DAS SYNTHETISCHE MISCHGEWEBE - Inventaire & Contradictions (A Retrospective 1982-1988)


Erstveröffentlichung: LP 2004 / Vinyl-On-Demand / Vinyl-On-Demand / VOD10

DAS SYNTHETISCHE MISCHGEWEBE ist eines dieser Projekte, die es bereits seit Jahrzehnten gibt, hier seit Anfang der 80er Jahre, und die unzählige Veröffentlichungen auf allen möglichen zur Verfügung stehenden Medien vorweisen können, ohne jemals einer breiteren Hörerschaft bekannt geworden zu sein. In die gleiche „Schublade“ gehören zum Beispiel auch Hollands De Fabriek und Kapotte Muziek oder Frankreichs M. Nomized und X-Ray Pop. Gemein ist allen diesen Klangkünstlern, dass sie sich immer wieder neu erfinden und sich selbst keine Grenzen setzen. Da gibt es dann alles von reinen Klangcollagen bis hin zu fast schon poppigen Songs.
DAS SYNTHETISCHE MISCHGEWEBE hat durch die vielen Veröffentlichungen auf Tape, CD, LP und was es noch alles geben mag, eine kleine Hörerschaft um sich gesammelt und immer wieder mit interessanten Veröffentlichungen erfreut (und sicher auch hin und wieder verärgert).
Auf der LP „Inventaire & Contradictions“ gibt es, wie der Untertitel schon sagt, eine kleine, sehr kleine, Retrospektive mit Aufnahmen aus den 80er Jahren. Man kommt nicht umhin, den Begriff Avantgarde zu benutzen und man muss praktisch gezwungenermaßen die Zeitgenossen P16.D4 und Die Tödliche Doris erwähnen, nicht, weil DAS SYNTHETISCHE MISCHGEWEBE genauso klingen würde, sondern, um überhaupt einen groben Hinweis zu geben für Leute, die von dem Projekt noch nie gehört haben.
Vor allem die Aufnahmen von Ende der 80er Jahre auf der A-Seite, die locker mal 17 und 12 Minuten gehen, muss man als „Klanglandschaften“ bezeichnen, also Plattenspieler anschalten, Licht abdunkeln und gemütlich in einen Sessel setzen und die Sounds wirken lassen. Da kann dann auch schon mal vor dem inneren Auge ein Film ablaufen. „Harvest Of Magnetism III (Fallow Land, Digested)“ erinnert beinahe von der Atmosphäre her ein bisschen an Coil´s „How To Destroy Angels“ und auch „Merle“ von den Einstürzenden Neubauten hat eine ähnliche, sehr finstere Stimmung. Sogar einige frühere, ambiente Sachen von Psychic TV kommen mir beim Hören in den Sinn. 12 Minuten geniale, atmosphärische Klänge!
Aber auch bei den (etwas) kürzeren und älteren Stücken von 1982 bis 1985 trifft es der Ausdruck Atmosphäre am besten. Frühe Ambient-Ideen, bevor dieser Begriff in den 90ern im Industrial-Bereich in eigenes Subgenre bezeichnete, stehen neben etwas rhythmischeren Aufnahmen, wobei die ganz frühen Tracks natürlich nicht in ganz perfekter Soundqualität vorliegen, und Sachen, die an typischen Japan-Noise erinnern.
Minimal-Electro-Fans werden einmal mehr meckern, dass die Vinyl-On-Demand Releases so selten ihrem Geschmack entsprechen, Avantgarde-Freaks und Freunde von experimentellen Aufnahmen sollten aber mal ein Ohr riskieren, alleine schon wegen dem Meisterwerk „Harvest Of Magnetism III (Fallow Land, Digested)“. (A.P.)

Webadresse der Band: www.vinyl-on-demand.com

PORNO PONY - Anker Herz Und Taube


Erstveröffentlichung: CD 2005 / Burrofeliz / SPV / SPV CD 82222

Leider lag diese CD viel zu lange fast ungehört bei mir rum. Das heißt, als ich sie bekommen habe (nein, keine zwei Jahre, aber doch ein paar Monate), habe ich sie einmal durchgehört und fand sie richtig gut und dachte mir, darüber muss ich bald was schreiben...und die CD ging im großen Stapel unerledigter Sachen immer weiter unter. Schande über mich...
Dabei macht die Musik des Flensburger Pop-Punk Duos richtig viel Spaß und gute Laune. Irgendwo zwischen Ärzte, Etwas, Mia, Spillsbury, Ideal und 200 Sachen geht es locker-flockig zur Sache mit Ohrwurmmelodien und liebenswert-rotzigem Gesang von Sängerin Janneke. Dazu ebenso rotzige Texte auf Deutsch, von denen zumindest die Refrains sofort hängen bleiben und man eigentlich spontan wild durch die Wohnung hüpfen möchte.
Dabei ist die Stilvielfalt breit gefächert, von gut losrockenden Stücken wie „An Die Familie“, ndw-igem wie „1, 2, 3 Hier Bin Ich Komm Nimm Mich“ und „Es Bleibt Immer Wie Es War“, sowie Ska-Einflüssen in „Schüttel Dein Arsch“ bis hin zu durchaus auch kommerziell-poppigen Sachen wie „Liebe Kaufen“. Auch nachdenklich wird es beispielsweise in „Hände In Den Himmel“ zwischendurch mal. Könnte glatt im Tagesprogramm von MTViva laufen und wäre die bessere Alternative zu all den Julis, Silbermonds und Konsorten. Natürlich ist die Grundlage der Songs immer schöner Pop-Punk, der von elektronischen Elementen unterstützt wird. Die stilistisch passende Coverversion gibt es dann auch noch mit „Radio“ von den guten alten Nichts. Und dann ist da noch das herrlich schräge „DaDa Elefanta“, das man einfach gehört haben muss und das einem danach eine ganze Weile nicht mehr aus dem Ohr geht. Dazu gibt es ein schön gestaltetes Booklet, das sehr bunt ist und in dem PORNO PONY-Hälfte Sven „Bosso“ in der Gruß/Dankes-Liste ausdrücklich Morrissey als einen seiner Helden bezeichnet, was ihn schon mal von vorneherein sehr sympathisch macht. Überhaupt wünscht man sich irgendwie beim Hören dieser absolut höchst sympathischen Veröffentlichung mit den beiden von PORNO PONY befreundet zu sein, weil man ahnt, dass man mit ihnen viel Spaß haben kann.
Ich hoffe wirklich sehr, dass man von PORNO PONY noch viel hören wird und sie nicht so sang- und klanglos wieder verschwinden wie einst die ähnlichen Etwas. (A.P.)

