DIE AERONAUTEN - Zu gut für diese Welt


Erstveröffentlichung: CD 2004 / L´Age D´Or

Ich muss gestehen, die AERONAUTEN sind bislang an mir vorbeigegangen. Sicherlich ist mir der Name nicht neu, aber irgendwie habe ich niemals Musik von ihnen zu Ihren bekommen und nun bringen sie eine Best Of-CD zugunsten ihren 10-jährigen Jubiläums heraus (obwohl es die Band noch länger gibt). Wer also sind sie? Fünf Männer aus Schaffhausen, die sich wunderbarem Gitarrenpop mit deutschen Texten und einigen leicht schrägen Bläsern verschrieben haben und in den 10 Jahren ihres Banddaseins 5 Alben auf den Markt gebacht haben. Die genaue Bandgeschichte kann man sich im ausführlich gestalteten und vorbildlichen Booklet der CD reinziehen. Die Songs sind deutschsprachig und sind mit sympathischen und leicht ironischen und manchmal nachdenklichen Texte versehen. Manch ein Text ist auch einfach nur Text ohne in die Tiefe gehen zu wollen, andere erzählen Alltagsgeschichten und immer ist es irgendwie einfach nett. Da ist der Titel „Zu gut für diese Welt“ wirklich Programm. Mit 79 Minuten ist die CD randvoll gepackt und neben den Hits der Bands gibt es hier zusätzlich noch neun Stücke, die bislang noch unveröffentlicht bzw. schwer zu bekommen waren. Besonders erwähnenswert ist noch, dass L´Age D´Dor, oder kurz Lado genannt, sie in ihrer neuen Classix Serie veröffentlicht, die es zum Midprice gibt. (H.H.)

DIE ÄRZTE - Rockgiganten Vs. Strassenköter


Erstveröffentlichung: Maxi-CD / Metronome

Eigentlich ist das hier eher eine Maxi-CD und sie enthält vier Songs zweier Bands, die sich da nennen TERRORGRUPPE und DIE ÄRZTE, die mit jeweils zwei Stücken vertreten sind. Der Clou an der Geschichte ist, daß die TERRORGRUPPE zwei ÄRZTE-Songs covert und anders rum. Die TERRORGRUPPE thront dann also auf mit ""Mach die Augen zu"" und ""Kopfüber in die Hölle"", zu denen eigentlich nicht viel zu sagen ist, da sie im typischen TERROR-Sound rüberkommen. Zu ""Namen vergessen"", gespielt von den ÄRZTEN gibt es auch nicht viel zu sagen, das Stück ist auch von den ÄRZTEN gelungen. Bei ""Rumhängen"" haben sich die Docs aber was einfallen lassen und überreichen uns eine monumentale, fast klassische Version, die auch gut und gerne von Laibach kommen könnte. Interessantes Machwerk also, das eigentlich noch um ein paar weitere Stücke hätte erweitert werden können. (H.H.)

Webadresse der Band: www.bademeister.com

DIE ÄRZTE - Das Ist Nicht Die Ganze Wahrheit...


Erstveröffentlichung: LP 1988 / CBS

Mit ihrer insgesamt vierten regulären LP haben DIE ÄRZTE 1988 endgültig den kommerziellen Durchbruch geschafft, was wohl vor allem auch an der bis heute hittigen Auskopplung „Westerland“ liegt. Doch das Album hat noch deutlich mehr zu bieten, nämlich die bis dahin poppigsten Songs, die aber immer typisch ÄRZTE sind und eigentlich jeden Fan zufrieden gestellt haben. Auch die zum Album gehörige Abschiedstour war ein Knaller, besonders das Konzert im Stadtpark in Hamburg, das ich für immer als unvergleichliches Erlebnis in Erinnerung behalten werde.

Gleich der Opener „Ohne Dich“ gehört zu den ganz großen ÄRZTE Songs, die einem nach einmaligem Hören nicht mehr aus dem Ohr gehen. Besonders der zynische Text ist göttergleich! Dass Bela B. immer im Herzen ein Rocker war und ist darf er in „Baby Ich Tu´s“ und „Wilde Welt“ zeigen. „Westerland“ ist einer der größten Ohrwürmer, die die Berliner je aufgenommen haben und „Elke“ wurde schnell zu einem Liveklassiker, was natürlich an dem „liebevollen“ Text liegt. „Ich Will Dich“ ist ein weiterer typischer ÄRZTE Song, ebenso wie „Die Siegerin“, „Außerirdische“, „Popstar“ und „Gute Zeit“, die alle vielleicht ein wenig glatter sind, als frühere Lieder. Mit Punk hat diese Platte musikalisch kaum noch etwas zu tun. Als weitere Singles wurden „Ich Ess Blumen“ und „Bitte Bitte“ ausgekoppelt, beides ebenfalls ÄRZTE Klassiker. Naja, und das unbetitelte und auf dem Cover nicht erwähnte letzte Stück, brauche ich wohl nicht extra nennen...typischer ÄRZTE Humor... Alle Fans werden jetzt aufschreien, weil ich ein Lied noch gar nicht genannt habe...“Komm Zurück“. Bisher mochte ich den Song nie besonders, aber als vor kurzem auf MTV das „ÄRZTE Unplugged“ Konzert lief und der Song auch dabei war, knallte er voll rein und war plötzlich ein meiner Lieblingslieder der besten Band der Welt. So kann´s kommen.... „Das Ist Nicht Die Ganze Wahrheit...“ ist nicht mehr und nicht weniger als ein „typisches“ ÄRZTE-Album, was bei dieser Band natürlich bedeutet, dass es hervorragend ist! (A.P.)

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DIE ÄRZTE - Ist Das Alles? 13 Höhepunkte Mit Den Ärzten


Erstveröffentlichung: CD 1987 / CBS

1987 waren DIE ÄRZTE schon groß und erfolgreich, nicht so wie heute, aber doch kannte sie irgendwie jeder, nicht nur aufgrund der diversen Indizierungsverfahren, sondern auch wegen der Musik. Mit der Bangles Coverversion „Geh´n Wie ein Ägypter“ verbuchte man einen ziemlichen Hit und da es gerade kein aktuelles Album gab, entschloß man sich, eine erste Best Of... Scheibe zu veröffentlichen, die auch ein paar neue Songs enthielt, die man gleich als Singles auskoppeln konnte. Ich bin sicher, dass viele Leute erst über diese Compilation mit 13 coolen Songs an DIE ÄRZTE herangekommen sind und zu echten Fans wurden.

Beginnen tut es mit „Geh´n Wie Ein Ägypter“, netter Titel, aber keiner meiner Favoriten. Dafür knallt es danach gleich mit „Du Willst Mich Küssen“, jahrelang ein Liveklassiker der Band und vielleicht einer der typischsten ÄRZTE Songs der frühen Phase. Der damals neue Titel „2000 Mädchen“ wurde ebenfalls bis in unsere Tage zu einem beliebten Livehit. „Mysteryland“ zeigte die dunklere Seite der Band, die besonders auf dem selbstbetitelten (und indizierten) 1986er Album zum tragen kam. Der bis dahin größte Hit der Band war sicherlich „Zu Spät“, hier in der Maxiversion. Definitiv einer DER Songs der Band überhaupt. Hier stimmte alles, der Text war tragisch-lustig, die Musik eingängig, einfach ein perfekter ÄRZTE Song. Als nächstes ein Remix von „El Cattivo“ vom ersten Album „Debil“. Country-Punk mit nettem Text, der heute perfekt in den Film „Der Schuh Des Manitu“ passen würde. Durch solche Songs wurden die Berliner damals leider schnell in die Fun-Punk-Schublade gesteckt, was der Gruppe absolut nicht gerecht wird. Ein weiterer neuer Titel war das treibende „Radio Brennt“, das auch live immer ziemlich gut kommt. Ebenfalls ein „normaler“ guter Song. Weiter geht´s mit „Alleine In Der Nacht“, „Dein Vampyr“, „Erna P.“ und „Ist Das Alles?“ und natürlich meinem ewigen ÄRZTE Lieblingslied „Wie Am Ersten Tag“ (Hallo Anja! Wenn ich das heute höre, muß ich immer noch an Dich denken!). Insgesamt eine gute und repräsentative Zusammenstellung der ersten ÄRZTE Jahre, die für Einsteiger geeignet ist. Allerdings sollte man sich danach schnellstens die Alben besorgen, da viele großartige Stücke hier natürlich nicht berücksichtigt werden konnten. Neben den „schweinischen“ Liedern (die auf der Compilation „Ab 18“ zusammengefasst wurden) gibt es da zum Beispiel noch „Micha“, „Rennen Nicht Laufen“ oder „Wie Ein Kind“. Wie auch immer, DIE ÄRZTE liebt man, oder man tut es nicht. Für mich waren sie in den 80ern die Größten, bzw. „Die Beste Band Der Welt“! (A.P.)

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DIE ÄRZTE - Die Ärzte

Wiederveröffentlichung: CD 1986 / CBS
Erstveröffentlichung: LP 1986 / CBS

Nach dem Ausstieg von Bassist Sahnie nach dem zweiten Album standen Farin Urlaub und Bela B. plötzlich nur noch zu zweit da. Machte aber auch nichts, denn in dieser Besetzung spielten sie ihr bestes, aber auch umstrittenstes, Album ein, das schlicht ""Die Ärzte"" heißt. Einerseits gelang der Band damit der endgültige Durchbruch, andererseits landete auch diese Platte wegen des Songs ""Geschwisterliebe"" auf dem Index und auch ""Sweet Sweet Gwendoline"" dürfte so manchem Moralapostel bis heute schwer im Magen liegen.

Bis heute scheint es mir auch so, als wenn es das ""düsterste"" und ernsthafteste Album der ÄRZTE ist. Abgesehen von dem Song ""Ich bin Reich"" findet sich kein weiterer ""Sommerhit"" im Stile von ""Roter Minirock"", ""Sommer Palmen Sonnenschein"", ""Paul"" oder ""Du willst mich küssen"". Dafür gibt es aber fast schon tragische Liebesgeschichten wie ""Zum Letzten Mal"", und Wave-Songs wie ""Mysteryland"". Hier covern DIE ÄRZTE sogar Nino De Angelo´s Superhit ""Jenseits von Eden"", und das ausgesprochen gelungen. Mit ""Für Immer"" und ""Ist das alles?"" wurden zwei Singles ausgekoppelt, die allerdings an Hits wie ""Wegen Dir"" oder ""Zu Spät"" nicht wirklich anknüpfen konnten. Der absolute Oberhammer (""der Hammer schlechthin"") ist aber gleich der Opener ""Wie am ersten Tag"", einer tragischen Geschichte über eine auseinander gegangene Liebesbeziehung, eingepackt in absolut ohrwurmträchtige Musik. Definitiv mein allerliebster ÄRZTE-Song überhaupt (hallo Anja!). Alleine deshalb, aber auch wegen der anderen Songs ist diese Platte für mich die beste und erwachsenste der Band. (A.P.)

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DIE ÄRZTE - Im Schatten Der Ärzte

Wiederveröffentlichung: CD
Erstveröffentlichung: LP 1985 / CBS

Zweites Album der ÄRZTE von 1985, als man die Berliner (damals noch in Originalbesetzung mit Sahnie am Bass) noch locker in die Fun-Punk-Ecke einsortieren konnte. Dennoch, war „Debil“ noch eine Sammlung schräger Pop-Punk-Songs, finden sich hier auch schon ein paar dunklere Momente, wie in „Dein Vampyr“ oder in „Rennen Nicht Laufen“ (nebenbei bemerkt DER Hit des Albums“!). Bekannteste Titel sind mit Sicherheit die Ärzte-Klassiker „Du Willst Mich Küssen“ und „Wegen Dir“. Wunderschön (vielleicht nur, weil mich der Titel persönlich so anspricht) ist „Wie Ein Kind“, ebenso wie „Ich Weiss Nicht (Ob Es Liebe Ist“), was zwar kaum ernst gemeint sein dürfte, mich aber doch immer tief bewegt. „Käfer“ ist auch zum Klassiker geworden, ebenso wie „Buddy Holly´s Brille“ und der grandiosen ÄRZTE-Hymne „Was Hat Der Junge Doch Für Nerven“. Man sollte das Album mehrmals hören, bevor man sich ein Urteil erlaubt, denn nach „Debil“ ist „Im Schatten Der Ärzte“ doch gewöhnungsbedürftig. 1986 folgte dann das bis heute beste Album „Die Ärzte“, das als perfekte Mischung aus den beiden Vorgängern daherkommt. (A.P.)

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DIE ÄRZTE - Debil

Wiederveröffentlichung: CD / CBS
Erstveröffentlichung: LP 1984 / CBS

Nach einer Single und einer Mini-LP legten DIE ÄRZTE beim Major CBS endlich ihr erstes Album vor und damit begann eine unvergleichliche Karriere. Untertitelt war dieses Album mit dem passenden Slogan ""Heisse Musik für wilde Teenager-Partys - Vol.1"".

Irgendwann Mitte der 80er Jahre hat mir mein Kumpel Inge Gleitcreme das erste Mal was von den ÄRZTEN vorgespielt, ich bin mir nicht mehr sicher, ob es der Song ""Paul"" war, auch als Single aus der Platte ausgekoppelt, oder ""Micha"". Auf jeden Fall war ""Micha"", der Song über einen einsamen Cowboy, das Lied, das mich zu einem ÄRZTE Fan machte und bis heute bleiben ließ. Doch die Debut-LP, die einige Jahre später wegen dem ""Schlaflied"" und ""Claudia hat ´nen Schäferhund"" auf den Index gesetzt wurde enthält weitere Hits wie ""Frank´n´Stein"", ""Mädchen"", ""El Cattivo"" und allen voran einen der größten Bandklassiker mit ""Zu Spät""

(wurde auch als Single und Maxisingle ausgekoppelt). Dazu das rührende ""Kamelralley"", das fetzige ""Frank´n´Stein"", das böse ""Scheisstyp"" und das großartige ""Roter Minirock"". Als Intro gibt´s das ""Ärzte Theme"" und einen weiteren Beweis, dass Schallplatten kultiger sind, als CDs, denn das Vinyl war aufgeteilt in eine ""Jungs""-Seite und eine ""Mädchen""-Seite, außerdem wirkt der kultige Spruch ""Ey Du Blödmann, Du hast die falsche Seite aufgelegt"", die bei der Platte jeweils am Anfang kommt, auf CD nicht wirklich gut.

Keine Frage, mit dieser Platte haben DIE ÄRZTE sich ein Denkmal gesetzt und den Grundstein für einen nie erwarteten Erfolg gelegt. Fälschlicherweise wurden die frühen ÄRZTE immer in die Fun-Punk Schublade gesteckt, in der sie sich selber nie sahen. Auch nach rund 20 Jahren gehören sie immer noch zu den glaubwürdigsten und sympathischsten deutschen Bands. Dabei ist ""Debil"" nur der erste Schritt gewesen, allerdings ein großartiger! (A.P.)

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ASCII.DISKO - ASCII.DISKO

Wiederveröffentlichung: 12 Inch Boxset 2003 / L´age D´or
Erstveröffentlichung: CD 2003 / L´age D´or

Neben Spillsbury hat das L´age D´or Label eine weitere Band entdeckt, die ihre musikalischen Wurzeln in den 80er hat und dies auch nicht zu verbergen versucht. ASCII.DISKO hat sich ganz der elektronischen Klangerzeugung gewidmet und diese schon auf mehreren Vinyl-Maxis unter die Leute gebracht. Das selbst betitelte Debutalbum ist nun aber ein echter Hammer, denn ohne stilistische Grenzen kann man mit dieser CD definitiv Akzente setzen. Von Electronic Body Music im Stile der ganz frühen Oomph!-Maxis über frühe Nitzer Ebb-ähnliche Sounds und DAF zu „1st Stept to Heaven“-Zeiten bis hin zu Kraftwerk- und Residents-artigen Klangkosmen, sowie Minimal-Electro, Trance-Techno, Soundtrack-Anleihen und hier und da ein wenig NDW ist alles zu finden, was elektronnische Musik der letzten dreißig Jahre zu bieten hatte. Wenn das Label dann auch noch das Thema Acid-House einbringt, ist das auch nicht so falsch. Erfreulicherweise hat ACSCII.DISKO aus diesem ganzen Kram einen recht eigenen Stil geschaffen, der irgendwie, und das ist das seltsame und erfreuliche, häufig richtig rockt, und das ganz ohne Gitarren! Das soll erstmal einer nachmachen!

Viele Stücke locken sofort auf die Tanzfläche, ohne dabei aber den normalen Deppen-Techno zu imitieren, das hier ist echt „Body“-Musik, was besonders an den treibenden Rhythmen von Stücken wie „Immer“ oder „Einfach“ liegt, aber insgesamt halt an der sehr guten Produktion.

Der Hammerhit des Albums ist aber natürlich der Minimal-Electro-Kracher „Aldimarkt“, der locker an die Qualitäten von Clan Of Xymox´ legendärem Frühwerk „Going Round“ heran reicht und wohl schon jetzt unentbehrlich im Repertoire der einschlägigen DJs sein dürfte. Dieser Song wird mit Sicherheit auch in ein paar Jahren noch jede Tanzfläche füllen.

Mehr muss man zu diesem Album wohl wirklich nicht mehr schreiben...wirklich mitreißend! (A.P.)

THE ASHES OF CREATION - The Porcelain Songs


Erstveröffentlichung: CD 2004 / Capitol East Coast Records / Finest Noise

Zunächst einmal: das Booklet zu diesem Album von THE ASHES OF CREATION gehört wohl zu den am schönsten gestalteten, die mir seit längerer Zeit in die Finger gekommen sind. Das ist auf jeden Fall schon mal mehr als lobenswert…dass dann auch noch die Musik durchaus zu überzeugen weiß, macht „The Porcelain Songs“ zu einer durchweg schönen Veröffentlichung, wenn auch nicht zu einem Meisterwerk. Wie der CD-Titel schon andeutet, handelt es sich bei der Musik der siebenköpfigen Band um „zerbrechliche“ Musik, meist eher ruhig, bestimmt durch glasklaren Gesang und den häufigen Einsatz einer Flöte. Der Stil ist nicht so leicht in eine bestimmte Schublade zu stecken, weil die Gruppe sich ohne Hemmungen überall bedient, von Prog-Rock über Folk, Wave und Pop bis hin zu Alternative-Rock. Dass dabei dann eine sehr eigenwillige Mischung raus kommt, ist wenig überraschend und man sollte sich Zeit nehmen, die CD einige Male zu hören und tiefer in die musikalische Vielfalt einsteigen. Wenn man dann auch noch abwechslungsreichen Frauengesang mag und den ein oder anderen schwächeren Song großzügig überhört, macht man hier sicher nichts falsch. Direkte Vergleiche erübrigen sich, doch im Booklet wird unter anderen Leuten wie Tom Waits, Leonard Cohen, Nick Cave, Blixa Bargeld, Heather Nova und Mr. (Charles?) Dickens gedankt. Man hört die Einflüsse dieser Künstler nicht direkt heraus, aber die Inspiration ist schon nachvollziehbar. Allerdings finde ich das Album bei weitem nicht so düster, wie der Waschzettel mir weismachen möchte. Melancholisch vielleicht, ein bisschen herbstlich, aber nicht düster im eigentlichen Sinne. Ich weiß nicht warum, und es ist auch gar nicht negativ gemeint, aber irgendwie würde ich die Musik in ein studentisches Umfeld stecken und Dinge wie Tee und Duftkerzen kommen mir in den Sinn und junge Leute in betont schlichten, farblosen Klamotten, mit Brille und an die 70er Jahre erinnernden Frisuren. Seltsam…aber das macht die Musik von THE ASHES OF CREATION ja nicht schlechter. Wer Bands wie Shelleyan Orphan oder Aimless mochte, liegt auch hier nicht falsch. (A.P.)

A SPLIT SECOND - Megabite


Erstveröffentlichung: CD 1995 / Hypnobeat / Indigo

A SPLIT SECOND gehören zu den Helden der längst vergangenen EBM-Welle in den 80ern, ja, sie waren sogar stilbildend und haben ihren Platz in der Geschichte der Electromusik sicher. Hier erscheint nun also eine neue CD und wie nicht anders zu erwarten, hat die Gruppe die harten Gitarren entdeckt, wie so viele andere Bands aus der Zeit auch, Crossover ist das Zauberwort und es ist ja auch gerechtfertigt, wenn die Musiker nicht immer das Gleiche machen wollen, nur mir muss das ja nicht gefallen. A SPLIT SECOND haben in ihren Songs immer noch viel Power und ich würde sie zu den erfreulichen Erscheinungen in dieser Stilrichtung zählen und doch hole ich lieber eine der alten Platten aus dem Schrank, wenn ich das Bedürfnis nach dieser Gruppe habe. Ich will diese CD nicht völlig verreissen, denn dazu habe ich viel zu gute Erinnerungen an die Gruppe und Songs wie „Third Coming“ auf dieser neuen CD sind ja auch ziemlich gut, eben genau die Momente, wo die Gitarren weggelassen werden, bzw. nicht die dominierende Rolle spielen. Vielleicht lässt sich an dieser CD sehen, dass Electro halt doch nicht genauso zeitlos sein kann wie Gitarrenmusik, immerhin entdecken bestimmt 80% der Electrobands, die anfangs Rockmusik total abgelehnt haben, irgendwann doch die Gitarren und begründen das damit, dass sie mit reiner Elektronik einfach auf der Stelle treten. Nein, auf „Megabite“ ist nicht die Musikrichtung, die ich bevorzuge und deshalb bin ich wohl der falsche, um die CD zu besprechen. Für Fans dieser Art von Musik bietet die CD aber bestimmt einiges. (A.P.)

CHRISTIAN VON ASTER - Horror-Lexikon


Erstveröffentlichung: Buch 2002 / Lexikon Imprint Verlag / ISBN 3-89602-510-4

Ein Lexikon zu verfassen, dass Horror in allen Facetten, also laut Untertitel „Von Addams Family bis Zombieworld – Der Schrecken in Film, Literatur und Wirklichkeit“ umfasst, ist schon ein mutiges Unterfangen, denn über jeden einzelnen Punkt könnte man ein eigenes Lexikon verfassen. Da bleibt es natürlich nicht aus, dass die Auswahl der Stichworte etwas subjektiv ist, jeder Leser wird Dinge finden, die seiner Meinung nach nicht in das Lexikon gehören und andere Sachen vermissen. Aber das ist wohl bei jedem Lexikon so und deshalb sollte man das gar nicht allzu sehr kritisieren. Schließlich hat Christian v. Aster durchaus gut recherchierte Arbeit abgeliefert und bietet dem Horror-Fan oder jedem anderen Interessierten jede Menge Fakten und Informationen. Von Literatur über Filme, Hörspiele und anderen Medien bis hin zu Hintergründen, Aberglauben und „Wahrheiten“ finden sich auf rund 400 Seiten alle Aspekte des Themas wieder, manchmal jedoch nicht genug vertieft.

Dass einige Fehler zu vermelden sind, ist nicht wirklich schlimm, aber wenn auf Stichworte verwiesen wird, die dann kaum finden sind (von „100 Years Of Horror“ zu „100 Jahre Horror“ zwischen „Ein Andalusischer Hund“ und „Eiserne Jungfrau“), ist das schon unangenehm. Auch werden viele eher unwichtige Filme, wie „Final Destination“ erwähnt, während „Maniac“ keine Würdigung erfährt. Wenn von „Cannibal Holocaust“ zu „Nackt Und Zerfleischt“ verwiesen wird, ist das absolut richtig, warum findet sich direkt darunter dann aber noch mal „CannibalE Holocaust“ mit dem selben Verweis auf „Nackt Und Zerfleischt“? Auch fragt man sich, warum das Stichwort „Ash“ extra aufgeführt werden muss, wenn „Tanz der Teufel“ sowieso zweieinhalb Seiten Informationen bietet. Auch frage ich mich, warum „Return Of The Living Dead“ nicht unter diesem gängigen Stichwort besprochen wird, sondern unter dem viel selteneren verwendeten deutschen Titel „Verdammt Die Zombies Kommen“, wobei dieser Titel nur für die grausam zensierte deutsche Fassung des Filmes steht. Kein Horrorfilm wird jemals von dem Film „Verdammt Die Zombies Kommen“ reden! Schade ist auch, dass die Biographien von diversen Filmregisseuren wie Lucio Fulci, Jess Franco, Olaf Ittenbach oder Peter Jackson sehr kurz ausgefallen sind. Da hätte ich wirklich mehr erwartet und wenigstens die Auflistung der wichtigsten Filme verlangt. Joe D´Amato taucht dann erst gar nicht auf, während einige seiner Filme eigene Stichworte haben.

Naja, solch eine Auflistung könnte man ewig weiterführen, die Auswahl ist halt nicht allgemeingültig und jeder würde wohl vieles anders machen.

Dennoch muss ich zugeben, dass sogar ich, als alt eingesessener Horror-Fan seit über 20 Jahren so manche mir unbekannte Information gefunden habe. Etwas unterbewertet ist jedoch der deutsche Underground. Olaf Ittenbach wird gerade noch erwähnt, von Andreas Bethmann oder Andreas Schnaas liest man jedoch nichts. Doch genug gemeckert...auf jeden Fall ist das Buch für jeden Horror-Fan eine lohnende Anschaffung, denn alles, was hier drin steht, weiß mit Sicherheit noch niemand. Dafür weiß jeder Dinge, die Christian v. Aster bisher verborgen geblieben sind. So kann man sich doch prima ergänzen. (A.P.)

TWINS NATALIE - When We Were Young / Kleiner Satellit


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2008 / Anna Logue Records / Anna 017.2008

Na, das wurde aber auch Zeit, dass sich Anna Logue-Mastermind Marc Schaffer mal mit eigener Musik auf seinem feinen Label verewigt! Bisher gab es „nur“ Musik anderer Musiker aus der Vergangenheit und von heute, denen allen gemein ist, dass sie in der einen oder anderen Form schönen Electro-Wave produziert haben oder eben aktuell produzieren.
Nun hat Marc hier aber nicht einfach sein eigenes Projekt Solitude FX, beziehungsweise Solitairen Effekten verewigt, sondern mit Steve Lippert (Grafik Designer der wunderbaren Anna Logue-Cover) und den Leuten von Poeme Electronique ein ganz eigenes Projekt gegründet, das auf der Suche nach dem perfekten 80s-Electro-Pop-Song ist. Der wird hier zwar noch nicht gefunden, aber die Richtung stimmt und wer weiß, vielleicht findet man ihn dann 2009 auf einem geplanten Album.
Stilistisch und mit dem richtigen Equipment wird der Geist der frühen bis mittleren 80er Jahre sehr gut getroffen, auch, wenn man schon hört, dass die Stücke mit heutigen technischen Mitteln perfekt produziert worden sind. Ich will es als absolutes Kompliment verstanden wissen, wenn ich schreibe, dass die beiden Songs in nahezu perfekter Art und Weise an die (nicht ganz) frühen Kirlian Camera erinnern, als die wunderbare Simona Buja bei der Band gesungen hat und Perlen wie „Edges“, „Blue Room“ oder „Ocean“ den Hörer verzaubert haben. Bei mir gewinnt die etwas freudigere A-Seite „When We Were Young“ knapp vor dem etwas gesetzteren „Kleiner Satellit“. Das übliche sehr schöne Coverartwork, bestmögliche Qualität und Textblatt, sowie eine Fotobeilage sind hier eh selbstverständlich. Limitiert ist das Ganze auf 333 Exemplare.
Top-Veröffentlichung, da möchte man gleich mehr hören. Also: schnell ein Album produzieren, lieber Marc! (A.P.)

Webadresse der Band: www.annaloguerecords.com

CAR CRASH SET - Join The Car Crash Set


Erstveröffentlichung: LP 2008 / Anna Logue Records / Anna 016.2008

Wow, Neues von Anna Logue Records und diesmal eine Band, die ich nun überhaupt noch nicht kenne. Wo gräbt der gute Marc bloß immer diese Sachen aus und schafft es auch noch, Kontakt aufzunehmen und die Musiker nach über 25 Jahren zu überzeugen, eine Platte bei ihm zu veröffentlichen?
CAR CRASH SET stammen aus Neuseeland und haben Mitte der 80er Jahre einige Singles, Maxis, Samplerbeiträge und eine LP veröffentlicht. Trotzdem hat die Gruppe es nicht geschafft, in Europa bekannt zu werden, wahrscheinlich, weil nur wenige Platten es überhaupt hierher geschafft haben. So sind die Scheiben unter Sammlern teuer gehandelt und es ist schön, dass man mit dieser LP wenigstens die Möglichkeit bekommt, ein paar der elektronischen Perlen zu Gehör zu bekommen. Musikalisch geht es mit einem Instrumental los, das durchaus den Fans des Minimal-Electro gefallen dürfte. Danach bekommt man bei „Outsider“ aber den tatsächlich typischen Sound der Gruppe zu hören, nämlich lupenreinen 80er Jahre-Electro-Pop mit einer gehörigen Prise Wave als Zugabe. Mir fallen Bands wie When In Rome, Real Life, Orchestral Manouevres In The Dark, Freur oder etwas später Q Lazzarus ein, dazu noch unzählige andere. Vor allem alle Fans von New Order sollten hier mal ein Ohr riskieren, wenn Gitarren dazu kommen. Keine Frage, der Sound ist einem vertraut und alles andere als neu. Allerdings klingen die Songs eben noch nicht verbraucht, sondern angenehm frisch und alles andere als unzeitgemäß.
Für Anna Logue Records hat die Gruppe nun vier längst vergriffene Tracks und vier bislang unveröffentlichte (Demo-) Tracks für diese LP zusammen gestellt und liefert damit in der gewohnt edlen Anna Logue-Gestaltung eine echte Sommerplatte ab, die den Hörer praktisch direkt zurück ins Jahr 1983 verfrachtet. Angeblich haben sich die Musiker wieder zusammen getan und arbeiten an neuen Aufnahmen. Da bin ich aber mal gespannt! (A.P.)

Webadresse der Band: www.annaloguerecords.com

JETZTMANN/L. SKY - Nord Jahre Target


Erstveröffentlichung: 10 Inch 1996 / The Bog / The Bog 002

Mitte der 90er Jahre hat das kleine aber feine Label The Bog aus Hamburg eine Reihe von sehr eigenwilligen und durchweg extrem spannenden 10“ in edler Aufmachung veröffentlicht. Neben Vinyl von Asmus Tietchens und Edward Ka-Spel gab es auch die hier vorliegende 3-track-Scheibe von JETZTMANN (der seit langer Zeit sehr umtriebige Horst Petersen aus Hamburg) und L. SKI, wobei mir Erstgenannter zumindest noch ein Begriff ist. Auf der 10“ wurden Aufnahmen von Asmus Tietchens mit dessen Einverständnis und Unterstützung bearbeitet, weiter entwickelt und neu interpretiert. Dabei heraus gekommen ist neben dem sehr ambienten Stück „Inter“ auch das extrem rhythmische, fast schon technoide „Turbo“ und der Minimal-Versuch „Para“. Sehr vielseitige Klänge also, die sich wohl der Einfachheit (und des Schreibers Faulheit geschuldet) als Avantgarde bezeichnen lassen. Damit macht man es sich vielleicht ein wenig zu leicht, aber es dürfte die Zielgruppe und die potentiell Interessierten aufhorchen lassen. Nicht nur auf Grund der schlichten, aber eben sehr edel wirkenden Gestaltung und des liebenswerten 10“ Formats (+ Beiblatt) ist diese Platte eine kleine Perle des Genres und definitiv sammelnswert. (A.P.)

TEARWAVE - Different Shade Of Beauty


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Projekt Records / Projekt 217

Mit ihrem Debütalbum haben die Amerikaner TEARWAVE 2007 ein wunderbares Dream-Pop-Werk vorgelegt, das perfekt an seelige Gitarren-Indie-Zeiten der späten 80er/frühen 90er Jahre angeschlossen hat. Zum Glück recht schnell liegt mit „Different Shade Of Beauty“ nun das Nachfolgewerk vor und kann nahtlos an den Vorgänger anschließen. Elfenhafter Gesang und verhallte Gitarren lassen natürlich wieder an große Vorbilder wie Slowdive denken. Allerdings ist es diesmal etwas dunkler und so kommen einem auch die unsterblichen Lycia in den Sinn, zum Beispiel gleich beim Opener „Shattered Fairytale“. Hier und da gibt es auch wieder Anklänge ans „Medusa“-Album von Clan Of Xymox oder Lowlife, so in „Nothing’s Wrong“. Gerade dieser Song ist aber auch sehr eingängig und dürfte auch manchem Mainstream-Hörer gefallen, der ein bisschen offen für interessante Klänge ist. Sehr emotionale, atmosphärische Klänge, oder einfach: schöne Musik. Dazu ein schlichtes, aber schönes Artwork.
17 Songs in rund 77 Minuten, die niemals langweilig werden…welche Veröffentlichung kann das schon von sich behaupten? TEARWAVE zeigen mit dem „schwierigen“ zweiten Album, dass der Zauber des Debüts nicht nur eine Eintagsfliege war und man hoffentlich noch viel von den Amerikanern erwarten kann. Die perfekte Mischung aus Slowdive und Lycia…wie kann das noch übertroffen werden? (A.P.)

Webadresse der Band: www.projekt.com

LES FRAGMENTS DE LA NUIT - Musique Du Crèpuscule


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Equilibrium Music / EQM022

Equilibrium Music aus Portugal kennt man als Label, das eine sehr feine Auswahl von hochklassigen Bands aus den Bereichen Neo-Klassik, Neo-Folk und Ambient-Musik, beziehungsweise einer Mischung aus all dem, abliefert. Bisher waren die Bands aber stets auch in einem Wave-Kotext und somit für die Dark Wave-Szene interessant. Mit LES FRAGMENTS DE LA NUIT hat man nun ein Projekt zweier Soundtrackmusiker veröffentlicht, das fast reine Klassik abliefert und von Wave/Gothic weit entfernt ist. Die beiden Musiker liefern zusammen mit einigen weiteren Musikern ein fast rein instrumentales Album ab, das praktisch nur aus Piano- und Violinen-Klängen besteht und sehr reduziert erscheint. Der Soundtrackcharakter ist dabei stets im Vordergrund und man kann sich gut vorstellen, dass diese Künstler auch filmische Klassiker wie „Das Kabinett Des Doktor Caligari“ und ähnliche neu vertonen könnten, ähnlich, wie es In The Nursery sehr erfolgreich tun. Dabei kommt vor allem durch die Violine eine melancholische Stimmung auf.
Wer Filmmusik und klassische Musik mag, liegt hier auf jeden Fall richtig, nur sollte man eben nicht erwarten, ein klischeehaft gruftiges Werk zu bekommen. Hier ist ernste, künstlerisch anspruchsvolle Musik konserviert worden, die sicher nichts für jeden Tag ist, aber doch zu faszinieren weiß. (A.P.)

Webadresse der Band: www.equilibriummusic.com

AMAZING ANDY - Das Leben Geht Weiter


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Private Release

Eine CD wie eine Cassette! Und das ist absolut positiv gemeint. Seit die Herstellung von CDs für fast jeden erschwinglich geworden ist, ist die Tapeszene praktisch komplett verschwunden (mal positive Ausnahmen wie Aldi-Punk ausgenommen). Trotzdem kann man im Geiste immer noch Dinge machen, die eben damals typisch für die Tapeszene waren, nämlich ohne Rücksicht auf Verluste und vor allem Konventionen einfach drauflos spielen und sich keine Gedanken um irgendwelche kommerziellen Aspekte oder die Meinung von anderen Leuten zu machen. Genau daran erinnert mich AMAZING ANDY, ein Herr mittleren Alters aus Wunstorf (mit dem Vorort Hannover), und das ist kein Zufall! Seit Anfang der 90er Jahre war der Musiker schon unter dem vorherigen Namen Just Fuckin’ Andy aktiv, anfangs eben in der Tapeszene. Irgendwie sind wir damals schon im Rahmen unseres kleinen Tapelabels Beton Tapes mit ihm aneinander geraten und so ist es schön, dass ein weiterer der damaligen Leute auch heute noch aktiv ist. Man trifft sich immer zweimal im Leben.
Und, was gibt es unter dem neuen Namen zu hören? Im Prinzip das Gleiche, wie schon vor rund 15 Jahren, nämlich Punk-Rock in Alleinunterhalterform, der sich einen Dreck darum schert, ob dieser Sound gerade angesagt ist. Einfach alleine aus dem Bauch losrocken und Spaß haben und vor allem anderen Leuten Spaß machen. Das alles ist von der technischen Seite natürlich heute deutlich weiter entwickelt, als damals, aber immer noch authentisch. Purer Punk-Rock, mal ein bisschen in Richtung Tote Hosen oder The Pig Must Die (in „Einfach Schön“ oder auch „Meine Welt Sieht Anders Aus“), mal irgendwo zwischen Kassierer und Schweine-Rock („Oh, Ich Will Nicht Mehr“) oder an den frühen Rocko Schamoni erinnernd („Intro“). Dazu gibt es auch ein Cover von „Give Me Your Heart Tonight“ von Shakin’ Stevens. Ich gebe zu, von dem war ich als Früh-Teenager mal ein richtiger Fan und bevor ich die Platten vor ein paar Jahren irgendwann verkauft habe, habe ich mir noch eine CD-R mit den besten Songs aufgenommen. ANDYs Version erinnert an Mitt-80er-Ärzte-Ergüsse. Ein bisschen biker-rockig wird es auch mal in „Alles Bleibt So, Wie Es Ist“. Die deutschsprachigen Texte sind zwar meist recht spaßig, aber nicht hohl, mit schlechtem Fun-Punk hat das alles trotz des hohen Spaßfaktors nichts zu tun. Ohrwurmmelodien gibt es dauernd zu hören und deshalb lautet mein Urteil: wer auf unterhaltsamen Punk-Rock steht, macht hier definitiv nichts falsch und es ist immer richtig, solche selbst gemachten Projekte und Produkte zu unterstützen. Zu bestellen gibt es die CD für wahrscheinlich nicht allzu viele Euros direkt bei Andy. (A.P.)

Webadresse der Band: www.amazing-andy.com

PARDON MS. ARDEN - Isn't That Too Much Of A Difference?


Erstveröffentlichung: CD 2008 / I Hate Music / Radar / IHM 008

Der erste Eindruck von dieser CD war bei mir relativ schlecht und so ist sie ziemlich lange unbeachtet liegen geblieben. Eher doofer Bandname, sehr unauffälliges Cover und das Label heißt „I Hate Music“…da darf man als Musiksammler seit über 25 Jahren schon mal den Kopf schütteln und etwas vorurteilsbehaftet sein, oder?
Nun habe ich die CD blind aus dem Stapel ungehörter Sachen raus gezogen und prompt ein ziemlich gelungenes Gitarren-Pop/Rock-Album geboten bekommen. So kann es kommen und so wird es immer mal wieder passieren.
PARDON MS. ARDEN liefern mit ihrem zweiten Album ein lupenreines, hörenswertes Indie-Album ab, das alle möglichen Einflüsse zusammen mixt und vor allem von den guten Melodien und einem guten Sänger lebt. Vieles auf diesem Album hätte Ende der 80er, Anfang der 90er in der liebenswerten „Rough Trade – Music For The 90s“-Samplerreihe erscheinen können. Dazu eine ordentliche Portion Mitt-90er-Brit-Pop, eine Spur Arctic Monkeys, etwas Beatles und fertig ist eine Platte, die nicht unbedingt innovativ oder Weg weisend ist, aber definitiv Freunde der genannten Musik erfreuen dürfte. Ein „Album zum immer hören“ im besten Sinne, von rockig über poppig bis balladesk und akustisch. Man kann sich PARDON MS. ARDEN gut als Vorband von Klee vorstellen, auch, wenn die Musik doch einigermaßen anders ist. Beim Klee-Publikum könnte man aber sicherlich eine Menge neue Fans gewinnen. Im Gegensatz zum sonstigen Drumherum (ein sehr „anstrengendes“ Booklet) gibt es für uns Schreiberlinge endlich mal ein unpeinliches, sondern gelungenes Infoblatt zur CD. Aber auch, wer das nicht sein Eigen nennen darf, sondern einfach auf guten Gitarren-Sound steht, muss hier mal reinhören. Ich werde jedenfalls zusehen, dass ich auch noch ans erste Album komme. (A.P.)

