ATARAXI - Orlando


Erstveröffentlichung: Maxi-CD / Prikosnovenie

After a period of silence, Italy´s finest band releases three new CDs in a short time. Beside the swedish release of ""Historiae"" and the magnificent Live-Video/CD Box, here is a Mini-CD featuring 5 tracks, based on Virginia Woolf´s ""Orlando"". This time, all the stuff is more classical inspired and experimental, than medieval, but woderful as we know it from ATARAXIA. Francesca Nicoli shows another time, how many-sided her voice is, on this release more like an additional instrument, than a singer´s voice. Maybe this short work shows the direction, into which ATARAXIA´s music could go on in the future. Really serious and possibly more interesting for real fans, than for a large audience. (A.P.)

THE STONE ROSES - The Stone Roses (20th Anniversary Special Edition)


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Silvertone Records / Sony / 88697430852

Ende der 80er Jahre und Anfang der 90er machte eine „neue“ Art von Musik aus England die Popwelt unsicher. Inspiral Carpets, Happy Mondays, Primal Scream, The Charlatans und THE STONE ROSES hießen die Gruppen, die unter der seltsamen Bezeichnung „Rave“ plötzlich in aller Ohren waren. Techno, und damit der Musikstil, der eigentlich „Raves“ als unkommerzielle, abgedrehte und oft illegale Tanzveranstaltungen erfunden hat, war noch kein ganz großes Ding. Die neuen Bands wie THE STONE ROSES lieferten eigentlich klassischen englischen Indie-Gitarren-Pop ab, der von Bands wie New Order, Echo And The Bunnymen, The Chameleons und The Jesus And Mary Chain beeinflusst war, diesen Sound aber eben mit sehr tanzbaren Beats verknüpfte und sich nicht scheute, Einflüsse des 60er Jahre Beat einzubauen. Irgendeine Zeitschrift nannte das dann halt „Rave“, sicher auch in Anlehnung an New Wave, und auch der Begriff „Madchester“ machte schnell die Runde, weil sich diese „neue“ Musik zuerst in Manchesters „Hacienda“-Club durchsetzte. Drogen spielten dabei auch eine ernstzunehmende Rolle und eben tanzen tanzen tanzen.
Einer DER Klassiker dieser Musik, die mich zugegebenermaßen damals als kleinen Grufti ziemlich abgestoßen hat, wird nun schon runde 20 Jahre alt. Das selbst betitelte Debüt-Album der STONE ROSES mit Hits wie „She Bangs The Drums“, „This Is The One“ und „Made Of Stone“ zählt wohl zweifellos zu den modernen Klassikern der Popmusik und hat unzählige nachfolgende Bands extrem beeinflusst. Grund genug, eine „20th Anniversary Edition“ auf den Markt zu bringen, natürlich remastered, in eine schicke Papphülle verpackt, inklusive Booklet voller Linernotes und Bilder und als Bonustrack den Megahit „Fools Gold“. Rundum ein gutes Geburtstagsgeschenk und die Chance für neue Hörer, das Album zu entdecken. Ich gebe zu, dass ich mich inzwischen mit manchen damals gehassten Bands anfreunden kann, weil ich erkannt habe, dass nichts über gute Popsongs geht. Wirklich innovativ waren die Madchester-Bands nicht, aber sie waren zum richtigen Zeitpunkt da und haben ein paar Jahre lang ziemlich Bewegung in die Popwelt gebracht. Der erste, anschließende Brit-Pop-Boom (Oasis, Blur, Suede…) und auch das heute heiß geliebte New Wave-Revival (Coldplay, Maximo Park, Keane, Art Brut und und und) wären ohne die STONE ROSES und ihre Zeitgenossen vielleicht gar nicht in dem Maße möglich gewesen. Ja, „The Stone Roses“ ist bis heute ein wichtiges Album und ja, ich habe das erst sehr spät erkannt. Im Laufe der Jahre wurde das Album immer mal wieder veröffentlicht, unter anderem gab es 1999 auch eine „10th Anniversary Edition“. Klar, so ein goldenes Kalb melkt jede Plattenfirma gerne, es zeigt aber auch, wie zeitlos die Songs sind.
Musikalisch gibt es hier also absolut nichts auszusetzen und eigentlich alle Songs sind bis heute gute Ohrwürmer. Für meinen Geschmack ist beim remastern aber ein bisschen der Druck abhanden gekommen und einige Ecken und Kanten wurden weggefeilt. Insgesamt klingt die Platte ein wenig zu sehr geglättet. Grund genug für mich, mir bald noch einmal das Original-Vinyl zu besorgen. Trotzdem eine Scheibe aus der Kategorie „Perfect Pop“. (A.P.)

