WARREN SUICIDE - A Song For Warren´s Lover


Erstveröffentlichung: CD-EP 2005 / Leiterfabrik / SPV / LFSP 003

In meiner letzten WARREN SUICIDE-Besprechung zur Single „Butcher Boy“ habe ich die Gruppe als eine der coolsten deutschen Bands der letzten Jahre bezeichnet, und das aus voller Überzeugung. Dass die Band weiterhin großartig ist, ist keine Frage, aber cool ist es sicher nicht, noch eine Single aus dem Debutalbum auszukoppeln, ohne wenigstens ein unbekanntes Lied mit draufzupacken. Der Song an sich war schon auf der Picture-12“ und auf dem Album, wozu also noch vier Versionen, beziehungsweise drei, denn die Albumversion ist natürlich auch auf der Maxi mit drauf? Etwas einfallsreicher darf es dann in Zukunft schon sein.
Das ändert natürlich alles nichts daran, dass der Song immer noch gut ist. Der „International Radio Mix“ ist dann auch ziemlich poppig, aber natürlich nicht auf eine Art, die ihn ins Tageprogramm von nervigen Formatradios hieven würde. Etwas kraftvoller und weniger geglättet ist danach der „Original Radio Mix“, der sich auch für die Tanzflächen der Nation eignet Was man von der „Album Version“ erwarten darf dürfte klar sein, die Ur-Version halt, so gesehen wichtig, weil sie zeigt, was man aus einem Lied durch Remixkunst so alles machen kann. Schließlich gibt es den „Kitbuilders Mix“, der am interessantesten ist, weil er dem Lied eine ziemlich andere Seite abgewinnt. Technoid mit „Pong“-Geräuschen (wer erinnert sich an dieses erste Telespiel, bei dem man mit zwei Strichen einen Punkt hin und her bewegen musste?). Dazu nette (gesamplete) Gitarren und Gesangsfragmente. Das wird in bestimmten Clubs sicher für volle Tanzflächen sorgen, Underground-Techno vom feinsten und eigentlich der Hauptgrund, dich die Single zuzulegen.
Übrigens ist dies die erste WARREN SUICIDE Scheibe, bei der mir nicht der Begriff Synth- oder Electro-Punk in den Sinn kommt, handelt es sich doch um einen der bisher poppigsten und tanzbarsten Tracks der Band.
Nun aber bei der nächsten Veröffentlichung her mit neuem Material, die wachsende Fangemeinde wartet sehnsüchtig darauf! (A.P.)

Webadresse der Band: www.warresuicide.com

ECHO & THE BUNNYMEN - Echo & The Bunnymen (25th Anniversary Edition)


