ASCII.DISKO - ASCII.DISKO

Wiederveröffentlichung: 12 Inch Boxset 2003 / L´age D´or
Erstveröffentlichung: CD 2003 / L´age D´or

Neben Spillsbury hat das L´age D´or Label eine weitere Band entdeckt, die ihre musikalischen Wurzeln in den 80er hat und dies auch nicht zu verbergen versucht. ASCII.DISKO hat sich ganz der elektronischen Klangerzeugung gewidmet und diese schon auf mehreren Vinyl-Maxis unter die Leute gebracht. Das selbst betitelte Debutalbum ist nun aber ein echter Hammer, denn ohne stilistische Grenzen kann man mit dieser CD definitiv Akzente setzen. Von Electronic Body Music im Stile der ganz frühen Oomph!-Maxis über frühe Nitzer Ebb-ähnliche Sounds und DAF zu „1st Stept to Heaven“-Zeiten bis hin zu Kraftwerk- und Residents-artigen Klangkosmen, sowie Minimal-Electro, Trance-Techno, Soundtrack-Anleihen und hier und da ein wenig NDW ist alles zu finden, was elektronnische Musik der letzten dreißig Jahre zu bieten hatte. Wenn das Label dann auch noch das Thema Acid-House einbringt, ist das auch nicht so falsch. Erfreulicherweise hat ACSCII.DISKO aus diesem ganzen Kram einen recht eigenen Stil geschaffen, der irgendwie, und das ist das seltsame und erfreuliche, häufig richtig rockt, und das ganz ohne Gitarren! Das soll erstmal einer nachmachen!

Viele Stücke locken sofort auf die Tanzfläche, ohne dabei aber den normalen Deppen-Techno zu imitieren, das hier ist echt „Body“-Musik, was besonders an den treibenden Rhythmen von Stücken wie „Immer“ oder „Einfach“ liegt, aber insgesamt halt an der sehr guten Produktion.

Der Hammerhit des Albums ist aber natürlich der Minimal-Electro-Kracher „Aldimarkt“, der locker an die Qualitäten von Clan Of Xymox´ legendärem Frühwerk „Going Round“ heran reicht und wohl schon jetzt unentbehrlich im Repertoire der einschlägigen DJs sein dürfte. Dieser Song wird mit Sicherheit auch in ein paar Jahren noch jede Tanzfläche füllen.

Mehr muss man zu diesem Album wohl wirklich nicht mehr schreiben...wirklich mitreißend! (A.P.)

CHROMOPILA - Pornöse Töne


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Eigenveröffentlichung / Radar

Im November 2008 hat die Trierer Band CHROMOPILA zusammen einen Auftritt mit der Band Hansa Wurstbrot gespielt. Das ist zwar nicht wirklich wichtig für die Besprechung der CD „Pornöse Töne“ von CHROMOPILA, aber ich wollte den Namen Hansa Wurstbrot doch irgendwie mal erwähnen, weil er so richtig schön blöd ist. CHROMOPILA gibt es seit 2004 und nach einem Demo und diversen Konzerten liegt nun das Debütalbum vor, das im Waschzettel mal ganz einfach als „Rock / Funpunk“ bezeichnet wird. Da hat es sich ein Promomensch aber ein bisschen einfach gemacht. Spaß macht die Musik zwar, aber deshalb ist es noch lange kein Funpunk, auch, wenn rockige Gitarren das Bild beherrschen. Eher so eine Mischung aus Alternative und Punkrock mit deutschsprachigen Texten, die ziemlich unpeinlich sind. Musikalisch klingt das eher ernst und eben rockig mit leichter Rotz-Attitüde und gaaaaanz entfernt gibt es ein paar Tote Hosen-Anklänge (was die Band sicher nicht lesen mag).
Wofür der Name CHROMOPILA steht, sollte man als Unwissender einfach mal googeln, dann wird der Bezug zum Funpunk vielleicht auch etwas klarer. Nett ist das ska-beeinflusste „Präsident Der Welt“. Ein richtig gelungener Ohrwurm ist „Klopapier“, viel zu sehr einfacher Schweinerock ist hingegen „Polizei“. So erscheint das Album ein bisschen durchwachsen, Höhen und Tiefen wechseln sich ab. Auch bei der Produktion, vor allem beim Gesang, hätte man etwas mehr herausholen können, da fehlt doch ein bisschen Dreck und Druck. Das dürfte die Band aber sicher auf der Livebühne wieder wettmachen. Weil ich die Band aber noch nicht live gesehen habe, bleibt der Daumen erstmal noch in der waagerechten. (A.P.)

