ATARAXIA - Mon Seul Desir


Erstveröffentlichung: CD 2002 / Cruel Moon

This latest release of Italy´s ATARAXIA is a bit different to former releases, but of course it is still a wonderful album. The difference is, that this seems to be not a conceptual work, which presents a special topic or musical aera. It sounds like every song stands for itself and so we get to hear various musical styles, from medieval sounds and oriental influences to melancholic ballads and much more. The whole music this time is very many sided. My favourite track is the wonderful „A L´Aube“, but all other songs are fantastic, too. Finally there is a hidden track at the end of the album and the CD has a nicely designed booklet. So, „Mon Seul Desir“ will satisfy all ATARAXIA fans definetly. What else to say...? (A.P.)

GUTS PIE EARSHOT - Smart Desert


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Major Label / Broken Silence / ML32

GUTS PIE EARSHOT gehören seit über einem Jahrzehnt zu den ungewöhnlichsten Bands aus Deutschland. Ursprünglich kommt die Gruppe aus der Punk/Hardcore-Ecke, lässt aber seit sehr langer Zeit ungeniert auch verschiedenste andere Einflüsse von Folk über Techno bis Weltmusik zu. So auch auf der inzwischen zehnten Veröffentlichung „Smart Desert“. Klar, die Grundlage der einzelnen Songs bildet immer noch meist ein recht rockiger Sound, aber mit zum Beispiel Cello-Unterstützung kommt natürlich was ganz eigenes dabei raus. Die Stücke sind durchgehend instrumental und klingen alle ziemlich unterschiedlich, mal fast technoid, mal orientalisch beeinflusst, dann wieder richtig punkig, sogar klassisch und auch mal metallig. Das ist wahnsinnig spannend, weil man nie so richtig weiß, was einen als nächstes erwartet und vor allem ist der für GUTS PIE EARSHOT typische Druck hinter den Liedern wieder einmal absolut beeindruckend.
Ich gebe zu, über die ganze CD-Länge fehlt mir der Gesang doch ein bisschen, aber das ist auf jeden Fall Geschmackssache. Fraglos bleibt GUTS PIE EARSHOT eine der innovativsten deutschen Bands und „Smart Desert“ enthält genügend Hits, die garantiert auch live voll knallen werden. Etwas hervorstechen tut dabei auf jeden Fall die ziemlich überdrehte Dead Kennedys-Coverversion „California Über Alles“. (A.P.)

KALTFRONT - Zieh Dich Warm An

Wiederveröffentlichung: CD 2008 / Teenage Rebel Records / TRR CD 127
Erstveröffentlichung: LP 2006 / Major Label

KALTFRONT gehörten, 1986 aus zwei der frühen DDR-Punk-Bands entstanden, in der zweiten Hälfte der 80er Jahre bin in die Nachwendezeit zu den bekanntesten DDR-Underground-Gruppen, die aber damals nur auf Tapes veröffentlichten konnte. Erst Jahre später erschien eine posthume Live-LP und nach der Reunion der Gruppe 2005 eine LP mit Aufnahmen aus den alten Tapes. Nun liegt diese LP mit sechs weiteren Songs auch auf CD vor und man muss das Unwort „Kult“ hier tatsächlich mal wieder zu Recht bemühen. Statt langweilig deutschpunkig vor sich hinzustumpfen und über „Bullen“ und „Saufen“ zu singen haben KALTFRONT auch was zu sagen gehabt und verschiedene Einflüsse zugelassen. Irgendwo haben ich was von den „DDR-Fehlfarben“ gelesen, was musikalisch kaum hinkommt, von der Idee her aber gar nicht so falsch ist. Der frühe, eigenständige (west)-deutsche Punk von Gruppen wie Male, Abwärts, Mittagspause (ohne die Ska-Einflüsse) und S.Y.P.H. wird mit härterem Wave verbunden, mit guten deutschsprachigen Texten unterlegt und authentisch rübergebracht. Hierzu trägt natürlich auch die logischerweise etwas rumpelige Aufnahmequalität bei, die aber absolut kein negativer Kritikpunkt ist. Ich gehe sogar so weit, dass ich hier und da leichte Gothic-Einflüsse zu vernehmen glaube („This Is Happy Generation“, „Winter“), wobei Sachen im Stile von Every New Dead Ghost gemeint sind, und auch Fans von Düster-Punkern wie EA80 und Fliehende Stürme (beziehungsweise späte Chaos Z) sollten mal ein Ohr riskieren („Weiße Maske“).
Ein fettes Booklet mit allen Texten, Infos zu allen Songs, Fotos und einer kurzen Bandbiographie runden diese wirklich gute CD ab, die auch unabhängig von einer verklärenden Zeitdokument-Sicht einfach richtig guten angewaveten Punk bietet. KALTFRONT hätten sich sicher auch im Westen behaupten können, es ist hier also nichts mit „Exotenbonus“. (A.P.)

Webadresse der Band: www.kaltfront-dresden.de

REDEEM - Eleven


Erstveröffentlichung: CD 2008 / One And One Records / Point Music Distribution / 4018996103083

REDEEM kommen aus der Schweiz und veröffentlichen bereits seit 2004 CDs. „Eleven“ ist das erste komplette Album und die Band dürfte damit zumindest für einen Achtungserfolg sorgen. Musikalisch geht es ziemlich klar in Richtung Alternative Rock, der so einige weitere Einflüsse mit einbaut, von leichten Wave-Gitarren zu dann doch immer wieder nervendem Metal-/Schweine-Rock-Gesang und ein paar 70er Jahre Gitarrensoli.
In den besten Momenten erinnert das etwas and die großen Placebo, in den schlechteren wird’s einfach nur banal und uninteressant.
Musikalisch ist das Trio sehr fit, die Produktion ist ebenfalls gut und stilistisch hat REDEEM sicher das Zeug zu größerem kommerziellen Erfolg. Es fehlt vielleicht nur der klitzekleine Zufall, der zum Durchbruch verhilft. Ich würde es der Band gönnen, werde aber trotzdem nicht zum Fan. (A.P.)

WGT 2009 - Die harten Fakten


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2009

Die „Harten“ Fakten zum Festival

Wie jedes Jahr findet auch im nunmehr 18ten Jahr zu Pfingsten in Leipzig das Wave Gotik Treffen statt vom 29.05. - 01.06.2009. Das Wave Gotik Treffen zählt mittlerweile innerhalb der Gothicszene als das Familientreffen. Es ist das größte Festival dieser Art weltweit.
In der gesamten Stadt werden mehr als 150 Bands auf etwa 20 Bühnen auftreten, so etwa in den altehrwürdigen Gemäuern der Moritzbastei in der Innenstadt, in der neo-antiken Kuppelhalle des Volkspalastes und in der Parkbühne im Clara Zetkin Park. Musikalisch wird den Besuchern die ganze Bandbreite dunkler Musik geboten: Von Future-Pop bis Goth-Metal, von EBM bis Apocalyptic Folk, von mittelalterlichen Klängen bis zu hartem, elektronischem Industrial. Traditionell werden aber auch gern mal die musikalischen Grenzen gebrochen, so gehört auch Klassik zum Programm des Festivals. In diesem Jahr kann man die umstrittene Inszernierung von Wagners „Fliegendem Holländer“ im Opernhaus erleben oder Mozarts Requiem in der Krypta des Völkerschlachtsdenkmals.

