ABSOLUTE BODY CONTROL - Split Absolute Body Control/The Acto


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2002 / A.D.R.S.

Seht Euch das Cover dieser Single genau an, bewundert die aufwendige Grafik im Stile der ostfriesischen Staatsflagge „Weißer Adler auf weißem Grund“. Ich liebe Minimal-Electro und ich mag auch schlichte Coverdesigns, aber wenn bei immer mehr Veröffentlichungen schlicht und einfach das Cover eingespart wird, so finde ich das doch sehr schade. Wie elegant und gelungen minimalistisches Coverartwork auch sein kann, zeigen unzählige Veröffentlichungen auf Factory Records. Ist man einfach zu faul, ein hübsches Cover zu gestalten, ist es die Notwendigkeit, Produktionskosten zu sparen oder glauben die Kleinlabels wirklich, dass ein „Nicht“-Artwork für derartige Veröffentlichungen cool ist?

Zur Musik...hier wurden zwei ziemlich grandiose Bands mal wieder ausgegraben, zum einen ABSOLUTE BODY CONTROL, die wohl nun jeder kennt, der sich ein wenig für die Geschichte der Electro-Musik in den 80er Jahren interessiert, immerhin sind hieraus The Klinik, Dive und Insekt hervor gegangen. Diese frühe Form von Synthie-Pop mit einfachen Mitteln und vielen Ideen hatte durchaus Ohrwurmcharakter und wird in der Minimal-Fangemeinde abgöttisch verehrt. Mit „5 Minutes“ wurde ein wahrscheinlich eher rares Stück vom 1983er „Figures“ Tape ausgewählt, das gut ins Ohr geht und auch zum Tanzen geeignet ist, so will man´s hören.

Die andere Seite der Single enthält den Song „Deutsches Mädchen“ von THE ACTOR, die auch einen guten Namen in der Minimal-Electro-Szene haben, darüber hinaus aber kaum bekannt sein dürften, was sehr schade ist. Hoffentlich überinterpretieren einige politisch Überkorrekte den Text nicht und machen sich damit lächerlich, immerhin handelt es sich hier um eine Band, die, wenn ich mich recht entsinne, aus BeNeLux kam und ganz nebenbei bemerkt wohl auch wieder aktiv ist. Der hier zu hörende Song stammt von einem Tape aus dem Jahre 1983 und klingt so sehr nach NDW, wie viele in Deutschland produzierte Songs dieser Zeit nicht klangen. Die Schlager-Version von Deutsch Amerikanische Freundschaft vielleicht? Nein, dieser Vergleich ist absolut nicht böse gemeint, denn „Deutsches Mädchen“ ist ein richtiger Ohrwurm, der es sicherlich in den einschlägigen Clubs auch zu einem kleinen Hit bringen wird. Jaja, die guten alten Zeiten, aber ich bin gerne Nostalgiker und liebe derartige Veröffentlichungen auf hübschem, schwarzen Vinyl im 7“ Format. Da diese Single auf 550 Exemplare limitiert ist, sollte man sie ungehört kaufen, wenn man sie bei irgendeinem Mailorder entdeckt. (A.P.)

SOUNDTRACK - Ratman / Demonia


Erstveröffentlichung: CD 2002 / cmv Laservision

Der Streifen „RATMAN“ ist von David Warbeck. Der Film an sich ist kein wirkliches Highlihgt, eben italienisches Horrorkino der gewohnten Art und nur zu einem bestimmten Teil ein Klassiker. Der Soundtrack ist bedeutend besser als der Film und bietet düsterste Stimmungen im typisch italienischem Horrorsound, der von Stefano Mainetti komponiert wurde. Sehr viel sphärische Geräusche sind hier zu hören, wie zum Beispiel bei „Persequor“ und den Abschluss bildet ein schönes Klavierstück. Dann geht es weiter mit den Stücken zu „DEMONIA“. Der Film wurde von Splatterkönig Lucio Fulci für das italienische Fernsehen produziert und ist eher ein bisschen mittelmässig, jedenfalls ganz sicher keiner seiner grossen Klassiker. Der Soundtrack ist, ebenso wie bei „RATMAN“ aber wiederum sehr ansprechend, wenn auch etwas schwer zu beschreiben. Natürlich ist sie auch düster und für einen Horrorfilm auch sehr sehr passend, aber es fehlt irgendwie das Leitmotiv in der Musik. Diese gelungene Veröffentlichung von cmv Laservision erscheint übrigens wieder in einer DVD-Jewelbox und ist auf 500 Stück limitiert. (H.H.)