Webadresse der Band: www.pardonmsarden.de

SPööN FAZER - Bam-Boo


Erstveröffentlichung: 7 Inch EP 2008 / Anna Logue Records / Anna 018.2008

SPÖÖN FAZER kennt man als Liebhaber von 80er Wave und Minimal-Sound vor allem durch den Beitrag zum “East Of Croydon”-Sampler. Aber auch die wenigen eigenen Platten der Band sind heute teure und gesuchte Sammlerstücke. Anna Logue Records hat nun mit der Band Kontakt aufgenommen und eine 7“EP mit vier, bisher nur auf absolut nicht mehr erhältlichen Tapes veröffentlichten, Stücken heraus gebracht. Gute Sache, denn es gibt wunderbaren Electro-Wave-Sound zu hören, der entfernt an Soft Cell/Marc Almond erinnert. „Rising Sun“ am Anfang ist recht theatralisch und gibt den Weg vor, der auch im Folgenden beschritten wird. „Kyoto“ erscheint recht melancholisch, fast düster, „Festival“ hingegen ist sehr eingängig und zugegebenermaßen ein kleines bisschen banal. „Back To The Beginning“ schließlich ist ein Wave-Pop-Song vom Feinsten, der mit einer besseren Produktion damals ein riesen Hit hätte werden können. Das ist kein Minimal-Electro und auch nur entfernt Synthie-Pop, sondern einfach New Wave, wie er eben Anfang der 80er Jahre entstanden ist. Davon kann es nie genug geben und SPÖÖN FAZER überzeugen absolut damit. Parallel zur recht poppigen Car Crash Set-LP gibt es also auch wieder lupenreinen Wave-Sound bei Anna Logue Records und gerade diese Mischung macht das Label aus. Die Single ist auf 333 Exemplare limitiert, kommt mit einem sehr schönen Cover, Beiblatt und signiertem Foto und fügt sich damit lückenlos in die bisher unfassbar gute Anna Logue-Diskografie ein. (A.P.)

Webadresse der Band: www.annaloguerecords.com

CORVUS CORAX - Cantus Buranus Werk II


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Pica Records

Die Könige der Spielleute Corvus Corax bearbeiteten erneut Texte der Carmina Burana.

Mittelalterliche Musik und die entsprechende Szene wächst in den letzten Jahren ganz kontinuierlich und mitunter strecken Musiker ihre Fühler auch in umliegende Genres aus. So wurde Anfang diesen Jahres beim Filmorchester Babelsberg angefragt, ob sie sich nicht eine Kooperation mit den Königen der Spielleute, der wohl bekanntesten Mittelalterband „Corvus Corax“ aus Berlin vorstellen könnten. Hatte das Filmorchester bereits mit Größen wie Rammstein oder den Scorpions zusammen gearbeitet, so reizte sie an dieser Komposition, die Arbeit am Crossover von mittelalterlichen Instrumenten mit klassischen Orchesterklängen. „Wir hatten sehr konkrete Vorstellungen, da wir in der Vergangenheit nicht nur gute Erfahrungen gemacht haben. Es hört sich zwar cool an, mit einem klassischen Sinfonieorchester zusammenzuarbeiten, aber wenn die Musiker keine Ahnung von Crossovern haben, ist es schwierig. Das Babelsberger Filmorchester war perfekt für uns, das ist ein klassisches Orchester, das überwiegend Filmmusik macht und auch schon solche Projekte angepackt hat,“ entgegnet Trommler „Harmann der Drescher“. Herausgekommen ist bei dieser Zusammenarbeit ein Werk, das im Februar auf dem Gelände des Babelsberger Filmstudios aufgenommen wurde und dort anknüpft, wo Corvus Corax vor nunmehr 3 Jahren mit „Cantus Buranus I“ begonnen haben. Die Carmina Burana oder Cantus Buranus (lt. Für Liederhandschrift) wurde 1803 im Kloster Benediktbeuren gefunden, stammt aber wohl aus dem Jahre 1250. In dieser mittelalterlichen Schriftensammlung finden sich Lieder über das weltliche Leben wie Trinklieder, Schwänke über Spieler, Lieder über Weiber und Männer und die Vergnügungen des Lebens. Die Musiker von Corvus Corax, die seit nunmehr über 15 Jahren Bandgeschichte auf mittelalterlichen Märkten und Festivals spielen, konnten bei ihrer Beschäftigung mit mittelalterlicher Lebensart kaum an den Texten aus der Carmina Burana vorbei. 2005 sahen sie sich folglich in der Lage, den Texten aus der Carmina Burana ein ganzes Album zu widmen. So entstand „Cantus Buranus I“, elf vielschichtige Songs, die für Dudelsack und Trommeln, Orchester, Chor und Solisten geschrieben wurden. Zur Uraufführung am 19.August 2005 auf der Museumsinsel in Berlin waren über 100 Mitwirkende auf der Bühne. Dieses Jahr nun folgt am 1.August 2008 die Fortsetzung in Form der „Cantus Buranus Werk 2“. Hatte ich mich nach der ersten Platte gefragt, wie man dieses Werk noch toppen könnte, so bin ich Mitte Juni – als die Promotionplatte mich erreichte- hinten runter gefallen. Eindrucksvoll ist mir bewiesen worden, das man sehrwohl noch toppen kann und durch stärkeren Einsatz von zwei Solisten in das Album bombastischste, zuweilen opernhafte Musik gepaart mit mittelalterlichem Instrumentarium und Liedgut hervorgebracht hat. Bereits im letzten Jahr in der Sommersaison begannen die Musiker die ersten Songideen festzuhalten. Durch die Arbeit am ersten Teil war man nun schon geschulter und hat versucht, noch perfekter an das Projekt heranzugehen. Diese Perfektion ist denke ich auch vollends gelungen! Schnell wurde für alle Musiker ein Vollzeitprojekt daraus und obwohl alle gut in der Zeit lagen, wurde es zum Schluß hin doch zeitlich etwas eng. Das Filmorchester Babelsberg und der Chor wollten möglichst bald die fertigen Partituren haben. Im Februar diesen Jahres wurde der Orchesterpart dann in Babelsberg aufgenommen. Zwei Orchestrierer waren dabei, deren Aufgabe es war, die Ideen der Band rund zu machen für das Orchester. „Zunächst werden unsere Orchesterarrangements vor der Live Aufnahme per Samples eingespielt, da man ja nicht das ganze Orchester in unseren kleinen Proberaum stellen konnte,“ lacht „Harmann der Drescher“. Damit die Dudelsäcke auch mit dem Orchester harmonieren, da diese normalerweise keine Halbtöne spielen können, hat die Band Dudelsäcke gebaut, die alle Halbtöne spielen können – etwas das es bis dato nicht gab. Zwar kann man nicht alle Halbtöne stehen lassen, da das Instrument bestimmten physikalischen Regeln folgt, aber man kann so leichter Übergänge für das Orchester spielen. „Beim ersten Album waren wir noch viel zu laut. Wir setzten die Dudelsäcke an für die Aufnahme mit Orchester und übertönten erst einmal die Orchestermusiker. Das haben wir jetzt geschickter gelöst, da die neuen Dudelsäcke und Trommeln im Vergleich leiser sind,“ erklärt „Harmann“. Das neue Werk klingt insgesamt sehr hochwertig und erinnert von der Qualität zuweilen an Filmmusik. Ab dem 1.August wird es regulär in den Handel kommen, wer es allerdings gar nicht mehr erwarten kann, einzelne Stücke sind vorab unter www.myspace.com/cantusburanus zu hören. (Maximilian Nitzschke)

PERSEPHONE - Interview 2008




Interview mit Persephone am 11.05.2008 zum 17. Wave Gotik Treffen 2008-05-16

Back Again: Sonja, als Sängerin von L’ame Immortelle und Persephone, ist es den eine große Umstellung auf Persephone, da es ja doch musikalisch etwas ganz anderes ist, als wenn du mit L’ame Immortelle auftrittst?

Sonja Kraushöfer: Das stimmt, beide Bands sind sehr gegensätzlich, was sicher ihren Reiz mit ausmacht. Ich will jetzt nicht sagen, dass Persephone die Entspannung von L’ame Immortelle ist, denn ich gehe sehr gern mit dieser Band auf Tour. Es ist einfach schwer beide Sachen miteinander zu vergleichen. Die Ziele die man auf der Bühne erreichen will sind einfach ganz andere, was einen starken Kontrast herstellt.

Back Again: Wie ist denn die Idee zu diesem klassisch geprägten Projekt entstanden?

Sonja: Ich war mit L’ame Immortelle auf Tour vor etlichen Jahren zusammen mit Christian Death und habe mich sehr gut mit dem Bassisten damals verstanden. Er fragte bei mir an, ob ich Interesse hätte eines seiner Lieder zu singen.Ich fand das sehr spannend einen Song zu singen der viel spärischer war als es L’ame Immortelle war. Dann Jahre später waren wir bei Thomas Hahn im Studio mit L’ame Immortelle und da entstand dann der eigentliche Zündfunken. Wir überlegten lange, wie man das Kind jetzt nennen könnte und letztlich kam der Name Persephone in Frage. Eine Frau die Kontakt zu den Lebenden und den Toten hat fand ich sehr spannend und passend.

Back Again: Das Album „Letters to a stranger“ wurde mit Orchester begleitet, wie kam es denn zu dieser Zusammenarbeit?

Martin: Nun wir hatten bereits 2006 mit dem Orchester in Wernigerode gespielt im Rahmen der Wernigeroder Schloßtage. Der Kontakt war damit also schon einmal gelegt, und es dauerte nicht lange, daß diese Lust da war von beiden Seiten zusammenzuarbeiten. Es erganb sich dann beim Songwriting die Idee das man Orchester haben will und so lag es recht nah, daß wir uns für genau dieses entscheiden.

Back Again: Ich überlege gerade, das bedeutet dann auch verändertes Songwriting oder, also Partituren?

Martin: Mhmm Partituren stimmt ja, verändert nicht wirklich. Es stand ja von Anfang an fest, daß wir mit Orchester arbeiten werden. Schon während des Songwriting war klar, dass es Orchester geben würde und so hatten wir für jeden Song dann auch schon die orchestrale Begleitung geschrieben.

Back Again: Mhmm bei dem Titel des Albums könnte man fast von einem Konzeptalbum, Verlust und Schmerz im Kontext der Liebe vielleicht?

Martin: Mhmm na ja ich find es schwierig zu sagen, was ein Konzeptalbum ausmacht. In meinen Augen ist Letters to a stranger kein Konzeptalbum, denn es ist definitiv kein Storytelleralbum. Wenn das so währe, dann währe die Songreihenfolge völlig festgelegt und das ist es auf Letters to a stranger nicht finde ich. Die Songs stehen nicht in einer Art Überklammer. Es ist höchstens ein roter Faden der sich eben durchzieht.

Sonja: Mhmm ich stell eh immer mehr fest, in den letzten Jahren macht fast jeder ein Konzeptalbum und das ist dann so meilenweit entfernt von dem was der Begriff hergibt. Das ist extrem schade und wertet einfach die echten Konzeptalben herab.

Back Again: Sonja woher nimmst du den die Inspiration für deine Texte, icvh hatte beim hören und lesen, manchmal den Eindruck du hast dir den imaginären Fremden dem du die Briefe schreibst vorgestellt!?

Sonja: Mhmm zu dem Fremden möchte ich lieber nichts sagen! Aber alle Texte für dieses Album stammen von mir. Ich finde Träume etwas sehr spannendes, den Zustand zwischen Wachen und Träumen – dieser Trancezustand. Man ist für einen kurzen Moment sehr klar und nicht abgelenkt. Ich habe auch sehr oft sehr verspielte Gedankengänge denen ich mich hingebe.Für mich kommt es einfach darauf an, wie man durch das Leben geht und Dinge für sich wahrnimmt und aufnimmt.Es entstehen Bilder im Kopf die ich dann musikalisch umsetzen muss einfach.

Back Again: Das Artwork des Albums unterstützt dieses verträumte ja auch völlig gekonnt finde ich!

Martin: Stimmt! Wir hatten Ideen im Kopf gehabt, vage Vorstellungen, wie wir uns die Optik vorstellen. Unser Gestalter Herr Lübke ist was Symbolsprache angeht ein völliger Experte. Was wir ihm an Material geben ist Brainstorming und er nimmt das sofort als Anhaltspunkt um daraus etwas tolles zu machen. Das Album ist somit zu einer kleinen Schatzkiste geworden in der alles drin ist.

Back Again: Gibt es denn eine richtige Persephone Tour?

Martin: Mhmm na ja es gab mehrere Konzerte als sonst das schon ja. Wir hatten an den Wocheenden ein paar mehr zusammenhängende Konzerte am Stück, sonst sind doch immer größere Abstände dazwischen. Es ist auch oft ein Problem Orte zu finden, an denen unsere Musik stimmig klingt und Wirkung entfalten kann. Abgefahrene Locations finden ist doch schwierig, also nimmt man dann doch eher normalere Clubs. Kriterium ist hier dann das man bestuhlken kann und es damit eine theatrale Wirkung bekommen kann.

Back Again: Wie war denn euer erster WGT Auftritt im heidnischen Dorf im Gegensatz zu heute Abend im Schauspielhaus?

Sonja: Na das ist nen gewaltiger Gegensatz! Sowohl vom Publikum wie von der Technik her ist das ganz etwas anderes. Auf der Bühne im heidnischen Dorf hast du tausend Nebengeräusche die man mitbekommt. Viele saßen auf der Wiese, einige hatten schon etwas zu tief ins Horn geschaut, und die echten Fans waren auch ganz dicht an der Bühne. Es fehlt die totale Ruhe, die sich heute Abend ganz anders herstellen wird. Hier denk ich ist es klassische Konzertsituation und bedächtiger in der Wirkung.

Ende (Maximilian Nitzschke)

TWO WITCHES / ADVANCED ART - Into The Darklands - Early Years 1987-1989


Erstveröffentlichung: CD 1995 / VUZ Records - Subtronic Records / SPV / VUZ 12 / SUB 049

Finnland hat eine lange Tradition vor allem im Punkbereich, aber auch im Wave-/Gothic-Genre seit den frühen 80er Jahren. Viele gute Platten sind heute sehr rar. Spätestens seit den 90er Jahren kennt man auch die eine oder andere Electroband aus dem nordischen Land. Die erste Band, die auch in Deutschlands und Europas Gothicszene recht erfolgreich wurde, laaaaaange vor HIM und Konsorten, war Anfang der 90er Jahre TWO WITCHES. Sänger Jyrki Virtanen hatte auf seinem kleinen Darklands-Label schon einige Platten veröffentlicht, als er durch Rezensionen seiner ersten TWO WITCHES-CD „Agony Of The Undead Vampire Vol. 2“ 1992 mitten in die damals gerade blühende Gothic-Szene platzte. Klar, dass neben weiteren Veröffentlichungen da auch das frühere Material, das ausschließlich auf Tapes und in Deutschland kaum erhältlichen 7“s erschienen war, von Interesse war. Unter diesen frühen Platten waren auch zwei Split-EPs mit der befreundeten (und zeitweise auch personell integrierten) Electroband ADVANCED ART, die bis Mitte der 90er auch einige CDs unters Volk brachte.
Das sonst eher durch härtere Electroklänge bekannte VUZ-Label kratzte nun 1995 die alten Platten und ein paar unveröffentlichte Stücke zusammen und veröffentlichte sie für Fans und Sammler auf CD. Insgesamt gibt es immer schön abwechselnd je sechs Songs der beiden Bands zu hören. Ob das Konzept sinnvoll ist, oder ob besser jeweils die Stücke der Gruppen nacheinander zu hören sein sollten, muss jeder für sich selbst entscheiden. Zur Not gibt es bei CD-Playern ja auch die Programmierfunktion. Auf jeden Fall zeigt sich, dass die beiden Bands anfangs musikalisch noch gar nicht so weit auseinander lagen, wie in späteren Jahren, was vor allem daran lag, dass TWO WITCHES noch viel elektronischer und weniger dem Gothic-Rock zugeneigt waren.
Auch, wenn man vom Sound her, die Sachen sind alle mit einfachen Mitteln aufgenommen worden, keine Wunder erwarten darf, hört man doch die Leidenschaft der Musiker heraus und vielleicht erkennt man auch ein wenig finnische Morbidität, die die heutigen Gothic-Pop-Metal-Gruppen bei allem Erfolg nicht mehr vorweisen können.
Finnische Underground-Geschichte mit einem informativen Booklet für Fans des GUTEN alten Dark Wave-Sounds Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre. Für TWO WITCHES-Fans wohl eher Ergänzung der Sammlung, als Einstiegsmöglichkeit, für ADVANCED ART-Fans jedoch eine Offenbarung über die Wurzeln der Gruppe.
Ach ja, ich darf mich glücklich schätzen, die Original-Vinyls zu besitzen, trotzdem ist die CD aufgrund der Bonustracks absolut lohnenswert. (A.P.)

Webadresse der Band: www.vuzrecords.de

ADVANCED ART / TWO WITCHES - Into The Darklands - Early Years 1987-1989


Erstveröffentlichung: CD 1995 / VUZ Records / Subtronic Records / SPV / VUZ 12 / SUB 049

Finnland hat eine lange Tradition vor allem im Punkbereich, aber auch im Wave-/Gothic-Genre seit den frühen 80er Jahren. Viele gute Platten sind heute sehr rar. Spätestens seit den 90er Jahren kennt man auch die eine oder andere Electroband aus dem nordischen Land. Die erste Band, die auch in Deutschlands und Europas Gothicszene recht erfolgreich wurde, laaaaaange vor HIM und Konsorten, war Anfang der 90er Jahre TWO WITCHES. Sänger Jyrki Virtanen hatte auf seinem kleinen Darklands-Label schon einige Platten veröffentlicht, als er durch Rezensionen seiner ersten TWO WITCHES-CD „Agony Of The Undead Vampire Vol. 2“ 1992 mitten in die damals gerade blühende Gothic-Szene platzte. Klar, dass neben weiteren Veröffentlichungen da auch das frühere Material, das ausschließlich auf Tapes und in Deutschland kaum erhältlichen 7“s erschienen war, von Interesse war. Unter diesen frühen Platten waren auch zwei Split-EPs mit der befreundeten (und zeitweise auch personell integrierten) Electroband ADVANCED ART, die bis Mitte der 90er auch einige CDs unters Volk brachte.
Das sonst eher durch härtere Electroklänge bekannte VUZ-Label kratzte nun 1995 die alten Platten und ein paar unveröffentlichte Stücke zusammen und veröffentlichte sie für Fans und Sammler auf CD. Insgesamt gibt es immer schön abwechselnd je sechs Songs der beiden Bands zu hören. Ob das Konzept sinnvoll ist, oder ob besser jeweils die Stücke der Gruppen nacheinander zu hören sein sollten, muss jeder für sich selbst entscheiden. Zur Not gibt es bei CD-Playern ja auch die Programmierfunktion. Auf jeden Fall zeigt sich, dass die beiden Bands anfangs musikalisch noch gar nicht so weit auseinander lagen, wie in späteren Jahren, was vor allem daran lag, dass TWO WITCHES noch viel elektronischer und weniger dem Gothic-Rock zugeneigt waren.
Auch, wenn man vom Sound her, die Sachen sind alle mit einfachen Mitteln aufgenommen worden, keine Wunder erwarten darf, hört man doch die Leidenschaft der Musiker heraus und vielleicht erkennt man auch ein wenig finnische Morbidität, die die heutigen Gothic-Pop-Metal-Gruppen bei allem Erfolg nicht mehr vorweisen können.
Finnische Underground-Geschichte mit einem informativen Booklet für Fans des GUTEN alten Dark Wave-Sounds Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre. Für TWO WITCHES-Fans wohl eher Ergänzung der Sammlung, als Einstiegsmöglichkeit, für ADVANCED ART-Fans jedoch eine Offenbarung über die Wurzeln der Gruppe.
Ach ja, ich darf mich glücklich schätzen, die Original-Vinyls zu besitzen, trotzdem ist die CD aufgrund der Bonustracks absolut lohnenswert. (A.P.)

Webadresse der Band: www.vuzrecords.de

DIE ÄRZTE - Die beste Band Der Welt (...Und Zwar Live!)

Wiederveröffentlichung: DVD 2008 / Sony/BMG / 88697 32804 9
Erstveröffentlichung: Video 1988

Als DIE ÄRZTE 1988 mit ihrem vierten Album „…Das Ist Nicht Die Ganze Wahrheit“ 1988 den endgültigen kommerziellen Durchbruch schafften (und sich dann nach der dazugehörigen Tour erstmal für fünf Jahre trennten), war es klar, dass die extrem gewachsene Fangemeinde auch nach visuellen Aufnahmen der schon damals legendären Auftritte gieren würde. Also veröffentlichte die Gruppe ein komplettes Konzert auf zwei Videocassetten, das nun erstmals offiziell auf DVD unter die Leute gebracht wird.
Und was hat sich in rund 20 Jahren verändert? Eigentlich nicht viel…zum Glück. DIE ÄRZTE waren damals wie heute eine grandiose Liveband und die Show birgt ebenso damals wie heute einiges an Improvisation wie veränderte Texte und jede Menge witzige Ansagen. Natürlich sind die Herren B. und URLAUB älter geworden und in den letzten Jahren wahrscheinlich (musikalisch) punkiger als in den 80er Jahren. Zudem spielte 1988 noch der sympathische Hagen Liebing den Bass, während seit Anfang der 90er Jahre der ebenso sympathische Rod Gonzalez dieses Instrument übernommen hat. Hagen ist aber leider eher selten im Bild, die Kameras konzentrieren sich überwiegend auf Bela B. und Farin Urlaub. Dazu gibt es immer wieder Videoeinspielungen und optische Effekte, die 1988 wahrscheinlich noch auf der Höhe der Zeit waren, heute aber eher witzig erscheinen. Aber gerade das macht natürlich den Reiz aus, vor allem für die alten Fans, aber sicher auch für den einen oder anderen „neuen“ Liebhaber der Gruppe. Natürlich gibt es eine ganze Reihe Songs zu erleben, die heute kaum noch oder gar nicht mehr gespielt werden…logisch bei dem inzwischen extrem umfangreichen Repertoire, aber bei ÄRZTE-Konzerten weiß man ja nie, ob eine Song-Mumie wieder mal spontan reaktiviert wird. In jedem Fall werden Songs wie „Buddy Holly’s Brille“, „Du Willst Mich Küssen“ oder „El Cattivo“ vor allem Fans wie mich, die in den 80ern mit den ersten Platten in der Pubertät steckten, erfreuen.
Ob DIE ÄRZTE es wollen oder nicht, sie sind wohl in rund einem Vierteljahrhundert zu einer Art Konsens-Band geworden, die so ziemlich machen kann, was sie will (den „Männer Sind Schweine“-Ausrutscher verzeihen wir mal gnädig) und dabei immer noch glaubwürdig geblieben ist. Das Programm auf der DVD besteht hauptsächlich aus Stücken der Phase 1985 bis 1988 mit einigen Ausflügen in frühere Zeiten („Zu Spät“, natürlich).
ÄRZTE-Geschichtsbewältigung in Reinform, für Fans, weniger für Neueinsteiger.

Die DVD Veröffentlichung von Sony/BMG gibt exakt das wieder, was damals die beiden Videocassetten präsentiert haben, inklusive dem Abspann nach dem Ende der ersten Cassette, bevor dann die „versauten“ Songs der zweiten Cassette folgen. Das hätte man vielleicht ein bisschen geschickter lösen können. Auf jeden Fall sind auch die damals auf dem Video mit veröffentlichten Videoclips von „Gehn Wie Ein Ägypter“, „Westerland“ und „Bitte Bitte“, sowie das „Bitte Bitte“-Making Of dabei.
Die Bildqualität ist leider nicht „perfekt restauriert“, wie uns das Infoblatt weismachen will, aber das liegt sicher am Ausgangsmaterial. Insgesamt erscheint alles etwas unscharf, was aber nicht besonders stört. Der Sound ist hingegen völlig okay für einen 20 Jahre alten Mitschnitt.
Am Artwork hat man auch nicht viel geändert…so darf man wohl annehmen, dass diese DVD für das Label eher ein Nebenprodukt ist, mit dem leicht verdientes Geld fließt. Für ÄRZTE-Fans ist die Scheibe natürlich trotzdem eine schöne Sammlungsbereicherung. (A.P.)

JOHN SCALZI - Krieg der Klone


Erstveröffentlichung: Buch 2007 / Heyne / ISBN 3453522672

Es ist ja schwer, heutzutage an frische und gute Weltraumabenteuerbücher zu kommen. Das Thema wird von Verlegern leider ziemlich stiefmütterlich behandelt, da der Markt offenbar nicht mehr vorhanden ist. Die Regale in den Buchläden bestehen fast nur aus Fantasy-Romanen oder aber Science-Fiction-Büchern, die dann gleich unendlich lange Epen auf unzählige Bücher ausbreiten. Doch manchmal möchte man eben einfach nur ein Buch lesen, ohne daraus gleich eine Lebensaufgabe machen zu müssen. So kam mir dann „KRIEG DER KLONE“ von John Scalzi in die Finger. Das war auch genau das, was ich wollte.

In einer relativ weit entfernten Zukunft auf der Erde. Weit entfernt führt die Menschheit einen interstellaren Krieg gegen so gut wie jede außerirdische Rasse, denn nicht nur die Menschen sind kriegerisch eingestellt, auch die Aliens wollen ihre Territorien behalten und ausweiten. Um die Kriege durchzuführen, holt sich die Koloniale Verteidigungsarmee freiwillige Menschen von der Erde. Der Witz an der Sache: Die Menschen sollten um die 75 Jahre alt sein. Sie bekommen einen neuen, modifizierten Körper, ein hartes Training und werden dann in die brutalen Schlachten geschickt. So auch John Perry. Aus seinem recht einfachen Leben gerät er so in die hochtechnisierte Armee und muss hier diverse Abenteuer bestehen…

Belassen wir es mal bei dieser Beschreibung. Im Grunde hat das Buch sehr viel Spaß gemacht. Viel Zeit und Detailfreude wird darauf verwendet, die körperlichen Modifikationen einzuführen. Das ist superinteressant und (für SF-Verhältnisse) auf jeden Fall nachvollziehbar. So gibt es zum Beispiel Smart-Blood, ein Blut, das mehr Sauerstoff aufnimmt als normales Blut und vor allem schneller gerinnt. Ein paar weitere Verfeinerungen kann es ebenfalls aufweisen. Auch ansonsten ist alles so beschrieben, dass man sagen könnte: Ja, das könnte tatsächlich eines Tages mal so sein. Dazu ist das Buch sehr gut geschrieben, es liest sich flüssig und man hat einfach Spaß.

Ein paar Kleinigkeiten muss man aber doch anmerken. Es ist ein Militärroman, die Geschichte erinnert teilweise etwas an „STARSHIP TROOPERS“. Doch entgegen „STARSHIP TROOPERS“ bringt „KRIEG DER KLONE“ zu wenig die Schrecken des Krieges hervor. Außerdem hoppelt man viel zu schnell von einer Alienrasse, die man vernichtend schlägt, zur nächsten. Was das angeht, ist es etwas flach geraten, etwas zu wenig kritisch. Ein wenig menschliche aber auch vor allem politische Tiefe hätte dem Roman gut getan. Allerdings habe ich gelesen, dass sich die Fortsetzung „GEISTERBRIGADEN“ gerade dem politischen Thema mehr widmet. Schauen wir mal. Werde ich in jedem Fall mir zu Gemüte führen. (H.H.)

BELLY - Gepetto


Erstveröffentlichung: CD-EP 1993 / 4AD

BELLY aus Boston hat sich 1991 gegründet und gleich mit dem ersten Album ""Star"" Gold holen können. Zudem folgten noch zwei Grammy-Nominierungen. Nach nur drei Jahren und zwei Alben lösten sie sich allerdings schon wieder auf, nachdem das Nachfolgealbum ""King"" viele nicht mehr so überzeugte. Die Musik lebt vor allem durch die außergewöhnlich wunderschöne Stimme von Tanya Donelly (auch bei THROWING MUSES) und melodiösen, melancholischen Songs, die perfekt darauf abgestimmt sind. ""Gepetto"" ist zur Zeit des ersten Albums erschienen und bietet ausnahmslos tolle Stücke, besonders ""The Sweet Ride"" ist eine wunderbare Ballade und gibt dem 2002 erschienenen Best-Of-Album auch völlig zu Recht seinen Namen. (H.H.)

RAMMSTEIN - Das Modell


Erstveröffentlichung: Maxi-CD 1997 / Motor Music

Lange Zeit kein RAMMSTEIN mehr gehört. Das macht man eben nicht, das gehört sich nicht. Hab´s doch getan. Jedenfalls diese Maxi hier. Riesenbegeisterung kommt zwar nicht auf, aber gut ist die Musik trotzdem. Allerdings nicht unbedingt das Titelstück dieser Maxi. ""Das Model"" von Kraftwerk ist zwar keine allzu schlechte Coverversion, sie hat ein paar nette Rammstein-Eigenarten, bleibt aber doch flach im Endeffekt. Und war es Absicht, den Song hier mit zwei L zu schreiben? ""Kokain"" hingegegen ist ein RAMMSTEIN-Song, wie man ihn kennt. Gute Melodie, lyrischer Text mit kleinen Plattheiten und ein Wechsel zwischen ruhigen Passagen und brachialer Bombastik. Wirklich höchst gelungen. Dann folgt noch eine Spezialversion von ""Alter Mann"". Die Originalversion kennt man ja noch vom ""Sehnsucht""-Album. Auch sehr gut geworden und mit Sängerin Christiane Bobolina Herbold (bekannt von ""Engel"") als zweite Stimme. Inzwischen gilt diese Maxi-CD übrigens als Rarität. Und erwähnenswert ist noch, dass sich ein kleines Computerspiel namens ""Asche zu Asche"" auf dem Silberling befindet. Ein Jump-and-run-Spiel mit Rumschießen, angeblich mit 3 Levels. Bin nicht weit gekommen und hatte auch kein großes Interesse, es weiter zu verfolgen. (H.H.)

BAD RELIGION - No Substance


Erstveröffentlichung: CD 1998 / Dra / Sony

Seit 1980 gibt es die US-Punkrocker nunmehr, und unermüdlich spielen sie auch heute noch. ""No Substance"" ist von 1998 und ist das zehnte Studioalum. Mir persönlich gefällt es nicht so gut, es ist nicht so straight geradeaus mit einfachen aber wirkungsvollen Melodien, man hat den Eindruck, man wollte mal etwas anspruchsvoller im Songwriting werden, gleichzeitig aber auch noch eingängiger. Jedenfalls erscheint ""No Substance"" phasenweise wie ein schnödes Rockalbum. Man mag dies darauf zurückführen, dass Brett Gurewitz, ein wichtiger kreativer Kopf der Band und zudem noch Gründungsmitglied, nicht mehr dabei war. Na ja, einige Jahre später sollte er ja wieder dazu stoßen. Geblieben sind die guten und meist sozialkritischen Texte. So bleibt zu erwähnen, dass ""Hear It"" in meinen Augen (oder besser Ohren) der Hit des Albums ist und dass Campino von DIE TOTEN HOSEN bei ""Raise Your Voice"" einen Gastauftrit hat. (H.H.)

FEUERSCHWANZ - Drachentanz Live "


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Deaf Shepherd / Indigo

Des Hauptmanns geiler Haufen nennt sich dieser verflixt schelmische sechsköpfige Spielmannszug aus Erlangen. Die spiel- und trinkfreudigen fränkischen Komödianten um ihren Hauptmann Feuerschwanz verspritzen mit ihrem höchst süffisanten Liedgut bissig – sexistischen Charme und nicht ganz so ernstes Mittelalterfeeling. Der Hörer bekommt auf ihrer aktuellen Live CD „Drachentanz – Live“ eine variantenreiche Rockmusik, die durch verspielte Mittelalterfolklore und facettenreichen Gesang heraussticht aus dem Überangebot an Spaßkapellen.

Gruppenführer Hauptmann Feuerschwanz war bereits vor Feuerschwanz mit einer Mittelaltertruppe namens Merlons unterwegs und erlangte somit durchaus einen Blick auf die sich entwickelnde Mittelalterszene. Allerdings zwischen In Extremo, Subway to Sally, oder Corvus Corax fehlte ihm ein wenig das komödiantische Element. Als 2001 seine Merlons dann den Bach runter gingen, fing er an Kompositionen zu schreiben, die eher diesem komödiantischem Ansatz gerecht werden. „Ich stelle mir das Mittelalter sehr derb vor – das möchte ich mit Feuerschwanz genau so rüberbringen. Wir sind dabei nicht eine weitere Romantikergruppe wie etwa Faun oder Schandmaul, die für mich immer so etwas Liebliches drüberlegen, “ meint der Hauptmann. Na ja das man eher etwas lasterhafteres Mittelalter vertritt sagen bereits ihre Künstlernamen: Prinz Hodenherz, Sir Lanzeflott oder der Knappe Latte…

Auf der „Aus der Asche“ Tour der befreundeten Band Saltatio Mortis ergab sich nun die Gelegenheit diese Auffassung von mittelalterlich geprägter Rockmusik in Form einer Live CD aufzunehmen. So befinden sich auf „Drachentanz – Live“ etwa das „Turnier“ mit besonders köstlicher Gesangseinlage der Maid die da mal eben die Lanze des stolzen Ritters sehen mag, oder aber das bekannte und beliebte Schandmaul“erbsen“lied „Herren der Winde“, das den Schandmaul Klassiker eher als sehr geruchsintensives Erlebnis nach Bohneneintopf interpretiert. Außerdem fehlen natürlich Sauflieder auch nicht auf der CD, etwa wenn man zum „Verteidiger des wahren Mets“ wird oder der Teufel den Schnaps klaut in Form des „Teufelsgeschenk“.

Es gelang dem Haufen auch Hans „den Aufrechten“ als Meister der elektrischen Laute für dieses Konzert in Erlangen zu gewinnen, der auch in Zukunft den Haufen mit seinem mitreißenden Spiel bereichern wird. Einen weiteren Gastauftritt hatte Compte Caspar von Coppelius – der gleichnamigen Kapelle entstammend- beim Lied „Bärentanz“.
So findet sich mancherlei Überraschendes voller spontaner metseeliger Witzelei auf diesem Live Album, das die geballte Energie und gute Laune bei Konzerten von Feuerschwanz vermittelt und ins heimische Wohnzimmer zu übertragen gedenkt.

Na dann, eine Feuerkantate auf lauter Met und Miezen! (Maximilian Nitzschke)

VIC ANSELMO - Trapped In A Dream


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Omniamedia / Rough Trade

Zumeist stammt Musik, wie sie Vic Anselmo aus Lettland schreibt, aus skandinavischen Gefilden. Rockig, düster, schwermütig, mit Texten die durch ihre uneingeschränkte Phantasie und die atemberaubende Stimme der Newcomerin bestechen. Von möglicher Skepsis läßt sich die gerade 23-jährige, die schon mit Tito & Tarantula auf einer Bühne stand, nicht einschüchtern. Ihr weit reichender musikalischer Horizont ermöglichen ihr einen ganz speziellen Stil zu kreieren, so daß ihre Lieder wie Filmmusik klingen und den Hörer in einen ganz eigenen Klangkosmos entführen. Bereits das Frontcover ist eine stilvolle Mischung aus Kinderzimmer und Gruselkabinett und vermittelt den Eindruck des Surrealen.
Ihr Debütalbum „Trapped in a dream“ ist geprägt von sinnlichen Stimmungen und dynamischen Kontrasten und erscheint in Europa am 10. Oktober.

Thematisch ist dieses Album eine Zusammenstellung von Träumen und Geschichten verschiedener Menschen, soll aber auch von der Ohnmacht erzählen, in der viele leben. Man steht im Angesicht des eigenen Egos, deswegen auch der Titel „Trapped in a dream“. Vic Anselmos persönlicher Traum ist es auf der Bühne stehen zu können. Diese Art der Selbstverwirklichung ist es, die es ihr ermöglicht anderen Menschen eine Selbstreflexion zu ermöglichen. Musikalisch schafft Vic Anselmo auf dem Album eine mystische Atmosphäre um ihre Träume akustisch darstellbar zu machen.

Die junge Sängerin wurde 1985 im lettischen Riga in schwierige Verhältnisse geboren. Sie und ihre Eltern wohnten gemeinsam in einem Zimmer bis zu ihrem 18 Geburtstag. Bereits in ihrer Kindheit wurde Sie von vielen verschiedenen Musikrichtungen inspiriert. Zunächst durch Blues, Country und Soul und später durch Rock und Gothic, finden sich diese Einflüsse auch in ihren Songs wieder. Im Alter von nur zehn Jahren besuchte sie eine Musikschule auf der sie das Klavierspielen erlernte und bereits die ersten Songtexte schrieb. Sechs Jahre später gründete Vic Anselmo ihre erste eigene Band, so daß Auftritte im Baltikum mit etwa Tito & Tarantulla folgten. Ihre Lieder erstürmten die Spitze der Hitparaden bei den lokalen Radiosendern. Zwar nahm Vic im September 2006 ihre Demo CD „Beverly“ auf, wovon jedoch die breite Masse in Deutschland nichts mitbekam. Erst jetzt erscheint ihr eigentliches Debütalbum „Trapped in a dream“ auch in Europa und läßt uns eine ganz außergewöhnliche Künstlerin dabei entdecken.

Besonders eingängig dürfte dem Hörer der Song „Before I Could Breathe“ sein und auch Vic bestätigt, daß dieser Song sehr intensiv mit ihr zu tun hat. „Dieser Song ist aus einem Traum entstanden. Ich war in einem Zimmer ohne Türen oder Fenster und habe auf dem Bett gelegen. Etwas wuchs unter meinem Bett und wurde größer und größer. Ich wollte schreien, doch ich konnte nicht, “ erklärt die Sängerin ihren Song. Er war auch der erste den Vic Anselmo für ihr Album geschrieben hat.

