Name wenig über ihre Musik verrät, genau wie das Cover-Artwork. Da die CD von der Agentur Finest Noise geschickt wurde, war auf jeden Fall Gitarrenmusik zu erwarten, am ehesten in Richtung Alternative-Rock. Ganz falsch liegt man damit nicht. Im Waschzettel steht der Begriff „Crosscore-Ungetüm“ und wer wäre ich, das zu bestreiten? Also, extrem kraftvolle Gitarrenmusik gibt es zu hören, schon Alternative-Rock, aber wie schon gesagt, gecrossovert mit Hardcore und einer ordentlichen Portion Metal. Vor allem letzteres, besonders der Gesangsstil, ist es, was mir nicht so gefällt. Wenn ein Sänger im Info „Shouter“ genannt wird, ist das meistens einfach nicht mein Ding.
Wer aber auf diese Art Crossover-Sound steht, sollte mal reinhören, denn er bekommt von den fünf Songs extreme Power geboten und durchaus auch an sich gute, vielseitige Songs, die nur einfach nicht meinen Geschmack treffen. (A.P.)

Webadresse der Band: www.apronline.de


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