STIMMKRAFT - Mehr Als 1 Gesicht


Erstveröffentlichung: CD 2005 / Frequenz / EMG

Harte Gitarren, poppige Melodien, grollende Stimme...was kann das denn bloß sein? Das neue Album von Rammstein? Von Oomph!? Oder gar von Joachim Witt? Nein, es handelt sich um „Mehr Als 1 Gesicht“ (man soll wohl „ein Gesicht“ sagen, obwohl im Titel ja „eins Gesicht“ steht, aber egal), das neue Album von ANDREAS BUTTLER, der unter dem Namen STIMMKRAFT hier seine erste CD veröffentlicht. Allerdings hat der auch als Schauspieler tätige Musiker in den 90er Jahren schon einige CDs unter seinem eigenen Namen veröffentlicht und einen tollen Platz 112 in den Top 100 erreicht und ist mit seinem Stück „Gleichschritt“ 1992 gleich bei Politik und Medien angeeckt, weil er den Text nicht ändern wollte, da ja die Bundeswehr zu dem Zeitpunkt in den Irak einmarschieren sollte. Aha, über diesen kleinen Krieg unserer glorreichen Wehrmacht-Nachfolgeorganisation weiß ich gar nichts, da habe ich wohl einige Wochen keine Nachrichten geguckt oder Zeitung gelesen. „Natürlich“ hat Herr Buttler den Text damals nicht wie gefordert abgeändert und wurde so nicht in Radio und TV gespielt. Das Lied würde ich ja gerne mal hören!
Ich gebe zu, all die wichtigen Informationen, die ich hier bisher preisgegeben habe, sind aus dem Waschzettel zu „Mehr Als 1 Gesicht“ abgeschrieben, weil ich bisher noch nie was von ANDREAS BUTTLER oder STIMMKRAFT gehört habe und insofern ist es natürlich etwas ungerecht, dass ich hier arg ironisch bin, das sollte der interessierte Leser also bitte berücksichtigen und entschuldigen.
Jetzt aber – ernsthaft – zur Musik auf dieser CD. Einige Vergleiche, die einem sofort in den Sinn kommen, habe ich ja ganz oben schon erwähnt, wobei vor allem die Ähnlichkeit mit einigen Joachim Witt-Werken der letzten Jahre groß ist. Die meisten Tracks sind eine Mischung aus Pop und Rock mit einer gewissen Düsternis, die vor allem durch den Gesang entsteht. Besonders interessant wird es aber, wenn BUTTLER mit seiner natürlichen Stimme singt und die Klänge entspannter werden. Zwar schrammen „Frei Für Immer“ und einige anderes Tracks extrem nahe am Schlager vorbei, können sich teilweise aber doch als sehr schöne Stücke präsentieren, die in den besseren Momenten tatsächlich an Nino DeAngelo in erinnern, in den schwächeren eher an Matthias Reim und das meine ich jetzt ganz ehrlich und nicht ironisch. Das hätte ich auf der CD nun gar nicht erwartet und spätestens ab hier habe ich doch aufgehorcht. Auch „Giganten“ ist ein sehr schöner Song, wäre aber mit natürlicher Stimme noch besser. So schlängelt sich das Album zwischen schönen, ruhigen Songs und wenig spektakulären „harten“ Stücken durch knapp eine Stunde und ich bleibe irgendwo zwischen „ganz nett“ und „ein paar richtig tolle Songs“ stecken, ohne zu wissen, welche Hörerschaft hier eigentlich die Zielgruppe ist. Für Chart-Pop ist es wohl teilweise noch zu düster und schräg, für Gruftis und Rammstein-Fans ist es dann doch zu soft und richtige Rocker finden es garantiert zu lahm. Mir persönlich hätte eine Mini-CD mit den ruhigen Tracks gereicht, die hätte ich dann richtig gut gefunden, so bleibt der Daumen leider nur in der Waagerechten. Da hilft es auch nicht, dass „Sexy“ von Westernhagen gecovert wird. Diesen Musiker sollte man nicht noch durch eine Coverversion aufwerten. (A.P.)