Neben den Konzerten bietet das Treffen aber auch noch einiges mehr:
Es wird einen großen Mittelaltermarkt geben, das „heidnische Dorf“, Lesungen, Ausstellungen, Theateraufführungen und ein großes Rollenspiel. Eine große Messehalle verwandelt sich für 4 Tage in das größte Gothic - Warenhaus der Welt. Bis(s) zum Morgengrauen legen Szene DJs aus aller Welt bei verschiedenen Spezial Partys auf. Bei der beliebten Fetischparty des Treffens „Obszession Bizarr“ feiert man sehr freizügig, hier wird am Einlas auch streng auf angemessene Kleidung geachtet. Ein Bummel durch die Leipziger Innenstadt lohnt sich dieses Jahr ganz besonders, denn der Eintritt ins Bildermuseum ist mit WGT Bändchen frei. Auf dem Treffengelände der ehemaligen Landwirtschaftsmesse „agra“ am Rande der Stadt liegt der große Zeltplatz des Treffens. Mit den Obsorgekarten, die zum Zelten berechtigen, bekommt man auch den Pfingstboten, das ausführliche WGT Programmbuch mit Silberling der Künstler des diesjährigen Festivals. Mit dem WGT Bändchen sind die öffentlichen Verkehrsmittel der Stadt kostenlos zu nutzen. Das schöne an Leipzig ist dabei, dass die Leipziger das WGT nun schon 17 Jahre lang kennen - es gibt keine Feindschaft oder Vorurteile - man staunt eher und ist intressiert an uns Blackies.

Termin: 29.Mai - 1. Juni 2009
Ort: Leipzig, an mehr als 20 verschiedenen Veranstaltungsorten, Zeltplatz und Hauptveranstaltungsort „Agra“ am Stadtrand in Markkleeberg
Musikrichtungen: Alle Arten von dunkler Musik: Gothic, EBM, Industrial, Ambient, Apocalyptic Folk, Synthiepop, Mittelalter
Vorverkauf: 4 Tage Karte für alle Veranstaltungen im Rahmen des 18. Wave - Gotik-Treffens zu 66 Euro im Vorverkauf, bestellbar unter http://www.wave-gotik-treffen.de/karten.php Die Veranstaltungskarte beinhaltet die Fahrtberechtigung für Verkehrsmittel der MDV Zone 110 vom 29.05.2009 8 Uhr - 02.06.2009 12 Uhr. Es wird auch bis in die frühen Morgenstunden Sonderfahrten der Linie 11 für WGT Besucher geben.
Zelten: Ist nur möglich mit der Obsorgekarte die auf 9999 Stück begrenzt ist. Diese Karte kostet 25 Euro und beinhaltet die Zeltplatznutzung auf dem Treffenplatz, die Silberscheibe „Künstler des 18. WGTs und den Pfingstboten.
Parken: Für das Parken auf dem Treffengelände ist eine Parkvignette zu 15 Euro für den gesamten Treffenzeitraum erforderlich. Ohne eine solche Parkvignette ist das Parken auf dem Gelände nicht möglich!
Erwartete Besucherzahl 2009: Etwa 20.000 Besucher! (Maximilian Nitzschke)

WGT 2008 - Nachbericht


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2008

Nachbericht des 17. Wave Gotik Treffens 2008 09.Mai 2008 - 12.Mai 2008

Pfingsten und damit unsere aljährliche Zusammenkunft in Leipzig fielen dieses Jahr auf ein sehr frühes Mai - Wochenende. Deswegen hatten wir uns in Gedanken schon auf warme Kleidung mit Mütze, Handschuhe und Schal eingestellt. Zum Glück kam es dann aber völlig anders, denn Leipzig zeigte sich dieses Jahr von seiner sonnigsten Seite seit einigen Jahren. Verschmierte Schminke hin oder her, die geil warmen Temperaturen lockte Besucher vor allem zu den Ereignissen unter freiem Himmel. Auch an den Hallenveranstaltungen wie Konzerten, Ausstellungen, Autogrammstunden, Märkten, Lesungen und Partys führte bei dem diesjährig sehr reichhaltigem Angebot kein Weg vorbei. Wir haben in unserem Nachbericht die Erlebnisse in Leipzig festgehalten, mit Stiften, Kamera und Laptop bewaffnet. Bleibt mir nur noch euch viel Spaß zu wünschen!

Der Festival - Freitag war aufgrund des Konzertes von Tarja voll auf den Kohlrabizirkus konzentriert. Kurz nach 16 Uhr traten hier die Finnen „Kivimetsän Druidi“ auf. Jeder kennt die Herr der Ringe Trilogie insbesondere Fans des Fantasy - Metals, dem diese Band definitiv angehört. Kivimetsän Druidi heißt übersetzt die Druiden des Steinwaldes und somit bewegen wir uns mitten im Herr der Ringe Themenkreis. Hier tobt die immewährende Schlacht zwischen den Mächten des Bösen und des Guten. Die Geschichten von Kivimetsän Druidi, durch sinfonischen Metal umgesetzt, erzählten von feigen Intrigen, Machtgier, Starrsinn und blutigen Schlachtfeldern. Aber auf der anderen Seite wissen sie auch von Freundschaft, Brüderlichkeit, Treue und Glauben zu singen. Der Kampf von Gut gegen Böse wird stimmlich durch den weiblichen Gesang von Leeni Maria Hovila im Gegensatz zu brachialem Metal unterstrichen. Ihr erstes Konzert gaben die jungen Finnländer 2004 in Kuovala in Finnland. In Kürze wird auch hier in Deutschland ihr reguläres Debütalbum erscheinen, nachdem sie einen großen Plattenvertrag unterschrieben haben.

Im Anschluß folgte das „Diablo Swing Orchestra“, worunter ich mir erst einmal nur wenig vorstellen konnte, denn Swing auf einem Gothic Festival schien mir nicht sehr passend zu sein. Aber diese sechs Schweden präsentierten nichts geringeres als eine Avantgarde Metal Krawall Oper. Das von der klassischen Opernsängerin Annalouice Loegdlund angeführte Ensemble bewegte sich live, durch leuchtende Metallwände im Hintergrund optisch verstärkt, zwischen Oper gepaart mit Metal, einem Hauch von Kammermusik, progressivem Rock und Filmmusik. Das erstaunliche dabei aber war, dass diese Elemente sich zum Teil in nur einem Lied vereinen und dem Publikum eine Stimmgewalt von Annalouice um die Ohren fliegt die schlichtweg großartig war. Sicherlich sorgte der runde Bau, indem sich der Schall doppelt brach dafür, dass ihr Stimmvolumen so faszinierte.Ihre Wurzeln, so behaupten sie, lägen in Schweden des Jahres 1501. Sie versichern mehr oder minder glaubhaft, daß sie lediglich die legitimen Nachfolger eines Orchesters wären, das die Massen begeisterte und die Kirche erzürnte. So landete das Orchester schließlich auf dem Galgen, um in dieser Formation wieder aufzuerstehen. Mag man das nun glauben oder nicht, für mich jedenfalls zählte dieses Konzert mit zu einer musikalischen Ãœberraschung des frühen Abends, nicht zuletzt durch die stimmlichen Qualitäten.