Einen Plan B jenseits von Musik gibt es für die jüngere Künstlerin nicht, denn ohne Musik kann sie einfach nicht leben. Ohne zu schreiben, zu singen oder ein Instrument zu spielen währe diese wunderbare CD auch nicht denkbar gewesen. Dabei ist es doch gerade Vic Anselmos großer Traum mit ihrer Musik und Konzerten die Menschen alles um sich herum vergessen zu lassen und sie in Traumwelten zu entführen. So schließt sich dann wieder der Kreis aus Kinderzimmerutopie und Gruselwahnsinn – echt surreal genial! (Maximilian Nitzschke)

HAGGARD - Tales From Ithiria


Erstveröffentlichung: CD 2008- / Drakkar

1997, 2000, 2004, 2008 sind die Jahresangaben der Veröffentlichungen des Klassik Metal Projektes Haggard. Im Vergleich zu manch anderer Formation mögen diese Abstände sehr lang erscheinen, für Asiss Nasseri und seine vielköpfige Truppe waren sie jedoch zwingend notwendig. Wie sonst könnte der Münchner all die unterschiedlichen Musiker und Instrumente von Horn über Violine zu E – Gitarre bis hin zu Opernsängern unter einen akustischen Nenner bringen? Unabhängig von dem großen logistischen Aufwand und der anspruchsvollen Gestaltung der Partituren betrat Mastermind Asis für sein neues Werk „Tales from Ithiria“ auch thematisches Neuland.

Nach bisherigen Konzeptalben über den Seher Nostradamus und zuletzt Galileo Galilei stand für das neue Album erstmals eine selbstverfaßte Idee als Grundlage zur Vertonung an. Für Apsis war dieser Schritt zu einem Richtungswechsel wohl überlegt, denn mit der bisherigen Verfahrensweise hätten die Fans nun erwartet mit einer neuen historischen Persönlichkeit fortzuführen. Ursprünglich gab es zwar durchaus die Idee Vlad Tepes als Persönlichkeit zu nehmen, aber letztlich erschien es Haggard doch zu klischeehaft dieses Thema zu verarbeiten.
Die ersten Grundlagen für eine eigene Geschichte liegen nun bereits drei Jahre zurück, wobei schnell klar wurde, daß diese Vertonung extrem schwierig werden würde. Alle bisherigen Alben waren einem klaren Konzept folgend innerhalb der Texte, so daß es für Apsis wichtig war, auch innerhalb dieses Albums einen klaren textlichen Faden erkennbar zu machen und nicht jeden Song für sich stehen zu lassen. Außerdem war es entscheidend, eine möglichst fundierte Fassung anbieten zu können, denn gerade die Fantasy Gemeinde ist ein verdammt kritischer Hörerkreis. Auch akustisch sollte sich natürlich „Tales from Ithiria“ von „Eppur si mouve“ abheben, was ihm zweifelsfrei gelungen ist.

Sicherlich hätte man inhaltlich auch eine bestehende Geschichte nehmen können, was vielleicht das lange Warten auf dieses Album verkürzt hätte, jedoch war Apsis schnellklar, daß er eine eigene textliche Grundlage erschaffen wollte. Doch damit entstanden bereits die ersten Probleme, denn nach der chronologischen Anordnung der Ereignisse begann Apsis damit einzelne Parts detailreich auszuschmücken. Das hatte umgekehrt jedoch zur Folge, daß er die übergeordnete Handlung ein wenig aus den Augen verloren hatte. Kaum war dieses Problem gelöst, kam die nächste Herausforderung in Form der richtigen musikalischen Umsetzung. Jede Textzeile und jedes Bild sollte ja musikalisch passen und umgekehrt.

Hört man nun in Tales of Irithia hinein, so fällt im Vergleich zum Vorgänger der gesteigerte Detailreichtum auf. Die neuen Stücke klingen sehr vielfältig und zeugen musikalisch von einer Weiterentwicklung. Es klingt nicht überfrachtet, aber wird der Tragweite der Geschichte mehr als gerecht. Produzent Dieter Roth versteht es gekonnt das optimale Ergebnis herauszukitzeln aus Haggard. Dafür muß man schon ziemliches Fingerspitzengefühl beweisen, denn Haggard ist und bleibt ein Gemisch aus wunderbaren Stimmen, akustischem Instrumentarium und der unverwechselbaren Grungestimme von Apsis Nasseri. Das lange Warten hat sich gelohnt! (Maximilian Nitzschke)

LETZTE INSTANZ - Weißgold


Erstveröffentlichung: DVD 2008- / Drakkar

Am 22.August begeistert und die Letzte Instanz mit einer Doppel DVD mit über sechs Stunden Material. „Weißgold“ ist nach „Live im Kesselhaus“ der zweite visuelle Eindruck der Brachialromantiker aus Dresden. Im Vorfeld der Veröffentlichung konnte man lesen, daß diese DVD angeblich nur auf Wunsch der Fans entstanden sei, doch so ganz den Tatsachen entspricht das nach Hollys Aussagen nicht. Schon seit einiger Zeit war in ihren Köpfen der Gedanke gereift, eine DVD zu machen, auf der man auch das aktuelle Line-Up sieht.
Dazu kamen immer wieder Anfragen im Forum der Band, wie es denn währe eine neue DVD zu produzieren. Hatte man doch vorher alle Elektronik entfernt von den Songs der Instanzler in Form der Akustik – CD „das weisse Lied“ bot sich das Akustikprojekt „das weiße Lied“ an für eine außergewöhnliche DVD Aufnahme. Zu Hause in Dresden können die Jungs beweisen, daß sie nicht nur eine laute Rockband sind, sondern in der Lage sind filigrane Töne anzuschlagen, inmitten des Ambientes der Dresdner Lukaskirche. Bis auf den letzten Sitzplatz gefüllt, erklingen in dieser besonderen Atmosphäre die Klänge von „Kalter Glanz“, „Jeden Morgen“ oder „Für Immer und Ewig“ zum Beispiel. Es hat ein bißchen etwas von einer Orchesteraufführung, was durch die Live Verstärkung in Form von Geigerin Frau Schmitt (Subway to Sally), Anna Kränzlein (Schandmaul) und Leandra (Jesus on Extasy) noch deutlicher wird. Der Zuschauer bekommt immer wieder einen besonderen Kamerablick auf das Spiel der Geigen, das Keyboardspiel von Leandra oder das Zupfen des Kontrabasses von Cellini. Als Bonus dieser ersten DVD darf man Anna Kränzleins Solo Debüt erleben mit Hilfe zweier Songs. Darauf sieht man wie klar die Geigerin der Schandmäuler eigentlich virtuos ihre Geige spielt und mit welchem Abwechslungsreichtum.

Jedoch ist auf der Doppel - DVD nicht nur die ruhige Seite der Instanzler zu sehen, denn neben dem Mitschnitt des Akustiksets in der Lukaskirche auf der ersten DVD, ist auf der zweiten DVD der Auftritt beim Wacken Open Air 2007 zu sehen. Als erster großer Bonus befindet sich ein Tourbegleitungsvideo auf der zweiten DVD, daß Einblicke in diese wunderbare Tour zusammen mit den Gastmusikerinnen bietet. Außerdem verdeutlicht der Auftritt beim Wacken Open Air 2007 die rockige Seite der Instanzler. Hier hört man zum Teil dieselben Lieder der Band, nur geht hier auf der Bühne ordentlich der Punk ab. Klar das Ambiente ist das eines Rockfestivals, wenngleich auch hier die Halle gefüllt ist. Deutlich aggressiver werden einige Titel hier live präsentiert, wird aber zum anderen auch die unbändige Spielfreude und Live Präsens der Instanzler deutlich. Dabei war der Auftritt an sich hart an der Grenze, denn bis zur Hälfte des Konzertes haben die Musiker ins Blaue hinein gespielt. Ein paar Kabel waren vertauscht, so daß jeder gerade das hörte, was er absolut nicht im Ohr brauchte. Davon jedoch sieht der Zuschauer überhaupt nichts.

Somit ist die DVD wirklich ein gekonnter Blick auf die Arbeit der letzten zwei Jahre Instanz unter neuer Sängerleitung. Sänger Holly meint auch, daß die Jungs nicht nur einfach einen besonderen Konzertmitschnitt liefern wollten, sondern den Zuschauern die Möglichkeit geben, sich beide Konzertvarianten vor Augen zu führen. Auch auf dieser zweiten DVD ist zusätzliches Bonusmaterial enthalten, in Form eines Promovideoclips von „Wir sind allein“ und eines kleinen Films.

Parallel zur DVD erscheint ihr Livealbum „Weisse Reise“ mit nur 16 Songs des Akustikkonzertes in Dresden. Insgesamt bietet sich ein sehr rundes Paket das den Blick auf zwei Jahre Instanzler zuläßt in Form eines wirklich gelungenem Ton- und Videodokuments. (Maximilian Nitzschke)

NOVA - Quo Vadis


Erstveröffentlichung: LP 1983

Nova war ein Nebenprojekt der niederländischen Band Peru und hatte in ihrem Heimatland einige ummer-1-Hits, insbesondere ""Aurora"" ist ein Titel, den wohl wirklich jederman im Ohr hat. Es ist elektronische, instrumentale Popmusik mit leichten Science-Fiction-Anleihen, aber durchaus immer sehr melodisch, wobei die Melodien meist mit elektronischen Flötentönen gespielt wird. Das 1982er-Album Terranova beinhaltete fast nur grandiose Stück, während allerdings dieses Nachfolgealbum, das ein Jahr später erschien, nicht mehr an den Vorgänger heranreichen konnte. Als besonders fetzig konnte ""Terranova"" schon nicht bezeichnet werden, aber ""Quo Vadis"" besticht vor allem durch Langeweile, ich kann es gar nicht so richtig beschreiben, irgendwie eine lahme Version von Vangelis vielleicht. Schade, denn ""Terranova"" ist ein aus nostalgischer Sicht gesehen echt schönes Album. (H.H.)

COMPILATION - Minimal Baby


Erstveröffentlichung: CD 2008 / SkullLine / SLCD001-08

Nach zahlreichen CD-R-Veröffentlichungen im Electro-/Industrial-Bereich legt der SkullLine Mailorder nun den ersten „richtigen“ CD-Sampler vor und da wird dann auch gleich geklotzt. 19 x Minimal-Electro mit einigen Ausflügen in eher wavige oder auch industrielle Gefilde füllen diese CD fast randvoll. Dabei hat man sich an einige der bekanntesten oder viel versprechendsten Acts der Szene gewandt und gleichzeitig ein paar bisher weitgehend namenlose Acts gefördert. Zu letzterer Kategorie gehört noch INSEKTRONIC mit einem minimalistischen Instrumentalstück, das auch gut von einer der legendären Tecdance-Tape-Compilations Anfang der 90er stammen könnte. TRANS-ACTIVE NIGHTZONE aus dem ECHO WEST-Umfeld findet man bisher mit ihrem Electro-Wave nur auf verschiedenen Samplern, aber jedes Mal wünscht man sich, dass irgendwann doch mal ein richtiges Album folgt, denn die Mischung ist einfach unwiderstehlich. Ihr „She’s Lost Control“ ist übrigens weder musikalisch noch textlich eine Coverversion des Joy Division-Titels. DATAFREQ kennt man durch ihr grandioses Album auf Das Drehmoment und diverse Samplerbeiträge. Ihr Atari-Trans-X-Analog-Sound fordert gnadenlos zum Tanzen auf. ELEKTRONIK ist nicht nur vom Namen her wenig aufregend, sondern auch musikalisch. Da gibt es Homecomputer-Breakbeat-Versuche mit „witzigen“ Sounds, die auch gut in die frühere Tapeszene gepasst hätten, beziehungsweise dort häufig anzutreffen waren. Leicht waviger Slow-EBM kommt dann von NEUROVEX, was schon wieder interessanter ist, sich aber auch eher nach „Computertüftler zu Hause“ anhört, als nach einer „richtigen Band“. Ist aber durchaus eingängig und zudem ziemlich Early-90s-mäßig. Danach folgen dann mit LEGOPOP, NEJET NOK, THE RORSCHACH GARDEN und SOLITUDE FX gleich vier Szene-Größen mit unterschiedlichen elektronischen Klängen. Dass sich diese Acts ihren guten Namen verdientermaßen erarbeitet haben, beweisen sie auch hier. LEGOPOP liefern Kling Klang-Telespiel-Sound ab. NEJET NOK liefern das ab, was man von ihrer legendären CD auf Genetic Music kennt und liebt und THE RORSCHACH GARDEN bieten einmal mehr schönen Minimal-Electro-Synth-Wave, der immer Hitcharakter hat. Ebenfalls gewohnt schönen Electro-Wave für die Tanzflächen liefern SOLITUDE FX ab, wieder mal auf Deutsch, was ja immer besonders schön ist. BLEIBURG liefert eine witzige Mischung aus Früh-80er Casio-Sound und Industrial mit gesampleten Stimmen ab, die neugierig auf mehr macht. SICKDOLL kennen wir von seiner guten Single, einigen Samplertracks und der grandiosen LP auf Kernkrach/Hertz-Schrittmacher. Der junge Mann bietet stets wunderbaren 80er-Retro-Sound, den fast immer konkret mit bestimmten Bands assoziieren kann (was nicht negativ gemeint ist). Hier klingt das Stück „Belgium In Danger“ wie eine Mischung aus Trans X und Men Without Hats. Sehr schön und mit Hitcharakter, wie immer. Entfernt an Clan Of Xymox’ „Going Round“ erinnert SECOND PLANET. Ihr „Never Never Land“ ist definitiv ein Anwärter für die Tanzflächen der Clubs. Schicker Robot-Pop kommt, allerdings ohne dass es länger hängen bleibt, von SUIZIDFAKTOR. Trotzdem, schön 80er-mäßig und eben mit netter Roboterstimme. Zu A² muss man wohl nicht mehr viel sagen. Hier gibt es einen Track, der irgendwo zwischen der Monotonie von DAF und Electro-Punk im Stile von Der Künftige Musikant („Sie ist Kalt“) zu finden ist. Ganz klar auch ein Anwärter auf einen Clubhit in der Minimal-Electro-Szene. Etwas abfallen tut dann (natürlich) ARMADEI mit zwar netten, aber irgendwie uninspirierten Dark Electro, den eine bessere Abmischung vielleicht noch gerettet hätte. Dann ECHO WEST. Vom „Engelstür“-Minimal-Electro ist das Projekt inzwischen weit entfernt, deswegen aber nicht weniger spannend. Irgendwo zwischen Electro-Industrial und Dark Wave hat die Gruppe eine ganz eigene Nische gefunden, die am besten auf der Doppel 10“ auf Treue Um Treue dokumentiert ist. Nach diesen eher monumetal-minimalistischen Klängen, nein, das ist kein Widerspruch, folgt ein kleiner Electro-Wave-Song von KLEMENT, der sehr schön ist, aber schlicht und einfach produktionstechnisch nicht mit ECHO WEST mithalten kann und an dieser Stelle falsch platziert ist. Schade, denn das französische Projekt hätte nach einer guten Mini-LP mehr Aufmerksamkeit verdient. ZHARK bleibt mit ein paar Electroklängen nicht so richtig im Ohr, auch, wenn das ziemlich an die 80er Jahre angelehnt ist. Dafür liefern die PERVERSE TEENS noch einmal richtig guten Sound aus der „kalten Dekade“ ab und beschließen „Minimal Baby“ zunächst.
Neben der normalen CD-Auflage gibt es noch eine limitierte Edition von (ich glaube) 100 Exemplaren, die eine zusätzlich CD-R mit insgesamt 11 Tracks enthält, unter anderem von einigen Bands, die auf CD 1 schon dabei sind (SOLITUDE FX, ZHARK, A²). Dazu oft etwas technoidere Electro-Klänge (im Vergleich zu CD 1) von SPACELEX, TT, SHIFT 69, GMBHOFFNUNG, MERGING OF THE SELF und CHAOTICUM.
Die einfache CD ist normal verpackt, während die limitierte Version eingewickelt in eine Windel und mit Button daher kommt. Welchen Sinn diese Verpackung macht, wenn man versucht, das auf die Musik zu beziehen, erschließt sich mir nicht so richtig, aber na ja, es gibt immer wieder Leute, die auf solche Sachen stehen.
Insgesamt hat SkullLine hier aber einen wirklich guten Minimal-(etc-)Sampler zusammengestellt, der eigentlich keine richtigen Ausfälle, dafür aber jede Menge richtig guter Tracks enthält. In dem Bereich gibt es derzeit auf CD nichts Vergleichbares. (A.P.)

Webadresse der Band: www.skullline.de

COMPILATION - No Fun - Hit Oder Niete? Die Singles


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Sireena Records / Sireena 2029

Wie so viele kleine, unabhängige Labels begann NO FUN RECORDS aus Hannover 1980 mit einem LP-Sampler zu einem Festival, konnte dann aber mit der ersten HANS-A-PLAST-LP richtig durchstarten und wurde zu einem der ersten auch kommerziell erfolgreichen Indie-Labels, zumindest eine zeitlang. Während man die LPs des Labels wenigstens ab und zu noch gebraucht finden kann, ist das mit den Singles in 1000er Auflagen schon schwerer und vor allem teurer. Da es sich bei den Songs auf den Singles aber meist um Stücke handelt, die eben nicht auf den LPs der Bands zu finden sind, hat sich Sireena Records nun daran gemacht, alle diese Singles aus den Jahren 1980/81 kompakt auf einer CD wieder zu veröffentlichen. Dabei finden sich sowohl einige Sachen wieder, die schon anderweitig wieder zugänglich gemacht wurden, als auch CD-Erstveröffentlichungen. Für Sammler des frühen deutschen Punk-Wave-Sounds ist „Hit Oder Niete“ absolut essentiell.
Los geht’s mit der 39 CLOCKS-Single „DNS“, die sowohl musikalisch (Richtung Velvet Underground und Suicide) als auch textlich (Englisch sprachig) aus dem Gesamtprogramm heraus sticht. Die 39 CLOCKS waren eine völlig eigene Band, die aber durchweg spannende Musik gemacht hat und sich keiner konkreten Szene zuordnen lässt. Es folgt mit BÄRCHEN UND DIE MILCHBUBIS’ „Jung Kaputt Spart Altersheime“-EP dann ein echter deutscher Punkklassiker. Hier ging es noch ziemlich punkig zu im Gegensatz zur später veröffentlichten, sehr guten LP, die aber schon in NDW-New Wave-Gefilde einzuordnen ist. Der Titeltrack wurde schon in den 90er Jahren auf dem gleichnamigen CD-Sampler wieder veröffentlicht, auf eine CD mit dem Gesamtwerk der BÄRCHEN wartet man leider immer noch. Danach erschien mit den CRETINS und ihrer „Samen Im Darm“-Single gleich der nächste kleine Klassiker, der vor einiger Zeit komplett als 12“ neu herausgebracht wurde. Auf CD fand man die drei Tracks der Platte auch auf dem schon erwähnten „Jung Kaputt Spart Altersheime“-Sampler von 1994 (Nasty Vinyl), der aber wohl auch nur noch schwer erhältlich sein dürfte. Bei den CRETINS findet man sicher auch einen der Ursprünge des Mitte/Ende der 80er Jahre zu Tode gerittenen Fun-Punk. Dies hier ist auf jeden Fall ein echter Klassiker. Die „Reeperbahn“-Single der Bremer A5 (einzige nicht Hannoveraner-und-Umfeld Band auf No Fun) bietet eine gute Mischung aus Punk und Wave/NDW. Die Single und die später auch auf No Fun (und somit auf dieser CD vertretene) Single „Kalte Erotik“, die schon weitaus mehr in die Wave-Ecke schielte, findet man auch auf der A5-CD „Mein Schönes Kurzes Leben“…wenn man die CD aus den 90ern mit dem Band-Gesamtprogramm denn noch irgendwo auftreiben kann. Nach dem Ausstieg von Ziggy XY erschien in neuer Bandbesetzung die Single „Der Sandman“ von DER MODERNE MAN. Hier spielte nun auch Jens Gallmeyer mit, der auch bei Phosphor aktiv war und später mit Gigantor vor allem in Japan sehr erfolgreich wurde. Das Gesamtwerk von DER MODERNE MAN gehört auch noch mal auf CD wieder veröffentlicht. Spätestens hier wurde die Hinwendung von No Fun Records zum New Wave vollzogen, auch wenn kurz darauf noch die erste DAILY TERROR (aus Braunschweig)-Single erschien. Diese musikalische Veränderung beim Label störte DAILY TERROR wohl ein bisschen und so trennte man sich im Streit von No Fun und machte später sogar den Song „No Fun Is No Fun“. Die Single erschien Anfang der 90er Jahre auch bereits komplett auf der CD „Deutsch-Punk Klassiker“ auf Snake Records. Ob die CD (auch mit Singles von Male, Artless, Hass, DTJ) noch erhältlich ist, weiß ich nicht. Musikalisch stachen DAILY TERROR, wohl neben Normahl DIE Ur-Deutsch-Punk-Band (wobei ich Slime hier mal ausnehme), auf jeden Fall bei No Fun ziemlich heraus. Die frühe Version von „Bundeswehr“ alleine macht die Single absolut sammelnswert und dürfte so die Preise für das Original-Vinyl ziemlich in die Höhe getrieben haben. Ein kompletter Kontrast war dann die „Lady Di“-Single von MYTHEN IN TÜTEN, die irgendwo zwischen Chanson, Wave und Pop anzusiedeln ist. Tja, hätte die Band damals schon gewusst, was für ein Mythos die englische Kronprinzengattin nach ihrem Tod noch wurde…
Die zweite MYTHEN IN TÜTEN Single „Liebe Im Funkhaus“ setzte den Weg fort und Bandmitglied Emilio Winschetti blieb auch die nächsten zwei Jahrzehnte der Musik mit verschiedenen Projekten treu. Die Singles-Serie auf No Fun Records endete (zumindest von der Katalognummer her) dann 1981 mit der einzigen 7“ von HANS-A-PLAST (neben den drei LPs und der Best Of-CD). Bis 1983 erschienen nur noch einige LPs und später in den 80er Jahren sporadisch einige weitere Scheiben unter diesem Labelnamen.
Wie so viele andere Labels war No Fun durch den kurzen Hype der Neuen Deutschen Welle erdrückt worden.
Keine Frage, mit dieser CD wird ein weiteres Kapitel deutsche Punk- und New Wave-Geschichte für die Allgemeinheit archiviert und so manches Sammlerherz (wenn es einem denn um die Musik und nicht unbedingt um die Originale geht) erfreut. Mehr als lobenswert ist auch die Ausstattung. Das Faltcover enthält auf (umgerechnet) 20 Booklet-Seiten ausführliche Linernotes von Label-Mitbetreiber Hollow Skai und jede Menge Bildmaterial. Eine essentielle Veröffentlichung, wenn man sich mit der deutschen Musik um 1980 herum beschäftigt. (A.P.)

Webadresse der Band: www.sireena.de

COMPILATION - Echoes From Our Past


Erstveröffentlichung: LP 2008 / Anna Logue Records / Anna 009.2007

Nun ist er also da, der erste Sampler auf Anna Logue Records und er ist absolut nicht überraschend. Natürlich gibt es jede Menge rarer Electro-Synth-Wave-Pop-Musik aus den frühen bis mittleren 80er Jahren in einer schönen Aufmachung und in bestmöglicher Qualität. Zu hören gibt es weitgehend unbekannt gebliebene Bands und Projekte, die oft nur durch Samplerbeiträge oder kaum vertriebene, kleinauflagige Platten überhaupt in die Öffentlichkeit getreten sind. Diese Platten ausfindig zu machen gelingt wohl nur mit extrem viel Forschergeist (oder durch Zufall für wenig Geld in einer Flohmarkt-Grabbelkiste).
DADA DI MUSICA eröffnen das Album mit ruhigem Wave, der aber irgendwie hauptsächlich Intro-Charakter hat. Hübsch, aber kein Hit zu Beginn, eher eine Single-B-Seite vom Charakter her. Immerhin kommt das Projekt aus dem Jahre 1981 aus dem Umfeld des Komponisten Hero Wouters, der ja eine sehr interessante LP auf Enfant Terrible vorgelegt hat und somit vielen Leuten bekannt sein dürfte. JEFF WALTON (USA 1983) liefert anschließend einen Synthie-Pop-Song ganz im Stile von Mark Lane ab, wenn auch deutlich eingängiger. Klingt irgendwie wie eine Mischung aus frühen Depeche Mode und manchem Soundtrack-Stück von John Carpenter, auch, wenn diese Mischung erstmal unmöglich erscheint. Die BOYS DU SEVERE stammten aus Kanada und legen eine ganz eigene (auch durch den deutschsprachigen Gesang) Mischung aus Ultravox und Gary Newman hin, sehr wavig und mit einem gewissen künstlerischen Anspruch, wie es mir scheint. Die bekannteste Gruppe der Platte sind sicherlich Australiens INFORMATICS, die hier einen bandtypischen schönen Wavesong aus dem Jahr 1984 abliefern. Aus dem Hause INFORMATICS stammt auch das Soloprojekt VALEK von 1983, das sich aber musikalisch in ähnlichen Welten, wie die Hauptgruppe bewegt. Seite A endet dann schon mit BERND KUNZE, der, wenig überraschend bei dem Namen, aus Deutschland stammt und seit circa 1977 elektronische Musik macht. Der hier vertretene Song klingt musikalisch deutlich nach Kraftwerk, allerdings verbunden mit einer sehr wavigen Stimme. Gute Mischung, die neugierig auf mehr macht.
Seite B startet mit dem dunkel-schleppenden Electro-Sound (+ verzerrte Gitarre) von THE HIGHER PRIMATES, wohl der düsterste Track auf dieser Platte und am ehesten als Post-Punk zu bezeichnen, mit Einflüssen von Suicide bis Tuxedomoon und einem passenden Foto, das an echt „kranke“ Nick Cave-Zeiten erinnert. Direkt im Anschluss folgt der sehr poppige und verspielte Synthie-Pop von VEX. Dieses älteste Stück auf der Platte (von 1979) zeigt die Experimentierfreude der damaligen Zeit mit dem nun erschwinglichen elektronischen Instrumentarium und hätte auch gut auf dem ganz frühen Mute-Label oder auf dem ersten Some Bizzare-Sampler erscheinen können. Da wäre eine komplette Platte auch mal eine interessante Sache! Definitiv der kommende Clubhit von dieser Platte dürfte das Stück von INVISIBLE ZOO sein, ein treibender, etwas an Psyche erinnernder Synthie-Pop-Song mit absolutem Ohrwurmcharakter und auch (auf damals bezogen) großem kommerziellem Potential. Erinnert auch ein wenig an Images In Vogue und ähnliche Bands. SOLITAIRE aus Baltimore liefert eine Art US-Version des guten alten Italo-Disco-Sounds ab, der leider ein wenig unter der mäßigen Soundqualität beziehungsweise Abmischung leidet. Trotzdem ein ziemlich guter Song, der mal eine hochwertige Neuaufnahme verdienen würde. Die LP endet dann mit GILDED YOUTH, die sich stark an Orchestral Maneouvres In The Dark anlehnen und die Scheibe ziemlich gutgelaunt ausklingen lassen.
Das heißt aber nicht, dass es nicht noch weiter geht, denn neben der LP gibt es auch noch eine feine 2-Track-Single mit Stücken von PERFECT JEWISH COUPLE (guter Wave) und THE TWO (einem weiteren Projekt mit Hero Wouters).
Die beiden Platten sind wie immer in ein schickes Cover verpackt und mit einer informativen vierseitigen Beilage versehen. Die Auflage ist auf 500 Exemplare limitiert. Vielleicht nicht das ultimative Minimal-Wave-Album, aber ein guter Überblick über die erste Hälfte der 80er Jahre, mit einigen Projekten, von denen es hoffentlich noch mehr zu hören geben wird. (A.P.)

Webadresse der Band: www.annaloguerecords.com

STRANGE DEVOTION - Again The New Formation


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2008 / Mauerstadtmusik / Mauerstadtmusik 05

Nach einigen sehr interessanten Veröffentlichungen (Dilemma 7“, Butzmann/Lunch 7“, Nekromantik LP und Alexander von Borsig 7“) legt das kleine Berliner Label Mauerstadtmusik nun erstmals eine nicht deutschsprachige Platte vor. Ausgewählt wurde dafür das englische Projekt STRANGE DEVOTION von Dominic Butler. Beide Tracks stammen von 1982 und sind bisher unveröffentlicht geblieben. Zu hören gibt es feinsten, für die damalige Zeit typischen minimalistischen Electro-Wave, wobei „Again The New Formation“ der dunklere Song ist und irgendwo zwischen frühen Human League und unpoppigen Visage einzuordnen ist. Als weitere Einflüsse nennt der Musiker selbst Gruppen wie Cabaret Voltaire, Throbbing Gristle, Vice Versa und Joy Division. Das ist sicherlich kein Stoff für die einschlägigen Clubs, würde sich aber auf jeden Minimal-Sampler mehr als gut machen. „Danger Line“ geht musikalisch natürlich in die gleiche Richtung, erscheint aber etwas leichter und durchaus ein bisschen tanzbar. Hier werden auch Mark Lane-Fans aufhorchen und sich spätestens jetzt für den Kauf entscheiden. Ein sehr schönes, schlichtes Cover auf festem Papier und ein informatives Beiblatt, sowie die limitierte Auflage sollten den letzten Ausschlag geben, sich dieses Kleinod zu besorgen. (A.P.)

HIS DIVINE GRACE - Bach Eingeschaltet - Erster Band


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2007 / Reue um Reue / R.u.R 008

Über die musikalischen Qualitäten des Projektes HIS DIVINE GRACE muss man sicher nicht mehr viele Worte verlieren. Dunkel-ambiente Sounds, die hypnotisch-träumerische Klanglandschaften erschaffen, schwer zu greifen und doch immer fesselnd, auch, wenn man, wie ich, sonst mit derartigen Klängen relativ wenig anfangen kann. HIS DIVINE GRACE liefert immer etwas Besonderes ab, so auch bei dieser Single, die auf minimale 96 Exemplare limitiert ist. Hier wird eine neue „Reihe elektronischer Neubearbeitungen alter Musik“ begonnen und wenn ich es richtig verstehe, handelt es sich um Bearbeitungen zweier Werke von Johann Sebastian Bach, die in Zusammenhang mit den Schriften von Friedrich Nietzsche gebracht werden. Dementsprechend zitiert der Gast Ditterich von Euler-Donnersperg (Uli Rehberg aus Hamburg) aus „Also Sprach Zarathustra“. Schwere, anspruchsvolle Kost also, aber für Fans von HIS DIVINE GRACE definitiv eine Offenbarung und ob der geringen Auflage sicher schnell ein absolutes Sammlerstück. (A.P.)

Webadresse der Band: www.tutrur.com

DIE BUNKER - Peut-être Qu’il N’y A Plus Rien? – 1983-1985

Wiederveröffentlichung: LP 2008 / Eirkti Records / Eirmi 01
Erstveröffentlichung: MC 1983 / V.I.S.A.

DIE BUNKER darf man zweifellos zu den kultigen französischen Cold Wave-Gruppen der 80er Jahre zählen, obwohl, oder gerade weil, sie nur wenige Platten und Tapes veröffentlicht haben. Die „Dreams Are Not Free“-LP auf V.I.S.A. von 1988 wird unter Sammlern zwischen 50 und 100 Euro gehandelt und das erste Tape von 1983 dürfte gar nicht mehr zu finden sein. Nun hat ausgerechnet das griechische Label Eirkti dieses Tape ausgebuddelt, mit einem Bonustrack (vom 1985er „V.I.S.A. Presente“-Sampler) ergänzt und es erstmals auf Vinyl veröffentlicht. Sehr gute Idee, denn die Aufnahmen, soundtechnisch natürlich nicht überragend, klingen sehr ursprünglich und originell und dürften unter Fans schnell als die Besten der Gruppe angesehen werden. Sehr minimalistischer, kühler Sound, der gut die Kalter-Krieg-Ästhetik der damaligen Zeit wieder gibt. Irgendwo zwischen P 1/e und Clair Obscur, was ja nun eine mehr als geniale Mischung ist. Das Artwork ist schlicht aber schön gehalten und irgendwie ist das ganze Konzept vergleichbar mit der Njurmännen-LP auf dem schwedischen Börft Records-Label. Für Minimal-Electro-Cold-Wave-Freunde defintiv ein notwendiger Kauf, limitiert auf 500 Exemplare. (A.P.)

Webadresse der Band: www.eirkti.com

ASP - Zaubererbruder


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Trisol

Kaum ist der Zyklus um den schwarzen Schmetterling mit dem fulminanten Requiemembryo beendet und die Werkschau Horror Vacui veröffentlicht, macht sich die Ausnahmeband ASP von Rabenfedern getragen auf, mit ihrer aktuellen Veröffentlichung „Zaubererbruder – der Krabat Liederzyklus“, die am 29.08.2008 erschien, einer faszinierenden sorbischen Sage nachzuspüren.

Auf die Sage stieß Alexander mit zwölf Jahren wie die meisten auch über das hervorragende Jugendbuch „Krabat“ von Ottfried Preußler. Kurz darauf las er „die schwarze Mühle“ von Jurij Br_zan und war noch mehr fasziniert von der Geschichte. Erst Mitte der 90er Jahre erwuchs in ASP der konkrete Wunsch, die Geschichte zu vertonen. So begann Alexander lose und nicht sehr intensiv ein paar Nachforschungen anzustellen, was damals noch etwas schwerer war als heute. Aber die intensive Arbeit am Schmetterlingszyklus brachte es mit sich, das für diese Nachforschungen immer weniger Zeit blieb und eine musikalische Umsetzung in weite Ferne rückte. Erst 2005 fiel ASP das Projekt wieder ein und er beschloß, daß ein paar Titel eine tolle Bereicherung der vier „Ich bin ein wahrer Satan“ Singles darstellen würden. „Als ich mich dann in die Recherchearbeit stürzte, drang ich zu Aspekten der Sage durch, die sowohl Preußler als auch Br_zan gar nicht verwendet hatten, und dann entstand die Idee, eine eigene Version zu verfassen, auch wenn viel von Ottfried Preußler, schon aufgrund der sprachlichen Qualität, Einzug in die frühen Songs hielt,“ gibt ASP zu. Vielleicht weiß nicht jeder innerhalb der schwarzen Szene gleich worum es eigentlich innerhalb der Zaubererbruder – Geschichte geht. Ganz allgemein gesprochen geht es um einen Jungen (Krabat), der in einer Mühle als Lehrjunge anfängt und schnell merkt, daß er in eine schwarze Schule geraten ist. Der Müllermeister ist zugleich ein mächtiger Zauberer und Krabat lernt in der Mühle nicht nur das Müllerhandwerk sondern wird auch in Magie unterrichtet. Aber der Meister hütet ein dunkles und tödliches Geheimnis, als sich Krabat auch noch in ein Mädchen im Dorf verliebt, nimmt die Tragödie ihren Lauf. Krabat liefert sich dem Meister quasi per Handschlag auf Leben und Tod aus – er ist dem Meister ausgeliefert und reift im Geheimen selbst zu einem mächtigen Akteur heran.

Vielleicht schließt genau hier der Krabatzyklus auch an die bisherigen Arbeiten von ASP an, denn das Über – Sich - Herauswachsen scheint immer wieder ein Thema zu sein das Alexander fesselt und anspornt. ASP bestätigt diese Vermutung: „Das ist in der Tat ein Thema, welches bei ASP schon immer eine große Rolle spielt. Auch der Schmetterling und die Metamorphose ist ja eine aus der Hoffnung heraus geborene Metapher, daß jeder von uns die Fähigkeit besitzt, aus seinem Leben etwas Größeres machen zu können. Ohne die Hoffnung hätte ich wohl schon aufgehört!“

Das Album ist absolut ASP, intensiv wie man es gewohnt ist und dennoch kein klassisches ASP Album, alleine weil der Stoff schon eine andere musikalische Umsetzung verlangt. Der Song „Betteljunge“ etwa ist ein Beispiel für das Erzeugen einer intensiven Stimmung. ASP singt die Textpassagen so, als würde er an einem rauen Ort im verwegenen Osten sein.
„Es war schnell klar, daß die Zaubererbruder Veröffentlichung kein typisches ASP Album werden würde. Die Geschichte verlangt natürlich nach einer dementsprechenden musikalischen Umsetzung, “ bemerkt ASP. In „Betteljunge“ wird bereits eine unfaßbar schwierige Lebenssituation geschildert, also liegt eine doch eher rauhe musikalische Umsetzung auch nah. Was jedoch so schlicht und leicht klingend daherkommt, war gesanglich eine echte Herausforderung. Alexander durfte auf diesem Album an seine Grenzen gehen. Die oberste Priorität für das schöpferische Team Spreng und Ambré war es, Melodien zu erschaffen, die in sich selbst die Stimmung vermitteln, die der Text aussagt und die Geschichte verlangt. So findet sich etwa ein hinreißend zärtliches Duett auf der CD mit der Ex – Faunin Lisa Pawelke „Mein Herz erkennt dich immer“. Alexander gesteht gerne, daß er Lisa unbedingt für diese Rolle haben wollte und immer noch hocherfreut ist, daß Lisa zugesagt hat. Sie setzt ebenso wie Eric Fish – er singt die Rolle des Freundes von Krabat – einen absoluten Glanzpunkt auf der Platte. Leider scheidet die Geliebte von Krabat viel zu früh aus der Geschichte…

Das außergewöhnliche Album wird auch im Herbst auf außergewöhnliche Art dargeboten, nämlich in Form einer Akustik – Tour. Wer in den Genuß des Akustik Konzertes zum WGT gekommen ist, weiß wie wunderschön dies werden wird. „Es reizt uns immer unsere Grenzen zu verschieben. Für uns bietet sich eine wunderbare Gelegenheit die ‚Zaubererbrudersongs’ genauso wie Klassiker im neuen Gewand zu präsentieren, “ meint ASP. Bereits jetzt freue ich mich auf diese Präsentation im Oktober (für mich am 18.10. in der Passionskirche Berlin), solange zähl ich die Tage und hoffe das keiner ruft „Husch, husch auf die Stange!“ (Maximilian Nitzschke)

OSIRIS TAURUS - Interview 2008




1. Wir freuen uns sehr euch endlich einmal richtig vorstellen zu könen, da sicherlich unsere Leser neugierig sind, wer ihr im einzelnen seid und welche Instrumente bzw. Aufgaben ihr innerhalb von „Osiris Taurus“ inne habt, seid doch so lieb euch etwas vorzustellen!

Amira: Hallo Max, wir freuen uns auch über dieses Interview. Ich beginne mal mit unserem Rhythmiker. Hauky spielt Percussions, Schlagwerk und elektronische Drums.
Marc ist ganz neu bei Osiris Taurus. Er hat uns beim Konzert in der Braunschweiger Kulturnacht im Staatstheater kennengelernt. Dort hat er bei der Lichttechnik assistiert. Er war ganz begeistert von unserem Konzert und er sagte, dass er Bassist sei und ob wir nicht noch einen Bass brauchen würden. Wir haben das sehr bald zusammen ausprobiert und wir waren alle sehr begeistert von dem neuen Sound.

Tassos: Ich bin Tassos. Mein Lieblingsinstrument ist der schottische Dudelsack. Außerdem spiele ich Smallpipe, elektronische Bagpipes, Didgeridoo, e-Gitarre und irische Flöten. Und wenn ich den Mund frei habe, singe ich die zweite Stimme im Back.

Amira: Ich bin Amira und ich komponiere unsere Musik. In unserem Studio mixe und mastere ich unsere Stücke. Ich singe und spiele e-Geige und Gitarre und bei einigen Stücken stehe ich auch an meinen Drums..


2. Könnt ihr uns ein wenig darüber erzählen, wie ihr euch kennengelernt habt und wann die Idee zu Osiris Taurus entstanden ist?