Webadresse der Band: www.stimmkraft.com

RULE 62 - Love And Decline


Erstveröffentlichung: CD 1995 / Aggressive Rockproduction / Rough Trade

RULE 62 waren mir bis heute noch völlig unbekannt. Auf alle Fälle kommt die Band aus den USA und hat ihr Album in Steve Albini´s Studio produziert. Musikalisch wird uns von diesem Quartett, welches die klassischen Instrumente beherrscht (Schlagzeug, Baß, 2 Gitarren), in erster Linie Rockmusik beschert, die uns einige Ausflüge in die Punk-Ecke und aber vor allem in die Hardrock-Ecke genehmigt, gemeinhin nennt man das wohl Alternative. Einige Ohrwümer und tolle Stücke sind enthalten, so z.B. „Belong Here“ und „Don´t Ignore Me“ und da macht es auch nichts, daß der Gitarrenriff von „Friends?!“ von Iggy Pop´s „The Passenger“ geklaut ist. Am besten Mal reinhören, das erfreut! (H.H.)

RUN LEVEL ZERO - In Between


Erstveröffentlichung: CD 2002 / Prototyp-Memento Materia / Nova Media

Und immer wieder Schweden...da scheint es immer noch eine unüberschaubare Zahl von Electrobands zu geben. Nach ihrem Debut „Symbol Of Submission“ legen sie hier eine Remix CD als Überbrückung zum nächsten Album vor, auch das scheint heute im Electro-Bereich üblich zu sein. So kann man mit relativ wenig Aufwand die schon mal veröffentlichten Tracks nochmals unter die Leute bringen. Wie bei Remix CDs üblich, haben ein paar mehr oder weniger bekannte Leute sich die Titel vorgenommen und für die Tanzflächen bearbeitet. Meist werden da eigene Stilelemente der Remixer mit eingebracht, was das Ganze dann gelegentlich sogar einigermaßen interessant macht. Hier versuchen sich Bands/Projekte wie Psyche, E.Craft und Project X an dem Stoff von RUN LEVEL ZERO und liefern durchweg ordentliches, wenn auch nicht brillantes Material ab. Den einen oder anderen Remix wird man sicher in den Clubs häufiger hören. Ein wirklicher Hit ist der „Pouppee Fabrikk Remix“ von „Feedback Birds“, ich mochte die Arbeit der Schweden Pouppee Fabrikk schon immer und auch hier zeigen sie wieder, was sie drauf haben, schön minimalistisch, schräg und tief in den 80ern verwurzelt. Um die bisherigen Fans auch mit neuem Material zu erfreuen, gibt es noch zwei unveröffentlichte Tracks zu hören, zum einen das extrem tanzbare „For Real“ und das düstere „Storm“. Die Vorbilder von RUN LEVEL ZERO sind eindeutig bei den Großen des Genres zu finden, vor allem einige kanadische Gruppen haben unüberhörbare Spuren hinterlassen. Sicher gibt es hier keine innovativ neuen Sachen zu hören, dafür aber soliden, tanzbaren Electrosound, der sicher eine Menge Fans finden wird. (A.P.)

RYA - Personal Cosmos


Erstveröffentlichung: CD 2003 / F.A.M.E. Recordings / BMG

Zum Jahresausklang erreicht uns noch einmal ein absolutes Meisterwerk. Schade, dass ihr nicht die Begeisterung in meiner Stimme hören könnt, wenn ich über diesen Silberling schwärme. RYA ist eine junge Dame, die sich nicht nur mit elektronischen Instrumenten auskennt, sondern auch eine blühende Phantasie besitzt und sich einen „eigenen Kosmos“ aus fantastischen Elementen zusammenbaut. Darüber hinaus hat sie ein unglaubliches Gespür für tolle Melodien und so hat sie nicht nur alle Songs auf diesem Album selbst komponiert, sondern auch selbst eingespielt. RYA ist für mich ein perfekter Mix aus Björk, den Untoten und No Comment, wobei sie aber aus allen Bands/Musikern die Essenz zieht und alles in wunderschöne Popsongs verpackt. Es ist zwar alles elektronisch, aber trotzdem sehr eigenständig und es ist sogar meistens in irgendeiner Art tanzbar, ohne aber stumpfes Techno-Bumm-Bumm zu zelebrieren. Facettenreich und irgendwie kindlich naiv, aber so sympathisch, dass es dem Zuhörer das Herz bricht, wenn die CD zu Ende ist. Es gibt auf diesem Album nicht ein schlechtes Lied, nicht eine schlechte Sekunde und wenn Ihr die Kritik hier lest, denkt Ihr sicherlich, der Typ übertreibt total oder ist prozentual am Umsatz der CD beteiligt. Nein, das ist nicht so, RYA präsentiert ein Album, das man ständig hören könnte und obwohl es von Fantasy-Welten handelt, wirkt es nicht abgehoben, sondern eher märchenhaft-kindlich-naiv. Und Leute, passend zu dieser wundervollen CD gibt es eine wundervolle Website (www.personalcosmos.com). Bei RYA stimmt einfach alles, ein echtes Gesamtkunstwerk! Für mich die Neuentdeckung des Jahres!!! (H.H.)

