ATARAXIA - Suenos


Erstveröffentlichung: CD 2001 / Cruel Moon

What can I say to this latest album of Italia´s finest ATARAXIA? With each album through the last round about ten years, this band carried me off into wonderful worlds of beautiness and dreams. So they do with “Suenos”, which again comes in a nice package without any plastic. The music is still influenced by many medieval elements, from driving dances to ecclesiastical chorals, from baroque sounding songs to rhythmic oriental tracks. Over all, there is the uncomparable voice of singer Francesca Nicoli, which stole my heart from the very first time I ever listened to ATARAXIA many years ago.
The album ist build of three parts. The first part “Ego Promitto Domino” contains four traditional medieval Songs, the second part “L´ame D´eau” is dedicated to “Water, Nostalgia and Silence” and contains a french inspired waltz beside 3 more tracks. The third and final part “Sandy Dunes” offers four tracks of “the Orient and the Mediterranian: Solemn airs, Marches and Flamenco”. The stylistic range is widely spread, much more than on former ATARAXIA albums, which have been often very conceptual works. I don´t have to tell anyone, that the sound and the musical quality are perfect, and I wonder, why the band did not receive much respect outside the Gothic-scene yet (in Germany), like, for example, Dead Can Dance did. Anyway, so I can think, that ATARAXIA compose their music exclusively to me, which is a wonderful idea. If you do not know ATARAXIA by now, your are a) totally new in listening to fine music or b) you like only bands like Backstreet Boys or HIM. So now, it´s your turn to get all the brilliant releases together at once!!! Maybe it is a good idea to start with “Suenos”... (A.P.)

BORDUN ROCKNäCHTE 2009 - Bordun Rocknächte vom 15.05. bis 16.05.2009 in Halle an der Saale


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2009

Als sich im Jahre 2003 der Clan der Ebronen in Halle an der Saale aus der Betriebssportgruppe der Entsorgungs- und Umzugsspedition Ebert GmbH gegründet hat, ahnte wohl noch keiner, dass man neben den jährlichen Highland Games auf der Pferderennbahn in Halle auch noch sieben Jahre später ein musikalisches Festival aus dem Boden stampft, dass beim ersten Mal namhafte Gruppen der Mittelalterszene aufzuwarten hatte. Im Grunde hat es sich der Clan vordergründig zur sportlichen Aufgabe gemacht, die Stadt Halle würdig bei nationalen und internationalen Sportwettkämpfen nach historischen Disziplinen aus keltisch - germanischer Zeit zu vertreten. Gekämpft wird etwa zu den Highland Games 2009 in den Disziplinen Hammerwurf, Steinweitwurf, Baumstammwurf, Gewichtweitwurf, Bogenschießen und Fassrollen. Dem nicht genug, wirkt der Clan außerdem an der Nachforschung und Wiederbelebung verlorenen Kulturgutes mit, um in Anlehnung an die Sitten und Bräuche der keltischen - germanischen Vorfahren anknüpfen zu können. Die Pflege und der Erhalt von vorhandenenen kulturellen Stätten in Sachsen Anhalt und Europa obliegen ebenfalls zusammen mit territorialen Institutionen dem Clan der Ebronen. Nun jedoch lud der Clan Freunde, Sponsoren und Fans mittelalterlichen Liedgutes in ihre Stadt auf die Peißnitzinsel um auf der dortigen Bühne und dem angrenzenden Gelände an zwei Abenden Bands wie Saltatio Mortis, Tanzwut, Cultus Ferox, Thanateros, Fiddler´s Green, Schock, Frozen Angel Symphony und Corvus Corax aufspielen zu lassen. Alleine diese Bandauswahl war Anlaß genug für mich im Namen von Backagain in meine Geburtsstadt zu fahren und euch von den 1. Bordunrocknächten zu berichten.

1. Tag Freitag der 15.05.2009

Der erste Festivaltag in Halle an der Saale beginnt für mich recht früh. Nach dem Frühstück begebe ich mich zum halleschen Bahnhof um dort einen Freund der extra aus München nach Halle gereist war für die Bordun Rocknächte abzuholen. Die Auswahl an Bands ist für ihn so ansprechend, dass er die fast 600km auf sich genommen hatte. Am frühen Vormittag fuhren wir zur Peißnitzbühne - dem Veranstaltungsort- um schon einmal das Zelt aufzubauen, dass unsere Schlaf- und Wohnstätte für die nächste Zeit werden wird. Erstmals im Einsatz wird es uns wohl künftig auf Festivals begleiten und gute Dienste leisten hoffe ich! Die ersten Händler auf dem Veranstaltungsgelände sind gerade dabei ihre Stände aufzubauen, und auf der Bühne schieben Techniker bereits die Aufbauten für Tanzwut in den Vordergrund um alles für den Soundcheck der Berliner Elektro- - Mittelalterrocker um Frontsänger Teufel vorzubereiten. Die ersten Festivalbesucher auf dem Platz schauen neugierig und erwartungsfroh auf den für den späten Abend geplanten Hauptact des ersten Festivaltages. Auffällig ist, dass Wim und Patrick auf der Bühne fehlen und stattdessen ausgewechselt wurden, jedoch lässt sich nicht herausfinden, ob dieser Besetzungswechsel bei Tanzwut von dauerhaftem Zustand sein wird. Norry registrierte mich inmitten des Soundchecks am Bühnenrand und kam auch danach kurz zu mir um mich zu begrüßen. Na ja seit „Ihr wolltet Spaß“ kennen Tanzwut und Backagain sich nun schon näher und so entwickelte sich doch zu den ein oder anderen Mitgliedern eine Freundschaft. Gegen 14 Uhr schließlich erkennt man die ersten Clansmitglieder an ihren Kilts und Shirts mit gelbem Aufdruck „Clan der Ebronen“. Die Veranstalter sind da und so werden wir auch gleich mit Bändchen bzw. Stempel ausgerüstet um nun offizielle Festivalbesucher zu sein. Sven Ebert, Chef des Ebronenclans und Hauptveranstalter freut sich sichtlich auf die bevorstehenden Tage, jedoch ist auch nach eigener Aussage die Nervosität da, ob alles nach Plan gelingen wird. Das offizielle Programm des heutigen Tages beginnt eh erst um 16:30 Uhr mit Newcomerbands, so dass noch Zeit bleibt ein bißchen ausführlicher über das Gelände zu schauen. Gleich am Eissporthalleneingang des Geländes finden sich schottische Kilts, Mittelalterhemden, CDs mit irisch bzw. schottischer Folkmusik, Haggis in Dosen oder Miniaturdudelsäcke. Nebenan bietet der Miroquestand alles Akustische der Mittelalterszene, vom brandneuen In Extremo Livealbum „Am goldenenen Rhein“ bis zur neuen Eluveitie ist bei diesem Stand alles vertreten. Beim Nachbar gibt es Trinkhörner und Anhänger käuflich zu erwerben, ein weiterer Stand wird später Haggis anbieten mit Kartoffelpüree, ein weiterer Cocktails, in der Mitte gibt es unterm Zelt Fanartikel und ganz am Ende der Standreihe das Rocknächte T-Shirt für alle Besucher. Noch sind es nicht gerade Massen die über das Gelände schlendern, und wir befürchten fast, dass sich die Veranstalter möglicherweise verrechnet haben mit dem Fanansturm, aber anderseits ist es Freitag Nachmittag und die eigentlichen Hauptacts beginnen ja auch erst mit „Fallen Angel´s Symphony“ eine Viertelstunde vor 18 Uhr.

F.A.S. haben seit einiger Zeit ihre Gruftipfade verlassen und starten seit 2007 mit einem neuen Line - Up in eine neue musikalische Phase ihres Schaffens. Mit treibenden Rhythmen, straighten Gitarren gepaart mit schwebenden Keyboardklängen sowie mehrstimmigen Gesangslinien gelang es Ihnen dreifache Preisträger des Deutschen Rock Preises 2007 und 2008 zu werden und damit nicht mehr nur Geheimtip ihrer Heimatstadt Leipzig. Zur eigentlichen Gründung von F.A.S. kam es im Januar 2000 als +fa+ und *starchild* sich zusammentaten um musikalisch aktiv zu werden. Jedoch erst vier Jahre später sollte mit „Spiegelwelten“ in Eigenproduktion ihr Debutalbum erscheinen. In den einschlägigen Magazinen unserer Szene wurde es durchweg gelobt. Dennoch nach anderthalbjähriger Pause entschieden sie sich im August 2007 mit einem Richtungswechsel neu durchzustarten und die Band neu durchstarten zu lassen. Erstmals waren und sind Fallen Angelos Symphony mit einem Drummer unterwegs, so dass im November 2007 eine neue Demo CD eingespielt wird. 2008 hatten die Leipziger einen erfolgreichen Reunionsgig mit den niederländischen Shootingstars Delain, was den Ansporn gab im Sommer 2008 eine neue Demo CD aufzunehmen. Als *starchild* in weißer Jacke und auffälligen Stiefeln die Bühne betritt, bin ich neugierig was uns nach den nicht so gelungenen Vorbands des ersten Tages nun musikalisch erwartet und war dann mehr als erfreut zu sehen, dass hier eine noch vergleichsweise junge Band sich sehr respektabel schlägt. Musikalisch dominiert die rockige Stimme von Sängerin *starchild*, wird jedoch immer wieder in den Wechselgesang mit ihren Bandkollegen gesetzt und zum gesanglichen Wettstreit herausgefordert. Akustisch verstärkt durch breite Gitarrenwände und Schlagwerk ergibt es düsteren Dark Rock gepaart mit Metalzügen. Schön für mich zu sehen dabei, dass die Rocker auf der Bühne sichtlichen Spaß hatten, auf diesem Festival spielen zu dürfen, wenngleich auch noch nicht die Masse an Publikum vor der Bühne stand. Für mich eine positive Überraschung als Einstieg in die Bordun Rocknächte!

