CHRIS & COSEY - Exotika

Wiederveröffentlichung: CD 1987 / Play It Again Sam
Erstveröffentlichung: LP 1987 / Play It Again Sam

CHRIS AND COSEY sind nun auch schon über ein Vierteljahrhundert in der Musikszene aktiv, wobei man sie heute wohl hauptsächlich durch ihre Mitarbeit an der wegweisenden Band Throbbing Gristle kennt. Nach der Trennung von TG machten sie als Duo weiter und entfernten sich schnell von den industriellen Klängen hin zu elektronischer Musik jenseits aller Stilbezeichnungen. Mit „Exotika“ haben sie 1987 meiner Meinung nach eines ihrer Meisterwerke vorgelegt, das ich (einmal mehr) durch Sandra S. kennen lernen durfte. Auf „Exotika“ verbinden sich alle möglichen elektronischen Musikstile zu etwas ganz Besonderem, das durch COSEY´s einschmeichelnde Stimme unvergleichlich wird. Kraftwerk-artige Sounds, viel Sampling, laszive Barstimmung, EBM-angelehnte , tanzbare Rhythmen und eine gehörige Portion Synthiepop vermischen sich und heraus kommt „Exotika“ mit wunderbaren Hits wie „Arcade“, „Exotika“, „Beatbeatbeat“ und dem unglaublich düsteren „Dr. John (Sleeping Stephen)“, das alleine schon den Kauf dieser Platte rechtfertigt. Ende der 80er Jahre waren CHRIS AND COSEY sehr präsent und dementsprechend auch recht erfolgreich und bekannt. Heute sind sie etwas von der Bildfläche verschwunden, bleiben aber weiterhin aktiv, nur die nachgewachsene Grufti-Generation dürfte eher wenig von ihnen kennen. Mancher wundert sich vielleicht in der Stammdisco, wenn ein mutiger DJ mal „Arcade“ oder „Exotika“ spielt, was das denn für eine coole „neue“ Band sein könnte. Unter Electro-Fans genießen CHRIS AND COSEY jedoch immer noch einen mehr als guten Ruf. Für mich wird diese Platte immer eine DER Electroscheiben überhaupt bleiben. Die CD enthält gegenüber der LP übrigens einen Bonustrack. (A.P.)

Webadresse der Band: www.chrisandcosey.com

I C K - La Parade Des Sans Illusion


Erstveröffentlichung: 7 Inch EP 2006 / Petit Enfant / Enfant Terrible / Petit Enfant 001

Nun hat auch Martijn zu seinem Enfant Terrible-Label ein Unterlabel gegründet, genannt Petit Enfant, wo, naheliegenderweise, nur 7“s erscheinen werden.
Den Start macht das nicht ganz unbekannte Projekt ICK, das im Industrial-Bereich schon einige Platten veröffentlicht hat, hier nun aber vier eher minimal-elektronische Stücke anbietet, die allesamt schön schräg und sehr tanzbar sind. Mir sind gleich beim ersten Anhören viele Namen aus den 80er Jahren in den Sinn gekommen, besonders die frühen Cabaret Voltaire und Tuxedomoon. Deren Hits „Nag Nag Nag“ und „No Tears“ können problemlos als Referenz herangezogen werden, um grob den Sound von ICK auf dieser wunderbaren Single zu beschreiben.
Der treibende Minimal-Electro-Sound wird passenderweise durch Punk- und Industrial-Einflüsse unterstützt, so dass eine absolut brodelnde Mischung entsteht, die auch in den entsprechenden Clubs und auf den einschlägigen Partys für Bewegung sorgen wird.
„Societe D'Ombres“ ist noch eher wavig und gemäßigt, „Je Cours“ hingegen fast Synth-Punk und ein absoluter Hit. „King Of Speed“ ist totaler Minimal-Sound, schön monoton und doch eingängig. Wäre dieser Song 1982 erscheinen, wäre die Platte heute ein absolut unbezahlbares Sammlerstück. „Avoir 20 Ans“ schließlich ist der Track, der wohl am häufigsten in den Clubs zu hören sein wird, ein echter Killer-Track! Adam & The Ants-like Tribal Drums, schräge Sounds und eine verzerrte Stimme, die völlig hektisch erscheint, machen dieses Stück zu einem Gebräu, das niemanden ruhig stehen lassen wird.
Wer dem leider verblichenen französischen Invasion Planete-Label nachtrauert, sollte sich hier mal nach einer grandiosen Alternative umhören. (A.P.)

