ASTRAL DOORS - Evil Is Forever


Erstveröffentlichung: CD 2005 / Locomotive Records

Das letzte Album (es war das erste) hat die Stilrichtung bereits vorgegeben: Eine Mischung aus Rainbow, Black Sabbath und Dio. Allerdings ist das nur die Basis für ASTRAL DOORS, auf dem aufgebaut wird. Eine große Veränderung zum ersten Album ist nicht zu hören und so werden wieder wuchtige, rockige Metal-Nummern präsentiert. Hervorheben muss man „Path To Delirium“, das fast schon episch wirkt, „Time To Rock“, „Stalingrad“ und „From The Cradle To The Grave“. Sänger Peter Tägtgren hat zwar auch eine typische Stimme für das Genre, kann sie aber gut einsetzen und dürfte als eigenständig gelten und gottseidank nicht so quietschig, wie sie oft bei dieser Musik sind. Die Grundstimmung ist einigermaßen dunkel, aber nicht düster und der Fantasytouch kommt voll durch, natürlich auch die textlichen Klischees, die es bei Heavy Metal immer wieder zu hören gibt (hier sei insbesondere das Titelstück „Evil Is Forever“ erwähnt). Letztlich muss man übrigens noch die kristallklare und fette Produktion loben. (H.H.)

ESCAPE WITH ROMEO - History


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Zeitklang Records / Al!ve / Z008

Rund 20 Jahre ESCAPE WITH ROMEO, davor schon Thomas Elbern bei Pink Turns Blue und Anfang der 80er bereits solo auf Tape-Szene-Pfaden…da wird es Zeit und ist legitim mal Rückschau zu halten. Wobei man sich auf „History“ natürlich auf ESCAPE WITH ROMEO beschränkt, was aber für eine Best Of-Veröffentlichung problemlos Material für 2-3 CDs böte. Thomas hat sich dann doch für eine CD entschieden, die damit aber nun wirklich nur Hits enthält, auch wenn dem einen oder anderem Fan sicher so mancher Favorit fehlen wird. Trotzdem bekommt man hier einen sehr sehr sehr repräsentativen Überblick über die Bandgeschichte. 1989 mit dem ersten, selbst betitelten Album war Elbern genau zum richtigen Zeitpunkt am Start, denn kurz darauf explodierte die deutsche Wave- und Gothic-Szene förmlich, als das Zillo-Magazin auf den Markt kam und mit ihm Acts wie Das Ich, Project Pitchfork, Deine Lakaien und Love Like Blood hochgespült wurden und die fast eingeschlafene Subkultur bis in die Mainstreammedien zu einem Begriff machten. Auf dem zweiten Zillo-Sampler erschien dann auch die ESCAPE WITH ROMEO-Single „Somebody“ und wurde umgehend zu einem bis heute unvergleichlichen Szene-Hit, dem viele folgten. Dass die Band bis heute eine treue Fangemeinschaft hat liegt sicher auch und hauptsächlich daran, dass die Wurzeln im 80er Jahre Gitarren-Wave nie verleugnet wurden. Obwohl immer auch zeitgemäße Einflüsse wie moderne, tanzbare Rhythmen, Trip Hop-Elemente oder auch mal rockige Gitarren eingebaut wurden, bleib die Grundlage doch immer melancholischer Wave-Sound mit wunderbaren Melodien und dem natürlichen Gesang von Thomas Elbern. Dabei klingen die Songs auch heute noch frisch und alles andere als altmodisch und erreichen somit auch neue Hörer. Als Einstieg ist nun „History“ perfekt geeignet. Natürlich ist der Superhit „Somebody“ dabei, dazu Songs wie „Stranded“, „Helicopters In The Falling Rain“ oder das wunderbare „Escape With Romeo“ vom ersten Album. Wie es sich für eine echte „Best Of“ gehört, wurden hier nicht einfach nur die Singles zusammen gestellt, sondern auch Albumtracks ausgewählt, sonst wäre es ja auch eine „The Singles“-Compilation geworden. Mit der 1999 in Spanien erschienenen „Greatest Hits“ gibt es nur einige Überschneidungen, die bessere Wahl ist aus meiner Sicht auf jeden Fall „History“. Wer ESCAPE WITH ROMEO noch nicht oder nur wenig kennt, kann hier bedenkenlos zugreifen und danach anfangen, die anderen Veröffentlichungen zu suchen und zu kaufen.
Das Artwork ist schön und schlicht oder auch: schlicht schön (auch, wenn ich nicht gerade ein Liebhaber von DigiPaks bin) und das Booklet enthält Anmerkungen zu jedem Song. Es kommt nicht oft vor, dass man ein Album aus dem deutschen Wave-/Gothic-/Dark Wave-Underground ungehört kaufen kann, die von ESCAPE WITH ROMEO gehören aber immer dazu und „History“ sowieso. Dass Elbern die Veröffentlichung seiner Platten seit einiger Zeit selber in die Hand genommen hat, macht das Ganze nur noch sympathischer, sympathisch wie das ganze Projekt erscheint und vor allem ungekünstelt und nicht nur am schnellen Euro interessiert. Für Fans, die sonst schon alles haben gibt es einen komplett neuen Song und einen bisher unveröffentlichten Remix. (A.P.)