Amira: Ich habe Tassos während unseres Kunststudiums kennengelernt und in dieser Zeit habe ich in einer Rockband gesungen und Tassos hat in einer schottisch-irischen Folkband Dudelsack gespielt. Da haben wir angefangen zusammen Musik zu machen, das in eine sehr experimentelle Richtung ging. Unsere ersten, gemeinsamen Stücke haben wir dann auf Ausstellungseröffnungen vorgeführt. Das waren sehr abgefahrene Klangperformances, stark beeinflusst von Laurie Anderson, Brian Eno und John Cage.

Tassos: Ja, irgendwann hat dann Amira auf einem Workshop den Orientalischen Tanz kennengelernt und mächtig Feuer gefangen. Wir sind damals sehr häufig in Ägypten gewesen, wo sich Amira unter anderem bei Prof. Dr. Hassan Khalil in Kairo im Orientalisschen Tanz ausbilden ließ. Ich habe mich auch immer mehr mit der orientalischen Musik befasst. Besonders fasziniert hat mich die arabische Tablah. Und so habe ich dort bei verschiedenen Lehrern das Tablah spielen gelernt.

Amira: Unsere erste Band haben wir 1995 gegründet. Da flossen unsere ganz unterschiedlichen Stile zusammen. Das war ein sehr lebendiges Musikprojekt mit arabischen Musikern, Didgeridoospielern und dazu Sythezisersounds. Da es eine Mischung aus arabischen, australischen und europäischen Musikelementen war, nannten wir die Band „Osiris Traumzeit“.
Osiris Taurus gründeten wir Im Jahr 2000, gemeinsam mit dem australischen Bassisten Dene Whitney. Wir hatten in den Jahren zahlreiche Umbesetzungen und jeder der Mitmusiker brachte auch neue Elemente in unsere Musik hinein. Vor einigen Jahren haben wir auch versucht, das klassische Schlagzeug in unsere Musik rein zu bringen. Vorher hatten wir mit mehreren Schlagwerkern gearbeitet. Durch das Drumset wurden die rockigen Elemente in unserer Musik stärker, na ja eigentlich war es auch eine Phase, wo wir auch mal so richtig laut und hart sein wollten (lach). Von dieser Zeit gibt es eine Cd- Veröffentlichung. Ich habe , nachdem wir uns von Thoja am Schlagzeug getrennt haben, alle Stücke umarrangiert.
Mit Hauky sind wir heute wieder mehr zu unseren Wurzeln, den Ethno-Sounds in Verbindung mit elektronischen Drumsounds zurückgekehrt. Ich finde, dass das besser zu uns passt. Wir hatten eigentlich die ganzen Jahre über auch einen Bassisten gesucht aber leider nie jemanden gefunden, der zu uns passt. Den Bass hatten wir immer elektronsch mit dem Synth erzeugt. Durch Mark bekommt unser Sound das, was bislang immer gefehlt hat – Groove und knackige Dichte.

3. Ich würde gern zu euer ersten CD „Dance of Dreams“ kommen, die ihr noch unter Osiris Traumzeit veröffentlicht habt. Erst einmal die Frage, warum diese CD nicht bereits unter Osiris Taurus veröffentlicht wurde, und zum anderen merkt man dieser CD noch einen starken Focus auf eine künstlerische Umsetzung an, woran liegt das denn?

Amira Als wir 1997 „Dance of Dreams“ veröffentlichten gab es Osiris Taurus noch nicht. Wie gesagt, Osiris Taurus haben wir erst im Jahr 2000 gegründet. Ich weiß jetzt nicht genau, was du mit „künstlerischer Umsetzung“ meinst. Ich meine künstlerisch sind alle unsere Alben. Aber wahrscheinlich meinst du ja, dass „Dance of Dreams“ sehr viele Soundscapes enthält. Viele haben damals gesagt, dass sich die Musik sehr gut als Filmmusik eignen würde. Damals haben wir noch sehr stark auf die Bühnenperformance hingearbeitet. Viele Stücke habe ich damals für die Performance mit Tanz komponiert. Wir haben damals sehr viel mit Balletttänzerinnen vom Staatstheater in Braunschweig zusammengearbeitet. Ich selbst habe auch sehr viel getanzt und so entstand ein spannendes Wechselspiel aus Tanz Musik und Lightshow.

4. Kommen wir ein wenig zu den Texten dieses Albums, ihr beginnt mit „The Head of Tapty“, einem Song den ihr mittlerweile öfter vertont habt, ich glaube es ist eine schamanische Reise die ihr beschreibt nicht wahr?

Tassos: Die Musik und die Texte waren damals, wie heute auch,immer ein Spiegel von dem, was wir erlebten. Damals begannen wir uns mit dem Schamanismus zu befassen.
Wir lernten auch einen sehr guten Lehrer kennen, er war Schüler von Michael Harner und sehr erfahren. Von ihm lernten wir das schamanische Reisen und die Erlebnisse, die wir dabei hatten waren eine wunderbare Quelle für unsere Musik. „Head of Tapty“ beschreibt die Reise in die andere Wirklichkeit. Bei den sibirischen Schamanen war „Tapty“ ein mächtiger Hirsch, dessen Geweih in die anderen Welten ragte. Der Schamane brauchte nur an seinem Geweih hochzuklettern, um in die anderen Dimensionen zu gelangen. Ich finde, dass ist eine schöne Geschichte, nicht war ?

5. Auch „White Wolfs Dance“ knüpft an Sonnentanzbeschreibungen an, also auch hier eine schamanische Beschreibung, könnte man sagen es geht auf „dance of dreams“ um Traumdeutungen und Transformationen?

Amira: Ja, ich glaube schon. Eins unserer Tracks auf dem Album heißt ja auch „Tranformation“. Wir haben damals sehr nach derartigen Erfahrungen gesucht. Und so haben wir auch sehr viele schöne Begegnungen gehabt und interessante Erfahrungen machen können. Eine Zeit lang haben wir bei einem indianischen Medizinmann -er war Apache- Schwitzhütten gemacht. Es hat sich eine tiefe Freundschaft zwischen uns entwickelt. Er erzählte uns sehr viel über seine Kultur und die Mythen seines Stammes.

6. Kommen wir zur zweiten CD „Shamanic Dust“, hier wird das Thema des Schamanismus ja bereits im Titel stark focussiert. Erneut habt ihr „Head of Tapty“ vertont, aber auch ein Song findet sich „Song of Emere“, der Steinen eine große Bedeutung zukommen läßt. Welche Bedeutung haben diese denn für euch?

Tassos: Steine sind sehr gute Vermittler zwischen dem Verstand und dem Unbewussten. Die alten Schamanen benutzen sie, um mit ihren unbewussten Anteilen zu kommunizieren.
Amira:Die Grundidee dabei ist, dass alles belebt ist.
- Nicht nur Menschen und Tiere, sondern auch Bäume, Pflanzen und Mineralien, also auch Steine. Durch diese Einstellung ergibt sich ein großer Respekt vor der Natur und der Mensch ist nicht die Krone der Schöpfung, sondern ein Teil von ihr.

7. Was mir auffällt, ihr habt zwei Versionen von „Shamanic Dust“ auf der CD, einmal mit dem Zusatz „with red wine“ wieso denn das?

Tassos: Das ist ganz einfach, das eine Stück haben wir ohne und das andere mit Rotwein eingespielt.

8. Man hört in einigen Songs des Albums Pferdewiehern, sind denn einige Songs deinen Lieblingstieren gewidmet Amira?

Amira: Ja, ich liebe Pferde. Damals war ich fast nur bei den Pferden und beinahe hätte ich die Musik für sie aufgegeben.
Ich habe durch sie sehr viel gelernt, positives, wie auch negatives. Einmal wäre ich fast durch ein Pferd umgekommen. Damals ist das Stück „Immortal Messenger“ entstanden, was unmittelbar von diesem Erlebnis erzählt. Die Erfahrung mit den Pferden waren für mich unendlich wichtig.

9. Kommen wir nun zu „Dragon Dance“ (2004), einem Album das sehr dynamisch ist in sich, du hast darauf „ave aqua santa“ noch einmal vertont und interessanterweise auch einen Song darauf der aus der Carmina Burana stammt. Eine spannende Mischung. Kannst du uns da zur Textauswahl etwas erzählen?

Amira: Die „Carmina Burana“ ist ein ausgesprochen aktuelles Werk, obwohl ja die Texte aus dem 11. und 12. Jhdt. stammen. Für mich wird in den Texten deutlich, dass der Mensch sich in den vielen Jahrhunderten nicht sonderlich weiterentwickelt hat. Die Technologien und die Technik, Medizin und Wissenschaft haben sich zwar rasant entwickelt, der Mensch selbst aber ist stehen geblieben. Themen wie „Gier, Machtmissbrauch, soziale Ungerechtigkeit u.s.w. Sind nach wie vor vorhanden. Sie heißen nur anders.
Ich liebe auch die lateinische Sprache. Ich bin nicht der Meinung, dass man die Texte sofort verstehen muss. Sie sind für mich eher ein Transportmittel für meine Empfindungen.

10. Ihr ward ja 2003 auf den Herbstnächten auf Burg Rabenstein/Fläming und dann 2004 zum WGT vertreten (hoffe die Daten stimmen?), damals noch in anderer Besetzung, aber kannst du uns etwas erzählen zur Live Wirkung von Osiris Taurus? Was ist vielleicht auch ganz anders geworden?

Tassos: Ich glaube, wir sind nach wie vor eine ausgesprochene Live-Band. Die Live Stücke sind auch immer anders als die Alben. Unsere Performances sind sehr wichtig, um unsere Musik komplett rüberzubringen.
Damals haben wir unsere ersten Erfahrungen mit großen Bühnen gemacht. Die Herbstnächte waren für uns enorm wichtig, da wir dort einen internationalen Bandcontest gewannen. Das hat uns dann viele Tore geöffnet.



11. Nach „Dragon Dance“ wurde es etwas ruhiger, ein Jahr später aber ein großer Auftritt zum Mera Luna, zudem ihr ja eine Spezial CD veröffentlicht habt, die klingt sehr viel härter und elektronischer als man es gewohnt war von euch. Wolltest du bewußt die Drumsticks gegen E-Gitarre eintauschen?


Amira: Ein halbes Jahr vor unserem Auftritt auf dem Mera Luna Festival hatten wir eine Umbesetzung, die uns ohne hin Zwang über unser Set nachzudenken. Unser Schlagwerker und unsere Gitarristin und Perkussionistin mussten aus persönlichen Gründen ausscheiden und es war sehr schwer Nachfolger zu finden. Wir entschieden uns für eine Schlagzeugerin und das war Thoja. Meine E-Gitarre hatte ich aber schon vorher, gemeinsam mit Runa in unsere Musik integriert. Das war eine ganz natürliche musikalische Entwicklung. Viele Stücke, die wir in der Zeit vor dem Festival komponiert hatten waren für 2 Gitarren geschrieben. Die neuen Stücke haben wir auf Mera Luna zum ersten mal aufgeführt. Dass die Musik härter klang stimmt. Das entprach unserer damaligen Empfindung.

12. Auf dieser CD befindet sich der Song „Pontifices Errant“, ein Song der die Obrigkeit anprangert, kann man sagen das eine stärkere Sozialkritik mit in eure Texte kam zu diesem Zeitpunkt?

Amira: Ich komponiere immer wieder Texte, die sich auf lyrische Weise mit kritischen Themen befassen. Wenn mich was ärgert muss es einfach raus !


13. 2007 kam „Cut the Bounds“ heraus, eine sehr sehr spannende CD wie ich finde, denn hier befinden sich zum einen sehr dynamische Songs darauf wie „Gale Force Winds“ oder „Under the Fire“ aber auch Texte in deutsch „Pass auf!“ oder das wunderschöne „Wind that shakes the barley“. Diese Mischung macht für mich diese CD sehr aus, was hat dich denn zu den deutschen Texten bewegt?

Amira: Jedes Stück hat so seine ganz eigene Entstehungsgeschichte. Das Album „Cut the Bonds“ ist sehr emotional und spiegelt ganz unterschiedliche Stimmungen wider. Darin steckt Freude und Trauer, Wut und Liebe gleichzeitig, so wie das Leben ist!.
„Danse Macabre“ z.B. spielt an auf die Gier nach Macht und Geld die von vielen Mächtigen der heutigen Zeit immer offener zu Tage tritt. Seit dem Mittelalter hat sich da ja auch kaum etwas verändert. „Pontifices Errant“ oder „Flete Flenda“ sind in Anlehnung an die Carmina Burana entstanden. Wenn man diese Texte liest, so kommt es einem oft vor, als seien sie in der heutigen Zeit entstanden. Im ersten Lied geht es um den Irrglauben, den die Priester verbreiten, um Macht auszuüben und darum, sich davon zu befreien, während „Flete Flenda“ auf den Irrsinn der Inquisition anspielt. Inquisition gibt es auch heute noch weltweit wo Andersdenkende vernichtet werden. Man denke nur an China oder Birma, um nur einige zu nennen. Insgesamt hat das Album für mich das Thema „Befreiung“. Der Wunsch zur Befreiung von Fremdbestimmung und von der Dominanz derjenigen, die Macht über uns erlangen wollen – dazu gehören natürlich auch die Massenmedien, die uns erzählen, was wir denken, fühlen und wissen sollen. Diese Befreiung findet, wie ich meine, zuerst im eigenen Kopf und in der eigenen Überzeugung statt. Bei dem Song „Pass Auf!“ gibt es eine Textpassage, die das sehr gut ausdrückt: „...sind wir in die Welt hinein gestorben ??? - Wann sind wir wach ??? „
Das Gefühl, „des sich Befreiens“ und „des frei seins“ ... nichts zu verlieren zu haben, nur gewinnen zu können, das kommt glaube ich sehr schön in den energiereichen Didgeridoostücken, die du genannt hast „Gale Force Winds“ und „Under the Fire“ zum Ausdruck.
Die Sprache, in der ich singe hängt davon ab, was ich ausdrücken möchte. Manche Inhalte und Emotionen lassen sich nur in deutscher Sprache vermitteln, andere nur in Englisch oder Latein.

14. Auf dieser CD befindet sich der wohl schönste Song bisher, nämlich „Amade“, kannst du mir vielleicht etwas zur Beziehung zu Mira erzählen und ihre Reaktion auf diese wunderschönen Zeilen?

Amira: „Amade“ wurde genau an dem Tag fertig, als Mira Amadea, unsere Tochter ihren Führerschein bestanden hatte. Das ist ja ein großer Schritt. Ein halbes Jahr zuvor begann ich daran zu denken, dass ich für Mira ein Lied machen wollte. Es beschreibt meine Empfindungen und Erfahrungen mit ihr.
Das Lied handelt vom Loslassen und vom Abschied. Unsere Tochter Mira-Amadea ist wegen ihres Studium weggezogen. Sie Studiert Film und Fotografie. Für uns alle war das eine sehr tiefgreifende Veränderung und der Moment der Trennung war sehr schmerzhaft. Unsere Beziehung ist sehr eng und wir haben sehr viel Kontakt. Mit der Zeit hat sich eine sehr schöne, veränderte Beziehung entwickelt. Inzwischen haben wir auch einige Bühnenprojekte gemeinsam gemacht. Mira ist ja eine hervorragende Tänzerin. In diesem Jahr hat sie sich für die Weltmeisterschaft im Irish-Dance qualifiziert. In unserer letzten Show war sie großes Highlight auf der Bühne. Mira konnte „Amade“ zunächst nicht hören , ohne sehr traurig zu werden. Inzwischen liebt sie dieses Lied sehr.


15. Die Veröffentlichung von „Cut the Bounds“ ist noch nicht lange her, zumal ihr Songs ja auch über das Internet frei herunterladbar gemacht habt, was treibt dich denn immer wieder an, so kreativ zu sein?

Amira: ... die Freude an der Musik ! Musik machen und zu komponieren ist schon irgendwie eine Sucht.

16. Ihr habt in Braunschweig auf den Kulturtagen gespielt, eine sehr künstlerische Performance, ist das eine Plattform in der eure Musik besonders zur Geltung kommt?

Tassos: Ich glaube schon. Wir denken in unserer Musik nicht nur in Tönen, sondern auch in Bildern. Eine entsprechende Bühne und auch die entsprechende Lightshow
ist ein wichtiges Mittel um zu visualisieren, was wir mit der Musik meinen.

17. Eure aktuelle CD „Between the Worlds“ eröffnet mit einem Abzählreim „Nick Nack“ um dann aber doch zum düsteren „Seele vergisst nicht“ überzuleiten. Mir fällt auf, dass ihr eurer abwechslungsreichen Art treu bleibt. Wie sind denn diese Stücke entstanden, zumal es ja auch eine Zeit gab, in der du nicht schreiben konntest?

Amira:Unser neustes Album „Between the Worlds“ habe ich eher mit dem Blick nach innen komponiert. Ich fand immer schon die Gedichte von Theodor Storm total beeindruckend. Zwei haben mich besonders berührt „Seele vergiss nicht „ und „Stadt am Meer“. In den beiden Stücken habe ich versucht, diese eigenartige Atmosphäre aus Melancholie und Sehnsucht zu visualisieren. Einen großen Kontrast bilden dabei sicher Stücke, wie „Nick Nack „oder „Der Schottenmann“ Sie sind nach Kinderreimen entstanden und sind lustig gemeint. Warum soll man nicht Spaß machen, das Leben ist doch ernst genug, nicht wahr ? (lach).

18. Auf der CD befinden sich sehr viele Gedichtsvertonungen, von werm aber stammen diese denn?

...........................s.o.

19. Das Cover zeigt ein kleines Mädchenbild, ich würde mal denken das bist du,oder doch eher Mira? Der Blick ist neugierig, aber auch unsicher welche Seite es bevorzugt, ein Zwiespalt?

Amira: Ja, das bin ich in jüngsten Jahren. Ich glaube man muss sich fortwährend entscheiden, welche Seite man anschaut. Auf dem Bild stehen die Füße nach rechts, während der Blick fragend nach links geht ... so richtig „between the worlds“! Ich glaube, wer die Neugier verliert, verliert auch die Fähigkeit Kunst zu machen.

20. Ihr hattet vor kurzem eine Umbesetzung in der Band, wie macht sich Hauki denn?

Tassos: Mit Hauky sind wir inzwischen zu einem harmonischen Ganzen zusammengewachsen. Wir hatten ja auch schon mehrere Auftritte in der Besetzung zu dritt, z.B. auf dem Gothic Family-Festival in Duisburg oder in Hildesheim und Braunschweig.
In der letzten Zeit haben wir Marc am Bass eingearbeitet und die jetzige Arbeit ist außerordentlich kreativ und macht superviel Spaß !!

21. "Was für Pläne gibt es denn in nächster Zeit bei euch?
Amira: ... viele Auftritte und bekannter werden !

Dank euch fürs beantworten!

Wir bedanken uns auch bei dir für dieses Interview !! (Maximilian Nitzschke)

QNTAL - Purpurea


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Drakkar

Im Februar diesen Jahres legten Qntal mit ihrem nunmehr sechsten Album „Qntal VI - Translucida"" ein Album vor, das nach dem ohnehin schon opulenten Silver Swan wieder an die musikalischen Ursprünge des Trios anknüpfte. Jetzt im Oktober spannt die Band mit ""Purpurea - The Best Of"" einen Bogen, der sich von den Anfangstagen bis zum jüngsten Release erstreckt.

Eigentlich war Mastermind Michael Popp in der Vergangenheit immer eher kritisch eingestellt als die Sprache auf mögliche Best - Of Veröffentlichungen in Interviews kam. Nun aber kommt plötzlich eben eine solche daher und es wunderte mich dann doch etwas. Dennoch macht dieses Album vollends Sinn und besitzt seine Daseinsberechtigung, denn es stellt eher eine Rückschau dar auf das was die Band bislang geleistet hat. Keinesfalls hat man nur die erfolgreichsten Stücke der Band zusammengestellt, sondern versuchte die Entwicklung des Trios so repräsentativ wie möglich zu zeichnen. Dies dürfte viele Diskussionen zur Folge gehabt haben, denn bei der Fülle an Songmaterial ist es nicht einfach eine Auswahl zu treffen, die die jeweilige Zeit am treffendsten widerspiegelt. Einer chronologischen Ordnung folgen die Stücke dennoch nicht, denn diese CD sollte für Syrah, Michael und Phil ein organisches Ganzes ergeben und sich damit in die Tradition bisheriger Alben einreihen. Musikalisch war Qntal ja immer schon eine Band, die mit unterschiedlichen Charakteristiken arbeitet. Mal sehr lyrisch, dann wieder eher sehr komplex oder eher tanzbar unterscheiden sich sowohl die Stücke wie auch die Stile der Alben. Eine unbedachte Zusammenstellung der Songs hätte also beim Hörer dazu führen können, dass der Hörer ständig aus den Stimmungen heraus geholt würde.

Auf einer zweiten CD befinden sich Remixe und Bonussongs von Qntal, jedoch nicht, wie bei Remixen zu erwarten wäre, von anderen Bands. Diese CD dürfte besonders interessant sein für Fans der ersten Stunde. Neben ganz neuen Versionen sind auch einige weniger bekannte Sachen darauf, die selbst dem längsten Hörer ungeläufig sein dürften. Die Remixversionen scheinen mir fast bestimmte Eigenheiten von Albumversionen gezielt aufgegriffen zu haben, um zu zeigen welche Interpretationen noch so möglich sind. Zwar hätte man befreundete Künstler bitten können Qntal Songs neu zu arrangieren, aber es hätte gut und gerne das geschlossene Gesamtbild gefährden können. Eine CD die ganz und gar der Musik von Qntal gewidmet ist, sollte nach Michael Popp auch nur von Qntals eigener Kreativität geprägt sein.

Es ist auch für mich, der Qntal seit Qntal III nun besser kennt, erstaunlich was aus dieser Band im Laufe der Jahre geworden ist. Wenn man bedenkt, dass alles am Bayrischen Staatstheater begann, wo sich Michael Popp und Ernst Horn kennenlernten. Ernst war eher auf elektronische Musik aus damals, während Michael im Bereich der Mittelalter Musik beheimatet war, und so entstand die Idee beides miteinander zu verbinden. Kurz darauf begannen beide diese Idee in die Tat umzusetzen, und so entstanden Experimente mit dem „Palästinalied"". Für Michael begann plötzlich ein völlig neuer Abschnitt seiner musikalischen Laufbahn, denn bisher eher klassisch ausgerichtet bewegte er sich durch Ernst Horn nun im Kontext elektronischer Musik. An eine Qntal - Veröffentlichung war hier noch gar nicht gedacht, erst als sich Carl Erling (Gymnastic Records - Deine Lakaien) sehr interessiert anhörte, was die beiden Jungs da so trieben, kam diese Idee auf.

Keiner hatte ernsthaft damit gerechnet, dass sich jemand für dieses Crossover interessieren würde. Dem war absolut weit gefehlt, denn mit „Ad Mortem Festinamus"" wurde man sich schnell bewusst, welchem Irrtum man erlegen war. Das Thema des Totentanzes traf den Nerv der schwarzen Szene total und für lange Zeit war dieser Song die Identifikationsnummer für Qntal. Mittlerweile sind ganze 17 Jahre Bandgeschichte vergangen und die Lust ist dem Trio nicht vergangen. Purpurea ist also als eine Zwischenstation ihres Schaffens, eine Essenz dessen was bisher erreicht worden ist, definitiv ist es kein endgültiges Vermächtnis!! (Maximilian Nitzschke)

S-CORE - Gust Of Rage


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Drakkar Records

S-Core - der Name ist absolut Programm. Nichts als infernaler Krach schallte mir als Hörer und Kritiker aus den Boxen. Präsentiert wird hier brachialer Hardcore, der zugegeben keineswegs nach einer Band aus dem doch eher beschaulichen Straßburg klingt. Auf ihrem neuen Album ""Gust Of Rage"" liefert die Band eine für Metalfans furiose Mischung aus Thrash-, Hardcore- und Death-Elementen. Man merkt dem Album schon an, das es fett produziert wurde, ich schätze sonst hätte Drakkar S-Core auch kaum unter Vertrag genommen. Dennoch nach dem für mich persönlich eher zweifelhaftem Genuss der insgesamt 11 Songs dieses Albums, bekam ich ziemliche Kopfschmerzen! Wenn selbst in brachialem Metal keinerlei Melodik erkennbar wird und mir nur Schlagzeuggedresche und Bassgewitter um die Ohren gehauen werden, jeglicher Text - die zumindest vom Bookletlesen durchaus Potenzial hätten- durch die über allem thronenden super aggressiven Vocals von Frontmann Jean-Christophe Ketterer zerstört wird, kann mich dieses Album schlichtweg nicht überzeugen!.

S-CORE gingen 1998 aus zwei Straßburger Bands hervor ehe sich im Jahr 2003 mit der Veröffentlichung ihres ersten Albums ""Riot - Process Engaged"" , der entscheidende Wendepunkt in ihrer Karriere einstellte. In der französischen Metal-Szene wurde die Platte ein Megahit, was nicht zuletzt an der dynamischen Bühnenpräsenz liegt. Im November 2007 erblickte ihr Album 'Gust Of Rage' in Frankreich das Licht der Welt und erscheint nun eben auch im restlichen Europa! In meinen Augen wäre letzteres keinesfalls nötig gewesen! (Maximilian Nitzschke)

MY MIND WEAPON - The Carrion Sky


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Drakkar Records

MY MINDS WEAPON gehören in der Tat zur neuen Riege britischer Metal-Acts, die mit einem erkennbaren künstlerischem Anspruch und dabei intelligenten Texten beeindrucken. Ihre Musik ist düster, zuweilen bedrückend und sehr technisch. Ich denke wir haben es als Hörer mit einer Mixtur aus Tech-Metal und Metal-Core zu tun, die sich durch eine enorme atmosphärische Dichte auszeichnet. Das Quintett aus Aberdeen rockt sich mit viel Power durch die zehn Songs ihres Debut Albums ""The Carrion Sky"". Wenngleich es auch sehr brachial und mit viel Grunge in der Stimme daherkommt, so beherrscht Sänger Ben Timpson dennoch das Wechselspiel zwischen ultra- brutalen Vocals und sehr cleanen Gesangspassagen hervorragend. Es zeugt davon, dass hier jemand auch wirklich eine Gesangsstimme hat, und nicht versucht über Nicht - Können hinwegzutäuschen. Auch die Instrumentierung ist spannend, denn von fast schon jazzigen Parts über technisch versierten bis in bester Thrash Metal Manier hört man die ganze Bandbreite des modernen Metals. Zwar ist ihre Bandgeschichte noch recht kurz, aber dennoch hat die Band ihrem Publikum live bereits gemeinsam mit Acts wie Caliban, As I Lay Dying, Textures, Alexisonfire, Misery Signals und Bleeding Through mächtig eingeheizt. Für mich selbst ist dieser Act der spannenste der drei CDs die ich hier vorstelle. Wenn Ben Timpson mehr Passagen mit cleanem Gesang eingesetzt hätte wäre es mir persönlich zwar lieber gewesen, aber nun ja dies ist vielleicht in dem Bereich in dem er sich bewegt schwierig. Ein Metalfan besteht vermutlich auf das stimmliche Gegrunze. Schade, denn es verschenkt Potenzial! (Maximilian Nitzschke)

THE DYING - Triumph of Tragedy


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Drakkar Records

The Dying, sollen eine Thrash Metal-Combo aus dem Nordosten Belgiens sein. Mhmm davon höre ich auf ihrem Triumphzug der Tragödien herzlich wenig. Im Gegenteil mit extrem aggressivem Gesang wird mir als Hörer klar gemacht, das es keinerlei Erholung auf diesem Album geben wird. Hör es dir an, oder stirb - deine einzigen Optionen! Wie wild werden die Saiten der Gitarren gequält, wütende Drums dazugemischt und schier unglaublich aggressive und unverständliche Vocals bilden das Soundgerüst. Ihre Interpretation der New Wave Of Thrash Metal ist möglicherweise ein Leckerbissen für alle Fans von Thrash-Ikonen wie Slayer, Exodus oder Kreator, dennoch blieb mir dieser Leckerbissen zutiefst im Halse stecken. Von den Texten versteht der Hörer absolut gar nichts, da er nur mit Aggression und Wut beballert wird. Musikalisch geht es einfach nur auf die Ohren, entwickelt aber keine Spannung in sich - nur Aggression alleine ist für mich etwas dürftig. Wenn ich nicht auch akustische Ruhepausen schaffe, schalte ich als Hörer spätestens nach dem vierten Song in fast identischer Manier ab. Ich habe es mir bis zum Ende angetan in der Hoffnung es werde besser, die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, aber es wurde nicht besser. Sehr schade, aber für mich ein Album, das in jedem CD Schrank fehlen sollte! (Maximilian Nitzschke)

ALEXANDER VELJANOV - Porta Macedonia - Live Berlin 2008 (Weltpremiere)


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2008

16.10.2008 Admiralspalast, Berlin

Draussen war es an diesem Oktobertag in Berlin nasskalt und ein unangenehm eisiger Wind pfiff über die Friedrichstrasse in Berlin - Mitte. In den schnieken Admiralspalast nämlich hatte Deine Lakaien Frontmann Alexander Veljanov geladen, um dort sein drittes Soloalbum ""Porta Macedonia"" der Öffentlichkeit live zu präsentieren. Bereits im Vorfeld bezeichnete Veljanov sein neuestes Werk als sein gleichzeitig politischtes und privatestes Album, so dass die Erwartungshaltung beim zahlreich erschienenen Publikum hoch war.

Ganz pünktlich um 21 Uhr betrat Veljanov gefolgt von seinen fünf Livemusikern, darunter auch Mitkomponist und Produzent Goran Trajkoski. Alle sztammen nahezu aus Mazedonien, einzig der hünenhafte Drummer wurde von Alexander als ""unser Ausländer in der Band"" angekündigt, da er aus Bosnien stammt. Geschickt als Opener gewählt hatte man sich ""The New Order"", da er die Weichen für das weitere Konzert stellte. Wer bei Veljanov solo erwartete den eher reservierten Veljanov der Lakaien zu erleben, war hier völlig fehl am Platz. Er bewegt sich solo eher in rockig - gitarrenlastigeren Gefilden und macht dabei eine ausgesprochen gute Figur. Bei ""His Vita"", einem der Highlights auf dem Album, hörte man fast Post Punk Klänge heraus.
Der erste Teil des Konzertes beinhaltete die englischsprachigen Tracks des Albums. Erst ab ""Nie mehr"", der Vorab - Maxi - CD, welche das Publikum bis dato wohl, mit einigen journalistischen Ausnahmen, als einzigen Song wirklich kannten. Nun hatte Veljanov den Break hin zu den deutschen Songs des Albums vollzogen. An sich ein Novum für ihn, wenn man einmal von ""Lass mich"" von den Lakaien absieht, deutsch zu singen. Aber man merkt, dass Alexander viel offensiver und damit in der Tat persönlicher an die deutsche Sprache herangegangen ist. Erstaunlich gut im Livekontext funktionierte auch der eher etwas sperrige Titel ""Königin aus Eis"", den Veljanov passenderweise mit ""and now something completely different!"" ankündigte. Ein straighter Beat und Electrosequenzen haben dem Stück Clubqualitäten gegeben. Ich geh sehr davon aus im K17 auf diesen Song einmal zu stoßen.
Auch sehr grandios war das schräge ""Lili B."", bei dem man in dem sonst eher ernsten und in sich gekehrtem Gesicht Alexanders einen sehr verschmitzten Gesichtsausdruck sehen konnte.
Man merkte einfach, dass die Liveumsetzung funktionierte und die Akteure auf der Bühne harmonierten. Schön zu sehen war, dass das Publikum sehr durchgemixt war. Ganz klar waren viele Fans der Lakaien vor Ort, die sich diese Feuertaufe für die Tour 2009 nicht entgehen lassen wollten, aber auch viele 40 und 50+ Besucher habe ich gesehen. Auch etliche extra aus Mazedonien angereiste Gäste aller Altersklassen waren vor Ort, die sich dann lautstark zu Wort meldeten, wenn Veljanov ihnen ein paar Worte in mazedonisch widmete.

Nach gut achtzig Minuten Spielzeit verschwand Veljanov mitsamt Band hinter der Bühne, nur um nach tosendem Applaus für zwei Zugaben zurückzukehren. Zuerst wurde ""The Sweet Life"", das Titelstück des 2001er Albums angestimmt, bei dem Alexander oft zwischen dem englischen und der mazedonischen Version ""Blag Zhivot"" wechselte. Als finalen Schlusspunkt setzte man ""Fly away"", den wohl größten Solohit des Ausnahmekünstlers.

Die Generalprobe war also mit Erfolg und viel Applaus vorrüber und wieder einmal bewies Alexander Veljanov mittels seiner Stimme und seinem Charisma, das er nach zwanzig Jahren im Musikgeschäft immer wieder sich selbst neu erfinden und den Hörer fesseln kann! (Maximilian Nitzschke)

BEANGROWERS - Not In A Million Lovers


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Psychocandy/Schoenwetter / Broken Silence

Im Jahre 2000 (oder war es schon 1999?) habe ich die maltesische Band BEANGROWERS erstmals live als Vorgruppe von Philip Boa And The Voodooclub in Darmstadt gesehen und war begeistert von ihrem schön eingängigen Indie-Rock. Auch das Album und eine Singleauskopplung konnten überzeugen, danach verlor ich die Band etwas aus den Ohren. Nun liegt mit „Not In A Million Lovers“ aber ein neues Album vor, das interessanterweise von einem maltesischen Label in Kooperation mit einem österreichischen Label veröffentlicht wird, in Deutschland aber über Broken Silence vertrieben wird und somit problemlos erhältlich sein dürfte. Verdient hat die Band es, denn in den letzten 8 Jahren ist sie nicht schlechter geworden, sondern definitiv reifer und international konkurrenzfähig. Der Sound ist vielleicht eine Spur poppiger geworden und weniger wild, als früher, doch letztlich wird immer noch richtig guter Gitarren-Wave-Pop/Rock abgeliefert, der sich durch den Gesang von Alison Galea wohltuend von musikalisch vergleichbaren Bands abhebt. Die Einflüsse sind dabei reichhaltig, von Siouxsie And The Banshees (zur „Superstition“ und „The Rapture“-Zeit) in „Quaint Affair“ und „Untitled Forever“ über Throwing Muses („Love Can Do You No Harm“) bis hin zu den guten alten Sundays („Captain Darling“). Also: deutlich 80er Jahre beeinflusster Indie-Sound vom besten, der sofort im Ohr bleibt und die CD im besten Sinne zu einer „immer-hören“-Veröffentlichung macht. Für meinen Geschmack hätte es hier und da ruhig noch etwas rauer sein dürfen („Machine“). Leider ist das alles für die heutige Chartslandschaft wohl etwas zu unspektakulär, aber Freunde vom Spät-80er 4 AD-Sound und Shoegaze-Liebhaber werden begeistert sein. Gegen Ende des Albums gibt es mit „Good Band Bad Name“ aber doch noch einen Titel, der Chartspotential hat und irgendwo zwischen Gwen Stefani und Pink mit rockigerem Sound einzuordnen ist. Auch, wenn das nicht mein persönlicher Favorit auf der CD ist, läuft das Album jedenfalls andauernd bei mir. (A.P.)

ELANE - Interview 2008




Interview mit Elane zum Album ""The Silver Falls"" am 28.11.2008 im Berliner K17

Backagain: The Silver Falls ist ein symbolträchtiger Ort innerhalb euer Parallelwelt Glenvore. Dennoch frage ich mich, da ihr aus dem Sauerland kommt, wie ihr regelmäßig den Sprung in die Parallelwelt als Inspirationsquelle vollzieht!

Nico: Unser Glenvore ist sehr stark inspiriert von unserer Heimat, dem Sauerland. Nicht umsonst, dass wissen sicher die wenigsten, nennt man das Sauerland auch das Land der tausend Berge. Damit finde ich unsere Heimat sehr Phantasie anregend, wenn man durch Täler und über Berge läuft fühlt man sich schon manchmal außerhalb vom Sauerland.

Skaldir: Diese ganzen Inspirationsquellen und schönen Orte denken wir uns in Glenvore dann weiter, verändern sie und fügen sie unserer Vorstellung von Glenvore ein.

Backagain: Ich kenne euch nun doch schon eine kleine Zeit lang, Konzerte mit Faun und auch Auftritte zum WGT, aber so richtig weiß ich nicht, wie ihr euch eigentlich zusammen getan habt! Gab es denn Bands vorher?

Skaldir: Ja das schon, aber im Grunde hatten diese keinen Einfluß auf Elane. 2001 haben Joran und ich dann zu zweit angefangen Musik zu machen und nahmen eine Demo CD auf. Der Name Elane stand damals schon fest, nachdem wir Geschichten erzählen wollten die eine Person quasi stellvertretend erlebt. 2004 ging es dann für uns richtig los mit der ersten CD Veröffentlichung. Vorher hatten wir das Glück weitere Mitstreiter für Elane zu finden. Wer aufmerksam auf unsere CDs schaut wird gekennzeichnete Songs finden, diese entstammen unserer Demo CD ""Nachtwald"" die es eben nicht im Handel geben wird.

Backagain: Euer Album ""The Silver Falls"" ist im Gegensatz zu ""Lore of Nen"" hörbar experimenteller und rockiger. War das einfach eine Entwicklung die sich ergeben hat beim Schreiben, oder bewußte Entscheidung von euch um vielleicht auch Massentauglicher zu werden?

Nico: Na sagen wir mal, es war eine beabsichtigte Entwicklung *lacht*. Wir wollten auf diesem Album Songs haben, die eher in einem Rockgewand funktionieren können. Der Einsatz von Schlagzeug in den Songs war bewußt gewollt, es sollte rhythmischer werden und energiegeladen. Was das massentauglich angeht, daß ist sehr die Frage denn ich glaube nicht, daß Elane wirklich eine Band ist, die durch ihre Art Geschichten zu erzählen massentauglich ist. Vielmehr muß man sich einlassen auf uns. Vielleicht erleichtert dieses Album es etwas, aber ich denke nicht, daß wir damit jetzt gleich hallenfüllend sind *grinst*. Uns ging es darum mehr Energie in unsere Musik reinzubringen, um live auch mit mehr Energie unsere Stücke präsentieren zu können.

Backagain: Wie gestaltet sich denn Albumarbeit bei euch, hebt ihr Stücke auch für die Schublade auf, werden Stücke weggeworfen, oder benutzt ihr alles was an Kreativität heraussprudelte?

Skaldir: Nun Stücke weggeworfen werden schon durchaus, aber Entscheidungen über die Auswahl an Stücken werden vorher getroffen. An sich kommt schon alles auf ein Album drauf, was wir an Ideen hatten. Es ist nicht so, daß wir 20 gute Songs geschrieben haben und dann werfen wir sie weg.

Nico: Bei Lore of Nen hatten wir ja 19 Songs auf das Album getan, einfach weil wir so viele Ideen für dieses Album hatten. Möglicherweise war das für den Hörer genauso anstrengend, wie es für uns beim Entstehungsprozeß des Albums war. Bei dieser CD jetzt wollten wir uns qualitativ beschränken diesmal. Den Songs soll man anmerken, daß sie brillant produziert wurden und sich live gut umsetzen lassen.

