ATARAXIA - Des Paroles Blanches


Erstveröffentlichung: Maxi-CD 2003 / Arkadyss Creations

Well, it is some time ago, since the last release of Italy´s finest ATARAXIA, but actually, „Des Paroles Blanches“ ist a beautiful new release on the the young Arkadyss label from France. The new stuff comes out as 3-track MCD in a nice DigiPak and later this year as 10“ vinyl release. Both editions are limited, so all lovers of ATARAXIA´s music should hurry up to get a copy soon.

As always, the music is nothing else than wonderful with a lot of influences from various musical styles since the middle ages and the voice of singer Francesca Nicoli is still uncomparable. I follow the career of ATARAXIA since their early Demo tapes and never could say anything bad about the releases, as they are definetly always of high quality.

„Des Paroles Blanches“ seems to be a bit more melancholic than former releases and deals conceptually with the wide and open sea and lonely beaches. The combination of acoustic Guitar sounds, Flutes and Clarinet and flowing Synthesizer sounds is irresistible and over all, there is always the many-sided voice of Francesca. Sometimes it reminds me a bit on This Mortal Coil meeting Richenel, so „Des Paroles Blanches“ will satisfy fans of the mid 80s 4 AD sound a lot, even, if it isn´t a copy of it, of course.

ATARAXIA are still an outstanding band and one of my all time favourites and this release is a perfect start for a new label. I hope, Arkadyss will release such high quality stuff in the future, too!

„How many seas died to soothe your pain, making your skin white salt and aquamarines your eyes. I know what it means to fall asleep in an ocean of tears. And I hope no more sea will ever die.“ (A.P.)

Webadresse der Band: www.arkadyss.cjb.net

REBENTISCH - Herz Zerrissen

Wiederveröffentlichung: Sonstiges 2009 / AF Music / afm044
Erstveröffentlichung: CD 2009 / Danse Macabre Records / Al!ve

Große Worte im Waschzettel…REBENTSICH aus Berlin sei ein “reines Wave-Projekt”, “Geheimtipp der Szene”, „Reise durch die Achtziger“ und Namen wie And One, Welle Erdball, Anne Clark, Robert Smith, Derriere Le Miroir, Massive Attack und Portishead werden da genannt. Da ist die Neugier trotz des eher an deutsche „Todeskünstler“ gemahnenden Bandnamens (allerdings ist es „nur“ der Nachname des Bandchefs) groß. Für eine CD (auch als Download-Veröffentlichung erhältlich) voller melancholischem Wave-Sound vergesse ich auch gerne mal, dass im Haushalt eigentlich einiges zu tun wäre.
Tja, und was wird tatsächlich geboten? Eher kein klassischer Wave-Sound, zumindest wenn man in den 80ern aufgewachsen ist und eben die damalige Musik als „klassisch“ bezeichnet. Hier gibt es eher Dark Wave mit deutschen Texten zu hören, so dass ich annehme, die Wave-Szene-Sozialisation des Hauptakteurs Sven Rebentisch hat in den frühen 90ern stattgefunden. Das macht nichts, denn gegen guten Dark Wave ist ja nichts einzuwenden, ein bisschen was anderes hatte ich aber schon erwartet. Der Sound ist gut, die Songs sind eingängig, tanzbar und gut produziert. Klingen tut das alles in etwa wie eine Mischung aus Lore Of Asmoday, Escape With Romeo, Deine Lakaien und Dance Or Die, was ja alles sehr gute Bands waren oder noch sind. Der eine oder andere Kandidat fürs Programm der Szene-DJs ist fraglos dabei und ich bin sicher, dass mit etwas Glück und Unterstützung der einschlägigen Presse hier etwas richtig Erfolgreiches heranwachsen könnte. Nur bei der Vermarktung sollte man eben keine falschen Erwartungen schüren, sondern klipp und klar sagen, was den Hörer erwartet: lupenreiner, eingängiger, deutschsprachiger Dark Wave im Stile der frühen 90er Jahre für die Clubs. (A.P.)

Webadresse der Band: www.af-music.de

WGT 2009 - Der Vorbericht


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2009

Vorabbericht zum 18. Wave Gotik Treffen 2009
vom 29.05 – 01.06.2009


Hallo liebe Back Again-Leser!

Jawohl es ist auch dieses Jahr wieder so weit, daß euch Backagain auf das wohl größte dunkle Festival zu Pfingsten in Leipzig vorbereiten will. Kurz vor dem Osterfest sind es noch wenige Wochen bis zum Beginn des Wave Gotik Treffens am 29.05. 2009. Wir werden euch der Reihe nach die Highlights der diesjährigen Showakts vorstellen. Das WGT wird volljährig, dafür von unserer Seite, die seit 2003 dabei sind in der Berichterstattung, herzlichste Glückwünsche. Das WGT ist aus den Köpfen der schwarzen Szene gar nicht mehr wegzudenken, und erfreut sich gerade in den letzten 3 – 5 Jahren einem immer größer werdenden Publikum. Von Anfang an stand vor allem der Aspekt „Treffen“ im Vordergrund der Veranstaltung, was sicherlich den Charme dieses Festivals zum großen Teil auch ausmacht. 4 Tage lang hat man das Gefühl, daß die schwarze Szene eine einzige große Gemeinschaft bildet, die Musik alle Blackies vereint. Sonst ist das ja doch eher anders, hört der Fan von Mittelaltermusik eben ausschließlich Mittelaltermusik und der Fan von EBM eher seine Musikrichtung, aber hier zum WGT mischen sich diese Untergruppierungen und gehen völlig tolerant miteinander um. Das dies so harmonisch funktionieren kann ist sicherlich auch der Streuung der Veranstaltungsorte über ganz Leipzig zu verdanken. Sei es nun das Hauptfestivalgelände rund um das ehemalige Agrar – Messegelände im Stadtteil Markkleeberg oder das Werk II in Connewitz oder doch die Wahl historischer Orte wie die Moritzbastei oder das Völkerschlachtdenkmal, jeder Besucher kann für sich ein ganz besonderes Konzertambiente finden und mit anderen Eindrücken von diesem Festival berichten. Auch mir, der nun schon seit 7 Jahren für euch berichtet, geht das immer wieder so, daß ich das WGT wegen seiner besonderen historischen Spielstätten zu schätzen weiß. Letztes Jahr etwa in Hitze auf der Parkbühne Jesus on Extasy zu erleben, im Schauspielhaus Emilie Autumn in ihr Asylum zu folgen oder Saltatio Mortis in der Agra den Spielmannschwur zu schwören. Auch das kulturelle Angebot dieses Festivals ist enorm: Nicht genug, das über 150 Künstler aus aller Welt für dieses Ereignis anreisen, nein zusätzlich zu den Konzerten gibt es Kunstausstellungen, Theaterstücke und Autorenlesungen, sowie mehrere komplette Mittelaltermärkte. Ihr seht also, das WGT ist nicht einfach nur Konzert an Konzert, sondern vielmehr das Gefühl nicht allein zu sein, mit seinen Wünschen, Träumen und Vorstellungen vom Leben. Ich denke gerade diese Botschaft ist für die Szene immens wichtig, Toleranz untereinander und miteinander zu transportieren um auch nach außen von der „normalen“ Gesellschaft akzeptiert zu werden!