Webadresse der Band: www.enfant-terrible.nl

COMPILATION - Kalifornian Deathrock


Erstveröffentlichung: CD 2006 / Strobelight Records / Al!ve / Strob025

Nach der ersten Veröffentlichung von Every New Dead Ghost in der Reihe „Essentials“ legt das Strobelight-Label nun nach. Diesmal hat man sich in Form einer Compilation der kalifornischen Deathrock-Szene gewidmet. Und erfreulicherweise wurde mir das Vertrauen entgegengebracht, mein Scherflein dazu beizutragen.
Aber auch unabhängig davon kommt man kaum daran vorbei, hier von einer nahezu perfekten Veröffentlichung für jeden Deathrock-Fan zu sprechen, die in einer Reihe mit Klassikern wie „American Gothic“, „Hell Comes To Your House 1“ und „Blackout A.D.“ steht.
Man sollte sich von vorneherein klar machen, dass es hier ausschließlich um die kalifornische Szene geht, also andere amerikanische Bands wie Mighty Sphincter oder Requiem In White nicht berücksichtigt wurden. Das wäre dann auch mindestens eine Doppel-CD geworden. Doch aus so ist die Hit-Dichte gigantisch und alleine die Aufzählung der Bandnamen kommt dem „who is who“ des Deathrock sehr nahe: Christian Death, Kommunity FK, Screams For Tina, Voodoo Church, Mephisto Walz, 45 Grave, Super Heroines, Ex-Voto, Shadow Project, Deathride 69 und und und... Und tatsächlich sind zwei Bands dabei, die ich bisher nur dem Namen nach kannte: Texas Vamps und 34 Vampires, die beide absolut beachtenswert sind. Dazu Kill Sister Kill, Like Wreckage, Astrovamps, Element und Burning Image. Dem ist inhaltlich kaum etwas hinzuzufügen. Natürlich ist die Songauswahl subjektiv, bei der einen oder anderen Band hätte ich anderes Material ausgewählt, aber da kommen wir zum Thema Geschmackssache und das ist natürlich nicht Sinn dieser Rezension. Vielleicht fehlt Faith And The Muse, vielleicht auch die eine oder andere Band (T.S.O.L.?), aber für einen absolut umfassenden Überblick reicht einfach der Platz nicht aus. Trotzdem ist die Zusammenstellung ziemlich repräsentativ und kann im Prinzip durchgehend auf einer Deathrock-Party laufen, wenn der DJ sich mal mit einer Schönheit der Nacht ins Separée zurückziehen möchte. Als Bonus gibt es noch zwei Videoclips von THE DEEP EYNDE und man wünscht sich eigentlich spontan, dass dieser liebevollen Zusammenstellung irgendwann eine DVD folgen wird, ganz abgesehen von weiteren CDs, die die übrige amerikanische Szene beleuchten, sowie auch die europäischen Epigonen, von denen es vor allem in Italien viele gute gab.
Mehr als einfach nur gelungen ist aber das geniale Booklet, das neben Bildern und Infos zu allen Bands auch einen recht ausführlichen Bericht von Thomas Thyseen zum Thema enthält, der voller Infos, Zitaten und grandiosem Bildmaterial ist. Alleine dieses Booklet macht die CD auch für Sammler, die die Musik schon komplett besitzen, zu einem Pflichtkauf. Ganz großes Kino! (A.P.)