Der Pfad der Tränen, der „Trail of Tears“, war in meinen Ohren leider zu übersteuert. Seit 1994 wechseln bei dieser norwegischen Band hervorragende Alben mit abrupten Umbesetzungen. Eines bleibt dennoch gleich, nämlich die musikalische Richtung der Band. Sinistrer, anspruchsvoller Metal mit männlichem und weiblichem Gesang im Wechsel. Leider wurden beide Stimmparts so technisch übersteuert, dass die Texte zum Teil von den Instrumenten überfrachtet wurden. So entstand in dem rund des Kohlrabizirkus ein Soundbrei, der alles andere als angenehm klang. Da nützten mir auch nicht die wechselnden Lichtspiele an den Leuchtwänden nichts mehr um mir wieder Laune auf Trail of Tears zu machen. Echt schade, denn die Jungs und Mädels haben sich ja wirklich redlich bemüht eine gute Show abzuliefern, jedoch konnte man sehen, dass der Funke im Publikum nicht mit dem gewünschten Erfolg übergesprungen ist!

Beeindruckt hat mich die alle Sinne ansprechende Show von „Secrets of the Moon“. Ihr Denken und Wirken haben die Bandmitglieder voll und ganz der Magie verschrieben, so dass die Stücke für den rational urteilenden Hörer ein Geheimnis bleiben müssen. Bei ihrem Konzert wirkte interessanterweise eine dionysische Kraft, die das Konzert eher einem Ritual zwischen Band und Fans gleichen ließ. Trotz dieser Mystik verloren sie die handwerkliche Seite nicht aus den Augen, schafften mit Leidenschaft Musik, die sehr athmosphärisch und technisch auf der Höhe der Zeit ist. Gerade ihr aktuellstes Album „Antithesis“ macht sie zu wahren Impulsgebern des Black Metal. Für viele Musikliebhaber gehört dieses Werk in seiner perfekten Vereinbarung von Wildheit und Kalkül und seiner hypnotischen Intensität zu den wichtigsten Veröffentlichungen, die diese extreme Musik seit langer Zeit gesehen hat.

Mit großer Freude hatte ich dem Auftritt von „Elis“ entgegengefiebert. Bereits vor dem kurzen Soundcheck, der nötig war, da Elis gerade erst angereist waren nach einem längeren Autobahnstau, leuchtete der Bandname in Neonbuchstaben über der Bühne. Wenngleich auch der Auftritt damit recht kurz und manchmal etwas improvisiert wirkte, so tat es der Kraft der Band und der Euphorie im Publikum keinen Abbruch. Einstmals unter dem Namen „Erben der Schöpfung“ bekannt, waren sie die junge Hoffnung der Szene. Mit brachialen Gitarrenwänden und der bezaubernden Stimme von Sabine Dünser waren sie drauf und dran den metallischen Gotik zu revolutionieren von Liechtenstein aus. Kurz nach dem Einsingen der Gesangsspuren zum vierten Opus „Griefshire“, das Sabine immer als ihr Baby bezeichnet hatte, starb sie an einer Hirnblutung. Der Band war klar, dass es nicht leicht sein würde, eine neue Sängerin zu finden. Dennoch war auch klar, dass sabine unbedingt gewollt hätte, daß sie weiter machen würden. Sie fanden in Sandra Schleret aus Österreich eine wahrhaft überzeugende Nachfolgerin, die es sowohl stimmlich, wie auch von ihrer Ausstrahlung her, schafft, die Band und den Geist von Sabine in die Zukunft zu tragen.

Ein Loblied auf diese Frau und insbesondere dieses Abschlußkonzert von „Tarja“ im Kohlrabizirkus zu singen, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Singen mag in ihrer Nähe vermutlich ohnhehin keiner, denn wer will neben einer Nachtigall auch wie eine Elster klingen? Ihre Band Nightwish vermochte es wie keine zweite, Metal und Gothic mit märchenhaften Stimmungen zu verbinden. Wesentlichstes Element dabei war die Drei - Oktaven - Stimme von Tarja Turunen, klassisch geschult und dennoch alles andere als von divenhafter Kühle. Nach dem Ãœberalbum „Once“ (2004) jedoch kam für Nightwish - Fans der Schock, denn Tarja und ihre Band trennten sich auf die schmutzigste Weise die ich je im Musikgeschäft erlebt habe! Offenbar haben 10 Jahre gemeinsam nicht gelehrt, vernünftige Diskussionsbasen zu bauen, sondern sich nur noch in Schlammschlachten zu verlieren. Für Nightwish ist daraus „Dark Passion Play“ (2007) entstanden mit neuer Sängerin und dem bitterbösen Kommentar „Bye Bye beautifull“. Tarja aber hat zurückgeantwortet mit einem ebenso fulminanten Soloalbum und dem bezeichnenden Statement „I walk alone“. Als sie in Leipzig die Bühne stürmt bebt die Halle. Eindeutig steht an diesem Abend die Siegerin für die Fans der Band Nightwish fest: Sie, denn zweifelsfrei ist ihre Stimme das einstige Aushängeschild der Band gewesen. Man merkt, dass sie sie vor Energie strotzt und imbrünstig zu „my little phoenix“ oder „calling grace“ ansetzt. Ihre Stimme füllt den Raum aus und läßt mir die Tränen rinnen, um aufgefangen zu werden mit „I walk alone“ und später im Set mit ihrer neuen Version von „Phantom of the Opera“. Wer jedoch Nightwish Songs erwartet hatte wurde enttäuscht, aber ich denke ihre Songs sind in sich solche Kunstwerke, dass es auch nur brachial auf filigran gewesen wäre dies zu tun.

Das diesjährige Eröffnungskonzert in der Agrahalle wurde durch „Das Ich“ kurz vor 20 Uhr bestritten. Dies war ein geschickter Schachzug, denn während sich andernorts zu früher Stunde so manche Band eher noch abmühen mußte, genügend Zuhörer zu finden, konnten sich Bruno Kramm und Stefan Ackermann über eine gut gefüllte Halle freuen. Nun gut sie sind ja auch absolute Szene Ikonen! Zu Füßen des Grünen Hügels in Bayreuth 1989 gegründet erschien mit „Die Propheten“ das Debütalbum bereits mit hitverdächtigen Songs, dem folgte die Single „satanische Verse“ und „Gottes Tod“ wurde zum ersten Schlager der sich gerade entwickelnden Szene. Mit ihren ersten Werken hatten sie bereits den Thron im Bereich harscher Elektro mit martialischen Texten bestiegen - und ihn bis heute nicht wieder hergegeben. Was das WGT angeht sind sie auch seit der ersten Stunde dabei, denn 1992 waren sie unter den acht Bands und zählen heute 2008 zu den am häufigsten eingeladenen Künstlern. Ohne lange Intros wurde das zeitlich recht knapp bemessene Set in der Agra dann auch direkt mit „Schrei“ und „Kain und Abel“ auf Kurs gebracht, bevor zunächst neue Stücke vom Album Cabaret das Programm bestimmten. Gegen Ende des mächtig energiegeladenen Auftritts passierte für mich jedoch ein Fauxpas, den viele Fans wie ich auch, bedauert haben dürften. Leider hatte man sich in der Zeit doch etwas verschätzt, und so mußte ausgerechnet „Destillat“ der Kürze der Show geopfert werden.

