ATARAXIA - Os Cavaleiros Do Templo


Erstveröffentlichung: CD / Symbiose

(CD + Video)
This is nothing else than an absolutely masterpiece, a release, that tops nearly everything I received in the last years. I don´t think, I have to tell you, that ATARAXIA are one of my favourite bands of the 90s and I love any of their releases, from the very first Tape to the latest CDs, but this Live-Release is so wonderful, that I want to cry the whole day and night.

The CD and Video come in a really nice box with insert and contain a concert from January 1998 in Portugal. The music is the same on CD and Video, but what is really great is the Video of course. A really professional work with footage from the Gig, mixed with some impressions of a Performance. I´ve never had the chance to see ATARAXIA live, but this Video presents a little bit of the magic, that must be at a Concert of these genious people from Italy. I cannot repeat it it enough, this release is a must for every collector of brilliant music, not only for fans of medieval-influenced sounds. By the way: singer Francesca Nicoli doesn´t have only a fantastic voice, but also is an absolutely beautiful woman. Buy or die! (A.P.)

NOTES FROM UNDERGROUND - Crossing The Rubicon

Wiederveröffentlichung: CD 2009 / Danse Macabre / Al!ve
Erstveröffentlichung: Sonstiges 2009 / af-Music / afm 047

Brachte die Kooperation zwischen dem Online Label af-Music und Danse Macabre Records bisher überwiegend waviges, gothices und darkwaviges hervor, so hat man sich mit der spanischen Band NOTES FROM UNDERGROUND nun härtere Kost an Land gezogen, wobei schon darauf geachtet wird, dass auch Liebhaber der dunkleren Musik durch einige elektronische Einsprengsel und einige Industrial-Sounds nicht völlig verschreckt werden.
Das Ganze nannte man Anfang der 90er schlicht Crossover und wurde von Bands wie Ministry (bevor sie in fast reinen Metal abdrifteten) oder den Psychopomps kultiviert. Harte Gitarren zwischen Metal und Alternative, dazu rockiger Gesang und eben Electro-Industrial-Anklänge. Ich kann durchaus mit einigen Ministry-Alben was anfangen, war aber nie ein ganz großer Fan dieses Musikstils, weil’s mir oft einfach zu schweinerockig rüber kam und die Variationsmöglichkeiten eher gering sind. Trotzdem hat sich dieser Musikstil natürlich über die Jahre gehalten und wurde auch kommerziell erfolgreich mit Gruppen wie Oomph! und Nine Inch Nails oder sogar als gothic-verpoppte Variante für Bravo-Teenies mit Lafee.
NOTES FROM UNDERGROUND liefern auf jeden Fall ein gut produziertes, energisches Album ab, das seine besten Momente beim Einsatz der Elektronik hat, oft aber auch arg normalrockig erscheint, was dann bis auf eine gesunde Härte wenig zu bieten hat. Interessant ist allerdings die Tatsache, dass es sich hier praktisch um ein „Doppelalbum“ auf einer CD handelt. Zunächst gibt es die elf regulären Songs zu hören, wie die Band sie aufgenommen hat. Danach folgen neun Remixe von bekannten Leuten wie William Faith, EnEsch, Das Ich, Krupps und einigen anderen. So kann man zum Preis eines normalen Albums NOTES FROM UNDERGROUND auf zwei verschiedene Weisen kennen lernen, ohne zweimal bezahlen zu müssen. Die meisten Labels hätten wohl in einigen Monaten nach dem regulären Album einfach eine Remix-CD nachgeschoben und zweimal kassiert. Hier gibt es für das schwer verdiente Geld also einen vernünftigen Gegenwert, was absolut lobenswert ist und der richtige Weg, um den physischen Tonträgern im Abwehrkampf gegen digitale Downloads einen Punktgewinn zu verschaffen. Insofern ein Tipp für alle, die auf Industrial-Alternative-Rock stehen. Tritt-in-den-Arsch-Power hat das Album sowieso. (A.P.)