Webadresse der Band: www.myspace.com/pornoponyrockt

COMPILATION - Gotham Vol. 1


Erstveröffentlichung: CD 2007 / Syborgmusic / Nova Media / sbm 006-3

Das ist doch mal wirklich schön: ein Gothic-(Rock-) Sampler, wie man ihn aus den 90er Jahren kennt, als die Szene nicht nur in Deutschland ziemlich groß und lebendig war, noch nicht von Metal unterwandert wurde und man dauernd interessante neue Bands kennen lernen konnte. Diese Art von Samplern, die eine Reihe bekannterer Bands (meist mit Stücken von ihren Veröffentlichungen, hin und wieder mit Exklusivmaterial) mit Newcomern (meist unveröffentlichte Sachen) zusammenbrachte, spross überall aus dem Boden und man hatte eine große Auswahl. Heute ist der klassische Gothic-Rock fast nur noch auf dem Strobelight Records-Label am leben. Nun, reinen Gothic-Rock gibt es auch auf „Gotham Vol.1“ wenig zu hören, dafür aber Szenebands, die von New Wave über Dark Wave bis hin zu leicht avantgardistischen Klängen alles mögliche bieten. Da sind dann gute alte Bekannte aus den 80ern (COLLECTION D’ARNELL ANDREA), den 90ern (DRONNING MAUD LAND, TORS OF DARTMOOR, LOVE IS COLDER THAN DEATH, PRINTED AT BISMARCK’ DEATH, ANOTHER TALE, INKUBUS SUKKUBUS) und von heute (KOMU VNYZ, VIOLET STIGMATA, SILLAN) dabei, außerdem zeitlose Acts wie IN MY ROSARY und weniger Bekanntes wie WOLF und ICEBERG MODEL dabei. Und natürlich die wunderbare MONICA RICHARDS (Faith And The Muse, Strange Boutique), die hier mal wieder mehr als zauberhaft und damit Siegerin nach Punkten ist. IN MY ROSARY bieten typisches aus dem Folk-Wave-Bereich, sehr eingängig und hier und da auch für Ikon-Fans empfehlenswert, wenn man deren akustische Sachen mag. DRONNING MAUD LAND und INKUBUS SUKKUBUS liefern den guten alten Gothic-Rock englischer Prägung ab, COLLECTION D’ARNELL ANDREA bewegen sich seit rund 20 Jahren sowieso jenseits aller negativer Kritik, hier einmal ungewohnt clubtauglich, LOVE IS COLDER THAN DEATH sind eine feste Größe, auf die man zählen kann und PRINTED AT BISMARCK’S DEATH waren schon immer herrlich eigen. Schön wavig kommen ANOTHER TALE daher, während TORS OF DARTMOOR fast bowieqsque erscheinen. Wenig Überraschendes zwar, aber eine gut anzuhörende Ansammlung alter Helden, die zum großen Teil auch heute noch hörenswerte Musik abliefern. Was bieten also die unbekannteren Gruppen? VIOLET STIGMATA frönen dem alten Gothic-Rock, scheuen aber nicht davor zurück, auch einige elektronische Elemente einzubauen. KOMU VNYZ aus der Ukraine liefern eine gelungene Mischung aus klassischem Gothic-Rock und gemäßigten Rammstein ab, während WOLF eher die Dark Wave-Liebhaber bedienen. Ebenfalls dem etwas schrägen Dark Wave, mit leicht metalligen Gitarren sind SILLAN aus Finnland zugeneigt, bevor ICEBERG MODEL, weithin unbekannt geblieben, einen herrlichen Wavesong von ihrer 1990er EP vorstellen, der eigentlich damals ein Hit hätte werden müssen. Eine echte kleine Perle, die eigentlich zu Unrecht hier ganz am Ende versteckt wurde. Da würde ich gerne mal mehr hören!
Alles in allem also ein schöner Sampler, der ganz im Stile der mittleren 90er Jahre daher kommt und zwar wenig unbekanntes Material bietet, aber der heute doch recht jungen Szene einen hübschen Überblick dafür gibt, was sich abseits der großen Szenestars und gehypten Acts so tut. Vielleicht stößt der eine oder andere Hörer ja so auf neue Lieblingsbands.
Ich mochte damals diese Art von Zusammenstellungen (wobei natürlich nicht alle richtig gut waren), und ich freue mich einfach, mal wieder so eine CD zu hören. Kein Meilenstein, aber auf jeden Fall eine CD zum immer hören. Und meilenweit vor all den Zillo-Orkus-Sonic Seducer-etc.-CD-Beilagen, die eher nach Zahlungskraft der Bands/Labels zusammengestellt werden. (A.P.)

