CAROL CLERK - Kiss My Arse - Die Geschichte Der Pogues


Erstveröffentlichung: Buch 2009 / Omnibus Press-Bosworth Music / ISBN 978-3-86543-306-0

Als ich in den mittleren 80er Jahren begann, mich für Punk und New Wave zu interessieren, stieß ich auch schnell auf die POGUES, die damals gerade ihre ersten beiden Alben „Red Roses For Me“ und „Rum, Sodomy And The Lash“ veröffentlicht hatten und vor allem legendär für ihre Trinkfestigkeit waren, allen voran, der leicht debil wirkende Frontmann und Sänger Shane MacGowan. Bis heute höre ich die Band sehr gerne und habe wunderbare Erinnerungen an ihre Livequalitäten. Bücher über die Band und MacGowan gibt es inzwischen mehrere, unter anderem das vorliegende von 2006, das nun auch 2009 in deutscher Übersetzung erschienen ist. Auf über 500 Seiten wird die Bandgeschichte sehr detailliert erzählt, basierend vor allem auf Interviews mit Bandmitgliedern und Wegbegleitern. Beginnen tut die Geschichte natürlich in London 1976 zu Zeiten der Punkexplosion, ganz vorne dabei Shane MacGowan, der schon damals wohl ein eigenwilliger Mensch war und auf viele musikalische Vorreiter getroffen ist. Seine ersten Bands wie The Nipple Erectors werden erwähnt, die Gründung von Pogue Mahone, die Umbenennung in THE POGUES, erste Liveerfolge und Plattenveröffentlichungen, Alkohol- und Drogenexzesse, die teilweise schwierige Zusammenarbeit mit Elvis Costello als Produzent, der kommerzielle Durchbruch, Skandale, unendliche Touren durch Europa und Amerika, irgendwann der Ausstieg MacGowans und so weiter und so fort. Natürlich steht der charismatische MacGowan etwas stärker im Mittelpunkt, aber dabei wird zum Glück nicht vernachlässigt, dass auch die anderen Bandmitglieder ihren Anteil am Erfolg hatten und wichtig waren und sind.
Das Ganze ist sehr locker und leicht lesbar geschrieben, enthält viele Originaltöne, die sich auch hin und wieder widersprechen und insgesamt sehr unterhaltsam, wie es die POGUES eben auch waren. Das Chaos, das ganz automatisch entsteht, wenn so viele Leute zusammen Musik machen, die eben auch gerne was trinken, spiegelt sich im Buch gut wieder, was dem Lesespaß sehr zuträglich ist.
Dazu gibt es ein paar schöne Bilder, die aber ruhig etwas zahlreicher hätten sein können bei über 500 Seiten Umfang, und eine recht oberflächliche Diskografie, der eben die Tiefe fehlt, aber da gibt es ja im Internet genug Möglichkeiten. Fehlen tut ein Personenregister und vielleicht eine Auflistung der Liveauftritte. Das sind aber alles nur marginale Kritikpunkte, an der Empfehlung, das Buch zu lesen ändert das absolut nichts. (A.P.)



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