Webadresse der Band: www.chromopila.com

TRANSIT - Decent Man On A Desperate Moon


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Karmakosmetix / Soulfood / kkx005

Aus dem Hause/Umfeld Prophecy Productions kommt das Debütalbum “Decent Man On A Desperate Moon” von TRANSIT. Der Bandname erzeugt bei mir erstmal Fragezeichen, doch schnell ist klar, dass dahinter Jan Kenneth Transeth steckt, der mit In The Woods beachtliche Erfolge hatte und ansonsten auch in Bands wie Stille Oppror und Green Carnation aufgetaucht ist.
Nun sein Soloalbum, das wohltuend vielseitig daherkommt. Irgendwo zwischen Wüstenblues („One For The Sea – Ad Anima Pt.1“) und Alternative Rock („Bleed On Me“) gerne auch mal mit einer poppigen Note („You And Me And The Some“) oder Bowie-Anklängen (“The Girls And The Road”, “Miller Song”) und sogar 16 Horsepower-Einflüssen (“Jokes Aside”).
Der Hit des Albums ist aber auf jeden Fall gleich der Opener „Estrangeiro/New Man“, der auch gut in einen Quentin Tarantino- oder Robert Rodriguez-Film passen würde. Spannendes Album also, das dem Genre Alternative endlich einmal mehr Möglichkeiten gibt, also es sonst meistens der Fall ist. (A.P.)

Webadresse der Band: www.karmakosmetix.com

ANDREAS GROSS - HailTo The Employee


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Echozone / Bob Media / BM08C194

ANDREAS GROSS, ein Allerweltsname, der zunächst mal auf einem CD-Cover nichts aussagt. Keine bestimmte Musikrichtung, kein Image.
Und trotzdem ist „Hail To The Employee“ bereits das vierte Album, das ANDREAS GROSS vorlegt, wahrscheinlich allesamt zunächst als CD-R selbst veröffentlicht und dieses Jahr als „richtige“ CDs und Vinyl (lobenswert!) wieder veröffentlicht. Sollte ich mich da täuschen, bitte ich um Berichtigung.
Statt eines Solo-Interpreten, wie der Name vermuten lässt, handelt es sich hier aber im Prinzip schon um eine mehrköpfige Band, deren unangefochtener Kopf aber sicherlich ANDREAS GROSS ist. Zu hören gibt es laut Eigenbeschreibung auf der Website eine „Dark Wave Gothic Band“, wobei ich das „Gothic“ mal eher beiseite schieben möchte, zumindest, wenn man „Gothic“ so kennen gelernt hat, wie meine Generation (Szeneeinstieg Mitte der 80er). Dark Wave gilt aber widerspruchslos, verbunden mit einer gehörigen Portion melancholischem Synthie-Pop. Das erinnert teilweise sehr an die frühen Sachen von Silke Bischoff, die ja leider ziemlich sang- und klanglos im internen Streit verschwunden sind. Ob ANDREAS GROSS dafür der passende Ersatz ist, beziehungsweise, ob diese Musik heute noch eine breite Fanschar findet, wird sich zeigen. Musikalisch wird jedenfalls solide Arbeit geboten, dunkle (Synthie-) Streicher-Klänge, lieblicher Frauengesang, einschmeichelnde Melodien und szenekompatibles Artwork. Obwohl es qualitativ eigentlich nichts auszusetzen gibt, fehlt mir doch ein bisschen das „gewisse Etwas“ und vor allem der „Hit“ mit Wiedererkennungswert. Die CD eignet sich wunderbar dafür, an dunklen, verregneten Herbst- und Winterabenden den Tee im Wohnzimmersessel zu versüßen, aber für die Clubs ist leider nichts dabei und das wäre heutzutage doch schon relativ wichtig, um im größeren Rahmen Erfolg zu haben. Irgendwie, und das ist gar nicht mal böse gemeint, erscheint es so, als wenn hier Heimtüftler am Werk waren, denen das Liveerlebnis mit ihrer Musik fehlt, um auf den Punkt zu kommen. Romantic-Dark-Waver sollten mal ein Ohr riskieren, für Gothics ist das eher nicht geeignet. Das Zeug für einen Remix mit etwas mehr Power hätte einzig und allein „Lazarus Effect II“. Vielleicht mal drüber nachdenken… (A.P.)

