ATLANTIC POPES - Atlantic Popes


Erstveröffentlichung: CD 2000 / Eigenproduktion

Was für eine grandiose CD!!! Nicht nur für Fans von Alphaville, von denen es immer noch weitaus mehr gibt, als man denkt. Die ATLANTIC POPES sind ein neues Projekt von Alphaville Member Bernhard Lloyd und dem mir bisher unbekannten Max Holler. Erfreulicherweise klingt das ganze doch ganz anders, als Alphaville, was wohl vor allem daran liegt, daß die prägnante Stimme von Marian Gold nicht zu hören ist (einmal doch, denn bei einem Titel hat er die Backing Vocals gesungen). Die Musik von den ATLANTIC POPES ist meist entspannter Electro-Pop mit einer absolut angenehmen tiefen Männerstimme. Eigentlich müsste schon der Opener ""World"" ein Top 10-Hit sein, doch die Welt ist schlecht und die Radiosender und Fernsehstationen werden die ATLANTIC POPES schmählich links liegen lassen. So dürfen sich die Glücklichen, die die CD besitzen als auserwählt betrachten und denen, die von diesem wunderbaren Werk nichts wissen eine lange Nase zeigen. Der Sound ist sehr modern, ohne allzu häufig stupide Techno- und Dance-Rhythmen zu verwenden oder in ""früher war alles besser""-Gefühle zu verfallen. Neben eher ruhigen, relaxten Titeln finden sich auch tanzbare Tracks auf dieser CD, so müsste eigentlich ""Games"" auch in den Clubs für Aufmerksamkeit sorgen.

Die ATLANTIC POPES bezeichnen sich selber auf dem CD-Cover als ""virtual project"" und so ist es nicht erstaunlich, daß die CD wohl nur (oder zumindest hauptsächlich) über das Internet vertrieben wird und hier besonders über die Bandhomepage www.atlanticpopes.de , die sehr gelungen ist und sich von der Optik der meisten anderen Band-Sites positiv abhebt. Man kann dort übrigens auch über den besten Titel der Band abstimmen, von dem es dann einen Remix zum runterladen geben wird (wenn ich mich recht entsinne, kann gerade nicht nachsehen). Besucht die Seite zahlreich und bestellt die CD dort, es lohnt garantiert! Für mich bisher die beste CD, die ich dieses Jahr gehört habe!!! ""World"" kommt nahe an die Bezeichnung ""perfekter Pop-Song"" heran und dürfte besonders auch Fans der Sparks gefallen. Stimmt auf der Homepage alle für diesen Titel! Wir werden euch auf den Back Again Seiten über die ATLANTIC POPES auf dem laufenden halten. (A.P.)

Webadresse der Band: www.atlanticpopes.de

2RAUMWOHNUNG - Wir Werden Sehen


Erstveröffentlichung: Maxi-CD 2009 / It-Sounds / Emi / 50999 968111 2 2

Drei erfolgreiche Alben zieren die Karriere von Inga Humpe und Tommy Eckart alias 2RAUMWOHNUNG. Zeitgemäße Popmusik, die auf modernen Rhythmen aufbaut, ohne die Oberflächlichkeit des Produzentenpops in den Charts zu streifen, dabei aber extrem eingängig und immer mit einem leichten 80er Jahre-Flair, ohne jedoch auch nur eine Sekunde altmodisch zu wirken. Klingt nahezu perfekt? Ist es auch! Dazu der angenehme Gesang von Inga Humpe und absolut ohrwurmträchtige Melodien. All das gibt es auch auf der Single „Wir Werden Sehen“ zu hören, die das vierte Album „Lasso“ angekündigt hat.
Als erstes, klar, die Radioversion, die sich auf jeden Fall zum soliden Hit mausern wird, gefolgt vom Albumtiteltrack „Lasso“. Dann der lange, ziemlich reduzierte „Paul Kalkbrenner Remix“ von „Wir Werden Sehen“, der irgendwie weder fürs Radio, noch für die Clubs geeignet scheint, sondern eher für die Fans und schließlich ein ebenfalls sehr langer „Good Groove & Yapacc Remix“ von „Lasso“, der sehr rhythmische Elemente mit leicht ambientem Touch verbindet. Remix-Freunde werden begeistert sein. Für mich bleibt 2RAUMWOHNUNG aber definitiv eher eine Album- als eine Single-Band. Aber das ist ja auch völlig okay.
(A.P.)

