BAKTERIELLE INFEKTION - Cities Of Glass


Erstveröffentlichung: CD 2005 / Genetic Music / Genetic Music / GEN 025

Man mochte es kaum noch glauben, aber nun ist nach unheimlich langer Wartezeit endlich das neue Album von Berlins BAKTERIELLE INFEKTION erschienen, das den schönen Titel „Cities Of Glass“ trägt und natürlich hohe Erwartungen weckt, wenn man schon immer wieder vertröstet wurde. Um es vorweg zu nehmen: es erfüllt alle Erwartungen problemlos und übertrifft sie teilweise sogar! „Cities Of Glass“ dürfte eines der konsequentesten und besten deutschen Minimal-Electro-Alben der letzten Jahre sein, nicht mehr und nicht weniger.
Thema der CD ist, knapp zusammengefasst, der Überwachungsstaat und so geht es in „Die Hand Der Bundesregierung“ gleich mit Aufnahmen aus dem „Deutschen Herbst“ 1977 los. Man hört die Stimme Hanns Martin Schleyers, der damals von Terroristen der Rote Armee Fraktion entführt und später ermordet wurde, um Terroristen freizupressen. Ein düsterer Anfang, der gleich danach vom ersten Hit des Albums abgelöst wird, „Actors On Stage“, bereits bekannt von der „Global Players“ Live-7“. Keine Frage, dass das ein Hit in allen Clubs und auf den einschlägigen Partys wird. Mit „We Don´t Have Any Dreams“ und „At Home“ bleibt es minimalistisch, wird aber gleichzeitig auch waviger, während der Titeltrack „Cities Of Glass“ klassischen Minimal-Electro bietet, der nicht zu eingängig daher kommt und vor allem die „ganz alten“ Fans begeistern dürfte. Wer die Single von The Normal auch heute noch mag, liegt hier richtig. Ähnliche Richtung, aber noch experimenteller und düsterer: „Crawling And Falling“. „Untitled And Unfinished“ enthält einen Text von Ian Curtis (Joy Division), der nicht mehr von der Band vertont wurde. Hier klingt das Stück zwar nicht wirklich nach Joy Division, trifft aber dunkel-wavig den Geist der Gruppe recht gut. Das wird sicher ein BAKTERIELLE INFEKTION-Langzeit-Favorit. „Großstadtleben“ ist dann wieder ein treibender Clubhit, der direkt aus der Früh-80er Tapeszene stammen könnte, die zum Beispiel das Kernkrach-Label so schön aufarbeitet. Wenn man´s nicht wüsste (und der Sound nicht so gut wäre), würde man den Song nie ins 3. Jahrtausend einordnen. Ein wenig an Kraftwerk, zumindest, was die Musik angeht, erinnert „Nothing Real“, ein absoluter Ohrwurm. Ein kurzes Instrumentalstück im ähnlichen Stil ist „Made In Europe“, bevor „No World Without Borders“ endlich auch mal die Industrial-beeinflusste Seite der Berliner zeigt, die in den letzten Jahren leider etwas in den Hintergrund gerückt ist. Klinik-Fans werden hier begeistert sein, genau, wie ich. „Wegen Dir“ ist kein Ärzte Cover, wie man annehmen könnte, sondern ein ultra-eingängiges, spaciges Minimal-Wave Stück, das ebenfalls aus den ganz frühen 80ern stammen könnte und ein wenig an den frühen Gary Newman erinnert. Da BAKTERIELLE INFEKTION auch immer für die eine oder andere Überraschung gut sind, haben sie hier unter dem Titel „Keine Angst“ Razzias „Arsch Im Sarge“ gecovert. Allerdings ist der eigentlich gute Text kaum zu verstehen, wenn man das Original nicht kennt und das Stück hat nicht die Energie des Punk und ist zu vorhersehbar. Leider eine nicht ganz so gelungene Coverversion, die aber live deutlich dazu gewinnen dürfte. Nun, ich bin sowieso kein großer Fan von Coverversionen. „Postage“ ist ein atmosphärisches Instrumental mit vielen schönen Atari-Telespiel-Sounds und „Echo“ schlussendlich schließt das Album ab und fungiert als kurzes Outro.
Damit endet ein durchweg spannendes Minimal-Electro-Album, das sich selbst keine Grenzen setzt (deutsche Texte, Samples, englische Texte, Instrumentals, unzählige Einflüsse). Einziges kleines Manko ist vielleicht, dass der Gesang nicht besonders „offensiv“ abgemischt wurde und so hier und da eher wie ein zusätzliches Instrument erscheint, aber das ist natürlich völlig in Ordnung, wenn es gewollt ist.
Auf jeden Fall werden sich andere aktuelle Minimal-Bands an diesem Werk orientieren müssen. Dass ein paar langlebige Clubhits aus „Cities Of Glass“ bleiben, dürfte sowieso keine Frage sein. (A.P.)