Webadresse der Band: www.af-music.de

SIOUXSIE AND THE BANSHEES - At The BBC


Erstveröffentlichung: CD-Boxset 2009 / Polydor / Universal / 531 576-1

Wird es noch einmal etwas Neues von SIOUXSIE AND THE BANSHEE geben? Das weiß wohl niemand. Die Creatures gibt es nicht mehr und die Solokarriere von Frau Sioux war wohl auch nicht so erfolgreich, wie erhofft. Da veröffentlicht die Plattenfirma lieber die frühen Alben remastert und mit Bonusmaterial wieder, was zumindest teilweise ganz gut gelungen ist („The Scream“). Alles also Standard für eine Band, die vor gut 30 Jahren im Zuge der Punkexplosion entstand und in den 80er Jahren die Musikszene nachhaltig geprägt hat. Die Fans nehmen es zur Kenntnis und erweitern ihre Sammlung entsprechend, sind aber wenig aufgeregt.
Und plötzlich liefert Polydor eine CD-/DVD-Box ab, die es absolut in sich hat. Auf drei CDs und einer DVD wurden alle Sessions und Auftritte, die von 1977 bis 1991 bei der BBC stattgefunden haben zusammengefasst und heraus kommt eines der ultimativen SIOUXSIE AND THE BANSHEES-Werke, das die Anhänger der Band den Sabber aus den Mundwinkeln tropfen lässt. Fünf komplette John Peel Sessions, dazu Sessions mit Janice Long, Richard Skinner und Kid Jensen und zwei mitgeschnittene Liveauftritte von 1986 und 1988 zeigen die Band in ihrer Blütezeit mit Hits wie „Mittageisen“, „Hong Kong Garden“, „Playground Twist“, „Into The Light“, „Cascade“ oder „Candyman“. Lohnenswert, weil die BBC-Sessions meist eine etwas rauere Seite der Bands gezeigt haben und sich die Versionen der Lieder gerne mal von den bekannten Albumversionen unterschieden haben. Klar, die ganz extremen Fans werden das meiste Material schon von Bootlegs kennen und die John Peel Sessions wurden bereits separat auf CD veröffentlicht, aber in dieser konzentrierten Aufmachung und Soundqualität gab es das noch nicht. Einziger kleiner Wermutstropfen: aufgrund der chronologischen Reihenfolge musste der 1986er Auftritt in Oxford auf zwei CDs verteilt werden. Das hätte man sicher besser lösen können.
Wem die gesammelten Radioaufnahmen nicht reichen, der wird spätestens bei der 30-Track-DVD schwitzige Finger bekommen, denn in dieser einwandfreien Bild und Tonqualität, direkt aus den BBC-Archiven, dürfte wohl kaum jemand die gesammelten TV-Auftritte von „Top Of The Pops“, „The Old Grey Whistle Test“, „Something Else“ und anderen Sendungen haben. SIOUXSIE AND THE BANSHEES in voller Pracht, bei einigen Auftritten mit Robert Smith and der Gitarre, also auch für Cure-Fans ein Fest. Ein längerer Livemitschnitt ist auch dabei und es ist faszinierend, welch schräge Klamotten die Königin des New Wave so im Laufe der Jahre getragen hat.
Die vier silbernen Scheiben kommen in einer taschenbuchgroßen DigiPak-Box mit eingeheftetem 32seitigem Booklet voller Linernotes. Das alles ist schlicht, aber edel gestaltet und wird damit zu einem absoluten Pflichtkauf, nicht nur für Fans. Im Grunde ist dies das Referenzwerk für das erste (erweiterte) Jahrzehnt einer mehr als einflussreichen Band und für mich mit einiger Wahrscheinlichkeit DIE Musikveröffentlichung des Jahres 2009! (A.P.)