(((S))) - Ghost

Wiederveröffentlichung: CD 2009 / Danse Macabre / Al!ve
Erstveröffentlichung: Sonstiges 2009 / AF Music / AFM046

Wenn man an Musik für die „schwarze Szene“ denkt, kommt einem sicherlich nicht als erstes Dänemark in den Sinn. Klar, Leaether Strip und diverse Seitenprojekte wie Klute kennt man, aber sonst? Doch schon in der frühen Punk-Zeit entstanden viele Bands und auch im Wave-Bereich boten die 80er Jahre einige interessante Bands, allen voran The Sods/Sort Sol, aber auch die wunderbaren Trains And Boats And Planes. Da gibt es viel zu entdecken.
Nun also (((S))), eine Band, oder besser ein Ein-Mann-Projekt mit merkwürdigem Namen und geheimnisvoller Aura. Bereits im April 2009 erschien das Debütalbum „Ghost“ als Download bei AF Music und nun folgt die CD auf Danse Macabre. Bands die klar sagen, wodurch sie beeinflusst sind, sind mir meist sympathisch und wenn hier im Info was von The Jesus And Mary Chain und The Cure steht, ist das nicht nur völlig richtig, sondern musikalisch auch mehr als interessant. New Wave mit deutlichem 1980er Jahre-Anklang gibt es also zu hören, durchweg gitarrig und eingängig, verbunden mit der typischen Melancholie dieses Stils. Jeder einzelne Song führt den Hörer in die gute alte Zeit zurück, was ja heute wieder recht angesagt ist und sich mit Bands wie Coldplay, The Killers, Kaiser Chiefs und vielen anderen auch erfolgreich in hohen Chartssphären tummelt. Dafür wird es bei (((S))) aus zwei Gründen wahrscheinlich nicht reichen. Zum einen, weil wahrscheinlich die Herkunft aus Dänemark und die finanziellen Möglichkeiten der Labels dem entgegen stehen und zum anderen, weil es, und das ist mein einziger Kritikpunkt, eben wie ein Soloprojekt (+ Studiomusiker) und nicht wie eine Band klingt. Die Produktion ist gelungen und die Songs sind gut, aber das Besondere einer Band fehlt ein bisschen. Mit mehreren Leuten, die sich einbringen kann man aus Songs einfach mehr rausholen, als wenn nur eine einzelne Person dahinter steht. Vielleicht wird (((S))) ja noch einmal zu einer vollständigen Band, vielleicht sind irgendwann mal Livegigs in voller Besetzung geplant und dann, da bin ich sicher, kommt da noch etwas viel Größeres bei raus, als so schon, denn ganz hervorragend ist „Ghost“ auch so schon, aber der letzte, kleine Kick fehlt im Moment noch. Die CD im schlicht-schönem Artwork enthält als Bonus noch zwei schicke Videoclips. (A.P.)

ALMARA - Outros Amores


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Eigenvertrieb

Nun als Newcomer würde ich Almara in der Mittelalterszene nicht gerade bezeichnen, denn kennt man bisher noch keinen Song von Almara, so kennt man doch die Initiatorin dieser Formation Lisa Pawelke schon recht lange. Auf einen sehr reichen Erfahrungsschatz kann Lisa zurückgreifen,denn ehemals an Mikrofon und Drehleier bei Faun tätig, sowie als diverse Gastmusikerin (etwa bei Asp) hat es sie mittlerweile „hauptberuflich“ zur Formation Estampie und zu Voca Me verschlagen. Eigentlich könnte man ja annehmen, dass sie damit genug ausgelastet wäre, aber dem ist durch die Veröffentlichung von „Outres Amores“ weit gefehlt.



