THE ASHES OF CREATION - The Porcelain Songs


Erstveröffentlichung: CD 2004 / Capitol East Coast Records / Finest Noise

Zunächst einmal: das Booklet zu diesem Album von THE ASHES OF CREATION gehört wohl zu den am schönsten gestalteten, die mir seit längerer Zeit in die Finger gekommen sind. Das ist auf jeden Fall schon mal mehr als lobenswert…dass dann auch noch die Musik durchaus zu überzeugen weiß, macht „The Porcelain Songs“ zu einer durchweg schönen Veröffentlichung, wenn auch nicht zu einem Meisterwerk. Wie der CD-Titel schon andeutet, handelt es sich bei der Musik der siebenköpfigen Band um „zerbrechliche“ Musik, meist eher ruhig, bestimmt durch glasklaren Gesang und den häufigen Einsatz einer Flöte. Der Stil ist nicht so leicht in eine bestimmte Schublade zu stecken, weil die Gruppe sich ohne Hemmungen überall bedient, von Prog-Rock über Folk, Wave und Pop bis hin zu Alternative-Rock. Dass dabei dann eine sehr eigenwillige Mischung raus kommt, ist wenig überraschend und man sollte sich Zeit nehmen, die CD einige Male zu hören und tiefer in die musikalische Vielfalt einsteigen. Wenn man dann auch noch abwechslungsreichen Frauengesang mag und den ein oder anderen schwächeren Song großzügig überhört, macht man hier sicher nichts falsch. Direkte Vergleiche erübrigen sich, doch im Booklet wird unter anderen Leuten wie Tom Waits, Leonard Cohen, Nick Cave, Blixa Bargeld, Heather Nova und Mr. (Charles?) Dickens gedankt. Man hört die Einflüsse dieser Künstler nicht direkt heraus, aber die Inspiration ist schon nachvollziehbar. Allerdings finde ich das Album bei weitem nicht so düster, wie der Waschzettel mir weismachen möchte. Melancholisch vielleicht, ein bisschen herbstlich, aber nicht düster im eigentlichen Sinne. Ich weiß nicht warum, und es ist auch gar nicht negativ gemeint, aber irgendwie würde ich die Musik in ein studentisches Umfeld stecken und Dinge wie Tee und Duftkerzen kommen mir in den Sinn und junge Leute in betont schlichten, farblosen Klamotten, mit Brille und an die 70er Jahre erinnernden Frisuren. Seltsam…aber das macht die Musik von THE ASHES OF CREATION ja nicht schlechter. Wer Bands wie Shelleyan Orphan oder Aimless mochte, liegt auch hier nicht falsch. (A.P.)

GOTHMINISTER - Happiness in Darkness


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Drakkar / Sony BMG

Im Jahre 1999 wurde von Bjorn Alexander Brem Gothminster gegründet, und ist seither von den Festivalbühnen des Wave Gotik Treffens oder des Mera Lunas nicht mehr wegzudenken. Das Debütalbum „Gothic Electronic Anthem“ erschien 2003 und wurde von Kritikern begeistert gefeiert. Der Erfolg brachte den selbsternannten Minister unter die Top 3 der niederländischen Club Charts. Eine Schlagzeile im Metal Hammer UK lautete gar „Die Untoten sind wiedergeboren“. Auch in Deutschland ließ der Erfolg nicht lange auf sich warten, denn mehrere erfolgreiche Club - Singles in den Top 15 folgten.
Ihr zweites Album „Empire of Dark Salvation“ katapultierte Gothminister auf eine völlig neue Ebene. In Norwegen schrieben sie Geschichte, als sie mit Tristania als Support der erste Gothic- Industrial Act war, der auf eine Nightliner Tour durch die größten Städte aufbrach und auch noch Norwegens größte Musikmesse Even Bylarm organisierte anlässlich der Veröffentlichung des zweiten Albums. In Europa hatten sie dieses Album im Rahmen ihrer Tour mit Lacuna Coil, Theatre of Tragedy und Mortiis bei über 100 Shows in über 20 Ländern vorgestellt. Der Hit „Monsters“ landete auf Platz 11 der DAC.