Webadresse der Band: www.nomorejazz.de

JAIDEEP - JaiDeep


Erstveröffentlichung: Mini-CD 2007 / Syborgmusic / Nova Media Distribution / 97901-11

Das Promofoto zeigt vier junge, düster dreinblickende Männer in schwarz, die wie der Waschzettel zu dieser CD angibt, einen Kontrast zum „Kaufhausberieselungsprogramm“ bilden wollen. Dazu ist harte Rockmusik heute zwar nicht mehr das Nonplusultra, aber hier und da immer noch ein bisschen provozierend. Letztlich hat der Alternative Rock, mit welchen anderen Musikarten er auch gekreuzt wird, längst den Weg in die Mitte der Gesellschaft gefunden und auch, wenn JAIDEEP recht heftig rüberkommen und auch einige Punkanklänge mitbringen, so schocken sie damit wohl kaum noch jemanden, so lange sie nicht auf der Bühne kleine Kinder fressen oder Jungfrauen schänden und selbst dann…naja.
Klar tut man der Band damit ein bisschen unrecht, spielen sie doch sicher einfach die Musik, auf die sie Bock haben. Das ist auch völlig okay und hier nicht nur technisch ziemlich gut rübergebracht, aber Revolutionen wird Musik kaum noch starten können.
Musikalisch klingen ab und zu die alten Faith No More durch und das ist ja definitiv nicht das schlechteste Vorbild für eine junge Band. Da es auf dieser Veröffentlichung auch nur sechs Lieder in knapp 22 Minuten zu hören gibt, wird es auch niemals langweilig. Alternative Rock-Liebhaber sollten reinhören, ebenso wie stiloffene Metalfreaks. (A.P.)

Webadresse der Band: www.jaideep.de

SAVA - Metamorphis


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Banshee Records

Eigentlich hätte man nicht vermutet, dass Birgit Muggenthaler in diesem Jahr noch Zeit für irgendetwas anderes als Schandmaul finden konnte. Das neue Album „Anderswelt“ wurde veröffentlicht, dann kommt das 10 jährige Bandjubiläum hinzu und obendrein standen noch zwei DVD Produktionen an. Inmitten von diesem Stress und Arbeitspensum fand sie dennoch die Zeit, sich nach langer musikalischer Abstinenz SAVA und damit ihrem Soloprojekt wieder zu widmen. Im Vergleich zu Schandmaul, ist SAVA deutlich klassischer ausgerichtet und so lädt „Metamorphis“ den Hörer ein zu einer musikalischen Reise durch verschiedene Epochen und Kulturen.

Streß wurde vor der Veröffentlichung des Albums bei Frau Muggenthaler groß geschrieben, denn es gab fürwahr viel zu tun. Neben dem Schandmaul Jubiläumskonzert mit 6000 Gästen und ihren dortigen Verpflichtungen näherte sich der Veröffentlichungstermin ihres zweiten SAVA Albums. Vielleicht hatte Birgit den auf sie zukommenden Stress auch etwas unterschätzt, was diese auch bestätigt. Im März war ihr Terminkalender für Oktober und November noch sehr übersichtlich, dummerweise hatte sie dabei ein paar wichtige Termine vergessen gehabt. Die Folge der Vergesslichkeit waren zwölf Stunden Arbeit am Tag, um den ganzen Stress zu bewältigen.

SAVA Alben weißen ganz klare stilistische Unterschiede zu den Schandmäulern auf, denn Authenzität und klassische Elemente sowie Phasen von Melancholie stehen hier deutlich im Vordergrund. In den heißen Phasen von Schandmaul bot SAVA für Birgit Muggenthaler einen Rückzugsort. Da man beide Projekte musikalisch ganz klar unterscheiden kann, sind Konflikte hier ausgeschlossen. Was wirklich kompliziert wurde war das Terminmanagment und es gab Tage, die hätten 48 Stunden haben müssen um auch wirklich alles zu schaffen.
Es waren dennoch leider immer nur 24 Stunden mit denen SAVA auskommen mußte, und das was aus der intensiven Arbeit entstand ist ein gefühlvolles und vorzeigbares Werk mit Titel „Metamorphis“ geworden. Untermalung erhalten die elf Stücke durch Elemente aus den verschiedensten Folkrichtungen, womit musikalisch eine Reise durch die europäische Musikkultur stattfindet. Der Facettenreichtum der einzelnen Stücke besticht den Hörer und eine Art Verwandlung findet auch in ihm statt. Diese CD lässt den gestresstesten Menschen zur Ruhe kommen, vorausgesetzt dieser lässt sich auch bereitwillig von der Atmosphäre der CD fangen.