CARMODY - The Perfect Spider


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Anna Logue Records / ANNA 023.2009

CARMODY kamen aus Turin/Italien und veröffentlichten in der ersten Hälfte der 80er Jahre lediglich drei Tapes, die natürlich kaum irgendwie zu finden sind. Ähnlich wie ihre Zeit- und Weggenossen Monuments (ebenfalls auf CD bei Anna Logue archiviert) und die fantastischen Chromagain verbanden CARMODY den damals modernen Electro-Klang mit atmosphärischen Gitarren und schufen damit einen für die Zeit recht typischen New Wave-/New Romantic-Sound.
Anna Logue Records hat sich nun also daran gemacht, das Beste der drei Tapes soundtechnisch überarbeiten zu lassen und auf einer CD im schick-schlichten DigiPak zusammen zu fassen. Wie sehr das Label an die Qualität von CARMODY glaubt, zeigt sich an der recht hohen Auflage von 1000 Exemplaren. Allerdings dürften alle Fans von Minimal-Electro, New Wave und 80er Synth-Pop potentielle Käufer sein und ich empfehle die Anschaffung ausdrücklich.
Aus Italien ist in den 80er Jahren jede Menge wunderbare Musik gekommen, sei es Joy Division-beeinflusster Sound (Death In Venice, Weimar Gesang), Gothic Rock (Sturm Und Drang, Dead Relatives), Dark Wave (Giardino Violetto, Kirlian Camera) oder Electro (Neon, Pankow). CARMODY passen perfekt in diese Reihe hinein und haben eine ganze Menge richtig guter Songs erschaffen, die man jetzt endlich problemlos erhalten kann. Dabei finden sich Ohrwürmer wie „Most Of You“ und „The Perfect Beat“, kleine Perlen wie „P.S.A.L.M.“ und „As We Down“ und atmosphärisches wie „Sleep On Mirrors“.
In meinen Ohren hat CARMODY schon früh vieles vorgenommen, was später als Dark Wave zu Tode geritten wurde, hier aber noch frisch und originell klingt. Wenn man möchte darf man bei den poppigeren Songs aber hin und wieder auch an Gruppen wie Icehouse oder A Flock Of Seagulls denken. Deshalb ein absoluter Tipp (nicht nur) für Liebhaber der italienischen Wave-Szene der 1980er Jahre. (A.P.)

Webadresse der Band: www.annaloguerecords.com

HUMAN PUPPETS - Future For The Past


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Disorder Records / Plastic Frog Records / Digital 02

Als beim Kernkrach-Label 2004 die erste 7” der griechischen Band HUMAN PUPPETS erschien, schlug diese ein, wie ein Bombe, zumindest in der kleinen, aber sammelbegeisterten Minimal-Electro-Szene. Der wunderbare, rein analoge Electro-Wave-Sound wusste zu begeistern und sorgte sicher auch hier und da für volle Tanzflächen. Es folgte die erste LP und zwei Auftritte bei Kernkrach-Festivals, die erfreuten, aber nichts Neues brachten.
Da der Sound der Band aber immer noch mitreißt und die Vinylscheiben längst vergriffen sind, war es eine gute Idee von Disorder Records, von denen man lange nichts gehört hatte, die beiden Platten nun noch einmal gesammelt auf CD zu veröffentlichen, angereichert durch drei Bonustracks (und einen weiteren „Hidden Track“). Die Songreihenfolge wurde minimal verändert, ansonsten bleibt aber alles beim Alten: Lupenreiner Minimal-Electro mit einigen Wave-Einflüssen, meist tanzbar und durchgehend ohrwurmig. Gruppen wie Deutsch Amerikanische Freundschaft dürften ebenso ihren Einfluss gehabt haben wie andere 80er Helden von Transparent Illusion bis Twilight Ritual und Absolute Body Control. Nichts aufregend Neues also, aber immer gerne gehörter Sound, der nur ganz ab und zu mal bei CD-Laufzeit ein paar Längen wegen fehlender Abwechslung hat. Trotzdem gehört die CD zusätzlich zu den Platten in jede vernünftige Minimal-Electro-Sammlung. (A.P.)