ALP - El Arte Nunca Muere


Erstveröffentlichung: CD 2006 / Fortschritt Musik

Von ALP habe ich noch nie gehört, aber die Infos, die dieser CD beilagen, klingen höchst interessant. Bisher hat ALP viel Musik zu klassischen Stummfilmen wie „Nosferatu“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ gemacht, was natürlich Erinnerungen an In The Nursery aufkommen lässt. Leider kenne ich die filmmusikalischen Werke nicht und die hier vorliegende CD hat damit nichts zu tun. Stattdessen gibt eine vielseitige Mischung aus Chill-Out-Klängen, Breakbeats und kräftigen Basslinien und hier und da ein paar Gitarren. Gesang gibt es nur selten zu hören, doch das sind dann gerade die interessanteren Stücke. Im Info steht was von „Electronoiseambient“ und das trifft es als Beschreibung ganz gut. Nur, dass das leider nicht so meine Richtung ist, weil ich diese modernen Rhythmen nicht so mag. Die Kompositionen, keine Songs im eigentlichen Sinne, sind gut gemacht und wirklich ausgefeilt, aber irgendwie klingt es halt nach einem Projekt, wo mehrere Leute zu Hause unabhängig voneinander frickeln und das dann zusammenfügen, und nicht wie eine Band im eigentlichen Sinne. Ich kenne mich in Kreisen, die auf solche Musik stehen zugegebenermaßen nicht so gut aus, denke aber, dass „El Arte Nunca Muere“ da gut ankommen könnte. (A.P.)

Webadresse der Band: www.fortschritt-musik.de

BIRDMACHINE - The Reaper SIngs


Erstveröffentlichung: CD 2006 / Unidentified Recordings / SX Distribution / UIFR 0016

Keine Frage, beim ersten anhören dieser CD kommen einem die Legendary Pink Dots, noch mehr sogar die Ka-Spel Solowerke, in den Sinn. Nicht nur wegen der ähnlich klingenden Stimme, sondern besonders auch wegen der ähnlich gestalteten, überwiegend elektronischen Musik. Psychedelic-Wave ist das Zauberwort und in diesem Metier machen sich BIRDMACHINE aus Deutschland wirklich gut. Neben den Dots darf man auch deren Sideproct The Tear Garden, frühe Psychic TV oder The Cure’s „The Top“-Album hier und da zu den nahe liegenden Einflüssen zählen. Von Naturgeräuschen über krachigen „Lärm“ bis hin zu sehr melodiösen und ambienten Electrosounds gibt es hier alles mögliche zu hören, und das macht das Album sehr abwechslungsreich, weil jeder Song anders klingt und alle zusammen doch eine Einheit ergeben. Auch das Coverartwork passt hervorragend ins schöne Gesamtbild.
Einzelne Songs hier hervorheben wäre unsinnig, da man das Album sowieso unbedingt am Stück hören sollte, damit sich der ganze Zauber entfalten kann.
Nicht nur Fans von EdwardKa-Spel sollten hier mal reinhören. Ein wirklich gelungenes Album einer bisher weithin unbekannten Band, die mehr Aufmerksamkeit verdient hat. (A.P.)