Birgit Muggenthaler verarbeitete auf dem Album viele altertümliche Stücke, die sie aber in ein eigenes musikalisches Gewand gepackt hat. Somit haben sie eine musikalische Verwandlung erfahren, eine „Metamorphose“ erfahren und sind neu auferstanden. Ein weiterer Faktor ist, dass viele der Stücke sich mit dem Tod auseinandersetzen - auch einer Art der Verwandlung. In dem Weltbild SAVAs ist der Tod nicht das Ende, sondern eine Veränderung des Seinszustands. Das erste Stück „Caravane“ mit Schäferpfeife und unter anderem Harfe gespielt, sollte eigentlich ein französisches Tanzlied werden, jedoch merkte Birgit als die Melodien da waren schnell, das der Groove ein anderer war. Die Erinnerungen an den wiegenden Gang von Kamelen wurden wach und so wurde dieses Tanzstück daraus.
Den zweiten Song „Stances“ schrieb der barocke Dichter Jean Auvray. Der in der Zeit des Barock allgegenwärtige Gedanke an die Vergänglichkeit findet sich im Text unverhohlen wieder und wird durch die Sopranino Blockflöte begleitet. Der dritte Albumtitel „Uti var hage“ ist ein schwedisches Volkslied, das übersetzt „Blaubeeren wachsen“ heißt. Eigentlich wollte Birgit dieses Volkslied neu interpretieren, jedoch kam es beim Komponieren dann anders. Sie begann ein Instrumentalzwischenstück zu schreiben, dass Birgit am Ende so gut gefiel, dass es keinen Gesang mehr brauchte. Das nächste Lied „hurly burly“ hat wohl die größte Verwandlung erfahren. Von Birgit ursprünglich als Seminararbeit für die Besetzung Kammerorchester und Alt - Blockflöte geschrieben, sind einige Teile herausgenommen worden, andere hinzugefügt worden. Verstärkt durch Dudelsack und Bouzuki wurde der folkige Charakter des Stücks noch hervorgehoben. Der fünfte Song „Ar hyd y nos“ (In stiller Nacht) stammt vom walisischen Dichter John Hughes, der Anfang es 19. Jahrhunderts diesen Text schrieb. In Wales existiert die Geschichte über einen früheren Brauch, wonach Barden am Sterbebett eine Melodie spielten, das sie sich dann als Lied auf ihrer Beerdigung wünschten. Wir haben also wie schon erwähnt auch verdammt viel Dramatik auf dieser CD verpackt. Der sechste Song „El rey de mundo“ entstammt der sephardischen Tradition Wie so oft in dieser Kultur haben die Lieder aufgrund von Wanderschaften und Vertreibung starke Verwandlungen erfahren und existieren in vielerlei Versionen. SAVA wollte dem erzählten Drama so dicht wie möglich begegnen, und begradigten die rhythmischen Raffinessen dieser Musik ein wenig zu Gunsten des Textes. Der siebente Titel „La Rosa“ gehört ebenfalls zu Klassikern der sephardischen Liedkultur. Die Melodie erinnerte Birgit immer an ein Leitmotiv barocker Kompositionen, woraus die Idee entstand dieses Lied einmal völlig anders zu interpretieren. Die Ideen für diese Variationen sprudelten nur so heraus und binnen nur einer Stunde waren die Variationen fertig. Mit dem achten Titel „Eilean“ gehen wir auf die grüne schottische Insel, denn Eilean bedeutet im schottischen Gälisch schlichtweg Insel.
Auch der neunte Titel „Tros y Garreg“ entstammt der Dichtung von John Hughes. Eigentlich als hoch dramatische Dichtung gedacht, kam Oliver Satyr mit der Harfe und änderte die Stimmung hin zu fröhlich. Das irische Volkslied ""winter´s eve"" kam zu Birgit durch ein amerikanisches Flötenlehrerbuch.

