MARC ALMOND - In Session Volume One


Erstveröffentlichung: CD 2003 / Strange Fruit

Strange Fruit Records bringt schon seit mehr als 15 Jahren jede Menge der berühmten „John Peel Sessions“ auf den Markt, aber auch viele der zumindest in Deutschland nicht ganz so bekannten „Janice Long Sessions“. Das sind stets speziell für die Radioshows dieser Moderatoren eingespielte Sessions von mehr oder weniger bekannten Bands und Musikern, wobei einige davon längst legendär sind, so zum Beispiel die Sessions von Joy Division und New Order. Jetzt gibt es eine CD mit Aufnahmen von 1983/84, die MARC ALMOND kurz nach der Trennung von Soft Cell mit seinen Bands The Mambas und The Willing Sinners eingespielt hat. Keine Frage, für Fans von MARC ALMOND sind diese Aufnahmen absolut unverzichtbar, denn sie gewinnen vielen der Songs ganz neue Seiten ab. Soft Cell waren ja schon eine Band mit sehr treuer Fanschar, aber so richtig kultig wurde der gute MARC erst in seiner frühen Solozeit, zeigte sich doch erst hier seine musikalische Vielseitigkeit. Auf jedem seiner vielen Alben waren ein paar Songs, die das Zeug zum Megahit hatten, was bis heute nicht anders ist, aber wie das Musikbusiness so ist, geht es nicht nur um die Qualität der Musik, sondern auch um das Image und die Vermarktbarkeit des Musikers und da war MARC ALMOND wohl dann doch zu eigenwillig und nicht genug Mainstream. Mit Songs wie „Empty Eyes“, „If You Go Away“, „Your Aura“ oder „Hell Was A City“ zeigt ALMOND hier seine ganze Größe und als Fan treibt es einem die Freudentränen in die Augen. Mich begeistert auch immer noch „Ugly Head“ aus der frühen Solophase, das hier in einer sehr eigenen Version geboten wird. Das „Hell Was A City“ einer meiner liebsten Almond-Songs ist, ändert sich auch mit der Version auf dieser CD nicht, im Gegenteil. Seiner Vorliebe für fetzige Bläsersets zur damaligen Zeit wird eifrig gefrönt (und ich weiß, dass dieser Satz jetzt ziemlich daneben war).

Keine Frage, MARC ALMOND gehört für mich zu den genialsten Sängern aller Zeiten und hat die 80er Jahre nicht unbedeutend mit geprägt und das Kunststück geschafft, bis heute und sogar bei der Soft Cell Reunion immer glaubwürdig und niemals peinlich zu wirken, welcher der „alten Stars“ kann das schon von sich behaupten? Und wer kann schon behaupten, dass seine rund zwanzig Jahre alten Aufnahmen alles andere als altmodisch klingen, sondern auch heute noch mitreißen? (A.P.)

TERRORGRUPPE - Schöne Scheisse


Erstveröffentlichung: CD 2004 / Destiny / SPV

Ach ja, irgendwann in der ersten Hälfte der 90er Jahre entdeckte ich die Musik der TERRORGRUPPE und habe die Band viele Male live gesehen. Seitdem veröffentlicht die Gruppe mit schöner Regelmäßigkeit und immer erfolgreich im In- und Ausland ihre Platten und wirkt immer noch ehrlich und glaubwürdig. Nach der ersten Bandcompilation „Nonstop Aggropop“ von 1997 kommt nun mit „Schöne Scheisse“ die Zusammenfassung der Bandgeschichte seit 1998. Enthalten sind die Singles der letzten Jahre und jede Menge B-Seiten, die es teilweise bisher nur auf Vinyl gab. Allerdings müssen sich die so genannten „B-Seiten“ häufig gar nicht hinter den A-Seiten oder den Album-Tracks verstecken. Es war halt schon immer so, dass TERRORGRUPPE dem Käufer was fürs Geld geboten haben, also kein Füllmaterial. Musikalisch geht es wie gewohnt zu, also deutsch- und englischsprachiger Punk-Rock mit Ohrwurmmelodien, dazu Einflüsse von Garagen-Rock über Ska bis zu Reggae, oder einfach, wie der Waschzettel so passend schreibt: Aggropop. Passt schon irgendwie. Textlich geht es wie immer von Politischem über Witziges bis hin zu Persönlichem um alles, was Mensch so beschäftigt, ohne jemals in Peinlichkeiten, die andere Bands sich so leisten, abzudriften. Was will man also mehr? Eine nette Aufmachung? Auch hier kann geholfen werden, denn die CD kommt in der ersten Auflage mit dem „Größten Booklet der Welt“, einem 140 Seiten starken Groschenroman, und zusätzlich ausführlichen Liner Notes zu den Titeln dieses Albums und einem Essay über den „Tod der CD“. Vorbildliche Runduminformation also, so soll es sein.