Webadresse der Band: www.syborgmusic.de

SICKDOLL - Sickdoll


Erstveröffentlichung: LP 2007 / Hertz-Schrittmacher / Institut Zur Freundlichen Nutzung Von Kernkrach / Hertz021

SICKDOLL konnte sich mit einem Beitrag zum „2 Hemden Und 2 Hosen Vol. 5“-Sampler, einem Auftritt beim zweiten Kernkrach-Festival und einer Single auf Hertz-Schrittmacher schnell einen guten Namen machen. Nun liegt die erste LP, ebenfalls auf Hertz-Schrittmacher, vor und man darf sich wieder einmal mehr auf eingängigen Electro-Wave freuen.
Natürlich liegen die Wurzeln von SICKDOLL weiterhin in den frühen 80er Jahren, als mit einfachen Mitteln viel minimaler New Wave-Sound entstand, zudem gibt es diesmal ein paar zusätzliche NDW-Einflüsse zu hören, was die Musik über LP-Länge etwas abwechslungsreicher macht. Die Vorbilder dürften auf der einen Seite bei Größen wie Gary Numan und Mark Lane liegen, auf der anderen Seite aber auch bei Minimal-Wave-Helden wie Dark Day, Van Kaye & Ignit, Jeff & Jane Hudson oder, um mal was aktuelleres zu nennen, Oppenheimer Analysis. Die eine oder andere Platte von Trisomie 21 oder Twice A Man dürfte SICKDOLL auch im Schrank stehen haben. Das klingt nach einer guten Mischung und kann auch wirklich durchgehend überzeugen. Lediglich der Gesang ist nicht immer perfekt abgemischt. Schafften es zum Beispiel die Griechischen Human Puppets nach einer großartigen Single nicht, ein komplett gutes Album vorzulegen, so gelingt dies SICKDOLL problemlos. Ich kann die Platte wirklich am Stück durchhören, ohne irgendeinen Ausfall zu verzeichnen. Auch, wenn die Musik noch nicht endgültig eigenständig klingt, so stört das hier nicht besonders, weil genau der Sound geboten wird, den man bei Früh 80er-inspiriertem Minimal-Electro-Wave, sei es die atmosphärische oder die tanzbare Variante, erwartet.
Die übliche Limitierung (350 Exemplare), eine schicke Verpackung und ein Beiblatt und bei einem Teil der Auflage noch eine Comicbeilage machen auch diese Veröffentlichung aus dem Hause Kernkrach zu einem Hit, der mir noch besser gefällt, als die Single. (A.P.)

Webadresse der Band: www.kernkrach.de

GASLICKER - Gaslicker


Erstveröffentlichung: Maxi-CD 2007 / Finest Noise Releases / Radar

GASLICKER gibt es erst seit 2006, doch kann die Truppe schon auf einiges an Liveerfahrung zurückblicken. Nun also die erste CD-EP mit 4 Songs, die den guten alten Rock’n’Roll am Leben erhalten wollen und das auch recht gut schaffen. Die Rotzigkeit lässt hier und da auch an Biker-Rock denken und eine Spur Pop-Punk ist auch dabei zumindest im ersten und besten Stück „What Will Be“. Eine gute Mischung also, die aber wohl erst live endgültig zündet. (A.P.)