Die Highlights 2009 im Überblick:

Agonoize(D): Ende 2002 wurde Agonoize gegründet und absolvierten ihr erstes Konzert 2004 im Rahmen des Dark City Festival in Edinburgh zusammen mit VNV Nation. Das besondere an dieser Band ist ihre atemberaubende und brutale Bühnenschau, die die tiefsten Abgründe des Menschseins aufzeigt. Ihr Sound aus Elektro- und Industrialelementen reißen den Zuschauer in ihren Bann. Wer in den Genuß gekommen ist 2006 die Band zum WGT erlebt zu haben, wird bestätigen, daß es sich hierbei um ein völlig eigenes Ding dreht dem es Beachtung zu schenken gilt!

ASP (D): Das vergangene Jahr läßt sich für die sympathischen Frankfurter um Namensgeber Asp und Matthias Ambre eindeutig nur mit „Ja, Ja, dreimal Hurra!“ zusammenfassen. Nicht nur, daß Ende des Jahres das von Fans lange geforderte Live Album erschien. Bereits im Frühjahr und im Sommer 2008 hatte er die sonst vom Mainstream geplagten Media Control Charts ordentlich aufgemischt. Seit fast zehn Jahren steht die Band für eine der erfolgreichsten deutschsprachigen Indiebands. Ihr tief gehender, poetischer Rock ist stets als Gesamtkunstwerk angelegt. Musik, Text und Bild erscheinen gleichermaßen wichtig und entführen den Hörer in rätselhaft düstere Welten. Live hat Asp die Zuschauer als charismatischer Live Magier vom ersten bis zum letzten Moment in seinem Bann. Ihr Grundgedanke wird spürbar, sie sind aufrichtige Musiker fern von allen Konventionen. Gepaart mit einer energiegeladenen Rockshow und großen handwerklichen Qualitäten bescherten Asp von Tour zu Tour immer neue Zuschauerrekorde und so werden auch dieses Jahr wieder unzählige Fans für ihn brennen wollen!

Combichrist (N): Diese Band ist ein akustischer Höllentrip in die dunkelsten Abgründe der menschlichen Seele, ein musikalisches Martyrium in gewisser Weise aus hämmernden Beats und aggressiv verzerrten Schreien in der besten EBM Manier. Ihr Stil verknüpft die Tanzbarkeit des Technos und die schweißtreibende Aggression des EBM mit der akustischen Qual von Industrial. Heraus kommt dabei ein ureigenster Combichrist – Stil der sehr tanzflächentauglich ist!

Cumulo Nimbus (D): Von dieser Band aus Landsberg darf man liebliche Lautenklänge und Flötenmelodien gemischt mit harten Gitarrenläufen und berstendem Schlagwerk erwarten. In dieser Weise läuten die sechs Musiker eine Renaissance der mittelalterlichen Musik ein. Ihr Auditorium wird entführt in eine andere Zeit, geprägt von Minne und Met. Gute Laune und Stimmung sind bei dieser Band vorprogrammiert!

Eisbrecher (D): Die Münchner sind mit ihrem dritten Album der Sünde verfallen, nachdem Sie vorher mit Antikörper den Kurs festgelegt hatten. Alexx und Noel sind die Köpfe der Band, die sich dem elektronischen Trip – Rock verschrieben haben. Dabei sind interessante Songs entstanden, modern verpackt und überaus tanzbar. Die eigenwillige Positionierung knallharter Gitarrenriff und druckvoller Baß – Lines verdeutlichen dabei hörbar das eisbrecherische Verständnis von e-Rock. Alexx tiefe Stimme klingt melodiös und abwechslungsreich, sie singt, fühlt die Songs und erzeugt eine geile Live – Stimmung!

Feindflug (D): Die kreativen Köpfe hinter Feindflug sind Banane und Felix, die sich Mitte der 90er Jahre rein zufällig trafen. Gemeinsam gründeten sie das Projekt mit dem Ziel, tanzbaren Industrial zu fabrizieren. 2004 integrierten Sie den bereits länger als Drummer assistierenden Beam als festes Bandmitglied. Der Bandname war eigentlich lediglich der erste gemeinsame Titel der Band und keinesfalls als Bandname gedacht, aber mittlerweile steht er dafür, daß die Leute ihr Gehirn gebrauchen sollen um über diese Welt nachzudenken.

Fetisch:Mensch (D): Musik ist für diese Band vor allem der Moment, in dem sie erklingt. Sie ist aus ihrer Natur heraus vergänglich und nur dem zugänglich, der es versteht, den Moment des Erklingens zu genießen. Klanglich bewegt ich diese Band im Spannungsfeld zwischen Düsterrock im HIM Zuschnitt und elektronischen Klängen. Sie versuchen ich einen Weg zu bahnen fernab der subkulturellen Szene Mechanismen. Eigentlich wollten Fetisch Mensch keinen Tonträger produzieren, jedoch sind sie dieses Jahr davon abgewichen und veröffentlichten ihr Debütalbum gewissermaßen. Hinter der Band verbergen sich auch keine unbekannten Namen, den Oswald Henke liefert den Gesang, Tim Hofmann den Baß, Jochen Schoberth die Gitarren und Dirk Törppe das Schlagzeug.

Feuerschwanz (D): Mit Lanze und Laute bekehren diese Ritter um den Hauptmann Feuerschwanz das Publikum zum Glauben an das wahre Gelage. Mit Tröten, Flöten und folkigen Lautenrhytmen präsentieren sie ungewöhnliche, freche und zuweilen tabulose Texte. Mit Feuerschwanz ist eine Band in den Bereich mittelalterlichen Liedgutes getreten, die das Lachen zurück ins Mittelalter gebracht hat. Wo Bands wie In Extremo oder Schandmaul lieber schweigen, packen die Erlanger die eklige Wahrheit aus, derb, lüstern und ständig geil. Die trashigen Glamritter lassen eingängige Melodien mit mittelalterlichem Touch auf zeitgemäße Folkmusik prallen und verkünden dabei ihre lüsternen Botschaften von Met und ganz viel Miezen!

Fliehende Stürme (D): Seit 1980 treiben die Jungs nun bereits ihr musikalisches Unwesen. Damals noch als „The Zeroes“ unterwegs mit englischen Texten hießen sie ab 1983 schließlich Fliehende Stürme. Zu ihren Fans gehören sowohl Punks wie Gothics gleichermaßen, was sicherlich an ihrem Stil in Richtung Düsterpunk liegt. Der Einfluß von Gruppen wie Killing Joke oder Bauhaus ist unverkennbar. Bis 1985 bestand die Band aus dem Brüderpaar Andreas und Thomas Löhr, die sich je nach Bedarf Gastmusiker aus anderen Punkbands dazuholten. Nachdem jedoch Thomas 1995 verstarb, machte sein Bruder Andreas solo weiter und holte 1998 den Schlagzeuger Andreas Münch von Substance of Dream als festes Bandmitglied hinzu. Seither ist die 80er Jahre Größe richtig erfolgreich und liefern astreine Shows!

Frozen Plasma (CH): Bereit Ende der 80er Jahre konnte der Schweizer Vasi Vallis mit verschiedenen Minimaltechno- – Projekten beachtliche Erfolge verbuchen. Nachdem 2004 das Ende von NamNamBulu besiegelt war, beschloß der Idealist, das musikalische Erbe unter dem Namen Frozen Plasma fortzuführen. Was der Hörer bekommt ist eine intelligente Vermischung von „alten“ NNB Titeln und komplexen Klangstrukturen. Eingängige Elektro- – Klavierlinien und eine ausdrucksstarke und vielseitige Stimme werden mit markanten Texten zu etwas neuem und ungewöhnlichem verwoben, das auch live richtig gut rüberkommt!