Um mal etwas kritisch, beziehungsweise persönlich zu werden, muss ich allerdings auch zugeben, dass ich „Schöne Scheisse“ sehr gut am Stück durchhören kann, mich die Band aber nicht mehr so mitreißt, wie mit ihren ersten beiden Alben und den damaligen Liveauftritten. Das mag daran liegen, dass ich älter geworden bin, immerhin auch gut zehn Jahre, oder aber 26 Tracks hintereinander eine gewisse Übersättigung bei mir auslösen. Das ändert natürlich nichts daran, dass das Album sehr gut ist, aber wie schon im Essay im Buch steht, waren „die besten Platten immer die Debut-Scheiben der Bands“, das gilt eben auch für die TERRORGRUPPE selbst, auch wenn sie glaubwürdig und fair geblieben sind. Als Einstieg in die Welt der neueren TERRORGRUPPE ist „Schöne Scheisse“ hervorragend geeignet, man sollte spätestens danach aber auch die regulären Alben der Band kaufen. (A.P.)

TERRORGRUPPE - Interview zu ""Fundamental""




BA: Für das neue Album „Fundamental“ habt Ihr Euch ein Konzept ausgedacht, nämlich die „Rückbesinnung auf die alten Werte“. Wieso glaubt Ihr, ist das zurzeit so, dass sich die Leute derart rückbesinnen?

Archi: Ich glaube, weil die Leute Schiss haben, dass die Welt ein bisschen schneller vorangeht und ein bisschen freier, als sie es eigentlich wollen. Da haben sie Angst vor und dann suchen sie sich gerne solche Aufhänger, um wieder ins traditionellere und konservativere zurückzugehen, zum Beispiel nach diesem Anschlag. Das ist in allen Lagern gleich, ich schimpfe da jetzt nicht nur auf die westliche Welt, solche Aufhänger sucht sich jeder. Auch Fundamentalisten aus dem Morgenland (lacht). Und das fanden wir auch so cool, denn das Wort „Fundamental“ passt so tierisch gut zum Wort „Terrorgruppe“, denn das sind ja beides Wörter, die zur Propaganda genutzt werden. Wenn man jemanden diskreditieren will und man hat mit dem Zoff, dann nennt man ihn Terrorist, oder wenn einem eine andere Religion nicht passt, dann nennt man sie sofort Fundamentalisten. Und um solche Worte zu entzaubern, haben wir uns ja auch den Namen „Terrorgruppe“ gegeben und dem Album den Namen „Fundamental“ und das dann mit einem Artwork zusammen gebracht, wo dann diese Fundamentalisten nicht als gefährliche Männer dargestellt werden, wie es normalerweise immer geschieht, sondern als Pinup-Frauen. Das ist so das Grundkonzept und dann kommen natürlich noch die Songs dazu, die sich ja auch schon immer mit Kritik an Traditionen und konservativem Denken beschäftigen.

BA: Was glaubt Ihr denn, wo dieses Rückbesinnen im Endeffekt hinführen wird?

Archi: In Amerika sind ja viele schon soweit zu sagen, dass man kurz vor dem Faschismus ist. Das ist das gefährliche daran. Ich habe letztes hier von unserem Büro unsere Tour gebucht und am 01.11., ich glaube, das ist Allerheiligen oder so was, haben wir in ganz Deutschland keinen Club gefunden, wo wir ein Konzert machen durften. Das ging die Jahre vorher eigentlich ganz easy. Man durfte zwar nicht in Bayern spielen und das wusste man ja auch, weil da sitzen ja die gefährlichsten Fundamentalisten in ganz Deutschland, aber im Rest von Deutschland konnte man ohne weiteres spielen. Mittlerweile kann man ja nicht einmal mehr in Sachsen spielen an dem Tag und die haben mit Katholiken normalerweise nichts am Helm. Das ist alles sehr gefährlich und merkt das an so kleinen Sachen.