NO MORE - Remake/Remodel


Erstveröffentlichung: Doppel-CD 2006 / Roof Music / Indigo / RD 2633289

Ehre, wem Ehre gebührt! Als eine der besten frühen deutschen Wavebands haben NO MORE Anfang bis Mitte der 80er Jahre einige geniale Platten veröffentlicht und vor allem mit ihrem „Suicide Commando“ einen unsterblichen Klassiker geschaffen, der bis heute auf keiner guten Party fehlen darf. Mit der „Dreams“-LP von Vinyl-On-Demand wurde der Gruppe schon ein großartiges Denkmal gesetzt, doch nun haben zwei der Originalmitglieder sich wieder zusammen gefunden und beschlossen, ihr Frühwerk („Too Late“ EP, „Suicide Commando“ 7“ und „A Rose Is A Rose“ 10“) zu überarbeiten und mit einigen neuen Stücken garniert als wunderbare Doppel-CD zu veröffentlichen. Dabei wurde beim schicken Mehrfach-Aufklapp-DigiPak und beim ebenso schönen Booklet nicht gespart.
Los geht’s mit „Too Late“ von der ersten 7“EP als Remake. Sehr treibend und eine strange Mischung aus Gothic-Rock, modernen Sounds und Früh-Wave. Potentieller Clubhit würde ich mal behaupten. Kurz und gut und ein perfekter Einstieg in diese CD. “Quiet Days In My Hometown/On Celluloid“, im Original von der „A Rose Is A Rose“ 10“ ist sehr melancholischer Wave, der eigentlich schon ein bisschen das vorweg nimmt, was später Clan Of Xymox perfektioniert haben. Ein brandneuer, irgendwie unruhiger und etwas schräger Wave-Pop-Song ist „Another Monday Morning“, erinnert ein bisschen an manche Sachen von The Tear Garden. „French Kisses“ gibt es in einer überarbeiteten Liveversion von 1980 zu hören, wobei man als Nichtwissender dahinter kaum NO MORE vermuten würde. Ebenfalls kaum wieder zuerkennen, weil komplett überarbeitet ist „What?“ von der „Too Late“ EP, was deutlich macht, dass man von der Gruppe heute kaum noch den klassischen Wavesound erwarten sollte. Nach über 25 Jahren ist es aber absolut legitim, wenn man nicht einfach nur das alte Material aufkocht, zumal es sehr gelungener, leicht experimenteller zeitgemäßer Electro ist. Gleiches gilt für „Ain’t Gotta Clue“, ebenfalls von „Too Late“.,wobei hier aber auch die Alt-Waver ihre Freude haben werden. Schön, denn NO MORE zeigen damit, dass sie zu ihrem Frühwerk stehen. Wer die Original „Too Late“ EP besitzt weiß, dass diese Platte alles andere als perfekt produziert war, dafür aber eine der ersten selbst produzierten Singles in Deutschland bereits 1980 und gerade mit dem unsterblichen Charme des Unperfekten behaftet. Es gibt nicht viele Platten, für die man richtig viel Geld ausgeben sollte, um sie zu besitzen, diese gehört mit Sicherheit dazu. “Schwarzen Mann Gesehen“ ist wiederum ein neues Stück, das tatsächlich ein bisschen an Nick Cave erinnert und sehr schön an alte Zeiten anschließt. Wenn das die Richtung ist, in die NO MORE heute gehen, werden sie auch weiterhin relevant bleiben und ihre alten und hoffentlich zahlreichen neuen Fans zufrieden stellen. „In A White Room/It’s Always The Moon“ ist eine interessante Kombination und Überarbeitung des Songs von der „Suicide Commando“-B-Seite und eines The Nijinsky Style (NO MORE-Nachfolgeprojekt, ebenfalls empfehlenswert)-Stückes. Modern und doch die Atmosphäre der Originale eingefangen.
Ebenfalls überarbeitet, aber ganz klar dem alten Wavesound verhaftet ist „So Unreal“, das man vom „Dreams“-Album kennt. Das hätte sicher auch Chancen in den heutigen „schwarzen“ Clubs. Auf einer 1984er Live-Version basiert „Something Grows Up“, das mit Venus 45s “Rose De Fer“ (benannt nach dem Jean Rollin-Film?) kombiniert wurde und einen neuen, gelungenen Song hervorgebracht hat. Live 1984 eingespielt und nun musikalisch ergänzt wurde auch „Out Of The Window“, das ein bisschen in die Richtung der späteren NO MORE geht, wo orientalische Einflüsse immer stärker in den Vordergrund traten. Zum Schluss der ersten CD gibt es noch zwei neue Songs, zum einen das Ultravox-Cover „Hiroshima Mon Amour“, das man als gelungen bezeichnen kann und die Eigenkomposition „Teenage Years (A One Chord Wonder)“. Ruhig und doch irgendwie angespannt und durchaus Legendary Pink Dots-ähnlich. Das verspricht viel für mögliche neue Songs und Veröffentlichungen.
CD 2 steht dann ganz im Zeichen des legendären „Suicide Commando“. 9 x, Originalversion, Demos, Remixe von 1991 bis 2006 von verschiedenen Produzenten, Liverversion und insgesamt 6 Videos zum Song (live und produziert), dazu ein Livevideo zum Velvet Underground Cover „Venus In Furs“...das ist wirklich ein Rundumschlag, der diesen Klassiker nun wirklich in allen möglichen Facetten beleuchtet. Welche Band könnte sich erlauben, eine ganze CD mit nur einem einzigen Song zu füllen, ohne dabei zu langweilen. Selten wurde wahrscheinlich eine Band so sehr mit einem Lied in Verbindung gebracht, leider wurde darüber oft das sonstige, ebenfalls grandiose Werk übersehen.
Wer schon auf NO MORE aus den 80ern stand, muss hier einfach zugreifen, denn nur selten hat sich eine Gruppe so gelungen aus ihrer eigenen Vergangenheit in die Gegenwart gerettet, ohne peinlich zu wirken. Ob die CD als Einstieg geeignet ist, weiß ich nicht genau, da wäre die „7 Years“-Compilation sicher besser geeignet. Auf jeden Fall haben NO MORE bewiesen, dass auch heute noch mit ihnen zu rechnen ist. (A.P.)