Webadresse der Band: www.escapewithromeo.de

COMPILATION - Retours D'Acide - A New Beat Acid House Flashback


Erstveröffentlichung: LP 2008 / Treue Um Treue / T.u.T. 088

Was verleitet ein Label wie Treue um Treue dazu, im dritten Jahrtausend eine Platte wie diese zu veröffentlichen, die sich voll und ganz dem Acid-Sound der späten 80er Jahre widmet? Ich nehme mal an: Spaß an der Sache. Und dass nicht nur die Labelmacher Spaß daran haben, sondern eben auch viele Musiker, die in den 80er Jahren aufgewachsen sind, zeigt, dass sich genügend Musiker gefunden haben, um hier etwas beizusteuern. Da die Namen überwiegend nicht so richtig bekannt sind, mag daran liegen, dass der eine oder andere Musiker für dieses Projekt einen neuen Namen gewählt hat, weil die Klänge eben doch nicht zum sonstigen Werk passen.
Acid (-House) war musikalisch nie so richtig zu fassen und definierte sich neben einigen Hitsingles wohl hauptsächlich über die Partytauglichkeit und den inflationären Einsatz von Smilies auf jedem Gegenstand, der eine bedruck- oder beklebbare Fläche bot. So ist die Verwandtschaft zu Musikrichtungen wie New Beat und EBM offenhörlich und auch hier durchaus gewollt. JONGBLOED liefert hier beispielsweise fast ein Tribut an Front 242s „Headhunter“ als eine Art Dub Mix ab, während PIERRE NORMAL fast synthie-poppig daher kommt. Andere Acts liefern beinahe minimal-elektronisches ab oder eben andere Klänge, die ins Konzept passen. Ein ganz großer Hit oder eine absolute Neuentdeckung ist nicht zu verzeichnen, aber Spaß machen diese 80er Retroklänge, die man selber natürlich damals verabscheut hat, allemal und tanzbar ist das Ganze selbstverständlich durchgehend.
Die limitierte Auflage von 320 Exemplaren kommt als stilecht gestaltete Picture-Disc, so dass man sich echt mal gut 20 Jahre zurückfallen lassen kann. (A.P.)