JAMES APOLLO - Good Grief


Erstveröffentlichung: CD 2005 / Aquarium Records / Radar

Der Amerikaner JAMES APOLLO ist schon jahrelang als Musiker quer durch die Welt unterwegs und hat bereits mehrere Alben veröffentlicht. In Deutschland versucht er nun mit „Good Grief“ durchzustarten. Im Info wird der Mann als klassischer Rock’n’Roller dargestellt, der zumindest früher teilweise in Abwasserrohren in der Wüste geschlafen hat, weil nach den Gigs kein Geld für ein Hotel übrig war. Naja…
Rock’n’Roll gibt es dann aber kaum zu hören, eher amerikanischen Liedermacher-Blues/Rock mit leichten Country-Einflüssen, der zumindest mich nicht enggültig überzeugt. Für einen netten Kneipenabend als Hintergrundmusik ist das allemal okay, aufregend aber nicht. Interessanter wird es, wenn ein bisschen Großstadtblues herauskommt wie in „Mercenary Tango“. Ansonsten eher belanglos und unauffällig. Vielleicht kommt das live in rauchigen Clubs wirklich besser rüber als auf CD. (A.P.)

2RAUMWOHNUNG - Lasso


Erstveröffentlichung: CD 2009 / It Sounds / Emi

Selten haben in den letzten Jahrzehnten wohl zwei Bands in ähnlicher personeller Konstellation so einen durchschlagenden Erfolg gehabt wie Ich & Ich und 2RAUMWOHNUNG. Dass das kein Zufall ist zeigt die Karriere der Schwestern Anette und Inga Humpe, die mit jeweils einem männlichen Partner diese Gruppen führen. Seit Ende der 70er sind beide musikalisch aktiv, als sie gemeinsam in der frühen Punk/New Wave-Band Neonbabies spielten, bis Anette dann mit Ideal zu den erfolgreichsten und wichtigsten NDW-Bands gehörte. Später machten die beiden als Duo zwei wunderbare Alben mit 80er Jahre Popmusik (den Tauchen Und Prokopetz-Döf-Ausfall verschweige ich gnädigerweise), Anette profilierte sich außerdem als erfolgreiche Produzentin. Obwohl Ich & Ich sicher die kommerziell erfolgreichere Band heutzutage ist, klingt mir das zu soulig, um ein richtiger Fan zu sein. 2RAUMWOHNUNG jedoch liebe ich schon seit dem ersten Album, das sie mit den beiden Nachfolgern noch toppen konnten. Nun also mit „Lasso“ das vierte sehnsüchtig erwartete und in allen Medien umfangreich promotete Album, das, um es vorweg zu nehmen, anders ist und doch die Erwartungen der gierigen Fans erfüllen wird.
Das Duo Inga Humpe und Tommi Eckart (der mal in der Früh 80er Cassetten-Szene begann, Musik zu machen, später aber auch zum Beispiel mit Andreas Dorau zusammen gearbeitet hat) lässt es sich nicht nehmen, neues auszuprobieren, statt sich nur auf die bewährten Konzepte zu verlassen. Zeitgemäße Rhythmen, moderne Popmusik und die wunderbare Stimme von Inga Humpe, dazu intelligente, aber nicht aufgesetzt wirkende deutsche Texte, eingängige Melodien und eine sehr kraftvolle, tanzbare Abmischung machen eine unwiderstehliche Mischung aus, die mich fast zu der Behauptung hinreißen, dass „Lasso“ eins der besten deutschsprachigen Alben der vergangenen mindestens zehn Jahre ist. Auch, wenn ich dafür 2 Euro ins Phrasenschewein stecken muss, komme ich nicht umhin zu sagen, dass „Lasso“ mich unwiderbringlich eingefangen hat. Schon die erste Single „Wir Werden Sehen“ ist absolut fesselnd – schon wieder ein Wortspiel im Zusammenhang mit dem Albumtitel – und ein sicherer Hit. Auch ansonsten gefallen mir die treibenden, rhythmischen Songs wie „Body Is Boss“ und vor allem der energiereiche Opener „Der Letzte Abend Auf Der Welt“ am besten, wobei letzt genannter wohl eine der genialsten Albumeröffnungen überhaupt ist. Man wünscht sich fast, dass 2RAUMWOHNUNG das von The Creatures (naja, leider nicht mehr existent) remixen lassen würden. Das könnte ein Jahrhundert-Song sein!
Ansonsten gibt es auf dem gesamten Album aber auch keinen Ausfall. Alle Songs sind eingängige Ohrwürmer, von denen einige Sicher noch als Singles ein zweites Leben haben werden, zum Beispiel „Rette Mich Später“. Trotzdem bleibt 2RAUMWOHNUNG eine totale Albumband, denn es gibt wohl nur wenige Bands, die nun schon über vier reguläre Alben jedes Mal so ein geschlossenes und kaum kritisierungswürdiges Bild abgeben. Im Waschzettel nennt die Plattenfirma das „Großstadtdschungel-Blues“ und „Trommel-Voodoo“. Kann man so gelten lassen. Ich sach einfach mal: nahe an perfekter Popmusik!
Was mir jetzt noch fehlt, ist eine Gemeinschaftsproduktion von 2RAUMWOHNUNG mit Andreas Dorau. Das würde absolut passen und könnte ein Megahit in allen Charts werden. (A.P.)