Grendel (NL): Die Niederländer präsentieren extrem tanzbare Melodien mit stampfenden Beat angereichert. Man scheut akustische und orchestrale Einflüsse dabei nicht, und schafft im Ergebnis innovative elektronische Musik.

Illuminate (D): Sie sind eine der erfolgreichsten Formationen im Wavebereich mittlerweile. Musikalisch schaffen sie es gekonnt klassische Elemente mit tanzbaren Rhythmen und elektronischen Klangcollagen mit romantischen Klavierpassagen zu kombinieren. Mittlerweile wird das Schlagzeug auch direkt eingespielt, so daß die Illuminatis in einer klassischen Metall Besetzung auftreten. Damit werden sie ganz sicher nicht nur ihre klassischen Fans ansprechen können, sondern eine große Anzahl neuer Hörer von ihrem Können überzeugen!

Lacrimas Profundere (D): Sie stehen für eingängigen Goth – Rock, mit Einflüssen aus den Siebzigern, und düsteren und dennoch erhabenen Melodien. Ihre Titel rocken zwischen Melancholie, Hoffnung, Wut und Aggression. Sie stammen mit ihrem Inhalt alle aus dem Leben. Lacrimas Profundere machen Gotik – Rock lebendig ohne dabei belanglos oder vorhersehbar zu klingen!

Leandra (D): Leandra ist in der Szene bekannt, als die Keyboarderin Ophelia Dax von Jesus on Extasy, hier nun mit ihrem Soloprojekt. Der Platz am Klavier ist ihr Schicksal, ihre Erfüllung und der Ort an dem sie sich selbst am sichersten fühlt. Einerseits entfesselnd avantgardistisch, andererseits sinnlich geerdet setzt Leandra hingebungsvoll ihre musikalische Passion um. Ihre Songs sind eine Auslese von ausschließlich in Extremituationen durchlebten und eingefangenen Eindrücken. Die Songs bilden eine Art geheimes Tagebuch. Ihr Debütalbum „Metamorphine“ versucht den roten Faden ihres Weges hörbar und sichtbar zu machen. Ich bin sicher ihr Konzert wird dem Hörer einiges abverlangen, denn sich auf die Songs einzulassen erfordert Aufmerksamkeit und Bereitschaft sich fangen zu lassen. Auch das visuelle Konzept spielt für ihre Konzerte eine große Rolle, fliegende Stoffe und bannende Projektionen – ein Theaterstück aus Abstraktionen wird aufgefächert! Ich selber bin sehr gespannt, da ich ihr Album schon für eine Entdeckung des vergangenen Jahres halte!

Lahannya (GB): Die Londonerin Lahannya ist in England auch als Djane aktiv und hierzulande bekannt durch ihre Mittäterschaft bei verschiedenen Projekten wie Greenhaus, Soman oder Combichrist. Inzwischen besitzt sie ihre eigene Band und das Debütalbum „Shotgun Reality“ ist seit 2007 auf dem Markt. In England tourte sie bereits mit Emilie Autumn und in Deutschland war sie Supportakt von Amber. Im Jahre 2004 lernte sie Lutz Demmler von Umbra et Imago kennen und seither wird sie von ihm am Baß unterstützt, zusammen mit Belle an den Drums und Chris Milden an der Gitarre. Musikalisch bewegt sie sich in für mich in synthiepoppigen Gefilden, nicht unbedingt mein persönlicher Fall, aber ich bin sicher, daß es auch hierfür aufgrund der Vielfalt der Hörerschaft eine berechtigte Nische geben wird während des WGT’s.

Letzte Instanz (D):Seit nunmehr 10 Jahren gibt es die Instanzler, ein Chamäleon in der Deutschen Musiklandschaft, das sich schwer in drei Worten beschreiben läßt. Die Band versucht selbst die Antwort auf dem Terrain zu geben, auf dem sie sich am Besten auskennt: der Musik. Zum Bandjubiläum 2008 speckten die sieben Instanzler den Sound ab und stockten personell auf. Das Ergebnis war ein Akustikprogramm mit neuen Songs und einer Reise durch zehn Jahre. Keine E-Gitarren, dafür klassische Streicherquartette und ein Piano als Kontrastprogramm. Dabei wurde der Live Kracher „Ohne Dich“ zur Ballade und Songs wie „Morgenrot“ kommen im jazzigen Gewand daher. Das Konzept war Demaskierung, um jetzt 2009 sich „schuldig“ zu machen. Krachige Songs sind das Ergebnis mit richtigem Druck, das rockt und ist härter den je. Die Instanzler zeigen sich wieder von ihrer energiegeladenen Seite und sind bereit euch eure letzte Unschuld zu rauben! Mit Sicherheit live wieder ein geiles Erlebnis!

Nosferatu (GB): Seit der Veröffentlichung ihre ersten offiziellen Albums im Jahre 1991 zählen Nosferatu aus Großbritannien zu einer der erfolgreichsten Gotik-Rock-Gruppen der zweiten Generation. Dies gilt keinesfalls nur für ihre Heimat Großbritannien sondern ist weltweit so. Darüber hinaus ist es ihnen auch gelungen, die „normalen“ Schlagerparaden zu erobern, was nun wirklich nicht vielen ihrer musikalischen Kollegen aus dem Vereinigten Königreich gelungen ist!

Otto Dix (RUS): Als ich den Begriff Otto Dix einmal auf www.youtube.com eingegeben hatte, wußte ich plötzlich um den immensen Erfolg der russischen Ausnahmeformation des charismatischen Countertenors Michael Draw. Das Duo, welches ursprünglich aus dem verlassenen und von Landflucht geprägten fernsten Nordosten Rußlands stammt, hat sich wahrhaft nach oben gespielt. Mittlerweile sogar im Mainstreamfernsehen Rußlands angekommen, hat der androgyne Sänger eine fanatische Anhängerschaft um sich geschart, innerhalb von zwei Jahren hat er bereits mehr als 200 Konzerte gespielt und die drei erfolgreichsten Alben des schwarzen Rußlands veröffentlicht. Die Veröffentlichung in Deutschland war deshalb längst überfällig und so wundert es nicht, daß „Starost“ (deutsch: alte Epoche) die wichtigsten und erfolgreichsten Tracks der Russen beinhalten. Die musikalische Ausrichtung ist schwer zu umschreiben, denn auch wenn gewisse Vorbilder aus dem frühen Darkwave und Elektro durchscheinen, so ist die Schwermut das bestimmende Leitmotiv dieses Albums. Immer im Zentrum steht die glockengleiche Stimme des Vokalisten, die ihr einziges Vorbild höchstens in der verstorbenen 80er Jahre Ikone Klaus Nomi finden dürfte. Seine Performances in Rußland zelebriert Michael Draw in Zeitlupe. Das Publikum merkt genau, daß der Sänger um die hypnotische Wirkung seiner Stimme sehr genau weiß. „In Rußland ist der Begriff Countertenor nicht so sehr bekannt, daher wird mein Gesang auch manchmal abfällig als weiblich bezeichnet. Ich möchte meine Performances aber gerne als Gemälde verstanden wissen, in welchem das Geschlecht keine Rolle spielt. Ich bin auf der Bühne ein Es, eine Puppe, “ meint der Russe dazu. Der Name der Band stammt natürlich vom deutschen expressionistischen Maler Otto Dix, der als einer der ersten von den Nazis verboten wurde. Besonders an dieser Formation ist ihre Fannähe, so hält man im russischen Forum der Gruppe engen Kontakt zu den selbst betitelten Stalker Goths. Erstmals zum WGT wird seine Performance mit Sicherheit etwas ganz besonderes werden!