Erstveröffentlichung: CD 2003 / Warner / 2564-61164-2

Das insgesamt fünfte reguläre Album von ECHO AND THE BUNNYMEN ist das letzte, das zum 25jährigen Bandjubiläum als Special Edition wieder veröffentlicht wurde und es in vielerlei Hinsicht ein Wendepunkt der Bandgeschichte.
Nach vier Alben von 1980 bis 1984, zahllosen Singles und unermüdlichem Touren hatten ECHO AND THE BUNNYMEN 1984 eine Status erreicht, dessen nächster Schritt wahrscheinlich der Aufstieg zu einer Stadionband im Stile von U2 und Simple Minds gewesen wäre. Statt diesen Schritt zu gehen, ruhte sich die Band nach dem Album „Ocean Rain“ aber erstmal aus. Die Musiker waren ausgepumpt, hatten sich im Laufe der Zeit auch persönlich verändert und die Bandchemie stimmte wohl nicht mehr richtig. Zeit also, mit „Songs To Learn And Sing“ ein erstes Best Of-Album zu veröffentlichen, das den Abschluss der frühen Bandphase dokumentierte und ein letztes Mal das bisher typische Artwork zeigte. Danach herrschte einige Zeit Funkstille, bis McCulloch und Sergeant beschlossen, ein weiteres Album aufzunehmen. 1987 erschien schließlich „Echo And The Bunnymen“. Schon der fehlende Albumtitel deutete an, dass die Band sich verändert hatte und auch das Coverartwork entfernte sich von der New Wave-Ästhetik der früheren Jahre. Die Fotos, die der große Künstler Anton Corbjin machte, gehören wohl zu den bekanntesten Aufnahmen der Band überhaupt und das Album wurde tatsächlich auch das bisher kommerziell erfolgreichste, stieß einigen alten Fans aber gehörig vor den Kopf. Es wurde schnell klar, dass die Gruppe nun den ganz großen Durchbruch wollte.
Natürlich hat sich der Stil der Band nicht grundsätzlich verändert und vor allem McCullochs Gesang sorgt sofort für den Wiedererkennungswert, aber die einzelnen Songs klangen schon anders, als zuvor. Vor allem die sehr glatte Produktion schielte offensichtlich auf den Mainstreammarkt. Zudem wurden die schon immer vorhandenen Doors-Einflüsse immer deutlicher hörbar, was in der „People Are Strange“-Single gipfelte, die Teil des Soundtracks zu „The Lost Boys“ war.
„Echo And The Bunnymen“ enthält eine ganze Reihe wirklich guter Songs, so die Singles „Lips Like Sugar“ und „The Game“ und natürlich „Bedbugs And Ballyhoo“. Aber auch Songs wie „Over You“ und „Bombers Bay“ oder das wunderschöne „All My Life“ sind sehr gut, nur eben zu glatt. Im Gegensatz zu den drei Alben davor findet man hier wieder einmal „nur“ eine Zusammenstellung einzelner Songs, ohne eine verbindende Atmosphäre. Der kommerzielle Erfolg gab der Band Recht, in die Stadien hat sie es aber trotzdem nie geschafft, die Weggefährten U2 und Simple Minds hatten „gesiegt“. Die Band zerbrach zunächst und McCulloch begann eine Solokarriere, die vor allem mit dem Album „Candleland“ etwas Wunderbares hervor brachte. Erst 1990 versuchten Will Sergeant und Les Pattinson unter dem alten Namen aber eben ohne McCulloch die Band mit dem Album „Reverbaration“ weiterleben zu lassen, aber an alte Erfolge konnten sie nicht anknüpfen. Bis 1997 hielt man den Namen dann mit Wiederveröffentlichungen und Best Of-Zusammenstellungen am Leben, bis Sergeant, Pattinson und McCulloch wieder vereint „Evergreen“ herausbrachten. De Freitas war leider bereits 1988 bei einem Motorradunfall gestorben. Mit weiteren Alben, Wiederveröffentlichungen und vielen Livekonzerten hält sich die Band bis heute, inzwischen ohne Les Pattinson, wacker, konnte aber trotz wirklich schöner Veröffentlichungen den Zauber der frühen Jahre nie wieder erreichen.
Die Special Edition von „Echo And The Bunnymen“ von 2003 erscheint wie gewohnt im schönen Pappschuber, digital überarbeitet und mit Linernotes und seltenen Fotos im Booklet. Die Bonustracks sind diesmal besonders interessant, da zwei bisher völlig unveröffentlichte Songs, einige unveröffentlichte Versionen bekannter Tracks (eine sehr gute frühe Version von „Bring On The Dancing Horses“ unter dem Titel „Jimmy Brown“), sowie die komplette 1985er Maxi „Bring On The Dancing Horses“ zu hören sind. (A.P.)