Im vergangenen Juli entstand in ihr der Wunsch, die Erfahrungen und Lieder, welche Lisa Pawelke durch ihr Studium und Spiel in verschiedenen Ensembles gesammelt hatte, festzuhalten. Bereits während ihres Studiums hatte sie mit dem Produzenten und gutem Freund Michael Ableitner an Stücken gearbeitet. Anfangs eigentlich nur zum Spaß gedacht, war sie unglaublich produktiv in dieser Zeit und beschloß, diese Stücke in ein neues Projekt einfließen zu lassen. Um nun alle ihre Ideen in die Tat umsetzen zu können, nahm Lisa einige Kollegen mit ins Boot, Michael Popp (Saz, Oud, Gambe) und Sascha Gotowtschikow (Perkussion) von Estampie, den Lautinisten Emanuelle Forni (Mittelalterliche Laute) und die Fidelspielerin Domenika Bonk lernte Lisa während ihres Studiums in Basel kennen. Birgit Muggenthaler (Gaita, Flöten) und Lisa kennen sich hingegen schon seit vielen Jahren, denn beide spielten in den Anfängen von Faun noch gemeinsam auf der Bühne, bis Birgits Hauptaugenmerk auf Schandmaul lag.



Inhaltlich hat sich Lisa mit den verschiedenen Aspekten von Liebe und Verehrung im Mittelalter auseinandergesetzt. Entstanden ist diese thematische Konzentration nicht von ungefähr, denn der Text einer galizisch –portugiesischen Cantica, die sich auch auf dem Album widerfindet, hatte sie dazu inspiriert, über die verschiedenen Arten von Liebe und Leidenschaft nachzudenken. Alle Lieder die Lisa aufnehmen wollte, behandelten die diversen Aspekte von Liebe und Verehrung, sei es erwartend, erfüllt, enttäuscht,oder in göttlicher Verehrung. Es wird auf dem Album einen Ausschnitt aus Heinrich von Meissens „Marienleich“ geben, in diesem Text verknüpft er nordische und christliche Mystik miteinander, was sehr ungewöhnlich und spannend ist in mittelalterlichen Texten.



Lisa liebt es alte Stücke auszugraben, Jahrhunderte alte Faksimiles durchzuforsten und die Notationen sich wie Schatzkarten zu entschlüsseln. Für Sie ist es wie einen Schatz auszugraben, und in all seiner Raffinesse und Faszination zu erfassen.

Im September diesen Jahres wird Almaras Debütalbum nun erscheinen, zunächst in Eigenverlag, und allein durch die Zusammenarbeit so renommierter Künstler der Mittelalterszene in Deutschland ein kleiner Schatz für sich sein. Sowohl vom Stil, wie vom Instrumentarium, und nicht zuletzt durch Lisas einzigartige Stimme, wird ein Album uns erfreuen, dass davon zeugt, dass Mittelaltermusik auch fern von Märkten und Turnierplätzen stattfinden kann. Ich denke Almara ist stilistisch in Richtung von Bands wie Estampie oder Sava einzuordnen, die mittelalterliche Texte ernst nehmen und versuchen mit Tiefgang musikalisch möglichst authentisch umzusetzen. Ich freue mich darauf, hier eine weitere Künstlerin in ihr heimischen Gefilden wieder begrüßen zu können! (Maximilian Nitzschke)

ERIC FISH AND FRIENDS - Anders Sein Der FilmTourFilm


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Esox Music

Dass Eric Fish, der charismatische Frontsänger von Subway to Sally, ein kreativer Kopf ist, ist längst kein Geheimnis mehr. Wenn mal kein Stress und das nächste Album der Potsdamer in den Startlöchern ist, widmet er sich voller Leidenschaft seinen Solopfaden, die schlichtweg nur „Eric Fish and Friends“ heißen. Nach „Auge um Auge“, „Zwilling“ und „Gegen den Strom“ erschien im Juni die DVD und Live CD „Anders Sein – Der Film TourFilm“. Der Name irritiert im ersten Moment, verkörpert aber sehr gut die Andersartigkeit dieses musikalischen Projektes.