BA: Wie würde denn Eurer Meinung eine rosige Zukunft aussehen. Ihr kritisiert ja gerne, was falsch läuft, aber wie würde eine ideale Zukunft denn überhaupt aussehen? Kann es so was überhaupt geben?

Archi: Das wäre für mich eine Gesellschaft, in der die Menschen aufeinander aufpassen und das Grundprinzip „Leben und leben lassen“ in den Vordergrund stellen und nicht irgendwelche Macht- und Besitzverhältnisse. Das alle Wettkämpfe untereinander ausführen, das ist das, was an Deutschland und den westlichen Industrieländern das schlimmste ist. Diese Sucht nach Macht und nach Statussymbolen, das ist ja auch das, was wir andauernd kritisieren. Das ist das einfache daran: Wir müssen keine Texte machen, wo wir uns vorstellen, wie es besser ist, denn wenn die Sachen, die wir kritisieren, nicht existieren würden, wäre es automatisch besser.

BA: Dann habt Ihr aber auch nichts mehr zum Besingen.

Archi: Ja. Wir haben ja auf der neuen Platte darauf geachtet, dass wir nicht nur ganz kalt Sachen kritisieren und unsere Beweggründe und Ansichten verstecken hinter einer Fassade aus Sarkasmus und Ironie. Das haben wir früher gerne gemacht, aber unsere Texte haben ja auch was persönliches, wir schreiben das ja nicht umsonst. Es gibt keinen, der sich hinsetzt und sagt „Ich schreibe jetzt einen Text über das Thema“, sondern es kommt schon irgendwie raus. Man regt sich über irgendetwas auf und das betrifft einen total und man will da einfach drüber schreiben. Und da haben wir schon aufgepasst, dass man bei vielen Texten durchblickt, wie wir über die Sachen denken.

BA: Ihr habt neben der Terrorgruppe ja einiges anderes gemacht. Du zum Beispiel hast ja Bands produziert, zum Beispiel MOVEMENT. Und ein eigenes Label habt Ihr gegründet.

Archi: Ja, das war so eine Initialzündung mit dem eigenen Label. Unsere letzte Platte kam bei Epitaph raus und da hatten wir so einen One Off-Deal. Wir wollten mit denen nicht weitermachen und die mit uns auch nicht, weil wir uns zu entfernt standen vom Inhalt und vom Thema her und da haben wir uns gesagt, wir hören jetzt endlich auf, uns eine Plattenfirma zu suchen, weil diese Odyssee, die wir hatten, seit unsere Lieblingsfirma Gringo/Metronome aufgehört hatte, die wollten wir nicht mehr weitermachen. Wir sagten uns, wir haben Ahnung und können das, wir haben ein gutes Vertriebssystem und warum sollen wir das nicht selber machen und das selber raus bringen?

BA: Was genau heißt denn Microlabel?