COMPILATION - Electro Arc Compilation Vol.1


Erstveröffentlichung: CD 2007 / Electro Arc / Icare Media Distribution

Ein neues Label für Electromusik? Und eine Compilation zum Start? Das hat es ja noch nie gegeben, oder? Ich weiß, das klingt sarkastisch, aber wie viele Electro-Sampler ich in den letzten gut 20 Jahren auf den Tisch bekommen und gehört habe, kann ich kaum noch zählen. Vor allen in den 90er Jahren wurde man damit förmlich zugeballert und das Konzept war stets das gleiche: ein bis drei bekannte Szenebands und jede menge Newcomer , die sich erhoffen, durch die bekannten Namen auf der CD selber auch ein bisschen bekannter zu werden. Nicht viel anders ist es bei der ersten „Electro Arc“-Compilation, wobei Teil 2 und 3 auf der Website gleich mit angekündigt sind. Die bekannten Gruppen werden hier durch Twilight Ritual (mit dem besten Song der CD) und The Weathermen vertreten, dazu noch zumindest szenebekannte „Größen“ wie Human Decay und Stratis und 13 weitere Acts, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Musikalisch gibt es Electro in allen möglichen Spielarten, von EBM über Synthie Pop und Dark Electro bis hin zu Industrial. Das Material ist teilweise gut, manchmal aber auch einfach uninteressant, etwas Aufsehen erregend Neues ist aber definitiv nicht dabei. Für die Clubs der Szene ist auf jeden Fall genug Futter dabei, was sich letztendlich durchsetzen wird, kann niemand voraus sagen.
Interessant ist die Tatsache, das zahlreiche Bands/Projekte aus Ungarn vertreten sind, eigentlich ja nicht gerade ein Land, das bisher viel von sich Reden gemacht hat was dunkle Undergroundmusik angeht. Leider stechen aber diese Gruppen nicht mit einem eigenen Stil hervor.
Es mag arrogant klingen, aber ich hätte nicht unbedingt einen weiteren unter unzähligen anderen Electro-Sampler gebraucht, wobei noch nicht mal ein zusammenhängendes Konzept erkennbar ist, sieht man mal von der durchgehenden Tanzbarkeit der Stücke ab.
Electro-Alles-Sammler können mal ein Ohr riskieren und machen vielleicht die eine oder andere Entdeckung, aber ich persönlich glaube kaum, dass man von den meisten dieser Gruppen je wieder etwas hören oder lesen wird. Ausnahme könnte das Projekt HERTZINFARKT sein, das mit einem sehr schönen Electro-Pop-Song erfreut. Da möchte ich dann doch mal mehr hören. (A.P.)

Webadresse der Band: www.electro-arc.de

SKORBUT - Firewall


Erstveröffentlichung: CD 2007 / Sonic-X / Icare Media Distribution / SONXCD 011 / IMD-2000

Das deutsche Duo SKORBUT legt mit „Firewall“ sein drittes Werk vor und dürfte den schon vorhandenen Bekanntheitsgrad damit sicherlich deutlich erweitern. Wie es aussieht hat einer der Musiker auch einiges an Erfahrung mit Filmmusik, was der Atmosphäre auf dem Album sehr zugute kommt.
Der Sound ist eine Mischung aus Dark-Electro, EBM und Breakbeat-Rhythmen, ein wenig Industrial und Gesang zwischen Nitzer Ebb und Skinny Puppy. Auch Fans der alten Front Line Assembly sollten mal reinhören. Tanzbar ist das allemal. Die Produktion ist sehr gut gelungen und der eine oder andere Song wird sicherlich die Club-Tanzflächen beschallen und für Bewegung sorgen. Doch innovativ ist es nicht unbedingt. In ähnlicher Mischung ist das alles schon mal da gewesen und man kann, wenn man will, lobend erwähnen, dass SKORBUT ihre Vorbilder gut kennen, technisch was auf dem Kasten und ein durchaus solides Electro-Album geschaffen haben. Dazu gibt es ein gut gelungenes Artwork, das allerdings Geschmackssache ist, kann doch nicht jeder die Ästhetik von Splatterfotografien nachvollziehen. In der wieder auferstandenen EBM-Szene wird „Firewall“ mit Sicherheit für einiges Aufhorchen sorgen, da macht es doch gar nichts, wenn mich das Album nicht ganz so mitreißt, wie so mancher Klassiker aus den 80er Jahren. Immerhin wird hier weitgehend auf diverse Techno-/Future-Pop-Anklänge verzichtet und alleine das macht ein Electro-Album heute schon hörenswert, oder?
Als Bonus gibt es noch einen professionell produzierten Videoclip und eine Bildergalerie als CD-Rom-Part. Value for Money ist also auf jeden Fall gegeben. (A.P.)