2008 war es nun soweit, dass Gothminister ihr langersehntes drittes Album „Happiness in Darkness“ im November erscheinen ließen. Randvoll mit großartigen und eingängigen Songs zeigt es die Band auf ihrem bisherigen Höhepunkt ihres Schaffens. Höhepunkte hatte es bereits zur Veröffentlichung ihrer Vorab Single „Dusk till Dawn“ gegeben. Mit seiner Band kletterte der Mastermind eigens auf einen 1.550 Meter hohen Berg und bezwang dabei seine Höhenangst. Vielleicht ist in der Bewältigung von Ängsten auch der Albumtitel begründet, der recht assoziativ angelegt ist. Nach Bjorn steckt die Idee dahinter, dass das Dunkle und Unbekannte die größte Quelle der Kreativität darstellt und zum Inspirationsgeber wird. Wenn wir dann wiederum kreativ sind, werden wir glücklich und haben etwas glückliches aus dem Dunkel erschaffen. Das Wesen des Dunklen ist es, dann besonders zu leuchten, wenn man in es etwas Schönheit und Fröhlichkeit hineinlegt. Seltsamerweise fühlen sich viele Menschen in der Nacht lebendiger, sind impulsiver und direkter. Das Dunkel läßt unserer Vorstellungskraft freien Lauf und regt unsere Phantasie sehr stark an. Vielleicht könnte man auch philosophisch werden und mit Sokrates argumentieren in Bezug auf die Dunkelheit und ihre Möglichkeit Dinge zu verschleiern: „Ich weiß das ich nichts weiß!“
Diesen Gedankenkosmos benutzt Gothminister, spielt mit unserer Einbildungskraft in jedem neuen Song des Albums. Musikalisch benutzt Gothminister nicht ganz so viele Elemente wie auf seinem Vorgängeralbum. Waren die Gitarren sonst im Vordergrund, kümmerte sich Gothminister diesmal nicht darum, ob die Gitarren laut genug oder hart genug sind. Der neue Longplayer wurde somit abwechslungsreicher und auch melodischer als die beiden Vorgänger. Ich merke dass das experimentelle Herangehen an dieses Album zu neuer Kreativität führte und dabei immer noch nach Gothminister klingt. Viele der Kompositionen klingen organischer, variieren von Techno- bis zu Progressive Rock. Ein schönes Anspielbeispiel währe hierfür „Beauty after Midnight“, denn dieser siebente Track beginnt mit einem Techno Riff, wird von schweren Gitarren und Schlagzeug begleitet, um in Punk oder Speed Metal zu gipfeln. Der allererste Song „Dust Till Dawn“ ist ebenfalls ein sehr eingängiger Song, schwere Gitarren werden mit tanzbaren Beats verbunden. Hier denk ich haben wir für die Zukunft einen neuen Clubhit des Norwegers!
Für mich stellt Happiness in Darkness ein rundum gelungenes Album dar, denn die eingängigen Songs fesseln einen und ich bin mir sicher, das sich hier Clubhits drauf befinden an denen wir auf den Tanzflächen der Szene nicht vorbeikommen werden! (Maximilian Nitzschke)

DARK DIAMONDS - Das Gift


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Danse Macabre / Alive

Dieser Longplayer aus dem Hause Danse Macabre hat mich ehrlich überrascht.
Hatte ich gedacht, seit Goethes Erben indirekter Auflösung, nie wieder etwas in ähnlichem Stil hören zu können, belehrte mich das Album „Gift“ eines besseren!
Die Zeit scheint reif zu sein für Dark Diamonds und „Gift“, denn musikalisch ist es Dark €šn€™ Roll der beim Hörer durch Mark und Bein geht.
Melancholie in den Texten wird verschmolzen mit der Stimme von Jens Wagner, dem Sänger und Kopf dieser bis dato noch recht unbekannten Band. Gepaart mit sowohl einfühlsamen als auch erotischen Vokals seines weiblichen Gegenparts Tyrae. Die Produktion des Albums ist erstklassig, dass hört man. Ich denke dass sie sich 2009 in der Szene ihren Namen machen werden. Treibende Beats und mächtige Gitarren bilden das Soundgerüst der insgesamt 13 Songs und textlich wird der Finger auf gesellschaftliche Mißstände gelegt, die in ihrer teils verstörenden Art wie gesagt an Band der deutschen Todeskunstwelle erinnert.
Einfach ist die Gratwanderung zwischen elektronischen Parts und traditionellen Klängen sicherlich nicht, aber auf diesem Album scheint diese Symbiose stimmig für mich.
Dark Diamonds stehen bereits jetzt Anfang des Jahres in den Startlöchern um Europa im Zuge einer Tournee mit „Gift“ zu ködern, so dass man wohl noch einiges erwarten darf von dieser ungewöhnlich guten Newcomerband! (Maximilian Nitzschke)