Noch während des Konzertes von Fallen Angel´s Symphony sehe ich Alea den Bescheidenen der Gruppe Saltatio Mortis, die im Anschluß spielen werden. Kaum hat er den Backstagebereich verlassen, wird er auch schon von wartenden Fans umlagert und er genießt es amüsiert. Auch Lasterbalk der Lästerliche schaut kurz hinter der Bühne hervor, um am Merchandisestand beim Auspacken von CDs und T-Shirts zu helfen. Von Alea erfahre ich im kurzen Gespräch, dass am 28. August dieses Jahr das neue Saltatio Mortis Album „wer Wind saet“ erscheinen wird. Die ersten Songs sind zum jetzigen Zeitpunkt bereits fertig, eine Promo CD wird Backagain allerdings frühestens im Juli bekommen, also noch etwas Geduld müsst ihr mit einer ausführlichen Kritik noch haben.
Im Jahre 2000 gegründet, gehört die Band Saltatio Mortis mittlerweile zu den bekanntesten ihres Genres. Seit Jahren ist sie auf mittelalterlichen Veranstaltungen und großen Bühnen aktiv. Nach der Veröffentlichung ihres ersten Albums „Tavernakel“ brachte ihnen „Das zweite Gesicht“ eine szenenübergreifende Bekanntheit ein. Mit „Heptessenz“ und „Erwachen“ haben sie sich neben bekannten Bands der Mittelalterszene wie Corvus Corax, In Extremo und Schandmaul etabliert. Es folgten das Album „Manufactum“ und im August 2005 „Des Königs Henker“. Auf letzterem Album behandelt die Band unter anderen die Themen Macht(mißbrauch), Freiheit und Tod. Mit diesem Album definiert die Band auch ihren rockigen Stil und verzichtet seitdem auf elektronische Untermalung innerhalb der Musik. Auch die aus elektronischeren Zeiten stammenden Titel werden nun nur noch im rockigen Gewand präsentiert. Im Oktober 2006 wurde dann bekannt gegeben, dass Dominor, Ungemach und Die Fackel die Band verlassen werden. In den nächsten zwei Jahren definiert sich die Band personell und inhaltlich neu, spielt verstärkt Rockauftritte, Festivals und präsentiert mit „Aus der Asche“ das bisher erfolgreichste Album der Bandgeschichte. Nach wie vor legt Saltatio Mortis wert auf ihre Wurzeln und spielen nach wie vor akustisch auf mittelalterlichen Märken und als Straßenmusikanten. Im Februar 2009 verkleinerte sich die Band zum Sextett. Thoron Trommelfeuer verließ die Band, zusammen mit Cordoban dem Verspielten. Bruder Frank, obwohl festes Bandmitglied, spielt nur die Rockshows mit der Band. Jean Méchant, genannt „der Tambour“, unterstützt die Band bei ihren rein akustischen Auftritten. Kaum das die Jungs die Bühne betreten brandet unter den mittlerweile deutlich mehr Festivalbesuchern tosender Beifall aus, und als Wirbelwind und Energiebündel Alea der Bescheidene auch noch ansetzt zu „Tritt ein!“ vom Album „Aus der Asche“ singt das hallesche Publikum lautstark „Tritt ein und sei bereit, bleib hier für alle Zeit!“mit. Die Party ist offiziell eröffnet und der Schlachtruf „Wer tanzt, stirbt nicht!“ scheint in die Beine des Publikums gegangen zu sein. Alea meint noch, es ist üblich bei einem Konzert von Saltatio Mortis verschwitzt zu sein am Ende und man hätte sich das auch heute in den Kopf gesetzt, dies beim Publikum zu erreichen. Rockig geht es im Set auch weiter, denn „des Königs Henker“ folgt dem „Salz der Erde“. Vornehmlich wird der Auftritt bestimmt von den rockigen Titeln des Albums „Aus der Asche“ und diese lassen kaum Zeit nicht mitzugehen und jede Zeile mitzusingen. Die Hände klatschen mit und feiern die Totentänzer! In der vorderen Reihe steht ein Mädel mit einem Schild um den Hals auf dem „free hugs“ steht, was Alea gleich aufgreift und als Überleitung zum nächsten Song nimmt. Er entgegnet „der Worte sind genug gewechselt, Mädel laß uns endlich Taten sehen!“ und umarmt sie im Anschluß. Auch Songs des kommenden Albums fehlen nicht im Set, so erklingt „Miststück“ eine musikalische Abrechnung mit dem egoistischen Teil des Weibsvolkes und „Salome“ über das möglicherweise größte Miststück der Geschichte. Beide Stücke ließen spekulieren, dass das Album in rockigen Gefilden bleibt, und inhaltlich sich um menschliche Abgründe und Intrigen handeln könnte. Nach gefühlten zwei Stunden stirbt die Hoffnung letztlich doch zuletzt und werden falsche Freunde enttarnt. Alea vertraut auf sein Publikum um läßt sich im wahrsten Sinn des Wortes auf den Händen seiner Fans tragen, ein recht seltener Anblick, trotz schon mehrfach gesehenen Auftritten von Saltatio. Das offizielle Ende der Party wurde mit dem „Spielmannsschwur“ eingeleitet, wobei die Fans ihre Jungs nur unglaublich schwer gehen lassen wollen. Völlig verschwitzt erholt sich das Publikum im Anschluß an den Getränkeständen, oder wartet am Merchandise darauf ihre CDs und T-Shirts signiert zu bekommen.
Nach einer kurzen Umbaupause gleicht die Bühne einem großen Piratenschiff, denn die Jungs von „Cultus Ferox“ enterten die Bühne um als Piraten frei und unbeugsam aufspielen zu können. Schon im Bandnamen steckt ja die wilde Lebensart der Freibeuter und getreu diesem Motto erschaffen die Jungs aus Berlin mittelalterliche Spielmannskunst auf Instrumenten wie Dudelsack, Schalmeien, Trommeln und verschiedenstem Schlagwerk. Der mit vorwiegend klangkräftigen Sackpfeifen geprägte, percussionslastige instrumentale Stil der Gruppe, zeichnet sich in einem sehr kraftvollen mitreißenden, aber auch mystisch erdigen Sound ab.
In Andacht an die vagabundalen Spielleute des Mittelalters werden traditionelle Stücke aus nördlichen und südlichen Gefilden, aber vor allem auch Stücke aus eigener Feder gespielt, die sich in Ihrer Spielart und Weise von anderen zahlreichen Gruppen abhebt und zwischenzeitlich von anderen Spielmannsgruppen übernommen wurden.. Diese musikalische Kurzweil wird dargebracht durch Größen aus der Mittelaltermusikszene wie Der Heilige St. Brandanarius (Corvus Corax/Tanzwut), Pan Peter (Varius), El Böslinger (van Hinnen)und Finne van Hinnen (vanhinnen / Satolstelamanderfanz), Barbarella (Wolgemut), sowie Strahli der Animator und Donar von Avignon (Corvus Corax). Cultus Ferox sind damit eine Concrecatio, welche musikalisch wie optisch den Zuschauer mit Phantasie beflügelt und auf eine Reise in längst vergangene Zeiten führt, mit Musica, die erzählt von Burgen, Rittern, Knechten, tiefen Wäldern, schönen Frauen und Minnen verführen sie das Volk. Das Publikum ist selten nur Zuhörer, vielmehr geben sie sich enthusiastisch der Musik mit wahrer Tanzwut hin. Das schöne ist nämlich, dass zu Ihrem Repertoire nicht nur leise Weisen gehören, sondern auch ihrem Namen entsprechend rhythmisch ansteckende Stücke. Selten wird eine derart kraftvolle und gleichzeitig gefühlvolle Performance geboten, die dazu noch mit Stücken aufwartet, die sich von den üblichen Spielmannstänzen auf historischen Märkten und Themenfesten klar abheben. Die Stücke werden in einer berauschenden Art und Weise dargeboten, dass sie wie ein elektrisierender Funke auf das Publikum überspringt. Ihr klarer Vorteil sind die jahrelangen unterschiedlichen Entwicklungen der Mitglieder, durch die einzigartige musikalische Ideen, Konzepte und Charaktere aufeinandertreffen und durch ihre gemeinsame Verwirklichung zu einer Musikgruppe führte, die auf ihren Konzerten mit einer Performance aufwartet, die seines Gleichen sucht. Auf ihrem Piratenkurs haben sie sich die sieben Musiker aus Berlin von der Lebensgeschichte Klaus Störtebekers inspirieren lassen, um den sich zahllose Legenden ranken. Piraten und Meeresromatik sind die zentralen Themen des Albums: Die Herausforderung, als Mannschaft den Naturgewalten zu trotzen fasziniert Cultus Ferox ebenso wie die (mittelalterliche) Piraterie als Gegenentwurf zur „normalen“ Lebensweise. Auf ihrem Album „Unbeugsam“ widmen sie sich textlich unbeugsamem Stolz und der Sehnsucht nach Freiheit. Entsprechend kraftvoll und stürmisch kommen die Stücke auch daher. Aber es ist nicht so, dass für filigran arrangierte Tänze oder auch den spanisch inspirierten Ohrwurm „Disfrutanos del Calor“ kein Raum wäre. Das hallesche Konzert beginnt mit einer Stimme aus dem Off die die Anfangsequenz aus „Fluch der Karibik 3“ erzählt: Die Piraten werden zum Tode verurteilt und singen noch im Angesicht des Todes „uns gehört das Meer“. Danach entern die „Piraten“ die Bühne und legen ganz kräftig los um mit Dudelsäcken und Sackpfeifen aufzuspielen. Über ihnen braut sich ein Unwetter zusammen und kaum hat das Konzert begonnen, regnet es auch von oben, fast so, als ob wir wirklich der Natur ausgeliefert sind, und auf dem Meer. Im Publikum sieht man die ein oder anderen Fans im Piratenkostüm, mit Mänteln und Dreispitz ausgerüstet, die auch prompt von Frontmann - dem heiligen St. Brandanarius - auf die Bühne als Background“sänger“ geholt werden. Strahli der Animator animiert das Publikum immer wieder zum mitklatschen und dazu dem Regen zu trotzen. Auch wenn es allmählich abkühlte, ließen sich die Fans nicht vom feiern abhalten. In einer Mischung aus traditionellen Stücken und selbstkomponierten Stücken wird der Kurs der Fregatte festgelegt und keine Augenklappe bleibt verschont. Das besondere Highlight des Konzertes war zweifelsfrei die Piratenhymne „Aussatz“, den das ganze Publikum sang lautstark wie aus einer Kehle „Auf den Meeren sind wir ewig, frei und unbeugsam! Sind wir Kaiser, Papst und König aber niemals Bettelmann!“ mit.
Nach einer erneuten kleineren Umbaupause wurden die Schlagwerksaufbauten für Norry und Hatz auf die Bühne gerollt und der Auftritt von „Tanzwut“ vorbereitet. Auf die Idee, sich nicht mehr nur auf mittelalterlich anmutende Instrumente zu verlassen, kamen die Bandmitglieder von Corvus Corax bereits 1996, es dauerte aber noch ein paar Jahre, bis schließlich das Projekt Tanzwut entstand. Der Name ist aus dem Mittelalter entlehnt: Als Mitte des 14. Jahrhunderts die Pest in Europa herrschte, wurde manchmal so lange ekstatisch getanzt, bis die Leute zusammenbrachen oder starben. Man hatte die Tanzwut, um Erschöpfung und Leid zu entkommen. Das gleichnamige Debütalbum Tanzwut wurde von Jon Caffery produziert, der bereits für Alben der Toten Hosen und Einstürzende Neubauten verantwortlich war. Manche Fans, die bei Corvus Corax vor allem die ausgefeilte akustische Instrumentalisierung schätzen, konnten sich mit dem Klang von Tanzwut jedoch nicht anfreunden. Dennoch fand Tanzwut viele Anhänger, was nicht zuletzt auch an den fulminanten Bühnenshows bei Liveauftritten liegt. Dabei spielt neben aufwendigen Outfits und Choreographien auch das Bandmitglied „Teufel“ eine Rolle, da er mit seinem kahlrasierten Schädel mit den zu Hörnern aufgestellten roten Haarbüscheln als optischer Mittelpunkt der Band dient. So schaffen es Tanzwut, auch in Mexiko große Hallen zu füllen. Als Norry und Hatz die Bühne betreten, hat sich der Regen weitestgehend verzogen und Teufel, Ador und Jordon heizen den Fans schon einmal ordentlich ein. Teufel trägt eine ironisierte Militäryjacke und setzt an zu „Ihr wolltet Spaß“ als Opener. Mit den Worten „Ihr habt euch selber eingeladen, nun sollt ihr zahlen euren Preis! „ werden wir akustisch auf ein Konzert eingestimmt, das musikalisch stark geprägt ist von den Titeln des letzten Doppelalbums „Schattenreiter“. Teufel moderiert durch die einzelnen Songs, fordert dazu auf völlig durchzudrehen und in Extase zu verfallen. Auf ihren Reisen durch die Welt begegneten die Tanzwütigen durchaus dem ein oder anderen „Lügner“ der sich getarnt hatte und nun verdammt sein soll. Ausgelassen tanzten sie später im Set auf dem „Vulkan“. Energiegeladen ist die Show und den Jungs dabei sichtlich anzumerken, dass sie nach längerer deutscher Bühnenabstinenz darauf brennen wieder live zu spielen. Na ja immer nur auf „Seelenverkäufern“zu spielen ist ja schließlich nicht befriedigend. Das Publikum verfällt vor der Bühne auch tatsächlich in Tanzextase und singt und tanzt solange mit, bis „der Arzt“ kommt. Ob dieser jedoch die mögliche Frischzellenkur einleitet sei mal völlig dahingestellt. Das Ende des fast eineinhalb Stunden dauernden Konzertes wird mit der Frage „Was soll der Teufel im Paradies?“ eingeleitet und „im tiefen Gras“ für Band und Fans beendet. Zwar meinen ein paar Stimmen im Publikum, dass Teufels Ansagen standardisiert gewesen seien, aber letztlich erwarten die Fans diese zu einem gewissen Teil ja auch. Man erwartet den obligatorischen Schlachtruf „Laßt uns durchdrehen“ einfach und folgt Teufels Anweisung dann nur allzu gerne!