Patenbrigade: Wolff (D): Hierbei handelt es sich um das Soloprojekt von Sven Wolff, dem Kreativkopf und Chef der Pop Formation Dust of Basement. Musikalisch bewegt er sich zwischen Ambientsphären, Old school Electro, EBM und Drum ‚n’Bass. Herr Wolff produziert rhythmisch groovende Electronic Musik mit dem nötigen EBM Drive und vermischt dazu progressiven Techno. Das hat einfach was, und wird gerade Fans die auf tanzbare elektronische Sounds aus sind ansprechen!

Qntal (D): Im Februar 2008 legten Qntal mit ihrem nunmehr sechsten Album „Qntal VI – Translucida“ ein Album vor, das nach dem ohnehin schon opulenten Silver Swan wieder an die musikalischen Ursprünge des Trios anknüpfte. Im Oktober 2008 spannte die Band mit „Purpurea – The Best Of“ einen Bogen, der sich von den Anfangstagen bis zum jüngsten Release erstreckt. Eigentlich war Mastermind Michael Popp in der Vergangenheit immer eher kritisch eingestellt als die Sprache auf mögliche Best – Of Veröffentlichungen in Interviews kam. Nun aber kommt plötzlich eben eine solche daher und es wunderte mich dann doch etwas. Dennoch macht dieses Album vollends Sinn und besitzt seine Daseinsberechtigung, denn es stellt eher eine Rückschau dar auf das, was die Band bislang geleistet hat. Keinesfalls hat man nur die erfolgreichsten Stücke der Band zusammengestellt, sondern versuchte die Entwicklung des Trios so repräsentativ wie möglich zu zeichnen. Dies dürfte viele Diskussionen zur Folge gehabt haben, denn bei der Fülle an Songmaterial ist es nicht einfach eine Auswahl zu treffen, die die jeweilige Zeit am treffendsten widerspiegelt. Einer chronologischen Ordnung folgen die Stücke dennoch nicht, denn diese CD sollte für Syrah, Michael und Phil ein organisches Ganzes ergeben und sich damit in die Tradition bisheriger Alben einreihen. Musikalisch war Qntal ja immer schon eine Band, die mit unterschiedlichen Charakteristiken arbeitet. Mal sehr lyrisch, dann wieder eher sehr komplex oder eher tanzbar unterscheiden sich sowohl die Stücke wie auch die Stile der Alben. Eine unbedachte Zusammenstellung der Songs hätte also beim Hörer dazu führen können, daß der Hörer ständig aus den Stimmungen heraus geholt würde. Auf einer zweiten CD befinden sich Remixe und Bonussongs von Qntal, jedoch nicht, wie bei Remixen zu erwarten wäre, von anderen Bands. Diese CD dürfte besonders interessant sein für Fans der ersten Stunde. Neben ganz neuen Versionen sind auch einige weniger bekannte Sachen darauf, die selbst dem längsten Hörer ungeläufig sein dürften. Die Remixversionen scheinen mir fast bestimmte Eigenheiten von Albumversionen gezielt aufgegriffen zu haben, um zu zeigen welche Interpretationen noch so möglich sind. Zwar hätte man befreundete Künstler bitten können Qntal Songs neu zu arrangieren, aber es hätte gut und gerne das geschlossene Gesamtbild gefährden können. Eine CD die ganz und gar der Musik von Qntal gewidmet ist, sollte nach Michael Popp auch nur von Qntals eigener Kreativität geprägt sein. Es ist auch für mich, der Qntal seit Qntal III nun besser kennt, erstaunlich was aus dieser Band im Laufe der Jahre geworden ist. Wenn man bedenkt, daß alles am Bayrischen Staatstheater begann, wo sich Michael Popp und Ernst Horn kennenlernten. Ernst war eher auf elektronische Musik aus damals, während Michael im Bereich der Mittelalter Musik beheimatet war, und so entstand die Idee beides miteinander zu verbinden. Kurz darauf begannen beide diese Idee in die Tat umzusetzen, und so entstanden Experimente mit dem „Palästinalied“. Für Michael begann plötzlich ein völlig neuer Abschnitt seiner musikalischen Laufbahn, denn bisher eher klassisch ausgerichtet bewegte er sich durch Ernst Horn nun im Kontext elektronischer Musik. An eine Qntal – Veröffentlichung war hier noch gar nicht gedacht, erst als sich Carl Erling (Gymnastic Records – Deine Lakaien) sehr interessiert anhörte, was die beiden Jungs da so trieben, kam diese Idee auf. Keiner hatte ernsthaft damit gerechnet, daß sich jemand für dieses Crossover interessieren würde. Dem war absolut weit gefehlt, denn mit „Ad Mortem Festinamus“ wurde man sich schnell bewußt, welchem Irrtum man erlegen war. Das Thema des Totentanzes traf den Nerv der schwarzen Szene total und für lange Zeit war dieser Song die Identifikationsnummer für Qntal. Mittlerweile sind ganze 17 Jahre Bandgeschichte vergangen und die Lust ist dem Trio nicht vergangen. Purpurea ist also als eine Zwischenstation ihres Schaffens, eine Essenz dessen was bisher erreicht worden ist, definitiv ist es kein endgültiges Vermächtnis!! Das Schauspielhaus scheint wie gemacht für ihren Auftritt, sind wir gespannt was sie dem WGT Publikum aus ihrem Repertoire zum Besten geben!

Schelmish (D): Als Straßenmusikant begann Gründungsmitglied Dextro über einige Jahre hinweg in Irland Erfahrungen mit folkloristischen Klängen zu sammeln, was sich noch heute in den Kompositionen der Bonner Musiker niederschlägt. Inzwischen haben sie auch erste Schritte in die Elektro Ecke gewagt und kombinieren experimentierfreudig traditionelle Klänge mit Synthesizer Elementen. Als reine Mittelalterformation sind sie deswegen nicht mehr zu betrachten! Ihre Bühnenschau ist gespickt mit spaßigen Anekdoten und Einlagen, die über Liebe, Leid und Leidenschaft erzählen…

Shadow Reichenstein (USA): Diese Ami’s sind echt ein Undergroundphänomen! Sie verkauften allein in den USA über 2.000 Exemplare ihres in Eigenregie veröffentlichten Debüts „Monster Rock“. Sie spielten auf den größten Gothic – Festivals der USA und schafften es mit ihrem zweiten Werk „Werwolf Order“ aus dem Jahr 2005 ein überragendes Echo in Europa zu bekommen. Das Album ist schwarze, böse und mächtig gruselig in der Atmosphäre und gehört mittlerweile zur Standard Ausrüstung jedes Gothic DJ’s. Erste Tattoos mit dem Bandlogo wurden bereits gesichtet…

Staubkind (D): Wenn man mal einen Blick in die verschiedenen musikalischen Schubladen wirft, in denen sich das bisherige Schaffen von Louis Manke einordnen läßt, kommt von Kirchenchor über Punk Versuche bis hin zu einem längeren Aufenthalt im Metal einiges zusammen. Mit dieser wohldosierten Mischung aus Erfahrung und Einsatz in diversen Musikgenres ausgerüstet, fand sich der Gitarrist 2001 in Berlin wieder, wo er die Schwarz – Elektro-Rock-Avantgardisten von Terminal Choice um Mastermind Chris Pohl ergänzte. 2003 entschied er sich für die Vertonung der eigenen Ideen und verlieh diesen mit Staubkind einen passenden Rahmen. Akustisch ist es New Rock mit Bezug zur Gotik Szene, der auch die eigene klassischen Wurzeln nicht verleugnet und durch seine persönlichen Texte besticht!