Wer einmal in den Genuß eines Solokonzertes von Eric Fish and Friends gekommen ist, der wird mir zustimmen, dass diese Abende sehr wenig mit den energetischen Riffs von Subway to Sally zu tun haben. Im Gegenteil, denn das Projekt lebt allein von den akustischen Klängen und der Atmosphäre, die Eric und seine Bühnenpartner erzeugen. Nach einiger Zeit und dem stetig wachsendem Erfolg von Subway to Sally stellte Eric Fish fest, dass er je größer die Hallen wurden in denen Subway spielten, die wahren Emotionen des Publikums immer schwieriger spürbar wurden. Was jedes gesungene Wort in den Menschen auslöste, war nicht mehr direkt ablesbar für den Frontmann, da eher die Stimmung der Masse in den Vordergrund rückte. So beschloß der sympathische Blondschopf im Jahre 2002 seine Akustik - Klampfe wieder auszupacken und ein paar Veranstalter anzurufen, um ihn einfach so spielen zu lassen. Eric Fish spielte einfach Lieder die er so im Repertoire hatte, was wohl Anfangs noch nicht sehr eigenständig klang, aber schon die von Eric gesuchte Intimität und Authentizität besaß.
Mit Hilfe dieser Abende gewann Eric Fish jedoch die Gewißheit, dass es diese handgemachte Art Musik zu spielen und zu berühren ist, die ihm wieder den Boden geben würde um neue Energie für sich selbst und seine künstlerischen Wege zu bekommen. Etwa ein dreiviertel Jahr später begann er auch die ersten eigenen Texte für sein Soloprojekt zu schreiben, die sich stilistisch deutlich von denen Subway to Sallys unterscheiden. Fish Texte sind intim und legen den Finger gerne auf emotionale Wunden, ohne sich dabei mystischer oder mittelalterlicher Bilder zu bedienen. Fish ist roh, ist authentisch und bohrt sich tief in die Seele hinein. Der erste Mitstreiter für seine Solopfade war Rainer Michalek, bereits seit Armeezeiten kannten sich Eric und er. Als Jugendliche fuhren sie oft auf Konzerte zusammen und packten oftmals danach ihre Gitarren heraus um selbst ein wenig „anders zu sein“ als der Rest der Jugendlichen zu DDR Zeiten. Als Eric nun als Solokünstler unterwegs war führten die Wege der beiden wieder zueinander, und Rainer fuhr auf Erics Touren als Techniker mit. Eines Abends spielte Eric einen Neil Young Titel mit Mundharmonika, wobei Rainer ihm nach dem Konzert sagte, dass sich dies nicht wirklich gut angehört hätte. Am nächsten Abend holte Eric daraufhin Rainer vom Technikpult und ließ ihn Mundharmonika spielen, worauf Rainer sich wacker schlug und fortan auch auf der Bühne blieb. Das Duo Eric Fish und Rainer Michalek war formiert, jedoch fehlte es irgendwie noch am dritten Mann. Dieser fand sich in Uwe Nordwig, der mit seiner eigenen Band auf einem Festival spielte, und sich obendrein zum guten Gesprächspartner entwickelte. Eric bot ihm an bei Subway to Sally als Backliner einzusteigen. Seit nunmehr 10Jahren fährt Uwe bei Subway nun schon mit. Eric und Rainer erzählten ihm damals oft von ihren gemeinsamen Auftritten und nach einiger Zeit stieg Uwe Nordwig als Musiker bei Eric Fish Solo ein. In Erics Kopf manifestierte sich indes die Idee, ein richtiges Projekt mit Niveau aus dieser kleinen Band aus Freunden zumachen und so begann sich in den nächsten dreieinhalb Jahren eine Spielroutine und eine Eigenständigkeit zu entwickeln, die Eric Fish and Friends zu mehr als nur „Erics Nebenprojekt“ zu Subway to Sally machte. In der ersten Platte „Auge in Auge“ manifestierte sich diese Eigenständigkeit in musikalischer Form und bestätigte die Ambitionen der drei. Denkende Texte in Liedermachertradition, authentisch und ehrlich, dass war was diese Platte dem Hörer bot. Der vierte Mann im Boot Gerit Hecht ist jemand, der ständigneue Ideen produziert. Nach ein paar Ausflügen im Synthiepop und Schlagerbereich von Gerit Hecht, lernten sich Eric und Gerit kennen und entdeckten sehr schnell eine Seelenverwandtschaft. Beide komponieren die Stücke der nachfolgenden Alben gemeinsam, und hauchen dem Projekt über Musik und Texte immer mehr Leben ein. B.Deutung kam erst 2008 als fünfter Mann mit hinzu, obwohl sich Eric Fish und B.Deutung schon wesentlich länger kennen. Die musikalischen Wege drifteten jedoch auseinander, denn Eric ging zu Subway to Sally, während B.Deutung mit einem Freund zusammen „The Inchtaboktables“ gründete. Bei Eric reifte 2008 die Idee ein Cello als Klangfarbe hinzuzunehmen, wobei ihm sein guter alter Freund B.Deutung einfiel. Etwa auf der Hälfte der Tour, fragten Uwe, Rainer und Eric ihn, ob er denn nicht als fünfter Mann die Band künftig bereichern mag – er bejahte.