Webadresse der Band: www.tutrur.com

MATINéE - The Modern EPness


Erstveröffentlichung: Maxi-CD 2009 / Elevator Records / Radar Music / ELE 005

Der Bandname MATINÈE und die Fotos im Booklet deuten schon an, was der Wachzettel bestätigt: das italienische Quartett ist Fan von Franz Ferdinand und hat sogar mal als Coverband der Engländer angefangen, dann aber begonnen, eigene Songs zu schreiben. Dass die durchaus stilistisch ähnlich klingen, ist dann keine Überraschung mehr, aber das was die Italiener machen, machen sie gut und sind inzwischen weit mehr als reine Epigonen. Mir hat sich nie erschlossen, was eigentlich Post-Rock ist, aber als genau das wird der Stil von MATINÉE bezeichnet. Für mich bleibt es einfach (Alternative-) Rock mit einer fetten Prise New Wave und Melodien, die im Ohr bleiben. Früher hieß das Power-Pop oder einfach Wave-Rock, aber heute muss natürlich eine eigene Schublade dafür her. Dabei hat die Band das gar nicht nötig, hat sie doch durchaus eine eigene Identität gefunden, die mit vier Tracks auf diesem kurzen Debüt eine Menge Spaß macht. Dass Franz Ferdinand einer der größten Einflüsse sind, ist klar, aber auch Fans von Bands wie Arctic Monkeys, Kaiser Chiefs oder gar Killers sollten mal ein Ohr riskieren. Mit das Beste, was ich in letzter Zeit aus Italien gehört habe, wobei das eigentlich viel internationaler klingt, als man annehmen sollte. Schön, dass das Label so viel Vertrauen in die Band hat, dass gleich ein schickes DigiPak mit Booklet spendiert wurde. Ach ja, neben vier regulären Titeln gibt es noch einen so genannten „Hidden Tracks“, der aus nicht nachvollziehbaren Gründen nicht namentlich auf dem Cover erwähnt wird, obwohl er doch gar nicht so schlecht ist. Im Gegenteil, gerade der italienische Gesang ist in diesem musikalischen Zusammenhang recht spannend. (A.P.)

Webadresse der Band: www.darkofthematinee.it

DIE PERLEN - Szenenwechsel


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Fire Zone Records / Black Rain Media Group / FZ 006

Nach mehreren selbst veröffentlichten Demo-CDs ist „Szenenwechsel“ des Nürnberger Duos DIE PERLEN nun schon die dritte „richtige“ Veröffentlichung, und die Entwicklung, die das ausgesprochen sympathische Pärchen genommen hat, ist schon beeindruckend. Anfangs lieferten sie sehr schönen, aber nicht gerade neuartigen Minimal-Synthie-Pop ab, der vor allem mit den deutschsprachigen Songs einige echte Knaller geboten hat. Inzwischen hat sich die Band musikalisch deutlich weiter entwickelt und lässt eine Menge zusätzlicher Einflüsse zu. So ist die Musik eben nicht mehr nur von Minimal-Electro-Freaks genießbar, sondern liefert auch Anklänge an Pop, Punk und Wave ab. Durch diese Vielseitigkeit, die zu einem ganz eigenen DIE PERLEN-Stil führt, konnte die Gruppe schon mit Bands aus allen möglichen Musikrichtungen auftreten und dürfte kaum ein Publikum verschreckt haben.
Musikalisch gibt es eine gewisse Verwandtschaft zu unseren Hamburger Lieblingen Spillsbury und auch die befreundeten Sonnenbrandt, ebenfalls aus Hamburg, spielen einen ähnlichen, wenn auch mehr NDW-beeinflussten Sound. Wenn man dann noch eine Prise Epoxies, etwas Welle: Erdball (die auch gecovert werden) und vielleicht ein kleines bisschen Client dazu nimmt, gute deutsche und englische (und einen französischen) Texte ergänzt, kommen eben DIE PERLEN raus, die mit „Szenenwechsel“ ihren Bekanntheitsgrad noch einmal deutlich erweitern dürften. Der Stilbegriff „Telektroponk“ wird noch weite Kreise ziehen! Schön, wenn eine Band, die im Prinzip alles selbst auf die Beine stellt dann auch ein bisschen verdienten Erfolg hat. Macht viiiieeellll Spaß. (A.P.)