Nach einer aufgrund eines schlimmen Infekts abgebrochenen Tour und drei Wochen absoluten Schweigens stand „Unheilig“ und der Graf nun wieder auf der Bühne. Ende 1999 erschien in der Szene das erste Lebenszeichen des Burgherren, denn die Single „Sage Ja!“ erschien und ist noch heute ein Szenehit. Für das Debütalbum ließ er sich Zeit und erst 2001 erschien „Phosphor“, ein Album, welches bereits alle stilbildenden Merkmale von Unheilig beinhaltete: Lieder zwischen hartem Rock und poppigem Elektro, meist tanzbar, oft balladesk und getragen von der unverkennbar tiefen Stimme des Grafen. Seine unglaublich sympathische Ausstrahlung tragen schnell zur Popularität der Band Unheilig bei. Seither gibt es jedes Jahr ein neues Album und fast hätte es passieren können, daß er nie wieder hätte singen können. Die Agrahalle war entsprechend zum Bersten voll, die Bühne durch Kerzenschein erleuchtet. Den Opener bildete „Puppenspieler“ vom neuen Album und sofort hat er ein Publikum fest im Griff. Das Set war vor allem mit den tanzbaren Hits gespickt, so daß „Spiegelbild“, „Astronaut“ und „Sage Ja!“ natürlich nicht fehlen durften. Zwischen den Songs erzählt er, daß wirklich bis kurz vor das Konzert nicht klar war, ob er je wieder würde singen können, doch dann das erleichternde Okay seines Arztes kam. Er bedankte sich bei seinen Fans dafür, daß diese an seiner Seite waren, was wiederum die Ãœberleitung zum gleichnamigen Titel war. Es war schon unerbittlich heiß in der Agrahalle, aber als mit „Freiheit“ der letzte Song dieses publikumnahen Konzertes stattfand, waren viele klitschnaß!

Als zweite Band an diesem ersten Abend im Werk II bestiegen die Newcomer „Ashbury Heights“ die Bühne, um trotz der frühen Uhrzeit von einem zahlreich erschienenen Publikum empfangen zu werden. Zwischen Hits ihres Debüt „Three Cheer for the Newly Deads“ wie „Smaller“, „Bare your Teeth“ oder „Stormbringer“ wurden drei neue Songs eingestreut. Das schwedische Duo bewies einmal mehr, daß sie nicht nur optisch, sondern vor allem akustisch ein echtes Electro Highlight sind



Festival Samstag der 10.05.2008

Dominante Leadgitarren und dunkle Vocals eröffneten den zweiten Festivaltag mit „Reptyle“ heute auf der Parkbühne. Musste man die letzten Jahre immer bangen, dass es ja keinen Regen gibt, wenn man auf der Parkbühne Konzerte erleben will, so strahlte der Himmel an diesem Tage. 2004 lieferte die deutsche Band mit „A High and lonely place“ den ersten Tonträger in voller Länge ab und ein Raunen ging durch die Fachpresse. Als absoluter Gothrock Hit wurden die Jungs gefeiert. Auch in meinen Augen haben Reptyle trotz des noch geringen Publikumandrangs am Samstag Nachmittag durchaus das Zeug, eine neue Speerspitze im deutschen Gothic - Rockbereich zu werden. Ohrwürmer und Tanzflächen - Füller enthielt das Live - Set an sich genug, wobei jeder Song gitarrenbasierter, moderner Goth - Rock war. Trotz der Opener Position haben die Jungs eine gute Show geliefert und sich bei dem ein oder anderen in den Gehörgang gespielt.

Beim nächsten Konzert merkte man, dass es gar nicht so einfach sein muss, in eine halbe Stunde fast zwanzig Jahre Bandgeschichte zu pressen. Das war für „Escape with Romeo“ um Thomas Elbern eine echte Herausforderung. Umso weniger habe ich es verstanden, dass man sich dafür entschied, den Ãœberhit „Someday“ auf gefühlte zehn Minuten aufblies. Das ging dann ein wenig zu Lasten des aktuellen Albums „Emotional Iceage“, das aufgrund von weiteren Pflichtnummern wie etwa „Helicopters in the Falling Rain“ und „Anteroom for your love“ nur sehr sparsam behandelt wurde. An sich also ein wirklich schönes Konzert, jedoch eindeutig zu kurz und im Set etwas zu unstrategisch. Nun ja den Fans tat das keinen Abbruch, denn die feierten die Jungs ganz kräftig!

Sehr belustigt stellte ich beim folgenden Konzert fest, dass sowohl Ort wie auch Zeit vor zwei Jahren exakt der selbe war - gemeint sind „End of Green“ um Mastermind Michelle Darkness. Dieses Jahr allerdings schien erfreulicherweise die Sonne und die Band konnte mit Sonnenbrillen bewaffnet losrocken mit „Evergreen“. Schlag auf Schlag, nur von Michelles kurzen Ansagen unterbrochen, ging es weiter im Set. Auch drei neue Songs vom Album „The Sick´s Sense“ waren dabei, wobei beim zweiten der Text noch hinter dem Monitor abzulesen war. Insgesamt gesehen gab es Songs der letzten drei Alben zu hören. Herausragend dabei waren für mich „she´s wild“ und „drink myself to sleep“. Ein echt gelungener Auftritt bei dem ich zusammen mit genügend Fans einfach nur am abrocken war.

Letztes Jahr waren „Jesus on Extasy“ schon einmal zum WGT, damals jedoch nur zum Autogrammeschreiben. Dieses Jahr waren sie mit mittlerweile zwei Alben im Gepäck, nämlich „Holy Beauty“ und dem frischen „Beloved Enemy“, auch live zu hören. Ihr Auftritt bediente keineswegs nur das Ohr, sondern auch ganz stark das Auge. Speziell für das junge weibliche (und auch manch männliche) Publikum dürfte Frontmann Dorian Deveraux ein echtes Zuckerstück sein. Dabei soll aber keineswegs die Schönheit der anderen Bandmitglieder geschmälert geben, denn die gaben absolut alles für eine geile Show. Egal ob es „Nuclear Bitch“ oder „Assasinate Me“ war, Jesus on Extasy wussten ordentlich abzurocken. Mit der Ansage „Dieser Song ist für euch“ wurde der Titel „The Church of Extasy“ angekündigt, und die Jünger im Publikum folgten ihren „Gurus“. Dorian kündigte uns dannach nur noch Hits an und sollte in der Tat seiner Ansage alle Ehre machen, denn nahezu jeder Kracher aus beiden Alben wurde in der kurzen Zeit gespielt. Ein einfach geilerAuftritt und Goth - Rock vom allerfeinsten!

