THE CURE - Live - 15.Februar 2008 - Hamburg, Color Line Arena



Als Mitte September in den Medien angekündigt wurde, dass die alten Helden THE CURE im Februar 2008 mal wieder Deutschland auf einer Hallentour beehren würden, war die Freude und Aufregung groß, also schnellstens Eintrittskarten für rund 50 € besorgt, gute Sitzplätze natürlich, man ist ja nicht mehr der Jüngste, und angefangen zu spekulieren, was einen wohl erwarten würde. Haiko und ich hatten THE CURE noch nicht in der aktuellen Vierer-Besetzung (ohne Keyboards) gesehen, außer auf der „Festival 2005“-DVD und in diversen TV-Mitschnitten. Das sah jedoch recht viel versprechend aus.
Das neue Album wurde bereits mehrfach verschoben und ist bis zur Tour leider immer noch nicht erschienen. Nun ist es für Sommer 2008 angekündigt, aber man hoffte natürlich, dass der eine oder andere neue Song trotzdem schon im Liveprogramm gespielt würde. Schließlich informierten wir uns im Internet über die ersten Tourauftritte in Schweden, Norwegen und Dänemark und tatsächlich, einige unbekannte Titel tauchten in den recht vielseitigen, typischen Playlists auf.
Freitag, der 15. Februar war ein kalter Tag in Hamburg. Gegen 19.10 Uhr kam ich bei der Arena an und es strömten bereits die Menschen in Richtung Eingang, was darauf schließen ließ, dass die Halle gut gefüllt sein würde. Einlass und erste Bierbestellung funktionierten problemlos und ich begab mich auf unseren Platz, wo ich auf Haiko wartete und die schöne Atmosphäre aus Spannung und Neugier auf mich wirken ließ, während sich die Halle immer mehr füllte, interessanterweise unter dem durchgehenden Sound von Walgesängen (oder ähnlichem) von CD. Die Unterränge und der Innenraum der über 13000 Besucher fassenden Halle waren voll und sogar auf den Oberrängen tummelten sich noch einige Zuschauer, so dass wohl irgendwas zwischen 9000 und 10000 Besucher anwesend gewesen sein dürften. Die Bühne wirkte sehr voll, da im Hintergrund mehrere schmale Videoleinwände aufgebaut waren und einige Gerüste mit Beleuchtungselementen wieder einmal eine optisch aufwändige Show versprachen.
Die Tour-Vorgruppe 65 Days Of Static hatte bereits gegen 19.00 Uhr gespielt, so dass ich nichts mehr von ihr mitbekommen habe. Einige wenige bekannte Gesichter aus alten Zeiten sah ich auch in dem sehr gemischten Publikum, das im Schnitt wohl die 30 hinter sich gelassen haben dürfte. Allerdings war schwarz nicht mehr die vorherrschende Farbe und auch schöne Frisuren waren nur sehr vereinzelt zu sehen. Um kurz vor 20.00 Uhr tauchte auch Haiko auf, brachte gleich noch Bier mit und um ca. 20.10 Uhr wurde die Saalbeleuchtung ausgeschaltet und ein Jubelsturm brach los. Während des altbekannten Intros „Tape“ betraten die vier Musiker Jason Cooper, Simon Gallup (erblondet), Porl Thompson (mit Glatze, angemalten Augen und in hochhackigen Pumps) und schließlich Robert Smith (wie immer, derzeit mal wieder recht schlank) die Bühne und die Klänge ließen bereits vermuten, dass es mal wieder mit „Plainsong“ losgehen würde, was sich auch umgehend bestätigte. Wenn THE CURE diesen Song mit der gewaltigen Lightshow präsentieren und alle Musiker dabei leicht abwesend auf den Bühnenboden starren, erscheinen sie immer noch als traurigste Band der Welt, die einem Tränen der Nostalgie (und der eigenen Pubertät) in die Augen treibt. Es folgten „Prayers For Rain“ und „Fascination Street“, also ein optimaler „Disintegration“-Einstieg und der Abend hatte sich schon in diesem Moment gelohnt. Danach folgte Hit auf Hit, viele bekannte Singles („Alt.end“, „The Walk“ (überraschend gelungen in dieser keyboardlosen Version), „The End Of The World“, „Lovesong“, „Pictures Of Your“, „Lullaby“, das unvermeidliche „Friday I’m In Love“, „Just Like Heaven“, „Primary“) und einige ewige Bandklassiker („At The Edge Of The Deep GreenSea“, „One Hundred Years“, mein perösnlicher CURE-Favorit „Disintegration“) und einige Überraschungen („How Beautiful You Are“, „Hot Hot Hot!!!