Archi: Das ist halt ein sehr winzig kleines Label. Wir haben angefangen und die Single zu der „Blechdose“ raus, gebracht, das „Tresenlied“ und dann die „Blechdose“, unsere Liveplatte. Und dann hatten wir schon so einen Releaseplan für uns selber und dann dachten wir, dass wir ja eigentlich nicht schlecht verkaufen im Punkbereich, ich glaube, wir sind hier derzeit die besten in Deutschland, und das kriegen ja auch andere Leute mit und wenn dann schon Leute ankommen und uns Demos schicken und des sind auch wirklich gute Sachen dabei und wir sie so ein bisschen fördern können, wie zum Beispiel THE MOVEMENT, dann helfen wir gerne bei der Produktion und dann sehen wir mal, wie es uns allen gefällt. Und dann haben wir immer noch eine Plattform, wenn wir kein anderes Label finden, können wir es immer noch selber machen. Das gibt uns schon eine große Freiheit, auch in der Zusammenarbeit mit anderen Bands, was wir ja auch immer gerne tun, weil wir ja auch immer noch Fans von solcher Musik sind. Das ist schon ein Vorteil. Es ist natürlich auch viel Arbeit. Das Lustige ist, wir haben uns ja auch zu diesem Album nach einem Label umgeguckt und wenn jetzt eine Sony sagt, wir geben Euch soundsoviel Geld, das wäre sehr viel Druck weniger auf unseren Schultern. Und immer wenn wir Leute gut fanden bei solchen Labels und uns gut vorstellen konnten, mit denen zusammen zu arbeiten, dann haben die diese Departments geschlossen und die Leute rausgekickt. Das ist uns zweimal passiert. Dann dachten wir, dass das Majorgeschäft für uns zu unsicher ist, da wollen wir uns gar nicht darauf einlassen und machen es doch lieber selber. Wir brauchen aber Hilfe. Und plötzlich saßen drei Leute von diesen Teams, mit denen wir es uns vorstellen konnten, bei uns auf der Couch und haben sich vorgestellt. Das war sehr lustig. Und jetzt sind wir ein gutes Team. Bei Destiny Records sind wir jetzt Vier. Das Team ist groß genug, um Sachen raus zu bringen, aber die Promo machen wir nicht selber, da haben wir jemanden dafür.

BA: Wieso hat die neue Platte so lange gebraucht?

Archi: Wir haben sehr viel nebenbei gemacht und wir wollten einfach mal anders an diese Sache rangehen. Wir wollten so rangehen, wie an unsere erste Platte. Man schreibt einfach in Blaue hinein Songs, alles, was einem so einfällt und veröffentlicht hin und wieder mal was, wie zum Beispiel bei unserer 10-Jahre-Single oder diesem Dee Dee-Song für die Dee Dee-Ramone-Split, und die Songs, die wir richtig geil finden, die wollten wir für eine Platte behalten. Und so haben wir jeden Monat 4-5 Tage aufgenommen und nicht immer alles gleich fertig gemacht, sondern Sachen, bei denen wir uns unsicher waren, haben wir offen gelassen. Und so lief das über eineinhalb Jahren hin. Und irgendwann steht man dann vor einem Wald mit lauter Bäumen und sieht da nicht mehr durch und dann muss man doch mal wieder zwei Wochen rein und alles quasi ordnen und fertig machen. Darum hat es so lange gedauert. Das andere Ding war, dass es uns zu teuer gewesen wäre, alles in einem Stück aufzunehmen. Dann hätten die Studios von uns auch volles Geld gewollt und so brachten wir immer etwas Standby in die Studios hinein und mussten einfach weniger bezahlen. Es war ein finanzieller Grund und auch ein kreativer Grund. Es hat sich für uns auf alle Fälle gelohnt, wir sind mit der Platte sehr zufrieden. Bei den anderen Platten wusste man auch nie, was am Ende rauskommt. Da hat man ein halbes Jahr Songs geschrieben und diese dann in drei bis vier Wochen eingeprügelt. Und wenn die Band dann in einer schlechten Verfassung war, dann hört man das auch. Da konnten wir dieses Mal ein bisschen sicherer sein. Und es hat auch viel mehr Spaß gemacht und nicht so genervt, weil man einfach nicht durchgängig damit beschäftigt ist.

BA: Wieso habt Ihr einen neuen Bassisten?

Archi: Weil der alte sich zu alt vorkam. Der Schlitzer wollte aufhören. Das war ja auch schon 2001 und er meinte, sieben Jahre seien ihm genug und er hat auch gesehen, dass das mit uns kein Ende nimmt und wir immer weiter machen wollen und dann sagte er, er möchte schon weiter Musik machen, aber eher feierabendmäßig und nicht mehr so intensiv. Das hat er sehr fair angekündigt und wir hatten fast ein halbes Jahr Zeit, einen neuen Mann zu finden und er hat immer noch mitgespielt. Und dann kamen wir halt auf unseren neuen Mann Slash Vicious.