MEDIO MUTANTE - Boom Boom Romance


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2009 / PDSW / WSDP / PDSW777

Heute Musik machen, die wie „damals“ klingt, das versuchen vor allem im Minimal-Electro-Bereich viele Bands, Musiker und Projekte. Dass das oft nicht funktioniert liegt zum einen daran, dass die damaligen Musiker praktisch zu dem minimalistischen Sound gezwungen waren, den sie letztlich ablieferten, weil die technischen Voraussetzungen einfach nicht besser waren. Zum anderen liegt es aber oft auch daran, dass nicht mit den Gerätschaften von damals gearbeitet wird, sondern diese auf dem PC sozusagen simuliert werden.
Was das alles mit der Single von MEDIO MUTANTE zu tun hat? Eigentlich nicht viel, außer, dass die Musik der Amerikaner wirklich so klingt, als sei sie vor 25-30 Jahren entstanden – leider inklusive der eher mäßigen Soundqualität. Hier gibt es wavige, minimalistische Electrosounds zu hören, die tatsächlich so um 1981 entstanden sein könnten.
Nach einer 6-Track 12“EP liegt nun eine Single auf PDSW vor, dem kleinen Sublabel des ebenso kleinen WSDP-Labels, das sich auf Musik aus der ganzen Welt spezialisieren will. Die Flesh Golem-Single war vor einiger Zeit ein guter Start, nun also MEDIO MUTANTE.
„Boom Boom Romance“ ist etwas schleppend, aber sehr schön minimal und eben wirklich im Stile der alten Helden von Anfang der 80er Jahre. „Mutant Menace“ geht zwar irgendwie in die gleiche Richtung, ist aber tanzbarer und klingt nach „heute“, also nicht alt. Das macht den Song nicht schlechter, im Gegenteil, der Titel hätte das Zeug zu einem kleinen Szenehit. Der spanische (oder italienische?) Gesang tut das Übrige, um den Titel im Gedächtnis zu behalten und trägt dazu bei, dass man MEDIO MUTANTE irgendwo zwischen Neon, Esplendor Geometrico und Absolute Body Control einsortieren kann. Das liest sich doch gut und hört sich auf der Single auch ebenso gut an. (A.P.)

Webadresse der Band: www.wsdp.de

30 GR.WEN.FETT - Vorsicht: Kunst!


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2008 / PDSW / WSDP / PDSW666

Die Band (?) 30 GR.WEN.FETT tauchte erstmals auf dem „Bunte Bezüge“-Sampler aus dem Hause E-Klageto auf, nun gibt es eine 4-Track-Vinyl-EP, die das mysteriöse Projekt einem eingeschränkten Hörerkreis, die Platte ist auf 111 Exemplare limitiert, vorstellt.
Zu hören gibt es eine Art „heute produzierten 1982er Tapeszene“-Sound, was bedeutet, dass es sehr minimalistisch und gerne auch experimentell wird. Das geht bis hin zu Anklängen an Im Namen Des Volkes in „Gestern War Draussen“. „Wie Dem Auch Sein Im Herbst“ hingegen ist eine Art schräges Kinderlied (oder habe ich die beiden Titel jetzt verwechselt?)
Ansonsten darf man als Vergleich alte Tape- (und inzwischen längst auch Vinyl-) Helden wie Inox Kapell oder Der Brandstifter heranziehen, was zwar nicht hundertprozentig passt, aber zumindest von der Herangehensweise ähnlich ist. Schicke Platte, die nicht nur aufgrund der kleinen Auflage sicher bald ein gesuchtes Sammlerstück sein wird. Schönes Cover, Beiblatt und farbiges Vinyl gibt es gleich noch dazu, also zugreifen, wenn man der Scheibe habhaft werden kann. (A.P.)