Insgesamt liefern uns SAVA elf Songs die sehr folkig sind und dennoch stets der klassischen Instrumentierung von Dudelsack, Bouzuki und Harfe folgen. Verankert in sephardischen, schottischen oder walisischen Traditionen erzeugen sie Stimmungen, die einen entführen für über eine Stunde, und einen Hörgenuß der etwas anderen Art im Bereich des Mittelalters öffnen. Außerdem zeigt es Faun und Schandmaulanhägern einmal zwei ganz andere Seiten von Birgit Muggenthaler und Oliver Satyr! (Maximilian Nitzschke)

STERNBUSCHWEG - Die Unvollkommenheit


Erstveröffentlichung: CD-EP 2009 / Tumbleweed / Broken Silence

Die Band STERNBUSCHWEG gibt es schon eine ganze Zeit, haben mehrere EPs im Eigenvertrieb und dann 2008 eine CD bei Tumbleweeds herausgebracht. Nun folgt wieder eine EP oder Mini-EP. Ist natürlich schön, eine Zusammenstellung von Songs aus den letzten drei Jahren, wobei zumindest zwei schon einmal auf früheren EPs vertreten sind. STERNBUSCHWEG sind entspannter Gitarrenpop, der zwischen Still wie bei ""Es ist in der ganzen Welt zu sehen"" und brachial wie bei ""O.W."" daherkommt. Aber brachial klingt bei STERNBUSCHWEG trotzdem irgendwie relaxt, aber immer irgendwie auch nach vorne gehend, dynamisch. Schöne Melodien jedenfalls unterlegen die immer intelligenten Texte, besonders gut ist auch der Titel ""Der übermäßige Konsum von Platten aus Manchester unterdrückt meine Kreativität"". Und dann gibt es noch eine Coverversion von Karpartenhund namens ""Ist es das, was du wolltest"". (H.H.)

Webadresse der Band: www.sternbuschweg.de

KNEEL IN FRONT OF THE EXECUTIONER - Ebola


Erstveröffentlichung: CD 2003 / VUZ Records / VUZ 013

VUZ Records hat als kleines, aber feines Label Mitte der 90er Jahre einiges dazu beigetragen, dass härterer Post-EBM-Sound in Deutschland und Europa bekannt wurde. Acts wie Wumpscut hatten hier ihre ersten kommerziellen Veröffentlichungen. Im Minimal-Electro-Bereich wurde den Hörern verschollenes Tapematerial von Absolute Body Control auf CD zugänglich gemacht und die genialen Batz Without Flesh fanden auch durch die CD-Veröffentlichung ihrer beiden ersten Platten weitere Verbreitung diesseits des Atlantiks. Irgendwann kam kaum noch etwas nach, beziehungsweise es wurden verschiedene Sublabel gegründet, doch 2003 gab es noch einmal Nachschlag in Form von älteren Aufnahmen (1995) des KNEEL IN FRONT OF THE EXECUTIONER. Das Projekt aus der Slowakei orientiert sich seit Anfang der 90er Jahre vor allem am nordamerikanischen Industrial-Sound, also an Gruppen wie Skinny Puppy, Front Line Assembly, Non-Aggression Pact und anderen Größen des Genres. Harte Beats, tanzbare Rhythmen, viele Samples, treibende Electro-Sounds und verfremdeter Gesang sind so typisch für diese Stilrichtung, dass man KIFOTH, wie sich die Band wohl auch selber abkürzt, schon deswegen gut finden muss. Dass da noch eine ordentliche Portion Electronic Body Music mit reinspielt, dürfte für Clubeinsätze nur förderlich sein. Hier sollte vor allem das Stück „Release“ bis heute bei entsprechenden Veranstaltungen für Bewegung sorgen. KNEEL IN FRONT OF THE EXECUTIONER erfinden das Genre nicht neu, liefern aber grundsoliden Mitt-90er-Düster-Electro ab, der auch über 10 Jahre später noch gut hörbar ist. (A.P.)