Tyske Ludder (D): Seit 2004 sind sie wieder da und bieten gnadenlosen EBM der alten Schule. Ihr Markenzeichen sind sozialkritische Texte mit markantem deutschen Gesang und treibende Beats. Nach längerer kreativer Pause kehrten sie wie gesagt 2004 mit großartigen Konzerten zurück. 2006 erschien das erfolgreiche Album „Sojus“ und in den Folgejahren zeigte die häufige Livepräsenz, daß hier wieder eine Band steht die bereit ist ganz vorn in der Szene mitzumischen!
Umbra et Imago (D): Mit Alben wie „Memento Mori“ oder „Imago Picta“ bohrt sich Mozarts Magie durch die zynisch – poetischen Texte und den brachialen Klängen der Düsternis über die Gehörgänge direkt in unsere Sinne: Absurditäten der Gegenwart, philosophische Gedankenansätze zum Sein, Liebe bis in den Tod und entwaffnende Schamlosigkeit – Umbra et Imago nennen die Dinge gnadenlos beim Namen, über die andere ein Leben lang eher schweigen. Gepaart mit einer meist erotischen Bühnenshow und viel Pyroeffekten bietet Mozart dem Zuschauer mit Umbra etwas für das Auge und das Ohr!

VNV Nation (GB): Das irisch – englische Duo hat es über die Jahre geschafft sich bis an die Spitze der alternativen elektronischen Musikszene zu spielen. Weltweit haben die Jungs eine riesige Fangemeinde, was an ihrer Vermischung von gefühlvoller Stimme und einfühlsamen Texten in Kombination mit Underground Dance und Industrial liegen wird! Ich bin sicher, daß wir hier wieder ein Konzerthighlight dieses Jahr schon vorhersehen können!

Winterkälte (D): Seit ihrer Gründung 1991 steht die Band für progressive elektronische Musik, was sich sowohl auf die einzelnen Klänge als auch die Gesamtkombinationen bezieht. Sie erzeugen mit ihrem Debüt und dem Klassiker „Structures of Destruction“ ein eigenes Genre Rhytm ‚n’ Noise genannt. Dadurch sind sie Stammgast geworden auf allen wichtigen elektronischen Festivals!

Wir von www.Back Again.de wünschen allen Besuchern des WGT 2009 eine wunderbare Zeit, und freuen uns darauf, euch dann live vor Ort berichten zu können! Bis dahin

Euer Maximilian Nitzschke (Maximilian Nitzschke)

CORVUS CORAX - Cantus Buranus Live (München)


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2009

Corvus Corax, die unumstrittenen Könige der Spielleute, haben nach ihrer fulminanten Premiere der Cantus Buranus I im August 2005 und zwei restlos ausverkauften Konzerten in der historischen Kulisse der Museumsinsel in Berlin nun eine Arena Produktion ihrer zweiten Beschäftigung mit dem Stoff, der Cantus Buranus II, gestartet und sich optisch und musikalisch noch einmal selbst übertroffen!

Gegen 19 Uhr strömen bereits die Besucher des zweiten Konzertes der Frühjahrsarenatour in München auf das Olympiagelände, um auch ja rechtzeitig zu dieser überall in der Stadt groß plakatierten Show zu kommen. Ich gebe zu, ich bin skeptisch gewesen, ob es denn Corvus schaffen würden, mit dieser doch mehr als speziellen Show genügend Fans und Crossover - Klassikliebhaber für sich gewinnen zu können, um damit die nicht gerade kleine Olympiahalle auszufüllen. Zumal billig waren die Eintrittskarten im Gegensatz zu den Karten für eine normale Corvus Corax Show nicht gerade, aber dieses Spektakel wollen sich dann doch knapp 4.000 Zuhörer nicht entgehen lassen. Ich nehme so langsam meinen Platz in den ersten zehn Reihen ein und warte mehr als gespannt auf das, was nun kommen möge.
Auf der Bühne sind noch eine halbe Stunde vor Konzertbeginn die bis ins Detail ausgearbeiteten selbstgebauten Instrumente der Jungs aus Berlin zu bewundern. Das selbstgebaute Organistrum etwa, Harmann und Hatz Schlagwerkaufbauten und die mit Schalmeien gefüllten Körbe. Ich staune eher über die Lichtanlagen links und rechts, denn sie lassen erahnen, dass der visuelle Eindruck dieses von Gert Hof inszenierten Konzertes ein ganz immenser sein wird. Vier Scheinwerferreihen, darüber noch Lichtfelder, die in Reihe geschaltete Effekte erzeugen können - wir werden ganz sicher nicht kleckern sondern visuell klotzen, das wird immer klarer!

