ATLANTIC POPES - Interview 2000




„MAN SOLLTE DEN TREND KREIEREN UND NICHT NACHAHMEN“

Vor einigen Monaten stiess ich eher zufällig beim surfen im www auf die ATLANTIC POPES, als ich die offizielle Website von der Band Alphaville, die zu meinen ewigen Lieblingsbands gehören, ansah. Dort war ein Link zur Seite www.atlanticpopes.de und ich fand schnell heraus, daß es sich hier um ein Projekt von Alphaville´s Bernhard Lloyd mit einem gewissen Max handelte. Ohne zögern bestellte ich die CD online und hielt nach wenigen Tagen ein wahres Schätzchen in den Händen. Meine Kritik hierzu kann ebenfalls auf den Back Again-Seiten nachgelesen werden. Schnell habe ich Pläne geschmiedet, wie man diese noch recht unbekannte Band ein wenig unterstützen könnte. Natürlich gehört dazu auch ein kurzes Interview, das per Email geführt wurde und im folgenden zu lesen ist...

Warum gibt es die ATLANTIC POPES? Ein paar allgemeine Infos für alle Leute, die Euch noch nicht kennen...

AP gibt es, weil Max und ich uns letztes Jahr endlich dazu entschlossen haben, die Früchte unserer 10jährigen sporadischen Zusammenarbeit an die Öffentlichkeit zu bringen. Wir sind sehr, sehr gute Freunde und haben uns immer wieder getroffen, obwohl Max in Düsseldorf und Frankreich (wo wir uns auch das erstemal getroffen haben) wohnt und ich in Berlin. Wir haben immer mit sehr viel Spaß an den Songs gearbeitet...ohne den Druck es veröffentlichen zu müssen. Das war für mich äußerst befreiend nach dem Streß der mit jeder Alphaville-Veröffentlichung einherging. Ich denke Max und ich haben so über die Jahre einen eigenständigen Stil entwickelt, der unsere homogene und harmonische Arbeitsweise wiederspiegelt.

Weshalb habt Ihr Euch entschieden, das Debutalbum im Eigenvertrieb über das Internet zu veröffentlichen? Habt Ihr überhaupt versucht, bei einer Plattenfirma unterzukommen (oder neudeutsch: unter zu kommen?), oder habt Ihr Euch gleich für den jetzigen Weg entschieden?

Wir haben noch nicht einmal die Möglichkeit in Erwägung gezogen uns einen normalen Deal bei einer gewöhnlichen Plattenfirma zu besorgen. Wir wollten Unabhängikeit und Direktheit. Die Möglichkeit des eigenständigen Vertriebs über das Internet, war einer der Gründe, das Projekt überhaupt an die Öffentlichkeit zu bringen.
Wir haben über unsere eigene Website www.atlanticpopes.de die Möglichkeit uns und unsere Musik darzustellen, und direkten Kontakt aufzunehmen. Es macht sehr viel Spaß diese Unabhänigkeit und Eigenständigkeit zu zelebrieren. Zudem finde ich es sehr wichtig, den gesamten Ablauf einer Veröffentlichung hautnah mitzubekommen und zu gestalten. Ich habe es immer als sehr entfremdend empfunden, wenn ich plötzlich die AV-CDs, die ein paar Wochen vorher noch als einzelnes Masterband in unserem Studio lagen, in allen möglichen Plattenläden sah.

Wie können potentielle Fans und Hörer überhaupt auf Euch stoßen, ausser über diverse Alphaville Seiten im www?

Die AV-Seiten sind natürlich der ""kürzeste"" Weg, aber auch über viele Musikseiten insbesondere Synthpopseiten im Internet und natürlich alle Suchmaschinen kann man auf uns stoßen. Und wenn man erstmal auf unserer Seite gelandet ist, kann man sich ja komplett informieren, die Musik hören und sogar die CD direkt bei uns bestellen. Einen direkteren Weg zwischen Musiker und Hörer kann ich mir nicht vorstellen. Aber es stimmt, daß es nicht so ganz einfach ist eine neue Website bekannt zu machen. Wir sind da aber ganz geduldig und zielstrebig.

Daß Bernhard bei Alphaville ist, weiß fast jeder, aber was gibt es interessantes über die musikalische Vergangenheit von Max zu berichten? Warum hat man (bzw. zumindest ich) eine so warme, ausdrucksstarke Stimme nicht schon irgendwo gehört? Oder bin ich nur taub durch die Musikgeschichte gelaufen?

Nein Du bist nicht taub durch die Musikgeschichte gelaufen. Es stimmt daß Max bisher auf noch keiner veröffentlichten CD zu hören war.
Bevor Max und ich uns 1989 trafen, hatte er schon eine Zusammenarbeit hinter sich. Aus dieser Phase sind ja auch noch einige Stücke auf dem Album. Seit diesem Zeitpunkt beschränkt sich seine musikalische Arbeit auf die Zusammenarbeit mit mir und die Früchte dessen kann man ja jetzt hören. Ansonsten hat Max noch viele andere Dinge gemacht, ich würde ihn als ein Multitalent und Lebenskünstler beschreiben. Seine Spannbreite reicht vom Videoproduzenten bis zum Koch. Ein echter Genußmensch.

Ihr bezeichnet Euch selber als Projekt und nicht als Band, muß man befürchten, daß es bei einer einmaligen Zusammenarbeit bleibt und sich jeder nun wieder anderen Dingen zuwendet? Oder gibt es schon Pläne für die
Zukunft?

Die Zusammenarbeit geht weiter, dies ist ganz sicher keine einmalige Angelegenheit, sondern nur der Startschuß.
Mit dem Begriff Project, im Unterschied zu Band, ist gemeint, daß wir uns alle möglichen Formen von Musik vorstellen können die wir hier der Öffentlichkeit zugänglich machen. Wir wollen Musik produzieren, aber
sicherlich keine Live-Auftritte machen...wie es Bands normalerweise tun.