Ich wechselte nach Jesus on Extasy die Location um mich in die Innenstadt ins Schauspielhaus zu begeben, wo ich „Irfan“ aus Bulgarien erleben wollte. Der Name der bulgarischen Band ist der Sufi - Terminologie entlehnt. Er kann mit „mystisches Wissen“ übersetzt werden. Die Musik der Band, die erstmals zum WGT eingeladen war, ist in der Tat eine Einladung gewesen zu einer mystischen Reise durch die Zeit, die poetischer und tiefgehender nicht hätte sein können. Ich gebe zu es ist nicht einfach ihre Musik zu beschreiben, denn in gewisser Weise ist es Weltmusik, geistliche Musik und Neoklassik in einem. Irfan sind beeinflußt von der geistlichen und volkstümlichen Musik ihres Heimatlandes aber eben auch von den musikalischen Traditionen Persiens und des mittleren Ostens. Immer wieder im wechselnden Farbenspiel von rot zu blau zu weiß entführten Irfan den Hörer mittels Gesang, Djembles und Gitarren in eine Traumwelt. Einige der Zuhörer sagten mir anschließend, dass sich vor ihren geistigen Augen ganze Bilderbögen abgespielt hätten.

Etwas ganz anderes wurde im Anschluß präsentiert von keinem geringeren als dem ehemaligen Kopf der Band „Goethes Erben“ - Oswald Henke. Erstmals in seiner sechzehnjährigen Geschichte wartete das Wave Gotik Treffen mit einer Theaterpremiere auf. Im Schauspielhaus fand dieses Jahr aber mit „Zeitenwände“ die Uraufführung statt. Geschrieben wurde der Text von Oswald Henke selbst und Markus Förster, die im Stück auch Passagen alter Goethes Erben Texte verarbeitete. Die sechs Darsteller bereisten in den vier Aufführungen zum WGT gemeinsam mit dem Publikum mehr oder weniger bekannte Orte. Laboratorien, in denen die Wissenschaft und Kirchen, in denen die Priester um die Gunst nachwachsender Generationen buhlten. Begriffe wie „Sühne“ bekamen einen vermarktungstauglichen Sendeplatz und werden von ärztlich attestierten Wahnsinnigen szenisch garniert. Auf Marktplätzen tobt wieder die Fallbeilautorität und im gesamten Stück gibt es keine Musik, abgesehen von einer Spieluhr. Eben bei weitem nicht gemütlich, aber „effektiv leicht zu reinigen!“ Im Mittelpunkt des Stückes steht das Wort, das Spiel mit Inhalten und auch das ein oder andere Wiedersehen mit bekannten Räumen, wie dem Zimmer34 etwa…

Ich war durchaus gespannt, wie sich die sympathischen Norweger von „Artifact“ präsentieren würden. Nachdem die Tracks auf ihrer CD „One Way to Salvation“ eine ungeheure Durchschlagskraft besaßen, begann das Set ebenso kraftvoll wie die CD. Riffs und Synthies begannen in angenehmer Lautstärke durch den Kohlrabizirkus zu wirbeln und Tore Arne entpuppte sich als bewegungsfreundlicher Frontsänger, der auch live mit seiner ausdrucksstarken Stimme zu glänzen wußte. Das Set war knackig, so hörten wir unter anderem „Machine“, „Dead Eyes“ oder „The Only Salvation“, aber auch ruhigere Stücke wie „Weeping für a Suicide“. Dem Publikum gefiel es sichtlich, so daß dieser Gig ein cooler Live Einstand in Deutschland war. Nur weiter so Jungs!

Sonntag der 11.05.2009

Da man sonst kaum Zeit hat über das Festivalgelände zu laufen und auch mal einkaufen zu gehen und schlicht nur rumzuschauen, nutzte ich denm Sonntag dazu in aller Ruhe Konzerte mal Konzerte sein zu lassen und mich eher an den liebevollen Ständen im heidnischen Dorf oder auf der Moritzbastei zu erfreuen. Erst am späten Abend betrat ich wieder die Agrahalle um mir das Konzert von London after Midnight nicht entgehen zu lassen!

Na ja bei ihrem Auftritt politische Botschaften von Festivalbühnen herab zu senden ist immer ein recht schwieriges Unterfangen. Oftmals nerven die abgedroschenen Phrasen einfach und zu 100% ist dies auch bei Sean Brennan und seinen Mitstreitern von „London after Midnight“ der Fall gewesen. Anti Bush Statements in der gut gefüllten Agra Halle währen nicht notwendig gewesen, denn ihn kann hierzulande eh keiner ausstehen. Abgesehen von diesen Ausrutschern lieferten London after Midnight musikalisch ein sehr solides Programm. Besonders geprägt durch Songs des letzten Albums „Violent Acts of Beauty“ werden auch Industrial Einflüsse versucht, was nun jedoch andere Bands deutlich besser können!
"Montag der 12.05.2007

Der Montag war ein bisschen der Überraschungstag des diesjährigen Festivals, denn das Werk II etwa stand ganz unter dem Motto Horrorpunk. Diese neue Subkultur mit Einflüßen aus Horror und B-Movies und allem was so irgendwie splattert, findet in den letzten Jahren immer regeren Zuspruch. Die Leute kamen ins Werk II mit Iros, blutverschmierten Shirts, als Zombies verkleidet. Schon mit dem Opener „Bloodsucking Zombies from Outer Space“ wurde dem Namen der Band alle Ehre gemacht. Die Meute war auf feiern aus und dementsprechend euphorisch. „Stellar Corpses“ und „The Spoock“ hatten leider viel weniger Zulauf, was vermutlich einfach dem herrlichen Wetter verschuldet war. Mit „Der Fluch“ ging es dann wieder richtig ab.Der psychodelische Gesang von Frontmann und Gründer Deutscher W. und die eindringlichen Songs wie „Hexen leben länger“ oder „Ich bin der Fluch“, zogen dem Publikum die Socken aus. Völlig durchgeknallt ging es beim Psychobilly Quartett „Rezurex“ weiter. Von Anfang an lieferten die Jungs Vollgas Was einstmals Jimmy Hendrix auf der Gitarre abzog, macht K.R.O. mit seinem Kontrabass hier auf dem WGT. Neben allen großen Namen des Festivals müssen sich „The Other“ nicht verstecken. Als Co - Headliner zogen die Kölner Jungs eine Rock´Roll Horror Show der Superlative ab. (Maximilian Nitzschke)

DEPECHE MODE - Black Celebration

Wiederveröffentlichung: CD 1986 / Mute / Intercord / CD STUMM 26
Erstveröffentlichung: LP 1986 / Mute / Intercord / STUMM 26