SAIDAN - For Those Who Walk The Path Forlorn


Erstveröffentlichung: CD 2005 / Metal Heaven / Soulfood

SAIDIAN kommt aus Esslingen/Germany (wie das ansonsten deutschsprachige Info es so schön formuliert), also aus Deutschland. Ihr Genre: Melodic Metal. Ihre Vorgehensweise: Old School. SAIDIAN, bestehend aus 5 Herren, werden produziert von Vagelis Maranis, können in ihrem Stil vollauf überzeugen. Melodien, die schnell im Ohr sind und sich festbeissen und Gitarristen und Keyboarder, die mit ihren schnellen Fingern sicherlich nicht nur ihre Instrumente zu Höchstleistungen bringen können. Es wird gefrickelt, was das Zeug hält, das ist zwar für meinen Geschmack ziemlich unnötig, aber Fans der Musikrichtung lieben so etwas wohl. Auch der Sänger ist voll aus der Klischeekiste geholt und klingt, als sei er, sorry, das muss man mal so direkt sagen, vor langer Zeit entmannt worden. Aber auch das lieben Fans von Melodic Metal ja wohl. Ebenso die Texte, die ein wenig Fantasy sind und das gezeichnete Cover mit der hübschen Frau und den Fantasybauten drumherum. Ich persönlich bin kein Fachmann des Genres, meine aber, dass SAIDIAN aus Germanys Esslingen (fast 90.000 Einwohner und viel Metallindustrie, wie passend) eine Bereicherung und Ergänzung einer jeden Melodic Metal CD-Sammlung sind. (H.H.)

SAINTS OF EDEN - Proteus


Erstveröffentlichung: CD 2001 / Schwarzrock / SPV

Ich hasse Namedropping! War beim SAINTS OF EDEN Debut „The Other Side“ 1998 der Hinweis, dass der Musiker Cian Houchin 1996 mal irgendwie was mit Carl McCoy bei Nefilim gemacht hat, legitim, so ist dies beim zweiten Album „Proteus“ nochmals 3 Jahre später nur noch peinlich. Da glaubt die Plattenfirma wohl, dass die Musik nicht gut genug ist, um für sich selber zu stehen und bemüht deshalb bekannte Namen, oder was?

Na ja, im Back Again zählt nur die Musik und die ist sehr professionell und fett produziert, was sicherlich auf die musikalische Erfahrung des Musikers zurückzuführen ist, immerhin hat er mal bei Nefilim...aber lassen wir das.

Leider klingen alle Titel sehr ähnlich, nach einem atmosphärischen, elektronischen Intro kommt ein treibender Beat, dann verzerrte Gitarren und dann „böser“ verzerrter Gesang, im Info steht was von Sepultura und Nine Inch Nails. Teilweise lassen sich aus dem ganzen auch ein paar sehr schöne Gitarren heraushören, die es als einziges rechtfertigen, die CD in die Gothic-Rubrik einzusortieren, z.B. in „Crushed“, einem der besten Songs auf „Proteus“. Ganz okay, weil zumindest etwas Abwechslung bringend, ist auch „Millennium Dawn“. Ansonsten werden Einflüsse von Trance-Techno bis Metal durch die Mangel gedreht und als innovativer Stilmix verkauft. Ich würde es aber eher als „nix halbes und nix ganzes“ beschreiben. Crossover ist ja schön und gut, aber dabei sollte man sich in irgendeiner Form einen eigenen Stil bewahren oder erschaffen und nicht einfach nur alles mögliche aus angesagten Musikrichtungen zusammenklauen. Für die Tanztempel ist sicher der eine oder andere Florfiller enthalten, für schwarzgekleidete Gothics dürfte das ganze aber ziemlich uninteressant sein. Möglicherweise mögen das aber ein paar Gruftis, die auch Schock, HIM, Marilyn Manson und Nefilim hören. Bei mir wird die CD wohl nicht allzu oft im Player rotieren. Ach ja, und falls es irgendjemanden interessiert: Cian Houchin hat die Songs „meistens in der Nacht“ geschrieben, wenn man dem Labelinfo glauben darf. Hui! (A.P.)