Darf man vielleicht sogar hoffen, Euch mal live auf der Bühne zu sehen? Ich könnte mir vorstellen, daß Eure eingängigen Melodien und der einfühlsame Gesang von Max in kleinen gemütlichen Clubs eine großartige Atmosphäre heraufbeschwören könnten, die man beim Hören einer CD zu Hause nicht schaffen kann...

Ja wie schon gesagt Live-Auftritte sind nicht unser Ding. Wir lieben es, im Studio unseren Vorstellungen und Ideen die passende Athmosphäre zu verschaffen.

Erklärt mal den Sinn und Zweck dafür, daß die Fans auf Eurer Homepage Ihren Lieblingssong von Euch wählen können...wollt Ihr einfach vom Gewinnersong einen Remix als Geschenk für die Fans machen oder versucht Ihr herauszufinden, welcher Titel für eine Auskopplung aus dem Album geeignet wäre?

Doppelter Volltreffer. Sowohl als auch. Natürlich möchten wir den Fans ein Geschenk machen, und ihre Meinung ""erforschen"", um den richtigen Song als Single auszukoppeln. Zudem betrachten wir das als ersten kleinen Schritt das
Publikum an unserer Arbeit zu beteiligen. Der interaktive Gedanke ist uns sehr wichtig und ja auch erst durch das Internet wirklich möglich. Man hat ja selbst als Musiker eine sehr eigene Wahrnehmung der Songs die man geschaffen hat und liebt sie alle gleich, da ist es doch sehr hilfreich, diese Response zu bekommen zumal wir ja nicht live auftreten.

Könntet Ihr Euch vorstellen, ein ähnliches Projekt durchzuziehen, wie AND ONE, die ihre Fans aufgefordert haben Samples zu schicken, von denen sie einige dann auf ihrem nächsten Album in den Liedern benutzen werden? Natürlich kann man nicht genau das gleiche Konzept durchziehen, aber was haltet Ihr von dieser Idee? Oder könnte das nur ein Promo-Gag sein?

Ob Promogag oder nicht, so etwas wie AND ONE da anbieten finde ich grundsätzlich gut, ähnliche Dinge können wir uns sicher auch vorstellen. Das fördert in jedem Fall den kommunikativen Austausch. Und das ist doch das worum es geht.

In welchen Farben würdet Ihr den Menschen malen, den Ihr am meisten liebt und wie würdet Ihr den meistgehassten Menschen darstellen?

Den geliebten Menschen rot orange gelb und blond...

Hassen tue ich eigentlich nicht wirklich. Unsympathische Menschen wären bei mir olivgrün bis kackbraun.

Eure Texte scheinen recht persönlich zu sein und nicht immer leicht verständlich. Das Wort ""You"" scheint eine Art Schlüsselwort zu sein, kommt es in den Texten doch unzählige Male vor. Auch herrscht eine eher melancholische Grundstimmung vor...könnt, bzw. wollt Ihr das näher erläutern, oder habe ich das völlig falsch verstanden? Könnt Ihr Euch vorstellen, auch mal tetlich zu aktuellen politischen/gesellschaftlichen Themen Stellung zu nehmen?

In den Texten geht es sehr oft um menschliche Beziehungen, menschliches Verhalten, und die Beobachtung dessen. Es scheint tatsächlich so als stehe der Protagonist im ständigem Zwiegespräch mit einer anderen Person wobei nicht genau klar ist ob diese andere Person auch anwesend ist. In einigen Songs geht es um sehr persönliche Gefühle wie z.B. ""Ice"" und ""Skin"", in anderen wie ""Dogs"" und ""Love"" eher um die Beobachtung dessen was die ""Anderen"" so umtreibt. Als melancholisch würde ich die Grundstimmung nicht bezeichnen, eher lasziv und romantisch, erotisch und eindringlich, manchmal ironisch und sarkastisch. Politisch/Gesellschaftliche Themen werden in Songs wie ""World"" und ""Freedom"", wenn auch auf eine sehr persönliche Art und Weise, behandelt. Ich finde Politik fängt immer damit an wie man sich selber verhält.

Welche Art von Musik und welche Bands hört Ihr selber gerne (womit nicht unbedingt gemeint ist, wer Euch direkt beeinflusst hat) ?

Ich höre gerne Enya, A-ha, Moby, und nach wie vor alles was elektronisch ist. Ich kann mich meinen Kraftwerkwurzeln nicht entziehen. Bei Max ist das nicht so eindeutig festzulegen, der kommt immer wieder mit Sachen an die mir im ersten Augenblick fremd sind, und bis heute weiß ich eigentlich nicht ob er Alphaville-Musik überhaupt mag.

Wann wäre Eure CD für Euch ein Erfolg? Wenn eine bestimmte Zahl verkauft wird, oder wenn ein, eventuell auch nur kleiner, Kreis von Hörern die CD wirklich liebt und zu schätzen weiss?

Letzteres selbstverständlich, auch wenn wir nichts dagegen haben wenn dieser Kreis von Hörern möglichst groß ist. Eine Zahlenvorgabe haben wir jedenfalls nicht.

Könnt Ihr Euch vorstellen, Eure Musik auch visuell in Form von Videos umzusetzen oder arbeitet Ihr eventuell schon daran? Wäre das einfach aus künstlerischer Sicht interessant für Euch oder nur, wenn abzusehen ist, daß die Musiksender die Clips auch spielen würden?