Webadresse der Band: www.dieperlen.de

SCARLET YOUTH - Breaking The Patterns


Erstveröffentlichung: CD-EP 2009 / Homesick Music / HOME001

Ach ist das schön! Es scheint tatsächlich ein kleines Shoegaze-/Dream-Pop-Revival zu geben! Überall tauchen Band und Labels auf, die diesen Stil, den Ende der 80er und Anfang der 90er die unsterblichen Slowdive, aber auch Bands wie My Bloody Valentine, Lush und viele andere bekannt gemacht haben, nicht selten beeinflusst von den großartigen Cocteau Twins und artverwandten Bands. Träumerische Melodien, verhallte Gitarren, tiefe Bässe und mittelschnelles Schlagzeugspiel waren die Kennzeichen dieser Musik und genau damit begeistern nun auch die (Deutsch-)Finnen SCARLET YOUTH, wobei schon Bandname und Cover ganz klar die Einflüsse zeigen. Dazu eine Spur etwas rauerer Alternative Rock, Cure-Synthies aus der „Disintegration“-Phase und ganz entfernt ein paar Sigur Ros-Anklänge. „Tokyo Daydreamer“ könnte auch direkt von den frühen The Durutti Column stammen. Wer nun aber glaubt, SCARLET YOUT wären einfach nur ein Plagiat, täuscht sich. Die Band klingt erstaunlich frisch und trotz der hörbaren Einflüsse eigenständig. Und eingängig. Dies ist eine Art von Musik, die man einfach nur schön nennen kann, wobei die Kitsch-Falle aber problemlos umgangen wird. Wer bei Songtiteln wie „Gleaming Endless Ocean“, „Wave Goodbye“, „High On Sky“ (Cure-Fans sollten hier unbedingt reinhören!) oder „Sunshine Girl“ nicht zumindest eine kleine Träne verstohlen aus dem Augenwinkel wischt, kann wahrscheinlich auch ansonsten mit Romantik und Schönheit wenig anfangen.
Mehr davon, aber bitte schnell! (A.P.)

Webadresse der Band: www.scarletyouth.com

RADIOHEAD - OK Computer (Collector's Edition)


Erstveröffentlichung: CD-Boxset 2009 / Parlophone / Emi / RHEADCDX 3

Mit der Special Edition des dritten RADIOHEAD-Albums „OK Computer“ strebt Emi dem Höhepunkt der kleinen Wiederveröffentlichungsreihe der ersten Alben der Gruppe zu. Spätestens mit „OK Computer“ hatte die Band ihren ganz großen, weltweiten Durchbruch und wurde zu einer Konsensband ganz in der Tradition vom R.E.M. oder den Pet Shop Boys oder in heutiger Zeit Coldplay. Man muss RADIOPLAY nicht lieben und ein Fan sein, aber so richtig schlecht findet sie eigentlich niemand, weil die Band einfach gute Songs schreibt, was irgendwie jeder anerkennt. Ob man RADIOHEAD damit gerecht wird oder die Band das überhaupt wollte, ist gar nicht mehr wichtig. „OK Computer“ ist zu Popkultur geworden. 12 x gut gemachter Alternative-/College-Rock, der durch eine sehr gute Produktion eben auch den nötigen Popappeal, aber auch eine leicht verschrobene Schrägheit hat. Mit Zutaten von den Beatles über U2, Pixies und Nirvana bis eben zu R.E.M. (und natürlich vielen weiteren Einflüssen) wird hier das ganz eigene RADIOHEAD-Süppchen gekocht und mit dem Sänger Thom Yorke hatte man einfach den richtigen, charismatischen Frontmann, der durchaus Bono von U2 das Wasser reichen kann. Mit „Paranoid Android“, „Karma Police“ und „No Surprises“ lieferte das Album gleich drei solide Hitsingles ab, und ob man nun Fan ist oder einfach nur „nichts gegen die Band hat“, man muss neidlos zugeben, dass „OK Computer“ ein moderner Klassiker der Popmusik ist. Die erste CD der „Special Edition“ enthält, wie üblich, das Originalalbum. Die zweite CD enthält die 3 Singleauskopplungen, beziehungsweise die B-Seiten Tracks, die nicht auf dem Album zu finden waren und eine BBC-Radio-Session aus dem Jahr 1997. Dazu gibt es eine DVD mit den entsprechenden Videoclips und einen TV-Auftritt bei Jools Holland, ebenfalls von 1997 mit drei Stücken. Als Beilage findet man ein fettes Booklet mit dem Original-Artwork der Platte und Drucke der drei Single-Cover. Wieder mal ein Kleinod für Fans und Sammler und der gebührende Abschluss dieser Wiederveröffentlichungsreihe, die mehr bietet, als reine Fanabzocke. Hier hat man sich sicht- und hörbar Mühe gegeben, etwas Besonderes auf die Beine zu stellen, was den Kaufpreis auch wert ist. Dass RADIOHEAD zu den wichtigen Bands der vergangenen rund 20 Jahre gehören, zeigt sich hier eindrucksvoll. (A.P.)