Backagain: Bei Lore of Nen habt ihr die Sprache der Elfen benutzt, diesmal darauf verzichtet. Dennoch textlich spielen Elfen schon eine Rolle wie man ""Open the Gates"" und ""Elfennacht"" anmerkt!

Nico: Find ich lustig, wir haben das einmal gemacht bisher, und seither fragen uns ganz viele danach. Offenbar hat es den Leuten so gut gefallen, daß sie es öfter hören wollen. Jetzt auf ""The Silver Falls"" haben wir es eben einfach nicht gemacht. Das heißt jetzt aber nicht, daß wir es auf dem nächsten Album nicht wieder machen könnten.

Backagain: Gibt es denn inhaltlich einen roten Faden der sich durch das Album zieht?

Nico: Nun in gewisser Weise zieht sich ein roter Faden durch ja. Ein Wasserfall ist etwas sehr energiegeladenes, jedoch besitzt er bei der nahen Betrachtung unzählige Verwirbelungen. Ein Gesamtbild ergibt sich erst, wenn man einen Schritt zurück tritt und ihn von weiter weg betrachtet. So denke ich ist unser Album auch zu betrachten, wenn man die Musik auf sich wirken läßt und bildlich gesprochen einen Schritt zurücktritt, wird das Gesamtbild des Albums klarer und entfaltet sich die ganze Kraft die wir rüberzubringen versuchen.

Backagain: Das Albumcover ist diesmal kein Foto von Joran, sondern eine Art Palantir. Könnte man vielleicht von einem neuen Elane Logo sogar sprechen?

Nico: Stimmt bisher war Joran immer vorne auf dem Albumcover…
Joran: Na ja wir wollten diese Kette einfach einmal durchbrechen. Diese Unterbrechung sollte die minimalistischere Art dieses Albums gestalterisch noch verstärken. Die Musik geht ja direkter an den Hörer und das sollte das Cover auch vermitteln. Außerdem der gestaltete Palantir dient ja auch als Spiegel, zum einen sieht man die Silver Falls sich darin spiegeln, zum anderen ist er geheimnisvoll dunkel. Wer weiß wer auf der anderen Seite vielleicht zusieht und eine Gefahr für dich ist *grinst*.

Backagain: Was für Pläne habt ihr denn in der nächsten Zeit?

Nico: Nun ein paar Livetermine für das kommende Jahr stehen schon fest momentan. Außerdem arbeiten wir gerade an einem Literaturprojekt. Zusammen mit einem bekannten deutschen Fantasyautoren, genaueres darf ich noch nicht sagen, vertonen wir seine Sachen und machen Elane Songs daraus. Der Focus für die nächste Zeit wird also verstärkt auf Studioarbeit liegen.

Backagain: Die Tour ist morgen zu Ende mit Qntal, rückblickend wie war es denn?

Nico: Es war eine super Tour!
Skaldir: Absolut Klasse, gerade auch zwischenmenschlich!
Simon: Ganz große Ehre, dass Qntal uns mitgenommen haben!
Nico: Es war für uns das Beste, was uns passieren konnte. Qntal ist eine stilistisch ähnliche Band und es war und ist noch eine große Ehre, dass sie uns für ihre Tour ausgewählt haben! (Maximilian Nitzschke)

KENDRIC - The Little Things


Erstveröffentlichung: Maxi-CD 2008 / Raboisen Records / PIAS / Rough Trade / RABO 006-21

Durch TV-Werbespots sind schon einige Songs, gute wie schlechte, zu Hits geworden. Nun läuft also die aktuelle Lidl-Kampagne im Fernsehen und alle Leute wollen wissen, von wem der nette Song ist, der den Clip untermalt. Und weil das so ist, hat man allerschnellstens eine Maxi-CD auf den Markt geworfen, die das Geheimnis lüftet. Es handelt sich um die deutsche Band KENDRIC, die eigentlich wegen Perspektivlosigkeit bereits Anfang 2007 aufgelöst wurde. Als nun aber ein befreundeter Produzent den Song „The Little Things“ für die Lidl-Werbung vorschlug, fand man sich in reduzierter Besetzung wieder zusammen und plant Auftritte und Album für Frühjahr 2009. Na, hoffentlich hält der überraschende Erfolg bis dahin auch an.
Als Einflüsse nennt die Band selbst Bands wie Travis und Oasis, also die großen Brit-Pop-Helden der 90er Jahre. Die Richtung ist ganz grob richtig, allerdings ist die Abmischung weniger kantig und eher seicht, irgendwie Fahrstuhlmusik, die niemandem weh tut. Ein kleines bisschen geht es auch in Richtung Thomas Godoj (wenn dieser Schlagermusik machen würde) oder Orange Blue. Gaaanz entfernt erinnert der Song auch stimmungsmäßig an Melanie Thorntons „Wonderful Dream“ und passt dementsprechend natürlich gut in die Vorweihnachtszeit, was bestimmt für gute Radioeinsätze sorgen wird. Das ist schön anzuhören, die Stimme ist angenehm, die Melodie lieblich und doch vermisst man irgendwas. Klar, dass ein Auftraggeber wie Lidl natürlich den kleinsten gemeinsamen Nenner möchte, der möglichst viele Leute erreicht, aber man hätte ja wenigstens neben der normalen Version und einer Instrumental-Karaoke-Fassung (wohl, weil so kurzfristig kein eigenes Video produziert werden konnte) noch ein bis zwei weitere, interessantere Mixe auf die CD packen können, aber das ging sicher nicht, weil die CD ultraschnell auf den Markt geschmissen wurde, um vom aktuellen Interesse in der Öffentlichkeit zu profitieren. Ob die Band mehr drauf hat und sich längerfristig etablieren kann, werden erst weitere Aufnahmen zeigen, die durchaus ein paar Ecken und Kanten haben dürfen. Diese Maxi-CD hat jedenfalls einen sehr kommerziellen Beigeschmack, möglichst glatt und nicht besonders individuell, sondern auf schnelles Geldverdienen ausgerichtet.
Ob es moralisch einwandfrei ist, für eine Firma wie Lidl, die versucht Betriebsräte zu verhindern und die eigenen Mitarbeiter bespitzelt (hat), Werbung zu machen, muss jeder für sich selbst entscheiden, und dass mir keiner mit „Musik ist unpolitisch“ kommt. Und ja: ich kaufe bei Lidl ein.
Auf jeden Fall haben KENDRIC erstmal einen Fuß in der Tür, nun müssen sie zusehen, dass sie mit guter Musik auch den nächsten Schritt schaffen. (A.P.)

Webadresse der Band: www.myspace.com/kendricmusic

QNTAL - Interview 2008




Interview mit Michael Popp von Qntal zu „Purpurea“, „Translucida“ und mit Estampie zu „Al Andaluz“ und „Vocame“ am 28.11.2008 im K17 Berlin

Backagain: Hallo Michael, ich kann mich erinnern das du mir in der Vergangenheit oft gesagt hast, dass dir die Idee eines Best of Albums missfällt. Nun habt ihr mit „Purpurea“ aber doch eben solch ein Album herausgebracht.

Michael: Oh je ja ich weiß! *lacht* Ich war auch erst von der Idee dieses Albums absolut nicht begeistert. Aber was als Argumente mich umstimmen konnten, war das wir im Ausland mittlerweile durchaus sehr bekannt geworden sind in den letzten Jahren. Es ist da natürlich oft sehr schwer jemandem einen Querschnitt unserer Arbeit zu vermitteln, gut nach 17 Jahren und sechs Alben ist das auch nicht gerade einfach *lächelt*. Um eben jenen Querschnitt vermitteln zu können dient „Purpurea“ als eine Werkschau unseres bisherigen Schaffens. Auch die Idee einer Bonus CD mit unveröffentlichten Stücken sprach mich dann sehr an, so dass ich das okay geben konnte. Nun so viel Mitspracherecht hatten wir da zugegebenermaßen gar nicht, letztlich haben uns Experten *zwinkert* gesagt das müsse jetzt eben sein. Es war aber dann doch sehr spannend, denn es hat Gelegenheit gegeben, das alte Material in Ruhe durchzuhören und auch bewußter anzuhören. Für einen Hörer, der wie du Qntal schon länger kennt, wird es viele Aha -“ Erlebnisse mit „Purpurea“ geben. Für Menschen, die Qntal nicht so gut, oder noch gar nicht kennen, liefert es einen guten Überblick denk ich.

Backagain: Dennoch folgen die Songs ja keiner chronologischen Abfolge auf der CD sondern folgen ihrer eigenen Dramaturgie..

Michael: Ja das stimmt, da gab es viel Überlegungen zu. Natürlich hätten wir chronologisch vorgehen können, aber das wäre mir viel zu akademisch gewesen. So nach dem Motto, so klang Qntal im Jahre - oh nee das hätte uns so gar nicht gefallen! Ich gebe zu, es war in der Tat in der Überlegung und hat viel Diskussion bedurft. Jeder in der Band verbindet mit bestimmten Songs und Alben ganz unterschiedliche Assoziationen. Drei völlig andere Vorstellungen unter einen Hut zu bringen war nicht gerade einfach und so hat sich die Anordnung nach rhythmischen Gesichtspunkten bestimmt am Ende.

Backagain: Die zweite CD besteht aus Remixen und Bonusstücken, wobei ihr keine fremden Remixe benutzt habt, sondern nur eure eigenen. Wieso denn das, ist ja eher unüblich *g*!

Michael: Ja das stimmt, es sind nur Remixe von uns selbst darauf. Wir hatten überlegt ob wir fremde Künstler aus der Szene damit betrauen sollten. Zwar hätte das eine Szenevernetzung gezeigt, aber das einheitliche Bild gesprengt. Es sollte ein einheitliches Bild unserer Arbeit entstehen, was fremde Mixe leicht hätten verändern können. Man kann ja nicht jemanden an sein Material lassen und ihm aber vorschreiben, wie er das aufzufassen und am besten noch zu remixen hat. Also kam die Entscheidung sehr schnell, unsere Remixe einfach selber zu machen. Durch Fil haben wir hier einen Fachmann bei Qntal, er mixt ja ohnehin viele Sachen, so dass sich hier neue Interpretationsweisen ergeben haben. Das war auch das erklärte Ziel unsere Vielschichtigkeit zu zeigen.

Backagain: Wenn man zurück schaut bei euch, dann war euer erstes Album ja noch verdammt experimentell, vielleicht auch Ernst Horn verschuldet, heute hingegen klingt ihr schon ganz anders, vielleicht auch durch Fils zutun?

Michael: Mhmm na ja das erste Album war experimenteller als unsere heutigen Album zumindest im elektronischen Bereich betrachtet- das stimmt. Weißt du als Ernst und ich uns kennen lernten, hatte keiner damit gerechnet, das daraus einmal Qntal entstehen würde. Für Ernst und später für mich war es im Grunde eine Art Seitenprojekt zu Deine Lakaien in gewisser Weise. Hiermit konnte er sich im elektronischen Bereich austoben und ich meine mittelalterlichen Dinge hinzutun. Im Pop bzw. Wave Bereich der Lakaien konnte er sich nicht so freizügig austoben und ich war ja auch eher starr. Dann plötzlich die erste CD Produktion und später dann Qntal II. Mit dem Entschluss das Ernst aufhörte vor Qntal III gab es auch erst einmal eine Lücke für uns, der Abstand von Qntal II zu Qntal III war ja auch entsprechend lange. Ich denke in gewisser Weise war es eine Art Neuanfang, denn jetzt sind wir als Band viel stärker zusammen gewachsen, man kann auf andere Dinge zurückgreifen musikalisch. Wir hätten ja damals mit Qntal III nicht einfach denselben Stil weiterfahren können, sozusagen Ernst Horns Stil mit Fil fahren. Das wäre unspannend gewesen und für die Fans uninteressant. Heute sind wir wie gesagt ganz anders gewachsen, können auf vier gemeinsame Alben zurückschauen, und nehmen uns doch immer viel Freiraum zum Experiment heraus.

Backagain: Gibt es ein Lieblingsstück, oder auch ein Lieblingsalbum?

Michael: Spontan ist das „Ad mortem festinamus“, zumal es damals eigentlich eine Art Missverständnis war. Es war ein Song der für uns ein Experimentierfeld war für das Mittelalter und die Hornsche Elektronik. Da es sich inhaltlich um die Verarbeitung eines Totentanzes ging, haben wir daraus entsprechend ein Tanzstück gemacht. Dieses Stück sprach so viele Mittelalterfans und Gothics an, dass daraus plötzlich ein Clubhit geworden ist. Im Grunde war das wohl ein großes Glück, denn ohne dieses Interesse hätten wir vielleicht aufgehört zu experimentieren und es wäre nicht zur Bandgründung gekommen.
Was das Lieblingsalbum angeht, dass ist Qntal III weil es das spannendste Album war, dass es umzusetzen galt. Wir mussten die Anknüpfung finden an Qntal II und doch was Neues kreieren was in der Neuzeit verankert ist. Das war ein verdammt unsicherer Prozess! Doch das schöne an der schwarzen Szene ist, dass sie uns treu geblieben war. Das war verdammt hilfreich für uns!

Backagain: Gab es denn für dich Highlights in 17 Jahren an die du dich immer wieder erinnerst?

Michael: Mhmm Highlights ist schwierig, es gab so viele und manche verschwimmen auch oder geraten in Vergessenheit mit der Zeit. Mir selber ist eigentlich eines immer deutlicher ins Bewusstsein gekommen in den letzten Jahren, ein persönliches Highlight eigentlich, nämlich das Qntal zu einem wichtigen Teil einer musikalischen Tradition geworden ist. Irgendwie sind wir zu einem stilbildenden Teil der Szene geworden, vielleicht nicht immer deutlich im Vordergrund, aber im Hintergrund hab ich den Eindruck haben wir viel bewirkt. Sowohl auf andere Bands, wie auf Fans und Kritiker haben wir mit den Jahren eine große Wirkung gehabt. Qntal und auch Estampie hatten unterschwelligen Einfluß auf viele Bereiche unserer Szene und das ist ein Gefühl das mich sehr mit Stolz erfüllt!

Backagain: Ich würde gern weg von Purpurea, hin zu Translucida kommen, das elektronischer ist als Silver Swan und doch zurückgreift auf alte Alben finde ich..

Michael: Mhmm das stimmt das Translucia etwas waviger daherkommt. Wir betonen ja mit jedem Album immer verschiedene Aspekte unserer Arbeit. Während Silver Swan eher das romantische Gefühl transportierte, ist Translucida wie gesagt waviger. Ich gebe zu bin eher der Silver Swan Fan, aber es war mit Translucida eine bewusste künstlerische Entscheidung es so zu bauen und die neuen Stücke zeigen eine weitere Facette von Qntal. Ich schätze aber dennoch, dass im neuen Album von Qntal mehr akustische Elemente drin sein werden wieder, sei es durch Perkussion oder ähnliches. Vielleicht rücken die elektronischen Dinge mal in den Hintergrund und die akustischen Instrumente dafür in den Vordergrund. Lasst euch überraschen!

Backagain: Mit Estampie habt ihr euch vor nicht zu langer Zeit nach Andalusien begeben musikalisch, erzähl uns doch mal mehr hierüber!

Michael: Nun mit Estampie ist es ja nicht ungewöhnlich, ich verweise hier nur auf das Marco Polo Projekt, Ethnovermischungen zu machen. Die Musik des Mittelalters mit anderen Kulturkreisen zu verbinden reizt uns sehr und Andalusien war für uns alle von Estampie sehr nahe liegend. Hier mischte sich christliche, jüdische und maurische Kultur während des Mittelalters so stark, das jede Kultur ihre eigenen Stücke des Mittelalters besitzt bzw. besaß.
Der Gedanke an solch ein Projekt war schon sehr alt, jedoch war es glückliche Fügung, dass nach einem Konzert ein Fan mir eine CD von L-™ham de Foc in die Hand drückte. Ich hörte mir ihre Musik sehr aufmerksam an und zwei Wochen später spielten sie in München. Es passte sehr gut, und als ich ihnen von unserer Idee erzählte waren sie sofort begeistert. So entstand letztlich „Al Andaluz Project“ und die CD „Deus et Diabolus“. Es wird auch definitiv eine weitere CD geben!

Backagain: Was für weitere Pläne gibt es denn bei Estampie zu berichten?

Michael: Mhmm na ja wir haben ein ganz neues Projekt gerade mit Namen „Vocame“. Die Idee hierzu entstand auf der Tour mit Unto Ashes, wo uns der Bandchef Michael -“ er ist Antiquariatshändler -“ aufmerksam machte auf eine Dame aus Byzanz mit Namen „Kassia“. Deren aufgeschriebene Sammlungen und Texte wird „Vocame“ bestehend aus Syrah, Sarah und Nathalie von Unto Ashes, Lisa Pawelke von ehemals Faun, Sabine Lutzenberger von Helium Vola und Gerlinde Selmann zusammen einsingen. Insgesamt wird es sicher sehr Choral gehalten sein. Wer unser Estampie Album über Hildegard von Bingen kennt wird sicherlich Ähnlichkeiten entdecken im Gesang. Es ist also immer was zu tun, langweilig wird-™s uns nicht!

Backagain: Und Qntals Pläne, WGT oder gar andere Festivalauftritte?

Michael: Mhmm also zum WGT nächstes Jahr sind wir im Schauspielhaus mit Qntal. Was Festivals angeht, die funktionieren gut im Ausland, aber so großartig denk ich nicht dass wir auf Festivals sind. Mal sehen, die neue Show ist sehr auf Gas geben ausgelegt und das mußt du auf Festivals auch, da ist wenig Zeit für eher ruhigere Stücke meistens, aber sicher ist echt noch nichts in der Richtung.

Backagain: Eure Tour geht nun morgen zu Ende, wie war denn die Tour mit Elane?

Michael: Wir waren auf Elane aufmerksam geworden durch Unto Ashes, denn mit ihnen zusammen hatten Elane eine Tour gemacht. So fragten wir bei Wings of Destiny an und luden sie ein uns zu begleiten. Die Tour mit Ihnen war sowohl musikalisch wie menschlich sehr passend. Musikalisch ist es sich recht ähnlich und menschlich harmonierten wir sehr gut! (Maximilian Nitzschke)

ASP - Akoasma


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Trisol Records

Dieses Jahr lässt sich für die sympathische Frankfurter Band um Namensgeber Asp und Matthias Ambre nur mit einem Song ihres Albums „Zaubererbruder“ zusammenfassen: „Ja, Ja, dreimal Hurra!“ zusammenfassen. Nicht nur, dass jetzt nach etlichen Jahren das von Fans geforderte Live Album „Akoasma“ erscheint. Bereits im Frühjahr enterten sie auf Platz 42 mit „Horror Vacui -“ The Eeriest Tales of ASP“ die Media Control Charts um im August nachzulegen mit Platz 13 mit „Zaubererbruder“. Zur CD „Horror Vacui“ produzierten ASP zum Song „Me“ ein Musikvideo, eine mitreißende kleine Schauergeschichte, die ich getrost schon als Kurzfilm bezeichnen würde. Selber ein Fan von klassischer Stop -“ Motion Technik erinnerte er mich doch an Tim Burtons Filme dieser Art. Aufgrund der häufigen Views war das Video mehrere Wochen auf der Startseite von YouTube und wurde später als „Featured Video“ auf MySpaceTV ausgewählt. Außerdem konnten Fantasy Filmfans deutschlandweit den Film im Rahmen des Fantasy Filmfestes sehen. Damit nicht genug, zahlreiche Titelstorys in Magazinen waren dieses Jahr ASP gewidmet, so nahm der „Sonic Seducer“ die Frankfurter gleich zweimal innerhalb eines Jahres auf den Titel. Das Magazin „Orkus“ widmete ASP eine vierfarbige Sonder Beilage, und auch wir haben uns dieses Jahr intensiv mit ASP befaßt.
Nicht zuletzt live haben ASP dieses Jahr Rekorde für sich selbst aufgestellt, denn neben zahlreichen Festivals wie dem „Mera Luna“, „Summerbreeze“ oder dem „Zita Rock“ folgten zwei ausgiebige Deutschlandtourneen. Im Frühjahr tourte er mit seiner Rockshow zu „Horror Vacui“ und nun im Herbst auf einer komplett ausverkauften (weit über 10.000 Zuschauer!) Unplugged Tour zum „Zaubererbruder“ Album.

ASP ist mittlerweile zum Konzert -“ Tip Nummer 1 innerhalb unserer Szene geworden, denn die Frankfurter sind wahre Live -“ Magier die den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Sekunde zu fesseln wissen und mitnehmen auf eine faszinierende Reise in ihre Gefühlswelt des dunklen Turmes. Sei es nun in den Clubs Deutschlands oder auf den großen Festivalbühnen, man merkt das ASP Perfektionisten sind und jeden der vor ihnen steht begeistern möchten. Mal rockig, mal poetisch und vor allem mit großer Leidenschaft leben sie -“ entgegen jeder anderen Konvention -“ einen Grundgedanken des Independent: Aufrichtigkeit! Genau diese Attitüde zusammen mit einer unverwechselbaren und energiegeladenen Rockshow und obendrein großen musikalischhandwerklichen Qualitäten, bescheren ASP von Tour zu Tour immer neue Zuschauerrekorde. Nach fast einer Dekade ASP war es also mehr als überfällig, dass nach dem Best -“ of Album „Horror Vacui“ und der dazugehörigen Greatest Hits Tournee das erste offizielle Live -“ Album vorgelegt wurde.
Mal wieder als Doppel Album gestaltet, ist es ein Album mit ganzen 23 Hits von „How far would you go“ bis „Ich will brennen“. Einen besonderen Überraschungsduettpartner hat sich ASP mit Lahannya geholt, die ihre Stimme bei „Nie mehr“ hinzugibt und ihn um englische Lyrics erweitert. Ebenfalls zu hören ist natürlich die tragische Ballade „Und wir tanzten“, die Chart -“ Single „Ich bin ein wahrer Satan“ oder ganz aktuell „Krabat“ vom Zaubererbruder Album. Bis zum letztem Atemzug hört man die Power einer Show von und mit ASP, so dass „Akoasma“ für den Hörer ein gelungenes Zeugnis schöpferisch kreativer Livepräsenz einer wirklich großartigen Band darstellt und das warten bis 2009 auf ein neues Album erleichtert! (Maximilian Nitzschke)

OMNIA - Pagan Folk Lore


Erstveröffentlichung: DVD 2008 / Alive

Wenn man wie die niederländische Paganfolkband Omnia eine großartige Liveband ist, und das sind die fünf Omnianer zweifellos, kommt früher oder auch später der Wunsch auf, eine DVD zu produzieren um dies bildlich zu untermalen. Doch wie macht man nun eine DVD so außergewöhnlich, daß sich diese DVD von anderen unterscheidet. Doch Omnia wären kaum Omnia, wenn mit einer DVD Produktion nicht wunderbare Ideen entstanden währen. Die nun vorliegende DVD „Pagan Folk Lore“ ist fürwahr ein kleines Juwel geworden und damit zu etwas Besonderem.

Zunächst einmal, ihre zahlreichen Auftritte zum WGT zeigten daß, können sich Omnia einer sehr treuen und eingeschworenen Fangemeinde sicher sein, und dennoch kam es nicht in Frage einfach ein normales Konzert abzufilmen. Statt dessen luden Omnia in den Niederlanden ein zum „Fairy Ball“ - dem Ball der Elfen. Nicht nur in der Musik von Omnia, sondern auch in ihrer Lebenseinstellung spielt die keltische Mythologie und Elfen eine große Rolle. Der Elfenball war also ein Konzert, bei dem sämtliche Gäste phantasievoll als Elfen gekleidet erschienen. Im Publikum erkennt man auch die ein oder anderen professionellen Tänzer in wundervollen Kostümen. Die Stars der DVD sind also nicht nur Omnia selbst, sondern explizit auch die Fans. Das eigentliche Konzert besteht aus neun Livetiteln von diesem außergewöhnlichem Konzert, sowie noch drei weiteren Songs. Zwei entstanden während des Castle Rock Festivals und einer ist ein Akustiksong. Zusätzlich gibt es Interviews, ein Making Of und ähnliche kleine Leckerbissen, die teilweise ostereiermäßig versteckt sind auf der DVD.

Sehr schön gestaltet ist auch das Booklet zu dieser DVD, denn es ist ein richtiges Märchenbuch mit 48 Seiten. Steve Sics Elfenstory enthält zusätzlich liebevolle Illustrationen von Steve selbst, Miez und Alan Lee. Der Grund, warum ein weltberühmter Fantasy Zeichner und Oscar - Preisträger (für die Konzeptzeichnungen der Trilogie des Herren der Ringe) für Omnia zeichnet liegt in der Familie begründet, er ist Jennys Onkel.
Omnia betrachten diese DVD wie auch ihre CD Alben als ganzheitliche Kunstwerke und gestalteten das Artwork wie ein Buch, ein geheimer Codex der im Inneren noch mehr Geheimnisse verbirgt.

Musikalisch überzeugen die Holländer durch die geschickte Verwebung von Elementen aus römisch - keltischer Zeit, aus dem Mittelalter, Didgeridoo und Harfenklängen. So fangen sie den Hörer und Betrachter dieser DVD sowohl in ruhigen Balladen wie Lewis Carolls „Fairy Tale“, im beginnenden Wahnsinn des Protagonisten in Edgar Allan Poes „The Raven“ oder im wilden Hexentanz aus der Feder Shakespeares bei „Witches Brew“. Es sind aber nicht nur Gedichtsvertonungen, sondern gerade ihre Eigenkompositionen, die mal wild und archaisch und mal ganz leise und sanft sein können, beweisen ihr großes Können. Diese CD ist außerdem ein Zeugnis des Humors von Omnia, aber das seht am besten selbst!
Abschließend kann ich nur sagen, daß ich jedem Paganfolkfan diese DVD nur ans Herz legen kann, da sie ein Juwel darstellt und eine Band in all ihren Facetten zeigt, die mit ihrem Humor, ihrer Art der Musik und nicht zuletzt durch ihren Sinn für Phantasie und die Dinge, die die Natur bereit ist zu schenken immer eines beweisen: das was sie tun und spielen ist nicht nur musikalisches Können, sondern Ausdruck ihrer Selbst und ihres Lebensgefühls!
Auch mir bleibt, ähnlich wie dem Publikum nur abschließend nach sehen und hören der DVD zu rufen: „I believe in Elves!“ (Maximilian Nitzschke)

SCHANDMAUL - Sinnbilder


Erstveröffentlichung: DVD 2008 / F.A.M.E. / Edel

Eigentlich hatte ich mir bei zehn Jahren Schandmaul ja ein richtig hammermäßiges DVD Paket erhofft und freute mich deswegen auch darauf „Sinnbilder“ kritisieren zu dürfen. Jedoch mußte ich beim durchschauen der DVD feststellen, das mich das Gesamtergebnis doch wenig zufrieden gestellt hat. Zehn Jahre Schandmaul, das währe Anlaß gewesen die Jahre Revue ziehen zulassen, Höhepunkte und Tiefschläge der nicht immer nur erfolgreichen Zeit mit Schandmaul aufzuzeigen. Statt dessen bekommen wir aber etwas ganz anderes, das jedoch eher für den totalen Schandmaul - Crack, den für den Fan von Mittelalterfolkrock gedacht zu sein scheint. Ich persönlich mag die Musik von Schandmaul sehr gerne ganz klar, jedoch bietet mir dennoch die DVD zu wenig an. Zehn Jahre Schandmaul wird reflektiert in sechs Filmen. Ein jedes Mitglied der verschworenen Folk Rock Band aus München erhält zum Band Geburtstag ein eigenes Filmchen, über dessen Inhalt er völlig frei bestimmen durfte. Heraus gekommen sind dabei sechs durchaus sehr feinfühlige und personenzentrierte Portraits von unterschiedlichen Menschen, die dennoch durch die Band geeint werden. Jedes der Bandmitglieder läßt einen persönlichen Blick auf das Leben mit und abseits von Schandmaul zu, so sieht man Anna Kränzlein etwa beim Geigenspiel in den heimischen vier Wänden, oder Thomas Lindner in seiner Technikecke im Probenraum. Dennoch so viel sie auch über die Menschen von Schandmaul erzählen, so wenig verraten sie von den Jahren in der Band, Albenproduktionen, Touralltag all die großen und kleinen Momente die eine so gewachsene und sich behauptet habende Band eben hat. Wenn man schon so privat wird, warum zeigt man dann nicht auch frühe Bandfotos, erinnert sich an die allerersten Auftritte, oder auch an das mehr als emotionale Abschiedskonzert in München von Hubsi Widmann. Der Blick zurück hätte für mich auch Selbstkritik bedeutet, denn nicht immer war der Weg in die gedachte Anderswelt so aufstrebend gewesen wie heute!
Den zweiten Teil der DVD macht der Live Auftritt auf dem Wacken Festival 2007 aus. Hier beweisen die Schandmäuler weswegen sie zu dem wurden was sie sind, eine geile Liveband mit emotional starken Songs. Dennoch überzeugt hat mich „Sinnbilder“ leider nicht, was wirklich schade ist für eine Band, die es doch nicht nötig hätte einen Lückenfüller nur für eingefleischteste Fans zu produzieren. Dann hätte ich doch gewartet, bis nächstes Jahr das Jubiläumskonzert auf DVD erscheint und die Filme als Bonus hierauf getan, das hätte meines Erachtens ein runderes Fanpaket ergeben! (Maximilian Nitzschke)

MONO INC - Pain Love & Poetry


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Nocut / twilight-Vertrieb

Süße Düsterkeit und himmelhohe Freude

Das neue Album der Gothic Rockband Mono Inc hat es in sich,
schwere bitter süße Balladen, harter Sound geniale Gitarren und dazu dann noch ein klangvolles und Virtuoses Pianospiel.

Wenn ich mir dieses Album der Band so anschaue stellt sich mir die Frage, „ geht es noch besser“? Denn Mono Inc zeigen auf ihrem neuen Album alles was man als Zuhörer haben möchte.

Klangvolle Balladen die den Zuhörer auf eine Reise in das Emotionale Zentrum der Band mitnehmen, kraftvolle Gothrocknummern die das ganze aber auch wieder auflockern. Die Schwere der Balladen, ist die Tür zu der Band denn auf Nummern wie „ Sleeping My Day Away oder auch Pain Machine zeigen Sie ein Eindrucksvolles Spiel aus Stimmlichem Können und Virtuoser Instumentalbeherrschung.

Zudem besticht dieses Album durch seine klare Linie und das Zusammenspiel der Musiker, denn dieses ist äußerst virtuos. Denn wenn man sich als Zuhörer mal ein bisschen Zeit nimmt sich diese Songs in Ruhe anzuhören, findet man auch so den einen oder anderen Denkanstoß. Welche sich nahtlos zu den kräftigen Nummern fügen. Eine der kraftvollen Nummern ist „Blood Moon“ welcher beim ersten hinhören durchaus brachial daherkommt. Aber beim längeren zuhören auch seine denkenden Seiten entpuppt. Dem Zuhörer wird es auf dem Album PAIN LOVE & POETRY sicher nicht langweilig denn das Zusammenspiel aus Instrumentaler Untermalung und Vertonung ist fast schon ein bisschen unheimlich. Ein Album wie PAIN LOVE & POETRY findet man nur ganz selten da ich der Meinung bin das solch eine Kunst sehr rar ist und man ein solches Werk werk der Musik unbedingt besitzen sollte.

Eine Kombo wie Mono Inc die sich in den letzten Jahren sich durch einige schwere Situationen manövrieren musste zeigt das man auch an den Schwierigkeiten wachsen kann und seine Gefühle Gedanken und Emotionen auch auf solch beeindruckende Weise dem Zuhörer mitteilen kann. Denn wie gesagt von bitter süßem Schmerz bishin zu beinahe extatischer Freude ist auf dem Album dem Hörer alles geboten.

Mono Inc haben sich mit PAIN LOVE & POETRY ganz sicher einen Platz auf dem Olymp verdient denn solche Musik findet man nur ganz selten und wenn man sie findet tut man sehr gut daran sie nicht mehr aus seinem Kopf und seinem Herzen weichen zu lassen.

Ein geniales Stück Musik und eine wunderschöne Hommage an die Dunkelheit und an die süße dessen was die Dunkelheit einem geben kann und auf dieser Platte auch macht. (Marco Andreas Hinkel)

WHISPERS IN THE SHADOW - Into The Arms Of Chaos


Erstveröffentlichung: DVD + Audio-CD 2008 / Echozone / Sony/BMG / BM08C192

Wer wie ich die Entwicklung von WHISPERS IN THE SHADOW aus Österreich seit dem ersten Album verfolgt hat, wurde immer wieder überrascht. Angefangen hat die Gruppe als Cure-Cover-Band, schrieb dann eigene Stück im ähnlichen Stil und entwickelt sich immer weiter von den großen Vorbildern weg zu einer Mischung aus Gothic, Wave und Alternative-Rock. Nun liegt das fünfte reguläre Album seit 1997 vor und das hat es in sich. Mal abgesehen davon, dass ich die „limited Edition“ mit DVD und in DVD-Box + 12-seitigem Booklet besprechen darf, hat die Gruppe um Sänger/Gitarrist Ashley Dayour sich wieder einmal weiter entwickelt. Der große Fixpunkt ist diesmal das Thema Gothic-Rock, wobei der eigene Stil der Gruppe im Mittelpunkt steht und sich durch Einflüsse verschiedener alter Helden wie Field Of The Nephilim („The Arrival“) über Play Dead/Killing Joke („Killing Time“) bis hin zu Public Image Ltd. („Damned Nation“) stärkt. Da man mit John A. Rivers einen echten Altmeisters als Produzenten gewinnen konnte (Dead Can Dance, Love & Rockets, Felt, Eyeless In Gaza, Clan Of Xymox und und und), darf man sich auch auf eine perfekte Produktion freuen, die sicher auch dazu beiträgt, dass der eine oder andere Song in die wenigen Clubs einzieht, in denen noch Gothic-Rock gespielt wird. Das ist leider nicht mehr oft der Fall, Gothic-Rock im ursprünglichen Sinne scheint derzeit kaum angesagt zu sein und so muss man hoffen, dass trotzdem genügend Leute Interesse für das Album zeigen, denn geboten wird so einiges…
Gleich der Opener „The Arrival“ ist ein sehr spannendes Stück. Musikalisch stark an die alten Fields Of The Nephilim angelehnt, ist der Gesang doch klar WHISPERS IN THE SHADOW, vielleicht eine Spur rotziger, als bisher. Auf jeden Fall ist das eine ziemlich starke, kraftvolle Eröffnung des neuen Albums. Es folgen jede Menge Tracks, die einerseits ziemlich eigenständig sind, andererseits aber die Old School-Fans nicht verprellen, die Mischung stimmt einfach. Ob die Band mit dieser Mischung, düsterer und hier und da auch härter als je zuvor, ein breites Underground-Publikum erreicht, mag ich nicht beurteilen, dafür bin ich zu sehr aus der Szene heraus, aber wünschen würde ich es mir, denn qualitativ wird hier hohes Niveau abgeliefert.
Das Artwork ist mit persönlich eine Spur zu „metallig“, kombiniert mit der Optik der ersten Phase von Garden Of Delight oder auch den früheren Fields Of The Nephilim-Alben. Auch mit den okkulten textlichen Inhalten (wenn man denn dem Waschzettel glauben darf) kann ich eher wenig anfangen, aber das ist sicher Geschmackssache. Ansonsten gibt es hier aber ein sehr schönes, gitarrenorientiertes Gothic-Rock-Album zu hören, das geschickt alte Einflüsse und eigenen Stil miteinander verbindet. Wenn es hilft, diese, derzeit leider am Boden liegende, Musik am Leben zu erhalten, ist schon viel gewonnen.
Die DVD der Special Edition enthält einen 45-minütigen Liveauftritt der Band in Wien von Februar 2008, sowie eine 35-minütige Dokumentation über die Gruppe mit Interviews und „Behind the scenes“-Footage. Ein „Rundum-Wohlfühl-Paket“ also, bei dem man kaum etwas falsch machen kann. (A.P.)

Webadresse der Band: www.noizeart.com

INDUSTRIEGEBIET - Hodenkapsel


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Körperschall Records/Echozone / BobMedia / BM08C189

Seit Computer immer billiger geworden und die passenden Musikprogramme leicht zu bedienen sind, ist es für Musiker im elektronischen Bereich immer einfacher geworden, ihre Ideen qualitativ hochwertig umzusetzen. Das ist jetzt gar nicht mal allzu kritisch gemeint, denn überhaupt was Kreatives zu machen ist allemal besser, als nur zu konsumieren. Vor allem in den 90er Jahren, als Düster-Electro und Power-Electronics richtig angesagt waren, kam dann allerdings jede Menge Kram auf den Markt, der weit unterdurchschnittlich war und nur bereits Bekanntes kopierte. Das hat sich inzwischen glücklicherweise ein wenig gebessert, auch, wenn immer noch viel Kram erscheint, der es in den 80ern und frühen 90ern kaum auf die weit verbreiteten Tapesampler geschafft hätte. Und da tauchen plötzlich wie aus dem Nichts INDUSTRIEGEBIET mit ihrem Debutalbum „Hodenkapsel“ auf (hmmm, ein Konzeptalbum ist das nicht und einen Song mit dem Titel gibt es auch nicht, und provozieren tut das sowieso niemanden mehr, also welchen Sinn hat dieser Albumtitel?) und ich habe mich auf eine gelangweilte bis verreißende Kritik vorbereitet. Schon die Bilder von halbnackten, blutbeschmierten Kerlen (oder ist das eine eine Frau?) im Booklet lassen schlimmes erahnen, doch soweit kommt es gar nicht. Liest man einige Songtitel wie „Jesus Christus Schluckt“, „Musikalische Früherziehung“ oder auch „Sex Mit Einer Leiche“, so darf man als Zyniker durchaus auf entweder extrem klischeehafte Tracks hoffen, die man dann schön niedermachen kann, oder auf eine gesunde Portion Humor. Und ganz klar, letzteres ist der Fall! Die beiden INDUSTRIEGEBIETler scheinen eine gesunde Selbstironie zu haben und übertreiben die Szene-Klischees sehr schön. Hier gibt es durchaus Parallelen zu Elesde oder in jüngerer Zeit Soko Friedhof, auch musikalisch. Die Tracks sind extrem tanzbarer Electro-dustrial, der gerne auch mal an Acts wie Dive, Nobdrun oder Noisex erinnert und sicher für einige Bewegung in den Clubs sorgen wird. Dazu gibt es vor allem Stimmsamples aus Filmen, die das klischeehafte noch ordentlich auf die Spitze treiben. „Sex Mit Einer Leiche“ dürfte einer der kommenden Clubhits der Saison sein. Wenn ich das alles also nicht völlig fehl interpretiere, sind hier zwei Leute am Werk, die Spaß an der Szene haben und durchaus kraftvollen Electro-Sound abliefern, der das alles mit einem Augenzwinkern sieht. Da in den Clubs eher nicht auf die Texte geachtet wird, wird sich wohl kaum ein Grufti angegriffen fühlen und die DJs werden mit der CD ihre Freude haben. Für zu Hause ist das eher nicht so das Richtige, aber das gibt der Text im Waschzettel auch unumwunden zu.
Sehr schön ist auch der Videoclip von „Sex Mit Einer Leiche“, den es auf der Bandwebsite und You Tube zu sehen gibt, wurden hier doch sehr nette Aufnahmen eines „Zombie Walks“ verwendet (wer nicht weiß, was das ist, gebe bei You Tube mal „Zombie Walk“ ins Suchfeld ein). (A.P.)