Webadresse der Band: vuzrecords.de

DER ZERFALL - Der Zerfall


Erstveröffentlichung: Sonstiges 2009 / AF Music / AF Music / afm037

Wenn eine deutsche Band DER ZERFALL heißt und deutschsprachige Texte mit Titeln wie „Selbstjustiz“, „Ich Sein“ oder „Suizid“ im Programm hat, dann kann das im Normalfall entweder Deutsch-Punk sein oder Dark-Wave. Nun, DER ZERFAL ist beides nicht in Reinform, sondern genau die Mischung aus beidem. Das ist zwar auch keine ganz neue Idee, aber doch bisher nur selten zu hören. Im Waschzettel wird mit großen Namen nur so um sich geschmissen, Fliehende Stürme, Christian Death, Super Heroines, Rudimetary Peni, The Cure oder auch 45 Grave steht da zu lesen, ebenso EA80, Blitzkid und Schorsch Kamerun – wie man auf letzt genannten kommt bleibt mir allerdings verborgen. Eindeutig, hier haben Musiker alles Mögliche aus ihren Lieblingsbands zusammen getragen und damit angefangen, selber Musik zu machen. Dabei klingt DER ZERFALL, nicht zu verwechseln mit dem 90er Jahre Fetisch-Projekt Der Verfall aus Hamburg, nie wie eine einzelne dieser Bands, was ja auch ausgesprochen langweilig wäre. Stattdessen kommt eine Art Düster-Wave-Punk heraus, der irgendwo zwischen frühen Catastrophe Ballet, Monozid und tatsächlich The Cure und Fliehende Stürme ankommt und durch die deutschsprachigen Texte eben auch ziemlich für die Dark-Wave-Gemeinde geeignet ist. All die genannten American Gothic/Death Rock-Heroen finden sich nur sehr am Rande wieder. Erfreulicherweise hat man Einflüsse aus den diversen Metal-Sub-Genres komplett heraus gehalten, insofern werden eben hauptsächlich Gothic-Rock- und Dark-Punk- (nicht Horror-Punk!) Fans ihre helle Freude haben. Das Zeug zu einem kleinen Clubhit (wenn denn in den Clubs noch Gothic-Rock gespielt würde) hat auf jeden Fall „Ich Sein“, eingängig, düster-tanzbar und hitverdächtig.
Da die Band wohl aus Berlin kommt, hätte es mich nicht gewundert, wenn Torben Stupp (Ex-Awake At The Wall, Ex-Marquee Moon, Ex-Totentanz, Ex-Exedra, Ex-Korbak, Ex(?)-Rhudra) da seine Gitarre im Spiel gehabt hätte, aber so scheint es nicht zu sein. Leider gibt es noch keine eigene Bandwebsite, um mal mehr Infos zu bekommen, nur so einen My Space-Kram, der ja meist recht uninteressant ist.
Diese erste, selbst betitelte 5-Track-EP von DER ZERFALL erscheint zunächst als Download-EP bei af-music. Und wie es bei etwas dreckigerer Gitarrenmusik fast immer so ist, ist der Sound als digitaler Download zwar gut, aber auch ein bisschen steril. Weil die Band das wahrscheinlich weiß und ja sowieso eher old-school-orientiert ist, sollen die Aufnahmen im Frühjahr 2009 auch noch auf Vinyl erscheinen. Da dürfte der Klang dann deutlich kantiger rüberkommen, hoffe ich zumindest. Spannende neue Band, von der man vielleicht neben den etwas in der Versenkung verschwundenen Murder At The Registry und Bloody, Dead And Sexy etwas frischen Wind in der deutschen Death-Rock-Schublade erhoffen darf. (A.P.)

Webadresse der Band: www.myspace.com/derzerfall

THE SEARCH - Saturnine Songs

Wiederveröffentlichung: CD 2008 / AF Music-Danse Macabre / Al!ve/Emi
Erstveröffentlichung: Sonstiges 2008 / AF Music / afm011