Webadresse der Band: www.bakterielle-infektion.de

RALPH SANTOLLA - Shaolin Monks In The Temple Of Metal


Erstveröffentlichung: CD 2002 / Frontiers Records

Mit sieben Jahren startete RALPH SANTOLLA seine Karriere, bzw. er begann, die Gitarre zu bedienen. Als großer Fan von Kiss und Ufo hat er seine Vorliebe zum melodischen Hardrock schnell erarbeitet. Erste Banderfahrung folgte und später eine eigene Band mit Namen EYEWITNESS, mit welcher er zwei Platten veröffentlichte. Danach hat die Band ihren Namen in MILLENIUM geändert und konnte mit den nächsten zwei Platten auch kommerzielle Erfolge feiern. 1998 brachte er mit einem anderen Projekt namens MONARCH ebenfalls eine Platte auf den Markt. Nun präsentiert RALPH SANTOLLA das erste Solo-Album. Es handelt sich um ein vollkommen instrumentales Album mit stundenlangen Gitarrensoli, welches er mit Leuten von TEN, EMERALD RAIN und DREAMTIDE eingespielt hat. Es klingt sehr klassisch, schnell und selbstverständlich sehr virtuos. Leichte Metal-Einflüsse sind zu hören, doch es überwiegen die Hardrock-Einflüsse mit einer Gitarre, die RALPH SANTOLLA sicherlich des öfteren die Finger verknotet hat, so schnell ist die mitunter gespielt. ist natürlich insgesamt Gewöhnungssache, ein instrumentales Album, aber für Gitarrenfans ist das Ganze garantiert ein Genuß. (H.H.)

JOSé SARAMAGO - Die Stadt der Blinden


Erstveröffentlichung: Buch 1995 / Rowohlt Verlag

Ein Mann steht an einer Ampel, plötzlich erblindet er. Von einem Augenblick zum anderen. Panisch ruft er um Hilfe. Ein Passant nimmt sich seiner an und fährt ihn nach Hause und als er ihn abgesetzt hat, nutzt der die Gelegenheit und klaut dem Mann sein Auto. Kurz darauf erblindet auch er. Als ein Augenarzt in der Nacht über seinen Lehrbüchern schwitzt, um herauszufinden, was das ist, verliert auch er sein Augenlicht. Am nächsten Tag wird er abgeholt, die Regierung greift hart durch und interniert alle Blinden in einer Irrenanstalt, damit die Epedemie nicht um sich greift. Was aber keiner weiß: Die Frau des Augenarztes hat nur vorgetäuscht, dass sie blind sei. Die Verhältnisse werden immer schlimmer, immer mehr Blinde werden in die Anstalt gefercht…

Der portugiesische Schriftsteller José Saramago, der 1998 den Literatur-Nobelpreis gewonnen hat, schafft hier ein Szenario, das an beste Endzeiten erinnert. Wen man blind ist, ist man trotzdem noch lebensfähig, aber wie ist es, wenn die ganze Menschheit nicht mehr sehen kann? Sobald die Versorgung zusammenbricht, bricht auch die Gesellschaft zusammen. Die Menschen lernen, in unfassbarem Schmutz zu leben, sie müssen töten, um zu überleben und sie entwickeln sich zu Tieren. Es ist das alte Spiel: Es braucht nur einige wenige Unruhestifter, um die Welt aus dem Ruder laufen zu lassen, das soziale Gleichgewicht ist sehr empfindlich. Eine Stadt, die in Kot, Müll, verrottenden Leichen und Schrott versinkt.