Mit den Singles „People Are People“ und „Master And Servant“ konnten DEPECHE MODE 1984 ihren endgültigen, weltweiten kommerziellen Durchbruch schaffen und auch das dazugehörige Album „Some Great Reward“ war ein Riesenhit. 1985 war damit der richtige Zeitpunkt für das erste Best Of Album, begleitet von den zwei ebenso erfolgreichen Singles „Shake The Disease“ und „It’s Called A Heart“. Im Frühjahr 1986 aber kündigte die nächste Single „Stripped“ das fünfte Album „Black Celebration“ an, was den Erfolg der Gruppe nahezu unglaublich steigern sollte, der dann mit „Music For The Masses“, „Violator“ und „Songs Of Faith And Devotion“ in ganz anderen Dimensionen fortgeführt wurde.
„Black Celebration“ ist unter DEPECHE MODE-Fans bis heute eines der beliebtesten Alben und begründete auch den nachhaltigen Erfolg der Band in der Gothic-/Wave-Szene. Das Album steht für den Soundtrack der Teenager in der beginnenden zweiten Hälfte der 80er und trifft die Stimmung der damaligen Zeit auf den Punkt. Dadurch sind viele damalige Fans der Band treu ergeben geblieben. Dazu trug sicherlich der Titelsong bei, der zu den ausgefeiltesten Songs der Gruppe bis dahin gehörte und durchaus als düsteres Meisterwerk der Gruppe gelten darf. Aber das ganze Album schafft nahezu perfekt die Balance aus wunderbaren Popsongs wie „A Question Of Time“, Martin Gore-Balladen wie „A Question Of Lust“, experimentellen Knallern wie das vorher bereits als Single B-Seite veröffentlichte „Fly On The Windscreen“ und eben den monumentalen Düsterhymnen wie „Black Celebration“ und der vielleicht besten DEPECHE MODE-Single aller Zeiten „Stripped“. Auch mit „Dressed In Black“ und „New Dress“ zeigt die Band ihre dunkle Seite, während die Balladen „Sometimes“ und „World Full Of Nothing“ für meinen persönlichen Geschmack die Schwachpunkte des Albums bilden. Aber mir haben die Martin Gore-Songs nur selten richtig gefallen. Dafür sind „It Doesn’t Matter Two“ und „Here Is The House“ unterschätze Songperlen, die einem beim Wiederhören umso besser gefallen.
Keine Frage, „Black Celebration“ ist das bis dahin dunkelste Album von DEPECHE MODE, hat den Ruf der Band aber nachhaltig geprägt und die kompositorisch bis dahin besten Songs hervorgebracht.
Die Original-CD enthält neben den regulären Album-Tracks noch 3 Bonustracks, die von der „Stripped“-Maxi stammen, und zwar den sehr experimentellen „Stripped“-Remix „Breathing In Fumes“, „Black Day“, eine extrem vefremdete Interpretation von „Black Celebration“, und den wunderbaren Popsong „But Not Tonight“, der in den USA auch als Single veröffentlicht wurde und auch zu den leider unterschätzten Songs der Band gehört. (A.P.)

THE ETERNAL AFFLICT - Atroci(-me)ty

Wiederveröffentlichung: CD 1991 / Glasnost Records / Efa / CD Glas 01
Erstveröffentlichung: LP 1991 / Glasnost Records / Efa / Glas 01

Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre hat die Band Romantic Affliction einige Electro-Wave-Tapes veröffentlicht, die wenig beachtet wurden, was kein Wunder war, denn die deutsche Gothic-/Wave-Szene lag ziemlich am Boden. Als dann aber plötzlich mit dem Zillo Magazin Gruppen wie Project Pitchfork, Das Ich, Deine Lakaien und Love Like Blood aus dem Underground nach oben gespült wurden, war die Schwarze Szene wieder präsent und unzählige Bands, Labels und Zeitschriften erhielten plötzlich vorher ungeahnte Aufmerksamkeit. Unter anderem das feine Fanzine Glasnost, das prompt ein Plattenlabel gründete und sich mit Romantic Affliction, die sich zwischenzeitlich in THE ETERNAL AFFLICT umbenannt hatten, zusammen tat. Heraus kam das erste Album der Band, damals noch als CD und LP, „Atroci(me)ty“, das blitzschnell wie eine Bombe in die brodelnde Szene einschlug und die Gruppe in die erste Reihe neben die vorher genannten Bands katapultierte. Schnell wurde der Song „San Diego“ zu einem Clubhit und dementsprechend noch einmal in einer neuen Version auf der zweiten Mini-LP „Luminographic Agony“ nachgeschoben, was ebenfalls zu einem vollen Erfolg wurde.
Gerne wurde THE ETERNAL AFFLICT als „elektronische Christian Death“ beschrieben, was nicht ganz von der Hand zu weisen ist, wenn man Tracks wie „We Will Die Crying“ anhört. Selten passte der Begriff Electro-Gothic so gut, wie bei „Atroci(-me)ty“ und obwohl spätere Veröffentlichungen der Band sicherlich erfolgreicher waren, steht das Debüt jedoch ganz klar als DER Klassiker der Gruppe da, einfach, weil die Platte kompromisslos war und genau zum richtigen Zeitpunkt erschienen ist. Trotz aller Klischees (inklusive einer „7th Culture“ genannten Merkwürdigkeit, die die Band wohl in einem größeren Kontext als „mystisch“ erscheinen lassen sollte), die THE ETERNAL AFFLICT verwendeten, ist hier ein sehr intensives Album entstanden, das ziemlich finster, aber auch tanzbar rüber kommt. Neben „San Diego“ und „We Will Die Crying“ haben auch Tracks wie „Daughters Of Guyon“ (Anspieltipp) und „Visions“ so manche Tanzfläche gefüllt und tun das bei alten DJ-Hasen sicher immer noch. Dazu gibt es mit Hymn For Opressed Children“ ein sehr komplexes siebenteiliges Stück zu hören, das weit über reine Cluborientierung hinaus geht.
Wenn man die Musik auf diesem Album als nahezu perfekte Kombination aus The Invincible Spirit und Christian Death beschreibt, liegt man sicher nicht ganz falsch. Ein Klassiker des deutschen Dark Wave ist „Atroci(-me)ty“ auf jeden Fall. (A.P.)

SUBWAY TO SALLY - Kreuzfeuer


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Nuclear Blast

Auch wenn die sieben Jungs aus Potsdam es nicht mehr sehr gerne hören, für einen großen Teil der Fans von Subway to Sally gehören sie einfach zu den Stars der Mittelalter-Rock-Szene. Ihr zehntes Album „Kreuzfeuer“ erschien am 27.03. und stellt die sechs Jungs und die eine Dame in der Tat ins „Kreuzfeuer“ der Musikkritiker und Fans.