MARK LANE - Who's Really Listening? +


Erstveröffentlichung: CD 2001 / MetaWave Classix / mwc001

Die MiniLP „Who’s Really Listening“ von 1984 gehört zu Recht zu den Klassikern im Bereich Minimal-Wave. MARK LANE hat damals fast im Alleingang eine Platte geschaffen, die mit den Stücken „Tsar“, „Sojourn“ und „Das Nicht (Factory)“ gleich drei bis heute beliebte Stücke enthält und auch darüber hinaus so manchen von Gary Numan’s Nach-„Pleasure Principle“-Ausrutschern enttäuschten Fan den glauben an Electro-Wave wieder gab. Gut also, dass das kleine deutsche Label MetaWaveClassix die inzwischen nur noch selten auffindbare Platte 2001 auf CD wieder veröffentlicht hat, natürlich garniert mit einer ganzen Reihe interessanter und rarer Bonustracks. So gibt es weitere Studio-Outtakes aus der Zeit der Originalplatte, Stücke von Flexi-Discs, die wohl kaum jemand heute noch besitzt und einige Livestücke von 1985, unter anderem eines, bei dem The Klinik mitgewirkt haben. Das ist natürlich unheimlich spannend und macht die CD auch für die Leute unverzichtbar, die die Vinylversion besitzen. Die Livestücke sind übrigens nicht dieselben, die man auf der 1987er „Live“-7“, die der „Male Nymph“-LP beilag, hören konnte.
Ein schlichtes, aber schönes Booklet und eine Handnummerierung der Erstauflage runden „Who’s Really Listening +“ ab und sorgen für eine absolute Kaufempfehlung, wenn man auf 80er Jahre Minimal-Electro-Wave steht. (A.P.)

THE ARCH - Seconds And Centuries


Erstveröffentlichung: CD 1995 / Discordia / DISC 055

In der zweiten Hälfte der 80er Jahre blühte die belgische EBM-Szene, wie nie zuvor. Front 242, A Split Second, Neon Judgement, á;grumh und natürlich The Klinik prägten das Bild der Musik aus Belgien, doch es gab auch andere Bands, die die elektronischen Klänge mit Gitarren verbanden und damit einen ganz eigenen Sound schufen. Siglo XX wären da zu nennen und, allerdings aus England und Deutschland, The Cassandra Complex und The Fair Sex. Und natürlich THE ARCH, die mit ihren 12“s „As Quiet As“ und „Ribdancer“ zwei bis heute schwer gesuchte Klassiker vorlegten. Vor allem die Songs „Babsi Ist Tot“, „Ribdancer“ und „Revenge Revival“ wurden zu Clubhits und echten Klassikern.
Nach dem zweiten Album und einer weiteren Single wurde es Anfang der 90er Jahre still um die Gruppe, bis das damals noch aktive und umtriebige Discordia-Label 1995 diese CD vorlegte, auf der die ersten drei Maxis (neben den bereits genannten noch „Stay Lay“) und das erste Album „A Strange Point Of You“ komplett zusammengefasst wurden, womit man alle wichtigen Stücke der Band perfekt zusammen gefasst hat. Vom zweiten Album „The Messier Album“ und der Single „The Only Thing“ gibt es ebenfalls CD-Veröffentlichungen, so dass der gesamte Backkatalog der Band digital vorliegt.
Die drei erwähnten Clubhits gehören definitiv zum besten, was die europäische Wave-Szene musikalisch in den späten 80ern hervorgebracht hat und wer die übrigen, als Vergleich herangezogenen Bands mag, muss auch THE ARCH lieben, auch, weil es viele weitere Hits zu hören gibt wie „No Noise“, „Stay Lay“, „Perfect T’ch“ oder auch „Die Rote Kapelle“.
Herrliche Melodien, tanzbare Sounds und extrem nach vorne treibende Energie, sowie auch ein Schuss Selbstironie machen THE ARCH und dieses Album zu einem echten „Must have“.
Mit dem Album „In Sofa“ versuchte die Gruppe 1997 an alte Erfolge anzuknüpfen, scheiterte aber grandios, auch, weil das Album niemals so fesseln konnte, wie die alten Sachen.
Wer die „Seconds And Centuries“ heutzutage vergeblich sucht, sollte mal die Augen nach der 1999 erschienenen „Sex“-Doppel-CD offen halten, die noch einmal das gesamte Frühwerk von THE ARCH aufbereitet hat. Sicher nicht zum letzten Mal, denn die Musik dieser Gruppe sollte nicht in Vergessenheit geraten, klingt sie doch auch nach rund 20 Jahren so frisch, wie damals und kann es problemlos mit so mancher heutigen Veröffentlichung aufnehmen. Wieder einmal ein gutes Beispiel, das es CDs soundtechnisch bei Gitarrenmusik häufig nicht mit Vinyl aufnehmen können: „Babsi ist Tot“ fehlt auf der CD viel von der Power, die es auf der 12“ hat. (A.P.)