Webadresse der Band: www.no-more-remake-remodel.com

DATAFREQ - Fun For The Whole Family


Erstveröffentlichung: CD 2006 / Das Drehmoment / DD004

Unsere Berliner Freunde von Das Drehmoment sind immer wieder für eine Überraschung gut. Nahm man bisher an, das auf dem kleinen aber feinen Electro-Label sicher immer nur Vinyl in meist schöner Aufmachung erscheinen würde, kommt nun ausgerechnet bei dem puren Analog-Electro-Retro-Videogame-Projekt DATAFREQ eine CD. Schön, wenn nicht immer das passiert, was man erwartet!
Kennen tun wir DATAFREQ schon vom Drehmoment-Jubiläums-LP-Sampler, so gibt es den Hit „Just Like 1981“ auch auf der CD zu hören, zu Recht, denn das ist ein echter Knaller ganz im Stile der guten alten Buggles, Trans X und Konsorten, oder auch ein bisschen in Richtung von aktuelleren Bands wie Machiste, Television Set etcetera. Tanzbar, eingängig und purer 80s Stoff im Soundgewand von heute. Zudem gibt der Titel die Richtung für das ganze Album vor, das wahrscheinlich nach einem Werbespruch von alten Videospielen benannt sein dürfte oder ähnliches. Auch „I Desire“ erinnert mit den herrlichen Roboterstimmen an die gute alte Zeit und könnte auf den einschlägigen Partys durchaus für Bewegung sorgen. Mit 11 Songs in knapp 38 Minuten wird auch das klassische LP-Format exakt eingehalten. Klar, man denkt zu keiner Sekunde des Albums „wow, das ist ja was innovativ Neues!“, aber wer will das auch? Dabei werden unterschwellig auch ein paar modernere Electro-Einflüsse verarbeitet, wie beispielsweise in „Diskophonic“. Selten habe ich eine neu erhaltene CD in so kurzer Zeit so häufig gehört (in letzter Zeit kommen da wohl nur Coldplay, die Editors und The Killers heran), weil die Musik einfach Spaß macht, locker und flockig alte Zeiten und damit gute Laune aufleben lässt.
Als Bonus zur Musik gibt es einen einfachen, aber nett gemachten Videoclip zu „Arcade Junkie“, der für Kinder der frühen 80er viele witzige Erinnerungen visualisiert. Electro-Wave-Pop vom feinsten und wer hier meckert, dass das auf CD kommt, ist doof! Außerdem kann ein Projekt, das eine Hymne auf Claudia Brückens (Propaganda, Solo und Act) Lippen macht doch nur großartig sein, oder? (A.P.)

