SALINE GRACE - Border Town Shades


Erstveröffentlichung: CD 2007 / Deeper Waters Records / Motion FX-Radar Music / DWR CD 3

Der Bandname Nobility Of Salt geistert ja schon eine ganze Weile durch die deutsche Underground-Szene, wobei ich zugeben muss, dass mir bisher nur einige wenige Stücke bekannt sind. Nun haben die beiden Bandmitglieder Ricardo Hoffmann und Ines Pollok das Nebenprojekt SALINE GRACE gegründet und frönen ihrer Vorliebe für den düster-melancholischen Großstadtblues. Dass dabei schnell der Name Nick Cave fallen muss, ist fast klar und wird von den Musikern auch gar nicht bestritten. Dazu werden noch Namen wie And Also The Trees, Leonard Cohen und Woven Hand (wobei ich persönlich 16 Horsepower bevorzuge) genannt. Alles tolle und anerkannte Künstler und natürlich nur schwer zu erreichen. SALINE GRACE versuchen deswegen auch gar nicht, exakt wie diese Bands zu klingen, sondern holen sich einzelne Elemente von jeder heraus und versuchen, etwas Eigenes daraus zu machen, was auch ganz gut gelingt. Häufig klingt dann aber doch die große, nachvollziehbare Verehrung für Nick Cave durch, wobei der Gesang oft eher nach Deine Lakaien kommt. Hier und da kommen sogar ganz leichte Death In June Einflüsse durch. Textlich hat Ricardo Hoffmann sich laut Info von Autoren wie Kafka, Bukowski und Dostojewski beeinflussen lassen und erzählt meist kleine Geschichten in den Liedern.
Die Atmosphäre der einzelnen Songs ist angenehm melancholisch und passend zum Erscheinen des Albums im beginnenden Herbst. Das Album schafft es durchgehend, immer ganz knapp am Kitsch vorbei zu schrammen, wie Nick Cave es beispielsweise auch mit „Where The Wild Roses Grow“ geschafft hat. Es ist schon eine große Kunst, diesen Weg zu beschreiten, ohne die Schmerzgrenze zu überschreiten. Einziger kleiner Kritikpunkt ist, dass das Album mit rund 74 Minuten etwas zu lang ist und vor allem der Gesang dafür zu wenig Abwechslung bietet. Musiker sollten eigentlich längst begriffen haben, dass die CD-Spielzeit nicht unbedingt voll ausgenutzt werden MUSS. Dafür entschädigen aber das sehr schön gestaltete DigiPak und das Booklet. Erinnert von der Ästhetik her ein bisschen an die Cover der leider weitgehend vergessenen Band Impressions Of Winter aus den 90er Jahren.
Schönes Album mit viel Pathos und angenehmer Atmosphäre. (A.P.)

Webadresse der Band: www.salinegrace.de


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