Selbstverständlich ist die visuelle Umsetztung der Songs interessant für uns, und im kleinen Rahmen passiert das ja auch schon auf unserer Webseite. Mit Flash-Animationen wie wir sie verwenden ist vieles möglich. Eine konventionelle Videoproduktion ist für uns rein budgetmäßig nicht möglich und ist auch gar nicht angedacht. Wir werden aber sicher die Animationsgeschichten weiter entwickeln. Ein normales Musikvideo macht aus Kostengründen NUR dann Sinn wenn Viva und MTV es senden. Bei den allermeisten dieser Clips bleibt der künstlerische Aspekt ja auch auf der Strecke.

Du hast erwähnt, daß Max auch schon was als Videoproduzent gemacht hat, wäre es da nicht naheliegend, etwas zu machen, was über Computer-Animationen hinausgeht? Könnte man nicht, um den ""Selbstmach""-Gedanken weiter zu spinnen, ein Video auch völlig autonom mit geringsten Mitteln produzieren, d.h. inclusive Kameraführung, Schnitt etc. bleibt alles in Eurer eigenen Hand, bzw. bei befreundeten Leuten?

Es wäre sicher möglich ein Video selbst zu produzieren. Aber es stellt sich die Frage wofür? Wenn es nicht gesendet wird, wäre es ein totgeborenes Kind, und die Auswahlkriterien der Musiksender sind extrem kommerziell. Da verwenden wir unsere Energie im Moment lieber auf Formate die im Internet funktionieren. Und auf die Musik!

Inwieweit würdet Ihr Kompromisse eingehen, um auch kommerziell erfolgreich zu werden?

Künstlerisch und musikalisch würden wir keine Kompromisse eingehen, aber wir haben uns ja selber den Raum geschaffen um nicht von außen unter Druck gesetzt werden zu können. Ich glaube nicht das wir jemals auf die Idee
kommen, irgendwelchen angesagten Trends hinterher zu laufen die uns nicht gefallen. Wobei das aber sowieso nicht erfolgsversprechend ist, man sollte den Trend kreieren und nicht nachahmen.

Habe ich vergessen, etwas wichtiges zu fragen? Hier könnt Ihr den Lesern alles mitteilen, was Ihr wollt!

Everybody is a POPe!
Have fun with www.atlanticpopes.de
+0:-)

Vielen Dank an Bernhard für die Beantwortung der Fragen. Ich würde mich wirklich freuen, wenn das Interview dazu beiträgt, daß wieder ein paar Leute mehr auf die ATLANTIC POPES stossen und die wirklich geniale CD bestellen und genauso lieben lernen, wie ich. Besucht die wirklich schön gestaltete Bandsite unter www.atlanticpopes.de , die sich wirklich von anderen, typischen Bandseiten abhebt. (A.P.) (A.P.)

Webadresse der Band: www.atlanticpopes.de

COMPILATION - Neue Klänge Für Die Endzeit


Erstveröffentlichung: CD / Impact Records / Broken Silence / IR-C-238

Wenn man mal von den frühen deutschen Szene-Samplern absieht, beginnt die Deutsch(e)- Punk-Sampler-Geschichte wahrscheinnlich mit dem ersten „Soundtracks Zum Untergang“-Sampler und dem Nachfolger und mit „Die Deutschen Kommen“ und später der „Keine Experimente“-Reihe, so wie „Ultra Hardcore Power“ und „Life’s A Joke“. Damit wurde eine bis heute andauernde Welle von Zusammenstellungen ausgelöst, die im Prinzip fast jeder deutschen Punkband die Möglichkeit bot, auch mal auf Vinyl oder CD zu kommen. Besonders hervor taten sich in den 90ern Labels wie A.M.Music, Impact Records und Wolverine, in den letzten Jahren auch Nix Gut Records, von den ungezählten Beilagen zu Fanzines und größeren Magazinen mal ganz abgesehen. Feine Sache eigentlich, denn so konnte man im Laufe der Zeit für relativ wenig Geld eine recht ansehnliche Musiksammlung aufbauen. Leider waren viele mittelmäßige und auch eine ganze Menge echt schlechte Sampler dazwischen, aber wen stört das schon?
Nicht zu den schlechten gehört „Neue Klänge Für Die Endzeit“ von Impact. Hier werden bisher eher unbekannte Bands zusammengefasst, lobenswerterweise mit jeweils zwei Tracks, von denen einige echt das Zeug haben, sich längerfristig in die Gehörgänge der Meute zu fressen. Dazu gehören ganz sicher die Hamburger NEUE KATASTROPHEN, ganz in alter Hamburger Tradition des etwas „anspruchsvolleren“ Hamburger Punks im Stile von Razzia, und die Ruhrgebietler FRONT, die dem ganz frühen Punk (Abwärts, Mittagspause…) huldigen. Irgendwo zwischen Bluttat und Hans-A-Plast findet man SUPABOND, die live bestimmt auch ordentlich für Bewegung im Publikum sorgen. FEINDBILD klingen nicht nur vom Bandnamen her ganz klassisch nach Deutschpunk, sondern erinnern auch musikalisch an Helden wie Toxoplasma, Canal Terror, OHL, Boskops und wie sie alle hießen. Ähnlich sieht es bei ERNÄHRUNGSFEHLER aus. KOMMANDO KAP HOORN zeigen sich ziemlich Hardcore-beeinflusst und dann ist da noch die Fraktion, die mehr oder weniger deutlich von Bands wie EA80, Fliehende Stürme, Dackelblut/Oma Hans und anderen beeinflusst ist, also ZWEI TAGE OHNE SCHNUPFTABAK (bester Bandname auf dieser CD), DIE ANGST (schlechtester Bandname auf dieser CD) und KONTAKT 46. Da eben von jeder Band zwei Songs vertreten sind, kann man sich einen ganz guten ersten Eindruck verschaffen und dann entscheiden, von welchen Gruppen man mehr hören möchte. Ich empfehle einfach mal NEUE KATASTROPHEN, FRONT und 2 TAGE OHNE SCHNUPFTABAK, aber auch alle anderen Bands sind keine Ausfälle. Schicker Sampler zum kennen lernen neuer Gruppen. (A.P.)

