DIE ZWEI ?? - Keine Kaufverpflichtung/Rendezvous Auf Straßenschienen


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2003 / Kernkrach

Jedes mal, wenn eine neue Single auf Kernkrach oder dem Sublabel Hertz-Schrittmacher angekündigt wird, warte ich sehnsüchtig und gespannt auf den Veröffentlichungstermin, denn die beiden Jungs Jörg und Heinz haben ein goldenes Händchen für obskure, weithin unbekannte Schätzchen aus dem NDW- und Minimal-Electro-Bereich und ich wurde noch nie enttäuscht.

Dies ist auch bei DIE ZWEI ?? nicht anders. Wie das Label nun mit diesem Projekt von Anfang der 90er in Kontakt gekommen ist, möchte ich zu gerne mal wissen, aber über Hintergründe wird nichts preisgegeben. Schade, denn es wäre nett, noch mehr von diesen kleinen Electroperlen zu hören, aber das wird uns wohl verwehrt bleiben. Wahrscheinlich handelt es sich um ein frühes Projekt von heute bekannteren Musikern oder Leuten, die aus anderen Gründen nach so langer Zeit nicht mehr mit den Aufnahmen in Verbindung gebracht werden wollen.

Beide Songs sind wohl so um 1990 herum entstanden und könnten genauso gut aus den frühen 80ern stammen und dort im guten alten „Alles geht“-Cassetten-Underground aufgenommen sein. Als beinahe perfekter Vergleich fällt mir spontan Christof Glowalla´s Titel „Science Fiction“ ein, der bei Genetic Music vor einigen Jahren auf einer Splitsingle mit Bakterielle Infektion erschienen ist, aber eben auch schon gut 20 Jahre auf dem Buckel hat. Wer auf diese Art von frühem deutschen Synthie-Pop steht, sollte versuchen sich irgendwie ein Exemplar dieser auf 200 limitierten Single zu sichern.

Der Text zu „Keine Kaufverpflichtung“ scheint übrigens die Vertonung eines Bestellformulars für irgendeine Sammel-Abo-Sache zu sein. Das erinnert mich wehmütig an NLW-Bands wie Tuesday oder Cruel Vengeance, die auch mal Klassen-Adresslisten von ihrer Schule und die Speisekarte einer Kneipe vertont haben. Das war wohl so 1986 und 1989.

Wie immer ist die Verpackung eigenwillig. Diesmal haben die Macher sich hingesetzt und unzählige alte LP-Cover verschiedenster Art auf Single-Größe zurecht geschnitten und dann die Oma die Cover an den Seiten zusammen nähen lassen. Insofern macht es keinen Sinn, irgendwo nach dem hier abgebildeten Cover Ausschau zu halten, denn es dürfte ein Unikat sein. Sympathisches Label, sympathische Macher voller Ideen, gute Musik, was will man eigentlich sonst noch verlangen? (A.P.)

Webadresse der Band: www.kernkrach.de


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