FIELDS OF THE NEPHILIM - Dawnrazor


Erstveröffentlichung: CD 1987 / Situation 2 - Rebel Rec. / SPV

Zweifellos sind die FIELDS OF THE NEPHILIM neben den Sisters Of Mercy DIE Stil prägende Band des Gothic-Rock-Genres der 80er und frühen 90er Jahre gewesen Mit ihren Alben „The Nephilim“ und „Elizium“ haben sie zwei der ultimativen Meisterwerke dieser Musikrichtung veröffentlicht. Doch auch das Debut „Dawnrazor“ steht dem kaum nach. Ähnlich wie die Sisters Of Mercy haben die FIELDS zunächst einige EPs veröffentlicht, bevor sie sich an das erste Album heran getraut haben. Lange Zeit mussten sie sich mit der Band von Andrew Eldritch vergleichen lassen, die Mitte der 80er Jahre als das Nonplusultra des Gothic-Rock galt und zugegeben, hier und da erinnert die dunkle Stimme von Sänger Carl McCoy auch an Eldritch, doch musikalisch geht es doch recht anders zu, nämlich rockiger, was auch und vor allem am echten Schlagzeug liegt, während die Sisters ja mit ihrem Dr. Avalanche-Drumcomputer ihren ganz eigenen unterkühlten Sound kreierten.
Als Intro wurde passend zur Kostümierung der Musiker als Cowboys im Stile der guten alten Italo-Western das Mundharmonika-Intro aus „Spiel Mir Das Lied Vom Tod“ gewählt. Sicher keine innovative Idee, auch 1987 nicht, aber hier durchaus passend. Es folgen ausschließlich unsterbliche Gothic-Rock-Hymnen, angefangen bei „Slow Kill“, dem wunderbaren „Vet For The Insane“ oder dem monumentalen „Dawnrazor“. Für die CD-Version wurden neben den regulären acht Albumtracks noch einige zusätzliche Stücke von den heute mehr als raren EPs verwendet, unter anderem die komplette geniale „Power“ 12“, sowie „Preacher Man“ und „Laura II“ von der „Preacher Man“ 12“. Gerade die beiden letztgenannten Tracks haben den Ruhm der Band nachhaltig geprägt und unzählige nachfolgende Bands entscheidend beeinflusst. Purer Gothic-Rock der finsteren Art, der Maßstäbe gesetzt hat. Und doch haben FIELDS OF THE NEPHILIM ihren ganz eigenen Stil erst mit dem Nachfolger „The Nephilim“ gefunden und mit „Elizium“ perfektioniert, um sich dann auf dem Höhepunkt des Ruhms aufzulösen, was wahrscheinlich die beste Sache war, die die Band machen konnte, um unsterblich zu werden. Zahlreiche Nach- und Nach-Nachfolgeprojekte der Musiker konnten niemals an die Intensität der alten Band anschließen und selbst immer wieder versuchte, halbherzige Reunions scheiterten im großen Stile, obwohl durchaus gute Musik dabei heraus kam. Aber was soll man als Musiker machen, wenn das eigene Frühwerk derart große Schatten wirft, dass man immer wieder daran gemessen wird? Schwierige Situation.
Wer unverbrauchten Gothic-Rock einer damals noch jungen Band hören will, kommt an „Dawnrazor“ und den frühen EPs der FIELDS nicht vorbei. Alles was nach „Dawnrazor“ kam lässt sich nur noch als legendär bezeichnen. Auf jeden Fall gehört dieses Album aber in jede Gothic-Rock-Sammlung, daran führt absolut kein Weg vorbei. (A.P.)