Mit der nun produzierten DVD „Anders sein“ sehen wir einen Film aus über 100 Stunden Filmmaterial, die während der Tour im Februar 2009 gedreht wurden. Das Ergebnis ist eine Mischung aus Live – DVD, Dokumentation und Roadmovie, der den Zuschauer in das Universum von Fish & Friends einführt. Bei den beiden Deutschlandpremieren des Films wurde er begeistert vom Publikum aufgenommen und setzt neue Maßstäbe in der Musik DVD Szene. Musik wird gemischt mit Hintergrundinformationen, Emotionen der Songs mit der Bandintension „anders zu sein“. On the Road wird die Band begleitet und auf der Bühne, am Lagerfeuer wie beim Schlittschuhfahren. Die Einblicke sind intim, mal im Tourbus und dann wieder im Aufnahmeprozess im Studio. Die DVD bietet 84 Minuten gebannte Unterhaltung mit und um Eric Fish und seine Freunde. Die Live CD hingegen fängt die Stimmung dieser Frühjahrstour 2009 hörbar ein. 16 Songs wie 100 Jahre, An der Zeit, Ehrlich will ich bleiben oder Schrei erklingen in Live Atmosphäre im heimischen Wohnzimmer und lassen auch den Hörer durch intensive und nachdenkliche Texte „anders sein“ als den gewöhnlichen Musikkonsumenten. .



Als Fazit kann ich nur den Herren Fish selbst zitieren, der in Fish and Friends ein ganz bodenständiges und handgemachtes Ding sieht, dass immer einen wichtigen Aspekt seines Lebens ausmachen wird. Die Anteilnahme des Publikums an ihrer Musik und ihren Texten ist den Jungs eine solche Bestätigung, dass sie uns auch künftig bereichern werden. Bereits im September wird das nächste Fish Album erscheinen und Ich vermute sehr, dass die Jungs dem Motto „Ehrlich will ich bleiben, ehrlich will ich sein, Lieder will ich schreiben so wie ich sie mein!“ treu bleiben! Im September wird dem Album eine Tour durch 14 deutsche Städte folgen auf die ich mich schon jetzt sehr freue! (Maximilian Nitzschke)

DIE PERLEN - Stadt EP


Erstveröffentlichung: 10 Inch 2009 / Fire Zone Records / FZ 008

DIE PERLEN aus dem schönen Franken: fast 10 Jahre alt, eine Reihe wunderbarer CD-Rs, inzwischen drei „richtige“ CDs und nun endlich Vinyl. Und dann auch noch im wunderbaren 10“-Format mit mehreren Beilagen, unter anderem einem Poster. Natürlich limitiert, diesmal auf ganze 300 Exemplare, also ist schnelles Zugreifen angesagt.
Die „Stadt.EP“ bietet das, was man von dem sympathischen Duo gewohnt ist, also überwiegend tanzbaren Electro-Sound, irgendwo zwischen Synthie-Pop, Minimal-Electro und EBM mit deutschen und englischen und diesmal sogar französischen Texten. „Villes Jumelées“ ist dann als Opener auch gleich der Tanzflächenkracher und Ohrwurm schlechthin, was nicht heißen soll, dass die übrigen 5 Songs qualitativ schlechter wären. Ich persönlich ziehe bei den PERLEN ja sowieso die deutschen Texte vor.
Mit den PERLEN, Sonnenbrandt und Hertzinfarkt gibt es inzwischen mehrere deutsche Bands in ähnlicher Personenkonstellation, die nicht ganz zufällig auch alle noch befreundet sind. Das als „Szene“ zu bezeichnen wäre wohl etwas hoch gegriffen, aber es zeigt doch, dass auch im Electrobereich inzwischen weibliche Stimmen gang und gäbe sind.
Vertont wird neben Eigenkompositionen auch textliches von Kurt Tucholsky und Paul Weller, beides nicht gerade die offensichtlichsten Einflüsse für DIE PEREN, aber gerade deswegen sehr interessant.
Für Fans ist die „Stadt.EP“ definitiv ein Pflichtkauf, zumal das Duo trotz des Wiedererkennungswerts hier auch mal ab und zu was anderes versucht, als gewohnt. Zum kennen lernen der Band eignen sich deswegen eher die beiden CD-Alben. Hoffentlich nicht das letzte Vinyl-Zeugnis der beiden. Für Ende 2009 ist zudem zum 10jährigen Bandjubiläum eine „Best Of“-CD angekündigt, an deren Zusammenstellung die Fans mitwirken können. (A.P.)