Was etwas stört, ist die Art des Schreibens. Dialoge werden ohne Anführungsstriche und nähere Erläuterung, wer was sagt, einfach per Komma hintereinander gesetzt, die Sätze sind teilweise unvollständig und kommen wie Pistolenschüsse. Verwinkelungen gibt es kaum. Auch werden die Personen nicht mit Namen benannt, sondern nur als „Die Frau des Arztes“, „Die Frau mit der dunklen Brille“, „Der erste Blinde“ und so weiter bezeichnet. Warum das in der Gruppe, die so eng miteinander lebt, so ist, verstehe ich nicht. Gerade in so einer intimen Gruppe ist es doch nur natürlich, sich mit Namen anzusprechen. Dadurch jedenfalls schafft Saramago eine gewisse Distanz zum Leser, der so nicht richtig mit den Figuren mitfühlen kann. Auf der anderen Seite betont das natürlich die Kälte und Hoffnungslosigkeit. „DIE STADT DER BLINDEN“ ist alles in allem aber trotzdem ein unglaublich mitreißendes Buch mit einer unglaublichen Tiefe. Hier wird gezeigt, was es heißt Mensch zu sein, im positiven, wie auch im negativen Sinne. Und was es heißt, Teil einer Gesellschaft zu sein. (H.H.)

JEAN-PAUL SARTRE - Das Spiel ist aus


Erstveröffentlichung: Buch 1997 / Rowohlt Verlag / ISBN 3499100592

Pierre ist der Gründer und Anführer einer Revoluzzergruppe, die sich „Die Liga“ nennt. Eines Tages wird er von einem Verräter erschossen. Zeitgleich wird Eve, eine feine Dame der Gesellschaft von ihrem Ehemann vergiftet – dem obersten Herren der Stadt, gegen den Pierre kämpft. Pierre und Eve kommen ins Jenseits. Das ist eine Welt, in der die Toten wandeln. Sie wandeln ungesehen in unserer Welt, unfähig, etwas zu tun, verdammt, nur zu beoachten. Pierre muss erkennen, dass am nächsten Tag ein Gegenschlag gegen „Die Liga“ geführt werden soll, den er ja nun nicht verhindern kann. Eve unterdessen muss erkennen, dass ihre Schwester von ihrem Ehemann hintergangen wird, doch auch sie kann nichts tun, sondern nur zuschauen. Dann kreuzen sich die Wege von Pierre und Eve und die beiden verlieben sich sofort. Das Schicksal gibt ihnen daraufhin eine zweite Chance: Sie dürfen wieder zurück zu den Lebenden, doch es gibt eine Bedingung: 24 Stunden müssen sie ihre Liebe durchhalten, ohne Zweifel und Vorbehalte. Prompt steht das glückliche Paar wieder im richtigen Leben. Doch es dauert nicht lange, da kommen doch schon die ersten Zweifel: Wollte Pierre nur zurück, um seine Freunde zu warnen? Wollte Eve nur zurück, um ihrer Schwester zu helfen? Wo liegt die Wahrheit?

Der 1905 geborene Jean-Paul Satre dürfte wohl einer der bekanntesten Vertreter des so genannten Existentialismuses sein und hat nicht nur Romane, sondern auch Theaterstücke, Erzählungen und sogar Drehbücher geschrieben. „DAS SPIEL IST AUS“ ist im Grunde ein Roman, allerdings mit einer sachlichen Erzähl- und Beschreibweise wie die eines Drehbuches. Die Geschichte ist sehr intelligent, zeigt sie doch, dass ein Mensch gefangen ist im eigenen Ich und sich seinem Schicksal nicht entziehen kann. Es gibt keine freien Entscheidungen, es gibt nur eine allumfassende Sicht und die daraus entstehende Art zu Handeln. Sich einzig auf die Liebe zu konzentrieren ist unmöglich, nicht einmal 24 Stunden kann man dies tun. Schade ist, dass man durch die Form des Drehbuches relativ fern den Emotionen von Pierre und Eve bleibt, es fehlt das Dramatische, das sich einzig auf der philosophischen Ebene abspielt. Darüber hinaus ist das auch kein typisches Werk von Satre, den wirklich existenzialistisch ist es nicht, höchstens in Ansätzen. Trotzdem natürlich ein gutes Werk, aber kein Meisterwerk. (H.H.)