COMPILATION - This Is An Insane Insane World


Erstveröffentlichung: LP 2007 / WSDP / WSDP114

Schon länger angekündigt...hier ist er nun, der erste Sampler auf WSDP! Gegraben hat Franck dafür im Archiv vom belgischen Insane Music-Label und dabei sieben unveröffentlichte und 4 rare Stücke gefunden, die sich im weitesten Sinne im Minimal-Electro-Avantgarde-Bereich bewegen. Manch Minimal-Freak meckert über die Schrägheit, aber solche Banausen beachten wir doch gar nicht, oder? Los geht’s also...
SUBJECTs „Italian Summer“ ist ein hübscher kleiner Wave-Song, wie er wohl nur um 1980 herum entstehen konnte und so stammt das Stück auch von der „Topless Game“-Compilation-LP aus eben diesem Jahr. Ebenfalls bereits auf einer Cassetten-Compilation veröffentlicht wurde „La Nuit, Tous Les Chats Son Gris (Short Version)“ von BENE GESSERIT, eine Soundminiatur, die man nicht unbedingt als Song bezeichnen kann, genau wie das avantgardistische „Ze King Of Ze Djungle (Aventure En Afrique)“ von derselben Gruppe. Die Leute, die von BENE GESSERIT sonst eher die eingängigeren Minimal-Electro-Stücke mögen, werden vielleicht etwas enttäuscht sein. Aber man sollte inzwischen wissen, dass bei WSDP auch mal schrägere Sachen kommen, so die Säurekeller-LP oder auch vor langer Zeit Early W oder Der Kohlenklau. Ich finde es gut, dass der liebe Franck sich da keine Grenzen setzt, sondern konsequent das veröffentlicht, was er selber als dafür geeignet hält. Ähnlich, wenn auch etwas waviger mit ganz leichten Laibach- und Test-Dept.-Anklängen geht es bei den folgenden beiden HUMAN FLESH-Stücken weiter. Das erinnert schon ein bisschen an Theatermusik. „Grijs“ ist jedenfalls ein sehr spannendes Stück. Dass alle Songs auf dieser LP recht homogen zusammenpassen liegt natürlich daran, dass überall Alain Neffe beteiligt war und alles aus dem Umfeld des kleinen Insane Music Labels stammt. THE OTHER SIDE OF HUMAN FLESH nimmt viel vom (deutschen) Dark Wave der 90er Jahre vorweg, bis hier der eingängigste Song, auch, wenn das auf dieser Platte noch nicht viel bedeutet. Zum Schluss der A-Seite noch eine Elvis-Coverversion-Klangminiatur von BENE GESSERIT, die auch die B-Seite eröffnen, nun allerdings mit eher minimal-wavigen Klängen, die so manchen Hörer wieder zufriedener Stimmen werden. Ähnlich minimal, aber schön schräg geht es danach noch mal mit der Gruppe weiter, bevor PSEUDO CODE fast 10 Minuten lang minimal-hypnotische Klänge abliefern, die hier und da ein wenig an Psychic TV erinnern. Zum Schluss ein letztes Mal BENE GESSERIT mit einer weiteren Variation ihres Elvis-Covers.
Ich finde es schade, dass manche Minimal-Electro-Puristen diese Platte schlecht machen, nur weil sie eben nicht den gewohnten und vielleicht nach den WSDP-Veröffentlichungen von BENE GESSERIT und PSEUDO CODE erwarteten Sound bieten. Ein bisschen mehr musikalische Offenheit sollte schon drin sein und mir gefällt „This Is An Insane Insane World“...der Titel kommt ja auch nicht von ungefähr. (A.P.)

Webadresse der Band: www.wsdp.de

MANIA D - Track 4


Erstveröffentlichung: 7 Inch 1980 / Monogam Records / Monogam 002

Als direkte Vorgängerband von Malaria! dürfen MANIA D gelten, ein Projekt von Bettina Köster, Beate Bartel und Gudrun Gut, die ansonsten auch aus dem Umfeld der Einstürzenden Neubauten, Laisons Dangereuses, CHBB und Din A Testbild aktiv waren. Obwohl es nur diese eine Single der Band gibt (in zwei farblich unterschiedlichen Covervarianten) und obwohl Malaria! später weitaus erfolgreicher, vor allem auch international, waren, hat sich der Name MANIA D bis heute in der Minimal-Geniale Dilletanten-NDW-Szene gehalten. Das mag daran liegen, dass die Single bereits 1980 erschien, als in Deutschland die unabhängige Musikszene erst so richtig durchstartete. Und es liegt sicher auch daran, dass es sich hier um eine reine Frauenband handelte, zu der damaligen Zeit auch noch eher ungewöhnlich.
Die Musik ist herrlich schräg, liefert schon das NDW-typische Quäk-Saxofon mit und erinnert natürlich schon stark an das, was Malaria! später ablieferten. Das alles und sicher auch die Tatsache, dass die Platte auf dem Monogam-Label erschienen ist, machen sie zu einem gesuchten Sammlerstück, aber eben auch zu einem Zeitdokument, das die deutsche Musik in neue Richtungen aufbrechen ließ. Gehört eigentlich in jede NDW-Sammlung. (A.P.)

JUD-GUT - Abseits/Ad Akta


Erstveröffentlichung: MC 1986 / 235 Audio / MC 235/016

Nein, dieser Projektname hat in erster Linie nichts mit dem namensähnlichen Nazipropagandafilm „Jud Süß“ zu tun, obwohl Ähnlichkeiten sicherlich nicht zufällig sind. Zuallererst besteht der Name aus den beiden Nachnamen der beteiligten Performancekünstlerin Anne Jud und der Musikerin Gudrun Gut (Malaria!, Mania D...). Und wäre diese Veröffentlichung nicht „nur“ auf Cassette erschienen, hätte es sicherlich eine größere Diskussion um den Namen, als über die Musik gegeben.
Gudrun Gut hat 1986 zwei Performances von Anne Jud musikalisch untermalt, wobei zwei lange Musikstücke entstanden sind, die am ehesten dem Bereich Avantgarde zuzuordnen sind. „Abseits“ ist der Soundtrack zur Performance „Die Schneekönigin“ nach der Erzählung von Hans-Christian Andersen. Hier gibt es atmosphärische, schwebende Klänge zu hören, die viel davon vorwegnehmen, was heute als Ambient bezeichnet wird. „Ad Akta“ hingegen ist am ehesten eine Klangcollage mit Rhythmen, Stimmsamples und weitaus düstererer Stimmung, die die Spannung über die gesamten rund 20 Minuten hält.
Eine hochinteressante Veröffentlichung für Avantgarde-Liebhaber, weniger allerdings für Fans von Malaria! oder anderen Gudrun Gut-Projekten. Dass diese Cassette trotzdem auch in der NDW-Rubrik zu finden ist, obwohl sie musikalisch damit wenig zu tun hat und 1986 die Welle nun wirklich vorbei war, ist hauptsächlich dam Namen Gudrun Gut geschuldet, damit interessierte Fans auch auf diese eher unbekannte Komposition stoßen können. Allerdings könnte man zumindest „Ad Akta“ auch ein bisschen mit Guts frühem Projekt Din A Testbild in einem Topf schmeißen. (A.P.)