SOUNDTRACK - Shadows Of The Empire


Erstveröffentlichung: CD / Varése Sarabande Records

Zum ersten Male in der Geschichte ist eine Soundtrack-CD zu einem Buch erschienen. In diesem Falle handelt es sich um eine Fortsetzung der Star Wars-Saga mit Leia, Luke und allen anderen wichtigen Personen. Zu diesem Buch sind dann auch noch Konsolenspiele erschienen und halt diese CD. Ich hab ja damit gerechnet, daß diese CD doch ein wenig billiger produziert ist, wahrscheinlich nur Synthesizer-Gedudel, wo es sich doch ""nur"" um die Musik zu einem Buch handelt. Doch weit gefehlt, es ist ein perfekt eingespielter Orchestersoundtrack, der dem Original-Star-Wars-Soundtrack in nichts nachsteht und teilweise sogar noch gewaltiger klingt. Was ganz besonders genial an der Musik ist, ist die Tatsache, daß Komponist Joel McNeely viele von den alten Themen von John Williams mit einflochten hat, wie z.B. das ""Main Theme"" oder ""The Imperial March"" und die zweite Sache, die wirklich gut ist, ist der Einsatz von Chören, der der Musik eine wirklich mächtige und monumentale Note gibt. Schade eigentlich, daß es hierzu keinen Film gibt!!! (H.H.)

SOUNDTRACK - Some Kind Of Wonderful


Erstveröffentlichung: CD 1987 / MCA Records

Hach ja, wohl dem, der in 80ern seine Jugend hatte. Glaubt man jedenfalls, denn wahrscheinlich glaubt jeder, seine Jugendzeit sei die beste und künstlerisch wertvollste gewesen. In den 80ern jedenfalls gab es die tollen Jugend-Filme von John Hughes, so zum Beispiel ""SOME KIND OF WONDERFUL"" oder ""IST SIE NICHT WUNDERBAR"" auf deutsch. Auf den Film wollen wir hier gar nicht eingehen. Der Soundtrack zum Film beinhaltet einige wirkliche Klassiker, wobei als allererstes ""Miss Amanda Jones"" von den MARCH VIOLETS erwähnt werden muß sowie das Schlusslied ""Can´t Help Falling In Love"" von LICK THE TINS. Letzteres ist mit seinem irischen Touch eines meiner ewigen Lieblingslieder geworden und wurde beim Film ""THE SNAPPER"" ebenfalls als Schlussmusik genutzt. Toll ist auch noch ""The Hardest Walk"" von THE JESUS AND MARY CHAIN, die es damals verstanden, wohlklingende und sanfte Lieder mit ohrenzerreissenden Gitarren zu intonieren. ""The Hardest Walk"" ist im letzteren aber eher ein gemäßigter Vertreter. Weiterhin vertreten sind Bands wie FLESH FOR LULU, STEPHEN DUFFYY, BLUE ROOM und FURNITURE, die letzten drei habe ich hier das erste und auch das letzte Mal auf irgendeinem Tonträger gefunden. Alles in allem ist ""SOME KIND OF WONDERFUL"" ein erstklassiger Einblick in die damalige Zeit. (H.H.)

LISA GERRARD - Whale Rider


Erstveröffentlichung: CD 2003 / 4AD

Der sehr ruhige Ambient-Score von Lisa Gerrard liegt wie ein mystischer Schleier über dem preisgekrönten neuseeländischen Film ""Whale Rider"". Schwebende, neblige Sphärenklänge mit starker Assoziation zum Wasser begleiten die Geschichte eines Maori Mädchens, das von seiner Familie abgewiesen wird, weil die Tradition einen Jungen als erstgeborenen Erben verlangt. Ruhige, geradezu stehende Soundflächen spiegeln große Einsamkeit und Verlorenheit. Die Stimmung erinnert an die schwermütigen Phrasen von BLACK TAPE FOR A BLUE GIRL oder VIDNA OBMANA. Nur an wenigen Stellen kommt Lisas Stimme mit ihrer typischen, noch von ihrer früheren Band DEAD CAN DANCE her bekannten melancholischen Melodieführung, eher nur wie ein Hintergrundinstrument zum Einsatz, wie in ""Pai Calls The Whale"" und ""Empty Water"", während in den beiden letzten Cues Maori-Gesänge sich über die elektronischen Streicherflächen legen. (Glasnost)

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LISA GERRARD & PIETER BOURKE - The Insider