2. "Festivaltag, Samstag der 16.Mai 2009
Früh um 8 Uhr erschallt über den Zeltplatz ein ohrenbetäubender Hörnerklang, denn der Clan der Ebronen, die mit ihrem Zelt auch auf dem Zeltplatz nächtigen, losließ. Für alle Mitglieder des Clans heißt es angetreten zum Frühsport vor dem Zelt. Was nur Clanschef Ebert nicht bedacht hat ist, dass sein Horn alle Zelter wach machen würde. Verschlafen quäl ich mich aus dem Zelt und ohne Kaffee wäre ich sicher nicht wach geworden. Noch etwas tapsig schau ich mal zum Zelt der Ebronen um den sportlichen Ertüchtigungen beizuwohnen. Nebst Hammerwurf wurde auch eine mir bis dahin völlig unbekannte Disziplin ausgeführt. Ein Stock wird hierbei auf den Boden gestellt und das obere Ende auf die Stirn gelegt, auf das man sich zehn Runden drehen möge darum und dann eine Strecke geradeaus läuft. Nun mit dem zwangsläufigen Drehwurm ist zu rechnen und gerade auch da einige Ebronen keineswegs ohne schottischen Whiskey die Nacht verbracht haben. Ich hab sehr gelacht innerlich bei den Anblicken. Gegen Mittag schau ich zum Miroquestand um mit Händler und Musikexperte Markus ein wenig über die neusten Alben zu fachsimpeln und mal in die neue Platte von Eluveitie hineinzuhören. Den Vormittag bis etwa 15 Uhr verbringen wir damit uns die historische Burg Giebichenstein über der Saale anzuschauen, an der Moritzburg vorbei zu schlendern, den botanischen Garten anzusehen und wieder zurück auf die Peißnitzinsel zu wandern. Wieder angekommen auf dem Veranstaltungsgelände spielen die ersten Newcomerbands, wie etwa die aus Halle stammende Irish Mittelalter-Folk Band „Saeldenbarn“. In der nächsten Stunde etwa werfen die 5.Highlandgames im Juli diesen Jahres ihren Schatten voraus. Sechs junge Frauen treten vor einer Jury an, um die neue Elfenprinzessin und damit offizielle Repräsentantin der Ebronen während der Spiele zu werden. Nach einer Vorstellungsrunde entscheidet sich die Jury am Ende für die 18jährige Schülerin Lisa Hirning. Bereits im mittelalterlichen Kleid trat sie an und zupfte außerdem in der vorher erwähnten halleschen Folkband die Harfe. Der Stab wurde offiziell übergeben und die frisch gekürte Prinzessin von den Ebronen ins Festzelt getragen um sich dort feiern zu lassen.
Auf der Bühne hingegen soll es in wenigen Augenblicken weitergehen mit „Thanateros“. 1999 wurde die Band als Soloprojekt von Ben Richter ins Leben gerufen, der zu dieser Zeit noch Mitglied der Band Evereve war. Mit Hilfe von Hardy Fieting (Scream Silence) nahm er seine erste Demoaufnahme auf. Nachdem seine musikalischen Visionen bei Freunden und Bekannten überraschend gut angekommen waren, entschloß er sich, bei Evereve auszusteigen und Thanateros forthin als Hauptband weiterzuführen. Ende 2001 folgte eine mehrwöchige Support-Tour mit In Extremo und im Jahr 2002 eine Vielzahl von Einzelkonzerten und Festival-Auftritten, durch die sich Thanateros als fester Bestandteil der deutschen Metal- bzw. Schwarzen Szene etablierte. Mit dem zweiten Album Circle of Life hob die Band durch traditionelle Instrumente den irisch-keltischen Folk-Aspekt stärker hervor. Das Album erzielte hervorragende Kritiken seitens der Presse. Zur Veröffentlichung von Circle of Life Anfang 2003 bestritten Thanateros ihre erste Headliner-Club-Tour durch Deutschland und Österreich. Im Sommer und Herbst des Jahres folgten eine Vielzahl großer Festival-Auftritte u.a. mit Bands wie Subway to Sally, Letzte Instanz, Tanzwut oder L'Âme Immortelle. 2005 erschien dann mit Into the Otherworld das dritte Thanateros-Album und mit dem durch die Pogues bekannt gewordenen Klassiker Dirty Old Town die erste Single-Auskopplung für deren Video-Clip Dietrich Brüggemann (Oomph!, Rammstein) gewonnen werden konnte. 2006 erfolgte leider ein personeller Umbruch und eine längere schöpferische Pause. Glaubte ich Thanateros schon tot, produzierte die Band in neuer Besetzung das langersehnte vierte Album ""Liber Lux"", welches am 3. April 2009 veröffentlicht wurde. Mit Fell behangen betreten die Bandmitglieder die Bühne und beginnen ihre schamanische Reise auf den Pfaden des Lichts. „Liber Lux“ ist der Name des aktuellen Studioalbums und mit vordergründig neuen Stücken wird dieses Set auch gespielt. Ben Richters Stimme hatte schon immer etwas sehr charismatisches an sich, dass den Hörer fesselt und mitnimmt auf seine musikalisch - schamanischen Traumpfade. Mit „Cairn (a dying age)“ wird die Silhouette eines Steinkreises heraufbesungen und die Gesänge zu Ehren der Mutter Erde, des Mondes und der Sonne angestimmt in dieser Kulisse. Musikalisch untermalen Geigenklänge, Schlagzeug und E- Gitarren die Mystik und klingen zuweilen ein bißchen nach Folk-Metall. Kaum ist der Pfad in die Zwischenwelt gezeigt, fordert uns Ben Richter und seine Kollegen mit dem Stück „Immrama“ vom Debutalbum auf, zwischen diesen Welten zu verweilen und die Pforten nach Annwn aufzustoßen. Was für mich Thanateros so besonders macht, ist genau diese textliche Verwurzelung in keltisch-schamanische Themengebiete und ihre eingängige musikalische Untermalung. Die Geigenklänge schweben über dem sonst eher erdenen Soundgerüst und die Stimme Ben Richters zieht einen tief hinein in die Welt von Gottheiten und Magie. Von dieser Magie kündet auch der Song „So High“ der textlich dazu aufruft sich zu öffnen für spirituelle Orte und seine innere Stimme zuzulassen. Eine Anrufung der Elemente nimmt Ben Richter auf der Bühne auch vor, denn bevor der Song „four winds“ angestimmt wird, entzündet er eine Räucherschale und ruft die Kräfte des Windes an. Ich selber beginne innerlich und äußerlich spürbar einen Bannkreis zu ziehen und dieser Anrufung im Kopf zu folgen, der Körper folgt in diesem Moment nur. Fast hypnotisch und gleichzeitig beruhigend und tief wirkt dabei die Stimme von Ben. Erst als die Gitarren kraftvoll wieder einsetzen, erwache ich aus der Trancewirkung und bediene mich unterbewußt der Kraft der Elemente. Für mich sind viele Stücke von Thanateros seit ihrem ersten Album eine musikalische Reise zum einen zu sich selbst, laden ein zu meditieren und dabei tief berührt zu werden. Die neuen Stücke unterstreichen diese Innenschauen nur noch, wenngleich druckvoller und rockig, so entführen auch diese ihren Hörer. Man sieht das Publikum vor der Bühne geht auch gut mit, wehende Haarmähnen seh ich links von mir headbangender Weise, oder aber auch Hörer die - sitzend auf dem Rasen - sich ein Stück wegträumen. Ich wage die Vermutung anzustellen, dass vielen Thanateros vorher durch die lange Kreativpause, kein Begriff war. Dieses Konzert hier in Halle dürfte das Bewußtsein für die Band wieder geschärft haben und ihre Position innerhalb der Folk-Metallszene mehr als untermauert haben. Begeistert gruppieren sich Fans um den Merchandisestand, um CDs und Autogramme zu ergattern, oder sich mit Ben und seinen Jungs ablichten zu lassen.
Neue Songs voller Ideen und Inspirationen, leidenschaftlicher, moderner Rock, der nie seine atmosphärische, dunkle Seite verleugnet bietet die nachfolgende Band „Schock“. Frontmann und Bandleader Michael Schock lädt sein Publikum dazu ein auf eine lyrisch melancholische, und zuweilen fast schon beängstigende Reise. Wuchtige Grooves, düsteren Melodien und dazu mitreißende Hooklines sind das Konzept des Konzertes. Facettenreich und experimentell zeigt sich die Band, beweisen emotionalen Tiefgang, der schmerzend schön verpackt, oder oft auch unerwartet brachial, wütend zu eskalieren droht. SCHOCK erfinden sich neu, sie kreieren eine neue, moderne Form des Gothrock´s und gehen neue Wege, ohne alte Ziele zu vergessen. Erfolgreich im Jahr 2001 mit dem Album „Erwacht“ begonnen, wurde 2003 mit „Glamour“ diese Art unterstrichen. Nach fünf Jahren Achterbahnfahrt zwischen Manie und Depression, Rückschlägen und Lichtblicken hat sich der stetige Wunsch, nein Wille durchgesetzt und eine neue Kraft erweckt. Eine Einheit, die darauf drängt, auf die Masse losgelassen zu werden, um ihren „Schatz“ zu präsentieren, den Schweiß zu schmecken und die Strasse zu spüren, wie sie es schon oft auf diversen Festivals, z.B. dem Mer´a Luna und dem WGT oder den unzähligen Shows mit In Extremo, Subway to Sally, The Inchtabakotables und vielen anderen Bands. SCHOCK brennen in Halle darauf, ihren dritten Longplayer „HALT STILL“ in ihrer ganz besonderen, hochenergetischen und emotionalen Performance gebührend zu zelebrieren, so dass Körper und Geist nicht mehr zur Ruhe kommen wollen beim Publikum.
Im Anschluß an „Schock“ betritt Ex-Knorkatorspaßvogel Stumpen in viel zu großer Wollhose die Bühne um die karitative Auktion von Fanartikeln einzuleiten. Dabei beweißt er vollen Einsatz, denn neben diversen Fanpacketen, entledigte sich Stumpen selbst seiner Schlappen und Wollhose, um sie zugunsten der Jenaer Kinderkrebshilfe versteigern zu lassen. Seine Hose brachte 125 Euro ein, seine Schlappen immerhin noch 25 Euro. Insgesamt konnte, nicht zuletzt durch Stumpens urkomische Art, der Veranstalter 1200 Euro an den Kinderhilfsverein überweisen. Respekt und Dank an alle tatkräftigen Spender an dieser Stelle auch von uns!