Webadresse der Band: www.dieperlen.de

ABSTüRZENDE BRIEFTAUBEN - 25 Jahre Sind Genug!


Erstveröffentlichung: DVD 2009 / Independent Entertainment / Rough Trade / 269-0501-8

ABSTÜRZENDE BRIEFTAUBEN? Bäääähhh, wie peinlich…werden jetzt viele sagen. Und ich gebe zu, Mitte der 80er Jahre, so als 17jähriger, der politisch voll radikal auf Slime, Normahl und Daily Terror stand, habe den „sinnlosen Funpunk“ der Hannoveraner damals als viel zu albern verteufelt. Dass ich gleichzeitig aber auf Bands wie Die Toten Hosen und Die Ärzte stand, hat mich nicht verwirrt, war eben so. Meine Meinung änderte sich, als ich circa 1989 ein Open Air Konzert der ABSTÜRZENDEN BRIEFTAUBEN in Hamburg sah, das absolute Partystimmung verbreitete, dann aber von irgendwelchen HSV-Nazi-Hools gestürmt wurde, die aber schnell durch bereitstehende Polizeihundertschaften abgedrängt wurden. Im Anschluss daran spielten Konrad und Micro dann mit voller Power ein wunderbares „Skinhead Skinhead spürst Du mich, heut’ Nacht komm’ ich über Dich, das macht Spaß“ und seitdem war mir die Band sympathisch. Ich bin nie großer Fan geworden, als aber vor einiger Zeit der Tod Konrad Kittners bekannt wurde, habe ich doch die eine oder andere Träne ganz heimlich verdrückt. Konrad und Micro waren von Anfang an in der Hannoveraner Punkszene aktiv und spielten schon in Bands wie Klischee und anderen Hannoveraner Größen. Irgendwann wurde die Band richtig bekannt, tauchte in der Bravo auf, landete auf einem Majorlabel und hatte sogar einen kleinen Auftritt in Hape Kerkelings wunderbarem Film „Kein Pardon“. Und irgendwann war die Bandgeschichte zu Ende und noch irgendwanner war Konrad Kittner dann einfach tot, der Arsch.
Zum Glück wurde vorher noch die Bandautobiographie als Film mit dem Titel „Wir War’n Die Tauben“ produziert, die mit über zwei Stunden Laufzeit alle Phasen der Band beleuchtet, im wesentlichen von den gut gelaunten Musikern in vielen Anekdoten selbst erzählt, unterbrochen von kurzen Musikeinspielungen und Statements von Weggefährten wie Schließmuskel, Mimmis, Fury In The Slaughterhouse und vielen anderen. Sehr informativ und unterhaltsam und nun in Form der Doppel-DVD „25 Jahre Sind Genug!“ als absolutes Vermächtnis der Gruppe veröffentlicht. Natürlich gibt es dazu noch jede Menge Musik, zwei Livekonzerte, alle Videoclips, den letzten jemals aufgenommenen BRIEFTAUBEN-Song, Outtakes und mehr, insgesamt fast viereinhalb Stunden ABSTÜRZENDE BRIEFTAUBEN pur. Da kann man sich auch als Nicht-Fan prima unterhalten lassen und längst ist klar, dass das Duo schon eine gewisse Bedeutung für Punk aus Deutschland hatte. Live war die Band sowieso unschlagbar und sympathisch auch immer, was auf diesen DVDs prima rüber kommt. Wahrscheinlich war es auch richtig, irgendwann aufzuhören, denn was hätten sie noch erreichen können? Stattdessen folgten andere Bands, doch die Freundschaft blieb bestehen und 2002 gab es den letzten Revival-Auftritt, der hier auch dokumentiert ist.
Einerseits ist die Geschichte der BRIEFTAUBEN natürlich nicht vollständig, da das Ableben von Konrad nicht thematisiert wird, andererseits – und jetzt wird es echt schwülstig – ist er mit seiner Band irgendwie unsterblich geworden.
Übertreibung beiseite…“25 Jahre Sind Genug!“ ist Pflicht für BRIEFTAUBEN Fans und gleichzeitig ein Stück deutsche Punkgeschichte in Bild und Ton. Ganz egal, ob man Funpunk mag oder nicht. Am besten mit ein paar Leuten am Freitagabend zusammensetzen, ordentlich viel kaltes Bier und fettige Chips, Ton aufdrehen und eine tolle Party haben. (A.P.)

