PAUL YOUNG - No Parlez (25th Anniversary Edition)


Erstveröffentlichung: Doppel-CD 2008 / Sony / BMG / 88697345282

1983 gehörte das PAUL YOUNG-Debutalbum “No Parlez” zu meinen ersten ernstzunehmenden LPs (neben Adam And The Ants und Kim Wilde) in einer Sammlung, die heute rund 13.000 Tonträger umfasst. Ich war 13 und somit Teenager und deshalb waren Sachen wie „Der Ententanz“ und „Das Lied Der Schlümpfe“ out. Popmusik musste es sein, in erster Linie damals natürlich die Neue Deutsche Welle, aber eben auch die Hits aus den Charts, wobei man bedenken muss, dass der Begriff Popmusik Anfang der 80er Jahre noch nicht unbedingt negativ besetzt war. Durch die Punk- und New Wave-Explosion in der Jahren zuvor hatte sich eine Menge interessanter Musik in die Charts geschlichen. PAUL YOUNG hatte zunächst in England seinen Durchbruch mit der wunderbaren Ballade „Wherever I Lay My Hat (That’s My Home)“ und kurz darauf in ganz Europa mit der Über-Single „Come Back And Stay“. Es folgte das ebenso erfolgreiche „Love Of The Common People“ und eben das Album „No Parlez“, das alle diese Hits enhielt und in fast jedem Plattenschrank der damaligen Teenager stand. Von der LP wurden so viele Exemplare in Umlauf gebracht, dass ein mir bekannter Plattenhändler heute noch Hassgefühle bekommt, wenn er die Platte in jeder Sammlung, die er aufkauft und in jeder Flohmarktkiste findet.
Nun, ich mag die Platte heute noch, enthält sie doch durchweg gute Songs, von denen viele echten Hitcharakter haben, nicht nur die Singleauskopplungen. Der Erfolg entsprang wohl vor allem den perfekt produzierten Popsongs mit absoluten Ohrwurmmelodien, die unterschwellig ein gewisses New Wave-Gefühl inne hatten, und allem voran natürlich der unvergleichlichen Stimme von PAUL YOUNG, der mehr Soul als jeder andere weiße Sänger rüberbrachte, und das schließt auch den völlig überbewerteten Sänger Mick Hucknall von Simply Red ein. Die Mischung stimmte einfach und so sind Songs wie „Oh Women“ oder „Iron Out The Rough Spots“ zeitlos. „Ku Ku Kurama“ oder das komplexe „No Parlez“ bleiben auch nachhaltig in Erinnerung. Was aber wirklich intensiv bei mir gewirkt hat, ist die kongeniale Coverversion von Joy Divisions „Love Will Tear Us Apart. Ich gebe zu, dass ich die PAUL YOUNG-Version lange vor dem Original kannte. Nachdem ich dann ein großer Joy Division-Verehrer geworden war, mochte ich das Cover noch immer, denn der Geist des Originals wird nicht geschändet, aber doch auf eigene Art und Weise interpretiert, wie es nicht viele Musiker geschafft haben. Mit der schönen, fast weihnachtlichen Ballade „Broken Man“ und den Songs „Tender Trap“ und „Sex“ wird Album einwandfrei abgerundet und zu einem der Weg weisenden Popalben der frühen 80er Jahre. Auch danach folgten viele weitere Hits für PAUL YOUNG, der auch heute noch sehenswerte, unpeinliche Auftritte hinlegt, selbst wenn das Publikum natürlich vor allem die großen Hits hören will.
Um eine lohnenswerte „25th Anniversary Edition“ für dieses Album vorzulegen, wurde gleich noch eine zweite CD mit Raritäten spendiert. Neben einigen 12“-Mixen gibt es sogar eine Demoversion von „Pale Shelter“, das etwas später zu einem Welthit für Tears For Fears werden sollte. Dazu ein paar Demoversionen und Livetracks. Für Fans also ein absoluter Pflichtkauf. Zudem wurde das eigentliche Album auf seine ursprüngliche Fassung „zurecht gestutzt“, denn frühere CD-Auflagen enthielten statt der Albumversion von „Come Back And Stay“ die 12“-Version, die aber im Albumzusammenhang viel zu monumental produziert war und hier erst auf der Bonus-CD auftaucht.
Natürlich ist das Material remastered worden, vielleicht hier und da eine Spur zu glatt, und im Booklet gibt es interessante Liner Notes von YOUNG selbst zu lesen. Eine rundum gelungene Wiederveröffentlichung eines Popmusik-Klassikers, wie sie sein soll. Mal abgesehen davon, dass man das Original-Artwork etwas modernisiert hat und das witzige Innencover der LP dabei unberücksichtigt geblieben ist. (A.P.)



[ ZURUECK ]