Webadresse der Band: www.myspace.com/industriegebiet

GUNS ON THE ROOF - New Frustration


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Glory Glory Records / Radar

Das ist nett, die Bandmitglieder beziehen ihre Einflüsse laut Waschzettel aus der Plattensammlung ihrer Eltern. Was früher mal wirklich schlimm gewesen wäre (so in den 70er bis 90er Jahren), kann 2008 ganz interessant sein, wenn die Alten so um die 40 bis 50 Jahre sind und die gute alte Punk- und New Wave-Zeit miterlebt haben. Trotzdem hat so eine Aussage natürlich etwas ungemein spießiges, denn wer will schon so, wie seine Eltern werden? Nun, im Falle der Engländer GUNS ON THE ROOF kann man diese reaktionäre Haltung verzeihen, orientieren die jungen Leute sich doch tatsächlich an einigen Klassikern des Punk Rock der ersten und zweiten Welle - The Clash, Stiff Little Fingers…- , natürlich vermischt mit den heute erfolgreichen Bands wie Green Day, Bad Religion oder Rancid – wobei Bad Religion ja selbst eine „alte“ Band ist.
Das alles rockt dann auch gut los, inklusive Chorgesang, ein paar Parolen, gutem Sound, Mitgröhl-Melodien und einer Menge Energie, die aber wohl vor allem auf der Bühne ordentlich rüberkommt. Mit „Last Orders“, vorher schon auf einer EP veröffentlicht, kann die Band etwas vorweisen, was das Zeug zum Klassiker hat.
Mit einer Menge alter Helden sind die Jungs auch schon aufgetreten, so den Misfits, Stiff Little Fingers, Anti Nowhere League, U.K. Subs, den Meteors und anderen. Dass hier und da auch eine Spur Tote Hosen anklingt, stört nicht weiter. Weniger aufregend wird es, wenn, wie in „So Tired“, beziehungsweise insgesamt zur Mitte des Albums, auch mal ein bisschen Metal-Gepose durchkommt. Das Ganze wird ohne Pause durchgebrettert, so dass Luftholen kaum möglich ist.
Nein, den klassischen Punk Rock erfinden GUNS ON THE ROOF nicht neu, aber das wollen sie auch gar nicht. So auf CD machen sie ihre Sache schon mal richtig gut, Live dürfte das aber erst richtig Spaß machen. Dieser Sound ist eben wirklich unsterblich geworden und wird auch noch in 50 Jahren neue Bands inspirieren. Mit ihrer zweiten Veröffentlichung geben GUNS ON THE ROOF jedenfalls ihr passendes Statement zur Zeit ab. (A.P.)

Webadresse der Band: www.gunsontheroof.com

RED BUTTON - Immortal


Erstveröffentlichung: CD-EP 2008 / SonicSound / Radar / ssm-02

Drei Jungs und ein Mädchen, alle gerade so über die 20 Jahre alt, nennen sich RED BUTTON und legen eine CD mit fünf ordentlich losrockenden Songs vor. Das Releaseinfo nennt die Musik „Alternative-Punkrock“, was man durchgehen lassen kann. Gut, wie Punks sehen die vier nicht gerade aus, Jeans, T-Shirt, Turnschuhe, so geht man auch am zweiten Weihnachtstag zu Oma zum Feiertagskaffee, aber das mach ja erstmal nichts. Musikalisch geht es schon deutlich in eine recht eingängige Punkrock-Richtung, wobei vor allem die Stimme der Sängerin dabei sehr angenehm ist. Dadurch erinnert das auch immer wieder an die guten alten Swoons, die allerdings Anfang der 90er schon durch die Lande tourten, als RED BUTTON noch nicht mal in der Schule waren. Das zeigt aber auch, dass dieser solide Punkrock, tatsächlich mit einigen Alternative Rock-Anleihen, zeitlos ist und gute Melodien immer eine Daseinsberechtigung haben. Das Rad hat die Gruppe aber natürlich nicht neu erfunden, wollte sie aber wohl auch nicht. Live im örtlichen Jugendzentrum macht das bestimmt richtig Spaß. Solide CD mit furchtbar buntem Artwork. (A.P.)

Webadresse der Band: www.red-button.de

BLACK CURRANT - This Could Be A Symphony


Erstveröffentlichung: CD-EP 2008 / 1906 Records / Radar

Wieder einmal eine Alternative/Indie-Rock-Band praktisch aus dem Nichts, die hier ihre Debüt-CD vorgelegt hat. BLACK CURRANT sind vier junge Kerle aus der Gegend um Bonn und liefern ein sehr interessantes Werk ab, beeinflusst sicherlich vom typischen Alternative Rock, aber ein bisschen auch von Brit-Pop. Eingängig ist das alles schon, ohne jedoch allzu seicht zu werden. Die Gitarren stehen absolut im Vordergrund, wobei einige Parts wirklich großartig sind, andere aber wiederum an übelsten 70er Jahre-Rock erinnern. Seltsame Mischung, alles ein bisschen melancholisch, aber nicht düster. Ich kann mich nicht so ganz entscheiden, ob ich das alles nun richtig gut finde oder eben nur ganz okay. Zumindest liefert BLACK CURRANT eine ziemlich eigene Mischung ab, die kaum mit anderen Bands vergleichbar ist und das ist auf jeden Fall positiv. Mit gerade mal vier Songs wird es auf jeden Fall auch nicht langweilig. Sehr gut gefällt mir das minimalistische, aber doch atmosphärische Coverartwork. (A.P.)

Webadresse der Band: www.myspace.com/blackcurrant06

SCREAM SILENCE - Apathology


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Plainsong Records / Al!ve / psr011

Seit Mitte/Ende der 90er Jahre wandelt die Berliner Band SCREAM SILENCE nun schon durch die deutsche Gothic- und Dark Wave-Szene. Anfangs war die Gruppe noch stark beeinflusst von Bands wie Dreadful Shadows und Love Like Blood, inzwischen hat sich innerhalb von sieben Alben aber doch ein recht eigener Stil entwickelt, der neben reinen Gothic Rock auch Einflüsse vom Dark Wave und hin und wieder etwas Metal zulässt. So kann man das, was die Band nun auf „Apathology“ abliefert wohl eher als Dark Rock als Gothic beschreiben. Auf jeden Fall hat SCREAM SILENCE die anfänglichen Vorbilder längst überlebt und sich einen mehr als guten Namen in der Szene gemacht. Der düstere Gitarren Rock ist meist recht eingängig, allerdings hat sich bei mir auch nach mehrmaligem Hören kein richtiger Hit gezeigt, vielmehr erscheint das Album, wie aus einem Guss, wobei in den verschiedenen Songs immer mal unterschiedliche Einflüsse im Vordergrund stehen. Ursprünglichen Gothic Rock gibt es kaum noch zu hören, aber das scheint derzeit in der Underground-Musik-Szene sowieso nicht angesagt zu sein. Den Nerv der jetzigen Düster-Szene dürften SCREAM SILENCE aber sicher treffen. Anspieltipp und sicher einer der kommenden Clubhits ist das hymnische „And This Is What We Left Behind“ mit einer ordentlichen Portion New Wave in der Produktion. Überhaupt muss man sagen, dass dieses Album sehr gut produziert ist. Alles in allem also eine der erfreulicheren Erscheinungen in der heutigen, meist uninteressanten Dark Wave-Szene. (A.P.)

Webadresse der Band: www.screamsilence.de

DORRN - Sweet Borderliner


Erstveröffentlichung: CD 2008 / STF Records / M-Sytem / STF073CD

Eine Hamburger Band auf STF Records, dem Label, das eigentlich überwiegend für Metal-Veröffentlichungen bekannt ist. Nun, Metal liefern DORRN irgendwie auch ab, allerdings mit einer gehören Portion Alternative Rock und Hardcore vermischt, und sogar kleine Hip Hop-/Rap-Einlagen gibt es zu bestaunen. Dabei lebt die Band vorwiegend vom Gesang der Sängerin Jackie, die zum einen richtig dreckig klingen kann, aber durchaus auch richtig gut singt. Mit dieser Mischung heben sich DORRN zumindest etwas aus der Masse der Metalbands positiv ab und dürften vor allem live ziemlich überzeugen. Aufgrund der zahlreichen Einflüsse und des Vermeidens von allzu vielen Klischees, kann sogar ich der CD ein bisschen was abgewinnen, auch wenn ich nun sicher nicht Fan solcher Klänge werde. Dafür gibt es aber noch ein ziemlich gutes Coverartwork. Anspieltipp: „I Start With You“. (A.P.)

Webadresse der Band: www.dorrn.de

RANDOM SHOT - Megalomania


Erstveröffentlichung: CD 2007 / Lady Records

Junge Bands gibt es viele, aber dass die drei Jungs und das Mädchen von RANDOM SHOT beim Einspielen dieser CD alle noch unter 20 waren, teilweise sogar noch nicht mal 18, hört man der Musik wirklich nicht an. Das klingt songtechnisch und auch von der Produktion her doch nach viel mehr Erfahrung. Respekt!
Musikalisch geht es in Richtung einer Mischung aus Alternative Rock und Metal, wobei man für diese Art Sound aber doch keine neue Schublade erfinden muss, wie uns der Waschzettel weismachen will.
Wenn man allerdings das Bandfoto sieht und dort besonders die Sängerin/Gitarristin, dann traut man ihr eine derart rotzige Stimme kaum zu. Da fällt der zweite Sänger dann doch ein bisschen ab. Dazu gibt es saubere Melodien, die auch das Zeug haben, eine breitere Hörerschaft zu erreichen.
Problem ist nur, dass ich persönlich mit dieser Art Musik wenig anfangen kann. Wer da aber weniger Berührungsängste hat, sollte mal reinhören, denn da steckt bestimmt noch eine ganze Menge mehr Potential drin, wenn die Bandmitglieder schon so früh so was abliefern. (A.P.)

Webadresse der Band: www.lady-records.de

RANDALE - Der Hardrockhase Harald


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Newtone / 81102

Schon drei CDs lang liefert die Bielefelder Band RANDALE Pop- und Rockmusik für Kinder ab, die jenseits aller Klischees die Leidenschaft jüngerer Kinder für diese Art Musik bedient und ernst nimmt. Da wird alltägliches in der Sprache besungen, die Kinder heute wirklich sprechen und verstehen und nicht so, wie Sänger, deren Kinder vielleicht in den 70er Jahren mal klein waren, sich das vorstellen. Diesmal geht es inhaltlich wieder um den Bielefelder Heimat-Tierpark Olderdissen, genauer gesagt um die Tiere, die dort leben. Musikalisch bewegt die Band aus gestandenen Rockmusikern sich wieder durch alle möglichen Genres von Pop und Rock über Ska und Hard-Rock bis hin zu Punk und Country, wobei die Umsetzung und Produktion natürlich kindgerecht sind, das heißt, es werden nicht unbedingt alle extremen Möglichkeiten der einzelnen Stile bis zum letzten ausgereizt und der Gesang bleibt immer so, dass man die Texte gut versteht und mitsingen kann.
Klar, die meisten Kinder kann man vor allem live auch mit den üblichen Kinderliedermachern begeistern, aber der große Unterschied bei RANDALE ist, dass auf CD und besonders auch live ALLE Familienmitglieder hier Spaß haben. Melodien, wie man sie teilweise auch von den Ärzten kennt, eine Menge Humor und ganz viel Liebe zu Kindern und Musik stecken auch wieder in dieser CD. Und das sage ich als 38jähriger, der selber keine Kinder hat. Macht einfach Spaß.

Webadresse der Band: www.randale-musik.de

ZEITLOOP - Marrakesch


Erstveröffentlichung: CD 2004 / Fünfundvierzig / Indigo

Als ich mich vor dem ersten Anhören dieser CD erstmal im Internet ein bisschen schlau gemacht habe, was mich denn in etwa erwarten würde, bekam ich einen Schreck. Von Psychedelia, Spacerock, frühe Pink Floyd, Jazz und ähnlichen Einflüssen war da die Rede. Nicht gerade meine Welt. Ganz so „schlimm“ kommt es dann aber doch nicht. Klar, hier sind Leute am Werk, die den 70er Jahre Progressive Rock mögen und sicher auch ein Faible für so eine Art Rock-Opern haben, und außerdem konnte man Damo Suzuki als Gast gewinnen. Aber letztlich hält man sich doch überwiegend an klassische Songstrukturen und improvisiert nicht einfach nur ziellos vor sich hin. Die genannten Einflüsse sind allesamt vorhanden, soweit ich das beurteilen kann, aber hörbar bleibt das Album dennoch und klingt auch nicht altmodisch. Mein Fall ist es trotzdem nicht. (A.P.)

Webadresse der Band: www.zeitloop.de

CURIOUS - Arrhythmia


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Sonorium / Al!ve

Tja, wer sich CURIOUS nennt und vor einigen Jahren mal als Cure-Coverband angefangen hat, kommt um die Nennung dieser großen Band um Robert Smith auch in der Besprechung des zweiten eigenen Albums nicht herum. Die Veröffentlichung des Debüts „The Intimate Stranger“ auf Genetic Music ist nun auch schon vier Jahre her und inzwischen ist man beim Sonorium-Label gelandet und befindet sich dort mit Labelkollegen wie The Cold, Cream VIII und Reptyle in guter und passender Gesellschaft. „The Intimate Stranger“ konnte auf jeden Fall schon eine Menge Aufmerksamkeit erregen und war ein wirklich gutes Gitarren Wave-Album, das seine Wurzeln nicht verleugnete.
Bereits mit dem online (und auf diversen Samplern) veröffentlichten Song „Thrill B“ zeigten CURIOUS aber eine deutliche Weiterentwicklung zu einem eigenen Stil, der immer noch klar auf dem guten alten Wave basiert, aber durchaus auch einige Alternative-Einflüsse zulässt. Das Soundgewand ist insgesamt moderner geworden und so dürfte die Band mit „Arrhytmia“ eine Menge neue Fans hinzugewonnen, wobei die alten aber keineswegs verprellt werden. CURIOUS haben es hier wirklich geschafft, sich gut zu positionieren und so sollte die Band problemlos ihren Bekanntheitsgrad, vor allem natürlich in der schwarzen Szene, erweitern können. Die Stimme von Sänger Oliver ist so ziemlich das einzige, was noch an die alten Vorbilder erinnert.
Beeindruckend ist, dass die Songs so gut produziert sind (lediglich hier und da wäre noch etwas mehr „wummmms“ schön gewesen), dass jedes der sechs Bandmitglieder gleichberechtigt erscheint, das ist bei weitem nicht bei jeder neuen Veröffentlichung der Fall.
Bei den ersten paar Durchläufen des Albums habe ich zwar noch keinen Überhit wie „Thought Of Angels“ vom Debüt entdeckt, dafür lässt sich „Arrhythmia“ aber perfekt in einem Rutsch durchhören, ohne jeden Ausfall. Single-Potential in einer remixten Form hat aber auf jeden Fall „To Run With The Hare And Hunt With The Hounds“. “J. Mary (Sweetheart)“ ist ebenfalls ein echter Ohrwurm, der bestimmt viele alte The Essence-Fans erfreuen wird. Die Online-Vorabsingle “Days” findet sich natürlich ebenso auf dem Album, wie das bereits erwähnte “Thrill B”. Keine Ahnung, ob die CURIOUS-Leute es gerne lesen werden, aber der ganze Weg der Band ähnelt sehr dem von The Cold und den Österreichern Whispers In The Shadow, und wohin das führen kann, sieht man ja an deren wirklich schönen aktuellen Album „Into The Arms Of Chaos“. Wer also wieder einmal guten Old-School-Wave, der aber nicht altmodisch klingt, hören will, macht mit CURIOUS definitiv nichts falsch. Hoffentlich dauert es nicht wieder vier Jahre bis zum nächsten Album. (A.P.)

Webadresse der Band: www.curious-music.de

THE DETECTORS - Twentyone Days


Erstveröffentlichung: CD 2008 / True Rebel Music / New Music Distribution

Der True Rebel Store in Hamburg-Altona ist ein Laden, der neben Klamotten auch alles mögliche sonstige an Ausstattung für Punks und Bundesgenossen anbietet. Nun also auch ein eigenes Label, auf dem das Debütalbum von THE DETECTORS aus Neumünster (nördlich von Hamburg) erscheint. Der Bandname erinnert sehr stark an Gruppen der ersten und zweiten Punkwelle von 1976 bis 1980 und damit liegt man auch nicht ganz falsch. Geboten wird kraftvoller Punk-Rock, oder auch: Street-Punk, wie die Selbstbeschreibung lautet. Dabei kommen sowohl alte, als auch aktuelle Vorbilder zum Vorschein, das Ganze schön melodiös aufbereitet und eine Prise Hardcore dazu, so dass sowohl Iro- und Nietenlederjacken-, als auch Parka-Träger im stickigen, verqualmten Club beim Pogo und Biervernichten ihren Spaß haben werden. Klar, das sind Klischees, aber darin steckt ja immer auch ein bisschen Wahrheit und als ich noch etwas jünger und weniger gebrechlich war, habe ich unzählige solcher Abende erlebt und immer höllisch viel Spaß gehabt. Und damit das auch so bleibt, sind Bands wie THE DETECTORS immer noch wichtig. Spaß macht das sowieso, sowohl auf CD, als auch auf Vinyl. Die CD enthält als kleines Schmankerl noch einen richtig gut gemachten Videoclip, was ja bei Punkbands auch nicht immer der Fall ist. (A.P.)

Webadresse der Band: www.detectors.co.nr

PSYCHOLAB - Re-Access


Erstveröffentlichung: CD-R 2003 / Eigenveröffentlichung

Aus der gleichen Schmiede wie die Bands und Projekte The Surreal Funfair, Sick und Chromatron stammt PSYCHOLAB, nämlich vom stets umtriebigen Sascha Beyer aus Berlin. Seit Ende der 80er Jahre macht er Musik und veröffentlicht seine Musik weitgehend selbst auf (früher) Tapes und CD-Rs. PSYCHOLAB ist (oder war?) eines dieser Projekte. Hier gibt es eine Art schrägen (Dark-)Wave zu hören, der Mitte der 80er Jahre auf Vinyl veröffentlicht vielleicht zu einem gesuchten Sammlerstück geworden wäre. Mit überwiegend elektronischem Instrumentarium und glockenklaren Frauengesang, der hier und da an 24 Hours erinnert werden vier kleine Songperlen abgeliefert, die neben den erwähnten Waveeinflüssen durchaus auch modernere Elemente aufnehmen. Aufgrund des Gesangs hätte das auch gut auf 90er Jahre-Labels wie Hyperium oder Strange Ways gepasst. Gefällt mir gut, scheint aber leider ein einmaliges Projekt geblieben zu sein. (A.P.)

Webadresse der Band: www.myspace.com/thesurrealfunfair

INFINITE HORIZON - Mind Passages


Erstveröffentlichung: CD 2005 / TTS Media Music / Al!ve

“Mind Passage” war 2005 die dritte Veröffentlichung der deutschen Band INFINITE HORIZON. Im Info wird der Stil der Band als „Progressive Metal“ bezeichnet, was wohl auch nicht so ganz falsch ist, denn die Einflüsse der Band stammen ganz offensichtlich vom groß angelegten Symphonic Rock der 70er Jahre, inklusive ellenlanger Gitarrensoli. Dabei war bei Erscheinungstermin des Albums noch kein Bandmitglied 30. Mit der ansonsten heute so verbreiteten harten Death-, Grind- oder Trash-Metal-Szene hat die Gruppe so gar nichts zu tun. Wenn man will, darf man das auch Fantasy-Metal nennen, vor allem im konzeptuell gestalteten zweiten Teil der CD, der in 5 Teilen eine zusammenhängende Geschichte erzählt, während die erste Hälfte des Albums die einzeln stehenden Songs abliefert. Dazu gibt es noch eine Neuaufnahme von „The Reaper“, das vorher nur auf einer längst vergriffenen Veröffentlichung zu finden war.
Technisch ist das alles solide eingespielt und nervt auch nicht allzu sehr durch schlechten Gesang, aber mit den 70er Jahren kann ich gar nichts anfangen, was jeder verstehen wird, der wie ich in dieser Zeit aufgewachsen ist. Und eben dieses schreckliche Jahrzehnt (musikalisch und modetechnisch gesehen – Punk war ja eigentlich schon der Aufbruch in die 80er und zählt deshalb nicht so richtig dazu) tropft in jedem Moment aus jedem Song von „Mind Passages“. Wer aber auf Rock-Opern und Progressive-Metal steht, kann hier gerne zugreifen. (A.P.)

SUPERSKANK - Radio Trottoir


Erstveröffentlichung: CD 2006 / Skank Records / Al!ve

Das zweite Album der deutschen Band SUPERSKANK…was soll man dazu groß schreiben? Natürlich gibt es wieder 12 Songs lang kräftig Ska auf die Mütze, wobei diverse Einflüsse von Punk bis osteuropäischer Folklore gleich mit verbraten werden. Textlich ziemlich intelligent und klar antifaschistisch und gesellschaftskritisch. Dabei kommt der Spaß aber nie zu kurz und es darf auch mal ein bisschen albern werden.
Im Ska noch viel Neues machen, ist wohl kaum möglich, insofern liefern SUPERSKANK ein rundum solides Album ab, das absolut auch Partypotential hat.
Als Bonus gibt es auf der CD noch ein kurzes, ziemlich witziges Animationsvideo. (A.P.)

QUANTUM DUB - The First Mixes


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Echozone / Bob Media

Ist das nun eine geniale Idee oder ein Affront gegen alle Musiker? QUANTUM DUB ist ein Produzentenduo, das unter diesem Namen allen möglichen Musikern Remixarbeit anbietet. Nun haben die beiden eine ganze CD unter ihrem Namen veröffentlicht, wobei aber nur zwei Stücke selbst von den Musikern stammen. Einer davon ist zudem noch eine Coverversion.
Nehmen die Remixer sich jetzt wichtiger, als die Musiker, deren Songs sie bearbeiten? Darüber kann man sicherlich lange diskutieren.
Klar ist auf jeden Fall, dass das Konzept eines Samplers mit verschiedenen Bands, der nur Remixe eines Produzenten-Duos enthält, recht interessant ist. Und die beteiligten Bands werden ja sicher ihre Zustimmung gegeben haben. Neben dem einzigen eigenen Stück „Karma Planet“ (unter dem Projektnamen UR) und dem Depeche Mode-Cover „Stripped“ (als QUANTUM DUB – völlig überflüssig), werden 8 weitere Tracks von insgesamt sieben Bands und Projekten aus dem Electrobereich remixt, wobei OBSC(y)RE und !DISTAIN sicherlich die bekanntesten sind. Dazu tauchen noch Tracks von DEADLINE PROJECT, COLOR THEORY, DIERDRE, WAITING FOR WORDS und KEN FREEMAN auf. Allen gemeinsam ist, dass es sich in den QUANTUM DUB-Bearbeitungen im weitesten Sinne um Synthie Pop handelt, der seine Vorbilder in den 80er Jahren findet. Dabei werden aber gerne auch moderne Techno-Einflüsse und auch experimentelle Sounds benutzt, so dass die meisten Remixe durchaus in Ordnung gehen. Da ich ehrlich gesagt die Originaltracks nicht kenne, kann ich nicht sagen, wie nah oder fern davon die Remixe einzuordnen sind. Interessant ist auf jeden Fall das Stück „Aus Der Traum“ von OBSC(y)RE, das gleich zweimal bearbeitet wurde, und zwar zunächst mit 130 bpm und dann mit 65 bpm. Da zeigt sich, wie unterschiedlich Remixe ausfallen können. Recht spannend ist auch das Stück „Firefly“ von Deirdre, das ein bisschen an Gitane DeMone erinnert. Mehr hören würde ich gerne auch mal von KEN FREEMAN, der wohl seit den frühen 60er Jahren viel als Komponist für TV-Serien und –Sendungen gearbeitet hat. Unter anderem hat er die Musik zu „Tripods“ (dt: „Die dreibeinigen Herrscher“) komponiert, die hier auf der CD bearbeitet wird..
Alles in allem also ein (fast) neuartiges Projekt, aus dessen Idee man aber sicher noch mehr herausholen könnte. Wie gesagt: so lange die Studiomenschen sich nicht selber wichtiger nehmen, als die Musiker. (A.P.)

PATER NEMBROT - Mandria


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Go Down Records / Radar

Seltsamer Name für eine italienische Band, erinnert irgendwie an den mystischen, biblischen Jäger und König Nimrod. Im Waschzettel steht was von „Rock/Stoner“ als Stil für die Band und da liegt man wohl auch ganz richtig. Das Ganze verschmolzen mit einer ordentlichen Portion 70s Progressive-Rock und sehr Lo-Fi und trocken produziert, wodurch alles recht dreckig (im positiven Sinne) klingt. Nicht unbedingt meine Lieblingsmusik, aber durch den italienischen Gesang doch irgendwie anders und spannend. Klingt alles in allem wie der Soundtrack zu einem 70er Jahre C-Movie aus Italien, was ja nicht schlecht sein muss. (A.P.)

CHROMOPILA - Pornöse Töne


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Eigenveröffentlichung / Radar

Im November 2008 hat die Trierer Band CHROMOPILA zusammen einen Auftritt mit der Band Hansa Wurstbrot gespielt. Das ist zwar nicht wirklich wichtig für die Besprechung der CD „Pornöse Töne“ von CHROMOPILA, aber ich wollte den Namen Hansa Wurstbrot doch irgendwie mal erwähnen, weil er so richtig schön blöd ist. CHROMOPILA gibt es seit 2004 und nach einem Demo und diversen Konzerten liegt nun das Debütalbum vor, das im Waschzettel mal ganz einfach als „Rock / Funpunk“ bezeichnet wird. Da hat es sich ein Promomensch aber ein bisschen einfach gemacht. Spaß macht die Musik zwar, aber deshalb ist es noch lange kein Funpunk, auch, wenn rockige Gitarren das Bild beherrschen. Eher so eine Mischung aus Alternative und Punkrock mit deutschsprachigen Texten, die ziemlich unpeinlich sind. Musikalisch klingt das eher ernst und eben rockig mit leichter Rotz-Attitüde und gaaaaanz entfernt gibt es ein paar Tote Hosen-Anklänge (was die Band sicher nicht lesen mag).
Wofür der Name CHROMOPILA steht, sollte man als Unwissender einfach mal googeln, dann wird der Bezug zum Funpunk vielleicht auch etwas klarer. Nett ist das ska-beeinflusste „Präsident Der Welt“. Ein richtig gelungener Ohrwurm ist „Klopapier“, viel zu sehr einfacher Schweinerock ist hingegen „Polizei“. So erscheint das Album ein bisschen durchwachsen, Höhen und Tiefen wechseln sich ab. Auch bei der Produktion, vor allem beim Gesang, hätte man etwas mehr herausholen können, da fehlt doch ein bisschen Dreck und Druck. Das dürfte die Band aber sicher auf der Livebühne wieder wettmachen. Weil ich die Band aber noch nicht live gesehen habe, bleibt der Daumen erstmal noch in der waagerechten. (A.P.)

Webadresse der Band: www.chromopila.com

TRANSIT - Decent Man On A Desperate Moon


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Karmakosmetix / Soulfood / kkx005

Aus dem Hause/Umfeld Prophecy Productions kommt das Debütalbum “Decent Man On A Desperate Moon” von TRANSIT. Der Bandname erzeugt bei mir erstmal Fragezeichen, doch schnell ist klar, dass dahinter Jan Kenneth Transeth steckt, der mit In The Woods beachtliche Erfolge hatte und ansonsten auch in Bands wie Stille Oppror und Green Carnation aufgetaucht ist.
Nun sein Soloalbum, das wohltuend vielseitig daherkommt. Irgendwo zwischen Wüstenblues („One For The Sea – Ad Anima Pt.1“) und Alternative Rock („Bleed On Me“) gerne auch mal mit einer poppigen Note („You And Me And The Some“) oder Bowie-Anklängen (“The Girls And The Road”, “Miller Song”) und sogar 16 Horsepower-Einflüssen (“Jokes Aside”).
Der Hit des Albums ist aber auf jeden Fall gleich der Opener „Estrangeiro/New Man“, der auch gut in einen Quentin Tarantino- oder Robert Rodriguez-Film passen würde. Spannendes Album also, das dem Genre Alternative endlich einmal mehr Möglichkeiten gibt, also es sonst meistens der Fall ist. (A.P.)

Webadresse der Band: www.karmakosmetix.com

ANDREAS GROSS - HailTo The Employee


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Echozone / Bob Media / BM08C194

ANDREAS GROSS, ein Allerweltsname, der zunächst mal auf einem CD-Cover nichts aussagt. Keine bestimmte Musikrichtung, kein Image.
Und trotzdem ist „Hail To The Employee“ bereits das vierte Album, das ANDREAS GROSS vorlegt, wahrscheinlich allesamt zunächst als CD-R selbst veröffentlicht und dieses Jahr als „richtige“ CDs und Vinyl (lobenswert!) wieder veröffentlicht. Sollte ich mich da täuschen, bitte ich um Berichtigung.
Statt eines Solo-Interpreten, wie der Name vermuten lässt, handelt es sich hier aber im Prinzip schon um eine mehrköpfige Band, deren unangefochtener Kopf aber sicherlich ANDREAS GROSS ist. Zu hören gibt es laut Eigenbeschreibung auf der Website eine „Dark Wave Gothic Band“, wobei ich das „Gothic“ mal eher beiseite schieben möchte, zumindest, wenn man „Gothic“ so kennen gelernt hat, wie meine Generation (Szeneeinstieg Mitte der 80er). Dark Wave gilt aber widerspruchslos, verbunden mit einer gehörigen Portion melancholischem Synthie-Pop. Das erinnert teilweise sehr an die frühen Sachen von Silke Bischoff, die ja leider ziemlich sang- und klanglos im internen Streit verschwunden sind. Ob ANDREAS GROSS dafür der passende Ersatz ist, beziehungsweise, ob diese Musik heute noch eine breite Fanschar findet, wird sich zeigen. Musikalisch wird jedenfalls solide Arbeit geboten, dunkle (Synthie-) Streicher-Klänge, lieblicher Frauengesang, einschmeichelnde Melodien und szenekompatibles Artwork. Obwohl es qualitativ eigentlich nichts auszusetzen gibt, fehlt mir doch ein bisschen das „gewisse Etwas“ und vor allem der „Hit“ mit Wiedererkennungswert. Die CD eignet sich wunderbar dafür, an dunklen, verregneten Herbst- und Winterabenden den Tee im Wohnzimmersessel zu versüßen, aber für die Clubs ist leider nichts dabei und das wäre heutzutage doch schon relativ wichtig, um im größeren Rahmen Erfolg zu haben. Irgendwie, und das ist gar nicht mal böse gemeint, erscheint es so, als wenn hier Heimtüftler am Werk waren, denen das Liveerlebnis mit ihrer Musik fehlt, um auf den Punkt zu kommen. Romantic-Dark-Waver sollten mal ein Ohr riskieren, für Gothics ist das eher nicht geeignet. Das Zeug für einen Remix mit etwas mehr Power hätte einzig und allein „Lazarus Effect II“. Vielleicht mal drüber nachdenken… (A.P.)

Webadresse der Band: www.nomorejazz.de

JAIDEEP - JaiDeep


Erstveröffentlichung: Mini-CD 2007 / Syborgmusic / Nova Media Distribution / 97901-11

Das Promofoto zeigt vier junge, düster dreinblickende Männer in schwarz, die wie der Waschzettel zu dieser CD angibt, einen Kontrast zum „Kaufhausberieselungsprogramm“ bilden wollen. Dazu ist harte Rockmusik heute zwar nicht mehr das Nonplusultra, aber hier und da immer noch ein bisschen provozierend. Letztlich hat der Alternative Rock, mit welchen anderen Musikarten er auch gekreuzt wird, längst den Weg in die Mitte der Gesellschaft gefunden und auch, wenn JAIDEEP recht heftig rüberkommen und auch einige Punkanklänge mitbringen, so schocken sie damit wohl kaum noch jemanden, so lange sie nicht auf der Bühne kleine Kinder fressen oder Jungfrauen schänden und selbst dann…naja.
Klar tut man der Band damit ein bisschen unrecht, spielen sie doch sicher einfach die Musik, auf die sie Bock haben. Das ist auch völlig okay und hier nicht nur technisch ziemlich gut rübergebracht, aber Revolutionen wird Musik kaum noch starten können.
Musikalisch klingen ab und zu die alten Faith No More durch und das ist ja definitiv nicht das schlechteste Vorbild für eine junge Band. Da es auf dieser Veröffentlichung auch nur sechs Lieder in knapp 22 Minuten zu hören gibt, wird es auch niemals langweilig. Alternative Rock-Liebhaber sollten reinhören, ebenso wie stiloffene Metalfreaks. (A.P.)

Webadresse der Band: www.jaideep.de

SAVA - Metamorphis


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Banshee Records

Eigentlich hätte man nicht vermutet, dass Birgit Muggenthaler in diesem Jahr noch Zeit für irgendetwas anderes als Schandmaul finden konnte. Das neue Album „Anderswelt“ wurde veröffentlicht, dann kommt das 10 jährige Bandjubiläum hinzu und obendrein standen noch zwei DVD Produktionen an. Inmitten von diesem Stress und Arbeitspensum fand sie dennoch die Zeit, sich nach langer musikalischer Abstinenz SAVA und damit ihrem Soloprojekt wieder zu widmen. Im Vergleich zu Schandmaul, ist SAVA deutlich klassischer ausgerichtet und so lädt „Metamorphis“ den Hörer ein zu einer musikalischen Reise durch verschiedene Epochen und Kulturen.

Streß wurde vor der Veröffentlichung des Albums bei Frau Muggenthaler groß geschrieben, denn es gab fürwahr viel zu tun. Neben dem Schandmaul Jubiläumskonzert mit 6000 Gästen und ihren dortigen Verpflichtungen näherte sich der Veröffentlichungstermin ihres zweiten SAVA Albums. Vielleicht hatte Birgit den auf sie zukommenden Stress auch etwas unterschätzt, was diese auch bestätigt. Im März war ihr Terminkalender für Oktober und November noch sehr übersichtlich, dummerweise hatte sie dabei ein paar wichtige Termine vergessen gehabt. Die Folge der Vergesslichkeit waren zwölf Stunden Arbeit am Tag, um den ganzen Stress zu bewältigen.

SAVA Alben weißen ganz klare stilistische Unterschiede zu den Schandmäulern auf, denn Authenzität und klassische Elemente sowie Phasen von Melancholie stehen hier deutlich im Vordergrund. In den heißen Phasen von Schandmaul bot SAVA für Birgit Muggenthaler einen Rückzugsort. Da man beide Projekte musikalisch ganz klar unterscheiden kann, sind Konflikte hier ausgeschlossen. Was wirklich kompliziert wurde war das Terminmanagment und es gab Tage, die hätten 48 Stunden haben müssen um auch wirklich alles zu schaffen.
Es waren dennoch leider immer nur 24 Stunden mit denen SAVA auskommen mußte, und das was aus der intensiven Arbeit entstand ist ein gefühlvolles und vorzeigbares Werk mit Titel „Metamorphis“ geworden. Untermalung erhalten die elf Stücke durch Elemente aus den verschiedensten Folkrichtungen, womit musikalisch eine Reise durch die europäische Musikkultur stattfindet. Der Facettenreichtum der einzelnen Stücke besticht den Hörer und eine Art Verwandlung findet auch in ihm statt. Diese CD lässt den gestresstesten Menschen zur Ruhe kommen, vorausgesetzt dieser lässt sich auch bereitwillig von der Atmosphäre der CD fangen.

Birgit Muggenthaler verarbeitete auf dem Album viele altertümliche Stücke, die sie aber in ein eigenes musikalisches Gewand gepackt hat. Somit haben sie eine musikalische Verwandlung erfahren, eine „Metamorphose“ erfahren und sind neu auferstanden. Ein weiterer Faktor ist, dass viele der Stücke sich mit dem Tod auseinandersetzen - auch einer Art der Verwandlung. In dem Weltbild SAVAs ist der Tod nicht das Ende, sondern eine Veränderung des Seinszustands. Das erste Stück „Caravane“ mit Schäferpfeife und unter anderem Harfe gespielt, sollte eigentlich ein französisches Tanzlied werden, jedoch merkte Birgit als die Melodien da waren schnell, das der Groove ein anderer war. Die Erinnerungen an den wiegenden Gang von Kamelen wurden wach und so wurde dieses Tanzstück daraus.
Den zweiten Song „Stances“ schrieb der barocke Dichter Jean Auvray. Der in der Zeit des Barock allgegenwärtige Gedanke an die Vergänglichkeit findet sich im Text unverhohlen wieder und wird durch die Sopranino Blockflöte begleitet. Der dritte Albumtitel „Uti var hage“ ist ein schwedisches Volkslied, das übersetzt „Blaubeeren wachsen“ heißt. Eigentlich wollte Birgit dieses Volkslied neu interpretieren, jedoch kam es beim Komponieren dann anders. Sie begann ein Instrumentalzwischenstück zu schreiben, dass Birgit am Ende so gut gefiel, dass es keinen Gesang mehr brauchte. Das nächste Lied „hurly burly“ hat wohl die größte Verwandlung erfahren. Von Birgit ursprünglich als Seminararbeit für die Besetzung Kammerorchester und Alt - Blockflöte geschrieben, sind einige Teile herausgenommen worden, andere hinzugefügt worden. Verstärkt durch Dudelsack und Bouzuki wurde der folkige Charakter des Stücks noch hervorgehoben. Der fünfte Song „Ar hyd y nos“ (In stiller Nacht) stammt vom walisischen Dichter John Hughes, der Anfang es 19. Jahrhunderts diesen Text schrieb. In Wales existiert die Geschichte über einen früheren Brauch, wonach Barden am Sterbebett eine Melodie spielten, das sie sich dann als Lied auf ihrer Beerdigung wünschten. Wir haben also wie schon erwähnt auch verdammt viel Dramatik auf dieser CD verpackt. Der sechste Song „El rey de mundo“ entstammt der sephardischen Tradition Wie so oft in dieser Kultur haben die Lieder aufgrund von Wanderschaften und Vertreibung starke Verwandlungen erfahren und existieren in vielerlei Versionen. SAVA wollte dem erzählten Drama so dicht wie möglich begegnen, und begradigten die rhythmischen Raffinessen dieser Musik ein wenig zu Gunsten des Textes. Der siebente Titel „La Rosa“ gehört ebenfalls zu Klassikern der sephardischen Liedkultur. Die Melodie erinnerte Birgit immer an ein Leitmotiv barocker Kompositionen, woraus die Idee entstand dieses Lied einmal völlig anders zu interpretieren. Die Ideen für diese Variationen sprudelten nur so heraus und binnen nur einer Stunde waren die Variationen fertig. Mit dem achten Titel „Eilean“ gehen wir auf die grüne schottische Insel, denn Eilean bedeutet im schottischen Gälisch schlichtweg Insel.
Auch der neunte Titel „Tros y Garreg“ entstammt der Dichtung von John Hughes. Eigentlich als hoch dramatische Dichtung gedacht, kam Oliver Satyr mit der Harfe und änderte die Stimmung hin zu fröhlich. Das irische Volkslied ""winter´s eve"" kam zu Birgit durch ein amerikanisches Flötenlehrerbuch.