BA: Bei der neuen CD ist eine DVD dabei mit einigen Videoclips…

Archi: Ja, weil unsere Clips ja nicht so oft gespielt werden in den einschlägigen Sendern, denn man weiß ja, dass Coca Cola und solche Firmen die Macht haben über die Sender, weil sie dort Werbung schalten und die sagen halt, was sie da gespielt haben wollen und was nicht. Und deswegen wird halt Shakira gespielt und nicht die Terrorgruppe. Wir machten nur Videos drauf, die man nur ganz selten oder nie gesehen hat. Da gibt es auch so Perlen wie ein Video zu „Rumhängen“ und so alten Songs, die früher nie gezeigt werden durften, weil da so einem Typen die Hand abgesägt wird.

BA: Das heißt, dass Eure Platte mit Bonus-DVD eine FSK-Freigabe hat.

Archi: Ja, die ist ab 16. Keiner weiß warum, wahrscheinlich wegen der Hand. Aber das ist okay, 14-jährige können die sich auch besorgen.

BA: Bringt Ihr denn auch noch einmal eine lange DVD mit einem Live-Konzert oder so etwas heraus?

Archi: Finde ich langweilig, wird es nicht geben. Wir sind gerade dabei, eine richtige Doku zu machen. Da kommen viele von den Live-Geschichten mit rauf, wir haben in den 10 Jahren 200 Videotapes gesammelt. Wir haben die besten mal durchgeguckt und packen das Beste dann drauf. Auch Interviews kommen dazu, dann noch unsere ganzen TV-Sachen und die besten Sequenzen aus unseren beliebten Talkshow-Auftritten. Dann waren wir ja noch bei Viva Vision bei Stefan Raab und all solche Sachen kommen mit rauf.

BA: Auf Eurer Promo-CD für Journalisten sind ja alle Songs durch lustige Ansagen und Sprache sozusagen „entwertet“ worden, um Euch davor zu schützen, dass die Songs vorzeitig ins Netz kommen.

Archi: Was wir überhaupt nicht wollen, ist, dass Leute die Sachen vorher verkaufen über Ebay und sonstige Auktionen, weil es einfach unfair den Fans gegenüber ist. Wenn wir ein Releasedatum festlegen, dann gibt es die Platte eben erst zu diesem Zeitpunkt. Und jeder, der die CD vorher versucht, unter die Leute zu bringen, nutzt quasi die Geilheit der Fans aus und versucht damit Kohle zu machen und das möchten wir nicht. Wir sind schon sehr da hinterher, dass unsere Platten überall gleichviel kosten und machen da auch sehr viel Druck den Händlern und dem Vertrieb gegenüber. Wenn wir sagen, dass eine Platte 12,99 Euro kostet, dann kümmern wir uns auch darum, dass diese Platte das auch wert ist und wenn jemand mehr verlangt, ist das uns und den Fans gegenüber unfair. Und wenn einer die Platte früher verkaufen kann, weil wir sie nicht „entwerten“, dann ist es auch unfair. Wenn allerdings einer daherkommt und genau diese nun verkaufen will, was ich mir auch vorstellen kann, dass sie einen gewissen Sammlerwert bekommt mit dem Drübergequatsche, dann ist es wieder okay, weil die Leute wissen, was sie kriegen.

BA: Und diese Leute kaufen sich ja auch eh das Original, um die Stücke noch in den unbequatschten Versionen zu kriegen.