SATURNUS - For The Loveless Lonely Nights


Erstveröffentlichung: CD / Voices of Wonder / Euphonious Records

Diese Kopenhagener Band hat sich 1993 zusammengefunden aus den Resten der Deathmetal-Band ASESINO. Mit SATURNUS wollte man etwas weg von dem Deathmetal-Image und versuchte neue Wege zu gehen. So hat man einen wunderbaren, sehr atmosphärischen und melancholischen Gothic-Doom-Sound entworfen, der auch mich, der eigentlich nicht besonders auf Death steht, begeistert. Wunderschöne Geigen z.B. in „For Your Demons"", es klingt einsam, etwas mittelalterlich, melancholisch und durch die akustische Gitarre einfach angenehm. Die dunkle Stimme tut ihr übrigens dazu. Deathmetalige Anflüge sind deswegen aber trotzdem nicht verschwunden, bei anderen Songs kommt es dann auch wieder hoch. Live kann die Band auch einiges bringen (jedenfalls laut Info, denn ich habe sie noch nicht live gesehen). Einer z.B. fand in Kopenhagen in einer Kirche statt. Sie war hierfür ausgeschmückt mit weißem Samt wie eine Hölle und die Band spielte ebenfalls hinter weißem Samt, so daß nur ihre Silhouetten zu sehen waren. Außerdem hat die Band schon live auf dem Roskilde Festival gespielt und zwei der Songs finden wir auf dieser CD wieder. (H.H.)

JON SAVAGE - England´s Dreaming –Anarchie, Sex Pistols, Punk Rock


Erstveröffentlichung: Buch 1992/2001 / Edition Tiamat / ISBN 3-89320-045-2

Die Sex Pistols waren sicherlich nicht die beste Band der Welt, eigentlich waren sie musikalisch nicht mal besonders gut und was damals so als Provokation gewirkt hat würde heute oft kaum ein müdes Lächeln erzeugen. Doch trotzdem ist unbestritten, dass die Sex Pistols eine der einflussreichsten Bands überhaupt waren und auf eine Stufe mit den Beatles, Elvis, den Doors und Madonna gehören, denn sie haben die (Musik-) Welt verändert.

Es gibt unzählige Bücher, Filme, Artikel, Platten, CDs und den ganzen merchandising-Schnick-Schnack. Zu den interessantesten Veröffentlichungen gehört mit Sicherheit John Savage´s „England´s Dreaming“, 1992 in England erschienen und 2001 in einer überarbeiteten und aktualisierten Fassung in Deutschland bei der Edition Tiamat herausgekommen.

Um es vorweg zu nehmen: das Buch ist spannend, unterhaltsam, informativ und mit über 500 Seiten auch ziemlich dick. Allerdings ist es auch absolut subjektiv und könnte die romantischen Punkvorstellungen, die vor allem viele Jüngere sicher noch haben, gnadenlos zerstören. Savage ist ausgesprochen kritisch, für ihn war Punk bereits zu Ende, bevor die Sex Pistols LP 1977 erschien. Darüber kann man natürlich streiten, denn man könnte genauso sagen, dass Punk erst mit dem Absturz der Sex Pistols begann, als er wieder im Underground verschwand, aber unzählige Leute ermutigte, selber etwas zu machen, Musik, Fanzines, Labels und was es sonst noch so an kreativen Dingen gibt. Zu Sex Pistols Zeiten schien das alles eher elitär zu sein, nicht jeder durfte dazu gehören und letztendlich wollte der Manager Malcolm McLaren das große Geld verdienen, erst als das nicht gleich klappte und er vor allem Johnny Rotten nicht in den Griff bekam, lenkte er auf die Schock-Linie um und tat so, als wenn er das Musikbusiness bloßstellen wollte.

Die deutsche Ausgabe ist gekürzt, was man gelegentlich beim Lesen merkt, denn manche Sprünge sind nicht ganz nachvollziehbar. Dennoch ist der Text leicht lesbar, so dass man von einer ordentlichen Übersetzung ausgehen darf. Im Anhang hat Savage noch eine sehr ausführliche Discographie zusammengestellt, wobei er auch hier sehr subjektiv ist, was wichtige Platten betrifft. Leider ist hier die Übersetzung grottenschlecht, man hat das Gefühl, dass hier ein Übersetzungsprogramm benutzt wurde oder das ein Übersetzer tätig war, der von der Materie wenig Ahnung hat. Zudem sind diverse Fehler enthalten, wobei ich aber nicht sagen kann, ob das an Savage oder an der Übersetzung liegt.