Insgesamt liefern uns SAVA elf Songs die sehr folkig sind und dennoch stets der klassischen Instrumentierung von Dudelsack, Bouzuki und Harfe folgen. Verankert in sephardischen, schottischen oder walisischen Traditionen erzeugen sie Stimmungen, die einen entführen für über eine Stunde, und einen Hörgenuß der etwas anderen Art im Bereich des Mittelalters öffnen. Außerdem zeigt es Faun und Schandmaulanhägern einmal zwei ganz andere Seiten von Birgit Muggenthaler und Oliver Satyr! (Maximilian Nitzschke)

STERNBUSCHWEG - Die Unvollkommenheit


Erstveröffentlichung: CD-EP 2009 / Tumbleweed / Broken Silence

Die Band STERNBUSCHWEG gibt es schon eine ganze Zeit, haben mehrere EPs im Eigenvertrieb und dann 2008 eine CD bei Tumbleweeds herausgebracht. Nun folgt wieder eine EP oder Mini-EP. Ist natürlich schön, eine Zusammenstellung von Songs aus den letzten drei Jahren, wobei zumindest zwei schon einmal auf früheren EPs vertreten sind. STERNBUSCHWEG sind entspannter Gitarrenpop, der zwischen Still wie bei ""Es ist in der ganzen Welt zu sehen"" und brachial wie bei ""O.W."" daherkommt. Aber brachial klingt bei STERNBUSCHWEG trotzdem irgendwie relaxt, aber immer irgendwie auch nach vorne gehend, dynamisch. Schöne Melodien jedenfalls unterlegen die immer intelligenten Texte, besonders gut ist auch der Titel ""Der übermäßige Konsum von Platten aus Manchester unterdrückt meine Kreativität"". Und dann gibt es noch eine Coverversion von Karpartenhund namens ""Ist es das, was du wolltest"". (H.H.)

Webadresse der Band: www.sternbuschweg.de

KNEEL IN FRONT OF THE EXECUTIONER - Ebola


Erstveröffentlichung: CD 2003 / VUZ Records / VUZ 013

VUZ Records hat als kleines, aber feines Label Mitte der 90er Jahre einiges dazu beigetragen, dass härterer Post-EBM-Sound in Deutschland und Europa bekannt wurde. Acts wie Wumpscut hatten hier ihre ersten kommerziellen Veröffentlichungen. Im Minimal-Electro-Bereich wurde den Hörern verschollenes Tapematerial von Absolute Body Control auf CD zugänglich gemacht und die genialen Batz Without Flesh fanden auch durch die CD-Veröffentlichung ihrer beiden ersten Platten weitere Verbreitung diesseits des Atlantiks. Irgendwann kam kaum noch etwas nach, beziehungsweise es wurden verschiedene Sublabel gegründet, doch 2003 gab es noch einmal Nachschlag in Form von älteren Aufnahmen (1995) des KNEEL IN FRONT OF THE EXECUTIONER. Das Projekt aus der Slowakei orientiert sich seit Anfang der 90er Jahre vor allem am nordamerikanischen Industrial-Sound, also an Gruppen wie Skinny Puppy, Front Line Assembly, Non-Aggression Pact und anderen Größen des Genres. Harte Beats, tanzbare Rhythmen, viele Samples, treibende Electro-Sounds und verfremdeter Gesang sind so typisch für diese Stilrichtung, dass man KIFOTH, wie sich die Band wohl auch selber abkürzt, schon deswegen gut finden muss. Dass da noch eine ordentliche Portion Electronic Body Music mit reinspielt, dürfte für Clubeinsätze nur förderlich sein. Hier sollte vor allem das Stück „Release“ bis heute bei entsprechenden Veranstaltungen für Bewegung sorgen. KNEEL IN FRONT OF THE EXECUTIONER erfinden das Genre nicht neu, liefern aber grundsoliden Mitt-90er-Düster-Electro ab, der auch über 10 Jahre später noch gut hörbar ist. (A.P.)

Webadresse der Band: vuzrecords.de

DER ZERFALL - Der Zerfall


Erstveröffentlichung: Sonstiges 2009 / AF Music / AF Music / afm037

Wenn eine deutsche Band DER ZERFALL heißt und deutschsprachige Texte mit Titeln wie „Selbstjustiz“, „Ich Sein“ oder „Suizid“ im Programm hat, dann kann das im Normalfall entweder Deutsch-Punk sein oder Dark-Wave. Nun, DER ZERFAL ist beides nicht in Reinform, sondern genau die Mischung aus beidem. Das ist zwar auch keine ganz neue Idee, aber doch bisher nur selten zu hören. Im Waschzettel wird mit großen Namen nur so um sich geschmissen, Fliehende Stürme, Christian Death, Super Heroines, Rudimetary Peni, The Cure oder auch 45 Grave steht da zu lesen, ebenso EA80, Blitzkid und Schorsch Kamerun – wie man auf letzt genannten kommt bleibt mir allerdings verborgen. Eindeutig, hier haben Musiker alles Mögliche aus ihren Lieblingsbands zusammen getragen und damit angefangen, selber Musik zu machen. Dabei klingt DER ZERFALL, nicht zu verwechseln mit dem 90er Jahre Fetisch-Projekt Der Verfall aus Hamburg, nie wie eine einzelne dieser Bands, was ja auch ausgesprochen langweilig wäre. Stattdessen kommt eine Art Düster-Wave-Punk heraus, der irgendwo zwischen frühen Catastrophe Ballet, Monozid und tatsächlich The Cure und Fliehende Stürme ankommt und durch die deutschsprachigen Texte eben auch ziemlich für die Dark-Wave-Gemeinde geeignet ist. All die genannten American Gothic/Death Rock-Heroen finden sich nur sehr am Rande wieder. Erfreulicherweise hat man Einflüsse aus den diversen Metal-Sub-Genres komplett heraus gehalten, insofern werden eben hauptsächlich Gothic-Rock- und Dark-Punk- (nicht Horror-Punk!) Fans ihre helle Freude haben. Das Zeug zu einem kleinen Clubhit (wenn denn in den Clubs noch Gothic-Rock gespielt würde) hat auf jeden Fall „Ich Sein“, eingängig, düster-tanzbar und hitverdächtig.
Da die Band wohl aus Berlin kommt, hätte es mich nicht gewundert, wenn Torben Stupp (Ex-Awake At The Wall, Ex-Marquee Moon, Ex-Totentanz, Ex-Exedra, Ex-Korbak, Ex(?)-Rhudra) da seine Gitarre im Spiel gehabt hätte, aber so scheint es nicht zu sein. Leider gibt es noch keine eigene Bandwebsite, um mal mehr Infos zu bekommen, nur so einen My Space-Kram, der ja meist recht uninteressant ist.
Diese erste, selbst betitelte 5-Track-EP von DER ZERFALL erscheint zunächst als Download-EP bei af-music. Und wie es bei etwas dreckigerer Gitarrenmusik fast immer so ist, ist der Sound als digitaler Download zwar gut, aber auch ein bisschen steril. Weil die Band das wahrscheinlich weiß und ja sowieso eher old-school-orientiert ist, sollen die Aufnahmen im Frühjahr 2009 auch noch auf Vinyl erscheinen. Da dürfte der Klang dann deutlich kantiger rüberkommen, hoffe ich zumindest. Spannende neue Band, von der man vielleicht neben den etwas in der Versenkung verschwundenen Murder At The Registry und Bloody, Dead And Sexy etwas frischen Wind in der deutschen Death-Rock-Schublade erhoffen darf. (A.P.)

Webadresse der Band: www.myspace.com/derzerfall

THE SEARCH - Saturnine Songs

Wiederveröffentlichung: CD 2008 / AF Music-Danse Macabre / Al!ve/Emi
Erstveröffentlichung: Sonstiges 2008 / AF Music / afm011

Aus Schweden kennt man musikalisch meist eher elektronische Klänge, vor allem Synth-Pop im Stile Depeche Modes ist in Europas Norden sehr beliebt und hat es oft auch zu einigem Erfolg in Deutschlands Schwarzer Szene gebracht. Puren Gitarren-Wave hört man jedoch seltener aus Skandinavien und doch gibt es dort Bands, die sich mehr oder weniger deutlich an Größen wie The Chameleons, Echo And The Bunnymen, The Sound oder The Fixx orientieren.
THE SEARCH ist eine dieser Bands, die in Deutschland bisher noch nicht so richtig bekannt war, das aber hoffentlich mit ihrem vierten Album „Saturnine Songs“ ändern kann. Fast gleichzeitig erscheint das Album als Internet Download (auf AF Music) und als CD (bei Danse Macabre) und sollte mit großen Vertrieben im Rücken einiges an Aufmerksamkeit erregen können.
Der Waschzettel beschreibt die Musik als „Popmelodien im düsteren Gewand“ und nennt Größen wie The Cure und Joy Division als Einflüsse. Das ist sicher nicht falsch, trifft es aber doch nicht auf den Punkt, weil beide Bands so eigenständig waren/sind, dass Epigonen nur schlecht aussehen können. Stattdessen würde ich hier andere Helden wie Lowlife, The Essence oder Sad Lovers And Giants erwähnen, vor allem, weil THE SEARCH sehr viel von der Atmosphäre der alten Helden transportieren. Dazu gibt es hier und da ganz dezente weitere Einflüsse von Alternative-Rock über Shoegaze-Pop bis hin zu Folk.
Für alte Säcke wie mich, die mit genau dieser Art von Musik groß geworden sind, hat THE SEARCH dementsprechend natürlich etwas wunderbar nostalgisches, was man aber auf keinen Fall mit altmodisch gleichsetzen sollte, denn die Produktion von „Saturnine Songs“ ist modern und zeitgemäß. Die angenehme Stimme des Sängers deutet darauf hin, dass er vielleicht auch schon mal in einer Synth-Pop-Band gesungen hat oder nebenbei ein solches Projekt laufen hat.
Um mal von den ganz großen Namen weg zu kommen (und anzudeuten, wie viel Ahnung ich doch habe…hehe), würde ich THE SEARCH mal locker in die gleiche Schublade packen, wie einige ältere deutsche Bands, die leider nie einen größeren Durchbruch geschafft haben, namentlich Decay, The Die Is Cast, Screaming Fools, The Convent oder Elephant Castle. Für die heute jüngeren Leser kann man auch die wunderbaren Curious oder die Dead Guitars als Eckpunkte erwähnen.
Also: lupenreiner, oft melancholischer Gitarren-Wave mit sehr natürlichem Gesang, der einfach schön zum Anhören ist und auf Klischees verzichtet. (A.P.)

Webadresse der Band: www.myspace.com/thesearchsweden

CELL DIVISION - Chymeia


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Thunderdome / Non Stop Music / TDM019

Ich freue mich immer wieder, dass ich die Karriere der Schweizer Band CELL DIVISION seit ihrem ersten Album “Dissolve” mitverfolgen konnte. Es ist sicher nicht ganz abwegig, diese seit nunmehr fast fünfzehn Jahren aktive Band als eine der besten Bands des kleinen Alpenstaates mindestens seit den 80er Jahren zu bezeichnen. Vor allem, weil man von dort meist eher elektronische Klänge gewohnt war. Als gitarrige Wave-Rock-Band dürften CELL DIVISION in ihrer Heimat relativ konkurrenzlos sein und so ist es auch kein Wunder, dass die Veröffentlichungen auch über die Grenzen hinaus viele Fans gefunden haben.
Nun also Album Nummer 3…was hat sich getan? Zu hören gibt es weiterhin eingängigen Gitarren-Wave mit Frauengesang, der auch gerne mal etwas hymnisch wird und vor allem von der Eingängigkeit und der Stimme lebt. Die Wurzeln liegen klar in den 80er Jahren irgendwo zwischen den Chameleons und dem Mitt-80er 4 AD-Sound, verbunden mit Anklängen an Bands wie All About Eve oder (aus den 90ern) The Breath Of Life, Inkubus Sukkubus und Die Laughing, alles jedoch weniger gotisch, als dunkel-rockig. Hier und da klingt die Stimme auch ein klitzekleines bisschen nach Siouxsie Sioux, liefert dabei aber auch tolle verzweifelte und rotzige Momente ab. Aus der ganz abgeschotteten Wave-Schublade hat die Band sich inzwischen ganz gut befreit. Diverse Einflüsse werden zugelassen und so entsteht eine Art Alternative-Wave-Rock, der über die schwarze Szene hinaus auch andere Leute ansprechen sollte. Gaaaanz selten gibt es auch ein paar Gothic Metal-Anklänge, die ich für die schwächeren Momente des Albums halte. Das bleibt aber eher die Ausnahme. Insgesamt liefern CELL DIVISION ein wirklich gutes Album ab, das alte Fans bei der Stange hält und sicher neue hinzugewinnen kann. Eigentlich müsste die Band längst richtig groß sein, aber wahrscheinlich stört dafür die Herkunft aus der Schweiz, was natürlich völlig hirnrissig ist. Da hilft nur Mundpropaganda, also: jedem von CELL DIVISION vorschwärmen. (A.P.)

Webadresse der Band: www.celldivision.ch

GOTHMINISTER - Happiness in Darkness


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Drakkar / Sony BMG

Im Jahre 1999 wurde von Bjorn Alexander Brem Gothminster gegründet, und ist seither von den Festivalbühnen des Wave Gotik Treffens oder des Mera Lunas nicht mehr wegzudenken. Das Debütalbum „Gothic Electronic Anthem“ erschien 2003 und wurde von Kritikern begeistert gefeiert. Der Erfolg brachte den selbsternannten Minister unter die Top 3 der niederländischen Club Charts. Eine Schlagzeile im Metal Hammer UK lautete gar „Die Untoten sind wiedergeboren“. Auch in Deutschland ließ der Erfolg nicht lange auf sich warten, denn mehrere erfolgreiche Club - Singles in den Top 15 folgten.
Ihr zweites Album „Empire of Dark Salvation“ katapultierte Gothminister auf eine völlig neue Ebene. In Norwegen schrieben sie Geschichte, als sie mit Tristania als Support der erste Gothic- Industrial Act war, der auf eine Nightliner Tour durch die größten Städte aufbrach und auch noch Norwegens größte Musikmesse Even Bylarm organisierte anlässlich der Veröffentlichung des zweiten Albums. In Europa hatten sie dieses Album im Rahmen ihrer Tour mit Lacuna Coil, Theatre of Tragedy und Mortiis bei über 100 Shows in über 20 Ländern vorgestellt. Der Hit „Monsters“ landete auf Platz 11 der DAC.

2008 war es nun soweit, dass Gothminister ihr langersehntes drittes Album „Happiness in Darkness“ im November erscheinen ließen. Randvoll mit großartigen und eingängigen Songs zeigt es die Band auf ihrem bisherigen Höhepunkt ihres Schaffens. Höhepunkte hatte es bereits zur Veröffentlichung ihrer Vorab Single „Dusk till Dawn“ gegeben. Mit seiner Band kletterte der Mastermind eigens auf einen 1.550 Meter hohen Berg und bezwang dabei seine Höhenangst. Vielleicht ist in der Bewältigung von Ängsten auch der Albumtitel begründet, der recht assoziativ angelegt ist. Nach Bjorn steckt die Idee dahinter, dass das Dunkle und Unbekannte die größte Quelle der Kreativität darstellt und zum Inspirationsgeber wird. Wenn wir dann wiederum kreativ sind, werden wir glücklich und haben etwas glückliches aus dem Dunkel erschaffen. Das Wesen des Dunklen ist es, dann besonders zu leuchten, wenn man in es etwas Schönheit und Fröhlichkeit hineinlegt. Seltsamerweise fühlen sich viele Menschen in der Nacht lebendiger, sind impulsiver und direkter. Das Dunkel läßt unserer Vorstellungskraft freien Lauf und regt unsere Phantasie sehr stark an. Vielleicht könnte man auch philosophisch werden und mit Sokrates argumentieren in Bezug auf die Dunkelheit und ihre Möglichkeit Dinge zu verschleiern: „Ich weiß das ich nichts weiß!“
Diesen Gedankenkosmos benutzt Gothminister, spielt mit unserer Einbildungskraft in jedem neuen Song des Albums. Musikalisch benutzt Gothminister nicht ganz so viele Elemente wie auf seinem Vorgängeralbum. Waren die Gitarren sonst im Vordergrund, kümmerte sich Gothminister diesmal nicht darum, ob die Gitarren laut genug oder hart genug sind. Der neue Longplayer wurde somit abwechslungsreicher und auch melodischer als die beiden Vorgänger. Ich merke dass das experimentelle Herangehen an dieses Album zu neuer Kreativität führte und dabei immer noch nach Gothminister klingt. Viele der Kompositionen klingen organischer, variieren von Techno- bis zu Progressive Rock. Ein schönes Anspielbeispiel währe hierfür „Beauty after Midnight“, denn dieser siebente Track beginnt mit einem Techno Riff, wird von schweren Gitarren und Schlagzeug begleitet, um in Punk oder Speed Metal zu gipfeln. Der allererste Song „Dust Till Dawn“ ist ebenfalls ein sehr eingängiger Song, schwere Gitarren werden mit tanzbaren Beats verbunden. Hier denk ich haben wir für die Zukunft einen neuen Clubhit des Norwegers!
Für mich stellt Happiness in Darkness ein rundum gelungenes Album dar, denn die eingängigen Songs fesseln einen und ich bin mir sicher, das sich hier Clubhits drauf befinden an denen wir auf den Tanzflächen der Szene nicht vorbeikommen werden! (Maximilian Nitzschke)

DARK DIAMONDS - Das Gift


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Danse Macabre / Alive

Dieser Longplayer aus dem Hause Danse Macabre hat mich ehrlich überrascht.
Hatte ich gedacht, seit Goethes Erben indirekter Auflösung, nie wieder etwas in ähnlichem Stil hören zu können, belehrte mich das Album „Gift“ eines besseren!
Die Zeit scheint reif zu sein für Dark Diamonds und „Gift“, denn musikalisch ist es Dark €šn€™ Roll der beim Hörer durch Mark und Bein geht.
Melancholie in den Texten wird verschmolzen mit der Stimme von Jens Wagner, dem Sänger und Kopf dieser bis dato noch recht unbekannten Band. Gepaart mit sowohl einfühlsamen als auch erotischen Vokals seines weiblichen Gegenparts Tyrae. Die Produktion des Albums ist erstklassig, dass hört man. Ich denke dass sie sich 2009 in der Szene ihren Namen machen werden. Treibende Beats und mächtige Gitarren bilden das Soundgerüst der insgesamt 13 Songs und textlich wird der Finger auf gesellschaftliche Mißstände gelegt, die in ihrer teils verstörenden Art wie gesagt an Band der deutschen Todeskunstwelle erinnert.
Einfach ist die Gratwanderung zwischen elektronischen Parts und traditionellen Klängen sicherlich nicht, aber auf diesem Album scheint diese Symbiose stimmig für mich.
Dark Diamonds stehen bereits jetzt Anfang des Jahres in den Startlöchern um Europa im Zuge einer Tournee mit „Gift“ zu ködern, so dass man wohl noch einiges erwarten darf von dieser ungewöhnlich guten Newcomerband! (Maximilian Nitzschke)

MEDIO MUTANTE - Boom Boom Romance


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2009 / PDSW / WSDP / PDSW777

Heute Musik machen, die wie „damals“ klingt, das versuchen vor allem im Minimal-Electro-Bereich viele Bands, Musiker und Projekte. Dass das oft nicht funktioniert liegt zum einen daran, dass die damaligen Musiker praktisch zu dem minimalistischen Sound gezwungen waren, den sie letztlich ablieferten, weil die technischen Voraussetzungen einfach nicht besser waren. Zum anderen liegt es aber oft auch daran, dass nicht mit den Gerätschaften von damals gearbeitet wird, sondern diese auf dem PC sozusagen simuliert werden.
Was das alles mit der Single von MEDIO MUTANTE zu tun hat? Eigentlich nicht viel, außer, dass die Musik der Amerikaner wirklich so klingt, als sei sie vor 25-30 Jahren entstanden – leider inklusive der eher mäßigen Soundqualität. Hier gibt es wavige, minimalistische Electrosounds zu hören, die tatsächlich so um 1981 entstanden sein könnten.
Nach einer 6-Track 12“EP liegt nun eine Single auf PDSW vor, dem kleinen Sublabel des ebenso kleinen WSDP-Labels, das sich auf Musik aus der ganzen Welt spezialisieren will. Die Flesh Golem-Single war vor einiger Zeit ein guter Start, nun also MEDIO MUTANTE.
„Boom Boom Romance“ ist etwas schleppend, aber sehr schön minimal und eben wirklich im Stile der alten Helden von Anfang der 80er Jahre. „Mutant Menace“ geht zwar irgendwie in die gleiche Richtung, ist aber tanzbarer und klingt nach „heute“, also nicht alt. Das macht den Song nicht schlechter, im Gegenteil, der Titel hätte das Zeug zu einem kleinen Szenehit. Der spanische (oder italienische?) Gesang tut das Übrige, um den Titel im Gedächtnis zu behalten und trägt dazu bei, dass man MEDIO MUTANTE irgendwo zwischen Neon, Esplendor Geometrico und Absolute Body Control einsortieren kann. Das liest sich doch gut und hört sich auf der Single auch ebenso gut an. (A.P.)

Webadresse der Band: www.wsdp.de

30 GR.WEN.FETT - Vorsicht: Kunst!


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2008 / PDSW / WSDP / PDSW666

Die Band (?) 30 GR.WEN.FETT tauchte erstmals auf dem „Bunte Bezüge“-Sampler aus dem Hause E-Klageto auf, nun gibt es eine 4-Track-Vinyl-EP, die das mysteriöse Projekt einem eingeschränkten Hörerkreis, die Platte ist auf 111 Exemplare limitiert, vorstellt.
Zu hören gibt es eine Art „heute produzierten 1982er Tapeszene“-Sound, was bedeutet, dass es sehr minimalistisch und gerne auch experimentell wird. Das geht bis hin zu Anklängen an Im Namen Des Volkes in „Gestern War Draussen“. „Wie Dem Auch Sein Im Herbst“ hingegen ist eine Art schräges Kinderlied (oder habe ich die beiden Titel jetzt verwechselt?)
Ansonsten darf man als Vergleich alte Tape- (und inzwischen längst auch Vinyl-) Helden wie Inox Kapell oder Der Brandstifter heranziehen, was zwar nicht hundertprozentig passt, aber zumindest von der Herangehensweise ähnlich ist. Schicke Platte, die nicht nur aufgrund der kleinen Auflage sicher bald ein gesuchtes Sammlerstück sein wird. Schönes Cover, Beiblatt und farbiges Vinyl gibt es gleich noch dazu, also zugreifen, wenn man der Scheibe habhaft werden kann. (A.P.)

Webadresse der Band: www.wsdp.de

DEAD GUITARS - Flags


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Echozone / BOB Media / BM08C213

Nicht nur, dass Carlo van Putten mit seiner früheren Band The Convent selber zur Speerspitze des deutschen Gitarren-Waves gehört; er hat auch mit fast allen Größen der Vergangenheit Projekte gestartet, auf die eine oder andere Art und Weise zusammen gearbeitet oder sie zumindest als Gäste zu seinen Projekten eingeladen. Mark Burgess, Adrian Borland, Kevin Hewick (wenn ich mich nicht ganz täusche) und Wayne Hussey sind allesamt Namen, die den Fan der guten alten 80er Jahre ins Schwitzen kommen lassen. Als White Rose Transmission hat er sogar mit Burgess UND Borland zusammen gearbeitet, eine echte Traumkombination!
Nun hat er nach dem Debut „Airplanes“ von 2007 mit seiner aktuellen Band DEAD GUITARS das zweite Album vorgelegt und es wird wohl niemanden wundern, dass sich Überraschungen in Grenzen halten. Die zusammen mit dem Twelve Drummers Drumming-Gründer Pete Brough und Sun-Gitarrist Ralf Aussem ins Leben gerufene Band DEAD GUITARS konnte mit „Airplanes“ und zahlreichen Auftritten schon mal für Aufmerksamkeit sorgen. Die Einflüsse von The Chameleons, The Sound, The Comsat Angels und zahlreichen weiteren alten Helden bleiben unüberhörbar, im Grunde ist dies nichts anderes, als die Fortsetzung, was The Convent in den 90er Jahren erfolgreich begonnen haben, nämlich lupenreiner, melodiöser Gitarren-Wave ganz im Stile der 80er Jahre, der durch van Puttens immer leicht melancholische Stimme hohen Wiedererkennungswert hat und auch durch die wunderbaren Gitarren Ohrwurmcharakter zeigt. Ich weiß nicht, ob Carlo es gerne hört, aber wenn mich nicht alles täuscht, lässt er inzwischen auch Einflüsse neuerer Bands wie Coldplay zu (erste Hälfte von „Silver Cross River“, „Watercolours“), aber die haben sich ja selber, zumindest am Anfang, stark an Größen wie Echo And The Bunnymen oder U2 orientiert. Wunderbar ist zum Beispiel das tieftraurige, mit Wayne Hussey eingesungene „Isolation“, aber auch der Tricky- und The Mission-Gitarrist Mark Thwaite, Markus Türk von Family 5, sowie Rich Vernon (The Mission), Georg Sehrbrock und Michael von Hehl wurden von der Band als Gäste eingeladen. Wenn es überhaupt einen (klitzekleinen) Kritikpunkt gibt, so der, dass ein, zwei mehr clubtaugliche Uptemponummern wie „Pristine“ oder Anspieltipp „Slowdown“ schön gewesen wären und den eher traurig-melancholischen Charakter etwas abgemildert hätte, andererseits passt das Album natürlich hervorragend zum Erscheinungstermin im Februar 2009. Auch beim Cover-Artwork verlässt man sich auf den Stil der alten Zeiten und so erinnert es wohl nicht von ungefähr ein bisschen an die ersten vier Echo And The Bunnymen-Alben.
Man könnte „Flags“ als Kombination aus BFG, Coldplay und The Doors mit einer Prise Leonard Cohen („On A Trip To Elsewhere“) bezeichnen, wenn man möchte, trifft damit aber auch nicht genau ins Schwarze, aber als Anhaltspunkt darf man das schon nehmen. (A.P.)

Webadresse der Band: www.deadguitars.com

SEAMUS CRAIC - Pete Doherty


Erstveröffentlichung: Buch 2006 / Schwarzkopf & Schwarzkopf / ISBN 978-3-89602-720-7

Jedes Jahrzehnt bringt seine abgestürzten Pop- und Rockstars hervor. In den 60ern war es vielleicht Jim Morrison, in den 70ern zum Beispiel Marc Bolan, Mitte der 80er war Nick Cave ein Drogenwrack, die 90er wurden durch Kurt Cobain geprägt und heute ist es, vielleicht, Pete Doherty, der mit seinen beiden Bands The Libertines und Babyshambles nicht unbedingt Charthits abgeliefert hat, durch seine Drogensucht und seine chaotische Beziehung zu Supermodel Kate Moss aber ständig in den Schlagzeilen stand. Aktuell darf die Multimediagesellschaft die komplette Selbstzerstörung von Amy Winehouse mitverfolgen, während Doherty nach dem Ende seiner Beziehung zu Moss etwas aus dem Rampenlicht verschwunden ist. „The Beauty And The BeEast“ ohne „Beauty“ ist nur noch halb so interessant und so muss Doherty wieder verstärkt versuchen, durch seine Musik ins Rampenlicht zu kommen. Die Babyshambles sind aber auch eine richtig gute Band, nur scheint das kaum jemanden zu interessieren, außer den Leuten, die schon vor der Moss-Sache auf undergroundigen Rock’n’Roll standen.
Und dass es bei solchem Medienrummel schnell auch alle möglichen Begleiterschenungen zum Hype gibt, ist kaum überraschend. Seamus Craigs Buch über Peter Doherty und seine Bands The Libertines und Babyshambles ist dabei noch eines der erfreulicheren Produkte. Relativ unaufgeregt und überwiegend wirklich auf die Musik, statt die Drogeneskapaden konzentriert erfährt man so einiges, was in der Karriere des Mannes interessant war und ist. Hier geht es zwar nicht richtig in die Tiefe, aber wenigstens wird ohne Skandalgetöse recht sachlich berichtet, wobei natürlich die Yellow-Press-Themen nicht verschwiegen werden.
Die ganze Geschichte wird mit jeder Menge Bildmaterial ergänzt, was für Fans schon den Kauf des Buches lohnenswert machen dürfte.
Sicher wird dies nicht die ultimative Pete Doherty Biografie bleiben, alleine schon, weil die Geschichte noch lange nicht zu Ende ist, sondern offen bleibt, so lange, man verzeihe mir diese Anmerkung, Pete Doherty nicht an seiner Sucht verreckt ist. Denn auch heutzutage wollen die sensationsgierigen Massen ihre tragischen Helden haben, auch, wenn sie deren eigentliches künstlerisches Werk gar nicht kennen. (A.P.)

PETE DOHERTY - Pete Doherty


Erstveröffentlichung: Buch 2006 / Schwarzkopf & Schwarzkopf / ISBN 978-3-89602-720-7

Jedes Jahrzehnt bringt seine abgestürzten Pop- und Rockstars hervor. In den 60ern war es vielleicht Jim Morrison, in den 70ern zum Beispiel Marc Bolan, Mitte der 80er war Nick Cave ein Drogenwrack, die 90er wurden durch Kurt Cobain geprägt und heute ist es, vielleicht, Pete Doherty, der mit seinen beiden Bands The Libertines und Babyshambles nicht unbedingt Charthits abgeliefert hat, durch seine Drogensucht und seine chaotische Beziehung zu Supermodel Kate Moss aber ständig in den Schlagzeilen stand. Aktuell darf die Multimediagesellschaft die komplette Selbstzerstörung von Amy Winehouse mitverfolgen, während Doherty nach dem Ende seiner Beziehung zu Moss etwas aus dem Rampenlicht verschwunden ist. „The Beauty And The BeEast“ ohne „Beauty“ ist nur noch halb so interessant und so muss Doherty wieder verstärkt versuchen, durch seine Musik ins Rampenlicht zu kommen. Die Babyshambles sind aber auch eine richtig gute Band, nur scheint das kaum jemanden zu interessieren, außer den Leuten, die schon vor der Moss-Sache auf undergroundigen Rock’n’Roll standen.
Und dass es bei solchem Medienrummel schnell auch alle möglichen Begleiterschenungen zum Hype gibt, ist kaum überraschend. Seamus Craigs Buch über Peter Doherty und seine Bands The Libertines und Babyshambles ist dabei noch eines der erfreulicheren Produkte. Relativ unaufgeregt und überwiegend wirklich auf die Musik, statt die Drogeneskapaden konzentriert erfährt man so einiges, was in der Karriere des Mannes interessant war und ist. Hier geht es zwar nicht richtig in die Tiefe, aber wenigstens wird ohne Skandalgetöse recht sachlich berichtet, wobei natürlich die Yellow-Press-Themen nicht verschwiegen werden.
Die ganze Geschichte wird mit jeder Menge Bildmaterial ergänzt, was für Fans schon den Kauf des Buches lohnenswert machen dürfte.
Sicher wird dies nicht die ultimative Pete Doherty Biografie bleiben, alleine schon, weil die Geschichte noch lange nicht zu Ende ist, sondern offen bleibt, so lange, man verzeihe mir diese Anmerkung, Pete Doherty nicht an seiner Sucht verreckt ist. Denn auch heutzutage wollen die sensationsgierigen Massen ihre tragischen Helden haben, auch, wenn sie deren eigentliches künstlerisches Werk gar nicht kennen. (A.P.)

THE KLEINS - Pardon Me, Sir!


Erstveröffentlichung: CD 2007 / RilRec / RR003

Kann es einen deutscheren Bandnamen geben als THE KLEINS? Wohl kaum und natürlich kommt die Band aus Deutschland, genauer gesagt aus Mönchengladbach, einer Stadt, die aus ihrer völligen Langweiligkeit unter anderem EA 80 (und diverse Ableger) und Die Strafe hervorgebracht hat. Doch so deutsch sind THE KLEINS nicht, denn der Sänger ist Engländer, die Texte sind dem entsprechend englischsprachig und der Sound ist auch eher international geprägt. Irgendwo zwischen Bad Religion, Goldfinger, Tote Hosen, Biker Rock und Street Punk finden sich THE KLEINS wieder, wobei so mancher melodiöse Song zum Mitgröhlen einlädt und live mit Sicherheit auch ordentlich gepogt wird. Keine Frage, die Songs sind Ohrwürmer und haben ordentlich Power. Hier und da wären bei der Produktion ein paar mehr Ecken und Kanten schön gewesen, die es aber live sicher gibt, und ab und zu wird es leicht schweinerockig. Ansonsten aber hörenswerter Punk’n’Roll in gutem Artwork. (A.P.)

Webadresse der Band: www.rilrec.de

THE MORLOCKS - Emerge

Wiederveröffentlichung: CD 2008 / Area Pirata Records / Radar / AP023
Erstveröffentlichung: LP 1985

Wenn man dem Releaseinfo glauben darf, und ich bin sicher, ein kurzer besuch bei Google wird das mehr oder weniger bestätigen, waren die Kalifornier THE MORLOCKS so Mitte der 80er Jahre eine wichtige Band der Garage-Punk-Szene. Ihr 1985 veröffentlichtes Album liegt nun als CD-Wiederveröffentlichung (und als limitiertes Vinyl) auf dem italienischen Label Area Pirata Records vor. Der Sound ist schön rumpelig, nicht Punk, nicht Hardcore, nicht Alternative, aber von allem ein bisschen was. Die Haupteinflüsse stammen aber auf jeden Fall von den Garagen-Bands der 60er Jahre, die heute meist vergessen sind, damals aber für einen musikalischen Aufbruch sorgten, der schließlich in der Punkexplosion 1976/77 mündete und bis heute nachwirkt. Zu den bekannteren Vertretern gehörten auf jeden Fall die Troggs oder auch die Monks. Von diesen und anderen Bands haben sich die MORLOCKS dann in den 80ern mehr als eine Scheibe abgeschnitten und schön dreckig und rotzig im Lo-fi-Sound drauflos gespielt. „Emerge“ ist roh und unangepasst, hat aber mit Sicherheit live auf der Bühne noch mal so viel Spaß gemacht, wie damals auf Vinyl und heute auf CD.
Kleine.gelungene Geschichtsstunde, auch wenn die Band dann vielleicht doch nicht so wichtig war, wie behauptet. Ordentlich losrocken tut sie aber allemal und heutzutage ist die Gruppe auch wieder auf Tour. (A.P.)

EHERUNCOOL - Wonach wir suchen


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Tumbleweed

EHERUNCOOL existiert seit dem Jahr 2000 und stammt aus Sachsen. Ihre Musik ist Gitarren-Indie-Poprock á la Tocotronic oder auch Blumfeld, eben das, was man Hamburger Schule nennt, wenn auch nicht klassisch. Der Sänger ist etwas gewöhnungsbedürftig, bringt aber ziemlich gute, recht anspruchsvolle und sehr interessante Text rüber, eine Mischung aus Wut und Aufgabe, aber auch dem Willen zur Veränderung, nichts wird genommen wie es ist, alles wird hinterfragt. Das Ganze hat einen gewissen Grad an Melancholie und ist definitiv einen Hinhörer wert, eine gute CD mit schönen Melodien. (H.H.)

Webadresse der Band: www.myspace.com/eheruncool

LEICHTMATROSE - Sexi ist tot


Erstveröffentlichung: Maxi-CD 2009 / Ferryhouse / Warner

Es gibt wieder etwas Neues, nämlich den Leichtmatrosen. Ein junger Mann namens Andreas Stitz. Er präsentierte seine Musik auf Myspace und knapp zwei Wochen später meldete sich der gute JOACHIM WITT bei ihm und fungierte fortan als Mentor, Manager und Co-Produzent. Und das hört man auch, Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen, vor allem, was die Instrumentierung betrifft, nämlich gehobener Elektropop mit deutlich wavigen Anklängen – und halt eben ein bisschen Witt der neueren Zeit, und irgendwie auch mit Depeche-Mode-Gitarren. Darüber hinaus kann man Stitz eine Stimme und Singweise bescheinigen, die Stark an Peter Heppner erinnert. Das Stück „Sexi ist tot“ jedenfalls handelt vom Schönheitswahn, vom Schlankhungern, von dem Mädchen namens „Sexi“, das nun tot ist und an dessen Grab der „Mädchenchor von H&M“ singt. Ein schöner und sehr gelungener Text. Der Song ist in zwei verschiedenen, aber ansprechenden Versionen enthalten, zudem noch ein dritter, ebenfalls sehr gelungener welcher. Nun, auf alle Fälle kann man definitiv behaupten, dass diese Veröffentlichung Lust auf mehr macht und man nicht raushört, dass es hier ein „Neuling“ ist. Ich bin gespannt auf das Album. (H.H.)

Webadresse der Band: www.leichtmatrose.com

JOHN ROBB - Punk Rock - Die Ganze Geschichte


Erstveröffentlichung: Buch 2008 / Ventil Verlag / ISBN 978-3-931555-76-4

Wollte man sich bisher über die Geschichte der englischen Punk-Explosion informieren, waren Jon Savages „England’s Dreaming“ und George Gimarcs „Punk Diary 1970-1979“, sowie Bücher über einzelne Bands die Quellen, die man zu Rate ziehen konnte. „England’s Dreaming“ und „Punk Diary 1970-1979“ bleiben auch weiterhin die Standardwerke, zu denen sich aber mit John Robbs „Punk Rock“ ein drittes Pflichtwerk hinzugesellt. Die beiden erstgenannten Bücher erzählten die Geschichte mit einem Blickwinkel von außen (Savage), beziehungsweise anhand von nachprüfbaren Fakten (Gimarc). John Robb, seines Zeichens selber Musiker bei den Membranes, hat nun aber einen Doku-Roman geschaffen, der überwiegend aus Interviews mit fast allen wichtigen (und weniger wichtigen) Leuten der damaligen Zeit besteht. Klingt nach Jürgen Teipels „Verschwende Deine Jugend“ über die deutsche Szene? Stimmt, exakt das gleiche Konzept gibt es hier auf über 500 Seiten zu lesen. Und das ist mehr als lesenswert, weil eben die Beteiligten selbst zu Wort kommen, wobei von nüchterner Rücksicht über sachliche Infos bis hin zu romantischer Verklärung fast alles an Sichtweisen vorhanden ist. Da aber zu jedem Thema mehrere Stellungnahmen eingeholt wurden, entsteht ein recht vielfältiges und letztlich wohl auch einigermaßen objektives Bild.
Und zu Wort kommen sie alle…Rat Scabies, John Lydon, Mick Jones, Steve Severin, Jah Wobble, Adrian Sherwood, Barney Sumner, Beki Bondage, Billy Bragg, Captain Sensible, Brian James, Colin Newman, Hugh Cornwell, TV Smith, Keith Levine, Tony James, Poly Sterene, Don Letts, Marco Pirroni und und und. Eigentlich fehlen nur die, die leider viel zu früh verstorben sind, einige wenige Musiker/innen und Malcolm McLaren, wobei zumindest die Sicht von McLaren sicher interessant und ein netter Kontrast gewesen wäre. Allerdings wäre da wohl nur schwer nachvollziehbar, was der Wahrheit entspräche.
Umfassend erfährt man, wie die einzelnen Leute durch die frühen 70er Jahre nach interessanter Musik gesucht haben, wie sich die Punkszene zunächst in London um die King’s Road und die Sex Pistols entwickelte, wie erste Bands gegründet wurden, erste Konzerte stattfanden, erste Platten veröffentlicht wurden und Ende 1976 und im ganzen Jahr 1977 die Szene explodierte, blitzschnell kommerzialisiert wurde und bereits 1978 in sich zusammenbrach und sich dann im Untergrund eine lebendige zweite Punk-Welle entwickelte, inklusive zahlreicher Sub-Genres von Ska-Punk bis Gothic.
Man erfährt, wie die Sex Pistols erste Gigs spielten, wie die erste Ramones Tour in England die Szene prägte, wie sich die Weg weisenden Gruppen wie The Clash, The Damned, Buzzcocks, The Stranglers oder The Adverts gründeten und durchsetzten und wie eine die 80er Jahre prägende Independent-Szene Form annahm. Es werden Blicke auf wichtige Punk-Metropolen wie Manchester und Liverpool geworfen, ebenso auf Nordirland und Schottland. Dabei steht ganz überwiegend die Musikszene im Mittelpunkt, künstlerisch multimedial wurde Punk erst später. Der Schwerpunkt liegt natürlich auf den Jahren 1976-1978, der Zeitraum ab 1979 bis 1984 wird relativ schnell abgehandelt, wobei dort Bands wie Crass und P.I.L. exemplarisch für die Phase stehen.
Man kann in so einer eher nüchternen Buchkritik kaum auf alle in „Punk Rock“ angesprochenen Details, Bands, Ereignisse und Personen eingehen, aber klar ist, dass hier wohl alles Wichtige zur Sprache kommt und das Buch deswegen bedingungslos zu empfehlen ist, nicht nur für Punk-Fans, sondern für musikgeschichtlich Interessierte im Allgemeinen, denn unbestreitbar ist wohl, wie auch immer man das Phänomen Punk sehen mag, dass die Musikwelt dadurch für immer verändert wurde.
Neben „dem Savage“, „dem Gimarc“ gibt es jetzt also auch „den Robb“. Wenn man diese drei Bücher gelesen hat und einige der wichtigen Platten kennt, darf man beim Thema Punk zumindest mitreden. Plichtlektüre! (A.P.)