Archi: Ja. Aber dafür haben wir auch einige Exemplare zurückgehalten. Sobald die bei Ebay einen Preis bekommen, den wir nicht mehr zu angemessen halten, dann bieten wir den Fans diese CD zu einem besseren Preis an. Das ist unser A und O, wir lassen uns ungern von Händlern und so ins Handwerk pfuschen. Da versuchen wir schon immer Kontrolle zu haben. Das andere ist auch diese Internet-Geschichte. Es gibt Leute, die Sachen sofort böswillig ins Netz stellen. Aus irgendwelchen Gründen, denn ich weiß nicht, was da ihr Antrieb ist. Das finde ich im Grunde nicht schlimm, denn wenn Leute sich das downloaden und sich das anhören können, dann habe ich doch wieder mein Ziel erreicht und bestimmte Leute hören meine Musik. Da habe ich keine Probleme mit. Ich habe früher mir selbst Tapes gezogen und ich ziehe mir heute auch Sachen raus aus dem Netz, die mich interessieren, die ich mir aber nicht gleich kaufen möchte. Ich möchte vielleicht erstmal reinhören und dann ist es okay. Aber ich mag diese Sache nicht, dass da plötzlich ganze Alben inklusive Cover und so von irgendwelchen dubiosen Leuten angeboten werden. Ich komme hinter dem Sinn nicht. Also, wenn irgendjemand ein paar Songs auf seiner Festplatte hat und die anderen Leuten zugänglich macht, habe ich damit kein Problem. Aber ganze Alben ins Netz zu stellen, das begreife ich nicht. Es kostet viel Arbeit, das soweit hin zu kriegen und dann kostet es den Leuten auch Geld, so ein Album da raus zu ziehen und zu brennen und an Freunde zu verdeckeln. Ich komme hinter diesen Sinn nicht dahinter und deswegen haben wir das einfach so gemacht. Ich hoffe, dass wir dann keine Probleme damit haben. Aber wir hatten auch unseren Spaß dabei. Wir wollten nicht einfach irgendwelche Piepser darüber machen, das hätte einfach keinen Spaß gemacht.

BA: Was sind Eure persönlichen Lieblingsstücke des Albums?

Archi: Was mir beim Hören am meisten unter die Haut geht ist „Weitergehen“. Das ist eine persönliche Nummer von mir, da steckt viel von mir selber drin. Eine meiner anderen Lieblingsnummern ist „Trendmagazin“ und den Opener „Hedonistische Heilsfront“, den finde ich noch sehr witzig. Ich muss mich immer so über den Text bekringeln. Den hat Bottrop geschrieben und der kommt so schön naiv, aber rotzfrech daher. Der ist auch gar nicht so offensiv-provokativ, ich finde das irgendwie geil, da kann ich mich tierisch drüber amüsieren. Und „Angela“, das Stück macht unheimlich Spaß zu singen. Man kann da so richtig schön seinen Hass gegen die Frau rauslassen, da kann man sich Luft machen. Ich habe dann immer einen Wischmob auf der Bühne und singe den dann an.

BA: Vielen Dank!!! (H.H.)

TERRORGRUPPE - Enemy No. 1 / Stay Away From The Good Guys (OI Warning)


Erstveröffentlichung: Maxi-CD 2000 / Epitaph Records

Die TERRORGRUPPE hat zum Film ""OI WARNING"", dem Schwarzweiß-Skinhead-Film, einen Song beigesteuert, nämlich ""Stay Away From The Good Guys"". Zum Film, übrigens ein kritischer und kein verherrlichender Streifen, kann ich hier an dieser Stelle nichts sagen, weil ich ihn noch nicht gesehen habe. Die vorliegende Maxi-CD jedenfalls ist eine sogenannte Doppel-A-Seite, Track 1 ist ein schnelles, krachiges Immer-Oben-Drauf-Stück, während Track 2 eher melodisch und terrorgruppig ist. Es gibt noch ein 25-Sekunden-Stück zum Thema ""All Comic Heroes Are Fascist Pigs"", was zum Thema ""Nicht mein Land"" (eng verwandt mit ""This Land Is My Land"") und zuguterletzt noch das ""Scheisslied"". Alles in allem ein typischer und deshalb guter Terrorgruppen-Tonträger mit der unverkennbaren Stimme von Archi. (H.H.)

TERRORGRUPPE - Allein gegen alle


Erstveröffentlichung: Maxi-CD 2000 / Epitaph Records

Als Auskopplung aus dem Album „1 World - 0 Future"" kommt nun diese CD mit Titel „Allein gegen alle“. Sie wird allen TERRORGRUPPEN-Fans gefallen, schöner, fetziger Punkrock und kein Abdriften in allzu extreme Popgefilde. Hier geht es mal wieder richtig zur Sache mit Songs, die live sicherlich gut rüberkommen werden. Textmäßig wird wieder auf ""Minderheiten rumgehackt"" (Fans wissen, was ich meine), so z.B. auf die Masse Mensch, die unberechenbar alles niedermacht, was nicht homogen ist oder sich vor Angst einfach nicht darum kümmert. Eine weitere Minderheit sind Teenies, im Song „Pubertät“ wird ihre ganze Ekelhaftigkeit ans Tageslicht gebracht. Weiter ""gemeckert"" wird im „Slacker Lied“ und zuguterletzt gibt es dann noch die Coverversion „Love Machine“. (H.H.)