PERSEPHONE - Letters To A Stranger


Erstveröffentlichung: CD 2007 / Curzweyhl / Rough Trade

Es ist nicht gerade die leichteste Aufgabe die Musik von Persephone in nur einem Wort zusammenzufassen. Viel zu verschieden sind die Songs, zu vielschichtig die Stimmungen und besungenen Gefühlszustände. Über dem gesamten Album „Letters to a Stranger“ erhebt sich die pure Stimmgewalt von Sängerin Sonja Kraushofer, die den Zuhörer in ihre ganz eigene Welt entführt. Seit sie mit ihrem Debütalbum „Home“ im Jahre 2002 sich einen Namen machten, hat sich die Band permanent weiterentwickelt. Während noch alle Songs des Debüts von Ruhe und Erlösung sprechen, folgen die Alben „Atma Gyan“ (2004) und „Mera Sangeet kho Gaya“ (2004) einem Konzept. Man beschrieb die ruhelosen Gefühlszustände der mythologischen Figur Persephone in der Welt der Lebenden. „Atma Gyan“ erschien im Frühling, während „Mera Sangeet Kho Gaya“ im Winter erschien – just zu den Zeitpunkten, da die mythologische Figur Persephone alljährlich aus der Unterwelt hinaus in die Welt der Lebenden tritt bis hin zu dem Moment, da sie erneut in den Hades zurückkehren muss.

Nach nunmehr 3 Jahren meldet sich Persephone endlich bei ihren Fans zurück, und diesmal mit einem völlig andersartigen Album. „Letters to a Stranger“ überrascht den Hörer durch seine musikalische Vielseitigkeit und seine eindringlichen Texte. Fielen die Vorgängeralben schon durch ausgefeilte Streicherarrangements auf, ging Cellist und Songwriter Martin Höfert noch einen Schritt weiter diesmal. Er verfasste Arrangements und Stücke für Orchester, realisiert mit dem Philharmonischen Kammerorchester Wernigerode. Was dabei entstanden ist, ist hochromantisch und tiefgründig, denn es sind wunderschöne Melodien- zarte Melancholie- die dieses Album tragen. Holger Wilhelmi am Cello, Johannes Kramer am Kontrabaß und John Abdelsayed als Percussionist schaffen filigrane Rhytmen, während Sonja Kraushofers Stimme das schier Unfassbare schafft: ein ganzes Publikum zu aufmerksamen Zuhörern zu bewegen. Man ist als Hörer gefangen in der Welt von Persephone, die so ganz anders ist als etwa die von L’amme Immortelle,

Präsentiert wird das Album in einer aufwändigen Box, für die sich Joachim Luetke verantwortlich zeichnet, der bereits Artworks für Dimmu Borgir und Marylin Manson entwarf. Die Texte der Songs sind wie Briefe an den Hörer verfasst, der sich als Fremder dieser Musik nährt und sicher als Freund oder besser noch als gewonnenen Fan das Album wieder aus dem CD Player nehmen wird! (Maximilian Nitzschke)

ADAM - Adam


Erstveröffentlichung: CD 2007 / Fearsection / SPV

Als mich kürzlich der Track ""Ugly Smile"" des italienischen Newcomers ADAM erreichte, war ich mir - wie wohl einige Kollegen auch - nicht so ganz sicher ob es sich bei der Church of Adam um den wohl größten Schwindel seit den Sex Pistols handelt, oder ob sich hier wirklich etwas ganz Großes anbahnt. Bislang ist diese Frage noch nicht erschöpfend beantwortet in mir. Nichtsdestrotrotz wartet Adam mit harschem Elektro auf, der ein wenig an Agonoize oder sogar Hocico erinnern läßt. Das Debütalbum ""Adam"" erschien bei Fearsection, dem Label von Chris Pohl. Dieser sprach bereits im Interview schon von einer Band ""die den Rock´n´Roll lebt"" und beschrieb die CD grinsend ""als perfektes Electro - Album!""