ANTISEEN - 15 Minutes Of Fame - 15 Years Of Infamy


Erstveröffentlichung: CD 1999 / Loudsprecher / Indigo / LSD 011

ANTISEEN, 1984 gegründet, gehörten nie zu den ganz Großen des Punk, haben aber ihren festen Platz in der Historie dieses Stils und so war es 1999, immerhin 13 Jahre nach der ersten Album-Veröffentlichung der Gruppe, an der Zeit, mal eine „Best Of“-Kopplung unter die Fans, und die, die es werden wollen, zu feuern. Dabei wird nach einem witzigen Intro streng chronologisch vorgegangen, was man auch an der (bewusst nicht überarbeiteten) Soundqualität der frühen Aufnahmen hört. Die Mischung aus Ami-Punk, Hardcore, Rotzigkeit und „Leckt-mich-alle-am-Arsch“-Attitüde hat den einen oder anderen kleinen Hit hervorgebracht. Dazu gibt es auch noch eine gehörige Portion Schweine-Rock als Zugabe und heraus kommt ANTISEEN. Von den Cramps über Motörhead bis Misfits gibt es alle möglichen Einflüsse und es würde mich nicht wundern, wenn die heute weltweit hoch verehrten Turbonegro bei ANTISEEN auch mal reingehört hätten. Wie es meist bei solchen Bands ist, wissen die frühen, rauen Songs am besten zu gefallen, so zum Beispiel die Tracks der 1988er „Blood Freaks“-EP und hier vor allem „Up All Night“. Dazu ein schick bebildertes Faltbooklet und fertig ist eine kleine Lektion in der Geschichtsstunde zum Thema Punk. ANTISEEN nimmt man ohne jeden Zweifel ab, dass sie einfach ihr eigenes Ding durchziehen. Als Einstieg zum kennen lernen dieser Band ist „15 Minutes Of Fame – 15 Years Of Infamy“ definitiv perfekt geeignet. Und auch in 2009 zieht die Band gnadenlos ihr Ding durch, sehr sympathisch. (A.P.)

MARCHING BAND - Spark Large


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Haldern Pop Recordings / Cargo Records

Schweden ist ja eines der Urländer der Popmusik. Und dass diese Länder auch immer wieder dafür gut sind, genau diese neu zu erfinden, das hat man auch des öfteren schon erlebt. Hier kommt wieder ein Gute-Laune-Produkt, von einer Band aus Linköping, zwei Männer, die in einer WG zusammen wohnen, zusammen musizieren und mit dem Clap-Your-Hand-And-Say-Yes-Produkten Adam Lasus dieses Album produziert haben. Es ist kein Gute-Laune-Album im Sinne von Schunkeln oder Schenkelklopfen, es ist Wohlfühlmusik, bei der man sich entspannt zurücklehnen und zuhören kann. Süß, fein, mundwinkelnachobenziehend, so präsentiert sich das Album, das mit poppigen Akustikklängen (die üblichen, aber auch Marimba, Banjo und Vibraphon) und angenehmem, zweistimmigem Gesang daherkommt. Und am glücklichsten werde ich zumindest bei ""Make Up Artist"" und ""Travel In Time"", sodass ich diese als Anspieltipps deklariere. (H.H.)

