DAS ICH - Die Propheten

Wiederveröffentlichung: CD 2009 / Danse Macabre Records / Al!ve
Erstveröffentlichung: CD 1990 / Danse Macabre Records / Efa

Als DAS ICH aus Bayreuth, bestehend aus Sänger Stefan Ackermann und Musiker Bruno Kramm 1990 mit ihrem ersten Tape die Bünhe der Wave-Szene betraten, hatte sich zeitgleich auch gerade das Zillo-Magazin etabliert und Bands wie Project Pitchfork, Love Like Blood und Deine Lakaien standen vor dem Durchbruch. Diese vier Bands und das eben dazu passende Magazin sorgten für eine Explosion der deutschen Dark Wave-Szene, die vorher längere Zeit in einem Dornröschenschlaf lag (von Ausnahmen wie Pink Turns Blue und ein paar anderen mal abgesehen). Die, nur auf den ersten Blick, übertriebene Klischeehaftigkeit von DAS ICH sorgte unter anderem dafür, dass Zillo-Redakteur Sven Freuen den Begriff „Neue Deutsche Todeskunst“ erfand (zumindest angeblich) und schnell Acts wie Relatives Menschsein, Goethes Erben, Misanthrope und unzählige andere den Bayreuthern nacheiferten. „Die Propheten“, das erste Album von DAS ICH schlug ein wie eine Bombe und sorgte für Bewegung auf den Tanzflächen, sowie für zahlreiche neue Gruftis und unzählige neue Bands. Ich gebe zu, dass mich, als „Old School“-Fan die ganze neue Szene ziemlich schnell annervte und ich dieses ganze deutschsprachige Romantik-Todessehnsucht-Geschwalle ebenso schnell intolerant ablehnte. Allerdings nehme ich das erste Album von DAS ICH dabei ausdrücklich aus, denn das ist ziemlich genial und Weg weisend! Wenn es jemals so etwas wie puren Electro-Gothic gab, dann hier. Das Album war seit 2004 nicht mehr erhältlich und wurde jetzt, Anfang 2009 neu und natürlich remastered und mit 3 Live-Bonus-Tracks neu aufgelegt. Wie schon die Original-Vinyl-LP hat man der Re-Release-CD ein schickes Artwork verpasst, zu dem ich allerdings nichts Näheres schreiben kann, da mir zur Besprechung „nur“ ein Promo-Download vorlag. Die Lieder haben absolut nichts von ihrer Schärfe verloren und auch, wenn Songtitel wie „Des Satans Neue Kleider“, „Die Propheten“ oder der Klassiker „Gottes Tod“ zunächst klischeehaft klingen, so liefern die Texte doch recht intelligente Inhalte ab, man muss sich nur ein bisschen in die Tiefe wagen. Musikalisch hören wir sehr gut produzierte harte, vom Industrial beeinflusste Electro-Klänge, die ihre Wurzeln sicher auch bei Acts wie Fad Gadget und Cabaret Voltaire haben. Schon damals hat Bruno Kramm eine Menge aus seinem Danse Macabre-Studio herausgeholt. Wie schon damals oft genannt, dürften auch Einstürzende Neubauten einen großen Einfluss auf DAS ICH ausgeübt haben. Immer noch überhaupt nicht altmodisch wirkende Clubhits wie „Kain Und Abel“, „Gottes Tod“ oder „Lügen Und Das Ich“ haben ihren Platz auf den Playlists der einschlägigen Discos bis heute verteidigt. Nach „Die Propheten“ setzt DAS ICH den großen Erfolg bis heute fort, veränderte sich, ließ neue Einflüsse zu, erfand sich neu und blieb immer glaubwürdig in einer immer dem Massengeschmack hinterherlaufenden Musikwelt, aber die Intensität von diesem Debütalbum erreichten sie kaum wieder, weil der Überraschungseffekt fehlte, der 1990 vorhanden war, weil es so was bis dahin kaum im größeren Rahmen gegeben hatte. Ich weiß nicht, ob in dieser Besprechung klar wird, für wie bedeutend ich das Album „Die Propheten“ halte, aber mit diesem Re-Release hat die Band sich ein gelungenes Denkmal zum zwanzigjährigen Bandjubiläum (nicht Album-Jubiläum) gemacht und ein Kreis hat sich geschlossen. Wird eigentlich Zeit, dass die „Gottes Tod“-Coverversion „Bob Der Bär“, die nach einem DAS ICH –Konzert im Dezember 1990 entstand endlich mal das offizielle Licht der Welt erblickt, zum Beispiel auf einem Tribut-Sampler, den mal jemand in Angriff nehmen sollte. (A.P.)



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