TERRORGRUPPE - 1 World – 0 Future


Erstveröffentlichung: CD 2000 / Epitaph Records

Tja, nun sind die Leute der TERRORGRUPPE bei EPITAPH gelandet, wo sie eigentlich auch hingehören. Die TERRORGRUPPE hat ja inzwischen in Deutschland einen Bekanntheitsgrad erreicht, der erstaunlich ist, aber der nicht unbedingt auch gleichzeitig den Beliebtheitsgrad wiederspiegelt. Die TERRORGRUPPE versucht anarchistisch und die letzte deutsche Punkrockband mit den wirklichen Idealen zu sein. Genau das bringt ihnen wohl auch so viele Feinde ein, nämlich die Leute, die auf Tote Hosen oder Ärzte stehen und damit an die totale Kompatibilität von Punk und Mainstream. Die TERRORGRUPPE macht da nicht mit, obwohl Anarchie heutzutage auch nur Programm und keine Weltanschauung mehr ist, oder wie kann es sein, daß Sänger Archie sich selbst in Nachmittagstalkshows krampfhaft präsentiert. Das ist kein Protest oder Verarschung, das ist Programm. Aber abgesehen davon bleibt die TERRORGRUPPE das, was sie schon immer war, melodisch, schnell und protestreich, ohne allerdings wirklich große Aussagen zu machen. Ach so, ich vergaß, das ist ja Punk und: Die CD macht Spaß! (H.H.)

TERRORGRUPPE - Keiner hilft Euch


Erstveröffentlichung: Maxi-CD / Gringo/Alternation / Intercord

Der Song beruht auf der wahren Geschichte von 400 deutschen Touristen, die in Portugal schwitzend und verzweifelt mehrere Tage auf dem Flughafen verbringen mußten. Jedenfalls war das er Anlaß, das Lied zu fabrizieren, doch im Text wird das Ganze nicht erwähnt. Alles in allem bleibt ein netter Pop-Punk-Song, wobei wieder einmal anzudeuten ist, daß die TERRORGRUPPE tatsächlich immer poppiger wird. Als nächstes kommt eine BAY CITY ROLLERS-Coverversion vom „Rock´n Roll Loveletter"". Die nächsten zwei Song sind dann aber wieder Titel, die besser als die zwei vorangegangenen sind und die Maxi oder auch EP doch noch sehr rund abschließt. (H.H.)

TERRORGRUPPE - Wir müsen raus


Erstveröffentlichung: Maxi-CD / Gringo/Alternation / Intercord

Unverkennbar die TERRORGRUPPE. Doch die Band schwört wohl hin und wieder ihrem Stil ab. Selbst die Album-Version ist grooviger als normal und der ""The Brothers Smokin´ Dub"" des gleichen Stückes ist grooviger als groovig mit Congas und anderen Reggae-Einflüssen. Und der ""We Gotta Go-Tec Mix"" sagt ja wohl auch schon alles. Wenn das ein Scherz sein sollte, kommt der irgendwie nicht rüber, wenn das Ernst sein sollte, erst recht nicht. Hoffen wir, daß sowas für die Band nicht zur Gewohnheit wird. (H.H.)

