ANNIE BARKER - Mountains And Tumult


Erstveröffentlichung: CD 2007 / Beautiful Revolution Records

Ich gebe es zu, diese Debüt-CD von ANNIE BARKER aus Kalifornien habe ich mir zunächst einmal hauptsächlich deshalb zur Rezension angefordert, weil sie von Robin Guthrie produziert und mit eingespielt wurde. Als riesiger Cocteau Twins-Fans seit rund 20 Jahren, bin ich natürlich immer gespannt, was der gute Mann heute so treibt, immerhin war er für Jahrhundertalben wie „Garlands“ verantwortlich und seine Gitarrenklänge haben neben Elizabeth Frasers Stimme den Sound einer ganzen Musikrichtung nachhaltig geprägt.
Als ich dann aber bei My Space vorab schon mal in die Musik von ANNIE BARKER hineingehört habe und die sehr schön gestaltete Website der Musikerin besucht habe, stieg die Vorfreude und Spannung auf „Mountains And Tumult“ stark an.
Wahrscheinlich ist diese CD das beste Cocteau Twins-Album, das die Band nie gemacht hat! Die Einflüsse von Robin Guthrie sind übermächtig und der Gesang von ANNIE klingt wohl nicht zufällig ähnlich wie der von Liz Fraser. Allerdings gibt es durchweg englischsprachige Texte zu hören, während Fraser ja vor allem in den 80er Jahren meist ihre eigene Fantasiesprache zum Singen genutzt hat.
Ich glaube auch nicht, dass ANNIE BARKER den vergleich mit den Twins übel nimmt, deutet doch die Auswahl Guthries als Produzent und Mitmusiker darauf hin, dass sie selber ein großer Fan dieser Klänge ist. Und eine der zauberhaftesten Bands aller Zeiten als Vorbild zu haben, kann kaum falsch sein, wenn dabei ein so schönes Album herauskommt. Musikalisch erinnert „Mountains And Tumult“ häufig ein bisschen an Alben wie „Blue Bell Knoll“ und „Heaven Or Las Vegas“, also an die mittlere Phase der Twins, als die wavige Düsternis der frühen Werke schon gewichen war, die Musik aber noch nicht so glatt gebügelt war, wie in den Major-Phase der 90er. Damit trifft ANNIE BARKER so ziemlich genau meinen Geschmack, denn in dieser Phase wurde auch der gute Dreampop/Shoegaze-Sound groß und brachte so wundervolle Bands wie Slowdive hervor. Hier und da geht es dann auch auf der CD in diese Richtung, was alles ein bisschen auflockert, dazu gibt es dann auch mal Ausflüge in musikalisch maintreamigere Gefilde wie in „Sausage Fingers“ mit einem sehr schönen Klarinetten-Part oder in fast ambient-chillige Soundwelten ergänzt durch Orgelklänge. Hier und da kommen auch leichte Erinnerungen an die Heavenly Bodies oder Felt auf, eine wunderbare Mischung also, wobei ANNIE BARKER eigentlich am besten klingt, wenn sie sich gesanglich von Fraser entfernt wie in „I Want“, das irgendwie fast „lärmig“ klingt.
Ein wunderbares album, das zudem mit einem sehr schön gestalteten Artwork erscheint. Nicht nur für Cocteau Twins-Fans ein Muss, und vielleicht das „most beautiful album of the year“... (A.P.)

Webadresse der Band: www.anniebarker.com


[ ZURUECK ]