Für viele Bands ist es ein magischer Moment, wenn sie es überhaupt bis zum zehnjährigen Bandjubiläum schaffen. Diesen Moment hat Subway to Sally schon lange hinter sich und so hat „Kreuzfeuer“ das Privileg das nunmehr zehnte Studioalbum zu sein. Auch das würde die meisten Bands wohl ins Schwitzen bringen, aber Subway to Sally sind entspannter denn je. Vielleicht liegt es daran, daß für Subway jedes Album etwas Besonderes darstellen soll und damit keine exponierte Stellung inne hat. Kreuzfeuer ist ein sehr facettenreiches Album geworden. In der Vergangenheit war oft experimentelles Herangehen an ein Album angesagt, man denke hier nur an Engelskrieger. Auf Kreuzfeuer aber merkt man erfreulicherweise, daß sich die Potsdamer ihrer Stärken besinnen und ganz straight und befreit arbeiten konnten.
Die letzten Jahre waren nicht gerade die Entspanntesten im Hause Subway, so war Gitarrist Ingo zu Bastard nicht sehr fit und mußte sich sehr auf dem Album zurücknehmen. Mit Simon war ein neuer Schlagzeuger hinzugekommen, der noch nicht völlig in die Band integriert war. Diese Zeit hatte er nun und stellte sich für Subway auch als echter Gewinn heraus.
Inhaltlich bricht Subway mit „Kreuzfeuer“ etwas mit ihren Traditionen und hart gesottenen Fans wird auffallen, daß die Metaphern mit Feuer, Eis oder Wasser sich hier nicht wiederfinden. Die Elemente spielen keine Rolle auf diesem Album, so dass wir erneut kein Konzeptalbum im klassischen Sinn haben, aber der rote Faden läßt sich doch in der Thematik Beziehungen finden. Vielleicht ist das die logische Konsequenz nach „Bastard“ auf dem es sehr um Innenschauen ging und diese Gefühle angesprochen wurden.
Laut Subway ruht die Band nun wieder im positiven Sinne nach der Phase der Disharmonie innerhalb der Band. Die Arbeit war damit deutlich entspannter und auch lustiger, so daß die eigenen Probleme eher im Hintergrund blieben. Die Welt wurde mit „Kreuzfeuer“ aktiver betrachtet, seine Mitmenschen nahm man verstärkter wahr und ihre Beziehungen zueinander.
So läßt ja bereits der Albumtitel gewisse Assoziationen zu, offenbar stehen Subway to Sally auch verstärkter im öffentlichen Interesse nach dem Sieg des Bundesvision Song Contest 2008 - im „Kreuzfeuer“ sozusagen. Eric Fish winkt etwas ab und ist der Meinung, daß jeder seine eigene Interpretation zum Albumtitel finden muß. Wenn man sich im Kreuzfeuer befindet, wie Eric auch im Booklet des Albums steht, dann befindet man sich erst einmal in einer sehr unangenehmen Zone, in der man ständig einer Gefahr ausgesetzt ist. Auf der anderen Seite geraten aber auch Fans und andere Bands ins Kreuzfeuer und auch wir von der Journalie. Stolz sind die Subwayler darauf, daß ihr Album diesmal in sehr kurzer Zeit aufgenommen werden konnte. War die Veröffentlichung zuerst auf Ende April angesetzt worden, so konnte der Releasetermin auf Ende März vorverlegt werden.

Eric Fish steuerte zu einigen der Songs Texte bei, so etwa zu „Vater“ und „Einsam“, die ihm inhaltlich sehr aus der Seele sprechen. Man merkt den Stücken auf Kreuzfeuer ihre Ernsthaftigkeit sehr an. Auch „Versteckt“ - geschrieben von Bodenski- ist ein ruhiger, instrumental sehr minimalistisch gehaltener Song, der vielleicht ein wenig an Erics Soloprojekt stilistisch erinnern mag. Ganz neues Fahrwasser betrat man mit dem Song „Komm in meinen Schlaf“, denn hier ist erstmals ein Duett mit Gastsängerin Eisblume entstanden. Interessanterweise singen Eric und Eisblume kaum miteinander sondern meist in verschiedenen Passagen gegeneinander. Die dahinterliegende Idee war eine Assoziation von die Schöne und das Biest, und die daraus resultierende Entscheidung hier einen weiblichen Gesangspart - der nicht Frau Schmitt ist- dagegenzusetzen. Es gab einige Experimente laut Eric Fish, bis die Wahl auf Eisblume durch ihre zerbrechliche Stimme und der guten persönlichen Beziehung zueinander fiel.
Eric Fish beweißt auf „Kreuzfeuer“ einmal mehr damit, wie variabel sein Gesang ist. Der Frontsänger scheint in das Gewand jedes Liedes zu schlüpfen und jede Stimmung genaustens zu erfassen. Der Song „Vater“ etwa ist ein sehr provokantes Stück, das auch sehr deutlich religionskritisch ist. Ein Gespräch mit Gott muß stimmlich geführt werden, und dabei ist der Frontsänger überzeugter Atheist. Die Band freut es indes, wenn über ihre Stücke diskutiert wird. Apropos Diskussion, allein die Tatsache das Eisblume mit Eric singt, dürfte Diskussionsstoff geben. Sie selbst ist bekennender Subway to Sally Fan und lieferte doch tatsächlich auch noch mit „Eisblumen“ eine Coverversion von Subway to Sally ab. Ich persönlich gebe zu, diese Nummer zu hassen, denn für mich war der Song als Hommage an alle Subway to Sally Fans und Grufties gemeint und nicht als verkitschte Emoversion!
Dennoch in den Charts schlug sie damit voll ein und seither dudelt Erschreckenderweise in jedem Supermarkt dieser spezielle Song *grummel*! Auch Eric Fish bestätigt, daß sich Subway to Sally Fans über diese Coverversion in Foren und auch im direkten Gespräch sehr aufregen und Skepsis an den Tag legen. Sogar von Boykottaufrufen an Radiosender und Protestveranstaltungen gegen die Tour der Eisblume wird aufgerufen im Internet. Die Band distanziert sich ganz klar von solchem Aktionismus, macht sich aber natürlich Gedanken darüber, warum es Eisblume mit einem von ihnen gecoverten Song schafft so mainstreamtauglich zu werden. Kein Radiosender spielte bislang einen Song von Subway, kaum ist er in ein solches Gewand gepackt darf er rauf und runter dudeln. Auch dieses mehr als bedenkliche Phänomen ist ins „Kreuzfeuer“ der Kritik zu nehmen!
Nun könnte man meinen, daß der Sieg zum Bundesvisionsongcontest die Bekanntheit von Subway to Sally gepusht haben müßte, aber wirklich mehr Menschen erreicht hat man damit nicht. Die Massenmedien stellen sich noch immer auf taub, wenn es um Musik mit Dudelsäcken geht. Statt dessen spielten die Sender lieber die Musik von Bands, die den Potsdamern weit unterlegen waren, während man „Auf Kiel“ geflissentlich ignorierte. Den Erfolg mißgönnen Subway to Sally Eisblume nicht, man ist eher amüsiert darüber als verärgert. Mit etwas ironischem Lachen meint Eric nur: „Die Musikbranche schafft es immer wieder mich zu erheitern und zu überraschen!“
Für die nahe Zukunft planen die Potsdamer eine dritte Akustiktour die 2010 starten, und die „Nackt“ Tour noch toppen soll. Vom Soloprojekt des Herren Fish wird es dieses Jahr noch neues Material geben und dann ist erst einmal ein wenig Pause zum Durchatmen geplant! (Maximilian Nitzschke)

HELIUM VOLA - Für euch, die ihr liebt

2009-

Lange hat es gedauert, ganze vier Jahre ließen Helium Vola nichts mehr musikalisch von sich hören, bis die ersten Vorankündigungen dieses Jahr die Runde machten. „Für euch, die ihr liebt“ ist nun eine auf zwei CD“s gepreßte Werkschau des Münchners Ernst Horn samt seinem Ensembles, die in Sachen Umfang und Stilistik sogar die eingefleischtesten Fans überrascht.