Frontmann von Adam ist Jesus C. Shock - kurz Jeez, der angeblich schon immer mit Spiritualität zu tun hatte. Sein Vater war Mitte der 80er Jahre einer der erfolgreichsten Goldschmiede in Italien. Als er jedoch 33 Jahre alt war, ließ er sein kleines Imperium zurück, um seinem spirituellen Glauben zu folgen. Damit nicht genug, auch in seiner Kindheit war Jeez umgeben von Philosophien aus verschiedenen Kulturen, und als er mit 18 seine eigene Band hat, wird ihm schnell der Spitzname Jesus zuteil. ""Ich bin der Messias des digitalen Zeitalters, auch ich bin eine sehr alt Seele, vielleicht mit einem größeren Ego als Jesus Christus."" Das sind entweder die Worte eines besessenen genialen Musikers, oder aber Träumereien eines Wahnsinnigen, aber eines passiert auf jeden Fall, man hat an der Church of Adamn zu rätseln! Auch die ganze Band selber ist als eine Vereinigung von Freidenkern gegründet. Monatlich gibt es Zusammenkünfte in deren Rahmen sie über jegliche Formen von Religionen sprechen. Sie meditieren oder gehen in die Wälder, um eine bessere Verbindung zur Natur zu haben und ihre Körper auf Astralreisen zu schicken.

Um so erstaunlicher ist es dann, dass dieses Album nicht ruhig und in sich gekehrt wirkt, sondern stattdessen mit harschem Elektrosound daherkommt. Mit Wucht werden dem Hörer die Tracks ins Gesicht gepeitscht. Eine gnadenlose Melodik wird gepaart mit einer guten Mischung aus Verzweiflung und Wut. Dem nicht genug, überzeugt man mit einer Pianoballade am Ende auch den letzten Hörer davon, dass egal ob Adam nun Spinner oder neuer Messias ist, er sein Handwerk versteht.
Sei es nun mit dieser ""Kirche"" wie es sei, an ihren musikalischen Predigten kommt man definitiv nicht vorbei! (Maximilian Nitzschke)

ASP - Requiembryo


Erstveröffentlichung: Doppel-CD Requiembryo / Trisol Music

Die Erfolgsgeschichte von ASP gleicht schon einem kleinen Wunder denk ich. Aus dem Kokon schählte sich mit der Frage ""Hast du mich vermisst?"" im Laufe der letzten Jahre ""Aus der Tiefe"" ein schwarzer Schmetterling, der nicht nur den Protagonisten des Zyklus zu verführen versucht, sondern auch die Fans der Ausnahmeband aus Frankfurt. Die Bandgründung im Jahr 1999 und nur ein Jahr später der Plattenvertrag mit Trisol. Am 6.12.2001 folgt dann das erste Fanfestival ""Die Zusammenkunft"" in der Frankfurter Batschkapp. Selten gibt es Bands in unserer Szene, die sich ihren kontinuierlichen Erfolg so ehrlich erarbeitet haben wie es ASP getan haben. Sie alle sind authentisch, behalten die Nähe zu ihren Fans, wie das diesjährige WGT deutlich gezeigt hat, und besitzen eine sprühende Kreativität - Konstanten ihrer Arbeit, die gleichzeitig zu ihrem Markenzeichen wurden. ASP gehen ganz gerade ihren Weg, und nur zwei Jahre nach der Veröffentlichung ihrer CD ""Aus der Tiefe - Der schwarze Schmetterling Teil IV"" hatten die Jungs beschlossen, die Saga um den Schwarzen Schmetterling mit einem fulminanten Album zum Abschluss zu bringen. Am 23.03.2007 erschien das Doppelalbum ""Requiemembryo - Der Schwarze Schmetterling, Teil V"". Neben der schlichten Jewelcase Variante in den absolut raren und begehrten Varianten ""Total Edition"" (aufwendiger DinA5 Schuber mit 40 seitigem Booklet) und obendrauf noch eine ""Schwarzes Gold Edition"" (auf 999 Stück limitierte Doppel LP). Das Cover ist extravagant und kunstvoll gestaltet, erinnert an Filmplakatte, und setzt sich auch in beeindruckenden und doch verstörenden Bildern im Booklet so fort. Alleine wegen dieser großartigen Fotokunst lohnt es sich schon diese CD zu erwerben - von den musikalischem Hochgenuß ganz zu schweigen!

Hört man nun aber, dass es sich bei diesem Album um einen Abschluss handelt, könnte man ja denken, dass sich nun ASP auflösen werden. ASP selbst wehren ganz vehement ab, weder löse man sich nun plötzlich auf, noch hätte man einen wirklichen Schlussstrich gezogen. Jede gute Erzählung muss aber eben auch einmal zu einem Ende kommen und ""Der Schwarze Schmetterling"" war an eben jenem Punkt angekommen. Gerade in den Zeiten von rückläufigen Verkaufszahlen grenzt es schon an ein Wunder, dass ASP ein solch aufwändiges Album produziert haben,und auch Mathias Ambré bestätigt nur, dass es ziemlicher Irrsinn war, gleich ein Doppelalbum zu veröffentlichen, sich die Mühe aber mehr als gelohnt hat. Besonders spannend für ihn war diesmal die intensive Gitarrenarbeit auf dem Album, ebenso wie die Aufnahmen mit keltischer Harfe und Tin Whistle, da es einerseits ganz neu war und anderseits viel Spaß machte. Gesanglich brilliert ASP auf diesem Album und scheut auch nicht vor Passagen zurück, die an ein Hörbuch erinnern. Der Kampf um die Seele beginnt, und es bleibt lange ungewiß, wer nun die Oberhand behalten wird. Wird am Ende doch der Schwarze Schmetterling siegen? Antwort könnte man auf CD 2 finden, im Requiem nämlich. Das gesamte Thema des Requiems (CD 2 Track 1 I- VII) wird von ASP in lateinischer Sprache verarbeitet, klingt sehr sakral und mit dazugehörigem Pathos vorgetragen, schließlich ist das ja nun auch das letzte Kapitel des Falters. ASP erklärt die Wahl von Latein damit, dass man, wenn man schon sein eigenes Requiem schreibt, man vor etwas sakralen Pathos keine Angst haben sollte, um Athmosphäre zu schaffen.