ZOFF - Mehr Vom Alten


Erstveröffentlichung: CD 2008 / Sireena Records / Sireena 2030

Bereits 2002 erschien das Album “Alles Beim Alten” von ZOFF mit alten und neueren Aufnahmen der Deutsch-Rock Band, die auch in NDW-Zeiten einige Erfolge feiern konnte, ohne jedoch jemals NDW-Musik zu spielen. Damals wurde halt alles, was deutschsprachig war und „freche“ Texte hatte in diese Schublade gesteckt. Nun also „Mehr Vom Alten“ mit Stücken, die auf den LPs aus den Jahren 1982 bis 1984 auf Ralph Siegels Label Jupiter Records erschienen sind und die Stücke von einer Solo Maxi von Bandchef Rainer „Zoff“ Hänsch. Ein paar begleitende Worte zu Beginn und Ende gibt es von dem in Würde gealterten Herrn auch noch. Letztendlich ist das, was hier geboten wird irgendwo zwischen Blues Rock, mit Wurzeln in den 1970er Jahren, und Deutsch-/Kölsch-Rock angesiedelt, musikalisch sicher nicht besonders aufregend, aber zumindest eingängig dargeboten. Was ZOFF von vielen vergleichbaren Bands abhebt sind die ganz netten Texte, die weniger die übliche Betroffenheitslyrik bieten, sondern durchaus humorvoll und unpeinlich sind. Paradebeispiel ist da „Faxen Machen“, ein Statement gegen das erwachsen werden, das mir absolut sympathisch ist, sicher einer der Hits des Albums. Die Songs des 1984er Albums klingen dann weniger rockig, sondern fast wie ein drittes Markus-Album.
Fan von ZOFF werde ich sicher nicht mehr, im Deutsch-Rock-Bereich ist die Gruppe aber auf jeden Fall eine der sympathischeren. Dazu ist die Aufmachung der CD, beziehungsweise des Faltbooklets ganz gut gelungen. Trotzdem eher ein Werk für Fans, Sammler und Wegbegleiter. (A.P.)

Webadresse der Band: www.sireena.de

ATEMNOT - 20 Jahre Punk

Wiederveröffentlichung: CD 2009 / Puke Music-SN-Punx / Broken Silence / PM030CD-SNP003CD
Erstveröffentlichung: LP 2009 / Puke Music-SN-Punx / Broken Silence / PM030LP-SNP003LP

ATEMNOT wurde 1989 gegründet, in bewegten Zeiten also, als nicht zuletzt durch die Maueröffnung und die bald folgende Einverleibung der DDR durch die BRD deutsche Punkmusik eine neue Blüte erlebte, nachdem zuvor einige Jahre wenig in diesem Bereich passierte. Hardcore beherrschte die harte Musik und nur einige alte Bands hatten die guten Zeiten Anfang der 80er Jahre überstanden. Ansonsten gab es Fun-Punk. ATEMNOT hingegen orientierten sich deutlich am guten alten Deutsch-Punk im Stile von Canal Terror, Normahl, Daily Terror und wie sie alle hießen. Von 1993 bis 1998 erschienen einige Platten, die von den Straßen-Punks geliebt wurden und von den „alten“ Punks einhellig als zu stumpf abgelehnt wurden. ATEMNOT ließen sich jedoch nicht beirren und brachten ihren treibenden Punk-Rock mit Texten gegen Bullen, Staat, Nazis und den sonst üblichen Themen unter die Leute. Dann gab es eine mehrjährige Pause und seit 2004 ist die Band wieder aktiv. Es gab zahlreiche Umbesetzungen und von der Urbesetzung ist niemand mehr dabei. In der Hochphase der Gruppe war jedoch Sänger Einhorn immer der bestimmende Faktor und dieser führt das Erbe der Band bis heute weiter. Nun ist die Gründung schon gut 20 Jahre her, was ein schöner Anlass ist, ein neues Album der Meute zum pogen vorzuwerfen. Und da es immer noch ständig neue Jugendliche gibt, die sich vom Deutsch-Punk-Virus anstecken lassen, wird auch diese Platte ihre Fans finden.
Dabei hat sich zum Glück nicht viel verändert. Es ist immer noch lupenreiner Deutsch-Punk, der die Geister scheiden wird. Klar, die Soundqualität und sicher auch das spielerische Können der heutigen Bandmitglieder geben mehr her, als in der Anfangszeit. Doch das Schlagzeug scheppert immer noch schön stumpf vor sich hin. Die Texte liefern immer noch die Mitgröhlparolen für den Hass gegen unseren Staat, in dem wir uns doch alle so gemütlich eingerichtet haben. Innerlich hegen wir jedoch einen Groll gegen ihn, den wir mit solchen Platten schön ausleben können. Das ist jetzt gar nicht so kritisch gemeint, wie es klingt. ATEMNOT haben ihre Nische gefunden und machen ihre Sache gut. Wahrscheinlich sind sie auch glaubwürdiger, als die heutigen Normahl, mit denen sie musikalisch durchaus vergleichbar sind. Immerhin erwarte ich von ATEMNOT niemals so eine miese Fußballhymne, wie sie Normahl 2006 zur WM in Deutschland abgeliefert haben, wohl in der Hoffnung damit einen Überraschungshit zu landen und ordentlich Kohle einzufahren.
Wer bisher auf ATEMNLOS stand, kann auch hier bedenkenlos zugreifen. Wer auf klassischen Deutsch-Punk steht ebenso. Wer jedoch ausgeklügelte Texte und Kompositionen eines Jens Rachut oder der späten Slime und Razzia erwartet, ist hier an der falschen Adresse. Dies ist Jugendzentrumspunk zum mitgröhlen und rumpogen im besten Sinne. (A.P.)