Schafe und ein karierter Banner in schwarz - rot lassen bereits erahnen, dass im Anschluß die Speedfolker „Fiddler´s Green“ die Bühne erstürmen werden mit folkigen Klängen. Aus der Independent-Band X-Rated und dem Duo Willi und Albi (Gitarrenfolk amerikanischer Prägung) Anfang 1990 entstanden, erhält mit Ralf Albers, Peter Pathos und Rainer Schulz die Gruppe Irish Duo, schon bald den Namen Fiddler´s Green. Beim Erlanger Newcomer-Festival m November 1990 erhielten sie auf Anhieb den zweiten Platz. Darauf entstand im August 1992 das erste Album Fiddler´s Green. Im Sommer 2004 fand auf Burg Hoheneck das 1.000. Konzert der Band statt, welches auf zwei DVs und einer Live-CD festgehalten wurde. Am 30. April 2006 spielte Peter Pathos sein letztes Konzert mit Fiddler's Green. Er verließ die Band, um als Peter Kafka andere musikalische Projekte zu verwirklichen. Patrick Pat Prziwara, sein Nachfolger, wurde am 17. Mai 2006 beim Konzert in den Kammerspielen in Ansbach vorgestellt. Im Januar 2007 erschien das Album Drive Me Mad. Nach anderthalb Jahren Tournee nahm die Band im Sommer 2008 ein weiteres Album auf, das im Januar 2009 unter dem Titel Sports Day at Killaloe erschien. Deutlich geprägt ist dieser Auftritt auch von Songs des letzten Albums. Setstart bildet der Song „Life full of Pain“ der mit Harmonika, Geige und Akustikgitarren untermalt irische Pubhouseathmosphäre auf die hallesche Peißnitz zauberte. Da war es wirklich kein Wunder, das sich einige ihre Shirts vom Leibe rissen um ordentlich abpoggen zu können im weiteren Konzert. Kaum jemand konnte sich der geilen Party entziehen. Schade nur, dass die Ebronen ihren so viel gepriesenen schottischen Whiskey nicht ausgaben, er hätte hervorragend hier hinein gepaßt. Etwas balladesker geht es mit „Sporting Day“ weiter, aber die Marschrichtung ist klar in Richtung Killaloe festgelegt. Sie bilden den überwiegenden Teil dieses Konzertes, gepaart mit Songs aus dem Vorgängeralbum „Drive me Mad“. Mit dem nächsten Song gehen wir bis zum Grund von jedem Glas mit „Bottom of our Glass“und Geige und Harmonika liefern sich einen akustischen Wettstreit. Das Publikum klatscht begeistert den Rhythmus mit, oder stößt - leider nur mit Plastikbechern unstilvoll aber verletzungsbedingt besser- mit Ale an. Mit „Folk´s not Dead“ geht das Publikum vollends mit den Speedfolkern ab, und grölen/singen lautstark den Refrain mit um zu beweisen, dass hier alle quicklebendig sind! Auch sehr stimmungsvoll und schon gingen die Feuerzeuge an, bildet der Song „All these feelings“ im Set. Irgendwie fällt es schwer zwischen Feuerzeug schwenken und einfach abrocken zu entscheiden, ich hab mich dann doch mehr aufs mitrocken und mitsingen verlagert. Schon deutlich am schwitzen, war noch längst nicht Schluß in diesem geilen Set. Die Nacht in der „Pat Murphy Died“ oder „Mrs. Mc Grath“ über die „Highland Road“ geht müssen noch besungen werden. Erst dann kann das Publikum endgültig verrückt werden mit „Drive me mad“ um sogar als Zugabe noch die Publikumsbeschimpfung „Bugger Off“ zu bekommen! Ein hammergeiles Konzert der Speedfolker hier in Halle, das ein verschwitztes Publikum, zertanzte Schuhe und beste Laune zurückläßt!
Nach einer erneuten Umbaupause betreten die „Könige der Spielleute - Corvus Corax“ die Bühne. Die ostdeutsche Band wurde Ende 1989 gegründet. Gründungsmitglieder sind Castus und Venustus. Venustus (Wim) baut einen Großteil der Instrumente wie Dudelsäcke und Schalmeien selbst. Der Name Corvus Corax ist der wissenschaftliche Name für den Kolkraben. Gewählt wurde dieser Bandname, da die damals junge Musikgruppe 1989 bei ihrer Republikflucht aus der DDR ihren Raben zurücklassen mußte, der eben dieser Spezies angehörte. Die Mitglieder hatten früher schon in der Formation Tippelklimper mitgewirkt. Während der Produktion von Musik für einen Märchenfilm der DEFA nutzten sie die Gelegenheit, um in dem Studio private Aufnahmen zu machen, die dann schließlich als Ante Casu Peccati erschienen. 1990 taten sie sich verstärkt mit der Formation Zumpfkopule zusammen. Beide Gruppen absolvierten gemeinsame Auftritte auf Mittelaltermärkten und spielten schließlich zusammen das Album Congregatio ein. Schließlich schloß sich Meister Selbfried von Zumpfkopule der Gruppe an. Es folgten mehrere Konzerte in Europa sowie auch in Japan.1992 verstärkte man sich dann zum Quintett. Der Sender Freies Berlin finanzierte die nächste CD Inter Deum Et Diabolum Semper Musica Est. 1993 traten sie das erste Mal auf dem Kaltenberger Ritterturnier auf, wo sie seitdem zu Stammgästen wurden. 1996 entstand mit der Single Tanzwut ein eher ungewöhnliches Projekt. Denn hier verwendeten Corvus Corax zum ersten Mal elektronische Elemente. Dies führte zum Nebenprojekt Tanzwut, bei dem Mittelalterklänge und Elektronik miteinander fusionieren. Als Corvus Corax blieben sie jedoch den akustischen Instrumenten treu. In der folgenden Zeit gab es immer wieder Besetzungswechsel sowie Neuzugänge, so dass die Gruppe teilweise aus bis zu 8 Musikern bestand. 1995 traten sie auch zum ersten Mal auf dem Wäscherschloß auf, wo sie seitdem ebenfalls zu den Stammgästen zählen. Im Jahr 2000 konnten sie den Dracula-Erben Ottomar Rodolphe Vlad Dracula Prinz Kretzulesco als Gastsänger für Mille Anni Passi Sunt gewinnen. 2001 gab die Gruppe ihre Titel für diverse Bands und DJs zur elektronischen Bearbeitung frei. Das Ergebnis dieses Projekts war die CD In Electronica. 2005 machte sich die Gruppe daran, Titel aus den Carmina Burana neu zu vertonen. Bei diesem Projekt arbeitete die Gruppe mit einem Sinfonieorchester sowie einem Chor zusammen. Das engagierte Werk erschien schließlich unter dem Titel Cantus Buranus. Mit ihrem Album Venus Vina Musica kehrten sie kurzfristig wieder zur reinen Spielmannsmusik zurück, veröffentlichten danach jedoch Cantus Buranus II, wo weitere Titel aus den Carmina Burana vertont wurden, und Cantus Buranus - das Orgelwerk, wo verschiedene Titel der Carmina Burana auf der Orgel vertont wurden. Im Jahr 2006 arbeiteten sie mit Piranha Bytes´ Komponisten Kai Rosenkranz für den Soundtrack zum Computerspiel Gothic 3 zusammen. Einen Gastauftritt von Corvus Corax in Die Diener der Pest, Folge 26 der von Volker Sassenberg produzierten Hörspielserie Point Whitmark, erschien im Mai 2009. Zuerst betreten die Percussionisten Harmann der Drescher und Hatz die eingenebelte Bühne um die ersten Paukenschläge zu „Bibit Aleum“ anzusetzen. Erst dann betreten die Dudelsackspieler - allen voran Ardor, Castus und Teufel- die Bühne in ihren individuellen Kostümen. Alleine die Instrumente und die Kostüme sind immer wieder ein Hingucker und musikalisch präsentieren die Jungs mittelalterliche Spielmannskunst vom Feinsten. Die Stücke sind vordergründig vom Album „Venus Vina Musica“. Bestechend die Präzision der Choreographie der Jungs, die zwar klare Regeln hat aber jedem einzelnen Bandmitglied den eigenen Raum läßt sich selbst in Szene zu setzen. Mit dem Titeltrack „Venus Vina Musica“ vertreiben Corvus Corax die Kopfschmerzen nach einer trinkfesten Nacht im Publikum. Die Stücke sind treibend, voller Energie und Spielfreude und diese überträgt sich ins Publikum. Auch hier in Halle springt der Funken voll aufs Publikum über, dass nach dem leider im letzten Jahr abgebrochenem Cantus Buranus II Konzert auf derselben Bühne, diese Show sichtlich genießt. Nach etwa einer Stunde mit den Kolkraben verlassen sie mit „Chou Chou Sheng“ als Zugabe die Bühne und hinterlassen die Zuschauer mit sichtlich zufriedenen Gesichtern. Hinter der Bühne zu den Klängen der „Hymnus Cantica“ wird das Abschlußfeuerwerk entfacht und ein stimmungsvoller Abschied von allen Bands der zwei Tage, den Ebronen und Halle an der Saale zelebriert!
Ich für mich kann nur abschließend sagen, dass ich mich selten auf einem Festival so wohl gefühlt habe als Redakteur, Musikfan und Festivalbesucher wie zu den 1. Bordun Rocknächten. Der gesamte Clan der Ebronen war hilfsbereit, zuvorkommend und trotz des immensen Stresses der zwei Tage stets darum bemüht dieses Festival zu etwas besonderem zu machen. Was mir dabei besonders erfreulich aufgefallen ist, dieses Festival besitzt den Grundgedanken unserer Szene noch, nämlich nicht überkommerzialisiert zu sein wie etwa das benachbarte Wave Gotik Treffen, sondern im kleineren Rahmen hochkarätige Musik hören zu können und dabei gemeinsam in toleranter und entspannter Atmosphäre sein zu dürfen. Hochachtung dafür und sollte es nächstes Jahr zu zweiten Rocknächten kommen, sind wir liebend gern dabei! (Maximilian Nitzschke)