Webadresse der Band: www.plasticfrogrecords.com

DEVIOUS - Vision


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Deity Town Records / 7 Hard / DDRCD008

Das schöne an den Bemusterungen von Finest Noise Promotion, bekannt vor allem für Veröffentlichungen im Bereich Alternative Rock, aber immer auch mit offenen Ohren interessiert an anderen Genres, ist, dass die Waschzettel für den Schreiberling recht hilfreich sind. Natürlich sind die Promotiontexte die üblichen, aber die wichtigen Infos sind immer schön zusammengefasst und es gibt auch immer eine realistische Stilbezeichnung. Man versucht gar nicht erst in dem Laden, jede Band als völlig neuartig und eigenständig hinzustellen. So ist es für mich auch etwas leichter , die vorliegende CD der Holländer DEVIOUS unter den zahllasen Unter-Genres im Bereich Metal richtig einzuordnen, ohne mich zu blamieren, habe ich doch wenig Ahnung von den Feinheiten der Unterscheidung in diesem von mir nicht gerade bevorzugten Genre.
Also: DEVIOUS spielen Death-Metal. Mir als Laien und BILD-Leser fällt dazu zunächst einmal „Kirchen anzünden in Norwegen“ ein, aber klar, damit tut man der Mehrzahl der Death-Metal-Bands ziemlich unrecht. Ich gebe auch offen zu, dass ich mit Metal und dem hier speziellen „Groll“-Gesang wenig anfangen kann, aber zugegeben: Energie hat es schon. Und im Gegensatz zu manch anderem Genre lassen Metaller durchaus auch neue Einflüsse aus anderen Stilen zu, so hat sich der gute alte Gothic-Rock doch auch seinen Platz im Metal erobert. Dass mir das nicht sonderlich gefällt tut nichts zur Sache. Ja, ich drücke mich bisher ein bisschen darum, die CD von DEVIOUS zu bewerten. Ich beschränke mich also aufgrund fehlenden Fachwissens mal auf eher technische Aspekte. Die Scheibe ist gut produziert, kraftvoll und von spielerisch versierten Musikern eingespielt. Ich schätze mal, dass bei der Band live ordentlich die Post abgeht. Ich könnte mir vorstellen, dass DEVIOUS schon alleine wegen der rübergebrachten Energie unter Genrefans schnell einen guten Namen haben werden, da sie zudem mit Entombed (zumindest vom Namen her auch mir ein Begriff) und Merauder im Dezember durch Deutschland touren, dürfte der Bekanntheitsgrad auch schnell steigen. Lobenswert ist auch das recht aufwändig gestaltete Booklet, das ziemlich edel aussieht. Ich lasse die Musik einfach mal wertungsfrei, empfehle Death-Metal-Liebhabern aber auf jeden Fall ein Antesten. (A.P.)