“, To Wish Impossible Things“ (mit fantastischem Schlagzeugspiel)), außerdem „Push“ und die zwei neuen Songs „Please Project“ und „A Boy I Never Knew“, die man aber so noch schlecht einschätzen kann, wobei ich das erste Stück auch nur ziemlich dröhnig auf dem Klo gehört habe und das zweite ziemlich rockig rüber kam. Und im letzten Drittel des regulären Sets folgte dann sowieso die Rock-Ecke mit „Us Or Them“, „Never Enough“ und „Wrong Number“. Zum Gesamtsound muss man sagen, dass dieser am Anfang etwas matschig war, mit der Zeit aber besser wurde. Bass und Schlagzeug waren sehr prägnant, wobei vor allem Jason Coopers Schlagzeugspiel faszinierend präzise war und Simon Gallup mit seinem Bass wie immer wilde Verrenkungen vollführte und immer wieder mit dem Rücken zum Publikum stand. Porl Thompsons Gitarrenspiel drängte sich sehr in den Vordergrund (witzigerweise benutzte er oft eine Gitarren, die viel zu groß für seine eher zierliche Figur erschien), wobei Robert Smiths Gitarre manchmal leider ein bisschen unterging. Dafür war sein Gesang sehr gut abgemischt.
Die Show beschränkte sich, wie so oft, hauptsächlich auf die monumentalen Lichteffekte und die gewohnten kurzen „Thank Yous“ von Smith. Doch insgesamt bei vier Liedern („Never Enough“ und im zweiten Zugabenblock) legte er die Gitarre beiseite, nahm das Mikrofon in die Hand und ging von einem Bühnenende zum anderen. Hin und wieder deutete er auch ein leichtes Tänzchen an.
Mit „Disintegration“ endete der erste Teil des Konzertes, aber wer THE CURE kennt weiß, das damit erst ungefähr die Hälfte des Abends bestritten ist und alle freuten sich auf die üblichen Zugabenblöcke, die bei der Band traditionell einigen absoluten Kultsongs geschuldet sind. So steigerte sich die gute Stimmung noch mehr als mit „At Night“, „M“, „Play For Today“ und natürlich „A Forest“ (immer noch unglaublich intensiv!) fast das halbe „Seventeen Seconds“-Album am Stück gespielt wurde. Im zweiten Zugabenblock folgten dann die poppigen Hits „Let’s Go To Bed“, „Close To Me“ und „Why Can’t I Be You“, sowie der neue Song „Freak Show“, auch alles keine Überraschung. Aber natürlich folgte der Höhepunkt dann im legendären dritten Zugabenblock mit „Boys Don’t Cry“ (stimmungsmäßig wohl der absolute Höhepunkt neben „A Forest“, „Plainsong“ und „Play for Today“), „Jumping Some Else`s Train“, „Grinding Halt“, „10:15 Saturday Night“ und „Killing An Arab“. Fasziniernderweise hat Smiths Stimme gerade bei diesen Songs deutlich jünger, wie in alten Zeiten geklungen. Immerhin die die Songs rund 30 Jahre alt und der Mann geht deutlich auf die 50 zu. Schon beeindruckend wie er immer noch sein Charisma auf der Bühne perfekt rüber bringt, ohne eigentlich viel zu tun. Danach war es vorbei, was auch jeder wusste, obwohl es meinetwegen noch ewig hätte weiter gehen können (was ich nicht nach jedem CURE-Konzert gesagt habe).
Alles in allem also ein sehr typisches Konzert der Band ohne Überraschungen, mit toller Lightshow und einer ordentlichen Songmischung aus fast allen Bandphasen. Es fehlten lediglich Songs aus den Alben „The Top“, „Wild Mood Swings“ und „Bloodflowers“ und auch „Faith“ und „Pornography“ waren etwas unterrepräsentiert für meinen Geschmack, dafür standen „Disintegration“, „Wish“ und „Kiss Me Kiss Me Kiss Me“ mehr im Mittelpunkt, was die wohl kommerziell erfolgreichste Phase von THE CURE wieder spiegelt. Mit über zweieinhalb Stunden reiner Spielzeit wurde der CURE-Schnitt locker erreicht und irgendwie schien jeder zufrieden zu sein, sowohl die Fans der „alten“ Band der 80er Jahre, als auch die Fans, die bei „Friday I’m In Love“ wild tanzen und bei „One Hundred Years“ dann auf Klo oder Bier holen gehen. Auch die Band, allen voran Robert Smith schien Spaß an dem Auftritt zu haben. Mich haben wieder einmal „Plainsong“ und „Disintegration“ am meisten bewegt und mitgerissen, das sind Songs für die Ewigkeit!
Ich jedenfalls hoffe, dass mein neuntes Cure-Konzert in über 20 Jahren nicht das letzte war und ich das Dutzend noch voll bekomme. (A.P.)

Webadresse der Band: www.thecure.com


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