ZITA ROCK FESTIVAL 2009 - 13.06.2009 auf der Zitadelle Spandau


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2009

Auf dem idyllischen Gelände der „Zitadelle Spandau“ nordöstlich der Spandauer Altstadt, direkt am Zusammenfluß von Spree und Havel, findet am 13. Juni das Zita Rock Festival statt. Die Zitadelle gehört zu den bedeutendsten und besterhaltensten Festungsbauten der Hochrenaissance und eignet sich daher als wunderbare Kulisse für sieben herausragende Künstler der Gothicrock bzw. Mittelalterszene.
Den diesjährigen Opener bilden die Berliner jungs der Mittelalterelektroniker von „Tanzwut“. 1999 in Berlin gegründet, ist sie das elektronisch verstärkte Alter Ego der Mittelalter-Barden von Corvus Corax, die Besetzung weicht aber inzwischen leicht voneinander ab. Die Idee, sich nicht mehr nur auf mittelalterlich anmutende Instrumente zu verlassen, kam Corvus Corax bereits 1996, es dauerte aber noch ein paar Jahre, bis schließlich das Projekt Tanzwut entstand. Der Name ist aus dem Mittelalter entlehnt: Als Mitte des 14. Jahrhunderts die Pest in Europa herrschte, wurde manchmal so lange ekstatisch getanzt, bis die Leute zusammenbrachen oder starben. Man hatte die Tanzwut, um Erschöpfung und Leid zu entkommen. Das gleichnamige Debütalbum Tanzwut wurde von Jon Caffery produziert, der bereits für Alben der Toten Hosen und Einstürzende Neubauten verantwortlich war. Manche Fans, die bei Corvus Corax vor allem die ausgefeilte akustische Instrumentalisierung schätzen, konnten sich mit dem Klang von Tanzwut jedoch nicht anfreunden. Dennoch fand Tanzwut viele Anhänger, was nicht zuletzt auch an den fulminanten Bühnenshows bei Liveauftritten liegt. Dabei spielt neben aufwendigen Outfits und Choreographien auch das Bandmitglied „Teufel“ eine Rolle, da er mit seinem kahlrasierten Schädel mit den zu Hörnern aufgestellten roten Haarbüscheln als optischer Mittelpunkt der Band dient. So schaffen es Tanzwut, auch in Mexiko große Hallen zu füllen.


Es ist kein Wunder, daß etliche Major Companys die Independent-Szene immer noch umschwirren wie Fliegen ein saftiges Stück Kuchen. Hier findet man noch Ideen, hier gibt es ein Potential, das man andernorts oftmals vergebens sucht. Und daß sich Kajal geschminkte Augen gut verkaufen lassen, zeigen die Charts deutlich. Auch die zweite Band des Abends „Zeraphine“ sahen sich mit verlockenden Angeboten der Industrieriesen konfrontiert. Der Plattenvertrag der Berliner Band war nach der Veröffentlichung ihres letzten und überaus erfolgreichen Albums Blind Camera ausgelaufen. Nun galt es zu entscheiden, welcher Weg für die Zukunft eingeschlagen werden soll. Ein Vertrag mit einem neuen Label? Major oder Independent? Weder noch! Das Quintett schlug einen anderen, einen viel konsequenteren und eigentlich auch äußerst charakteristischen Weg ein: Es gründete zusammen mit ihrem Produzenten Thommy Hein die Plattenfirma Phonyx. Nur so konnte gewährleistet werden, daß sich alle Ideen zu einhundert Prozent verwirklichen lassen. Und nur so konnte das neue Album Still ungestört die Qualität erlangen, die es letztendlich auszeichnet. „Verlass’ dich nicht auf tausend leere Worte“, heißt es in Niemand Kann Es Sehen. Natürlich steht dieser Satz dort in einem ganz bestimmten Kontext. Trotzdem hat er eine universelle Aussage. Sänger Sven Friedrich gehört zu den Menschen, die ein Album gerne durch intensives Hören vollständig erschließen. Das beinhaltet auch und vor allem die lyrische Ebene. Selbstverständlich gibt es Musik, die ohne Worte auskommt. Sobald jedoch gesungen wird, sollte die Stimme nicht nur ein Instrument, sondern auch ein Vehikel für Inhalte sein. Texte sind nicht nur Worthülsen oder verbale Platzpatronen – das wird heutzutage viel zu oft vergessen. Wie wichtig das zuerst geschriebene und schließlich gesungene Wort sein kann, beweisen Zeraphine. Die Formation gehört zum erlesenen Kreis der Musiker, die eben nicht nur wegen der Komposition, sondern gerade auf Grund der Inhalte geschätzt wird. Still ist, wie die drei Vorgänger auch, kein Konzeptalbum im klassischen Sinne. Es sind erneut sehr persönliche Beobachtungen Friedrichs, die das Wesen der Lyrics ausmachen. Seine Gedanken, seine Gefühle werden die Fans abermals hineinreißen in eine Welt voller Denkanstöße. Der Texter bewegt sich sicher und elegant über das verbale Parkett – unabhängig von der Mundart. Es wird dem aufmerksamen Beobachter nicht entgehen, daß dieses vierte Zeraphine-Album einen Titel trägt, der sowohl englisch als auch deutsch interpretiert werden kann, in beiden Sprachen jedoch dieselbe Bedeutung hat. Was zählt, sind die Emotionen, die transportiert werden. Und Gefühle sind und bleiben nun einmal international. Es gibt eine Passage auf diesem Album, die geradezu exemplarisch für ein neues, ein viel intensiveres Zusammenspiel bei Zeraphine ist: Nach ca. zweieinhalb Minuten fließt Gib Mir Dein Gift in ein instrumentales Intermezzo der schönsten Art. Hier scheinen die beiden Gitarren, der Baß und das Schlagzeug miteinander zu sprechen. Es werden Fragen gestellt und Antworten gegeben – nonverbal. Und erst, nachdem der Austausch beendet ist, die instrumentale Konversation zu ihrem Ziel geführt hat, „darf“ Sven Friedrich seine Stimme erhebt und ins Geschehen eingreifen. Dieses ausgeprägte und nachdrückliche Zusammenspiel aller beteiligten Instrumente ist das Markenzeichen von Still. Ganze 14 Tage haben die fünf Musiker in den Berliner Studios von Thommy Hein gejammt. Still ist keines dieser Alben, bei denen am Computer einzelne und separat eingespielte Spuren zu Liedern zusammengefügt wurden. Still entstand unter echten Live-Bedingungen. Das hört man nicht nur, man fühlt es regelrecht. Diese Platte hätte nur noch in einer Garage und nicht in den Räumen des Stammproduzenten aufgenommen werden müssen, um alle Klischees eines „echten“ Rock-Albums zu erfüllen. Still ist organisch. Die fünf Berliner standen sich gegenüber, konnten sich in die Augen sehen und aufeinander reagieren, als die 12 Tracks dieser CD aufgenommen wurden. Es hat sich mehr als ausgezahlt, daß die Band darauf verzichtete, sich – wie sonst üblich – auf einen Bauernhof im Spreewald zurückzuziehen, um dort hauptsächlich theoretisch am neuen Material zu arbeiten. Hier wurde ein neuer Weg eingeschlagen, dessen Ziel in einem rau produzierten, kantigen und authentischen Werk lag.
Zeraphine bewegen sich auch im Sommer 2006 zwischen ihren Wurzeln, die im Gothic-Rock liegen, und modernen Alternative-Sounds. Die Single mit den Songs Still und Inside Your Arms als Doppel-A-Seite zeigt, daß sich die Formation in den Clubs zwischen den ganz großen Namen des Genres behaupten kann. Statt seelenlos zu expandieren, hat sich diese Band auf sich selbst und die eigenen Stärken konzentriert. Zeraphine befinden sich am vorläufigen Gipfel ihrer Entwicklung. Das Songwriting, die Texte, der Gesang, die Produktion – alles trifft genau den Kern dessen, was diese Gruppe ausmacht. Still ist nicht nur das beste Zeraphine-Album bisher, es ist auch eine der schönsten und überzeugendsten Platten, die man im Jahr 2006 zu hören bekommen wird – von hier bis zum Rand der Welt!