MOFA - Punk Rock Fuck Off


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Hamburg Records / HHREC 0252

Was hat der arme Punk Rock denn der Kölner Band MOFA getan, dass er so mir nichts dir nichts verschwinden soll? Hat er dann aber doch getan und bei MOFA eher eine Mischung aus Alternative Rock, Deutsch Pop und Deutsch Rock hinterlassen, die die vier Herren (die „lustigen“ „Namen“ lasse ich mal im Dunkeln, weil: besser ist das!) im netten Popper-Tennisspieler-Outfit auf ihrem ersten Album präsentieren. Wer im Info damit prahlt, dass die Band schon Airplay auf 1Live und einen Bericht im Visions Magazin hatte, strebt recht offensichtlich den breiteren, gern auch kommerziellen Erfolg an, was ja auch legitim ist, denn welcher Musiker möchte nicht Erfolg mit seiner Kunst haben, außer irgendwelche radikal unkommerziellen Punkbands, die ganz bewusst nie über die wochenendlichen JUZ-Auftritte hinaus wollen. Deshalb vielleicht „Weg mit dir, böser Punk Rock“? Nun ja, das kommerzielle und eingängige Potential für den Erfolg bei den wenigen etwas besseren Radiosendern und vielleicht mal beim Bundesvision Song Contest hat MOFA allemal, passt ihre Musik doch perfekt in die heutige Musiklandschaft, in der auch etwas schrägere Bands mit guten Melodien und deutschen Texten ihren Platz finden. Ganz lösen von dem, was sie im CD-Titel verbannen können sie sich dann doch nicht, es rockt schon einige Male ziemlich gut los, ansonsten eine Mischung aus so verschiedenen Bands wie Madsen, erwachsene Killerpilze, Sportfreunde Stiller und (gleich kriege ich sicher Schläge) Pur (oder eben, wie die sich harte Musik vorstellen würden).
Hmmm vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass mir das Album richtig gut gefällt. Gute Laune Musik – und das mit Pur ist gar nicht böse gemeint, okay?
Wenn Bands wie MOFA öfter im Radio laufen würden, würde ich vielleicht auch öfter mal wieder einschalten. Aber den guten alten Punk Rock habt Ihr mit diesem Alben nicht vertrieben, den gibt es auch noch in ferner Zukunft, wahrscheinlich unter anderem von Euren Enkeln gespielt, die Euch damit ärgern wollen. Ach ja, so’n blöder „Hidden Track“ ist auch noch dabei, wohl nicht gut genug, um ihn auf dem Cover zu nennen. (A.P.)

Webadresse der Band: www.hamburgrecords.com

NOVY SVET - Todas Las Ultimas Cosas


Erstveröffentlichung: LP 2008 / Treue um Treue / Tur/Rur / T.u.T. 011

Heute wird Minimal-Electro meist dann als Stilbegriff genannt, wenn Synthie-Pop mit einfachem Equipment gemeint ist. Dass Minimal-Electro ursprünglich eigentlich eher experimentelle Musik war, wird gerne vergessen. Was NOVY SVET auf „Todas Las Ultimas Cosas“ abliefert, angekündigt als letztes Album, ist Minimal-Electro in Reinkultur. Elektronische Musik, die bis auf die Grundstruktur reduziert ist, meist enthält ein Song auch nur eine Grundidee, die konsequent durchgezogen wird, hier und da verfeinert mit ebenfalls elektronischen Spielereien. Das mag manchem Hörer monoton erscheinen, doch der Ursprung ist eben Industrial und da ist Monotonie ein Stilmerkmal. Die Wurzeln liegen bei Acts wie Cabaret Voltaire, Esplendor Geometrico oder auch Clock DVA und werden auf diesem Album durchaus eingängig, aber eben überhaupt nicht poppig angereichert. Heraus kommt eine Mischung, die trotz einiger „Hits“ doch eher im Bereich der Klangforschung und jenseits aller Kommerzialität bleibt. Sicher nicht gerade das, was man von NOVY SVET sonst kennt und dementsprechend zum kennen lernen der Gruppe nicht unbedingt geeignet, für Fans aber allemal eine Entdeckung wert und eine weitere Facette des vielseitigen Projekts. Die 319er Auflage kommt in neonpinkem Vinyl, was wirklich toll aussieht, und schlichtem Coverartwork, das an schönste Factory-Zeiten erinnert. Dürfte aber kaum noch zu finden sein, da die Auflage beim Label ziemlich schnell ausverkauft war, also Augen offen halten und zugreifen! (A.P.)