Den Einstieg ins Album liefert der Track ""Offährte"", eine Mischung aus Offerte, Fährte und natürlich der Ouvertüre. ""Komm zu mir ein allerletztes Mal!.."" lautet die Aufforderung, die Einleitung zum letzten Kapitel. Die Stimmung des Liedes ist sehr intim, nur von Gitarre und dem Gesang von ASP getragen, fängt der Track den Hörer und läßt ihn emotional ins Album abtauchen. Mit dem zweiten Track ""Coming Home"" schließt sich nun die ""Tiles"" Trilogie. Wieder begeben wir uns als Hörer zusammen mit dem Protagonisten durch die Gänge des Dunklen Turmes um etwas zu finden. Musikalisch schlägt der Song eine gute Brücke zurück zu ""Duett"" und ist ein schönes Stück Electro - Goth Rock.
Weiter geht es mit ""De Profundis"", dachte man nun vielleicht es bliebe rockig, wird der Hörer stattdessen mit hypnotosierendem Trommelrhytmus überrascht. Aus der Tiefe dringen Geräusche herauf und erzählen eine Geschichte, die ein wenig an ""Me"" oder auch ""Hunger"" erinnert, aber musikalisch einfach anders aufgebaut ist.
Der nächste Track heißt ""Pavor Diurnus"" und ist ein gesprochener Text von einem Traum. Die Frage ist, wer träumt hier von wem? Fremde Träume dringen in den eigenen ein und die Bilder verschwimmen, eine Tür in einem langen Gang ist von einer scheinbar organischen Substanz überwuchert, nur ein Schritt hinein, und das Gefühl nicht allein zu sein macht sich breit… Track 5 heißt ""Duett (Minnelied der Incubi)"" und beschreibt den kurzen Moment der Gleichwertigkeit der beiden Persönlichkeiten, die drohen ineinander überzugehen. ""Nur im Traum allein kann ich bei dir sein, und verflieg im Morgenrot"". Es scheint eine gefähliche Mischung, die aber dennoch sehr sinnlich präsentiert wird.
Die Nummer 6, der ""Schmetterflug"" ist ein instrumentales Stück, das sich ins bombastische steigert und die bedrohliche Stimmung verstärkt. Deutlich ist die Verschärfung der Situation zu spüren, die Gleichwertigkeit ist aufgehoben, der Kampf um die eigene Persönlichkeit des Protagonisten hat nun eindeutig begonnen.
Das Stück ""Frostbrand"" (Nummer 7) ist nichts für schwache Nerven finde ich, die Angst des Protagonisten wird immer stärker, er befindet sich nun im Dunklen Turm in eben jenem Gang aus seinem Traum, alles ist eng und außerdem schrecklich kalt, erinnert an eine Gruft. ""Der Korridor erstreckt sich, der Schrei ist ungehört verhallt, hier drinnen ist es schrecklich kalt!""
Wird er doch die Augen schließen und den Kampf einfach aufgeben? Für einen kurzen Moment scheint es fast so.
Track 8 ist inzwischen zum Kultsong geworden ""Ich bin ein wahrer Satan"", hier auf dem Album erstmals in der vollständigen, langen Textfassung. Einfach eine super Nummer!
Nummer 9 heißt ""Erinnerung eines Fremden"" und ist erneut ein Instrumentalstück, dass die Einleitung bietet zum ersten größeren Zwischenthema des Albums. Das Geschöpf des Schmetterlings wird instrumental beschrieben, das Thema Lykanthropie kommt hinzu.
Mit dem Lied 10 machen sich im Protagonisten erste Zweifel breit, was wird sein, wenn die Vereinigung mit dem schwarzen Schmetterling nicht funktioniert? ""Raserei"" und Wahnsinn bricht los, du weißt nicht mehr was du tust, fühlst dich wie ein eingesperrtes Tier. ""Ich kann mich nicht von dir befreien, solang du bist, kann ich nicht sein!""
Mit dem Stück Nummer 11 ""Erwachen"" ist es vorbei mit der Stille der Nacht, denn der Tanz im Schnee ist zu lange her. Du erwachst und hast in der Nacht das zerstörst, was dir lieb und teuer war. Im Grunde handelt es sich hier um eine klassische Mörder Ballade die erneut das Motiv der Lykanthropie aufnimmt und weiterspinnt.
Nach diesem Stück, fast als würde eine Spieluhr nur für sich hinspielen, ertönen noch einmal die ""Erinnerungen eines Fremden - Reprise"" mit Stück Nummer 12. In die sanfte Spieluhrmelodie dringen bedrohliche Geräusche und machen die Idylle zunichte.
Gleich rockig geht es weiter mit Song 13 ""Finger weg! Finger!"" einer kraftvollen Nummer, die wieder im Hier und Jetzt verankert ist. In mancher Situation möchte man sich einfach Luft machen und rufen ""Finger weg! Finger, ich gehör alleine mir!""