Diary of Dreams sind als dritte Band des Abends live zurück, ganze 3 Jahre nach ""Nigredo"", einem Album, das weltweit Lobeshymnen erntete und sie mit 7 Titelstorys im Gepäck auf eine umfangreiche Welttournee schickte. ""Nekrolog 43"" ist nun der kryptische Titel des Nachfolgers, ihrem nunmehr 9. Studioalbum. Wie jedoch knüpft man an ein so erfolgreiches Album wie ""Nigredo"" an? Ganz einfach: Man versucht erst gar nicht das Erfolgsrezept zu kopieren, sondern setzt neue Maßstäbe, sich selbst und anderen. Während das neue Werk inhaltlich zwar dort anknüpft, wo wir mit ""MenschFeind"" im Dunklen zurück gelassen wurden, so zeigt sich die Musik des neuen Werks noch intensiver, tiefer und vor allem extrem abwechslungsreich, teils sehr ruhig und teils rhythmisch explosiv. Die Reise, die man in diesen 13 Stücken mit über 70 Minuten Spielzeit durchlebt, führt einen durch unbeschreibliche emotionale Höhen und Tiefen. Es ist eine dunkle und melancholische Welt, die wir hier entdecken und erleben, eine Welt, die fasziniert, aber auch schockiert. Unterstrichen wird dieser Eindruck zudem von der grafischen Gestaltung, die ja bereits bei ""MenschFeind"" und ""Nigredo"" für Furore sorgte. Die Liebe zum Detail war stets eine große Stärke dieser Band, und wie es scheint, ist dieser Anspruch zu einer neuen Perfektion gereift. ""Nekrolog 43"" ist sein eigenes Denkmal, denn es ist die imposante Fortführung einer Geschichte von scheinbar endloser Inspiration und Neuentdeckung. Diary of Dreams sind längst aus der Musikwelt nicht mehr wegzudenken, aber mit diesem neuen Werk untermauern sie einmal mehr, wo sie stehen.
Seit ihrem ersten Album Dhyani im Jahre 1991 sind die Jungs von PROJECT PITCHFORK – die vierte Band des Abends - die führenden Köpfe der elektronischen Alternative-Bewegung. Insgesamt 9 Alben gehen bereits auf das Konto der Band um Mastermind Peter Spilles, darunter CD-Legenden wie Chakra Red, Eon:Eon, Daimonion, Existence und die NUN-Trilogie, bestehend aus Inferno, View From A Throne und Trialog. Project PitchforkProject Pitchfork öffneten bereits 1994 die Türen der deutschen Media Control Charts für die Electro-Alternative Szene in Deutschland. Seitdem plazierten sich sämtliche Alben und zahlreiche Singles in diesen Charts, zum Teil sogar in den Top Ten (Daimonion Album). Zahlreiche TV Specials widmeten sich dem Phänomen Pitchfork, darunter ein 2Rock Special auf Viva, und ein Sonderkonzert für die WDR Rocknacht. ""Gesicht zeigen gegen Gewalt"" war das Motto eines MTV Festivals mit u.a. Project Pitchfork. Alle relevanten Szene-Festivals wurden bereits als Headliner bestritten, darunter beispielsweise das Mera Luna, Zillo, Woodstage, und Taubertal Festival. Aber auch auf Festivals wie Rock am Ring / Park, Bizarre, Highfield, Southside, etc. wußten Project Pitchfork schon zu begeistern - nachdem die Videoclips zu einigen Singles wochenlang auf Rotation bei Viva liefen, und wochenlang Platz 1 der deutschen Alternative Charts belegten. So wurden die Hamburger im Jahre 2001 die erfolgreichste deutsche Band - sowohl in den Album-, als auch in den Singlecharts der deutschen Alternative Charts. Für den zweitgrößten Musikpreis der Welt - den ECHO - wurden Pitchfork bereits zwei Mal nominiert: Zum einen in der Kategorie ""Best Videoclip national"", und zum anderen als ""Best Alternative Act national"" (im Jahre 2002).
Wenn ein Album so erfolgreich war wie „Wahrheit oder Pflicht“, das Platin erreichte, dann wird die Arbeit am Nachfolger eine undankbare Aufgabe. Die Erwartungshaltung wächst ins Unermeßliche. Doch OOMPH! haben sich nicht verrückt machen lassen. Vielmehr hat das bodenständige Trio zunächst sein eigenes Studio ausgebaut und sich dann in aller Ruhe ans Songwriting gemacht – so wie die anderen acht Male davor auch. „Der Erfolg kam so spät für uns, daß wir charakterstark genug sind, um damit entsprechend umzugehen“, konstatiert Dero. Laut Crap bestand die Gefahr ohnehin nicht, daß OOMPH! die Erfolgsformel des Vorgängers einfach nur wiederholen: „Wir können keine Songs nach einem Masterplan schreiben - selbst falls wir es wollten. Wenn wir drei zusammen komponieren, entwickelt sich eine Eigendynamik, die man nicht vorhersagen kann. Daher wissen wir vorher selber nie, welche Richtung unser nächstes Album einschlagen wird.“ Es trug den Titel „Glaube Liebe Tod“ und ist das mit Abstand abwechslungsreichste Werk des Trios. OOMPH! haben sich deutlich weiter entwickelt und ihr Spektrum um etliche neue Elemente bereichert. Beispielsweise sticht der dramatische Stampfer „Spiel mir das Lied vom Tod“ heraus, der auf dem legendären Mundharmonika-Thema des gleichnamigen Westerns basiert. Wir lassen uns gerne von Soundtracks inspirieren und sind schon seit vielen Jahren große Verehrer von Ennio Morricone“, verrät Flux. „Wir sind so stolz auf diesen Song, daß wir ihn unbedingt auf dem Album haben wollten. Völliges Neuland betritt die Band auch mit der morbiden Piano-Bombast-Ballade „Eine Frau spricht im Schlaf“, die nicht nur wegen Deros geheimnisvollem Flüstern extrem atmosphärisch ist. Die unverzerrten, sehnsüchtigen Gitarren in „Das letzte Streichholz“ sowie die düsteren Doom-Riffs in „Land in Sicht“ hat man in dieser Form ebenfalls noch nicht bei OOMPH! gehört. Nicht neu, aber dennoch überraschend ist die phasenweise Rückbesinnung auf die EBM-Anfänge des Trios in den frühen Neunzigern, die bei „Zuviel Liebe kann dich töten“, dem Limited-Edition-Bonustrack „Menschsein“ und der ersten Auskopplung „Gott ist ein Popstar“ deutlich wird. So beginnt die großartige Single mit Oldschool-Synthie-Sounds und Four-On-The-Floor-Beat, bevor sie zum Refrain hin zum veritablen Rocker mutiert. Abgesehen davon gibt es natürlich noch genügend Nummern, die die bisherige Linie weiterführen und mit hymnischen Hooklines, packenden Riff-Attacken, treibenden Beats und fantasievollen Sounds auftrumpfen. Dazu zählen vor allem der wunderschöne Ohrwurm „Träumst Du“ und der mächtige Metaller „Mein Schatz“, der anhand von Tolkiens „Herr der Ringe“ das Thema Macht behandelt. „Wir sind jetzt nicht ins Fantasy-Fach gewechselt“, beruhigt Dero. „Dieser Text ist keine Flucht aus dem, sondern eine Metapher für den Alltag.“ „Glaube Liebe Tod“ ist kein Konzeptalbum, aber als es fertig war, fiel der Band auf, daß sich fast alle Texte um diese drei zentralen Themen drehen – daher der Titel. Das Album danach - OOMPH! haben die schwierige Aufgabe mit Bravour gemeistert!