THE SHOCK PROJECT - Charly


Erstveröffentlichung: Sonstiges 2009 / AF-Music / afm065

2-Track-Download-Single
THE SHOCK PROJECT ist das Nachfolgeprojekt der westfälischen Waveband Curious, die sich im Frühjahr 2009 leider getrennt hat, warum auch immer. Ich mochte und mag die Musik der Gruppe. Nun also THE SHOCK PROJECT mit drei ehemaligen Bandmitgliedern, allen voran natürlich wegen der prägnanten Stimme (ohne die anderen Bandmitglieder abwerten zu wollen!) Sänger Oliver Schlichter. Grundsätzlich kann man, wenig überraschend, auch von der neuen Band gitarrigen New Wave erwarten, allerdings sind die Einflüsse seit den Anfängen von Curious (klar: The Cure) vielfältiger geworden und die Musik ist etwas rauer, rockiger geworden. Als erstes Lebenszeichen gibt es nun die 2-Track-Download-Single „Charly“, die eine deutsch- und eine englischsprachige Version des Songs enthält. Charly ist irgendwie so ein typischer 70er-Jahre Name und das Thema Drogen dazu…irgendwie kommen bei mir Erinnerungen an „Christiane F. – Wir Kinder Vom Bahnhof Zoo“ auf. Und vielleicht deswegen muss ich die ganze Zeit daran denken, dass sicher David Bowie ein prägender Einfluss der Musiker sein dürfte. Klar, wenn man es genau nimmt, so findet man hier eine musikalische Mischung aus alten Helden wie The Cure und Sad Lovers And Giants, dazu haben neuere Bands wie die Killers (naja, nicht gerade das letzte Album) oder die Editors ihre Wirkung hinterlassen. Eine wirklich gute Mischung also, die neugierig auf mehr macht. Mir persönlich gefällt die englische Version etwas besser, der deutsche Text erscheint doch etwas bemüht und liedermachermäßig und erinnert mich unwillkürlich an „Am Tag, Als Conny Kramer Starb“ (wobei ich Juliane Werding durchaus gerne mag!). Der englische Text gibt inhaltlich zwar das Gleiche wieder, klingt aber in Songform einfach besser. Geschmackssache, sicher. Und die Entscheidung, auch Deutsch zu singen ist allemal lobenswert. (A.P.)

Webadresse der Band: www.af-music.de

ERBEN DER SCHöPFUNG - Narben Der Zeit


Erstveröffentlichung: CD 2009 / M.O.S. Records / Soulfood / MOS888

Neues aus Liechtenstein, wo M.O.S. Records schon seit den 90er Jahren die gierigen Metalfans auf der einen und die sehnsüchtigen Dark Wave-Liebhaber auf der anderen Seite mit immer neuen Veröffentlichungen beglückt. Bands wie Die Verbannten Kinder Evas, Whispers In The Shadow, L’ame Immortelle oder auch WeltenBrand und Sanguis Et Cinis haben dort ihre ersten Platten vorgelegt, bevor sie zumindest teilweise zu sehr erfolgreichen Acts in der dunklen Szene aufgestiegen sind.
Nach einer längeren Veröffentlichungspause legt das Label nun das zweite Album der Hausband ERBEN DER SCHÖPFUNG vor, an dem sich sehr gut festmachen lässt, wie sich Gothic(-Rock) im Laufe der letzten zwanzig Jahre verändert hat.
Die Vermischung mit Metal ist mehr als deutlich, dazu eine ordentliche Portion Pseudoklassik und hier und da ein paar Techno-Elemente, alles gut durchgerührt, aufwändig und eingängig produziert und eben mit einer leicht dunklen Dark Wave-Atmosphäre garniert. Mit dieser Mischung kann man schon seit gut zehn Jahren auch in den kommerziellen Charts Erfolg haben, vor allem auch, wenn man dazu teilweise auch noch mystische deutschsprachige Texte bringt. Insofern sind die ERBEN DER SCHÖPFUNG ein Paradebeispiel für den immer noch aktuellen Gothic-Dark-Wave-Sound unserer Tage, nur für mich persönlich hat das eben alles nur noch sehr wenig mit Gothic zu tun. Nun ist es klar und auch legitim, dass sich ein Musikstil weiter entwickelt und neue Einflüsse aufnimmt, aber ebenso klar ist es auch, dass dadurch „alte“ Fans an den Rand der Szene gedrängt werden und diese früher oder später verlassen. So lange genug neue Leute nachdrängen wird sich die schwarze Szene trotz aller Kommerzialisierung aber am Leben erhalten.
Natürlich ist diese Grundsatzdiskussion im Rahmen einer Plattenkritik zu ERBEN DER SCHÖPFUNG etwas unfair, aber die Gruppe ist eben ein gutes Beispiel für die Veränderungen der letzten Jahre.
Musikalisch liefert die Band ein solides, rockiges und eingängiges Album ab, das gut produziert ist und ziemlich genau den Punkt trifft. Nur ist das eben Musik, die die heute 16 bis 25jährigen schwarz gewandeten Leute anspricht und kaum einen älteren Waver oder Gothic. Eher schon Metaller. Erwähnenswert ist aber trotzdem und vor allem die vielseitige schöne Stimme von Sängerin Dina.
Im Kontrast zur kommerziell auf Erfolg ausgerichteten Musik steht das stimmungsvolle, aber wenig auffallende Cover, dass mir besser gefällt als die Musik, So ist das manchmal… (A.P.)