Als sich mit dem Gongschlag die Halle verdunkelt, ertönt ein Donnergrollen aus den Lautsprechern. Immer mystischer und unheimlicher wird die Stimmung, wir tauchen ein in die Entstehungszeit der Cantus Buranus. Mit tiefer Stimme erzählt uns ein Erzähler die Umstände der Zeit, von Vergänglichkeit und Tod, Recht und Unrecht und der Allmacht der Inquisition. Wir werden eingestimmt auf die unterschiedlichen Stimmungen der Show. Immer wieder unterbrechen Scheinwerferkegel, die wie Spinnenfinger ins Publikum leuchten, die Ausführungen. Als das Orchester zusammen mit dem Chor die Bühne betritt brandet tosender Beifall auf, der sich richtig entlädt, als Harmann der Drescher, Patrick der Kalauer und Hatz die Pauken besetzen, um den Rhythmus für „Miser“ anzugeben. Erst versetzt kommen Castus Rabensang, Tritonus der Teufel, Wim, Ardor vom Venushügel und Jordan auf die Bühne und geben das Startsignal für den Chor. Die Blechbläser setzen ein und beginnen das Ringen um den allgegenwärtigen Tod des Menschen, darum, nach dem Leben nur noch als Asche allgegenwärtig zu sein. Der Sterbende tritt seinem Schöpfer entgegen. Kein Wunder, dass dies wuchtig und bombastisch sein muss. Das Göttliche wird optisch hierbei durch den Wechsel von Licht und Dunkelheit, von blauen zu roten Spotlights unterstützt und die Bedrohlichkeit durch den abrupten Farbwechsel hervorgehoben. Im Takt der Paukenschläge von Harmann und Hatz wechselt sich das Bühnenlicht ab. Jede Bewegung auf der Bühne ist genauestens auf die visuelle Komponente dieser Show abgestimmt. Ein falscher Paukenschlag und ein Lichtkegel wäre zu früh oder zu spät geschaltet und die Gesamtwirkung geriete disharmonisch.
Besonderes Highlight ist einmal wieder der Auftritt der Starsopranistin Ingeborg Schöpf, die als „Rustica Puella“ in rotem Kleid und Pfauenfederschmuck die Bühne betritt und sofort mit nur einem Ton schafft, über Dudelsäcke, Orchester und Chor hinwegzusingen. Links und rechts von mir sehe ich im Publikum einige mit offenen Mündern sitzen, denn wer hätte auch gedacht, dass sie es schaffen würde die Olympiahalle nur allein durch ihre Stimme auszufüllen. Das Lichtdesign richtet den Focus direkt auf sie, leuchtet die Diva perfekt aus. Diese gekonnte Mischung aus Oper und mittelalterlichen Klängen versetzt mich fast von der Stimmung her in Richtung Verona oder Rom und ihre Kolloseen. Dabei sitzen wir hier „nur“ in der Olympiahalle. Eine starke Publikumseinbindung findet bei „Ergo Bibamus“ statt, welches vom ersten Album stammt. Lichtkugeln auf der Bühne strahlen warm-whites Licht aus und schaffen Behaglichkeit. Ein motorisierter Ballon wird von Castus und Wim hereingetragen und ins Publikum entsendet. Während des gesamten Liedes schwebt dieser wie ein kleiner Mond in der Halle umher und versetzt das Publikum in verzücktes Erstaunen. Fotoapparate versuchen dieses erzeugte Bild einzufangen, jedoch dürften die Videokameras, die dieses Konzert für eine DVD Produktion professionell aufnehmen, einen anderen Gesamteindruck vermitteln können. Eine Einzelaufnahme schafft es meines Erachtens nicht, dieses Gesamtkunstwerk alla Corvus Corax faßbar werden zu lassen, dazu ist jedes Bild zu durchdacht. Mal wuchtig und opulent ausgeleuchtete Kostüme und Instrumente, mal in sanfteren Farben und filigran gehalten. Ein weiteres sehr eindeutiges Bild wird mit „Custodes sunt Raptores“ der zweiten Cantus Buranus Vertonung entstammend, eingeleitet. Zuerst betritt nach einer kurzen Pause der Chor wieder die Bühne und wechselt das Outfit von weißen Kutten in rote Priestergewandung - die geistlichen Herren demonstrieren ihre Macht. Die Jungs von Corvus Corax haben ebenfalls ihre Bühnenkleidung gewechselt, und stehen nun in roter Gewandung und Mitren auf dem Kopf bzw. Feuerschalen in den Händen auf der Bühne. Zugleich entflammen auf der Lichtumrandung weitere rund 15 Feuerschalen und tauchen die Bühne in ein rötliches - goldenes Licht. Die Bretter auf denen die Künstler stehen, brennen optisch. Die Kirchenobersten werden mit diesem Text angegriffen. Mit den Worten im Refrain „Jeder Mensch in diesem Haus ist wahnsinnig. Aber jeder vergeht mit dem Winde“ beginnt man nun mit der Versuchung durch den Teufel gegen den reinen Geist. .Ingeborg Schöpf, diesmal in weißem Kleid und neuer Kopfbedeckung, stellt sich dem Inquisitionstribunal und verdrängt stimmlich und textlich immer wieder die Worte des Teufels. Satan soll weichen, die Geistlichen ertrinken in Betrügerei und Lüge und sind laut Text die eigentlichen Teufel. Die Lichtstimmung wird beibehalten, immer noch in goldenes Licht getaucht bleibt der Blick des Publikums automatisch bei der Diva hängen. Diese Anklagen werden entschärft mit dem offiziellen Abschluss-Stück des eineinhalb Stundenkonzertes. Fortuna wird angerufen in dem Stück „Oh Fortuna“ und das Publikum mit diesem Hoffnungsgefühl zurückgelassen.
Als sich Castus, Wim, Teufel, Ardor, Jordan, Patrick, Harmann, Hatz und Ingeborg Schöpf verbeugen und das Ende symbolisieren, bricht in der Olympiahalle donnernder Applaus aus. München ist völlig hin und weg von diesem Erlebnis. So verwundert es mich nicht, als die kompletten 4.000 Leute von ihren Sitzen springen, um ihrer Anerkennung und Begeisterung Luft zu machen. Sichtlich erleichtert und gerührt stehen Corvus Corax auf der Bühne und verneigen sich nun ihrerseits vor dem Publikum, danken ihnen dafür, so zahlreich erschienen zu sein. Die Forderungen nach Zugaben ebben nicht ab, so dass wir unter anderem nach fast zwei Stunden mit „O Varium Fortuna“ und unvergesslichen Bildern im Kopf in die nasskalte Münchner Nacht entlassen werden. Ich war schon 2005 von ihrem Konzert auf der Museumsinsel begeistert, aber dieses Konzert vier Jahre später toppt alles um Längen. Ein unvergessliches Konzerterlebnis für mich! Jungs, ich danke euch! (Maximilian Nitzschke)

HARD-ONS - Suck And Swallow: 25 Years 25 Songs


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Rookie Records-Boss Tuneage retro / Cargo Records / RR067-BTRCRS037

Die HARD-ONS aus Australien machen nun auch schon seit über einem Vierteljahrhundert die Punk-Rock-Welt unsicher, eigentlich bereits seit 1981, aber in den 90er Jahren gab es eine mehrjährige Bandpause, so dass die Jahre nicht richtig mitgezählt werden. Egal, denn „25 Years 25 Songs“ klingt als Titel für eine Jubiläumsveröffentlichung auch viel griffiger.
Die HARD-ONS haben über die ganze Zeit ihre eigene Nische mit einer Mischung aus klassischen Punk-Rock, Surf-Sound und Rock’n’Roll gefunden und unzähliche Pogo- und Mitgröhl-Hymnen abgeliefert, was das unglaublich geile „Surfin’ On My Face“ und das nicht weniger fesche „Girl In The Sweater“ gleich zu Beginn beweisen. Treibender Punk, Ohrwurmmelodien und feinste „Whoooo Oooohhhh Oooohhhh“-Mitgröhlchöre. Und so geht es Stück für Stück weiter. Die Grundmischung bleibt die gleiche, obwohl im Laufe der Zeit natürlich der Sound fetter wurde, sicher aufgrund besserer Aufnahmemöglichkeiten in den Studios, und natürlich verschiedene zusätzliche Einflüsse hinzukamen, so der Rock-Sound von Motörhead, gut zu hören in „Suck’n’Swallow“, etwas Psychedelic, ab Mitte der 80er auch die damals angesagten Hardcore-Klänge, Alternative Rock, Pop und und und. Ohrwürmer wurden jedenfalls in Reihe produziert und so ist diese CD definitiv für jede Party geeignet, sei sie nun im kleinen Kreis zu Hause, in einem stickigen Kellerclub oder im Sommer am Baggersee.
Im Info steht was von einer „Mischung aus Beach Boys und Motörhead“, wenn man dann noch die Ramones hinzunimmt, trifft das die Musik der HARD-ONS recht genau. In Australien war die Band, die heute noch tourt, auch kommerziell erfolgreich, im Rest der Welt zumindest beliebt und hoch angesehen. Mit dem Kauf dieses Albums macht man definitiv nix verkehrt. Wer die Band schon kennt, kriegt 25 Hits kompakt serviert, wer sie erst noch kennen lernen möchte, hat hier den perfekten Einstieg. (A.P.)

