NO MORE - Remake/Remodel


Erstveröffentlichung: Doppel-CD 2006 / Roof Music / Indigo / RD 2633289

Ehre, wem Ehre gebührt! Als eine der besten frühen deutschen Wavebands haben NO MORE Anfang bis Mitte der 80er Jahre einige geniale Platten veröffentlicht und vor allem mit ihrem „Suicide Commando“ einen unsterblichen Klassiker geschaffen, der bis heute auf keiner guten Party fehlen darf. Mit der „Dreams“-LP von Vinyl-On-Demand wurde der Gruppe schon ein großartiges Denkmal gesetzt, doch nun haben zwei der Originalmitglieder sich wieder zusammen gefunden und beschlossen, ihr Frühwerk („Too Late“ EP, „Suicide Commando“ 7“ und „A Rose Is A Rose“ 10“) zu überarbeiten und mit einigen neuen Stücken garniert als wunderbare Doppel-CD zu veröffentlichen. Dabei wurde beim schicken Mehrfach-Aufklapp-DigiPak und beim ebenso schönen Booklet nicht gespart.
Los geht’s mit „Too Late“ von der ersten 7“EP als Remake. Sehr treibend und eine strange Mischung aus Gothic-Rock, modernen Sounds und Früh-Wave. Potentieller Clubhit würde ich mal behaupten. Kurz und gut und ein perfekter Einstieg in diese CD. “Quiet Days In My Hometown/On Celluloid“, im Original von der „A Rose Is A Rose“ 10“ ist sehr melancholischer Wave, der eigentlich schon ein bisschen das vorweg nimmt, was später Clan Of Xymox perfektioniert haben. Ein brandneuer, irgendwie unruhiger und etwas schräger Wave-Pop-Song ist „Another Monday Morning“, erinnert ein bisschen an manche Sachen von The Tear Garden. „French Kisses“ gibt es in einer überarbeiteten Liveversion von 1980 zu hören, wobei man als Nichtwissender dahinter kaum NO MORE vermuten würde. Ebenfalls kaum wieder zuerkennen, weil komplett überarbeitet ist „What?“ von der „Too Late“ EP, was deutlich macht, dass man von der Gruppe heute kaum noch den klassischen Wavesound erwarten sollte. Nach über 25 Jahren ist es aber absolut legitim, wenn man nicht einfach nur das alte Material aufkocht, zumal es sehr gelungener, leicht experimenteller zeitgemäßer Electro ist. Gleiches gilt für „Ain’t Gotta Clue“, ebenfalls von „Too Late“.,wobei hier aber auch die Alt-Waver ihre Freude haben werden. Schön, denn NO MORE zeigen damit, dass sie zu ihrem Frühwerk stehen. Wer die Original „Too Late“ EP besitzt weiß, dass diese Platte alles andere als perfekt produziert war, dafür aber eine der ersten selbst produzierten Singles in Deutschland bereits 1980 und gerade mit dem unsterblichen Charme des Unperfekten behaftet. Es gibt nicht viele Platten, für die man richtig viel Geld ausgeben sollte, um sie zu besitzen, diese gehört mit Sicherheit dazu. “Schwarzen Mann Gesehen“ ist wiederum ein neues Stück, das tatsächlich ein bisschen an Nick Cave erinnert und sehr schön an alte Zeiten anschließt. Wenn das die Richtung ist, in die NO MORE heute gehen, werden sie auch weiterhin relevant bleiben und ihre alten und hoffentlich zahlreichen neuen Fans zufrieden stellen. „In A White Room/It’s Always The Moon“ ist eine interessante Kombination und Überarbeitung des Songs von der „Suicide Commando“-B-Seite und eines The Nijinsky Style (NO MORE-Nachfolgeprojekt, ebenfalls empfehlenswert)-Stückes. Modern und doch die Atmosphäre der Originale eingefangen.
Ebenfalls überarbeitet, aber ganz klar dem alten Wavesound verhaftet ist „So Unreal“, das man vom „Dreams“-Album kennt. Das hätte sicher auch Chancen in den heutigen „schwarzen“ Clubs. Auf einer 1984er Live-Version basiert „Something Grows Up“, das mit Venus 45s “Rose De Fer“ (benannt nach dem Jean Rollin-Film?) kombiniert wurde und einen neuen, gelungenen Song hervorgebracht hat. Live 1984 eingespielt und nun musikalisch ergänzt wurde auch „Out Of The Window“, das ein bisschen in die Richtung der späteren NO MORE geht, wo orientalische Einflüsse immer stärker in den Vordergrund traten. Zum Schluss der ersten CD gibt es noch zwei neue Songs, zum einen das Ultravox-Cover „Hiroshima Mon Amour“, das man als gelungen bezeichnen kann und die Eigenkomposition „Teenage Years (A One Chord Wonder)“. Ruhig und doch irgendwie angespannt und durchaus Legendary Pink Dots-ähnlich. Das verspricht viel für mögliche neue Songs und Veröffentlichungen.
CD 2 steht dann ganz im Zeichen des legendären „Suicide Commando“. 9 x, Originalversion, Demos, Remixe von 1991 bis 2006 von verschiedenen Produzenten, Liverversion und insgesamt 6 Videos zum Song (live und produziert), dazu ein Livevideo zum Velvet Underground Cover „Venus In Furs“...das ist wirklich ein Rundumschlag, der diesen Klassiker nun wirklich in allen möglichen Facetten beleuchtet. Welche Band könnte sich erlauben, eine ganze CD mit nur einem einzigen Song zu füllen, ohne dabei zu langweilen. Selten wurde wahrscheinlich eine Band so sehr mit einem Lied in Verbindung gebracht, leider wurde darüber oft das sonstige, ebenfalls grandiose Werk übersehen.
Wer schon auf NO MORE aus den 80ern stand, muss hier einfach zugreifen, denn nur selten hat sich eine Gruppe so gelungen aus ihrer eigenen Vergangenheit in die Gegenwart gerettet, ohne peinlich zu wirken. Ob die CD als Einstieg geeignet ist, weiß ich nicht genau, da wäre die „7 Years“-Compilation sicher besser geeignet. Auf jeden Fall haben NO MORE bewiesen, dass auch heute noch mit ihnen zu rechnen ist. (A.P.)

Webadresse der Band: www.no-more-remake-remodel.com


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