Erstveröffentlichung: CD 1999 / Sony

DEAD CAN DANCE sind eine Legende, aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Die Mitglieder gehen ihrer Wege und musizieren, ein jedes nach seiner Facon. LISA GERRARD, der unberührbare Engel, hat sich als Komponistin von Filmmusik etabliert, was sicherlich eine der erfreulichsten Entwicklungen der Musikgeschichte um die Jahrtausendwende ist. Denn mit ihren morbid-romantischen Gothic Klängen setzt sie auf dem Olymp Hollywood unüberhörbar neue Akzente. Gleichzeitig könnte das Engagement der Gothic Ikone auch dabei helfen, daß das Wave Publikum endlich mehr Akteptanz für das Genre Filmmusik zeigt, denn nichts liegt der Urstimmung des Gothic näher, als die Vielzahl der düster-dramatischen Scores, die als Nebenprodukt der Filmindustrie ein abgrundtrauriges ungerechtes Schattendasein führen.

Wie schon ihr letztes Soloalbum hat LISA die meisten Stücke für ""Insider"" gemeinsam mit PIETER BOURKE geschrieben und auch eingespielt und gesungen. Drei Tracks entstanden in Zusammenarbeit mit GRAEME REVELL (ex-SPK), der schon vor Jahren den Sprung vom Industrial-Pionier zum Hollywood-Komponisten geschafft hat. Neben den perkussiven, ethnisch angehauchten Nummern erinnern düster-sakral anmutende, getragene Gesänge mit LISAS tiefer Stimme an die DEAD CAN DANCE Ursprünge. Es ist im Ganzen ein ergreifender Score, der eigentlich mit dem Film und der Story gar nicht so viel Verbindung hat. Vielmehr einfach ein glanzvolles LISA GERRARD Album, das abgerundet wird durch einen schönen atmosphärischen Track von JAN GARBAREK und eine erstaunlicherweise recht harmonisch in die Stimmung passende Nummer von MASSIVE ATTACK, zu der LISA am Ende auch noch einen Trip Hop angehauchten Ambient Song ganz im Stil des ""Flux""-Materials von LOVE SPIRALS DOWNWARDS draufsetzt. (Glasnost)

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SOUNDTRACK - Duck You, Sucker / A Fistful Of Dynamite


Erstveröffentlichung: CD 1993 / Alhambra / Deutsche Austrophon

Der Film „TODESMELODIE“ von Sergio Leone heißt im Original „Giú la testa“ oder im englischen „A Fistful Of Dynamite“ und hält in den hauptrollen Rod Steiger und James Coburn bereit. Es ist kein, wie der Titel vermuten lässt, Western, sondern eher ein moderner Actionfilm mit leichter Westernthematik. „TODESMELODIE“ ist in Deutschland nicht groß beachtet worden. Die Musik stammt einmal mehr von Hauskomponist Ennio Morricone, der die Musik komponierte und auch dirigierte. Die einzelnen Tracks hätten zum größten Teil ebenfalls in einen Western hineingepasst, sind aber ein bisschen vermischt mit der Endsechziger-Frühsiebziger Italo-Thriller-Stilen. Morricone vermischt noch weitere verschiedene Stile in die einzelnen Stücke, die übrigens im Deutschen so illustre Namen wie „Nach dem Knall“, „Der grüne Tisch“ und so weiter haben. Das Titelstück „Todesmelodie“ werden wahrscheinlich trotzdem viele Leute kennen, obwohl sie den Film nicht gesehen haben, weil es zu einem der bekanntesten Stücken von Morricone gehört. (H.H.)

SOUNDTRACK - Was nützt die Liebe in Gedanken


Erstveröffentlichung: CD 2004 / Hazelwood / Sony

Leider habe ich den Film mit Daniel Brühl noch nicht gesehen, doch der Soundtrack ist schon so ungewöhnlich wie der Name des Streifens. „WAS NÜTZT DIE LIEBE IN GEDANKEN“ spielt im Jahre 1927 und ebenso „big band“-mäßig geht es hier auch zu. Es scheint auch sehr lyrisch zuzugehen und unterlegt ist das mit stimmiger Musik, einigen kleinen Gedichten und teils angenehm jazzigen Einlagen. Für letzteres sind die Jazztrompeter Till Brönner und Thomas Feiner zuständig, hauptsächlich aber die schwedische Band ANYWHEN. Die Musik ist, obwohl sie im 20th-Style kommt, nicht sehr altmodisch, was daran liegt, dass die Musik ein bisschen neu interpretiert wurde, ohne aufdringlich modern zu klingen. Der bessere Ausdruck wäre vielleicht: „zeitlos“. Mein persönlicher Favorite ist übrigens „Princess Crocodile“, weil hier Ex-Einstürzende Neubauten-Metallwerker FM Einheit mitwirkte und man hat ja schon in der Vergangenheit mitbekommen, dass er auch „richtig“ Musik machen kann. Der Song ist von GRY, die hier auch singt, und ist in einer neuen Version im Stil des Soundtracks gehalten. So ist der Soundtrack „WAS NÜTZT DIE GEDANKEN“ ein Album, dass auch ohne dazugehörigen Film funktioniert. (H.H.)