Webadresse der Band: www.das-drehmoment.net

THE ARCHERS - The Swinging Sounds Of The Archers


Erstveröffentlichung: Maxi-CD 2006 / Eigenveröffentlichung

Schweden ist ja nicht gerade als Mekka des Surfsounds bekannt, aber hin und wieder tauchen auch hier Bands auf, die sich an den großen Vorbildern der Sechziger, wie Dick Dale, The Belairs, The Surfaris, oder auch The Trashmen orientieren. Passenderweise sind die drei jungen Herren auf dem Cover der CD mit schicken 3-D-Brillen zu sehen, die ja auch in den späten 50er und frühen 60er Jahren ihre Blütezeit erlebten.
Dabei kleben THE ARCHERS musikalisch allerdings nicht verkrampft an den Vorgaben des klassischen Surfsounds, sondern lassen deutlich durchscheinen, dass das Trio auch durchaus was mit den Begriffen Punkrock, Garage und Trash anfangen kann. So werden hier vier vor Spielfreude strotzende eigene Stücke runtergerockt, die etwas an die Space Cossacks erinnern und einen tief in die musikalischen Fluten des instrumentalen Garage-Surf-Ozeans mitreißen. Dazu gibt es noch ein ordentliches Misfits-Cover („Hybrid Moments“), das es durchaus mit der Surfversion der Crimsons Ghosts (US) aufnehmen kann, sowie eine ulkige Variante des ohnehin schon schrulligen „Benny Hill“-Themas aus der gleichnamigen Comedy-Show. Insgesamt ein sehr schönes und kurzweiliges Demo, das die kalt-nasse Winterzeit sofort vergessen lässt. Anspieltipps: „Do The Maggot“ und „Tijuana Beach“.
Ach ja, abschließend kann noch darauf hingewiesen werden, dass der Sound der ARCHERS in der nahen Zukunft um eine weitere Gitarre und eine Trompete erweitert werden soll. Außerdem stehen eine 7“ und auch erste Livegigs vor der Tür. Aber bis es soweit ist, solltet man sich dieses herrliche Demo nicht entgehen lassen und direkt bei der Band eine Bestellung tätigen. Einen hübschen türkisfarbenen THE ARCHERS Button gibt es übrigens auch noch dazu. (M.E.)

Webadresse der Band: www.myspace.com/thearcherssurf

AGALLOCH - Ashes Against The Grain


Erstveröffentlichung: CD 2006 / Grau / Prophecy Productions / Grau 006

Wem kommt bei einem Bandnamen wie AGALLOCH nicht sofort eine totale Klischee-Death-Metal-Band mit Grunzgesang in den Sinn? Genau deshalb ist die CD bei mir so lange ungehört liegen geblieben, bis sie mir nun beim Aufräumen mal wieder in die Finger gefallen ist und ich dachte, von Grau/Prophecy wird schon nicht so ein Schrott kommen. Also mal das Info gelesen und vorsichtig reingehört und tatsächlich: kein peinliches, pseudoböses Generve. Natürlich gibt es hier schon metal-lastige Klänge zu hören, allerdings, wie das Info passend beschreibt, „Progressive Dark Metal“ mit eher grollender als grunzender oder kreischender Stimme. Hymnisch und meist düster ist es, dazu sehr deutlich von der Rockmusik der 70er Jahre beeinflusst und die Gitarren gefallen mir teilweise richtig gut, und besonders der Anfang von „Falling Snow“ hat wirklich Hitcharakter. Zum Ende hin gibt es überraschenderweise noch dark-ambiente, fast schon industrialhafte Sounds zu hören, die die vorhergehenden Stücke in einem anderen Licht erscheinen lassen und deutlich machen, dass AGALLOCH mehr als nur die üblichen Einflüsse verarbeiten.
Auch wenn ich sicher kein Fan dieser Art von Musik werde, kann ich objektiv sagen, dass hier eine technisch ausgereifte, sehr kraftvolle Band am Werk ist, die einen recht eigenen, atmosphärischen Stil hat. (A.P.)