ERASURE - Total Pop! The First Forty Hits


Erstveröffentlichung: Doppel-CD 2009 / Mute Records / cdmutel16

Was kann man zu ERASURE noch sagen? Nach den Erfolgen mit Depeche Mode und Yazoo hat Vince Clarke mit Andy Bell dieses Projekt 1985 gegründet und nun fast ein Vierteljahrhundert später wird es Zeit für einen Rückblick. 40 Singles, von denen gerade mal 6 oder 7 nicht in den englischen Top 40 waren, während 17 sogar die Top 10 geknackt haben sind schon eine beeindruckende Bilanz, auf die nicht viele Bands zurückblicken können. Dass das Duo dabei immer punktgenau die absoluten Ohrwürmer ausgewählt hat, ohne dass allzu viel Mittelmäßiges oder gar Schrott dabei war, zeigt das Talent von Vince Clarke als genialen Songschreiber und Andy Bell als perfekt dazu passenden Sänger. Und dabei ist das Duo auch immer noch extrem sympathisch rüber gekommen. Ja, ich wage fast zu sagen, dass ERASURE die ultimativ-perfekte Popband waren und sind.
Die erste CD enthält die Hits von 1985 bis 1992, sozusagen die klassische Bandphase mit Evergreens, anders kann man die Lieder kaum bezeichnen, wie „Oh L’amour“, „Sometimes“, „It Doesn’t Have To Be“, „A Little Respect“, „Love To Hate You“ oder dem brillanten ABBA-Cover „Take A Chance On Me“. Fast jeder, der in den 80er Jahren schon Radio-Hör-fähig war dürfte diese Songs kennen und zumindest beim Hören mit dem Fuß mitwippen. Melodien, die nach einmaligem Hören nicht mehr aus dem Ohr gehen, auch mehr als 20 Jahre später. Ein ERASURE-Lied erkennt man irgendwie immer sofort und es gibt kaum Bands, die (erfolgreich) versucht haben, diesen Stil zu kopieren, ähnlich wie auch kaum Bands die Pet Shop Boys oder Soft Cell nachgemacht haben, während Depeche Mode-Klone Legionen bilden.
CD 2 beginnt mit dem nach einer kleinen Pause 1994 veröffentlichten Megahit „Always“ und führt über Songs wie „Run To The Sun“, „Stay With Me“, „In My Arms“, „Freedom“ und dem Peter Gabriel-Cover „Solsbury Hill“ bis hin zum 2007er Remix von „Always“. Ich gebe zu, dass ich von der zweiten CD nicht mehr alle Songs gekannt habe, da einige in Deutschland nicht mehr zu Riesenhits wurden und ich die Charts sowieso kaum noch verfolgt habe, vielleicht kann man diese Phase von ERASURE auch als die etwas „erwachsenere“ oder „reifere“ bezeichnen, Hit- und Ohrwurmcharakter haben die Songs aber nach wie vor.
Keine Frage, ERASURE haben die Popmusik seit Mitte der 80er Jahre nicht nur bereichert, sondern auch mit geprägt und diese 40-Hit-Zusammenstellung verdient nicht nur den großspurigen Namen „Total Pop“, sondern darf auch tatsächlich als musikalisches Monument gesehen werden. Der Untertitel „The First Forty Hits“ verspricht zudem, dass man sich auch in Zukunft auf perfekten Pop aus dem Hause Clarke/Bell freuen darf. (A.P.)

DILEMMA - Invisible Noise Hunters


Erstveröffentlichung: LP-Box 2009 / Anna Logue Records / ANNA 020(-7).2009

Wenn ich es richtig verstanden habe, sind diese DILEMMA nicht mit der gleichnamigen, ebenfalls aus Deutschland in den 80er Jahren stammenden Gruppe identisch, die auf Mauerstadtmusik/WSDP eine schicke Single veröffentlicht hat. Soundtechnisch geht es auch in eine etwas andere Richtung. Neben diversen Tapes war die Gruppe auch auf zwei Vinyl-Samplern vertreten, die in der Ende der 80er Jahre extrem aufstrebenden Electronic Body Music-Szene für Bewegung sorgten. Mit härteren Electroklängen, sicher deutlich beeinflusst von DAF und deren Epigonen Front 242 und Nitzer Ebb bewegten sich DILEMMA zielsicher in diesem Stil, haben aber trotzdem nie eine eigene Platte produziert oder gar den Durchbruch auf breiterer Basis geschafft. Zumindest das mit der Platte hat Anna Logue Records nun nachgeholt. Eine LP mit remasterten Tracks von den Tapes und eine Bonussingle mit drei Livetracks gibt es hier im gewohnt edlen Anna-Design. Heraus kommt ein teilweise schön experimentelles EBM-Album, das, wäre es 1986-88 erschienen, heute sicher ein absoluter Klassiker wäre. So bietet es immerhin Fans und Sammlern die Möglichkeit, eine ganze Reihe wirklich guter Tracks zu hören (Tipps: „Dismember“, „War And Pleasure“), die an selige Zeiten von Bands wie Portion Control, Vomito Negro, oder The Klinik erinnern. Dass das die gleichen Vergleiche sind, die im Promotext zu dieser Platte auftauchen hat nichts mit abschreiben zu tun, sondern einfach damit, dass das eben genau die richtigen Vergleiche sind. Dazu noch Namen wie Insekt oder Pankow und fertig ist ein brodelndes Gebräu, das Spaß macht. Hätte das damalige Schweizer New Life-Magazin mehr von der Band mitbekommen, wäre sie sicherlich absolut abgefeiert worden. So blieben eben die Tapes, die Samplerbeiträge und zum Glück nun diese LP+7“. Und es ist ja kein Geheimnis, dass viele Minimal-Electro-Freaks auch jede Menge mit dem klassischen EBM-Sound der genannten Bands anfangen können. Limitiert ist das Ganze wieder auf 500 Exemplare, von denen 250 mit signiertem Bandfoto kommen. Eine bedruckte Innenhülle haben alle LPs und die Single ist in weißem Vinyl gepresst worden. (A.P.)

Webadresse der Band: www.annaloguerecords.com

THE HANDS OF CAIN - The Only Sound


Erstveröffentlichung: LP 2009 / Anna Logue Records / ANNA 021.2009

Anna Logue Records überrascht immer wieder. Kennt man von dem nordostdeutschen Label bisher hauptsächlich Vinylveröffentlichungen mit stets wavigen und meist dazu minimal-elektronischen Klägen aus den 80er Jahren, so hat man damit begonnen, auch CDs zu veröffentlichen und mit der griechischen Band THE HANDS OF CAIN nun auch Gothic Rock/Dark Wave Ich staunte nicht schlecht, als im im Releaseinfo was von Gruppen wie Bauhaus und gar Christian Death las und war ein wenig skeptisch. Der Opener „In A Dark Cell“ klingt dann auch eher nach wunderbaren Wave-Helden wie Sad Lovers And Giants oder Lowlife, aber schon der zweite Song „Deadlips“ ist tatsächlich purer 80er Jahre Gothic Rock, der die Fans dieser Musik erfreuen wird. Ich zähle mich dazu.
So geht es dann auch weiter, mal waviger im Cure-Stil („Pristine Passion“) mit 80s Pop-Anleihen, mal härter und düsterer. Mir gefällt es sehr gut, dass Anna Logue Records auch mal über den eigenen Tellerrand schaut und seltsamerweise ist es ja tatsächlich so, dass Minimal Electro-Freaks auch häufig den alten Gothic/Death Rock mögen, obwohl das nun doch zwei grundverschiedene Stile sind, die scheinbar gar nichts miteinander zu tun haben.
Nun, an die besten Songs von Bauhaus oder gar die frühen Christian Death kamen THE HANDS OF CAIN 1982-1985 natürlich nicht heran, aber sie haben hier Originalaufnahmen abgeliefert, hier und da auch mit ein paar Killing Joke-Anklängen, wie sie nur in der damaligen Zeit entstehen konnten. Der Stil ist historisch, der Klang der Aufnahmen leider auch, aber die Songs klingen frisch und kraftvoll. Obwohl hier einige Synthies zu hören sind, sollten nur die ganz strengen Minimal-Electro-Puristen ihre Finger von der Platte lassen, alle anderen werden mit Sicherheit positiv überrascht sein.
Wie alle Anna Logue Records-Releases ist auch diese Platte limitiert und edel aufgemacht mit Innencover und unterschriebenem Foto als Beilage. (A.P.)