CHARLETT SCHWARZ - Behind A Face


Erstveröffentlichung: CD 2006 / MoBu.Rec.-Sonorium / Icare Media Distribution

Dark Wave aus Deutschland...das ist ja mal was ganz Neues! Ne, ich will nicht sarkastisch sein, aber seit Anfang der 90er Jahre hat Deutschland einen nicht unerheblichen Beitrag dazu geleistet, dass der Dark Wave-Markt mit unzähligen, oft grottenschlechten Veröffentlichungen überrollt wurde, was wohl daran liegt, dass es nie so einfach war, im heimischen Jugendzimmer selbst CD-taugliche Qualität zu produzieren.
Vielleicht tue ich CHARLETT SCHWARZ mit diesem Anfang unrecht, aber es ist keine Frage, dass die Musik auf dieser CD ganz klar als Dark Wave durchgeht. Ein großer Teil der Lieder ist dann auch nichts wirklich besonderes, Stoff für die schwarzen Clubs, mal rein elektronisch, mal eher gitarrenbetont.
Richtig interessant wird es, wenn Sängerin Veyna im Mittelteil der CD vermehrt deutsche Texte singt und dabei eine angenehm rotzige Art an den Tag legt.
„Männer Haben Angst Vor Mir“ ist mit Abstand der Hit des Albums, der tatsächlich angenehm an die leider weitgehend vergessene CD von Elesde aus den 90er Jahren erinnert. Ein bisschen auch an Pzycho Bitch, um mal einen aktuelleren Vergleich zu bringen. Auch „Perfekt“ habt sich musikalisch ein wenig ab und kann überzeugen. Ansonsten erinnert die Musik in den besseren Momenten ein kleines bisschen an Sleeping Dogs Wake, hier und da gibt es auch Einflüsse vom 90er-Heavenly Voices-Sound, ansonsten aber halt überwiegend elektronischen Dark Wave pur, der sicher einige Freunde finden wird. Wenn ein paar DJs den einen oder anderen Song etwas pushen, könnte da auch mehr draus werden. Ich mag am liebsten die Stimme der Sängerin bei den deutschsprachigen Stücken und würde gerne mal wieder was hören, wenn es in dieser Richtung mit der Gruppe weiter geht. (A.P.)

NILS - Freispiel


Erstveröffentlichung: 7 Inch 1981 / Tritt Records

Na, das ist doch mal was Besonderes. Legt doch der Sänger Nils Setzer, der sonst bei den Straßenjungs beschäftigt war, die sich sonst durch angepunkten Sauf-Rock einen Namen gemacht haben, eine lupenreine NDW-Single vor. Dass der legendäre Mini-Synthi Casio VL-Tone das Backcover ziert, ist keine Überraschung, wenn man das Stück „Freispiel“ auf der A-Seite hört. Feine Kling-Klang-NDW-Musik, die eigentlich ein kleiner Hit hätte werden können, sich aber eben doch nicht durchsetzte. Vielleicht weil der Song trotz der Klänge irgendwie noch wie ein klassischer Rocksong arrangiert ist, was damals übrigens viele Bands gemacht haben, während Bands wie Der Plan gerade diese Rock-Schemata verbannten. Trotzdem ist „Freispiel“ ein hübscher Song, der Spaß macht. Weniger interessant ist die B-Seite „Elvis“, die wie der Titel schon verheißt eher dem 60er Jahre-Schlager frönt und mit NDW nichts zu tun hat, außer, dass der Text deutschsprachig ist. Schade, gute A-Seite, langweilige B-Seite, aber wenn man die Single preiswert findet, sollte man sie nicht liegen lassen. Zumal dass Cover als Brettspiel dient und mit Glück auch noch die Original-Spielanleitung der Single beiliegt. (A.P.)