Trotz aller Kritik ist „England´s Dreaming“ sehr empfehlenswert, auch wenn es sicher nicht die objektivste Sex Pistols Biographie ist. Alleine wegen der unzähligen Interviews, die in den Text eingebaut wurden, Savage hat ALLE wichtigen, beteiligten Leute interviewt (ausser Sid Vicious natürlich), sollte man sich das Buch nicht entgehen lassen, wenn man an Punk Rock interessiert ist. (A.P.)

SAY Y - Interview




ULLI von SAY Y während des Konzertes zum WGT in der Moritzbastei

Es ist der zweite Tag des Wave – Gotik Treffens 2004 in Leipzig als die Berliner Synthiepop Band „Say Y“ in der Moritzbastei auftritt. Gegründet von Picco und Ulli hat die Band ihre musikalischen Wurzeln in den 80er Jahren, das ist unverkennbar. Aber Wurzeln schlagen Triebe, gewürzt mit einer feinen Prise Erotik von Sängerin Ulli, die besonders auf den Live-Konzerten zur Geltung kommt, umspielen sie ihr Publikum mit ihrem Elektro – Style. Oftmals wird ihr Stil mit Bands wie Depeche Mode verglichen, worüber innerhalb der Band nun wirklich keiner böse ist. Im Jahr 2000 werden sie durch den Song „sweet secret“ weit über das Berliner Umland bekannt und ihre vielen Konzerte brachten den beiden eine reiche Fangemeinde ein. Durch „Ulli’s“ weibliche Stimme, die Gänsehautfeeling pur verbreitet und somit „Picco“ nicht nur gesanglich unterstützt, sondern auch dafür sorgt, dass sich das Synth – Pop Duo deutlich von vielen unterscheidet! Denn Say Y setzen auf Melodie, mal zum chillen, mal zum abtanzen und abfeiern, was das Publikum in der Moritzbastei auch voll und ganz tat!

Backagainredakteur Maximilian Nitzschke hatte das Glück mit den beiden nach ihrem Konzert über ihr eigentliches Debütalbum „refill“ zu sprechen:

MAX NITZSCHKE: Wenn ihr euren Musikstil beschreiben müsstet, auf welche Weise würdet ihr das tun?

Picco: Ganz grob gesagt passen wir vielleich tin die Sparte des Synthiepop. Aber wir nehmen im Grunde unsere Einflüsse innerhalb der Musik von Say Y von überall her,so dass es schwierig ist mit einer Festlegung. All das was wir so hören verarbeiten wir irgendwie auf unsere Weise in die Musik ein. Wir haben da keine zu festgefahrene Schublade woran wir uns halten könnten um zu sagen, wir machen genau das oder das und wollen es auch gar nicht!

MAX NITZSCHKE: Das Prädikat Gothic bei euch drüber zu stülpen passt bei eurer doch elektronisch unterlegten Musik, die vom Wechselgesang von euch beiden lebt, ja so gar nicht, um so interessanter das ihr auf einem Gothic Festival spielt!

Picco: Das ist schon richtig soweit, eine Gothicband sind wir auf keinen Fall. Ich würde eher sagen, wir bedienen dann wohl hier eher die Wave – Schiene. Dda passen wir dann vielleicht eher hinein. Aber genau weiß ich es auch nicht, vielleicht sind wir auch nur Alternative, Ulli meinst du? Sind wir alternativ? (er lacht)

MAX NITZSCHKE: Seid wann kennt ihr zwei euch, man hat live das Gefühl, dass ihr auf der Bühne sehr eingespielt seid und ich lange kennt?

Picco: Say Y gibt es nun seid 1995 allerdings war das noch eine andere Besetzung. Uli und ich sind jetzt seid September 1999 zusammen auf der Bühne. Vorher hatten wir eine andere Sängerin und Ulli ist dann versetzt eingestiegen. Vor ihrem Einstieg haben wir auch unter dem Namen Say Y zwei Alben selbst produziert und jetzt mit ‚Refill’ das offizielle Debütalbum auf den Markt gebracht.

MAX NITZSCHKE: Von den Thematiken die ihr ansprecht, es ist sehr viel von Liebe und Selbstfindung die Rede, in wie weit sind die Texte autobiographisch?