Gemeinsam mit Grant Stevens ( Songwriter des aus Funk und Fernsehen bekannten Holsten Bier Trailers „Everlasting Friends“) und dem Hit Produzenten Jose Alvarez-Brill (Wolfsheim, Witt, De/Vision ) legte der Graf im Jahr 1999 den Grundstein für den heimlichen Headliner des Abend : UNHEILIG. Die Single „Sage Ja“ erschien Ende des Jahres 1999. Die Single platzierte sich auf Anhieb über mehrere Wochen in den deutschen DAC Charts und wurde einer der deutschen Szene-Clubhits. Im Februar 2001 kam dann das langerwartete Debut Album „Phosphor"" in Europa auf den Markt. Hierauf überzeugt Unheilig durch eine facettenreiche Mischung aus tradionellem Electro und Rock gepaart mit der unglaublichen Stimme des Grafen. Hierauf folgte die zweite Auskopplung „Komm zu mir!“, die der ersten Single in nichts nachstand und ebenfalls fester Bestandteil in den Playlists der Club DJ´s wurde. Über die folgenden Monate gastierte die Band auf zahlreichen großen Festivals und Open Air Konzerten der deutschen Szenelandschaft ( Zillo Open Air, Wave Gothic Treffen Leipzig, Doomsday Festival, Woodstage Festival ) und zog sich anschließend zurück, um die Aufnahmen und Lieder für das Weihnachtsalbum „Frohes Fest“ und den zweiten Longplayer „Das zweite Gebot“ zu produzieren. Das zweite Album „Das zweite Gebot“ ( VÖ: 07. April 2003 ) ist eine erfolgreiche Weiterentwicklung des typischen Unheilig Musikstils. Auf diesem Album besticht der Graf durch zwölf, electro-rockige Songs, die manchmal tanzbar, manchmal balladesk und manchmal einfach nur rockig - gradlinig dem Hörer zu Ohren kommen. Dieses Album ist nach eigener Aussage des Grafen: „mein bisheriges Meisterwerk“ und konzeptionell, wie auch musikalisch verfolgt das Album eine klare Linie. Deutsche Texte mit der unverkennbaren tiefen und markerschütternden Stimme des Grafen, sowie dem Auftreten und der Ausstrahlung des Grafen machten UNHEILIG zu einem der charismatischsten Künstler in Deutschland. Egal ob man den „unheiligen“ Musikstil mag oder nicht, die Aura und der Eindruck dieser Stimme bleiben ! Das Album verpaßte den Chartentry nur denkbar knapp! Entgegen dem aktuellen Trend, Veröffentlichungen von Castingkünstlern oder „Deutschlands Superstar“ Produktionen ist dies ein Künstler, der nicht künstlich aufgesetzt produziert klingt. Unheilig sind von Anfang an den traditionellen Artist Development Weg gegangen und hat ihre Treue zu den Fans der Musikszene auf dem Album „Das zweite Gebot“ zum Ausdruck gebracht. Das Album erschien in einer limitierten Erstauflage inklusive einer 5-Track Bonus CD. Auf dieser Bonus CD ist die Promo Singleauskopplung „Maschine“, sowie zwei weitere Remixe und zwei bisher nicht auf Unheilig Veröffentlichungen erhältlichen Songs. Darunter ist eine Covernummer des Sisters of Mercy Klassikers „This Corrosion“. Der Album Longplayer beinhaltet zwölf neue Tracks und Hits wie „Krieg der Engel“, „Gib mir mehr“, „Schutzengel“ oder „Sternenschiff“. Ein Album gespickt mit Highlights. Im Februar 2003 stand die Band als Support für L´AME Immortelle auf der Bühne und hat in elf europäischen Städten Ihr Album „Das zweite Gebot“ vorgestellt. Auf Wunsch der Fans, die im Internet abstimmen konnten, wurde nach der Tour die 7- Track EP „Schutzengel“ inkl. 4 bisher unveröffentlichten Tracks veröffentlicht. Diverse weitere Liveauftritte folgten. Dabei stellte sich das „Mera Luna Festival“ in Hildesheim als nur ein Highlight unter vielen heraus. Im weiteren Verlauf des Jahres wurden Remixe für u.a. Absurd Minds und Terminal Choice produziert, und ein Song für das x-box Game „Project Gotham Racing 2“ erstellt. Parallel hierzu erfolgte die Produktion des neuen Albums „Zelluloid“.
Fast zeitgleich zur Veröffentlichung des neuen Albums „Zelluloid“ am 23.02.2004, startet am 27.02.2004 die Deutschlandtournee von Unheilig zusammen mit Terminal Choice. Sowohl das Album, als auch die Tournee wurden zu einem vollen Erfolg und steigerte den Bekanntheitsgrad der Band nochmals um ein vielfaches. Wieder verpaßte man die TOP 100 Chartplazierung nur denkbar knapp. Der große Erfolg von „Zelluloid“ und die begeisterten Rufen der Fans nach „mehr“ führte dazu, daß man sich wiederum zu einer von den Fans zu bestimmenden E.P.CD Veröffentlichung entschied. Die Wahl viel auf den Song „Freiheit“ und somit wurde am 18.10. 2004 die E.P.CD „Freiheit“ veröffentlicht. Auf drängen vieler Veranstalter wurde diese Veröffentlichung, wie bei „Schutzengel“ von einer Tournee begleitet. Die begeisternden Konzertabende mit Unheilig und das Verlangen der geneigten Hörer hat zur Folge, daß am 31.01.2005 die erste Unheilig Live CD erhältlich wurde. „Gastspiel“ heißt der Tonträger und ist als DoCD erhältlich. Wenig später wurde mit „KopfKino“ die erste DVD der Band veröffentlicht. Am 17.05.2005 war Veröffentlichungstermin der DVD die, mit Unterstützung von VIVA Plus, die den Videoclip „Freiheit“ regelmäßig spielten, zu einem vollen Erfolg wurde. Während des Sommers spielten Unheilig dann noch einige Open Air Festivals und begab sich erstmalig zu Konzerten ins fernere Ausland und spielte berauschende Konzerte in Rußland und Spanien.
Parallel dazu gingen die Arbeiten zum brandneuen Album „Moderne Zeiten“, das Anfang 2006 (Januar) veröffentlicht werden soll, in die finale Phase. 2006 – Ein ereignisreiches Jahr !
Direkt zu Beginn des Jahres wurde bekannt, daß der TV Privatsender PERMIERE den Song „Ich will alles“ für einige neue Trailer verwendet hat und somit kurz vor Veröffentlichung des Albums „Moderne Zeiten“ für zusätzliche Promotion sorgte. Am 20.01.2006 erblickte dann endlich das langersehnte Album „Moderne Zeiten“ das Licht der Welt und bescherte Unheilig endlich den lange erwarteten CHARTENTRY (# 76)! Die limitierte Erstauflage war schon im Vorverkauf ausverkauft! Im Februar & März folgte dann folgerichtig die erste Headlinertour „Goldene Zeiten Tour“ von Unheilig mit zahlreichen ausverkauften Häusern und restlos begeisterten Fans quer durch die Republik. Parallel zur Tournee wurde das traditionelle Single Fanvoting abgeschlossen, in dem sich die Fans, wie bei jedem Album, ihren persönlichen Lieblingssong auswählen durften. Die Wahl fiel auf „Astronaut“ und „Mein Stern“.
Demzufolge wurde am 09.06.2006 die limitierte E.P.CD „Astronaut“ veröffentlicht. Gespickt mit 8 Liedern, jeweils zwei Versionen der Titeltracks „Astronaut“ und „Mein Stern“, dem drittplazierten Lied „Ich Will Alles“ in einer Exklusiven Club Version und drei ganz neuen und bisher unveröffentlichten Liedern. Diese Veröffentlichung war schon nach kurzer Zeit ausverkauft und ist nicht mehr im Handel erhältlich. Im Juni wurde dann auch endlich die neue MySpace Site online gestellt, die der Band ein zusätzliches Portal bietet.
Den Sommer hindurch spielten Unheilig auf nahezu allen relevanten Festivals (MERA LUNA Festival, WESTSCHACHT Festival, AMPHI Festival, BATTLE OF METAL Festival, WGT Festival, NOVA ROCK Festival, etc.) und präsentierten sich mit viel Spielfreude einer immer größer werdenden Fangemeinde. Ein Highlight war sicherlich die Vorabpräsentation der anstehenden gemeinsamen Single „Ich will leben“ mit PROJECT PITCHFORK auf dem MERA LUNA Festival vor einer sichtlich staunenden Masse. Am 15.09.2006 war dann auch endlich Gelegenheit die neue Nummer in Kooperation mit PROJECT PITCHFORK im normalen Handel zu erstehen. „Ich will leben“ wurde veröffentlicht und katapultierte sich sofort in die Deutschen Alternative Charts auf Platz # 3! Jetzt warteten natürlich alle begeisterten Fans auf die Gelegenheit, diese Kooperation auch Live nochmals oder überhaupt sehen zu können. Sie sollten nicht lange warten müssen, denn Ende September bis Mitte Oktober gingen Unheilig dann zusammen mit PROJECT PITCHFORK auf die „Orkus Festival II Tour“, wo sie allabendlich diese Kooperation live zelebrierten. Wieder einmal waren die Konzerthallen restlos gefüllt. Kurz vor Beginn der Tournee sorgte Unheilig dann für eine weitere „kleine“ Sensation! Der Auftritt des Grafen auf dem TV Sender PRO 7 bei „Frank dem Weddingplaner“ führte dazu, das die Unheilig Homepage teilweise lahmgelegt wurde, da binnen kürzester Zeit tausende Zugriffe auf die Homepage getätigt wurden und man das Gästebuch „flutete“! Die dargebotene Präsentation der Lieder „Astronaut“ und „Mein Stern“ haben gezeigt, daß Unheilig durchaus in der Lage ist auch Massen zu bewegen.
Am 13.10.2006 gab es dann ein ganz besonderes „Dankeschön“ von Unheilig an die Fans. In einer streng limitierten Auflage von 3000 Stück wurde die Live Doppel-CD „Goldene Zeiten“ veröffentlicht, die schon im Vorverkauf ausverkauft war. Herzstück dieser Doppel-CD ist eines der Konzerte aus dem Frühjahr 2006 in atemberaubender Qualität, energiegeladen und mit begeistert mitgehenden Fans! Zudem gibt es auf dieser Doppel-CD einen unveröffentlichten neuen Song, einige Remixe von Goldenen Zeiten und einen neue Version von dem Duett mit PROJECT PITCHFORK „Ich will leben“! Als weiteres besonderes Bonbon für die Fans konnten diese dann an einem Gewinnspiel teilnehmen, dessen Hauptgewinn eine Reise zu einem Unheilig WEIHNACHTSKONZERT, inklusive Hotel für zwei Personen, Dinner, Meet & Greet mit dem Grafen und natürlich dem Besuch eines der Konzerte der jahresabschließenden „Weihnachtstournee“ sein sollte.
Die Weihnachtstournee stellte dann auch den gebührenden Abschluß des Jahres da und Unheilig konnten die Fans neuerlich mit einem Mix aus gewohnten Songs und Unheilig Klassikern, sowie Unheilig Weihnachtsliedern aus dem Album „Frohes Fest“ aus dem Jahre 2002 begeistern. Neuerlich konnten auf dieser Tour die Besucherzahlen der letzen beiden Tourneen des Jahres übertroffen werden und sorgten für einen wahrhaft „seeligen“ Jahresausklang.
Natürlich gibt es auch im dritten Jahr des Zita Rockfestivals die Gelegenheit zu Autogrammstunden, diese sind zeitlich so geplant:
14:30 " - 15:30 PROJECT PITCHFORK
15:30 - 17:30 UNHEILIG
17:30 - 18:30 OOMPH!
19:00 - 20:00 DIARY OF DREAMS
20:00 - 21:00 "ZERAPHINE
Zum Schluß noch ein paar allgemeine Festivalinformationen für Euch:
Im Umfeld der Zitadelle stehen ausreichend Parkplätze am Juliusturm, Zitadellenweg oder Falkenseer Platz zur Verfügung. Bitte orientiert Euch an den örtlichen Parkplatzausschilderungen. Beim Auftreten von Sicherheitsproblemen bitten wir Euch die Sicherheitskräfte umgehend anzusprechen. Bitte befolgt immer die Anweisungen des Sicherheitspersonals! Jeder Festivalbesucher haftet für den von ihm verursachten Schaden auf dem Festivalgelände, sowie dem Parkplatz!

Für medizinische Notfälle haben wir Sanitäter und Ärzte vor Ort im Einsatz. Bitte entnehmt den Standort der Sanitätsstation dem Geländeplan oder dem Programmheft!
Das Mitbringen von Tieren jeglicher Art ist auf dem gesamten Festivalgelände untersagt!
Auf dem Festivalgelände wird ein Podest für Rollstuhlfahrer eingerichtet!
WC`s für Rollstuhlfahrer stehen zur Verfügung! Bitte keine Festivaltickets bei Straßenhändlern kaufen, die Karten können gefälscht sein. Personen mit solchen Tickets erhalten keinen Eintritt zum Festivalgelände!
Auf unserem Festivalgelände gibt es ausreichend Dixi-Toiletten welche mehrmals zwischendurch gereinigt werden.
Das Mitnehmen von Speisen und alkoholischen Getränken auf das Festivalgelände ist untersagt. Wir gestatten jedem Festivalbesucher die Mitnahme von 0,5 l alkoholfreiem Getränk im Tetra Pack. Auf der großzügigen Händlermeile bekommt ihr ein vielfältiges Angebot an Speisen und Getränken zu kaufen. Folgende Kameratypen sind zulässig: Pocketkameras (digital + analog) sowie analoge + digitale Spiegelreflexkameras! Nicht gestattet sind Videokameras, sowie sämtliche Audiorecordinggeräte! Ton- und Videoaufnahmen sind grundsätzlich untersagt - Mißbrauch wird strafrechtlich verfolgt!
Es bleibt uns nur, euch einen wunderschönen Tag auf der Zitadelle zu wünschen und freuen uns, den einen oder anderen alten Freund begrüßen zu können! (Maximilian Nitzschke)

JOHANNA LIEBHART - Damals...


Erstveröffentlichung: 10 Inch 2009 / Treue um Treue / T.u.T. 013

Schon mit dem Album „In Memoriam“ nahm sich das Musikprojekt Ich Wollte Ich Könnte der Musik der Künstlerin JOHANNA LIEBHART an. Wurden damals noch Stücke der Dame neu interpretiert, so hat sich Treue um Treue nun der Originalaufnahmen angenommen und eine 10“ mit sieben remasterten Stücken aus den Jahren 1978-1980 veröffentlicht. Wie man es gewohnt ist, begeistert zunächst einmal die wunderbare schlichte aber einfach schöne Verpackung, ein zweifach Klappbares Pappcover, dazu einige auf hochwertigem Papier gedruckte Beilagen. Beinahe fühlt man sich an allerbeste 4 AD-Zeiten Mitte der 80er Jahre erinnert. Natürlich ist die Platte wieder streng limitiert, diesmal auf 277 Exemplare. Die Aufmachung stimmt also schon mal, Und die Musik?
Wer auf irgenwelche Minimal-Electro-Klänge oder gar Tanzbares hofft, liegt hier falsch und sollte sich sein Geld sparen und die wenigen Exemplare den echten Liebhabern überlassen. Die Musik ist elektronisch, irgendwo zwischen Heimorgel- und frühen Billig-Synthie-Klängen angesiedelt. Ähnlichkeiten zu Ich Wollte Ich Könnte sind natürlich kein Zufall, Musique Concrete trifft auf Gebrauchsmuzak, dazu einige wahrscheinlich improvisierte Synthie-Experimente, fast komplett instrumental. Auch der heute überstrapazierte Ambient-Begriff kann hier seine frühe, unverbrauchte Anwendung finden. Man stelle sich vor, Psychic TV (zu „Dreams Less Sweet“-Zeiten) hätten den Soundtrack zur Astrid Lindgren-TV-Verfilmung von „Die Brüder Löwenherz“ aufgenommen. Klingt komisch? Ist aber so.
Wie fast immer eine wirklich schöne, künstlerisch wertvolle Platte aus dem Hause Treue um Treue. Etwas irritieren tut mich nur, dass man im Internet so gar nichts Informatives über Johanna Liebhart findet, aber das war bei dem „Le Monde Cruel De Katja“-Projekt von Invasion Planete schon ähnlich. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt. (A.P.)