3RD ALLEY - Shiny Shady People


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Long Beach Records Europe / LBRE 006

Die Kalifornier 3RD ALLEY möchten auf keinen Fall mit ihren Landsleuten Sublime verglichen werden, deswegen wird die Band im Waschzettel auch nur 3 x erwähnt. Nun, ich kenne Sublime nicht weiter, neige nun aber tatsächlich dazu, hier Vergleiche zu ziehen…selbst schuld liebes Label!
Aber im Ernst, 3RD ALLEY legen mit „Shiny Shady P eople“ ein ganz interessantes, aber leider nicht rasantes Album vor. Viele Ideen, viele Einflüsse, irgendwie aus der Punk-Ecke stammend, aber doch ohne richtiger Punk Rock zu sein. Eine „gesunde Mischung aus Rock, Reggae und Dub“ wird das genannt und tatsächlich sind diese Einflüsse zu hören. Das klingt alles ganz solide und macht live sicher auch Spaß, ehrlich gesagt reißt mich das auf CD nicht so richtig mit. Die ganz alltäglichen Alternative Rock-Anklänge sind doch zu bekannt und da helfen auch die Reggae- und hier und da ein paar Ska-Einflüsse nicht so richtig weiter. Musik für College Radios und Leute mit Skateboards, zu weiten Hosen und vielleicht ein paar Rastazöpfen unter der Baseball-Kappe, die nach Schule und Studium dann doch einen „richtigen“ Job annehmen, dort aber zu den angenehmeren Zeitgenossen gehören, die noch zweimal im Jahr auf Konzerte gehen und dort alte Freunde aus ihrer wilden Zeit treffen. Klingt jetzt böser, als es eigentlich gemeint ist, aber ich kann irgendwie nicht anders, sorry... (A.P.)

Webadresse der Band: www.longbeachrecords.de

CHURCH OF CONFIDENCE - Takin' Over


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Wild At Heart Berlin Recordss

Die Berliner CHURCH OF CONFIDENCE, “gegründet 1995 in Berlin, mit der Absicht, die besten Zutaten der Genres Punk und Rock'n'Roll zu vereinen und mit dieser Mixtur die Welt in den Arsch zu treten“ kenne ich dem Namen nach und wahrscheinlich von diversen Samplern schon ziemlich lange. Nun höre ich erstmals ein komplettes Album der Band, die schon immer fast alles selber macht, und das, was sie macht, ist mehr als sympathisch. Tatsächlich gibt es guten alten, schnörkellosen Punk Rock zu hören, straight und ohne jeden Schnickschnack, dazu eine ordentliche Portion Rock’n’Roll, aber auch immer wieder eine Prise „normalen“ Rock. Die Figuren auf dem Cover lassen zusätzlich noch auf Rockabilly-Einflüsse schließen, die aber tatsächlich eher minimal ausfallen. Stattdessen dürften die Bandmitglieder auch so einige Platten von Motörhead, The Cramps und Kiss im Schrank stehen haben, was ja alles andere als verwerflich ist. Hin wieder wird’s mir etwas zu normalrockig („Icurable Madness“), dafür entschädigen aber Knaller wie „Going To Brazil“ (Motörhead-Cover) allemal. Weitere Coverversionen gibt es von Chris Spedding (?) und AC/DC, damit dürfte dir Richtung also klar sein, aber auch mit den meisten eigenen Songs überzeugen die Berliner. Ohrwurmige Melodien und eine eingängige Produktion sorgen für gute Unterhalten, allerdings nehme ich an, dass die Band live weitaus rotziger daher kommt. (A.P.)

Webadresse der Band: www.churchofconfidence.de

GNOSTIC GNOMES - Zwergenlieder


Erstveröffentlichung: Doppel 7 2007 / Reue um Reue / T.u.T./R.u.R. / R.u.R. 007

Zwergenlieder heißt dieser Veröffentlichung der GNOSTIC GNOMES und passender weise hat man die vier Lieder dann auch gleich als Doppel-5“ Single auf den Markt geschmissen, also zwei Vinylschallplatten im Format einer CD. Alleine damit hat man im Hause Reue um Reue mal wieder ein schönes Sammlerstück geschaffen, das zudem auch noch wie gewohnt wunderbar gestaltet ist.
Musikalisch geht es auch „zwergenhaft“ zu, meint: vier kleine Tracks, eher Songideen, als fertige Lieder, die extrem minimalistisch und vor allem völlig akustisch daherkommen, schon folkig, aber weit entfernt vom so genannten Neofolk.
Man hat läuten hören, dass hier die Leute von Wermut und Novy Svet am Werk waren. Man kommt nicht drum herum zu sagen, dass hier ein echtes Kleinod geschaffen wurde, extrem reduziert in Format und Klang, erhaben aber in der optischen Präsentation. (A.P.)

Webadresse der Band: www.tutrur.com

THE BORDELLS - III


Erstveröffentlichung: CD 2006 / Finest Noise Releases / Radar

Diese CD liegt schon viel zu lange ungehört hier rum, aber irgendwie ist sie immer im Stapel der ungehörten Sachen nach unten gerutscht, sicherlich auch, weil Artwork und Waschzettel mir recht unspektakulär erschienen. Zu Unrecht, wie sich einmal mehr herausgestellt hat.
Nun werde ich sicher kein großer Fan der Band, die hier ihr drittes Album vorgelegt hat, wie der Titel auch nachvollziehbar belegt, aber live könnte ich mir die Band recht unterhaltsam vorstellen, denn ihr Rock’n’Roll, nichts anderes wird hier geboten, liefert einen ganzen Sack voll Druck und Energie ab. Im Info werden Namen wie Elvis, Rolling Stones, Kiss, AC/DC, MC5, Stooges und ein paar neuere Gruppen genannt und diese Mischung dann auf „High Energy Rock’n’Roll“ verkürzt, womit man ganz richtig liegt. Das ganz große Vorbild dürften aber definitiv Motörhead sein, die an allen Ecken und Enden durchklingen. Mir klingt es hier und da etwas zu 70s-mäßig, aber alles in allem kommt schon rüber, wofür man eigentlich Musik machen sollte: Spaß! (A.P.)

WITT - Dorian Hunter Theme


Erstveröffentlichung: Maxi-CD 2009 / Zaubermond Audio / Alive

Das ist doch mal ein Crossover im ursprünglichen Sinne! Zwei eigentlich unabhängig voneinander existierende Sachen werden zusammen gebracht, sprechen somit auch Fans der jeweils anderen Sache an und erweitern im besten Falle den jeweiligen Fankreis.
Wenn also Altmeister Joachim WITT („Goldener Reiter“, „Die Flut“, „Bayreuth“-Reihe) die Musik für eine Horror-Hörspiel-Serie macht, so ergibt es durchaus Sinn, diese Titelmusik auch unabhängig davon zu veröffentlichen. Der eine oder andere WITT-Fan wird so nicht nur auf „Dorian Hunter – Dämonen-Killer“ stoßen, sondern auch manch Hörspiel-Liebhaber dürfte sich am umfangreichen Werk WITTs zukünftig erfreuen.
Musikalisch orientiert sich der Titelsong, der hier in vier verschiedenen Mixen vorhanden ist, an den „Bayreuth“-Werken (was man schon dadurch erkennen kann, dass der Vorname des Musikers hier weg gelassen wird) und wird Fans des Musikers sicher zufrieden stellen. Natürlich ist das durchaus soundtrackmäßig angelegt, hat aber definitiv auch Hitcharakter. Zu der Hörspielserie passt die Musik zudem sehr gut, schön atmosphärisch und zeitgemäß.
Keine Frage, dass Zaubermond Audio hier perfekt dem neuzeitlichen Begriff „Cross-Promotion“ Leben einhaucht.
Dazu trägt auch bei, dass neben den vier Mixen des „Dorian Hunter Themes“ noch fünf geschnittene Szenen aus den ersten Folgen der Serie auf der CD zu finden sind. Das dürfte Hörer der Serie, die sich weniger für die Musik interessieren, zu einem Kauf verleiten und die bisher reinen Musikfans kriegen einen kleinen Eindruck, welch hohe Qualität die Serie liefert. Rundum gelungen und sicher vorbildhaft für die Zukunft. (A.P.)

DEUTSCH AMERIKANISCHE FREUNDSCHAFT - Hamburg, Uebel Und Gefaehrlich - 27.02.2009


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung

Nach ihrer Reunion-Tour zum Album „15 Neue DAF Lieder“ im Jahr 2003 gingen die beiden Punk-/Electro-/NDW-/EBM-Vorreiter Gabi Delgado-Lopez und Robert Görl 2009 mal wieder auf Tour, diesmal jedoch ohne neues Album. Wozu auch? Die Fans wollen ja sowieso nur die guten alten Hits hören und DAF liefern das ab. Sicher aus kommerziellen Gründen, aber durchaus mit Spaß an der Sache, der von der Bühne aufs Publikum überspringt. Ohne jede musikalische Modernisierung und mit (fast) allen Hits.
Im Februar 2009 beehrten sie auch mal wieder Hamburg, diesmal im liebenswerten Club Uebel & Gefaehrlich im alten Hochbunker am Heiligengeistfeld. Was für eine Location würde besser zur aggressiven Musik von DAF passen, als ein Bunker?
Da später am Abend noch eine weitere Veranstaltung in dem Club angesetzt war, begann der Einlass bereits um 19:00 Uhr, extrem ungewöhnlich für Hamburger Verhältnisse, zudem an einem Freitagabend. Als wir gegen 19:45 Uhr eintrudelten war der Laden dann auch erst mäßig gefüllt, was sich aber bis Konzertbeginn gegen 21:00 Uhr noch ändern sollte. Nicht ganz ausverkauft zwar, aber doch so gut gefüllt, dass die Lust stickig und heiß wurde…aber auch das passt ja zu DAF wie die Faust aufs Auge. Um 20:00 Uhr betrat aber erstmal der Support-Act Leichtmatrose die Bühne, der eine nette erste Single mit dem Titel „Sexi ist tot“ veröffentlicht hatte. Leider war die Mischung aus Joachim Witt, Boytronic, Linientreu und Dark Wave wenig interessant und bis auf den Spruch „Studenten sind scheiße“ und der Erkenntnis, dass der Sänger wohl ernsthafte psychische Probleme bezüglich seiner Eltern haben muss, blieb wenig hängen. Gegen Ende des Auftritts übertönten die Buh-Rufe längst den ohnehin spärlichen Applaus. Jubel kam lediglich einmal auf, als der „letzte Song“ angekündigt wurde. Klassisches Schicksal einer unpassenden Support-Band.
Nach der Umbaupause betraten zunächst Robert Görl und dann Gabi Delgado-Lopez die Bühne, auf der nur ein Tisch mit CD-Player und ein Schlagzeug standen, außerdem circa 30 Plastik-Wasserflaschen. Gabi erzählte schnell, dass für den Sound heutzutage CDs statt Tapes genutzt würden („weil der Klang besser ist“), Robert Schlagzeug spielt und er dazu singen würde. Kein Firlefanz, keine zusätzlichen Musiker, keine überflüssige Videoshow, wie noch 2003. Dazu eine deutlich kleinere Bühne als damals in der Großen Freiheit 36, DAF pur also und das tat dem dann (netto) über 90minütigen Konzert extrem gut. Gabi war gut gelaunt, brachte hier und da ein paar Sprüche, schüttete sich nach jedem Song eine halbe Flasche Wasser über den Kopf und die andere Hälfte ins Publikum, das sicher dankbar dafür war. Vor der Bühne entwickelte sich durchgehend ein kleiner Pogo-Mob und alle schienen zufrieden zu sein. Gespielt wurden hauptsächlich die Songs aus der Zeit 1981/82, wobei unter anderem das komplette „Alles Ist Gut“-Album aufgeführt wurde. Dazu einige wenige Stücke vom letzten Album („Algorithmus“, „Moschino, heckler & Koch“). Natürlich werden jedem Fan ein paar persönliche Hits gefehlt haben (bei mir unter anderem „Sex Unter Wasser“ in der Originalversion, „Kinderzimmer“, „Goldenes Spielzeug“), aber grundsätzlich stimmte die Mischung und es fehlten keine echten Hits. Außer natürlich „Kebapträume“, aber das scheinen die beiden grundsätzlich nicht mehr zu spielen. Kann ich mit leben. Dafür gab es ganz großartige Versionen von „Alle Gegen Alle“ und „Sato Sato“, die nichts von ihrer Kraft eingebüßt haben…nach immerhin bald 30 Jahren!
Obwohl im Prinzip fast das gleiche Programm geboten wurde, wie vor über 5 Jahren, hat mich dieser Auftritt mehr überzeugt, weil er noch mehr an die DAF erinnerte, die man von ganz früher vor dem geistigen Auge hat. Und da soll bloß keiner kommen und sagen, die Band hätte sich ja nicht weiter entwickelt. Nein, DAF waren damals ihrer Zeit nur weit voraus und erscheinen inzwischen zeitgemäß. (A.P.)

MONKEEMAN - Life In The Backseat


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Rookie Records / Cargo Records / RR057

MONKEEMAN ist ein Projekt des Deutschen Ralf Lübke, der hier sein drittes Album vorlegt und auch gleich in Eigenregie produziert hat. Ich kenne die vorherigen Sachen nicht, aber man konnte wohl schon in England ein bisschen Aufsehen erregen. Damit das jetzt auch in Deutschland gelingt, hat Rookie Records diese CD veröffentlicht. Und das Album macht echt Spaß. Es gibt eine schöne Mischung aus Gitarren-Rock und –Pop, wobei im Info Bands wie The Jam, Beatles und Oasis als Eckpunkte genannt werden, dazu eine ordentliche Prise Punk und wunderbare Melodien. Man hat den Songs auch ein paar Ecken und Kanten gelassen, so dass sie nicht allzu glatt gebügelt sind, was ihnen sehr gut tut. Meine Favoriten sind die letzten drei Tracks, zum einen „Town Of The Lost“, das klingt, als wenn New Model Army Ska spielen würden. Dann „Holes In The Snow“, das eine Spitzen-Single abgeben würde und schließlich „City Lights“, ein Song, den Richard Ashcroft oder Jarvis Cocker sicher gerne geschrieben hätten. Das soll nicht heißen, die ersten acht Lieder wären nicht gut, sondern nur, dass der Höhepunkt ganz zum Schluss kommt, wie es ja auch im wahren Leben sein sollte. (A.P.)

DAS ICH - Die Propheten

Wiederveröffentlichung: CD 2009 / Danse Macabre Records / Al!ve
Erstveröffentlichung: CD 1990 / Danse Macabre Records / Efa

Als DAS ICH aus Bayreuth, bestehend aus Sänger Stefan Ackermann und Musiker Bruno Kramm 1990 mit ihrem ersten Tape die Bünhe der Wave-Szene betraten, hatte sich zeitgleich auch gerade das Zillo-Magazin etabliert und Bands wie Project Pitchfork, Love Like Blood und Deine Lakaien standen vor dem Durchbruch. Diese vier Bands und das eben dazu passende Magazin sorgten für eine Explosion der deutschen Dark Wave-Szene, die vorher längere Zeit in einem Dornröschenschlaf lag (von Ausnahmen wie Pink Turns Blue und ein paar anderen mal abgesehen). Die, nur auf den ersten Blick, übertriebene Klischeehaftigkeit von DAS ICH sorgte unter anderem dafür, dass Zillo-Redakteur Sven Freuen den Begriff „Neue Deutsche Todeskunst“ erfand (zumindest angeblich) und schnell Acts wie Relatives Menschsein, Goethes Erben, Misanthrope und unzählige andere den Bayreuthern nacheiferten. „Die Propheten“, das erste Album von DAS ICH schlug ein wie eine Bombe und sorgte für Bewegung auf den Tanzflächen, sowie für zahlreiche neue Gruftis und unzählige neue Bands. Ich gebe zu, dass mich, als „Old School“-Fan die ganze neue Szene ziemlich schnell annervte und ich dieses ganze deutschsprachige Romantik-Todessehnsucht-Geschwalle ebenso schnell intolerant ablehnte. Allerdings nehme ich das erste Album von DAS ICH dabei ausdrücklich aus, denn das ist ziemlich genial und Weg weisend! Wenn es jemals so etwas wie puren Electro-Gothic gab, dann hier. Das Album war seit 2004 nicht mehr erhältlich und wurde jetzt, Anfang 2009 neu und natürlich remastered und mit 3 Live-Bonus-Tracks neu aufgelegt. Wie schon die Original-Vinyl-LP hat man der Re-Release-CD ein schickes Artwork verpasst, zu dem ich allerdings nichts Näheres schreiben kann, da mir zur Besprechung „nur“ ein Promo-Download vorlag. Die Lieder haben absolut nichts von ihrer Schärfe verloren und auch, wenn Songtitel wie „Des Satans Neue Kleider“, „Die Propheten“ oder der Klassiker „Gottes Tod“ zunächst klischeehaft klingen, so liefern die Texte doch recht intelligente Inhalte ab, man muss sich nur ein bisschen in die Tiefe wagen. Musikalisch hören wir sehr gut produzierte harte, vom Industrial beeinflusste Electro-Klänge, die ihre Wurzeln sicher auch bei Acts wie Fad Gadget und Cabaret Voltaire haben. Schon damals hat Bruno Kramm eine Menge aus seinem Danse Macabre-Studio herausgeholt. Wie schon damals oft genannt, dürften auch Einstürzende Neubauten einen großen Einfluss auf DAS ICH ausgeübt haben. Immer noch überhaupt nicht altmodisch wirkende Clubhits wie „Kain Und Abel“, „Gottes Tod“ oder „Lügen Und Das Ich“ haben ihren Platz auf den Playlists der einschlägigen Discos bis heute verteidigt. Nach „Die Propheten“ setzt DAS ICH den großen Erfolg bis heute fort, veränderte sich, ließ neue Einflüsse zu, erfand sich neu und blieb immer glaubwürdig in einer immer dem Massengeschmack hinterherlaufenden Musikwelt, aber die Intensität von diesem Debütalbum erreichten sie kaum wieder, weil der Überraschungseffekt fehlte, der 1990 vorhanden war, weil es so was bis dahin kaum im größeren Rahmen gegeben hatte. Ich weiß nicht, ob in dieser Besprechung klar wird, für wie bedeutend ich das Album „Die Propheten“ halte, aber mit diesem Re-Release hat die Band sich ein gelungenes Denkmal zum zwanzigjährigen Bandjubiläum (nicht Album-Jubiläum) gemacht und ein Kreis hat sich geschlossen. Wird eigentlich Zeit, dass die „Gottes Tod“-Coverversion „Bob Der Bär“, die nach einem DAS ICH –Konzert im Dezember 1990 entstand endlich mal das offizielle Licht der Welt erblickt, zum Beispiel auf einem Tribut-Sampler, den mal jemand in Angriff nehmen sollte. (A.P.)

MIND OF DOLL - Low Life Heroes


Erstveröffentlichung: CD 2007 / Thuma Records / Sony-BMG / T.Rec CD 004

MIND OF DOLL wurden 2000 in Finnland gegründet und „beschreiten seitdem ihren ganz eigenen Weg“ (so die My Space-Seite der Band, eine richtige Website gibt es mal wieder nicht) mit „in-den-Arsch“-Rock oder so ähnlich. Dabei gibt es weder den aus Finnland sonst bekannten chartstauglichen Düster-Rock, noch den guten alten Hardcore-Punk, sondern eben eine Mischung aus Metal und Schweine-Rock inklusive der üblichen widerlichen Gitarren-Soli. Das hat alles eine ganze Menge Power, eingängige Melodien und ist druckvoll produziert, aber musikalisch so gar nicht mein Ding. Ohne mich in der Musikrichtung allzu sehr auszukennen, würde ich mal sagen, Liebhaber von Motörhead oder Turbonegro (hoffentlich werde ich dafür nicht gesteinigt) dürfen mal ein Ohr riskieren. Anspieltipp ist das ziemlich punkige „No Alibi“. Mehr davon hätte bei mir auch mehr Eindruck hinterlassen. (A.P.)

PENCILCASE - Swingcore


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Modern Noise / Cargo Records / MN 028

PENCILCASE stammen aus der Aachener Ecke und wollen offenbar nicht mehr und nicht weniger, als lupenreine Rockmusik abliefern, die ohne irgendwelches Klimbim nach vorne losgeht und das vor allem live. Mit „Swingcore“ gelingt ihnen das, wobei natürlich hier und da ein paar Einflüsse aus anderen Ecken verarbeitet werden, ohne aber die Gradlinigkeit der Musik zu stören. Mal ist es rock’n’rollig wie bei Motörhead, mal eher punkig, aber eben immer schön rotzig. Also genau die richtige Band für kleine Clubs, in denen es stickig-heiß ist und das Kondenswasser von der Decke tropft, während sich die Leute das Bier schmecken lassen. Zum Glück wird es (kaum) metallig und so kann ich nur empfehlen, sich die Band mal auf der Bühne anzusehen, da dürfte es ziemlich gut abgehen. Sympathisch. (A.P.)

DIE KLEINEN GöTTER - Zuhause


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Moss Beach Music / Rough Trade / MBM 667011

Vor nunmehr 12 Jahren, also im Jahr 1997 veröffentlichten DIE KLEINEN GÖTTER ihr erstes Demo, dem mehrere Alben folgten, die aber vollkommen an mir vorbeigegangen sind, wie ich gestehen muss. Die Frage ist nun also: habe ich was verpasst? Einerseits ja, denn die Band aus Konstanz liefert soliden deutschsprachigen Punk-Rock mit viel Melodie und JuZ-Charme ab. Die Kerle haben Spaß an dem, was sie machen und das hört man dem Album auch definitiv an. Als „Referenzbands“ werden Die Ärzte, Kettcar und Madsen angegeben und da liegt eben auch das „andererseits“. DIE KLEINEN GÖTTER sind nicht besonders originell beziehungsweise eigenständig (wobei ich den Kettcar-Vergleich ohnehin nicht verstehe) und können somit nicht aus der Masse ähnlicher Bands hervorstechen. Das reicht sicherlich für ein paar Plattenveröffentlichungen und regelmäßige Konzerte in den Jugendzentren der Republik, wo man dem Publikum spaßige Stunden beschert. Und es ist ja auch nichts Verwerfliches daran, seinen Vorbildern nachzueifern, aber mir ist das einfach ein bisschen zu wenig. Ich würde als Eckpunkte noch die 90er Jahre Band Die Heiligen 3 Könige und heutzutage die Solosachen von Farin Urlaub nennen, das heißt ohrwurmiger Punk-Pop mit ganz guten Texten. Tut mir sogar echt ein bisschen leid, dass ich nicht mehr über die musikalischen Qualitäten der Band schreiben kann, aber wenn man die genannten Vergleichsbands kennt, weiß man eben ziemlich genau, was einen hier erwartet. (A.P.)

BOA, PHILLIP & THE VOODOOCLUB - Live Hamburg 2009


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2009

Live Hamburg Markthalle 06.03.09

Herr Boa und seine Mannen und Frau haben mal wieder geladen, und zwar mit neuer CD im Gepäck. Und einer grandiosen neuen Single namens „Lord Have Mercy With The 1-Eyed“. Für mich das erste Boa-Konzert seit ewig langer Zeit. Es war vorab beschrieben als “Diamonds Fall and Best Of” oder so ähnlich zumindest. Und genau das war es auch. Die (fast) komplette neue CD und ein bunter Querschnitt durch die beliebtesten Songs. So war auch fast alles zu hören, was das Ohr hören wollte, und zwar in einer guten Mischung. Normalerweise gibt es am Anfang ein bis zwei Kracher, dann kommen die neuen Songs und am Ende noch mal die Hits. Hier hat man es perfekt gelöst, denn die Hits kamen immer im Wechsel mit den neuen Songs, sodass niemals Langeweile aufkam. Nicht falsch verstehen, die neuen Songs sind auch alle gut, nur eben nicht so partytauglich und darüber hinaus ja auch noch nicht so bekannt. Und über allem thronte der Meister und unauffällig auffällig daneben die Königin. Phillip Boa, seit jeher die gleiche gute Frisur, kann mit seinen herrlich ungelenken Teddybär-Bewegungen faszinieren, charismatisch und immer noch eine Spur arrogant, so jedenfalls wirkt es. Tatsächlich hat der Frontmann aber augenscheinlich viel Spaß gehabt, genoss zwischendurch ein Gläschen Rotwein und ließ sich bei dem obligatorischen „Arschloch“-Zuruf aus dem Publikum auch zu einem verschmitzten Lächeln hinreißen. Pia Lund ist immer noch eine Augenweide und ist für die Boa-Songs einfach unersetzlich. Es geht so viel Wirkung von ihr aus, auch wenn sie eher die Stille und Zurückhaltende ist. Ebenso auch die Band, die musikalisch einiges drauf hat. Besonders natürlich die Schlagzeuger, wobei einer von beiden auch parallel für Keyboard-Einsätze dabei war. Aber wenn beide ekstatisch in kurzen Breaks trommelten, war das unglaublich. Das ist halt handgemachte Musik.

Dann sollte man noch sagen, dass keine Biere flogen. Das lag wohl am mittlerweile mitgealterten Publikum, das wohl inzwischen auch lieber Wein trinkt. Tanz- und mitsingfreudig war es aber allemal, und für Hamburger Verhältnisse extreme Stimmung, selbst beim Hinausgehen waren noch alle elektrisiert und einige sangen lauthals „Kill Your Ideals“. Ansonsten könnte man noch all die Gassenhauer aufzählen, was allerdings müßig wäre. Erwähnenswert ist die eben erwähnte verlängerte „Kill Your Ideals“-Version am Ende des Konzertes, die richtig Kraft hatte, und überhaupt muss noch gesagt werden, dass die Band ein riesiges Arsenal an Hits hat, dass man es kaum glaubt. Da würden viele Künstler von träumen. Im Musikerhimmel sollte Boa also eines Tages einen Sonderplatz bekommen. Alles in allem ein höchst gelungener Abend. (H.H.)

HJALTALIN - Sleepdrunk Seasons


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Haldern Pop Recordings / Cargo Records

Island ist eine Popkultur für sich. Und immer mehr erobert sie auch Europa. Nicht nur Sigur Rós oder Björk feiert man hier, auch immer mehr kleinere Bands erobern sich nach und nach die Herzen. Die Band HJALTALIN aus Rykjavik hat es da leicht, denn ihre Musik wirkt nur auf den erste Blick ein bisschen sperrig, doch lauscht man eingehender, wird es sogar richtig eingängig. Der Sound ist mit Bläsern und Streichern verfeinert, wird dadurch enorm spannend und dank seiner 8 Musiker auch sehr flächig, ohne dabei verwaschen zu werden. Ihr versteht, was ich meine? Nein? Dann tut es mir leid, dann müsst Ihr selbst reinhören. Auf jeden Fall ist die Band ganz gut im Kommen, immerhin erhielt sie 5 Nominierungen für den ""Iceland Music Award"" und gewann ihn in der Kategrie ""Bester Songwriter"" (bzw. Bandmitglied Högi Egilsson gewann ihn) sowie in der Kategorie ""Brightest Hope"". Zudem erhielt die Band eine Nominierung für den ""Time For Peace Music and Films""-Award für einen ihrer Songs. Mein persönlicher Lieblingssong der CD ist ""Goodbye July/Margt ad ugga"", der auch ein ganz gutes Beispiel für die Musik der Band ist. (H.H.)

Webadresse der Band: www.myspace.com/hjaltalinband

GORETRUST - Last Revolution


Erstveröffentlichung: CD 2008 / STF Records / M-System

Hmmm, Death Metal aus Ungarn…klingt dann auch ziemlich genau so, wie ich es erwartet habe, treibender Rhythmus, peitschende Gitarren und Gesang, der oft auch ins Gekreische übergeht. Tja, und genau das ist dann die Art von Musik, mit der ich wenig anfangen kann. Also: wer auf Death Metal steht und auch gerne mal wissen will, was in „exotischeren“ Ländern abgeht, kann mal reinhören. Ich werde es wohl nicht wieder tun. Immerhin: sehr schönes Frontcover. (A.P.)

ELECTRIC 69 - Electric 69


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Go Down Records / Radar Music / GODO24

Ich gebe zu, der Bandname und das Artwork, dazu die Beschreibung „Rock and Roll aus Italien“ und das echt fiese Aussehen der Bandmitglieder im Booklet haben mich abgeschreckt, diese CD zu hören. Als ich sie nun ein Dreivierteljahr später doch mal in den Player gesteckt habe, haben sich leider alle meine Befürchtungen bestätigt. Schon der Gedanke, dass Italiener stinknormale Rockmusik machen, ist irgendwie komisch, das passt so gar nicht zu denen…ich weiß, ich habe Vorurteile.
Zu hören gibt es eben ganz normale Rockmusik, die ihre Wurzeln deutlich in den 70er Jahren hat und gerne ein bisschen wie Motörhead sein würde. Dazu ein bisschen Bruce Springsteen und eine Prise Biker-/Stoner-Rock. Der Waschzettel nennt MC5, The Who, Grand Funk Railroad und die Hellacopters als Orientierungspunkte. Mag sein…nicht meine Welt und deshalb werde ich diese CD auch nicht bewerten. Wer auf Rock steht, kann mal reinhören, bei mir wird das Album sicher nicht auf Dauerrotation laufen. (A.P.)

ADN'CKRYSTALL - Minilab


Erstveröffentlichung: LP-Box 2007 / Anna Logue Records / ANN013(-7).2007

Ich gebe es ungern zu, bis vor einiger Zeit war mir das französische Projekt ADN’CKRYSTALL nur vom Namen her ein Begriff. Von der 1982er LP „Jazz’mad“ hatte ich wohl gehört, nur ist sie mir nie in die Finger geraten, da dafür unverschämte Sammlerpreise gezahlt werden müssen.
Als das Kernkrach-Label 2005 jedoch die zwar schlecht klingende, musikalisch aber ausgesprochen spannende „Arabesketch“-7“ mit Aufnahmen von 1985 auf den Markt brachte, lief mir Musik von ADN’CKRYSTALL plötzlich überall über den Weg. Vinyl-On-Demand brachte eine musikalische Retrospektive heraus, die LP „Synthesizers And Other Electronic Masturbators“ erschien und auch Anna Logue Records brachte zum Vierteljahrhundertjubiläum der „Jazz’mad“ eine Art Zwillingsplatte dazu heraus, gleich noch angereichert mit einer 7“. Inzwischen spielte das Projekt um den ausgesprochen freundlichen Erick Moncollin auf dem Kernkrach-Festival und Clogsotronic lieferte eine limitierte 7“/CD-Veröffentlichung nach, ebenso wie Kernkrach zum Festival eine anonyme 2-Track-Single als klingende Eintrittskarte zum Auftritt anbot. Eine regelrechte Überschwemmung an ADN’CKRYSTALL-Musik also in kürzester Zeit.
Gerechtfertigt?
Was die „Minilab“-LP+7“ von Anna Logue Records angeht allemal. Hier wird lupenreiner Minimal-Electro-Sound geboten, der auf Original-Analog-Instrumentarium produziert wurde, wie wir es alle aus den guten alten frühen 80er Jahren lieben. Die alten Synthies piepsen, klonksen, zirpen und blubbern zu schlichten Rhythmen, wie man es „von damals“ besonders auch aus der Cassetten-Szene kannte. Und nicht nur musikalisch hält man sich deutlich an die 1982er Platte, sondern auch was das Artwork angeht, so dass man es hier tatsächlich mit einer Art Schwesterveröffentlichung zu tun hat, oder, wie die „Titanic“ früher gerne rubrikierte: „Zwillinge, bei der Geburt getrennt.“
Die Musik ist überwiegend instrumental, analog und sehr reduziert, früher wahrscheinlich aufgrund eingeschränkten Equipments, heute aber sicher auch konzeptionell gewollt.
Die Auflage beträgt 400 Exemplare und enthält ein unterschriebenes Foto, sowie Beiblätter zur LP und zur Single. Wie immer hat sich Marc Schaffer also versucht, selbst zu übertreffen und auch, wenn es hier weitaus weniger new wavig zugeht, als bei anderen Anna Logue-Veröffentlichungen, so passt es doch perfekt auf das Label, weil man auch spürt, dass das ganze Teil mit viel Liebe gemacht ist. (A.P.)

Webadresse der Band: www.annaloguerecords.com

DESCENDANTS OF CAIN - The Tao Of Wisdom And Misery


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Echozone / BOB Media / BM08C148

„So muss Gothic-Rock heute klingen“ schließt der Waschzettel zur inzwischen fünften CD der englischen Band DESCENDANTS OF CAIN. So KANN Gothic-Rock heute klingen, erwidere ich mal ganz frech, denn ob der klassische Gothic-Rock, der in den 80er Jahren entstand und hier auch in einem szenetypischen Namen widergespiegelt wird, wirklich zusätzlich zu Anklängen an Fields Of The Nephilim und Konsorten (was den old-school-Teil darstellt) auch Einflüsse and Industrial-Metal, Ambient und Neo-Klassik braucht, bezweifle ich. Die Mischung erscheint mir dann doch eher dem heutigen Massengeschmack in der „schwarzen Szene“ hinterherlaufend, was an sich ja nicht schlimm ist. Da es hierfür eine Hörerschaft gibt, hat die Musik auf jeden Fall ihre Existenzberechtigung, nur sollte man nicht versuchen, unbedarfte alte Säcke wie mich, die sich auf ein Album im guten alten Stil freuen, mit ins Boot zu ziehen. Was DESCENDANTS OF CAIN hier abliefern ist am ehesten zeitgemäßer Dark Wave, der eben auch, neben anderen Einflüssen, ein paar ganz hübsche Gothic-Gitarren benutzt. Das macht die Londoner Gruppe auch ziemlich gut und dürfte damit bestimmt eine breite Hörerschaft erreichen, die zu dem einen oder anderen Song die Tanzflächen der Clubs füllt und die bestimmt guten Livegigs abfeiert. Sicher, ein bisschen mehr Druck bei der Produktion und ein paar mehr Ecken und Kanten wären schön gewesen, aber das ist vielleicht heute gar nicht mehr so gewollt.
DESCENDANTS OF CAIN sehen nicht aus, wie eine Gothic-Rock-Band, sie klingen nicht so und sollten deshalb vielleicht auch nicht so verkauft werden. Mit dem, was sie machen, liegen sie gut im Rennen, machen das gut und brauchen sich dafür nicht zu schämen. Aber vielleicht kommt es bei den Damen immer noch besser an, zu sagen, man spielt in einer Gothic-Rock-Band und nicht, man spielt in einer Dark Wave-Band…klingt halt wilder, rauer und dreckiger. Nur: das spiegelt die Musik dann am Ende doch nicht ganz wieder. Alles etwas zu glatt und unrotzig. Der Tipp also an die Musiker: CD erst am Morgen danach einlegen und vorspielen!
Allerdings verstehe ich nicht, warum einige zwölfsekündige Leertracks und ein paar nicht auf dem Cover genannte Songs auf der CD sind. Pressfehler? Druckfehler? Scham über die eigenen Songs? Oder doch nur welche von diesen unsäglichen „Hidden Tracks“? (A.P.)

MONOPOL (2) - Mein Erstes Monopol-Album


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Capitol East Road Records / Radar Music / cer2008-01

MONOPOL aus Hamburg ist nicht die erste Band mit diesem Namen und wird sicher auch nicht die letzte bleiben. Leider hat die Gruppe nichts mit der NDW-Gruppe zu tun, die 1982 eines der besten NDW-Alben überhaupt veröffentlicht hat, dass heute nur noch zu exorbitanten Sammlerpreisen zu finden ist.
Deutschsprachige Musik machen die neuen MONOPOL aber auch und das ganz gut und vor allem richtig zeitgemäß, wo doch seit ein paar Jahren deutscher Pop mehr als erfolgreich ist. Das wird dann im Waschzettel auch ganz richtig Indie-Rock genannt, wobei ich aufgrund der Melodien auch die Nachbarschublade Indie-Pop mit aufziehen würde. Die Visions faselte was von Coldplay-Klavier in einem Song. Ich würde mal als musikalische verwandte Gruppen wie Kettcar und Tomte oder Musiker wie Bernd Begemann und Dirk Drmstädter nennen, wohl nicht ganz zufällig allesamt Hamburger Größen, die jede auf ihre Art die Musiksozialisierung vieler Hamburger geprägt haben, die eben nicht auf R’n’B-Gedudel, Deutsch-Bösewicht-Hip Hop oder Castingshow-Wahnsinn stehen wollten. Dazu noch eine Spur Rock im Stile von Selig und fertig ist MONOPOL mit schönen, eingängigen Songs und ganz guten Texten. Der ganz eigene Stil fehlt noch ein bisschen und hier und da ist es etwas seicht produziert, vor allem zum Ende hin geht die Spannung doch etwas verloren und der „Hidden Track“ wäre nicht nötig gewesen, handelt es sich doch nur um echt langweiliges Gedudel. Aber insgesamt ist man am Ende dann doch gespannt, was das hoffentlich nächste Album an Entwicklung bringen wird. Mein Daumen jedenfalls zeigt zu 80% nach oben, die Löwen brauchen also nicht in die Arena gelassen werden, um das Dasein der Gruppe zu beenden. (A.P.)



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