TOUCH THE SPIDER - Souls For Sale


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Where Are You From Records

“Souls For Sale” ist bereits das zweite selbst produzierte Album der deutschen Band TOUCH THE SPIDER. Und dank der bereits gesammelten Erfahrungen wird hier richtig geklotzt, fetter Sound, starke Produktion und viel Selbstbewusstsein. Klar werden die Einflüsse genannt: Doom, Gothic und Stoner Rock mit 70er Jahre Anklängen und heftig rockenden Gitarren. Der Gesang wurde nicht gerade in den Vordergrund gemischt, was aber nicht so sehr stört. Hier und da („The Die Has Been Cast“) gibt es sogar ein paar coole Death Rock-Gitarren zu hören. Die Musik ist schwer genau einzuordnen, aber sicher eignen sich einige Songs für die Gothic-Clubs, während andere ganz sicher Fans von Alternative Rock begeistern dürften. Auf jeden Fall ein interessantes Album, das aber noch Entwicklungspotential für kommende Veröffentlichungen lässt. (A.P.)

Webadresse der Band: www.whereareyoufrom.de

ONE FOR JUDE - Bonheur Dynamique


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Eigenveröffentlichung

Die französische Band ONE FOR JUDE gibt es nun rund zehn Jahre und in dieser Zeit hat sie drei Alben, einige EPs sowie diverse Compilation-Beiträge Veröffentlicht. Nun also das vierte Album „Bonheur Dynamique. Und wie schon in der Vergangenheit verzaubert die Musik absolut, New Wave, Dream Folk und Indie-Pop sind die Eckpunkte, oder um es etwas konkreter zu machen: New Order treffen auf Felt treffen auf die ruhigeren Indochine treffen auf Memoires D’Automne und Lucie Cries. Natürlich trifft man da nicht ganz genau auf den Punkt, aber die Mischung ist doch extrem gelungen, vor allem, wenn noch ein paar Anklänge an die Legendary Pink Dots hinzukommen. Natürlich ist die Atmosphäre ziemlich 80s-geprägt und oft auch träumerisch. Ich kann mich jedenfalls in diesen Klängen verlieren und wundere mich wirklich, warum nicht längst einige Label auf die Band aufmerksam geworden sind. Vielleicht gelingt das ja mit diesem wirklich schönen Album. Vor allem New Wave-Liebhaber sollten schnellstens mal reinhören! (A.P.)

Webadresse der Band: www.oneforjude.com

TELEMARK - Informat


Erstveröffentlichung: CD 2009 / X-Mist - Salon Alter Hammer / Broken Silence / XM-096/SAH-07