FACELIFT - Holon


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Spectre Records / Universal / spectre 8061025

Nach einem seltsamen Intro legen FACELIFT gleich mit einem eingängigen Akustik-Pop-Song mit prägnantem Bass los, der schon die sehr eigene Stimme der Sängerin erahnen lässt, die im Laufe des Albums noch für so manche angenehme Überraschung sorgen wird.
FACELIFT ist ein Trio aus Deutschland, das mit „Holon“ schon das vierte Studioalbum vorlegt, aber bisher noch nicht so richtig bekannt geworden ist. Ob sich das mit „Holon“ ändern wird, weiß ich nicht, etwas mehr Aufmerksamkeit hätte die Gruppe aber schon verdient, denn das Talent für eingängige Melodien ist mehr als vorhanden. Musikalisch gibt es eine Mischung aus Alternative-Rock und Indie-Pop (wie in den späten 80ern/frühen 90ern) mit einigen Einflüssen von Metal bis Wave, die aber nie im Vordergrund stehen. Das ist zwar alles nicht so richtig neu, sondern ziemlich 90er Jahre-mäßig, aber durchweg sympathisch und erfrischend. Schon das 2006er Album „Impossible Somethings“ hat mir ganz gut gefallen und im Großen und Ganzen geht es stilistisch genauso weiter, nur dass der Popcharakter mehr in den Vordergrund gerückt ist und dafür leider ein paar schräge Momente auf der Strecke geblieben sind. Mit Songs wie „Pigs & Cows Are A Girl’s Best Friend“ findet FACELIFT aber einen Platz in meinem Herzen, angesiedelt irgendwo zwischen Blondie, Shelleyan Orphan und Transvision Vamp. Mit „A Cup Of Coffee“ nähert man sich musikalisch auch mal den (poppigeren) Pogues an. Dieser Song im Duett mit Shane MacGowan wäre ein echter Traum und als Single ein potentieller Charterfolg. Wird wohl ein Traum bleiben…aber eine Anfrage bei dem ehemaligen Pogues-Sänger kostet ja erstmal nichts… Hitcharakter hat schließlich auch noch der Titeltrack „Holon“, der sehr treibend daher kommt.
Ansonsten halt ein wirklich gut durchhörbares, angenehmes Album, das keine neuen Maßstäbe irgendwelcher Art setzt, sondern einfach schönen Alternative-Pop abliefert. (A.P.)

BLUEFIELD - Struggling In Darkness

Wiederveröffentlichung: CD 1991 / Emilia Records / Semaphore / CD 27003
Erstveröffentlichung: LP 1991 / Emilia Records / Semaphore / LP 27002

Peter Field ist als Musiker schon seit den 80er Jahren aktiv. Begonnen hat er, wie so viele andere, in Punkbands, orientierte sich aber später auch in die Wave-Szene und spielte eine Weile Bass bei Fliehende Stürme auf der Bühne. Nebenbei hat er Anfang der 90er Jahre auch noch zwei Soloalben unter dem Namen BLUEFIELD aufgenommen und später eines als Peter Field. Dazu gab es Zusammenarbeiten mit Silke Bischoff, The House Of Usher, Shock Therapy und anderen. Ein umtriebiger und eigentlich auch ganz sympathischer Mensch.
Sein erstes BLUEFIELD-Album „Struggling In Darkness“ erschien 1991 als LP und CD und traf ziemlich genau den Nerv der damals in voller Blüte stehenden deutschen Dark Wave-Szene (Das Ich, Project Pitchfork, Love Like Blood, Lacrimosa, Deine Lakaien…). Dementsprechend fand sich auch ein Song auf einem der legendären frühen Zillo-Sampler wieder, wodurch „Time Has Come Today“ zu einem kleinen Szene-Ohrwurm wurde. Der ganz große Durchbruch gelang jedoch nicht und vielleicht gerade deshalb ist „Struggling In Darkness“ bis heute eine Perle geblieben, die eine ganze Reihe schön eingängiger Dark Wave-Songs enthält, neben dem erwähnten Titel vor allem auch „I’ve Been This Way Before“ (Neil Diamond-Cover), der perfekt in einen 80er Jahre Film von John Hughes gepasst hätte und die ultramelodiöse Wave-Ballade „Blue City“. Erwähnenswert auch das „Blade Runner“-soundtrackeske „Elevator“. Mit überwiegend elektronischem Instrumentarium und leicht verzweifelt klingender Stimme wird überraschenderweise eine Gothic-Atmosphäre geschaffen, die eben an Gruppen wie The House Of Usher erinnert, aber ohne Gitarren entsteht. Ungewöhnlich und gerade deshalb ziemlich spannend. Dazu gibt es einige Synthie-Pop- und 80er-Pop-Anklänge…zusammengefasst also: Dark Wave, wie er Anfang der 90er Jahre angesagt war und mir auch heute noch gefällt. Sicher kein großer Genre-Klassiker, ein kleiner aber schon, den es für die heutige Szene zu entdecken gilt. (A.P.)