Picco: Also wenn man es in Prozente packen müsste, wären wohl ungefähr 70% des Albums autobiographisch. Der Rest ist einfach dichterische Freiheit. Für das Schreiben der Texte ist eigentlich keiner von uns beiden fest verantwortlich, das läuft mehr so, dass der, der gerade eine Idee hat den Text schreibt. So sitzt jeder von uns oft zu Hause, hat einen Einfall und schreibt seine Texte sofort nieder und dann setzen wir uns demokratisch abstimmend zusammen und überlegen uns die Musik dannach.

MAX NITZSCHKE: Wenn ihr ein Album produziert, inwieweit versucht ihr dann einen roten Faden hineinzubauen, also eine Art Konzeptalbum zu erschaffen?

Picco: Das haben wir vor dem offiziellen Debütalbum so gemacht. Bei dem Debütalbum allerdings ist es eher ein Zusammenschnitt des gesamten bisherigen Materials von Say Y und dadurch ist dieser Faden natürlich nicht ganz so stark da und würde auch angeschafft wirken! Aber ich denk beim nächsten Album könnte es schon wieder so sein das ein hörbarer Faden sich hindurchzieht.

MAX NITZSCHKE: Wann seid ihr für das aktuelle Debütalbum ins Studio gegangen und wie lange dauerte die Aufnahmezeit?

Picco: Wir sind erst im August oder so wirklich ins Studio gegangen und arbeiteten dann gut einen Monat an dem Material. Dass haben wir aber nicht so kontinuierlich gemacht, sondern eher mal hier drei Tage sich ins Studio verzogen dann wieder eine Woche mit einer Pause dazwischen, so dass sich insgesamt gut ein Monat ergeben hat.

MAX NITZSCHKE: Könnt ihr ein paar Songideen, evtl auch eigene Favoriten für unsere Leser aus dem Album verraten?

Picco: Ein Song der mir von diesem Album sehr am Herzen liegt ist ‚I was born to be a rebel’, der hat eine ziemlich ernste persönliche Geschichte zur Grundlage und ich habe versucht, diese zu verarbeiten.

Ulli: Also bei mir war das eigentlich ‚Angels’, weil mit dem Symbol des Engels haben wir eigentlich alle irgendwie etwas zu tun und ich dachte mir, schreib ich doch einfach einmal einen Song darüber. Das Problem bei mir war halt, dass ich bei den neuen Sachen jetzt teilweise noch nicht so stark integriert war, da vieles zum Teil schon fertig war und als ich in die Band einstieg waren sie also praktisch schon da. Musiktechnisch sind eigentlich nur ‚Made for you’ und ‚Angels’ von mir. ‚Made for you’ ist ein für mich sehr persönlicher Song, da er von einer Liebesgeschichte handelt die ich hier verarbeitet habe. Beim nächsten Album wird es dann so denken wir so sein, dass wir das Texte schreiben 50/50 aufteilen werden, damit wir einen Ausgleich haben.

MAX NITZSCHKE: Inwieweit spielen für euch Religion (angeregt durch ‚Angels’) eine Rolle?

Ulli: Na ja, ich sehe Engel jetzt nicht als religiös an, damit hab ich auch absolut nix am Hut!

Ich habe nach einem ästhetischen Bild gesucht, und Engel sind nun einfach mal schön oder vielleicht besser anmutig. Allerdings geb ich zu, dass es jetzt schwierig ist zu erklären, warum ich dann dieses Bild breche und singe ‚with broken wings and bloody eyes..’. Mit Religiösität hat es nichts zu tun, denn Religion an sich ist für mich ein Zwangszustand und ein Engel bedeutet für mich ein Schutzsymbol ganz außerhalb der Kirche stehend. An den kann ich mich wenden, wenn ich schutzsuchend bin.

MAX NITZSCHKE: Wenn ihr ein wenig auf eure Fans schaut, logisch dass hier zum WGT vorwiegend Schwarze da sind, inwieweit stammen sie tatsächlich aus dieser Szene und wie seht ihr eure Stellung innerhalb der selben?