Webadresse der Band: www.wsdp.de

DEAD GUITARS - Flags


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Echozone / BOB Media / BM08C213

Nicht nur, dass Carlo van Putten mit seiner früheren Band The Convent selber zur Speerspitze des deutschen Gitarren-Waves gehört; er hat auch mit fast allen Größen der Vergangenheit Projekte gestartet, auf die eine oder andere Art und Weise zusammen gearbeitet oder sie zumindest als Gäste zu seinen Projekten eingeladen. Mark Burgess, Adrian Borland, Kevin Hewick (wenn ich mich nicht ganz täusche) und Wayne Hussey sind allesamt Namen, die den Fan der guten alten 80er Jahre ins Schwitzen kommen lassen. Als White Rose Transmission hat er sogar mit Burgess UND Borland zusammen gearbeitet, eine echte Traumkombination!
Nun hat er nach dem Debut „Airplanes“ von 2007 mit seiner aktuellen Band DEAD GUITARS das zweite Album vorgelegt und es wird wohl niemanden wundern, dass sich Überraschungen in Grenzen halten. Die zusammen mit dem Twelve Drummers Drumming-Gründer Pete Brough und Sun-Gitarrist Ralf Aussem ins Leben gerufene Band DEAD GUITARS konnte mit „Airplanes“ und zahlreichen Auftritten schon mal für Aufmerksamkeit sorgen. Die Einflüsse von The Chameleons, The Sound, The Comsat Angels und zahlreichen weiteren alten Helden bleiben unüberhörbar, im Grunde ist dies nichts anderes, als die Fortsetzung, was The Convent in den 90er Jahren erfolgreich begonnen haben, nämlich lupenreiner, melodiöser Gitarren-Wave ganz im Stile der 80er Jahre, der durch van Puttens immer leicht melancholische Stimme hohen Wiedererkennungswert hat und auch durch die wunderbaren Gitarren Ohrwurmcharakter zeigt. Ich weiß nicht, ob Carlo es gerne hört, aber wenn mich nicht alles täuscht, lässt er inzwischen auch Einflüsse neuerer Bands wie Coldplay zu (erste Hälfte von „Silver Cross River“, „Watercolours“), aber die haben sich ja selber, zumindest am Anfang, stark an Größen wie Echo And The Bunnymen oder U2 orientiert. Wunderbar ist zum Beispiel das tieftraurige, mit Wayne Hussey eingesungene „Isolation“, aber auch der Tricky- und The Mission-Gitarrist Mark Thwaite, Markus Türk von Family 5, sowie Rich Vernon (The Mission), Georg Sehrbrock und Michael von Hehl wurden von der Band als Gäste eingeladen. Wenn es überhaupt einen (klitzekleinen) Kritikpunkt gibt, so der, dass ein, zwei mehr clubtaugliche Uptemponummern wie „Pristine“ oder Anspieltipp „Slowdown“ schön gewesen wären und den eher traurig-melancholischen Charakter etwas abgemildert hätte, andererseits passt das Album natürlich hervorragend zum Erscheinungstermin im Februar 2009. Auch beim Cover-Artwork verlässt man sich auf den Stil der alten Zeiten und so erinnert es wohl nicht von ungefähr ein bisschen an die ersten vier Echo And The Bunnymen-Alben.
Man könnte „Flags“ als Kombination aus BFG, Coldplay und The Doors mit einer Prise Leonard Cohen („On A Trip To Elsewhere“) bezeichnen, wenn man möchte, trifft damit aber auch nicht genau ins Schwarze, aber als Anhaltspunkt darf man das schon nehmen. (A.P.)

Webadresse der Band: www.deadguitars.com

SEAMUS CRAIC - Pete Doherty


Erstveröffentlichung: Buch 2006 / Schwarzkopf & Schwarzkopf / ISBN 978-3-89602-720-7