Webadresse der Band: www.tutrur.com

PARADOX - Silently Screaming


Erstveröffentlichung: CD 2005 / Thunderdome / Arachnophobia / TDM014

Eigentlich kennt man das Schweizer Label Thunderdome ja hauptsächlich durch die Gothic/Wave-Band Cell Division, die wirklich gut ist und ansonsten eben auch von Schwarze-Szene-kompatibler Musik wie Der Eremit oder Eurocide. Wenn mit den Engländern PARADOX dann (als Kollaborationspartner) eine CD einer recht alltäglichen Rockband veröffentlicht wird, so liegt das entweder an einem übertrieben breiten Musikgeschmack oder aber an persönlicher Freundschaft mit der Band. Ich tippe mal auf letzteres, denn stilistisch passt PARADOX so gar nicht auf das Label. Die Musik ist lupenreine Rockmusik, mal etwas mehr in Richtung Alternative linsend, mal eher Biker-Rock und auch ein bisschen Heavy Metal ist dabei. Der im Info genannte Punk-Einfluss erschließt sich mir überhaupt nicht. Das ist alles so uninteressant für mich persönlich, dass ich gar nicht viel länger darauf eingehen mag. Für wen es noch wichtig ist, dem sei gesagt, dass hier auch „What’s Up“ von den 4 Non Blondes nachgerockt wird, ohne den Zauber dieses Songs auch nur eine Sekunde zu erreichen.
Live auf Stadtfesten und als Vorband anderer Rockbands sicher ganz passend, dazu ordentlich produziert, spieltechnisch sehr gut und mit schönem Booklet versehen, aber letzten Endes so gar nicht mein Ding. (A.P.)

Webadresse der Band: www.arachnophobia.de

STROMBLE FIX - The Eighties Are Over

Wiederveröffentlichung: CD 2009 / Dance Macabre Records / Al!ve
Erstveröffentlichung: Sonstiges 2009 / AF Music

Die deutsche Band STROMBLE FIX ist inzwischen auch nicht mehr ganz neu, die Bandmitglieder befinden sich (aus “Szene”-Sicht) sogar schon im fortgeschrittenen Alter, haben also die 80er Jahre mit all der schönen Wave, Punk, Electro, Gothic-Musik persönlich miterlebt. Und nun verkünden sie endlich „The Eighties Are Over“, wir leben im hier und heute und machen heute Musik. Gut so. Allerdings sind die musikalischen Einflüsse der 80er Jahre durchweg hörbar und sicher auch gewollt. Zu hören gibt es, wie man es von STROMBLE FIX’ früheren Veröffentlichungen kennt, rohen Gitarren-Wave, mal eher punkig, mal ein bisschen gothic, aber immer solide und eben im „alten Stil“. Im Info werden Größen wie Killing Joke, Red Lorry Yellow Lorry, Nick Cave, Wipers, Cure, John Lennon und Pink Floyd als Eckpunkte genannt, wobei die beiden letzt genannten sicher eher eine Facette des persönlichen Musikgeschmacks der Bandmitglieder widerspiegeln und in der Musik kaum auftauchen. Aber Killing Joke lasse ich mal gelten, die Lorries auch, die kann man, in ihrer Früh-80er-Phase durchaus als Orientierungspunkt nennen. Hin und wieder kommen auch ein paar Biker-Rock-Anklänge durch („Dispirited“), die mich jetzt nicht so vom Hocker hauen. Trotzdem sind genug richtig gute und eben schön raue Songs auf dem Album, so dass man mal wieder bedenkenloses Lob für eine sympathische Band aussprechen kann, die irgendwie seit Jahren unbeirrt ihren Weg geht und jetzt hoffentlich mit den Vertriebspartnern AF Music und Danse Macabre Records den nächsten Schritt machen kann, auch wenn die Zeit für dunkel-punkigen Gitarren-Wave derzeit nicht die beste ist. (A.P.)

Webadresse der Band: www.af-music.de


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