Ulli: (lachend) Oh jee ich sag jetzt bestimmt was falsches. (nach Überlegung) Also eine Ehre ist es schon hier spielen zu dürfen, inmitten von einem Haufen bekannter Bands. Wenn man unser Konzert heute betrachtet, es spielten jetzt vor oder nach uns keine großen Konkurrenzbands, die schon ewig auf dem Markt sind. Trotzdem war es hier mit fast 400 Leuten voll. Wir sind ja jetzt schon das zweite Jahr dabei, im vergangenen Jahr im Werk II, und man merkt deutlich den Unterschied nach der Veröffentlichung der CD, dass obwohl ich eher dachte na es wird dieser Szene sicherlich zu poppig sein, dass ein großes Interesse da ist. Es gibt auf der CD vielleicht eins zwei Lieder die düster sind, wie ‚Angels’ und damit Goths ansprechen, der rest ist ja doch eher Partymucke *grinst*. Daran ist uns auch sehr gelegen, dass wir auch die Allgemeinheit ansprechen wollen. Ich befürchte sonst son bisschen, dass wir in eine Schublade gepresst werden, und wenn wir da erst einmal drin sind, dann kommt man dort nur schwer wieder raus. Also so richtig schwarz und düster sind wir halt einfach nicht!

Picco: Na ich würde mich mehr in Richtung Depeche Mode oder De Vision einordnen, die zum Anfang mehr bunte Musik machten und nach und nach schwarz geworden sind.

MAX NITZSCHKE: Lass uns noch auf den Titelsong bzw. den Titel der CD eingehen, sie heißt ‚refill’, was hat es damit auf sich?

Ulli: Na wie gesagt, die Lieder sind ja schon älter und teilweise auch verändert worden. Ich hab halt den alten Songs eine neue Stimme verliehen und deshalb sie gewissermassen aufgefüllt, wenn man das so nennen mag, also „refilled“.

MAX NITZSCHKE: Habt ihr denn eine klassische Musikausbildung genossen, oder wart ihr autodidaktisch unterwegs?

Ulli: Nee nee ich hab schon sone klassische Karriere durchgemacht. Ich kann zwar kein Instrument spielen, aber ich denk singen kann ich ganz gut (lacht ironisch). Es ist halt Hobby und Leidenschaft zugleich, ich könnte es mir auch nicht mehr anders vorstellen! Ich würde mich umbringen, wenn ich es nicht mehr könnte. Und Picco, wenn er plötzlich kein Keyboard mehr spielen könnte, weil die Hand ab ist oder so, wäre er auch tot! Seid ich mit ihm zusammen arbeite ist das aber auch noch viel extremer geworden, ich mein es war vorher schon schlimm, aber jetzt wo ich auch sehe, dass wir Erfolg haben, kann man sich nicht mehr vorstellen irgendwann zu sagen ich hör jetzt auf. Wenn du einmal auf der Bühne gestanden hast willst du immer mehr!

MAX NITZSCHKE: Wenn wir schon dabei sind, wie geht es für euch denn jetzt weiter?

Ulli: Nun ja, wir wollen natürlich noch viele CD’s verkaufen und neue Stücke dazukommen lassen. Erfolgreich bleiben, nicht abheben dabei und möglichst viel live spielen! Wir werden viel für unsere Fans da sein!

MAX NITZSCHKE: Dann danke ich euch herzlich und Viel Glück! (Maximilian Nitzschke)

SCABIES - The Joker


Erstveröffentlichung: Maxi-CD / Wolverine Records / SPV

Die SCABIES haben ein Lied gecovert, dass sich in meiner ewigen Top 10 der meistgehaßtesten Stücke befindet, nämlich „The Joker"" von Steve Miller (für alle, die das glauben nicht zu kennen, denen dürfte wenigstens diese Textzeile „Some people call me the space cowboy, some call me the gangster of love"" bekannt vorkommen, oder nicht. Insofern verstehe ich nicht, wieso die Band, die eine sehr geniale Longplay-CD vorgelegt haben und auch mit den anderen drei Songs auf der Maxi überzeugen kann, ausgerechnet mit einer Coverversion als Maxi an die Öffentlichkeit treten. Na ja, wie gesagt, die anderen Songs dieser Maxi sind sehr gut bis okay (auch wenn es sich bei dem letzten Track gar nicht um einen Song handelt, sondern um ein,ja, ein Hörspiel vielleicht?) und vielleicht bin ich auch etwas zu subjektiv, weil mir bei „The Joker"" wirklich das Schütteln kommt. (H.H.)