Bis ins allerkleinste Detail bieten die Mittelalter Avantgarde Kompositionen außergewöhnliche Sounds und Strukturen, die man als Hörer erst mit der Zeit und nach mehrmaligem Hören alle erfassen kann. Bereits bei der Reihenfolge der Stücke und der Gesamtkomposition des Albums hat sich Herr Horn eine Menge Gedanken gemacht.
Neben der Dramaturgie der Titel besteht auch ein inhaltlicher Zusammenhang. Aufgeteilt auf die Silberlinge finden sich einerseits unterschiedlichste Liebeslieder, andererseits eine CD voller Stücke zu gesellschaftlichen Themen wie Besitzstreben, Krieg oder Gefangenschaft.
Das verbindende Element aller Stücke ist für Ernst Horn das Individuum. Auf CD 1 finden sich die Lieder über den Menschen im privaten Rahmen, auf der anderen die über den Menschen im öffentlichen Raum. Auch die weltlichen Lieder des Albums behandeln Liebe, Verzweiflung und persönliche Not, die unter Umständen auch eine materielle Not sein kann.
Diese Themenschleife erklärt auch den zuerst hochtrabend wirkenden Titel. „Für euch, die ihr liebt“. Sie ist einem der Texte entnommen, indem auch die Rede davon ist, daß die Welt zum Paradies gemacht werden soll. Laut Helium Vola liegt hier der entscheidende Knackpunkt, denn daran scheitert der Mensch immer wieder. Ernst Horn versucht für ein Album immer Texte auf seine Allgemeingültigkeit hin abzuklopfen, wobei sie nicht modern sein müssen, aber das Verhalten der Menschen zu bestimmten Themenkreisen gut erfassen. Die grundsätzlichen Probleme des Menschen sind geblieben in all den Jahren, weswegen Ernst Horn alte Texte nehmen kann und in ganz andere Sachen einarbeitet. Seine persönlichen Quellen sind bei dieser Textsuche sehr vielfältig, da es eine Vielzahl mittelalterlicher Handschriften mittlerweile gibt. Dieses Mal haben ihn besonders die moralischen Gedichte wesentlich mehr interessiert als die Liebeslyrik. Gerade bei den lateinischen Texten zeigen sich auf dem Album sehr zeitgemäße Parallelen zur Gegenwart.
Andere Stücke sind ihm einfach über den Weg gelaufen, etwa „Moorsoldaten“. Dieses Stück kannte Ernst Horn schon seit 30 Jahren etwa und nun sollte es unbedingt einmal Verwendung finden. Für „Manifesto“ suchte er sehr gezielt und nahm schließlich einen kurzen Satz aus dem kommunistischen Manifest.
Hat Horn erst einmal einen Text für sich entdeckt, bleibt die Vorgehensweise ihn zu einem Helium Vola Song zu machen niemals gleich. Wenn er den Text liest, hat er sehr oft ein klares Bild im Kopf davon, was er mit diesem Text zum Ausdruck bringen möchte. Danach beginnt die Probierphase, teilweise zunächst rein musikalisch am Klavier und für das Klangbild dann im Studio. Bei Helium Vola fällt auch sehr viel Notenschreiben an, so sind zwei Madrigale auf dem Album des Dichters Petrarca aus dem 14. Jahrhundert, bei denen Ernst Horn nur rein von den Noten ausgegangen ist. Gern gibt Ernst Horn zu, dass ihn die Texte Petrarcas am meisten faszinieren. Auf den ersten Blick sind sie sehr sperrig, was gerade ihren Reiz ausmacht für Herrn Horn. „Ich idealisiere in den Stücken so viel und gehe so hochtrabend und ehrgeizig an dieses Projekt heran wie an nichts anderes. Was sicherlich eng damit zusammenhängt, daß ich hauptsächlich sehr alte Dichtung verwende, in der die Welt ganz idealistisch gesehen wird“, begründet Ernst Horn seine Wahl für dieses Album.
(Maximilian Nitzschke)

THANATEROS - Liber Lux


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Rough Trade

Das war kein leichter Schritt für Thanateros. Ich selber hatte Thanateros schon aufgebenen und bin sehr erfreut, dass es zu einem neuen Album dieses Jahr gekommen ist! Aber dazu war ein sehr gewaltiger Ruck notwendig um einen völlig neuen Start zu wagen. Im Falle von Thanateros war eine völlige Neubesetzung der Mitglieder notwendig. Für Ben Richter war unmittelbar nach der Veröffentlichung von „Into the Otherworld“ ein Punkt erreicht gewesen, an dem man die Band fast zu Grabe getragen hätte. Es gelang die Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen und mit „Liber Lux“ ein neues Album auf den Markt zu werfen.

Ben Richter gibt zu, dass die Erwartungen an „Into the Otherworld“ sehr hoch waren und sie enttäuscht wurden. Einiges war schiefgelaufen und die Motivation der einzelnen Bandmitglieder noch weiterzumachen, war nach den Reaktionen auf diese CD einfach nicht mehr da. In der Folge wandten sie sich anderen Projekten zu. Der harte Kern hatte dann versucht, Thanateros gemeinsam wieder voranzubringen. Jedoch auch hier waren einige dabei, die im Grunde innerlich keine Lust mehr hatten. Ben war drauf und dran, die Band schon aufzulösen. Glücklicherweise ist dies nicht geschehen, sondern statt dessen wurde ein Neuanfang mit neuen Bandmitgliedern gewagt.

Trotz der personellen Veränderungen, unter anderem stieß Simon Rippin (Ex Field of the Nefilim) hinzu, blieb das wichtigste Merkmal der Band erhalten. Inhaltlich sollte es immer um ein spezifisches Themengebiet gehen. Eine wichtige Rolle spielen immer noch magische, schamanische, keltiusche und heidnische Aspekte. Dieses Grundgerüst liefert die Grundlage der Songs auch auf Liber Lux. Frei übersetzt steht der Albumtitel für „das Buch des Lichts“. Dieses Licht ist das Licht der keltischen Vorfahren, das Licht von magisch-spirituellen Erfahrungen und auch das Licht von sehr persönlichen Erfahrungen Ben Richters.
Das Album bildet eine einzigartige Synthese aus irischen Folk Elementen und dunklem Schwermetall, unverbraucht und fern tumber Konventionen. Mal ist es rau, mal sehnsuchtsvoll und veträumt. Ich finde es ein sehr passendes und schönes Album und empfehle dieses Licht musikalisch neu zu entdecken, es wird sich für alte und neue Fans lohnen! (Maximilian Nitzschke)



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