Webadresse der Band: www.tutrur.com

EGOTRIP - EGO=Ego-1


Erstveröffentlichung: LP 2003 / Interstellar Records / INT 007

Schon sehr lange liegt diese Schallplatte bei mir herum, gehört habe ich sie irgendwann mal und mir auch gemerkt, dass ich sie gut fand und sie musikalisch irgendwo im minimalistischen-experimentellen Electro-Genre zu verorten ist, aber so richtig daran erinnern konnte ich mich dann doch nicht mehr, bis ich sie heute wieder mal aufgelegt habe.
Meine Erinnerung trügt mich nicht, zu hören gibt es extrem reduzierte Homerecording-Electro-Sounds, eben minimalistisch, aber kein Minimal-Electro, und experimentell, aber nicht Avantgarde-Industrial.
Vielmehr würde ich die Musik in die Kategorie „Klangforschung“ einordnen, kaum eingängig und sicher keine Unterhaltungsmusik. Vielmehr sollten Menschen, die den Werken von Malte Steiner (Notstandskomitee, Elektronengehirn) etwas abgewinnen, auch hier einmal reinhören. Wenn man unbedingt will, kann man auch entfernt an einige Sachen von Coil denken, wohl hauptsächlich, weil „Hüpfen“ stark an deren „Sicktone“ erinnert. Spannende Platte für Fans von elektronischen Soundexperimenten auf Vinyl. (A.P.)

Webadresse der Band: www.interstellarrecords.at

BLACK PEARL - Strong Enough?


Erstveröffentlichung: CD-EP 2005 / Eigenveröffentlichung

BLACK PEARL ist, beziehungsweise war, denn die Band scheint es nicht mehr zu geben, eine Alternative-Rock-Gruppe aus der Nähe von Hannover. 2005 wurde diese 5-Track-EP als Promoveröffentlichung auf den Markt geschmissen, sicher aber auch auf den Konzerten an interessierte Fans verkauft. Leider scheint es mit der ganz großen Promotion nicht geklappt zu haben, denn ein Durchbruch hat nicht stattgefunden und im Internet ist auch nicht viel über die Gruppe zu finden.
Dabei konnte BLACK PEARL vor allem mit einer kraftvollen Sängerin punkten, was natürlich auch immer vergleiche zu den Guano Apes verursacht hat. Aber damit liegt man nicht so ganz falsch. Entfernt kann man vielleicht auch noch Jingo De Lunch als Einfluss nennen. Ansonsten halt kräftiger Alternative-Rock mit einigen funkigen Anklängen oder wie die Band es selbst nannte: Grooverock-Crossover. Damit ist eigentlich alles gesagt. Live bestimmt ganz unterhaltsam, aber auf CD eher nicht meine Musikrichtung. Guano Apes-Fans sollten aber ruhig mal reinhören. (A.P.)

AMATRIS - Before The Final Journey


Erstveröffentlichung: CD 2006 / Twilight / 784-782

Nach dem 2003er Album “Between Visions And Reality” legen die Deutschen Helge Barth und Holger Warschkow zusammen mit rumänischen Gastmusikern ihr zweites Album “Before The Final Journey” vor. Wem der Titel und das Cover schon sehr klischeehaft vorkommen, der wird seine reine Freude zusätzlich beim Anhören der Musik bekommen. „Endzeitlicher Gothic-Metal“ wird der Stil im Info beschrieben und das trifft es auf den Punkt. Glockenhelle Frauenstimmen wechseln sich mit düster-bellenden Grunzgesang ab, das Ganze eingebettet in schlichten Gothic-Metal, wie man ihn schon unzählige Male gehört hat und mit dem ich noch nie was anfangen konnte. Mir ist auch nicht ganz klar, wer so was hört. Klassische Dark Waver und Gothics wohl nicht, eher wohl Metal-Freaks, die auch ein Faible für die Schwarze Szene haben. Denen wird hier auf jeden Fall leicht konsumierbarer Standard geboten, der in seiner Klischeehaftigkeit wohl kaum bleibenden Eindruck in der Musikwelt hinterlassen wird. Vielleicht habe ich aber auch einfach keine Ahnung von Musik und das hier ist eine Offenbarung? Mir entlockt es kaum mehr als ein Lächeln und die CD landet schnell auf dem „aussortiert“-Stapel. Sorry, nicht meine Tasse Tee… (A.P.)

MOONRISE - Blackest Blue

Wiederveröffentlichung: CD 2009 / Danse Macabre / Al!ve
Erstveröffentlichung: Sonstiges 2009 / af-Music / afm 043

Vielleicht werde ich doch langsam alt oder aber die Ansichten über Musik haben sich in der „Schwarzen Szene“ einfach verändert. Was heute in CD-Infos als „klassischer Wave“, „Gothic Rock“ oder „Old School“ bezeichnet wird, bezieht sich oft nicht auf die Anfänge der dunklen Musik Anfang der 80er Jahre, sondern auf den großen Durchbruch Anfang der 90er Jahre und ist meist eher Dark Wave, zumindest empfinde ich das so. Das aktuelle Album von Rebentisch ist so ein Fall und nun auch das Debüt von MOONRISE. Mal abgesehen davon, dass der Bandname ziemlich blöd ist, wird hier ein sauber, wenn auch ein wenig druckvoll produziertes Dark Wave-Album präsentiert, das sicher in der Szene einige Fans gewinnen wird. Aber Wave-Rock oder gar Gothic-Rock im ursprünglichen Sinne gibt es eher nicht zu hören, auch, wenn hier und da ein paar Einflüsse durchklingen. Ich würde es mal musikalisch irgendwo zwischen Pink Turns Blue und Dreadful Shadows einsortieren, durchaus solide und recht eingängig und teilweise auch für die Tanzflächen der Clubs geeignet. Aber Überraschendes oder gar aufregend Neues gibt es nicht zu hören. Gute Melodien, ganz ordentlicher Gesang, wenn auch hier und da ein bisschen gekünstelt, aber produktionstechnisch keine Ecken und Kanten, kein „Rotz“, man hat einfach nicht den Eindruck, dass bei Konzerten aufgrund schwitzender Menschen das Kondenswasser von der Decke tropft. Es ist eben kein Gothic-Rock, sondern Dark Wave, durchaus gut gemacht, aber mich reißt es einfach nicht mit. Ich werde mir gerne auch das nächste Album anhören, aber das darf dann gerne eine ganze Spur dreckiger produziert sein. (A.P.)

Webadresse der Band: www.af-music.de

LVCVS - Semen Roris


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Ars Aeterna

Schwer zu beschreibende Musik aus Italien. LVCVS ist ein Projekt, das seit 2005 existiert und mit „Semen Roris“ seine zweite Veröffentlichung vorlegt. Im Info wird von „märchenhaften Einflüssen aus dem Mittleren Osten“ verbunden mit „Mittelalter- und Renaissance-Wurzeln aus Europa“ gesprochen. Das kann man wohl so unterschreiben, auch, wenn ich da kein Fachmann bin. Sehr interessant und ursprünglich wirkt der lateinischsprachige Gesang, das hebt LVCVS durchaus von anderen Mittelalter-Gruppen ab und gibt der Musik etwas besonders ernsthaftes. Die Musik ist sehr reduziert auf originale, alte Instrumente wie Flöten, Lauten, ein wenig Schlagwerk und sogar das türkische Saz. Dazu Gesang, der die altertümlichen Melodien interpretiert (ob damals wirklich in dieser Art musiziert wurde, weiß niemand, da es natürlich keine Tonaufnahmen gibt). Die Mischung ist sehr spannend, mal fühlt man sich an geistliche Gesänge erinnert, mal an eher eingängige Klänge, wie man sie sich „bei Hofe“ vorstellen würde. Natürlich kommt hier und da eine Erinnerung an Ataraxia oder einige Künstler vom portugiesischen Equilibrium-Label auf, aber das stört nicht weiter, auch, wenn die großen Italiener natürlich unerreicht bleiben.
Es ist ganz klar, dass das Quartett LVCVS hier ernsthaft versucht, die Musik der Vergangenheit zu beleben und das wird auch gut gemacht. Ich persönlich finde aber, dass die CD etwas zu lang geraten ist, irgendwann wird es dann doch etwas anstrengend, genau zuzuhören, aber zum Nebenbeihören ist „Semen Roris“ eben auch nicht geeignet, höchstens als passende Untermalung zum lesen eines historischen Romand wie zum Beispiel „Der Name der Rose“. Mittelalter-/Alte Musik-Liebhaber sollten hier aber auf jeden Fall mal ein Ohr riskieren. (A.P.)

Webadresse der Band: www.arsaeterna.com

ANNE CLARK - The Smallest Acts Of Kindness


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Net Music Zone Records / Rough Trade / nMZ 0401402

Seit 1982 wirbelt ANNE CLARK nun schon durch die Musikszene und hat bis Ende der 90er Jahre eigentlich kontinuierlich Material veröffentlicht. Erst im neuen Jahrtausend wurde es etwas ruhiger um eine der New Wave-Ikonen überhaupt. Mit „The Smallest Acts Of Kindness“ wollte es die Dame aber noch mal wissen und hat bewiesen, dass sie nichts verlernt hat und die Einflüsse aus der Vergangenheit perfekt mit modernen Sounds und Rhythmen verknüpfen kann, ohne sich der Retroszene oder dem aktuellen Zeitgeist anzubiedern. Das Album ist nicht mehr und nicht weniger, als ein echtes ANNE CLARK-Album mit einigen Hits, die durchaus auch für die Tanzflächen der Clubs geeignet sind, aber auch mit den typischen vertonten Gedichten. Das Album ist das erste richtige seit gut zehn Jahren und das Warten hat sich absolut gelohnt. Eigentlich jeder der 12 Songs ist hörenswert und die Mischung stimmt einfach. Natürlich leben die einzelnen Lieder besonders von CLARKS unvergleichlicher Stimme. Inhaltlich beschäftigen sich die Texte mit Persönlichem, aber natürlich auch mit gesellschaftlichen Themen und vor allem Religion.
Eigentlich also alles beim alten…und genau das ist gut so, denn wer ANNE CLARK bisher mochte, will sicher keine 180 Grad Kehrtwende. Die Grande Dame ist in Würde gealtert und bleibt dabei absolut glaubwürdig. (A.P.)

LUDMILA - Disadorne


Erstveröffentlichung: CD 2005 / Mila Records

Seit über zehn Jahren verfolgt das italienische Duo LUDMILA seinen ganz eigenen Weg zwischen Neofolk und Trip-Hop, um es mal ganz weit gefasst auszudrücken. Das trifft es natürlich nicht genau, aber zeigt die Vielfalt der Einflüsse, die LUDMILA verarbeiten. Natürlich lebt auch auf „Disadorne“ die Musik vor allem von der glasklaren, vielseitigen Stimme der Sängerin Paola Bianchi. Die Cocteau Twins treffen auf Switchblade Symphony treffen auf Faithless oder so ähnlich könnte man das hier beschreiben, wobei die durchaus eingängigen Electroklänge immer wieder von schräg-schrammelnden Gittaren aufgemischt werden. Eine sehr seltsame Mischung also und irgendwie denke ich, das hätte der Weg sein können, wenn Massive Attack oder Portishead mal was zusammen mit den Cranes gemacht hätten. Klingt unglaubwürdig? Ich weiß, aber lieber erstmal selbst reinhören, bevor man sagt: „geht nicht.“ Geht doch. Und das richtig spannend.
Definitiv eine wunderbare Weiterentwicklung zu den früheren Releases. Da diese CD unter der Creative Common Liscence erschienen ist, ist eine Weiterverbreitung (ohne kommerzielle Absichten) ausdrücklich erwünscht. (A.P.)

Webadresse der Band: www.ludmila.it


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