Webadresse der Band: www.annaloguerecords.com

LEICHTMATROSE - Gestrandet


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Ferryhouse / Warner Music

Ich hatte es fast befürchtet. Die Vorab-Veröffentlichung „Sexi ist tot“ hat mich sehr begeistert, nun kommt das Album und begeistert mich noch mehr, denn es hält das Versprechen, das „Sexi ist tot“ gegeben hat, ohne Einschränkungen ein. Gleich das erste Lied „Herztransplantation“ ist grandios und eröffnet den Reigen auf denkbar beste Weise. Leise, melancholisch, höchst melodisch. Melancholie und Einsamkeit zieht sich durch das ganze Album, poppig ist es auch fast immer, absolut abwechslungsreich, irgendwie tiefgründig. Behandelt werden diverse Themen, Magersucht in „Sexi ist tot“, Trennungsschmerz in „Herztransplantation“, „Leichtmatrosen haben´s schwer“ handelt von der Liebe und auch von dem Getrenntsein, „Junge von nebenan“ ist die Geschichte eines Jungen, der die Waffe erst gegen seine Umwelt und dann sich selbst richtet. Passt gut zum Amoklauf in Winnenden, der fast zeitgleich zur Veröffentlichung der Platte stattfand. Ganz wunderbar ist noch „Studentenfutter“ mit hervorragendem Text, der einerseits Studenten verärgern, gleichzeitig aber auch wieder versöhnen könnte. Erwähnenswert ist noch das Schlussstück „Der letzte Zug“ und im Grunde müsste ich noch alle anderen Stücke namentlich erwähnen, denn es gibt sage und schreibe nicht einen einzigen Ausfall auf der CD, jeder Song kann überzeugen. Dass sich Joachim Witt als eine Art Mentor für den Leichtmatrosen eingesetzt hat, hört man durch das ganze Album. Wobei nicht klar ist, wie viel Einfluss der Altmeister tatsächlich hatte, aber da ich Witt absolut verehre und der LEICHTMATROSE definitive Witt-Einschläge hat, ist für mich die Paarung irgendwie plausibel, kausal normal, wie es der Matrose wohl nennen würde. Es ist sehr elektronisch, manchmal poppen ein paar Gitarren durch den Teppich, der häufig durch streicherartige Instrumente gebildet wird. Ich kann es jedem, der seine Schwermut pflegen möchte und der auf wunderschöne Melodien steht, einfach nur empfehlen. Für mich definitiv eines der besten Alben des Jahres 2009. (H.H.)

Webadresse der Band: www.myspace.com/derleichtmatrose

4:25 TWINS - 4:25 Reasons


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Capitol East Road Records / Radar Music / cerr2009-02

Oje, da kommt diese CD mit einem Info, das voller großer Namen wie Sisters Of Mercy, New Order und Joy Division ist und dann klingt die Band 4:25 TWINS auch nicht im entferntesten so, wie die alten Helden. Nicht mal der Musikstil (New Wave und Gothic-Rock) passt. Hoffentlich fällt die Band damit nicht auf die Schnauze.
Nein, zu hören gibt es lupenreinen Dark Wave, der seine Wurzeln vor allem in den 90er Jahren hat und hier und da wie eine Future-Pop-Variante von den Australiern Ikon klingt. Auch viele andere, vor allem elektronische Größen der 90er Jahre klingen durch von Apoptygma Berzerk bis Deine Lakaien. Das macht die österreichische Band auch sehr gut und hat durchaus das Potential, mit dem einen oder anderen Song in den Clubs zu landen, denn gut produziert und tanzbar ist das alles allemal, wenn auch nicht aufregend neu. Die spannendsten Songs sind die, in denen Bandmitglied Mina Palada als Backgroundsängerin zu hören ist und die gleichzeitig musikalisch sehr reduziert sind, vor allem „Red Eyes“, das leicht ein Szenehit werden könnte oder auch „Good Guys“, das dann doch so ein gewisses 80s-Flair hat. Lasst Mina doch auch mal ein ganzes Lied singen!
Nix Neues also aus Darkwavehausen, aber insgesamt sehr solider Sound, der sicher viele Leute in Schwarz begeistern wird. Dazu gibt ein sehr schickes, schlicht gestaltetes Artwork. (A.P.)

MORRISSEY - Southpaw Grammar (Deluxe Edition)


Erstveröffentlichung: CD 2009 / RCA / Sony / 88697332522

Nach der Trennung der Smiths konnte Sänger MORRISSEY schnell eine erfolgreiche Solokarriere starten, die bin in die 90er Jahre hinein ein paar sehr gute und auch kommerziell beachtenswerte Alben hervor brachte. In den 90er Jahren sank zwar nicht der Output des charismatischen Sängers, aber doch ein bisschen die Relevanz seiner Platten. Das mag daran gelegen haben, dass die 90er Jahre ein musikalisch recht oberflächliches Jahrzehnt waren, in dem die Charts von stupidem Dance-Pop beherrscht wurden, aber vielleicht hätte MORRISSEY einfach auch mal eine längere Pause gut getan. Diese Pause legte er erst ab circa 1997 ein und startete 2004 mit dem fantastischen Album „You Are The Quarry“ wieder voll durch und bewies, dass er immer noch was zu sagen hat.
Dass aber nicht alles, was Morrissey vor der Pause abgeliefert hat schlecht war, wobei „schlecht“ im Zusammenhang mit MORRISSEY sowieso ein Wort ist, dass man eigentlich kaum benutzen kann, zeigt diese Wiederveröffentlichung des 1995er Albums „Southpaw Grammar“. Angeblich war er mit der damaligen Veröffentlichung selber nicht so richtig zufrieden und setzte sich persönlich daran, die Neuauflage zu etwas besonderem zu machen. So wurde das komplette Coverartwork überarbeitet, die Tracklist neu geordnet und gleich mit vier bisher unveröffentlichten Tracks aufgefüllt. Zudem entstanden Linernotes und das Booklet wurde mit bisher unbekannten Fotos aufgefüllt, in der Standard Edition auf 20, in der Deluxe Edition im DigiPak gleich auf 32 Seiten. Da kommen auch Fans, die das Originalalbum haben nicht an einem Neukauf vorbei.
Musikalisch leben die 12 Songs natürlich voll und ganz von der unvergleichlichen Stimme MORRISSEYs, während die Lieder selbst oft zu sehr nach normalem Indie-Pop-Rock klingen und so das ganz Besondere vermissen lassen. Einige Lieder entfernen sich auch deutlich vom klassischen 3-Minuten Popsong, der doch eigentlich MORRISSEYS Spezialität ist und so sind gleich zwei Tracks über zehn Minuten lang, einer immerhin noch knapp sieben Minuten. Das alles heißt aber nicht, dass hier schlechte Musik geboten würde, im Gegenteil, die meisten Tracks haben immer noch unwiderstehlichen Ohrwurmcharakter, so zum Beispiel die wunderbare Singleauskopplung „The Boy Racer“, die sich auf jeder Best Of gut macht. MORRISSEY hat lediglich versucht, auf diesem Album mal ein bisschen zu experimentieren und was Neues zu machen, was ihm damals wohl einige Fans übel genommen haben. Rückblickend reiht sich „Southpaw Grammar“ jedoch recht gut in die Diskografie ein und RCA/Sony legt hier eine gelungene und verdiente Wiederveröffentlichung vor. (A.P.)



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