Aus Schweden kennt man musikalisch meist eher elektronische Klänge, vor allem Synth-Pop im Stile Depeche Modes ist in Europas Norden sehr beliebt und hat es oft auch zu einigem Erfolg in Deutschlands Schwarzer Szene gebracht. Puren Gitarren-Wave hört man jedoch seltener aus Skandinavien und doch gibt es dort Bands, die sich mehr oder weniger deutlich an Größen wie The Chameleons, Echo And The Bunnymen, The Sound oder The Fixx orientieren.
THE SEARCH ist eine dieser Bands, die in Deutschland bisher noch nicht so richtig bekannt war, das aber hoffentlich mit ihrem vierten Album „Saturnine Songs“ ändern kann. Fast gleichzeitig erscheint das Album als Internet Download (auf AF Music) und als CD (bei Danse Macabre) und sollte mit großen Vertrieben im Rücken einiges an Aufmerksamkeit erregen können.
Der Waschzettel beschreibt die Musik als „Popmelodien im düsteren Gewand“ und nennt Größen wie The Cure und Joy Division als Einflüsse. Das ist sicher nicht falsch, trifft es aber doch nicht auf den Punkt, weil beide Bands so eigenständig waren/sind, dass Epigonen nur schlecht aussehen können. Stattdessen würde ich hier andere Helden wie Lowlife, The Essence oder Sad Lovers And Giants erwähnen, vor allem, weil THE SEARCH sehr viel von der Atmosphäre der alten Helden transportieren. Dazu gibt es hier und da ganz dezente weitere Einflüsse von Alternative-Rock über Shoegaze-Pop bis hin zu Folk.
Für alte Säcke wie mich, die mit genau dieser Art von Musik groß geworden sind, hat THE SEARCH dementsprechend natürlich etwas wunderbar nostalgisches, was man aber auf keinen Fall mit altmodisch gleichsetzen sollte, denn die Produktion von „Saturnine Songs“ ist modern und zeitgemäß. Die angenehme Stimme des Sängers deutet darauf hin, dass er vielleicht auch schon mal in einer Synth-Pop-Band gesungen hat oder nebenbei ein solches Projekt laufen hat.
Um mal von den ganz großen Namen weg zu kommen (und anzudeuten, wie viel Ahnung ich doch habe…hehe), würde ich THE SEARCH mal locker in die gleiche Schublade packen, wie einige ältere deutsche Bands, die leider nie einen größeren Durchbruch geschafft haben, namentlich Decay, The Die Is Cast, Screaming Fools, The Convent oder Elephant Castle. Für die heute jüngeren Leser kann man auch die wunderbaren Curious oder die Dead Guitars als Eckpunkte erwähnen.
Also: lupenreiner, oft melancholischer Gitarren-Wave mit sehr natürlichem Gesang, der einfach schön zum Anhören ist und auf Klischees verzichtet. (A.P.)

Webadresse der Band: www.myspace.com/thesearchsweden

CELL DIVISION - Chymeia


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Thunderdome / Non Stop Music / TDM019

Ich freue mich immer wieder, dass ich die Karriere der Schweizer Band CELL DIVISION seit ihrem ersten Album “Dissolve” mitverfolgen konnte. Es ist sicher nicht ganz abwegig, diese seit nunmehr fast fünfzehn Jahren aktive Band als eine der besten Bands des kleinen Alpenstaates mindestens seit den 80er Jahren zu bezeichnen. Vor allem, weil man von dort meist eher elektronische Klänge gewohnt war. Als gitarrige Wave-Rock-Band dürften CELL DIVISION in ihrer Heimat relativ konkurrenzlos sein und so ist es auch kein Wunder, dass die Veröffentlichungen auch über die Grenzen hinaus viele Fans gefunden haben.
Nun also Album Nummer 3…was hat sich getan? Zu hören gibt es weiterhin eingängigen Gitarren-Wave mit Frauengesang, der auch gerne mal etwas hymnisch wird und vor allem von der Eingängigkeit und der Stimme lebt. Die Wurzeln liegen klar in den 80er Jahren irgendwo zwischen den Chameleons und dem Mitt-80er 4 AD-Sound, verbunden mit Anklängen an Bands wie All About Eve oder (aus den 90ern) The Breath Of Life, Inkubus Sukkubus und Die Laughing, alles jedoch weniger gotisch, als dunkel-rockig. Hier und da klingt die Stimme auch ein klitzekleines bisschen nach Siouxsie Sioux, liefert dabei aber auch tolle verzweifelte und rotzige Momente ab. Aus der ganz abgeschotteten Wave-Schublade hat die Band sich inzwischen ganz gut befreit. Diverse Einflüsse werden zugelassen und so entsteht eine Art Alternative-Wave-Rock, der über die schwarze Szene hinaus auch andere Leute ansprechen sollte. Gaaaanz selten gibt es auch ein paar Gothic Metal-Anklänge, die ich für die schwächeren Momente des Albums halte. Das bleibt aber eher die Ausnahme. Insgesamt liefern CELL DIVISION ein wirklich gutes Album ab, das alte Fans bei der Stange hält und sicher neue hinzugewinnen kann. Eigentlich müsste die Band längst richtig groß sein, aber wahrscheinlich stört dafür die Herkunft aus der Schweiz, was natürlich völlig hirnrissig ist. Da hilft nur Mundpropaganda, also: jedem von CELL DIVISION vorschwärmen. (A.P.)

Webadresse der Band: www.celldivision.ch


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