Die Duisburger Band TELEMARK legt mit “Informat” schon ihr drittes Album vor, aber ich muss gestehen, dass mir die Band bisher unbekannt war. Leider, möchte ich da ganz schnell ergänzen, denn ich habe mit Sicherheit bisher eine ganze Menge verpasst und werde das schnellstens durch die Anschaffung der ersten beiden Alben nachholen.
Nun aber erstmal „Informat“…von „Postcore Underground“ schrieb die Zeitschrift Intro. Das sagt mir so gar nix. Im Waschzettel steht was von „Post-Punk-was-auch-immer mit Noise-Schlagseite“. Damit kann ich schon eher was anfangen. Und richtig, da kommt durchaus ein bisschen New Wave-Feeling verbunden mit schön punkrockigen Gitarren auf, hier und da mit Analog-Synthie-Einsprengseln. Die Eckpunkte sind sicher Punk im Stile von Razzia, Exil/Turbostaat und ganz besonders den Jens Rachut-Bands wie Dackelblut und Oma Hans und auf der anderen Seite die besseren neuen Deutschen Bands wie Spillsbury, Front und Mediengruppe Telekommander. Dazu noch eine Prise Fehlfarben und Abwärts, auch, was die Texte angeht, und heraus kommt eine ganz eigene TELEMARK-Mischung, die eine ziemliche Energie verbreitet. Besser kann man es kaum machen: aus allem möglichen guten Sachen das Beste herausziehen und zu einem eigenen Ganzen vermischen. Und auch, wenn es aufgrund der ganzen genannten Bands (die teilweise auch ehrlich als Vergleiche im Info genannt werden) so klingt, hier geht es nicht verkopft zu, sondern die Band rockt ordentlich los und macht bestimmt auch live eine Menge Spaß. Wenn man bedenkt, wie viele neue deutsche Bands heute als innovativ und aufregend dargestellt werden, hätten TELEMARK ganz sicher den Sprung in die erste Reihe verdient. Dafür sind sie aber wahrscheinlich zu glaubwürdig und nicht formbar genug…hoffe ich wenigstens. Zugegeben, bei solchen Bands wünsche ich immer, dass sie nicht den großen Durchbruch schaffen und ich damit angeben kann, eine kleine, aber wirklich besondere Band zu kennen. Aber meinetwegen, wenn sie dann doch irgendwann kommerziell erfolgreich werden, gönne ich ihnen das auch. Dann kann ich wenigstens noch sagen, „ich kannte die schon vor den großen Durchbruch“ und beeindrucke die zu spät gekommenen dann mit meinem Musiksachverstand. Schön, wenn man vom Talent anderer so einfach mit profitieren kann, oder?
Aber im Ernst: „Informat“ hat echt das Zeug zu Großem! Knapp 35 Minuten Energie auf den Punkt gebracht. (A.P.)

KAA ANTILOPE - VPRO RadioNome – April 2 1982


Erstveröffentlichung: LP 2009 / Enfant Terrible / Enfant Terrible / enfant13

Die belgische Band KAA ANTILOPE hat 1982 nur eine einzige Single veröffentlicht und gehört bis heute wohl nur unter ganz eingeweihten Wave-Sammlern zu den Objekten der Sammelgier. Nun holt das holländische Label Enfant Terrible die Band aus der Versenkung, und zwar mit einer LP, die die erste einer geplanten Reihe von Radio Sessions der legendären Sendung „RadioNome“ enthält. Damit dürfte die Gruppe einer breiteren Hörerschaft ein Begriff werden und verdient hat sie das allemal. Wunderbarer, sehr minimalistischer Wave Sound, irgendwo zwischen Ensemble Pittoresque, Fad Gadget und frühen No More ist hier zu hören, kombiniert mit einer angenehmen DIY-Schrägheit. Was heraus kommt ist schon eingängig, leicht melancholisch und hörenswert. Die frühen 1980er Jahre waren einfach die Zeit, in der fast jeder mit einfachsten Mitteln herum experimentieren konnte und es tatsächlich eine offenohrige Hörerschaft dafür gab, wenn auch nur im kleinen Kreise. Dank der Punkexplosion einige Jahre zuvor war musikalisch alles möglich und die jungen Leute nutzten die Möglichkeiten. KAA ANTILOPE ist dafür ein gutes Beispiel und ich würde mich freuen, wenn noch mehr Material von diesen Belgiern auftauchte. Ich bin sicher, in den „RadioNome“-Archiven gibt es noch einige Schätzchen, die hoffentlich nach und nach bei Enfant Terrible erscheinen werden. Mit der LP von Luc van Acker ist ja zeitgleich ein weiteres Zeitdokument erschienen. Die einheitliche, fast Factory Records-mäßige, Gestaltung, mit umfangreichen Linernotes auf dem Cover, und die spannende Musik dieser Serie machen Enfant Terrible für mich zu einem der besten kleinen Labels im Moment, vor allem, weil ich den Mut gut finde, auch etwas schrägere bis hin zum Industrial gehende Sachen zu veröffentlichen, statt nur mit Minimal-Electro und Minimal-Wave auf Nummer sicher zu gehen. Wenn jemand was auf meine bescheidene Meinung geben sollte: absolute Kaufempfehlung! Die Platte ist auf 500 Exemplare limitiert, also zugreifen. (A.P.)