Webadresse der Band: www.myspace.com/marchingband

DISKOTEKET - Diskoteket


Erstveröffentlichung: Sonstiges 2009 / AF Music / afm042

Online -Veröffentlichung.
So langsam rappelt sich AF Music zum interessantesten Weblabel in der schwarzen Musikszene. Ich muss zugeben, dass ich das Label am Anfang noch nicht ganz ernst genommen habe und reinen Online-Veröffentlichungen auch jetzt noch kritisch gegenüberstehe. Aber statt mittelmäßige Musik zu veröffentlichen, die einfach nicht gut genug für eine CD-Release ist, haben sich die Macher von AF Music inzwischen eine ganze Schar interessanter Acts der verschiedenen dunklen Stilrichtungen von Dark Wave über Gothic Rock und Düster Electro bis Alternative Rock zusammen gesucht und veröffentlicht. Durch die Zusammenarbeit mit Danse Macabre Records haben es einige Bands inzwischen auch auf CD geschafft.
Mit der schwedischen Band DISKOTEKET hat man eine neue Entdeckung gemacht, die sicher schnell in die Ohren der Fans von gutem alten 80er Post Punk/Gothic-Sound finden wird. Die drei jungen Herren und die ebenso junge Sängerin klingen sehr frisch und zeitgemäß, statt altmodisch. Aus allen möglichen Bands der damaligen Zeit, das Presseinfo nennt Sisters Of Mercy, Chameleons und Talking Heads, ich würde noch Siouxsie And The Banshees, Brigandage, Bone orchard, Rose Of Avalanche und All About Eve hinzufügen, hat die Band ihr eigenes Ding zusammen gezimmert, wobei die schwedischen Texte das gewisse Etwas ausmachen. Guter Gitarren-Sound, eingängige Melodien und eine dunkle Drum/Bass-Grundlage sorgen für eine Menge frischen Wind in diesem derzeit doch nicht so richtig angesagten Genre. Vielleicht tragen DISKOTEKET ja ein bisschen dazu bei, das sich hier wieder mehr tut. Schön wär’s, nicht nur, weil ich mit dieser Art von Musik groß geworden bin, sondern auch, weil es einfach zeitlose Musik ist. Auf klischeehafte Düsternis wird verzichtet, auf jede Art von angepasster Oberflächlichkeit aber auch. Um es mal auf einen Vergleich zu konzentrieren: wer auf Skeletal Family und ganz besonders Ghost Dance steht, sollte hier unbedingt auch mal reinhören. (A.P.)

Webadresse der Band: www.af-music.de

METRO - Metro


Erstveröffentlichung: CD-EP 2009 / Finest Noise Releases / Radar Music

Wenn aus dem (Promo-)Hause Finest Noise mal was anderes als Alternative Rock oder Punk/Metal kommt, ist das meistens sehr interessant. Wenn es dann auch noch eine Band aus Luxemburg mit dem simplen Namen METRO und schlicht-schönem Cover ist, wird die Neugier bei mir gleich ordentlich geweckt.
Zu Recht, wie ich schon beim ersten Song feststellen darf. Mittelschneller Indie-Gitarren-Pop ohne Schnörkel, der zwar in eine Schublade mit Kaiser Chiefs, Maximo Park, Killers und wie sie noch alle heißen, gehört, den „Großen“ aber nicht unterwürfig hinterher hechelt, sondern angenehm selbstbewusst aus den Boxen klingt. Sehr schöne Wave-Gitarren bringen eine ordentliche Portion 80er Feeling hinein und ich bin geneigt zu sagen, dass hier das Potential für eine ganz große Band steckt, die ihren Weg hoffentlich machen wird. Wenn dann in „You’re Never Sexy“ noch ein schicker Synthie dazu kommt, fühlt man sich glatt wie in einer New Wave-Disco Anfang der 80er Jahre zurückversetzt und freut sich darüber.
Fünf Songs, fünf echte Perlen und hoffentlich nur der Start zu einer großen Karriere, die noch eine Menge schöne Musik hervorbringen darf. Wie das geht, zeigen gerade die wunderbaren White Lies (und vorher beispielsweise Interpol und Editors), die hier echte Konkurrenz fürchten müssen. (A.P.)

Webadresse der Band: www.myspace.com/aboutmetro


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