Webadresse der Band: www.grau.cd

MARK LANE - Black Lipstick


Erstveröffentlichung: Maxi-CD 1993 / Spider Disc Int.

Nach einer mehrjährigen Pause hat der amerikanische Minimal-Wave Musiker 1993 eine neue Maxi-CD vorgelegt, sein erstes Werk seit 1987. MARK LANE ist seit den ganz frühen 80er Jahren aktiv und hat einige sehr schöne elektronische Waveplatten vorgelegt, die heute teilweise sehr gesucht sind. Er gehört schon irgendwie in eine Reihe mit Musikern wie Human League (die frühen), Gary Numan (den weniger poppigen), Marc Almond, Absolute Body Control, Twilight Ritual und anderen Pionieren. Wie eine Mischung der genannten Musiker klingt also auch LANEs Musik auf „Black Lipstick“, einer komplett selbst produzierten und veröffentlichten 3-Track Maxi-CD, die Freunden des guten alten 80er Wave-Sounds Freude machen dürfte, wobei es hier eher melancholisch-wavig zugeht und weniger minimal-elektronisch-tanzbar. Hätte auch perfekt gut 10 Jahre vorher in die kurze, aber herrliche New Romantic-Zeit gepasst. Als Einstieg in die wunderbare Electro-Welt von MARK LANE eignet sich vielleicht die „Who’s Really Listening“-EP besser, aber wenn man diesen Musiker erstmal entdeckt hat, kommt man an „Black Lipstick“ keinesfalls vorbei. (A.P.)

Webadresse der Band: www.editionsmarklane.com

HEATHCLIFF AND CATHERINE - Regina Della Notte


Erstveröffentlichung: Maxi-CD 2006 / Eigenveröffentlichung / HEC001

HEATHCLIFF AND CATHERINE ist ein junges Projekt aus Italien, das mit „Regina Della Notte“ seine erste, selbst produzierte Maxi-CD vorlegt. Zu hören sind zwei lange Tracks (plus zusätzlich die Instrumentalversion eines der beiden), die sich nur schwer einem bestimmten Musikstil zuordnen lassen. Auf jeden Fall kommt die Band aus dem Dark Wave-Underground Italiens, verknüpft die typischen Sounds aber mit allen möglichen Einflüssen. Leichte Neoklassik-Anklänge, aber auch eine schöne poppige Note gibt es zu hören, vor allem in den Parts, die von Chiara Ferralis gesungen werden und dem Titelstück eine gewisse Leichtigkeit geben, während die Parts von Roberto Baldassari eher dramatisch rüberkommen. Das Ganze wird hier und da auch mit modernen elektronischen Elementen und Rhythmen aufgepeppt, vor allem im zweiten Stück „Soli Deo Gloria“, das insgesamt ähnlich aufgebaut ist, aber durchaus auch Clubpotential mit seinem treibenden Rhythmus hat. Beide Stücke bleiben vor allem wegen der angenehmen Stimme von Chiara Ferralis im Ohr, die wunderschöne italienische Sprache tut das Ihrige dazu und warum sollte diese CD nicht ein kleiner Überraschungserfolg werden? Freunde von eingängigem Dark Wave sollten mal reinhören. (A.P.)

Webadresse der Band: www.heathcliffandcatherine.com


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