Webadresse der Band: www.enfant-terrible.nl

AD ABSURDUM - Ausuferung


Erstveröffentlichung: LP 2008 / Treue Um Treue / T.u.T. 010

Bandname und –schriftzug lassen auf eine Death-Metal-Band schließen. Gar nicht ganz falsch, auch, wenn es hier rein elektronischen Sound zu hören gibt. Dass die Verbindung von düsterem Groll-Metal und Minimal-Electro funktionieren kann, hat Treue Um Treue ja schon mit dem „Todesbley“-Sampler bewiesen, auf dem natürlich auch AD ABSURDUM vertreten war. Die übertrieben klischeehafte Covergestaltung lässt vermuten, dass hier jemand viel Spaß an der ganzen Sache hatte und das hört man der Musik auch an. Ohne sich selbst Grenzen zu setzen wird mit allerlei elektronischem Equipment herum experimentiert und heraus kommen düster ambiente Soundwelten, Synthie-Pop, 1980er Videospiel-Sounds und vieles mehr. Es ist niemals Metal im eigentlichen Sinne, aber wenn man um den Hintergrund des Projektes weiß, muss man doch immer wieder an diesen doch so entgegen gesetzten Musikstil denken. Das macht dann die besondere Spannung der LP aus, und auch wenn mich nicht alle Stücke voll vom Hocker reißen, so sind doch genügend Hits dabei, so dass die Scheibe durchgehend Spaß macht. Schlicht, aber schön gestaltet, wie man es vom Label gewohnt ist, inklusive edlem Innencover, dazu limitiert auf 317 Exemplare. (A.P.)

Webadresse der Band: www.turur.com

SCUZZ - Scenery Of Life


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Glorious Homeless Records / Radar Music

Aus Deutschland kommen SCUZZ und wollen der Welt zeigen, dass auch junge deutsche Bands ordentlich losrocken können. Im Waschzettel wird das, was das Trio abliefert schlicht Grunge genannt, womit man sicher auch nicht ganz falsch liegt. Die eine oder andere Nirvana-Platte steht sicher im Schrank der Musiker. Aber auch Begriffe wie Alternative Rock, Rock’n’Roll und Biker Rock lassen sich zur Beschreibung heranziehen und beim Gesang durchaus auch Pop. Eingängig ist das ganze also schon mal und damit auch kommerziell viel versprechend.
Einziger Kritikpunkt ist leider die Abmischung der Scheibe. Irgendwie klingen die treibenden Gitarren und der Gesang nicht richtig zusammen, bilden keine Einheit, sondern laufen nebeneinander her. Da ist bei der Produktion im Studio irgendwas ein bisschen schief gelaufen, was sehr schade ist, denn mit einer besseren Abmischung hätte das Album bestimmt mehr Hitpotential. So bleibt eine Band, die gute Songs hat, aber für die nächste Veröffentlichung ein bisschen mehr Eigenständigkeit entwickeln sollte (schadet nie!) und am Mischpult etwas mehr in einen wirklich guten Produzenten investieren müsste. Die Möglichkeiten sind da, werden aber noch nicht ganz genutzt. Ich schätze, nächstes Mal ist noch mehr drin und wenn der Durchbruch dann gelingt, wird „Scenery Of Life“ rückblickend ein unterhaltsamer erster Versuch sein. Interessanterweise erscheint die CD auf einem australischen Label und wird natürlich auch dort veröffentlicht. Für eine bislang weitgehend unbekannte deutsche Band sicher ein ungewöhnlicher Schritt, der aber natürlich gleichzeitig ein erster Schritt zu internationaler Bekanntheit bedeuten könnte. (A.P.)



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