ROTER STERN (BELGRAD) - L´Afrique – Revisited...Afars & Issas Et Les Pays Au-Dela


Erstveröffentlichung: Mini-LP 2003 / Was soll das? Schallplatten

Ziemlich lange war diese Platte schon angekündigt und ich war sehr gespannt darauf, zumal die sonst übliche Auflage von 100 Exemplaren diesmal erhöht wurde und ich mit einem echten Knaller rechnete. Nun, eine wirklich gute Platte mit analogen Experimental-Electro-Sound aus den ganz frühen 80er Jahren ist auch dabei heraus gekommen, doch denke ich, manche Leute werden etwas überrascht sein, weil sie etwas anderes erwartet hätten. Statt tanzbarem oder einfach skurrilem Minimal-Electro-NDW-Sound gibt es diesmal eher experimentelle, konzeptionell angelegte Electro-Klänge mit Avantgarde-Ambitionen. Irgendwie ist das sehr frühe elektronische Weltmusik, in der fremdartige Rhythmen mit verfremdeten Naturgeräuschen kombiniert werden. Man spürt förmlich, wie damals ein Soundtüftler die Möglichkeiten seines wahrscheinlich sauteuren Equipments erforschte. Dabei muss man bewundernd anerkennen, dass die Klänge auch zehn, fünfzehn Jahre nach den Aufnahmen, ja nicht mal heute, altmodisch klingen und das ist schon wirklich ein Kunststück. Der Sound ist nebenbei bemerkt, auch ziemlich gut, wenn man bedenkt, dass es sich hier um eine Zusammenstellung alter Tapeveröffentlichungen handelt.

ROTER STERN war Rainer Rabowski und nannte sich damals noch ROTER STERN BELGRAD, wahrscheinlich nach dem gleichnamigen Fußballverein. Warum der Städtename bei dieser Platte abhanden gekommen ist, weiß ich nicht, aber das ist eigentlich auch völlig egal. Nett ist die Trennung in eine LP-Seite mit 5 Tracks bei 33 UPM und einer Maxi-Seite mit einem Track auf 45 UPM. Solche Veröffentlichungen gab es in den 80ern häufiger, aber das Format des so genannten Medium-Players (also zwischen LP und EP) scheint heute fast völlig vergessen. Auch bei der Gestaltung der Platte ist wieder ein Schritt zu mehr „Professionalität“ vollzogen worden. Gedrucktes Cover, richtige Labels auf der Platte und ein gedrucktes (naja, wohl farbkopiertes) Beiblatt. Ob diese Weiterentwicklung wirklich notwendig ist, bleibt Geschmackssache, aber mir haben auch die bisherigen handgemachten Cover sehr gut gefallen. Apropos Beiblatt...das finde ich sehr anstrengend zu lesen und recht langweilig.

Lobenswert ist, dass der gute Franck Punk bei seinen Veröffentlichungen auch mal das Risiko eingeht, etwas anspruchsvollere Kost zu veröffentlichen, wie er ja auch schon mit der Ankles-LP bewiesen hat. Für den durchschnittlichen Minimal-Electro-Freak ist das hier wahrscheinlich nicht das Wahre, wer aber avantgardistischeren Klängen auch etwas abgewinnen kann (ich zähle mich dazu), kann bedenkenlos zugreifen. (A.P.)



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