ONE FOR JUDE - Regeneration


Erstveröffentlichung: CD 2007 / Eigenveröffentlichung

Mit der insgesamt sechsten Veröffentlichung (neben zahlreichen Samplerbeiträgen) liefert das französische Projekt innerhalb von acht Jahren ein weiteres sehr schönes Wave-Album ab. Dabei bezeichnet das Trio seine Musik selbst als „Dark Pop Folk Alternative“. Das geht natürlich auch in Ordnung, vor allem der begriff Pop ist aufgrund der schönen Melodien nicht ganz weit hergeholt. Ich bleibe trotzdem lieber beim Begriff New Wave, wobei ich da an eine Mischung aus The Tear Garden und den poppigen Tracks aus Psychic TVs „Dreams Less Sweet“-Album denke. Sehr melodisch, eingängig und ohrwurmig, zumindest bei den balladesken Songs wie „L’Ebloui“, das wirklich wunderschön ist und auch ein bisschen an die Legendary Pink Dots erinnert. Mit dem deutschsprachigen „Klaus“ kommen zudem Gedanken an „Clair Obscur auf. ONE FOR JUDE ist eine weitgehend unterschätzte Band, die aber trotz ausbleibenden kommerziellen Erfolgs seit 1999 nicht aufgibt und konsequent ihre eigene Idee von Musik unter die hoffentlich wachsende Hörerschaft bringt. Wie immer ein wirklich schönes Album einer wahrlich ungewöhnlichen Gruppe, die man unbedingt entdecken sollte. (A.P.)

Webadresse der Band: www.oneforjude.com

DAMAGE THRESHOLD - Four Of A Kind


Erstveröffentlichung: Mini-CD 2009 / Concrete Jungle

Rawside waren in den 90er Jahren eine der besten deutschen Hardcore-Punk-Bands und wenn ein ehemaliger Gitarrist von denen mit seiner neuen Band DAMAGE THRESHOLD eine CD raus bringt, so ist das Interesse bei mir zumindest erwacht. In klassischer Gesang-Gitarre-Bass-Schlagzeug-Besetzung liefert der Vierer eine gut produzierte (aber dabei nicht zu glatte!) Scheibe ab. Die mich allerdings musikalisch etwas zwiespältig zurück lässt. Der Sound ist feiner Hardcore-Punk, sehr stakkatohaft und treibend. Gefällt mir sehr gut. Der Gesang ist allerdings an reinen Hardcore angelehnt, was zwar viel Energie verbreitet, aber irgendwie nie so mein Ding war, weil die Verwandtschaft zum Metal zu offenbar ist.
Kraftvoll sind die sechs Songs allemal und wer sowohl auf Hardcore als auch auf Punk steht, kann hier bedenkenlos zugreifen. Die Band erscheint technisch ausgereift, ehrlich und eben energisch, dürfte also live auch ziemlich überzeugen. Ich habe einfach nur mit dem Gesangsstil (nicht mit dem Sänger an sich) meine Probleme. Trotzdem, wie Burned Out schon in den 90er Jahren mitteilten: „Hardcore heißt wieder kämpfen!“ (A.P.)

Webadresse der Band: www.concretejunglerecords.com


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