SCABIES - Blöde Punx


Erstveröffentlichung: CD / Wolverine Records / SPV

Superlecker ist diese CD, um es mal in den Worten von Labelchef Sascha zu sagen. Nee, wirklich, neben der CD von C.I.A. sicherlich eine der großartigsten CDs des Jahres 1998. Lustiger, supermelodischer Punkrock bietet uns die Band, fast schon Schlagerpunk, der zur Zeit ja gut ankommt (auch bei mir, ich muß dazu noch einmal betonen, daß Leute, die grundsätzlich alles schlecht finden, was zufällig grade der Allgemeinheit gefällt, verdammt meinungslos sind). Vergleichbar ist die Band mit den Bullocks (bißchen von der Stimme des Sängers abhängig), den Yeti Girls (von der Leichtigkeit und Flockigkeit der Songs her) und auch Wizo (von den Texten und nocheinmal von der Stimme her). Die CD macht einfach Spaß, es gibt saugeile Songs und auch einiges an Verarschungen, wie z.B. ein Song, der Rammstein in die Ecke schicken will oder ein Volkslied namens ""Drei weisse Birken"", in dem tatsächlich eine Tuba zu hören ist. Bei ""Alla Turka"" beweisen die Musiker dann auch ihre absolute Virtuiosität (?) auf ihren Instrumenten (einfach schweinegeil!). Hey Leute, wenn Ihr Punkrock mögt, dürft Ihr an dieser CD nicht vorbeigehen, nicht zuletzt wegen des (patentierten), wunderschönen Digi-Packs!!! Wenn ich Punke verteilen müßte, würde diese CD hier 10 von 10 Punkten bekommen!!! (H.H.)

SCAM - Out Of My Head


Erstveröffentlichung: Maxi-CD / The Record Station / BMG

Oh Gott, was einem da das Grabbeltischgeschäft für einen Müll beschert ist echt jenseits aller Sau. Grausame Popkacke erster Kajüte erregt mich hier schon wieder fast! Man kann es kaum beschreiben, es ist so normal und unsagbar unnötig, eine Trillion mal schon dagewesen, zwei Trillionen mal schon besser gehört und so absolut nichtssagend. Absoluter nicht zu empfehlen, es sei denn, man möchte beim Plattenkauf ja nicht durch guten Geschmack auffallen. (H.H.)

SCARLET - Naked


Erstveröffentlichung: CD 1995 / Wea

Obwohl SCARLET mit „Independent Love Song“ eigentlich nur einen wirklichen Hit hatten, war die Band um Cheryl Parker und Joe Youle eine ganze Zeit aktiv und hat einige Singles und zwei Alben veröffentlicht. Recht erfolgreich war im Sog ihres Hits eben auch das Album „Naked“ von 1995, das sinnigerweise gleich mit „Independent Love Song“ eröffnet wird und die Erwartungen entsprechend in die Höhe schraubt. Um es gleich vorweg zu nehmen: eine weitere derartige Hymne kriegt man nicht geboten, aber das war ja zu befürchten. Das heißt aber andererseits nicht, dass das Album nicht jede Menge weiterer toller Popsongs enthalten würde, die fast alle Ohrwurmcharakter haben. Dabei werden alle Felder populärer Musik ausführlich beackert, von reinen Popsongs mit leichtem 80er Jahre Touch über rockigere Titel, die gut in Filme oder Serien wie „10 Dinge Die Ich an Dir Hasse“ oder „Buffy“ passen würden bis hin zu romantischen Balladen, die die Kitsch-Klippe aber sicher umschiffen.

Die CD enthält zehn Titel, die musikalisch irgendwo zwischen Shakespears Sister, Letters To Cleo und vielleicht t.A.T.u. (um mal eine Band zu nennen, die heutige Teenies auch kennen), wobei es keinen einzigen Ausfall gibt. Musik zum immer hören, durchweg melodiös, eingängig und erfreulich, ohne dass man das Gefühl hat, es hier mit Fließband-Produzenten-Pop zu tun zu haben. Immerhin haben Parker/Youle alle Songs selber geschrieben, was bei heutigen Gruppen, die beispielsweise im Fernsehen mit Hilfe der Zuschauer zusammengestellt werden, kaum noch der Fall ist. Dies ist eine der CDs, wenn ich mal keine Lust auf die Weltuntergangsstimmung von Gothic-Rock, Dark-Wave, Industrial oder Früh-NDW habe. Sommermusik halt und einfach wunderbar. (A.P.)



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