TESTAMENT - Seen Between The Lines


Erstveröffentlichung: DVD 2005 / Escapi

TESTAMENT dürten viele wohl kennen, ihr Trash-Metal hat sicher vielen schon einen Tinitus beschert. Genauso trashig ist auch diese DVD, dass muss man gleich mal vorweg sagen. Es ist zwar ein Live-Auftritt, allerdings nur sechs Songs und die auch noch in ziemlich grauenerregender Sound- und noch schlimmerer Bildqualität. Und dann ist es kein aktueller Auftritt, sondern einer von 1991 aus Japan, der im Übrigen auch schon einmal auf Video erhältlich war, jedenfalls in den USA. Gut, das sollte man wissen und wenn man sich nur mit Highend-Aufnahmen zufrieden gibt, sollte man die Finger lassen. Wenn man ein Fan der Band ist, kann man aber schon zugreifen, immerhin ist es ja auch so etwas wie ein kleines Zeitdokument. Fast besser als die Stücke sind die Szenen dazwischen, wo man die Band während ihrer Tour sieht. Dann kann man als Bonusmaterial noch die Jungs beim Sushi-Essen begutachten und das allerbeste sind sicherlich die vier Musikvideos. Dann gibt es noch eine Biography, einen Film über die Band in Tokyo, eine Discographe sowie eine Bildergalerie. Alles in allem ist diese DVD fast nur zur Sammlungsergänzung zu gebrauchen, ich denke, die Fans warten da sicher auf ein etwas qualitativeres Release. (H.H.)

TESTAMENT - The Gathering


Erstveröffentlichung: CD / USG Records / EastWest

Ich bin da leider nicht so ganz bewandert, aber TESTAMENT soll laut Info zu den „Urvätern des Trashmetal“ gehören, was mir von einer bewanderten Seite auch bestätigt wurde. TESTAMENT spielte in den 80ern unter dem Namen LEGACY, hatte sich aber zum Erscheinen des Debüt-Albums in den aktuellen Namen umbenannt. Bis zum Jahre 1994 haben TESTAMENT es geschafft, in der Atlantic Rangliste auf Rang 38 zu kommen mit meistverkauftesten Alben (1,3 Millionen). Es gab eine kleine Pause bis 1997, dann erschien erstmal ein Best Of-Album und nun mit „The Gathering“ ein komplett neues Album. (H.H.)

TEST DEPT. - A Good Night Out


Erstveröffentlichung: LP 1987 / Ministry Of Power / Some Bizarre

Als ich ca. 1986/87 erstmals etwas über TEST DEPT. in irgendwelchen heute längst verblichenen Fanzines las, stand da was von Vergleichen zu Einstürzende Neubauten und Laibach. Da ich beide Bands damals (wie auch heute) sehr mochte, besorgte ich mir die LP „A Good Night Out“ und war erst mal ein wenig enttäuscht. Die britische Band war bei weitem nicht so laut und krachig wie die Lärmorgien der frühen Neubauten. Stattdessen gab es eine Art Marschmusik mit Dudelsäcken und Fanfaren zu hören, dazu gesprochene Texte.. Nach mehrmaligem hören wurde mir allerdings klar, dass das ganze bewusst so martialisch gehalten wurde, um die brandaktuellen, politisch linken Texte zu transportieren. Der Krach ist vorhanden, aber häufig ein wenig versteckt und die Marschtrommeln haben nichts mit rechten Ideologien zu tun, im Gegenteil, es gab zu der Zeit wohl kaum ein linksradikaleres Musikprojekt als TEST DEPT. Das ganze muß wohl auch als über die reine Musik hinausgehendes Künstlerkollektiv angesehen werden. Alle sieben Stücke dieser LP sind auf ihre Art und Weise genial, wobei mir die heftigeren, getexteten etwas besser gefallen, als die instrumentalen Bagpipe-Stücke. Vor allem das wütende, zum Kampf aufrufende „Generous Terms“ und das letzte, ebenfalls aufrüttelnde „Voice Of Reason“ sind brilliant, genauso wie das Titelstück „A Good Night Out“. Für die Tanzflächen der Clubs sind hier kaum geeignete Lieder zu finden, höchstens das treibende „Cha Till Sinn Tuille (We Shall Return No More)“ und vor allem „Demonomania“, das vielleicht am ehesten ein wenig mit den Neubauten vergleichbar ist und zu den besten rhythmischen Krachstücken gehört, die ein wenig die Powerelectronics heutiger Zeit auf akustische Weise vorweggenommen haben. Mit dieser Platte begann eine langjährige Liebe zu TEST DEPT., die für mich bis heute zu den besten und wichtigsten Gruppen der 80er Jahre zählen. „A Good Night Out“ ist weder das härteste (das ist „The Unacceptable Face Of Freedom“), noch das beste (das wäre „Terra Firma“) Album der Band, auf jeden Fall aber das radikalste. (A.P.)



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