Jedes Jahrzehnt bringt seine abgestürzten Pop- und Rockstars hervor. In den 60ern war es vielleicht Jim Morrison, in den 70ern zum Beispiel Marc Bolan, Mitte der 80er war Nick Cave ein Drogenwrack, die 90er wurden durch Kurt Cobain geprägt und heute ist es, vielleicht, Pete Doherty, der mit seinen beiden Bands The Libertines und Babyshambles nicht unbedingt Charthits abgeliefert hat, durch seine Drogensucht und seine chaotische Beziehung zu Supermodel Kate Moss aber ständig in den Schlagzeilen stand. Aktuell darf die Multimediagesellschaft die komplette Selbstzerstörung von Amy Winehouse mitverfolgen, während Doherty nach dem Ende seiner Beziehung zu Moss etwas aus dem Rampenlicht verschwunden ist. „The Beauty And The BeEast“ ohne „Beauty“ ist nur noch halb so interessant und so muss Doherty wieder verstärkt versuchen, durch seine Musik ins Rampenlicht zu kommen. Die Babyshambles sind aber auch eine richtig gute Band, nur scheint das kaum jemanden zu interessieren, außer den Leuten, die schon vor der Moss-Sache auf undergroundigen Rock’n’Roll standen.
Und dass es bei solchem Medienrummel schnell auch alle möglichen Begleiterschenungen zum Hype gibt, ist kaum überraschend. Seamus Craigs Buch über Peter Doherty und seine Bands The Libertines und Babyshambles ist dabei noch eines der erfreulicheren Produkte. Relativ unaufgeregt und überwiegend wirklich auf die Musik, statt die Drogeneskapaden konzentriert erfährt man so einiges, was in der Karriere des Mannes interessant war und ist. Hier geht es zwar nicht richtig in die Tiefe, aber wenigstens wird ohne Skandalgetöse recht sachlich berichtet, wobei natürlich die Yellow-Press-Themen nicht verschwiegen werden.
Die ganze Geschichte wird mit jeder Menge Bildmaterial ergänzt, was für Fans schon den Kauf des Buches lohnenswert machen dürfte.
Sicher wird dies nicht die ultimative Pete Doherty Biografie bleiben, alleine schon, weil die Geschichte noch lange nicht zu Ende ist, sondern offen bleibt, so lange, man verzeihe mir diese Anmerkung, Pete Doherty nicht an seiner Sucht verreckt ist. Denn auch heutzutage wollen die sensationsgierigen Massen ihre tragischen Helden haben, auch, wenn sie deren eigentliches künstlerisches Werk gar nicht kennen. (A.P.)

PETE DOHERTY - Pete Doherty


Erstveröffentlichung: Buch 2006 / Schwarzkopf & Schwarzkopf / ISBN 978-3-89602-720-7

Jedes Jahrzehnt bringt seine abgestürzten Pop- und Rockstars hervor. In den 60ern war es vielleicht Jim Morrison, in den 70ern zum Beispiel Marc Bolan, Mitte der 80er war Nick Cave ein Drogenwrack, die 90er wurden durch Kurt Cobain geprägt und heute ist es, vielleicht, Pete Doherty, der mit seinen beiden Bands The Libertines und Babyshambles nicht unbedingt Charthits abgeliefert hat, durch seine Drogensucht und seine chaotische Beziehung zu Supermodel Kate Moss aber ständig in den Schlagzeilen stand. Aktuell darf die Multimediagesellschaft die komplette Selbstzerstörung von Amy Winehouse mitverfolgen, während Doherty nach dem Ende seiner Beziehung zu Moss etwas aus dem Rampenlicht verschwunden ist. „The Beauty And The BeEast“ ohne „Beauty“ ist nur noch halb so interessant und so muss Doherty wieder verstärkt versuchen, durch seine Musik ins Rampenlicht zu kommen. Die Babyshambles sind aber auch eine richtig gute Band, nur scheint das kaum jemanden zu interessieren, außer den Leuten, die schon vor der Moss-Sache auf undergroundigen Rock’n’Roll standen.
Und dass es bei solchem Medienrummel schnell auch alle möglichen Begleiterschenungen zum Hype gibt, ist kaum überraschend. Seamus Craigs Buch über Peter Doherty und seine Bands The Libertines und Babyshambles ist dabei noch eines der erfreulicheren Produkte. Relativ unaufgeregt und überwiegend wirklich auf die Musik, statt die Drogeneskapaden konzentriert erfährt man so einiges, was in der Karriere des Mannes interessant war und ist. Hier geht es zwar nicht richtig in die Tiefe, aber wenigstens wird ohne Skandalgetöse recht sachlich berichtet, wobei natürlich die Yellow-Press-Themen nicht verschwiegen werden.
Die ganze Geschichte wird mit jeder Menge Bildmaterial ergänzt, was für Fans schon den Kauf des Buches lohnenswert machen dürfte.
Sicher wird dies nicht die ultimative Pete Doherty Biografie bleiben, alleine schon, weil die Geschichte noch lange nicht zu Ende ist, sondern offen bleibt, so lange, man verzeihe mir diese Anmerkung, Pete Doherty nicht an seiner Sucht verreckt ist. Denn auch heutzutage wollen die sensationsgierigen Massen ihre tragischen Helden haben, auch, wenn sie deren eigentliches künstlerisches Werk gar nicht kennen. (A.P.)