BLONDIE - Singles Collection: 1977-1982


Erstveröffentlichung: Doppel-CD 2009 / Emi / 50999996803721

Neben Tina Turner ist Deborah Harry wohl eine der ganz wenigen Musikerinnen, die in den 60er Jahren begonnen haben und bis heute immer noch relevant und in Würde gealtert sind. Nun, mit Tina Turner kann ich musikalisch nichts anfangen, anerkenne aber ihr Lebenswerk. Bei Debby Harry ist das ganz anders, denn seit den frühen 1980er Jahren, als sie ihre ganz großen Hits mit BLONDIE hatte, kann ich mich als Fan (wenn auch nicht als Sammler) bezeichnen. 1999 habe ich die Band live in Hamburg gesehen, als sie mit der Single „Maria“ und dem Album „No Exit“ ein fulminantes Comeback feiern konnte und man mag es glauben oder auch nicht, die damals 54jährige hat ein unglaublich gutes Konzert abgeliefert, das in keiner Sekunde nach Geld-scheffeln oder peinlichem nicht-abtreten-können aussah. Inzwischen ist die Dame Mitte 60 und sieht immer noch blendend aus. Grund genug für die EMI zum bevorstehenden Weihnachtsgeschäft eine Compilation auf den Markt zu werfen. Klar, Best Of-Kopplungen von BLONDIE gab es schon einige, diese ist jedoch trotzdem etwas Besonderes. Auf zwei CDs finden sich alle 15 Singles bis zur ersten Auflösung der Gruppe 1983, und zwar inklusive der B-Seiten. So finden sich neben allen großen Hits auch zahlreiche Perlen, die weniger bekannt sind und teilweise wohl auf CD noch nicht erhältlich waren. So ergibt diese Zusammenstellung auch für Sammler Sinn. Mit dieser Zusammenstellung kann man auch gut hören, wie die Band sich im Laufe der Zeit verändert und entwickelt hat, von den frühen Rock’n’Roll/Beat-beeinflussten Stücken, über die leicht punkige Phase und New Wave bis hin zu Disco, Pop und sogar Rap hat die Gruppe alles mögliche ausprobiert, meist aber, BEVOR diese Stile den Massenmarkt erreichten. Man kann den Einfluss von BLONDIE auf die Musikszene der letzten gut 30 Jahre gar nicht hoch genug einschätzen, dabei blieb die Gruppe aber immer glaubwürdig und das soll ihr erstmal einer nachmachen. Spätestens seit den 90er Jahren beherrscht Produzenten-Pop zumindest in Deutschland die Charts und wenn man sich das mal vor Ohren führt, weiß man erst, was die Welt an BLONDIE hatte. Das Booklet enthält Coverabbildungen und Credits zu allen Singles, leider aber keine weiteren Linernotes oder gar seltenes Bildmaterial. So eine große Investition wollte man bei EMI wahrscheinlich doch nicht eingehen. Alleine die Zusammenstellung selbst ist aber schon ein großes Lob wert. Die Hits nenne ich hier mal, obwohl sie jeder kennt: „Denis“, „Hanging On The Telephone“, „Heart Of Glass“, „Sunday Girl“, „Dreaming“, „Atomic“, „Call Me“, „The Tide Is High“ und „Rapture“. Die ganzen Perlen auf den B-Seiten soll jeder für sich selber entdecken, aber glaubt mir, es sind genug Songs dabei, die selber das Zeug zu einem A-Seiten Hit gehabt hätten. Für Fans eine Schatzkiste, für Neueinsteiger eine gute Grundlage, um BLONDIE kennen zu lernen. Fast perfekt also. (A.P.)

FIN - Kaleidoscoped


Erstveröffentlichung: CD 2006 / Eigenveröffentlichung

FIN ist ein noch recht junges Alternative-Rock-Trio aus Deutschland, das mit „Kaleidoscoped“ ein selbst produziertes und veröffentlichtes Album vorlegt, das sich kaum hinter professionellen Produktionen von großen Bands auf großen Labels verstecken muss. Zu hören gibt es rockigen, kraftvollen Sound mit gutem Gesang und ebenso guten Melodien. Einzig die eigene Note fehlt noch ein bisschen, zu oft hat man ähnliches schon gehört, als dass die Gruppe sich aus der Masse besonders hervortun könnte. Sie selbst nennen es modern Rock, ich bleibe einfach mal bei Alternative mit einem guten Schuss Grunge und denke, ich treffe damit den Nagel ziemlich mittig auf den Kopf. Live dürfte die Band mit viel Energie auf der Bühne sein und so einiges wegblasen. Wenn jetzt noch ein bisschen mehr Eigenständigkeit und vielleicht die eine oder andere Ecke und Kante dazu kommen, könnte man schon bald mehr von FIN hören, vielleicht springt ja sogar mal ein richtiger Hit raus. Jung genug sind die Herren ja noch und das Potential ist auf jeden Fall vorhanden. (A.P.)

Webadresse der Band: www.homeoffin.de

GRETA IDA - Lunatic


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Von Grafenwald Records / Soulfood Music

Was immer auch Fans der Untoten vom Soloprojekt der Sängerin erwartet haben, „Lunatic“, das Debütalbum von Greta Ida Csatlos, ist es mit Sicherheit nicht. Dabei wäre es doch so einfach gewesen, ein szenekompatibles Werk abzuliefern, ein düster schönes Gothic Album im Stil der Untoten. Aber Greta Ida ist immer für Überraschungen gut und ich denke gerade das macht auch einen großen Reiz von ihr als Künstlerin aus. „Lunatic“ jedenfalls ist ein 70er Jahre Rock – Pop – Album mit Countrytouch, sehr eingängig und mitunter sogar beschwingt.



