DER PLAN - Live At The Tiki-Ballroom


Erstveröffentlichung: CD 1993 / Atatak / Efa

Angeblich wurde diese CD live in Neuseeland vor einem Maori-Publikum im Jahre 1992 aufgenommen. Ob das nun wirklich wahr ist, weiß ich nicht, aber das ist ja auch völlig egal, denn fast jeder Ton von DER PLAN ist es wert, gehört zu werden. Die CD beginnt mit dem monumentalen „Satan Unser“, einer Verballhornung des „Vater Unser“. Abgesehen davon, dass die übliche Minimalistik der Gruppe hier mal völlig außen vor gelassen wird, könnten einige humorlose Gruftis das Lied durchaus ernst nehmen und in ihren Discos spielen, allerdings nur, wenn man vorher noch nie von DER PLAN gehört hat. Im musikalischen und inhaltlichen Kontrast dazu folgt direkt danach „Engel“. Einschmeichelnd und aufs Nötigste beschränkt ist dies schon viel eher ein typischer PLAN-Song. Danach eines der bekanntesten Lieder der Band, nämlich „Ampel Ne Steht Vorne Da“. Obwohl der Titel das vielleicht vermuten lässt, wird der Text hier nicht rückwärts interpretiert, sondern so, wie man es gewohnt ist. Ich mag dieses surrealistische, „böse“ Kinderlied, in dem die Menschheit dazu aufgefordert wird, auch mal bei Rot über die Ampel zu gehen und andere Tabus zu brechen. Der zweite kommerzielle Klassiker der Gruppe folgt gleich danach mit „Tanz Den Gummitwist“. Selten war ein Lied mit einem derartig bösen, zynischen Text in den Hitparaden vertreten, was wieder einmal beweist, dass ein großer Teil der Menschheit sich überhaupt nicht für die Inhalte von Popsongs interessiert. So war es vor 20 Jahren und so ist es heute, wahrscheinlich sogar vielmehr. Mit Humor und Surrealismus schaffen es DER PLAN, den Menschen einen Spiegel vorzuhalten, ohne dabei aber den Spaß zu vernachlässigen. Große Unterhaltungsmusik, hier übrigens mit etwas zeitgemäß aktualisiertem Text. Textlich abgedreht bleibt es dann auch bei „Pizza“. Eine Textzeile wie „Bei uns am Bahnhof liegt ´ne alte Pizza“ scheint völlig sinnlos, wird hier aber so ernsthaft in einem tanzbaren Song rüber gebracht, dass man sich beinahe fragt, ob da nicht doch mehr dahinter steckt. Zumindest ist das Lied ein Ohrwurm allererster Güteklasse. So geht es weiter mit kleinen, skurrilen Pop-Perlen, die Fans der Band sowieso gefallen dürften, aber bei genauerem Zuhören auch so manchen „open-minded“ Minimal-Pop-Hörer erfreuen können. Minimal-Electro-Freunde werden soweiso ihren Spaß dran haben. (A.P.)



[ ZURUECK ]