JEROME DAVID SALINGER - Der Fänger im Roggen


Erstveröffentlichung: Buch 1966 / RoRoRo / ISBN 3499108518

Wenige Tage vor Heiligabend. Holden Caulfield, noch minderjährig, ist vom vierten Internat geflogen und reist zurück nach New York zu seinen Eltern. Da er keine Lust hat, sich sofort bei ihnen blicken zu lassen, setzt er sich erst einmal in einem Hotel ab und treibt sich herum...

Viel mehr ist zu der Geschichte an sich gar nicht zu sagen, denn sie ist im Grunde auch gar nicht wichtig. Holden Caulfield ist ein junger Mann auf der Schwelle zwischen Kind und Erwachsenem und er ist noch nicht bereit, diesen Weg zu gehen. Auch wenn er viele Dinge des Erwachsenseins genießt, zum Beispiel Sex, Zigaretten und Alkohol, so erkennt er die Heucheleien der Menschen. Er weiß, dass sich alle hinter Masken verstecken, dass alle nur an der Oberfläche schwimmen. Er träumt davon, ein Fänger im Roggen zu sein, ein Mensch, der in einem riesigen Roggenfeld Kinder einfängt, um sie davor zu bewahren, einen nahegelegenen Abhang hinab zu fallen. Dieser Fall würde für sie den Tod bedeuten, metaphorisch gesehen natürlich den Verlust der Naivität und vor allem der Natürlichkeit. Holdens kleine Schwester Phoebe ist für ihn das Maß aller Dinge. So wie sie möchte er sein, so wie alle kleinen Kinder wäre er gern. Doch er kann nichts gegen das Älterwerden tun und das deprimiert ihn immer mehr und lässt ihn schließlich in eine Therapie abrutschen. „DER FÄNGER IM ROGGEN“ ist ein zeitloses Buch. Es ist in den Fünfziger Jahren geschrieben worden, doch es ist in seinen Aussagen genauso aktuell wie damals und wird deswegen auch heute noch an vielen Schulen gelesen. Auf den ersten Blick wirkt das ganze Buch belanglos, für manchen vielleicht sogar langweilig, doch es ist extrem komplex und beinhaltet verschiedene Motive, die immer und immer wieder auftauchen und ein stimmigen Gesamtbild abgeben mit einer sehr intensiven Symbolik. Nach dem Lesen des Buches kann man Holden Caulfield nur lieben und seine Ansicht teilt man bedingungslos. Ich bin fest der Meinung, dass das Lesen des Buches schlauer macht und die Augen gegenüber erwachsenem Heuchlertum öffnet. „DER FÄNGER IM ROGGEN“ gehört für mich zweifellos zu den Büchern, die man gelesen haben sollte. Vor allem sollte man es in jungen Jahren lesen. (H.H.)

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SALONIKI SURFERS - Saloniki Surfers


Erstveröffentlichung: CD 2004 / Pirate Records-Al Dente Records / Sony

Ska, Reggae, Rocksteady, Dub...Musikstile, die ich hier und da nebenbei gerne mal höre, von denen ich aber, zugegebenermaßen wenig Ahnung habe, so dass eine inhaltlich tief gehende Kritik zur CD der SALONIKI SURFERS aus dem Westfälischen eher nicht möglich ist. Verlege ich mich also bei dieser 8-Leute-Truppe mal ganz auf meinen persönlichen Geschmack. Für mich klingen die Songs, wechselnd eher dem einen oder anderen der oben genannten Stile zugewandt, recht authentisch und absolut nicht durch moderne Einflüsse aus Rock, Pop, Punk, oder was auch immer, verwässert, um vielleicht größeres kommerzielles Potential zu haben. Gut so, denn Pop-Reggae oder Ska-Punk gibt es wirklich schon mehr als genug. Im Waschzettel steht, dass es einen Reggae-Boom in Deutschland gibt...nun, davon habe ich noch nicht viel mitbekommen, wenn das aber stimmt, könnte ich mir vorstellen, dass die SALONIKI SURFERS mit ihren eingängigen Melodien und insgesamt gut gelaunten Songs da ganz vorne mit dabei sein könnten, denn es macht einfach Spaß, ihnen zuzuhören, nicht nur im Sommer, sondern auch gerade jetzt im Herbst. Ich nehme mal stark an, dass die Band auch besonders live überzeugt.

Auch, wenn diese Kritik Fans der Musik wenig bei der Kaufentscheidung helfen wird, weil sie nicht besonders detailreich ist, so sagt sie vielleicht aber dem Gelegenheitshörer oder –käufer, dass man mit der CD definitiv nichts falsch macht und authentisch klingende Musik bekommt, statt einer Mogelpackung, bei der Ska, Reggae und ähnliches nur den normalen 08/15-Sound ergänzen. (A.P.)