KNUSPERKEKS - Knusperkeks


Erstveröffentlichung: Mini-LP 1983 / Zick Zack / Eigelstein / ZZ185

Es gibt Platten, die sind so unglaublich, dass man nicht an ihre Existenz glaubte, wenn man sie nicht selber kenne würde. Wenn mir jemand früher von dieser Platte erzählt hätte, mit allen ihren schrägen Ideen und der Ernsthaftigkeit, die darauf rüber gebracht wird, hätte ich sicher nur den Kopf geschüttelt. Aber um 1982/83 herum war in der deutschen Musikszene alles möglich, so auch diese MiniLP von KNUSPERKEKS. Wenn die Legende stimmt, handelte es sich bei Christel Schönheit um eine Postbotin aus dem Taunus, die mit geliehenem Equipment Vierspuraufnahmen gemacht hat und diese bei Alfred Hilbergs Zick Zack Label unterbringen konnte.
Erstmals gehört habe ich ein Lied von KNUSPERKEKS auf dem Zick Zack-Sampler „Wunder Gibt Es Immer Wieder“, auf dessen Beiblatt auch ein Foto der Künstlerin zu sehen war. Pudeldauerwelle und unglaubliche Brille...biederer geht es kaum noch.
Fräulein Schönheit war definitiv keine Musikerin im eigentlichen Sinne, dafür legte sie mit Akkordeon, Akustikgitarre und elektronischem Equipment einfach los und produzierte die sieben Titel dieser MiniLP unter Mithilfe von Tom Dokoupil, der damals ja überall umtriebig war und mit The Wirtschaftswunder auch musikalische Erfolge hatte. Herausgekommen sind einige skurrile Songperlen, die zwischen New Wave, Dilettantentum und Volksmusik zu finden sind und, wenn man sich darauf einlässt, wirklich Spaß machen. „Praktisch“, „Zeichen Der Zeit“ oder „Rechtslinksgeradeaus“ sind Songs, die unter NDW-Fans heute eigentlich gesuchte Hits sein müssten, „Am Ufer“ (auch auf dem Zick Zack Sampler) besticht durch die glockenhelle Stimme, die fast schon wehtut und „Am Sedanstag Gab’s Kartoffelpuffer“ besticht alleine schon wegen des absurden Titels. Was Christel Schönheit wohl heute so macht und über ihre damalige Musik denkt?
Angeblich soll es auch damals zwei selbst produzierte Tapes gegeben haben. Würde ich gerne mal hören. Bis dahin bleibt mir nur diese wirklich ungewöhnliche Platte, die mehr als einen Bonuspunkt für spaßige Skurrilität bekommt! (A.P.)

THIS DARK NOISE - Fight


Erstveröffentlichung: CD 1994 / TUG Records / TiS

THIS DARK NOISE aus der Gegend von Nürnberg gehören zu den vielen deutschen Dark Wave-Bands, die Anfang/Mitte der 90er Jahre ihre Platten veröffentlicht haben, ein paar kleinere Erfolge verzeichnen konnten und dann leider fast spurlos wieder in der Versenkung verschwunden sind. Bei den meisten Bands war das kein großer Verlust, THIS DARK NOISE gehören aber zu denen, dich ich mir heute auch noch ganz gerne mal anhöre. Drei Alben, so weit ich weiß, und sogar ein Beitrag auf einem Zillo-Sampler haben eigentlich das Potential für Größeres gezeigt, aber vielleicht war Mitte der 90er schöne Wavemusik einfach nicht mehr angesagt und die Szene orientierte sich zu härteren elektronischen Klängen, die bald im so genannten Future-Pop aufgingen.
Schade, denn das Album „Fight“ ist wirklich gut gelungen, auch, wenn es musikalisch nicht ganz so kämpferisch rüber kommt, wie der Titel verspricht. Die Mischung aus elektronischen Stücken und wavigen Gitarren ist sehr schön.Auf der einen Seite dürften Bands wie The Cassandra Complex, The Fair Sex und Dance Or Die ihre Spuren hinterlassen haben, auf der anderen Seite aber auch Gruppen wie The Escape, Clan Of Xymox und Escape With Romeo. Eine durchweg gute Mischung also, die eigentlich viel mehr Erfolg verdient gehabt hätte. Vor allem die ruhigeren Stücke sind sehr schön atmosphärisch, während der eine oder andere schnellere Song auch Clubhit-Potenzial hat.
Tja, nach so langer Zeit mal wieder so eine, zwar nicht spektakuläre, aber sehr schöne CD einzulegen macht doch Spaß und lässt einige Erinnerungen aufkommen. Was die Bandmitglieder wohl heute so machen? (A.P.)



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