Die zweite CD beginnt nun mit dem fast 30minütigen Requiem. Den Beginn macht ein sakraler Gesang mit dem Titel ""Introitus Interruptus"". Alles hat sich verändert, außer das das Tier immer noch in ihm wohnt und versucht Herrscher über die Seele des Wirts zu werden. Die Beziehung zwischen Schmetterling und Wirt wird eindringlich geschildert, einst in ihn eingedrungen, versucht es nun völlig von seinem Wirt Besitz zu ergreifen, der sich verzweifelt versucht dagegen zu wehren. Das Requiem geht rockiger weiter mit ""Kyrie (Eleison 2: Mercy)"", ein unterkühltes Electro Stück und natürlich eine kleinere Hommage an die alten Zeiten, denn textlich höre ich wenig Unterschied zum Ursprungssong ""Mercy"".
Die Kyrie wird fortgesetzt mit ""Kyrie: Litany Agnus Die"" und ""Die arles (Sequenz)"" -erneut sakral eingesungen. Kein flehen und kein Beten hilft dem Protagonisten mehr, in ihm wohnt kein Quell des Lebens mehr. Mit dem Motiv des gefallenen Engels spielend, muss damit andere leben können ein Menschenopfer dargebracht werden. Der Protagonist würde sich dafür opfern, damit würde sich der Ritus von Leben und Tod vollenden. Jedoch läßt sich der Schmetterling nicht auf diesen Handel ein und erhält ihn am Leben, der Protagonist darf nun nicht mehr ruhen, sondern muss nur noch leiden. Er kann kein Wesen mehr sein alleine, stattdessen drängt er der Schmetterling ihn sich zu doch nun endlich mit ihm zu vereinen. Der nächste Teil ""Nimm mich (Suffertorium)"" ist ein Wortspiel. Ein sehr romantisches Stück an sich, dass aber textlich tragisch ist. Es beschreibt, wie sehr man jemanden lieben kann, dass man alles für ihn tun würde - notfalls auch an seiner statt sterben. ""Sanctus Benedictus"" ist wieder die Orientierung hin zum Rock, ein echter Goth - Rocker. Textlich verdeutlicht es noch einmal die Beziehung des Protagonisten und des Schmetterlings. ""Du bist die Antwort, du warst schon immer hier, du lebtest in mir, nun sterbe ich in dir!"" Mit ""Lux Aterna"" kommt ein wenig Hoffnung auf, wenngleich das Zwischenspiel doch recht kurz ausfällt leider. Nummer 9 dieses Requiems bildet ""Hymnus: Heaven"", ein sehr zerbrechlicher Song, getragen nur von ASP Stimme, berichtet er von dem Moment des ins Licht gehen.
Krasser könnte dann der Ãœbergang kaum werden, denn mit Gitarrenwänden kommt das Ende des Requiems daher ""Exsequien: Hell"". Unter rockigen Gitarrenwänden klingt das beschwörende ""Eleyson"" wie eine ganz üble Drohung.
Den regulären zweiten Song der CD II bildet ""Schwarzer Schmetterling: Nekrolog"", nur eingeleitet von sanften Pianoklängen, die abgelöst werden, von der bekannten Melodie des ""Schwarzen Schmetterlings"". Dieser Song hier bildet gewissermassen den zweiten Teil des Songs und schließt damit den ersten Kreis des Albums ab. Das Album endet damit natürlich nicht, aber er beendet zumindest diese Geschichte. Vielleicht ist allerdings die Platzierung auf dem Album nicht so klug gewählt gewesen, denn der Hörer ist vom Requiem doch noch sehr erschlagen um auch diesen Song genügend zu würdigen.
Der dritte Song ""Pavor Noctunis"" ist erneut nur eingesprochen von ASP und beschreibt das Gefühl sich im eigenen Körper nur noch als Gast zu fühlen.
Den vierten Song bildet ""Biotopia"", der für mich etwas herausfällt und vielleicht thematisch am ehesten noch zu ""Ich bin ein wahrer Satan"" zu zählen ist. Denn es beschreibt die Kälte der Gesellschaft, nicht umsonst singt ASP, das er sich wie ein Paria fühlt, ein Unberührbarer.
Der fünfte Song wirft die Frage auf, wie weit würden Fans, aber auch die Band selber denn gehen, und vor allem für was? ""How far would you go? (The 6th of September)"" war auch Teil des Soundtracks für ""Saw2"" und bildete damit einen Vorgeschmack auf dieses Album.
Den sechsten Track bildet ""Nie mehr"", der fast so etwas wie eine neue ASP Hymne zu werden scheint, inhaltlich wie eine tragische Liebesgeschichte konzipiert, die zum scheitern verurteilt ist. Wie geht man mit dem Verlust von gegenseitiger Liebe um, was wird bleiben?
Schließlich folgt der unweigerliche Abschluss dieses Albums, und wie schon zu Beginn wird dieser erneut nur von Gitarre, Harfe und Gesang getragen. Wir schauen noch einmal zurück auf die Ruinen des Dunklen Turms, ein letztes Flimmern leuchtet darüber auf, aber sonst steht nur ein Meer von Trümmern. Alles verwittert und wird überwuchert, und auch aus der Tiefe dringt kein Flehen mehr, nur noch Dunkelheit, es ist endgültig vorbei! (Maximilian Nitzschke)



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