SANDBOX TRIO/BETH CUSTER - Nocturnalis


Erstveröffentlichung: CD / Frank Mark Arts

Bei diesen Aufnahmen handelt es sich um live eingespielte Tracks aus dem Jahre 1996, die CD selbst aber ist aus 1999. Auch hier gibt es wieder bizarre, afrikanisch angehauchte Klangwelten zu erleben mit einigen außergewöhnlichen Instrumenten aufgelockert. Definitiv ambient und nicht unbedingt leicht verdaulich. Es gibt zu dieser CD eigentlich gar nicht so viel zu sagen, das beste ist, Ihr macht Euch selbst ein Bild unter der Web-Adresse www.sandboxtrio.com. Diese CD dürfte über die Seiten D www.frank-mark-arts.com zu haben sein. Viel Spaß beim Stöbern. (H.H.)

SANDBOX TRIO/BETH CUSTER - Kurumba


Erstveröffentlichung: CD / Frank Mark Arts / Semaphore

Instrumentale Entspannung und ethnische, ambiente und industrielle Berieselung finden wir beim SANDBOX TRIO aus Kalifornien. Neben den üblichen Synthesizern finden wir hier auch elektronische Percussion (die etwas afrikanisches in manche Tracks bringen) und selbstgebastelte Instrumente. Die Musik entwirft geistreiche Landschaften im Kopf, könnte auch als Soundtrack für einen etwas bizarren Science Fiction Film durchgehen. Man fand sich zusammen im Jahre 1992 und brachte 1993 das Debüt-Album „Orcus Drawl"" heraus, welches gute Kritiken in Europa und auch den USA bekam. Im Jahre 1994 kam dann das zweite Album mit Namen „Idiohone"" auf den Markt, was sie zu mehr Improvisierungen und auch zu Liveauftritten ermutigte. Das „Kurumba""-Album hier ist allerdings auch schon von 1995, doch derartige Musik unterliegt ja keinerlei Zeitgeist-Vorschriften und hat somit natürlich Berechtigung, hier noch ein paar lobenede Worte zu ergattern. Auf der CD gibt es noch einen Datentrack, auf dem man Bilder zu den Songs anschauen kann und zu den vorhandenen CDs in die entsprechenden Stücke reinhören kann. (H.H.)

SANDOW - Anschlag


Erstveröffentlichung: CD 1994 / Fluxus Platten / Rough Trade

Faktum: SANDOW sind eine Punkband, sie spielen schnelle, harte Musik mit gut gesetzten Breaks, kritischen Texten und gelegentlichem Chorgesang. So oder so ähnlich würde der oberflächliche Hörer SANDOW vielleicht beschreiben. Stimmen tut das auch, aber eben nur teilweise. Denn SANDOW sind weitaus mehr, als nur eine weitere Punkband aus dem Osten, genauer aus Cottbus (ursprünglich) und Berlin (heute). „Anschlag“ ist das insgesamt sechste Album (incl. zweier Hörspiele). „Anschlag“ ist ein Album, das irgendwo eine Nische zwi­schen Hardcore, Punk, Klassik, Avantgarde und vielem mehr gefunden hat Eine Mischung aus Tote Hosen, Einstürzende Neubau­ten und vielem mehr. Sehr schwer zu beschreiben, denn SANDOW haben ihren eigenen Stil erarbeitet in der Zeit ihres Bestehens, immerhin seit 1982. Eigentlich überrascht es mich, daß diese Band in den letzten Jahren so erfolgreich war, denn musikalisch sitzen sie oft zwischen allen Stühlen und können aufgrund ihrer Vielfältigkeit keine bestimmten Gruppe von Hörern ansprechen, was aber auch bestimmt nicht das Wichtigste bei der Band ist. SANDOW sind mehr als Musiker, sie sind Künstler und arbeiten auch über die Musik hinaus, z.B. auch an Hörspielen, Trommelperformances und im Theater. Irgendwann ca. 1990 habe ich SANDOW mal live gesehen und war von der Energie, die sie herüberbrachten absolut begeistert, leider habe ich die Band dann wieder aus den Augen bzw. Ohren verloren, was aus heutiger Sicht wohl ein Fehler war, denn SANDOW schaffen es, wie wenige andere Bands, ihre Live-Energie auch auf Platte/CD zu bannen. Wer sich also für musikalisch vielseitig hält, sollte SANDOW ruhig mal ein Ohr gön­nen. (A.P.)



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