„Lunatic ist kein Gothic Album, weil es kein Gothic Album sein sollte“, meint Greta ganz frech über myspace zu mir. Gothic in seiner für sie selbst schönsten Form mache sie mit den Untoten ja schon, dafür hätte es für sie nun kein eigenes Soloalbum gebraucht. Sie wollte einfach ein Album entstehen lassen, das komplett auf sich und ihre Persönlichkeit zugeschnitten ist. Ihre Leidenschaft gilt den Rockbands der 70er Jahre, für Greta Ida ist diese Art der Musik sexy und irgendwie wild. Auch der Plattenschrank ihrer Tante, der von Cat Stevens bis Neil Young reicht, hat wohl ebenfalls seine Spuren hinterlassen.

Aufgenommen hat Greta das Album zum einen in Leipzig und zum anderen in Budapest, so daß sich auch erklärt, warum ein Song „Budapest“ heißt. Greta versucht ihre ungarischen und ihre deutschen Wurzeln auf diesem Album zu vereinen. Zwar hat die Sängerin einen Großteil ihres Lebens in Deutschland verbracht, aber entdeckt auch immer wieder Eigenheiten an sich, die eher ihrer ungarischen Mentalität entsprechen.

Der Titeltrack „Lunatic“ hat bereits Airplay bei Radiosendern, wobei alle Texte des Albums englisch gesungen sind. Das deutet ein wenig darauf hin, daß Greta Ida auch ein Publikum fern von Untoten Fans erreichen will. Die Sängerin bestätigt diese Annahme, ihr Soloprojekt ist internationaler angelegt und soll auch das Ausland ansprechen. Sie habe sehr viele internationale Fans und möchte auch gern über Deutschland hinaus arbeiten, was mit deutschen Texten schwierig ist.

Die bisherigen Reaktionen auf „Lunatic“ zeigen, daß die Fans des Albums querbeet zu finden sind, von Rock und Metalfans, die auf schöne Frauenstimmen stehen, über Pop und Country-Hörer reicht die Palette. Vielleicht liegt das auch daran, dass dieses Album sehr frei gehalten ist, ein Konzept – wie meist bei den Untoten- ist nicht vorhanden und wäre eher hinderlich.
Ab jetzt wird es regelmäßig Veröffentlichungen von Greta geben, da die Sängerin es genießt, ein eigenes Projekt im Aufbau zu haben. Aber keine Angst, die Untoten werden definitiv nicht leiden, denn wie Greta verrät, wird sich auch hier im Herbst viel tun. Gerade hat sie mit David Untoten unplugged aufgenommen, was im Oktober herauskommen wird. Im November wird dann das nächste reguläre Untoten Album erscheinen, an dem beide gerade arbeiten.
Im August werden die Untoten auf dem M´Era Luna spielen, was der Beginn eines aufregenden Untoten Jahres werden wird! (Maximilian Nitzschke)

SALTATIO MORTIS - Wer Wind sät


Erstveröffentlichung: CD 2009 / Napalm Records

An einem Wintertag im Jahr 2000 trafen auf einem Mittelaltermarkt einige Musiker zusammen, die ungeachtet ihrer verschiedenen musikalischen Wurzeln, das Interesse an mittelalterlichem Liedgut verband. Man fand untereinander zu einem harmonischen Zusammenspiel und gründete schließlich ein gemeinsames Bandprojekt um zukünftig mit Dudelsäcken und Trommeln die Bühnen der Märkte zu bevölkern. Man gab sich den wohlklingenden Namen „Saltatio Mortis“ und setzte sich den Anspruch lauter und besser zu spielen als der Sensenmann Höchstselbst – „Wer tanzt, stirbt nicht!“

Das Septett spielte zu Beginn akustische Marktmusik und erfreute sich schon rasch einer Fangemeinde. Die Nachfrage nach einem Tonträger führte schon ein Jahr später zu „Tavernakel“ – einem akustischen Querschnitt durch die Top Ten der Mittelalter Marktmusik. Doch auf den puren Mittelaltersound wollte man sich nicht beschränken- schließlich waren die Mitglieder auch mit modernen Musikstilen vertraut und verspürten die Lust auf Crossover. Bereits 2002 – die Band war nun beim Label Napalm Records unter Vertrag- erschien mit „Das Zweite Gesicht“ ein Album, das mittelalterliche mit modernen Einflüssen vermischte. Zeitgleich rückte auch Alea, der Bescheidene, in den gesanglichen Vordergrund. Ihre deutschsprachigen Texte thematisierten vor allem Liebe, Leidenschaft, Leben und Tod. Den ersten große Hit beinhaltete das Album bereits: „Dunkler Engel“ und landete auch umgehend in den deutschen Alternative Charts.
Mit dem nun beginnenden Rockprojekt eröffneten sich für die Jungs weitere Möglichkeiten für Konzertauftritte außerhalb von mittelalterlichen Märkten. Rasch erreichten Saltatio Mortis einen Bekanntheitsgrad neben renommierten Bands wie Schandmaul, In Extremo oder Tanzwut. Parallel dazu werden ihre Wurzeln nie vernachlässigt, denn 2003 veröffentlicht man ein weiteres akustisches Album mit dem Titel „Heptessenz“- eine Sammlung diesmal weniger bekannter Texte des Mittelalters, die aber durch die Interpretation von Saltatio Mortis etwas sehr modernes erhalten. Das Album elektrisierte die Mittelalterszene und gilt nach wie vor als eines der besten Mittelalter – CDs der vergangenen Jahre. Im folgenden Jahr galt das Augenmerk wieder der neuzeitlichen Musik. Das Album „Erwachen“ überraschte mit deutlich in den Vordergrund gerückten Rockelementen und einem weiteren großen Hit: „Falsche Freunde“. Ihre Popularität konnten die Jungs als Supportakt von Subway to Sally und auf zahlreichen Festivals nur ausbauen. Die musikalische Hinwendung zu mehr Rock stand der Band sehr gut und führte letztlich zum typischen Saltatio Mortis Stil. 2005 erhielt dieser mit dem Album „Des Königs Henker“ eine weitere Steigerung, denn musikalisch härter und gitarrenlastiger Sound dominierte dieses Album. Das Publikumsinteresse reichte fortan weit über die eingeschworene Fangemeinde hinaus: Das Album verbuchte einen direkten Einstieg auf Platz 54 in die Media Control Charts und auch bei Festivals bildete Saltatio Mortis oftmals die Headlinerposition. Wer jedoch lieber die Marktmusik haben wollte, wurde keinesfalls enttäuscht, denn „Manufactum“ bot noch im selben Jahr einen Live Mitschnitt eines Markt-Konzertes der Jungs.
2006 erfolgte mit dem Ausscheiden gleich dreier Bandmitglieder der erste Umbruch im Line-Up der Band: Die Fackel, Ungemach und Dominor entschieden sich dazu, fortan eigene Wege gehen zu wollen. Aber neue Kollegen rückten auf die freiwerdenden Positionen und so wird in neuer Besetzung 2007 das Album „Aus der Asche“ eingespielt. Der mit „Des Königs Henker“ eingeleitete Sound wurde weiter ausgeführt, aber auch europäische mittelalterliche Quellen berücksichtigt. Die Texte sind zunehmend autobiographischer und sozialkritischer – was Saltatio Mortis sehr gut zu Gesicht steht. Den Fans gefiel das, denn das Album verbuchte einen Direkteinstieg auf Platz 29 der Media Control Charts. Zum Jahreswechsel 2008/2009 kam es noch einmal zu einer größeren Umbesetzung: Cordoban der Verspielte und Gründungsmitglied Thoron verließen die Band um sich musikalisch neu zu orientieren. Somit sind Saltatio Mortis wieder sechs Musiker.