THE KLEINS - Pardon Me, Sir!


Erstveröffentlichung: CD 2007 / RilRec / RR003

Kann es einen deutscheren Bandnamen geben als THE KLEINS? Wohl kaum und natürlich kommt die Band aus Deutschland, genauer gesagt aus Mönchengladbach, einer Stadt, die aus ihrer völligen Langweiligkeit unter anderem EA 80 (und diverse Ableger) und Die Strafe hervorgebracht hat. Doch so deutsch sind THE KLEINS nicht, denn der Sänger ist Engländer, die Texte sind dem entsprechend englischsprachig und der Sound ist auch eher international geprägt. Irgendwo zwischen Bad Religion, Goldfinger, Tote Hosen, Biker Rock und Street Punk finden sich THE KLEINS wieder, wobei so mancher melodiöse Song zum Mitgröhlen einlädt und live mit Sicherheit auch ordentlich gepogt wird. Keine Frage, die Songs sind Ohrwürmer und haben ordentlich Power. Hier und da wären bei der Produktion ein paar mehr Ecken und Kanten schön gewesen, die es aber live sicher gibt, und ab und zu wird es leicht schweinerockig. Ansonsten aber hörenswerter Punk’n’Roll in gutem Artwork. (A.P.)

Webadresse der Band: www.rilrec.de

THE MORLOCKS - Emerge

Wiederveröffentlichung: CD 2008 / Area Pirata Records / Radar / AP023
Erstveröffentlichung: LP 1985

Wenn man dem Releaseinfo glauben darf, und ich bin sicher, ein kurzer besuch bei Google wird das mehr oder weniger bestätigen, waren die Kalifornier THE MORLOCKS so Mitte der 80er Jahre eine wichtige Band der Garage-Punk-Szene. Ihr 1985 veröffentlichtes Album liegt nun als CD-Wiederveröffentlichung (und als limitiertes Vinyl) auf dem italienischen Label Area Pirata Records vor. Der Sound ist schön rumpelig, nicht Punk, nicht Hardcore, nicht Alternative, aber von allem ein bisschen was. Die Haupteinflüsse stammen aber auf jeden Fall von den Garagen-Bands der 60er Jahre, die heute meist vergessen sind, damals aber für einen musikalischen Aufbruch sorgten, der schließlich in der Punkexplosion 1976/77 mündete und bis heute nachwirkt. Zu den bekannteren Vertretern gehörten auf jeden Fall die Troggs oder auch die Monks. Von diesen und anderen Bands haben sich die MORLOCKS dann in den 80ern mehr als eine Scheibe abgeschnitten und schön dreckig und rotzig im Lo-fi-Sound drauflos gespielt. „Emerge“ ist roh und unangepasst, hat aber mit Sicherheit live auf der Bühne noch mal so viel Spaß gemacht, wie damals auf Vinyl und heute auf CD.
Kleine.gelungene Geschichtsstunde, auch wenn die Band dann vielleicht doch nicht so wichtig war, wie behauptet. Ordentlich losrocken tut sie aber allemal und heutzutage ist die Gruppe auch wieder auf Tour. (A.P.)

EHERUNCOOL - Wonach wir suchen


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Tumbleweed

EHERUNCOOL existiert seit dem Jahr 2000 und stammt aus Sachsen. Ihre Musik ist Gitarren-Indie-Poprock á la Tocotronic oder auch Blumfeld, eben das, was man Hamburger Schule nennt, wenn auch nicht klassisch. Der Sänger ist etwas gewöhnungsbedürftig, bringt aber ziemlich gute, recht anspruchsvolle und sehr interessante Text rüber, eine Mischung aus Wut und Aufgabe, aber auch dem Willen zur Veränderung, nichts wird genommen wie es ist, alles wird hinterfragt. Das Ganze hat einen gewissen Grad an Melancholie und ist definitiv einen Hinhörer wert, eine gute CD mit schönen Melodien. (H.H.)

Webadresse der Band: www.myspace.com/eheruncool


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