SOUR COINCIDENCE - 3-Track-Demo


Erstveröffentlichung: CD-R 2005 / Eigenproduktion

SOUR COINCIDENCE haben sich als 4-Mann-Band bereits 1999 in Berlin gegründet und bis heute vor allem dort live, sowie mit einem 2-Track-Demo auf sich aufmerksam gemacht

Nun liegt eine zweite Demo-CD vor und es würde mich wundern, wenn die Band damit nicht einige Labels und Konzertveranstalter auf sich aufmerksam machen könnte. Auch, wenn ihre Mischung aus Hardcore, Alternative-Rock, kleinen Metal-Einflüssen und auch ruhigen Parts nicht ganz meinen Geschmack trifft, muss ich doch sagen, dass hier technisch und inhaltlich einiges an Potential drin steckt. Die Produktion ist ausgesprochen gut und die Songs haben ordentlich Druck und dürften auch live auf der Bühne ziemlich knallen. Dass junge Musiker sich auch an politische Texte trauen, ist sowieso lobenswert, wenn man heute die ganze so genannte „unpolitische“ Kacke hört. Im Infoblatt nennt die Band ihren Stil selbst „Proggressive Emo-Chaos-Core“, was zwar eine Fantasieschublade ist, aber den Punkt ganz gut trifft. Wer also auf spielerisch guten, harten Crossover-Sound mit Inhalt steht, sollte die Band mal kontakten. (A.P.)

SOZIEDAD ALKOHOLIKA - Tiempos Oscuros


Erstveröffentlichung: CD 2003 / Locomotive Music

Drei Jahre ist das letzte Album von SOZIEDAD ALKOHOLIKA, die sich 1988 gegründet haben, her. Ihre Musik, die inzwischen ein bisschen reifer klingt, ist eine wilde Mischung aus Punk, Hardcore und trashigem Metal mit einer gehörigen Portion Rock und ziemlich erdrückenden Sound, der ständig nach vorne geht und dem Publikum den Scheitel nach hinten fönt. Juan, der Sänger des Trinkvereines, passt gut zum Konzept, auch sein Schreien passt dazu und treibt die Musik in die Hardcore-Ecke. Textlich ist alles komplett spanisch gehalten, so dass sich mir eine Aussage verschließt, doch Spanierversteher werden bemerken, dass SOZIEDAD ALKOHOLIKA im Grunde eher die typischen Hardcore-Themen beackert: Das beschissene System, Unity Frust und Alkohol, Mit ihrem richtig schön fettem Sound dürften die Herren live auch bestimmt ein Erlebnis sein. Anspieltips sind in meinen Augen der Opener „Tiempos Pscuros“ und das Schlussstück „Inhumano“. (H.H.)

SPAHN RANCH - Architecture


Erstveröffentlichung: CD 1997 / Cleopatra Records

Die Band SPAHN RANCH hat sich im Jahre 1992 in Los Angeles zusammengefunden und bereits mehrere Alben auf den Markt gebracht und ist auf unzähligen Samplern zu hören. „Architecture“ ist das bis dato reifeste Album der Bandgeschichte, ungewohnt melodisch und poppig, aber immer noch eigenständiger SPAHN RANCH Sound. Wie gewohnt ist die Musik absolut tanzbar, wobei gottseidank auf stumpfe Techno-Rhythmen verzichtet wird. Die Reife der Musik ist sicherlich darauf zurückzuführen, dass SPAHN RANCH zu diesem Zeitpunkt schon drei wirklich sehr ausgedehnte Touren hinter sich hatte und außerdem hat man sich für die Aufnahmen zum Album satte acht Monate Zeit genommen. Meine persönlichen Lieblingsstücke sind „Black Skinned Blue Eyed Boys“ und „Futurist Limited“. (H.H.)



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