Ihr neues Album „Wer Wind sät“ bleibt auch trotz neuer Besetzung dem bisherigen Erfolgskonzept der Band treu. Es wird hochemotionaler Mittelalter-Rock geboten, der durch einen mitreißenden Sound besticht und raffiniert komponiert wurde. Der Opener „Ebenbild“ rockt schon ordentlich los und behält dieses Tempo auch bis zum Schluß, bevor Alea stimmlich echt brilliert. Energiegeladen und reif bringt er auch auf CD die Kraft rüber, die ihm auf der Bühne eigen ist. Der zweite Track „Salome“ befasst sich mit der Geschichtenerzählerin aus 1001 Nacht. Intressant dabei, dass die Rock Lady Doro Pesch für den stimmlichen Part der Salome gewonnen werden konnte. Bereits vor Veröffentlichung des Albums wurde dieser Song auf Live Qualität getestet und ich denke, er wird mit zu den Kulthits der Band zählen in nächster Zeit! Der dritten Song „La Jument de Michad“ zollt eher mal wieder dem mittelalterlichen Liedgut Tribut, allerdings im typischen Saltatio Mortis Rockstil. Ruhig und balladesk hingegen geht es weiter mit „Letzte Worte“. Nachdenklich und textlich selbstkritisch ist er ingesamt fast akustisch gehalten. Mit dem Song „Kaltes Herz“ vertonten Saltatio Mortis erneut ein Märchen. Sozialkritik äußern die Jungs mit dem Song „Miststück“ indem es textlich schon recht schonungslos zur zwischenmenschlichen Abrechnung kommt, aber hört selbst ;-)

Die neuen Texte sind allesamt intelligent und zuweilen sozial- oder selbstkritisch, laden aber auch zum Tanzen und Feiern und nicht nur zum reinen Nachdenken ein. Erstmals konnten für „Wer Wind sät“ auch Gastmusiker der Mittelalterszene gewonnen werden, so spielt Michael Popp von Estampie bzw. Qntal auf dieser CD mit. Ich denke persönlich sehr, dass dieses Album wieder einmal bestätigen wird, dass wer tanzt zum Rhythmus von Saltatio Mortis, gar nicht erst sterben kann! Sänger Alea und seine Jungs klingen energiegeladen und angriffslustig, rocken ab was das Zeug hält ohne aber auch leise und ruhige Töne anschlagen zu können! Ihre Fans lieben sie genau dafür, und ich wünsche ihnen sehr, dass dieses Album den berechtigten Erfolg noch untermauern kann! (Maximilian Nitzschke)

VOCA ME - Bandinfos


Erstveröffentlichung: Sonstiges 2009

Die klassische Bandkonstellation ist Voca Me mit Sicherheit nicht gerade, denn ein Mann und dazu sechs Frauen ist alles andere als die Standartformation im Bereich des Mittelalters. Jedoch die Namen die hinter Voca Me stecken lassen aufhorchen, denn alle sind Sie wahre Größen innerhalb der deutschen Mittelalterszene. Der eine Mann – Michael Popp- hat jahrelange Erfahrung durch seine beiden Bands Estampie und Qntal, die sechs Frauen setzen sich zusammen aus Sabine Lutzenberger von Helium Vola, Sigrid Hausen von Estampie bzw. Qntal, Lisa Pawelke von Almara bzw. Estampie, Natalia Lincoln von ehemals Unto Ashes und Sarah M.Newman ehemals auch Unto Ashes und mittlerweile Estampie. Dieses Allstarensemble widmete sich bei ihrer ersten Produktion einer ganz außergewöhnlichen Thematik, aber irgendwie war bei diesen Namen auch etwas anspruchsvolles und herausforderndes zu erwarten!



