XANDRIA - Ravenheart


Erstveröffentlichung: CD 2004 / Drakkar

Nach einer ausgefallenen und schönen Vorstellung der neuen Scheibe von Xandria im belgischen Studio des Wolfsheim Produzenten José Alvarez Brill konnte so manche Gothic-Kritiker ein erstes Mal den Klängen von Lisa und Co. lauschen und gespannt erwarten, ob sich die junge und dynamische Band nach ihrem Debüt „Kill the sun“ bewähren würden.

Und deutlich merkt man, dass sie mit ihrem zweiten Silberling „Ravenheart“ einen deutlich akzentuierteren Tonfall anschlagen, als dies noch bei ihrem Debütalbum „Kill the sun“ der Fall war.

Obwohl das Gothic Stilelement noch immer einen schweren Anteil in der Musik von Xandria hat, lassen sich auf dem Longplayer dennoch eine Reihe neuer Einflüsse und Ideen aus den zwölf Songs des Albums heraushören. Fast entsteht der Eindruck, dass die Band versucht hat, sich aus dem weiten Brei des Gothic Rocks zu befreien um neue Ausdrucksmöglichkeiten zu finden, doch Gitarrist und Bandgründer Marco erklärt: „Es gab keinen übergeordneten Plan, nach dem wir- oder nach dem Lisa und ich als Songwriter- vorgegangen sind. Die Songs sind nach und nach entstanden, jeder für sich, und erst später kristallisierte sich eine Richtung heraus, nämlich die, dass es eigentlich keine wirkliche Richtung gab. Es gibt sicherlich mehr Bombast und Orchester auf dem Album, es gibt mehr Metal, allerdings häufig in der modernen amerikanischen Färbung. Letzteres hat seine Grundlage in einem Jahr intensiver Live Erfahrungen; da schreibt man automatisch neue Songs mehr so, dass sie live ordentlich Druck machen. Generell ist dies ein Album geworden, auf welchem wir unsere Vorlieben, unsere stilistische Bandbreite noch viel mehr ausgelebt haben als auf ‚Kill the sun’, so dass eigentlich ein Sound der Gegensätze entstanden ist: mehr Pop und Metal, mehr Bombast und Stille, mehr Rock und Elektronik, mehr Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit und so weiter. Auch in textlicher Hinsicht haben sich Lisa und Marco bemüht, nicht auf der Stelle zu treten, sondern ein wenig in – für die Band – neue Richtungen zu gehen, wie Marco erzählt: „Ja, auch in dem Bereich haben wir versucht mehr Abwechslung hinzubekommen. Die Lyrics beinhalten eine große Vielfalt persönlicher Gedanken und Empfindungen von Lisa und mir. So geht es in mehreren Texten um das Zerbrechen unser beider Beziehung vor einem Jahr und wie wir beide wieder Freunde geworden sind, sogar beste Freunde – das siehst du am besten in den beiden Songs ‚Answer’ und ‚Back to the River’. In anderen Stücken geht es um unsere Erfahrungen im Musikzirkus, die wir jetzt seit einem Jahr machen, die Beziehung zu Fans, zu Szenen, zum Business. Denn ein Jahr Musikbusiness und ein sprunghaft erweiterter Horizont an teilweise extremen persönlichen Erfahrungen hinterlässt natürlich auch Spuren, die nicht alles so leicht nehmen lassen. Auch hier gibt es eine Reihe sehr scharfer Gegensätze: Glanz und Lüge, Selbstzweifel und Freude, Liebe und Hass. All dies war neu für uns, und unsere Gedanken dazu finden sich in einigen Texten wieder, manchmal ironisch mit einem Augenzwinkern, manchmal kritisch und ernst, wie in ‚My Scarlet Name’, ‚Snowwhite’ und ‚Some like it cold’. Weitere Tracks reden von ganz anderen Dingen, Momente brennender Sehnsucht, wie in ‚Black Flame’, oder erzählen sehr märchenhafte Geschichten von Liebe und Unglück zum Beispiel ‚Ravenheart’ und ‚Eversleeping’.“

José bekannt durch seine Zusammenarbeit mit Wolfsheim, hat sein übriges getan, die junge Band nach bestem Wissen und Gewissen zu unterstützen und Ideen zum Album beizusteuern. Deutlich hört man heraus, dass Xandria vermehrt mit sphärischen Sounds und bombastischen Effekten spielen, eine weitgefährte Reihe an Percussionsinstrumenten kommt zum Einsatz, eine Sitar erklingt hier oder da, und in ihrem Titelsong erschallt ein waschechter Chor. „Das fußte auf eine Reihe persönlicher Vorlieben. Ein großer Einfluss auf ‚Ravenheart’ waren die vielen alten Lieblingsfilme, die ich mir in der sehr intensiven Phase des Songwritings zur Entspannung mal wieder angeschaut hatte. Natürlich ist ‚Der Herr der Ringe’nicht spurlos an mir vorbei gegangen, und hat uns Appetit auf Bombast gemacht! Musik ist unsere Spielwiese, auf der wir alles ausprobieren, was uns gerade fasziniert oder Freude macht. Von daher legen wir nicht den Wert darauf, musikalisch in Szene-Grenzen zu bleiben, dass wäre doch sehr einschränkend!“ (Maximilian Nitzschke)



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