Während im Mittelaltergenre die Kompositionen von Hildegard von Bingen schon auf sehr vielfältige Weise vertont wurden, geht es beim bisher noch unbetitelten Debütalbum von Voca Me um Kassia, einer Komponistin aus Byzanz des 9.Jahrhunderts. Rund 250 Jahre vor der wesentlich bekannteren Nonne, schuf diese eine große Zahl faszinierender Werke, derer sich nun unter anderem Michael Popp angenommen hat. Nicht ohne Stolz erzählte er mir, über das Ergebnis der Beschäftigungen. Entstanden sei eine sehr meditative Musik, eine Art zurück zu den Wurzeln Platte für alle beteiligten Künstler. Basierend auf ganz klassischer Musik, wird das Album die allererste Einspielung der ältesten von einer Frau geschriebenen Kompositionen. Michael munkelt, ob es nicht gar ausgerechnet diese Produktion sein wird, an die man sich bei ihm erinnern wird, durch ihre Einzigartigkeit und musikalische Hochwertigkeit.



Einen Zugang zu finden war sogar für den Multiinstrumentalisten, der inzwischen auf über 20 Jahre Erfahrung zurückblickt, nicht so einfach. Erst einmal musste entschieden werden, wie so etwas aufgenommen werden soll.Da es keine byzantinischen Frauenchöre gibt, an denen man sich hätte orientieren können, näherten sich Voca Me dem geballten Material mittels der Erfahrungen und des Wissens aller beteiligter Künstler. Dieser Wissenstransfer dürfte sehr inspirierend und produktiv gewesen sein, gerade wenn man sein Wissen auf etwas völlig Neues übertragen kann.

Entstanden sind sehr abwechslungsreiche Arrangements die mal solistisch, dann wieder als Duett,mal a capella, instrumentiert oder als gesammter Chor funktionieren. Es ist sehr fein abgestimmte Musik, die ein sehr reiches Spektrum bietet, wenn man bereit ist sich tief hineinzuhören. Schon bald können sich die Fans authentischer Mittelaltermusik ein Bild dieser Arbeit machen! (Maximilian Nitzschke)

DER ENDGEGNER - Revenge Of The Return Of The Dawn Of The Doom


Erstveröffentlichung: CD-EP 2009 / Eigenveröffentlichung

Was vom Cover und der Betitelung zunächst erscheint wie ein Projekt von Commodore C64- und Amiga 500-Fans, die gleichzeitig die Splatterfilme der 80er Jahre lieben stellt sich als etwas leicht anderes heraus. Zwar dürften die vier Wahnsinnigen hierfür Verantwortlichen tatsächlich Zombiefilme mögen und sicher auch die Computerspiele der 80er Jahre, zu hören gibt es aber nicht minimal-schräge Computerklänge, die mit den damaligen Heimcomputern entstanden sind, sondern auf Punk basierende kleine Rocksongs mit teils skurrilen deutschsprachigen Texten. Die selbst produzierte, professionell aufgemachte CD(-R) liefert fünf treibende Songs zwischen Punk, Alternative und Trash (oder so ähnlich) ab, bei denen der Gesang etwas besser abgemischt hätte werden können, denen man aber immer den Spaß der Musiker anhört, der auch auf den Hörer über springt. Laut Eigenbeschreibung ist das Ganze „Destrukto Swing“, was zwar wenig aussagefähig ist, aber irgendwie den Trash-Charme dieser wilden Mischung ganz gut auf den Punkt trifft. Sicher nicht das, was mal den ganz großen Durchbruch schaffen wird, aber irgendwie eine Band, die man immer wieder gerne als Anheizer und Vorband auf Konzerten erleben möchte, weil hier Party und prima Stimmung garantiert sind.
Neben den fünf eigentlichen CD-Songs, gibt es als CD-Rom-Part noch jede Menge weitere Musik (das Gesamtwerk seit 2006), Bilder, Klingeltöne und mehr. (A.P.)

Webadresse der Band: www.derendgegner.org

ALONE - Fossilized In Concrete 1995-2006


Erstveröffentlichung: LP 2009 / Treue um Treue / T.u.T./R.u.R. / T.u.T. 012

Treue um Treue war ja schon immer das „poppigere“ Label aus dem Hause T.u.T./R.u.R., aber mit der LP des serbischen Projektes ALONE von Nikola Vitkovic gibt es erstmals eine Platte, die auch über die kleine Szene der Liebhaber und Eingeweihten hinaus für Aufsehen sorgen könnte. ALONE gibt es in Grundzügen seit 1987 und so richtig seit 1994. Seit Mitte der 90er Jahre folgten Auftritte und verschiedene kleinere Veröffentlichungen bis heute. Die vorliegende LP ist offenbar eine Art „Best of“ und stellt Tracks von 1995 bis 2007 vor. In den Anfangsjahren war ALONE noch stark von New Wave und EBM inspiriert, mir fallen da als lockerer Vergleich The Klinik in den 80er Jahren ein. Teils tanzbar, durchaus für die schwarzen Szene-Clubs geeignet, teils experimentell und dunkel kommen die Tracks daher.
In den 2000ern wuchs der experimentelle Anteil, die wavige Atmosphäre verlor sich und stattdessen hielt eine kühle Minimal-Electro-Stimmung Einzug. Gerade das macht die Platte zu einer wahren Entdeckungsreise und man möchte auf jeden Fall mal mehr, als diese neun Lieder von ALONE hören.
Die LP ist wie immer bei Treue um Treue edel gestaltet. Ein schlicht-schönes Cover, ein Insert (auf den Innenseiten offensichtlich durch den expressionistischen Filmklassiker „Das Cabinet Des Dr. Caligari“ inspiriert), durchsichtiges Vinyl und eine Limitierung auf 318 Exemplare werden die Scheibe sicher irgendwann zu einem gesuchten Kleinod machen. Hier sollten auch mal Electro-Wave-Fans reinhören, die sonst mit dem Label eher wenig anfangen können. (A.P.)

Webadresse der Band: www.tutrur.com


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